Montag, 27. Dezember 2010

Wochenrückblick, Ausgabe 5, Kalenderwoche 52/2010

Dieser Rückblick schließt die bisherigen in 2010 erschienen Ausgaben ab. Wegen der positiven Resonanz werden wir diese Wochenrückblicke auch in 2011 fortsetzen.

Unabhängig davon arbeiten wir gerade an einem Jahresausblick für 2011, den wir in den nächsten Tagen abschließen wollen und dann versenden werden. Mehr als 10 Jahre ist es her, dass wir uns an eine solche Vorausschau „gewagt“ haben. Heuer ist es wieder soweit. Zu groß sind nämlich die Gefahren, die durch eine völlig falsche Finanz- und Wirtschaftspolitik in den Industrienationen und den Schwellenländern drohen.

Bei der Bewertung wichtiger Nachrichten und Kommentare aus Wirtschaft und Politik, die während der vergangenen Kalenderwoche in den einschlägigen deutschen Medien erschienen sind, haben wir die Prognosen für 2011 ausgelassen. Wir werden diese Prognosen im Rahmen unseres eigenen Statements zu 2011 kommentieren.

Wir versuchen uns weiter kurz zu fassen. Trotzdem werden wir uns wiederholen, um Aussagen zu festigen.

Bei den Zahlenangaben verwenden wir die deutsche Zählweise.

Nach wie vor wird die Auswahl der Nachrichten von uns getroffen, wir sind aber überzeugt, dass wir nichts Wichtiges auslassen. Trotzdem gilt: Sollte ein Thema hier fehlen, aber unbedingt behandelt werden, so freuen wir uns über eine kurze Anregung.

Obwohl die folgenden Äußerungen – natürlich – ausschließlich unsere persönliche Meinung wieder geben, legen wir Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen oder durch belastbare Indizien untermauern zu können. Sollten Sie unsere Aussagen in Zweifel ziehen, werden wir gerne die entsprechenden Informationen ergänzend zur Verfügung stellen. Email genügt.

Lesen Sie die folgenden Seiten bitte aufmerksam, es wird Ihnen nur nutzen.


Finanzkrise:

Nach wie vor in Deutschland eine dürftige Berichterstattung. Bemerkenswert die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin. Die sieht bereits die Zeit nach der Finanzkrise für gekommen und bescheinigt sich eine gute Arbeit. Tatsächlich wurde hier bereits Wahlkampf gemacht. Weder ist die Finanzkrise zu Ende, noch wurde von den Politikern gute Arbeit geleistet, quer durch alle Parteien. Zur Erinnerung: 7 Landtagswahlen finden 2011 in Deutschland statt und die Erfolgsaussichten von Schwarz-Gelb sind mindestens zweifelhaft, das weiß die Kanzlerin.

Die Staatsschulden sind nicht mehr beherrschbar. Die USA und alle mit ihr verbundenen Staaten lassen die Notenpressen auf Hochtouren laufen. Die Einen, um die Wirtschaft anzukurbeln, die Anderen, um ihre Währung zu retten. Garantiert ohne Erfolg.

Sicher ist nur, dass diese Krise in den nächsten Monaten mit allen Mitteln für Tod erklärt wird. Nicht nur in Deutschland stehen 2011 Wahlen an. Da sind gute Nachrichten Pflicht.

Die Börsen boomen erst einmal weiter. Wegen der grenzenlosen Liquidität sind auch neue Höchststände möglich. Der Absturz kommt sicher und er wird neue Probleme schaffen.

Eine neue These verbreitet sich in den Medien: Der Schweizer Franken (CHF) ersetzt die D-Mark. Eine sehr interessante Aussage: Die kleine Schweiz sozusagen der rettende Fels in der Brandung. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die staatliche Rettung der beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse seit 2008 bedeutet für jeden der knapp 8 Millionen Schweizer ein Risiko von 4.500.000 CHF! Gemessen an dem Bruttosozialprodukt von gerade einmal 68.000 CHF je Schweizer in 2009 eine geradezu irrsinnige Zahl. Schon die Ausfallrisiken aus den Derivateschulden der beiden Schweizer Großbanken belaufen sich für jeden Schweizer auf 450.000 CHF. Dieser Betrag ist geschätzt und könnte, wovon wir überzeugt sind, noch höher liegen. Alleine die Schulden der UBS belaufen sich auf das Vierfache der Schweizer Wirtschaftsleistung. In der Schweiz selbst heißt es deshalb schon längst über UBS und Credit Suisse: „too big to rescue“!

Die Schweiz ist zu einem riesiger Hedgefonds verkommen, lebt längst nur noch von dem Jahrzehnte alten Vertrauensvorschuss, bzw. dem Mangel an weltweiten Alternativen. Die Risiken sind hier, genauso wie in der restlichen Welt, unkalkulierbar geworden. Würde auch nur eine der beiden Großbanken pleite gehen wäre die Schweiz, ähnlich wie Island, bankrott. Unglaublich aber wahr.

Der Schweizer Franken ist also in Wirklichkeit nicht mehr Wert wie der US-Dollar oder das englische Pfund, usw. Trotzdem markiert die Währung gegenüber dem Euro neue Höchststände. Die Interventionen der Schweizer Notenbank gehen ins Leere und verursachen statt dessen Verluste in der Größenordnung von 32 Milliarden CHF.

Wer kann da noch allen ernstes glauben, die Finanzkrise sei vorbei?


USA:

Amerikas Mitte fehlt eine Perspektive. Die Maßnahmen der Notenbank FED zur Stützung der Wirtschaft verpuffen. Schlimmer noch: Die Gelder werden von den Banken und Großkonzernen zu hemmungsloser Spekulation benutzt, u. a. gegen den Euro.

Die Erwerbsarmut nimmt rapide zu. Das Einkommen aus bis zu 3 Jobs reicht nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Ständig werden die Statistiken über die Arbeitslosenzahlen und die Inflation frisiert. Anders kann man es wirklich nicht bezeichnen, wenn die offizielle Arbeitslosenquote 10 %, die tatsächliche aber 22,5 % beträgt, oder die offizielle Inflationsrate unter 2 %, die tatsächliche Rate immerhin schon bei 9 % liegt.

Die USA leben längst „im Auge des Sturms“, wie kürzlich ein Analyst treffend bezeichnete.

Die Archillesferse ist der Arbeitsmarkt. Neue Jobs gibt es nicht, trotz immer neuer froher Botschaften in den deutschen Medien. So soll auch wieder der Konsum steigen und der Häusermarkt am Anfang einer Erholung stehen. Das sind ausnahmslos Märchen, die Zuversicht verbreiten sollen. Wir wissen es besser.

Nur neue, gut bezahlte Jobs würden die Situation entspannen. Statt dessen verfallen die alten Industriestandorte, weil über Jahre hinweg die Produktionen in das billige Asien und Mittelamerika ausgelagert wurden. Beispiel: Wal Mart, der weltweit größte Einzelhändler, importiert für seine us-amerikanischen Läden rund 80 % der Waren aus China, vom Rest kommt der größte Teil aus Mittelamerika, nur noch ein kleiner einstelliger Prozentsatz kommt aus den USA selbst.

Sehen Sie sich an, wo die Produkte so „ur-amerikanischen“ Konzerne, wie HP/Compaq, IBM, Dell, Xerox, Apple, hergestellt werden: Überall, nur nicht in den USA.

Präsident Obama kennt sein Land nicht, wenn er die Losung ausgibt, dass sich der Export innerhalb weniger Monate verdoppeln soll.

Auf der anderen Seite hat das Vermögensungleichgewicht weiter zugenommen. 5.307 US-Amerikaner verdienten zusammen genommen in 2009 die unglaubliche Zahl von 57,097 Milliarden US-Dollar und damit mehr als die 24,316 Mio. US-Amerikaner am anderen Ende der Lohnstatistik 2009, die zusammen genommen nur 49,028 Mrd. US-Dollar verdienten. Hier wird deutlich, wer die Zeche jetzt und in Zukunft zahlt.

Neue Botschaften gibt es auch von den Kommunen und Bundesstaaten, die mittlerweile auch die Pensionszahlungen für ihre Angestellten gekürzt oder bis auf weiteres sogar ganz eingestellt haben. Der Grund: Fehlende Steuereinnahmen aus dem Häusermarkt. Neue Hilfen aus Washington gibt es nicht mehr.

Die USA sind ruiniert. 2011 wird – offiziell – die Verschuldungsquote die Marke von 100 % überschreiten. Das Haushaltsdefizit wird dann 11 % des Bruttosozialprodukts betragen, der höchste Wert aller Industrienationen. Aufgrund unserer eigenen Recherchen halten wir bereits diese Zahlen für geschönt.

Der im Wochenrückblick, Ausgabe 2, angekündigte Bericht über das riesige Haushaltsdefizit der USA werden wir in unserer Jahresvorschau 2011 eingehend thematisieren.


China:

Topp-Themen in dieser Woche: Milliarden-Investitionen in den Rohstoffmarkt Brasiliens. Neue Absichtserklärungen zu Milliarden-Euro-Hilfen für Portugal und Spanien, ganz neu auch für Ungarn.

Hier haben wir schon in den vorangegangenen Ausgaben unseren Unmut geäußert: Der Westen sieht tatenlos zu, wie sich China für die Zukunft als Wirtschaftsmacht in Stellung bringt. Eine Entwicklung, die den Europäern noch übel aufstoßen wird.


Europa:

Hinter den Kulissen gehen die hilflosen Rettungsbemühungen für den Euro weiter. An dieser Stelle betonen wir unmissverständlich, dass wir gegen die Einführung einer D-Mark II sind oder die Aufspaltung des Euro in Nord und Süd für eine gute Idee halten. Diejenigen, die einer dieser Lösungen für Deutschland das Wort reden, verstehen entweder die Zusammenhänge nicht (was wir nicht glauben) oder leisten großartige Lobby-Arbeit. Wir werden in unserer Jahresvorschau 2011 darauf detailliert eingehen.

Es handelt sich bei der Euro-Krise um eine massive Spekulation mit nur zwei Zielen: Den Euro gegenüber dem US-Dollar zu destabilisieren und die beteiligten Banken, Hedgefonds, Unternehmen, wollen Gewinne machen. Wird diese Spekulation gegen den Euro nicht unterbunden – und danach sieht es leider nicht aus – so werden weder die Verdoppelung des Rettungsschirms, noch ein wie auch immer gearteter Euro-Stabilitätsfonds, Abhilfe schaffen.

Die bisherigen Maßnahmen von Brüssel und IWF zur Schuldenreduzierung in den betroffenen Staaten sind schlicht unsinnig. Griechenland, so die neusten Zahlen aus Brüssel, spart sich gerade kaputt. Irland werden die gleichen Maßnahmen ab verlangt. Damit werden auch dort die Verhältnisse nur verschlimmbessert.

Weder Brüssel, noch die nationalen Regierungen, haben die richtigen Lösungen parat. Es geht denen nur darum, Zeit zu gewinnen. Dieser Zeitgewinn reicht vielleicht noch für den einen oder anderen Wahlsieg, mehr aber nicht. Die Rechnung wird innerhalb der nächsten 2 – 3 Jahre präsentiert, und die wird bis dahin unbezahlbar sein.

In der letzten Woche haben wir geschrieben, dass für uns „das englische Pfund unter massiven Druck gerät“. Wir betonen diese Annahme noch einmal. Großbritanniens Regierungskoalition ist in einem völlig desolaten Zustand, unfähig, dringend notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch hier China als „Retter in der Not“ gehandelt wird.

Schon vor Monaten wurde uns bekannt, dass der Hafen von Dover verkauft werden soll, außerdem die Hälfte der in Staatsbesitz befindlichen Wälder.

Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass eine Gruppe britischer Ökonomen dem Euro keine Überlebenschance zubilligt. Diese Studie dient nur dem Zweck, von den eigenen immensen Schwierigkeiten ab zu lenken. Wir werden weiter berichten.


Deutschland:

Schon wieder gute Neuigkeiten von unserem FDP-Wirtschaftsminister. Er erwartet 2011 „ein Jahr des Aufschwungs“ mit „Rekordwachstum“ und er träumt von Vollbeschäftigung. Deutschland habe (...) „den Weg aus der Krise gefunden“ und den „Grundstein für ein nachhaltiges Wachstum gelegt“, Die jüngsten Exportzahlen seien ein weiteres Ausrufezeichen. Auch der FDP-Wirtschaftsminister meint, genauso wie die CDU-Bundeskanzlerin, den Weg aus der Finanzkrise.

Hier wird dem Wahl-Volk etwas vorgemacht. Die ZEIT nannte so etwas am 30.12.2010 in ihrer Online-Ausgabe „Die Wahr-Lügner“.

Wie zur Bestätigung von Wirtschaftsminister und Bundeskanzlerin verkündet die deutsche Industrie, 70 000 neue Stellen schaffen zu wollen, als Zeichen dafür, dass die Wirtschaft brummt und man an einer absehbaren Vollbeschäftigung arbeitet. Das sind Gefälligkeitsaussagen, mehr nicht. Auf der anderen Seite fehlen dem Staat 370 Millionen Euro bei der Lkw-Maut, so dass wieder einmal darüber diskutiert wird, die Maut auf die Pkw auszudehnen.

Andererseits werden die Arbeitgeber und ihre Verbände nicht müde, vor zu hohen Lohnerwartungen zu warnen.

Kritische Geister, zu denen wir uns zählen, sehen ein anderes mögliches Szenario: nämlich ein Krisenjahrzehnt. Schließlich sind wir, gerade durch unsere Exportlastigkeit, ein Spielball der weltweiten Entwicklung, die sich, was wir beweisen werden, zu einem einzigen Desaster entwickelt.

Es fällt auf, dass die deutschen Firmen angekündigt haben, sich in den kommenden Monaten verstärkt um den europäischen Markt zu bemühen, obwohl dorthin schon 78 % der deutschen Exporte gehen. Wie glaubhaft sind da noch Aussagen, dass China, Indien, Brasilien, die neuen bevorzugten Absatzmärkte werden? Hier traut jemand seinen eigenen Worten nicht. Mit dem Euro und der EWU lässt sich eben doch gut leben.

Ach so, da war noch etwas zur Rente mit 67. Es ist offiziell: Die Zahl der über 60 Jahre alten arbeitslosen Menschen hat sich von Oktober 2007 bis Oktober 2010 mehr als vervierfacht. Die Arbeitsministerin hat das jedoch bestritten und hält weiter an der Rente ab 67 fest. Wohlgemerkt, die Ministerin bestreitet Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Im Ergebnis ist es ein Taschenspielertrick: Die Rentenversicherung wird entlastet und die Arbeitsagentur belastet, nur, um am Ende nach wie vor den Steuerzahler zu belasten, der den höheren Fehlbetrag bei der Arbeitsagentur genauso ausgleichen muss wie vorher bei der Rentenversicherung.


Rohstoffe und Krisenvorsorge:

Ab sofort haben wir diese Rubrik erweitert.

Aus gutem Grund wiederholen wir hier noch einmal zwei Zitate von Alan Greenspan, dem früheren Präsident der US-Notenbank FED:

Gold und wirtschaftliche Freiheit sind untrennbar. Gold steht symbolisch als Beschützer der Eigentumsrechte. (...) Staatsschulden sind nur ein anderes Wort für heimliche Konfiszierung von Vermögen. Das Gold steht dem im Wege und ist allein Garant des Eigentums und der Eigentumsrechte.“

Gold repräsentiert immer noch die höchste Zahlungsform der Welt. (...) Papiergeld wird, in extremis, von niemandem angenommen – Gold dagegen wird immer angenommen.“

Zur Bestätigung gab es in den vergangenen Tagen neue Bestmarken bei Gold und Silber.

Der Druck auf die Rohstoffpreise nimmt durch die riesigen Überschwemmungen in Australien zu. Unabhängig davon erwarten wir außerdem höhere Preise bei den Nahrungsmitteln. Lassen Sie sich von den Preissenkungsrunden in den deutschen Supermärkten nicht täuschen.

Lesen Sie bitte noch einmal in der Ausgabe 3 unter „Rohstoffe“ nach. Hier steht nach wie vor das Wichtigste.

Mittlerweile warnen deutsche Medien, allen voran die FAZ, vor Lebensversicherungen, nennen sie „unattraktiv“, wegen „lausiger Zinsen und hoher Kosten“. Hört, hört.

Brisant: Unser Verdacht scheint sich zu bestätigen: Die deutsche Bundesbank verfügt über keine nennenswerten Gold-Reserven (mehr). Davon waren wir schon längst überzeugt. Wir gehen davon aus, dass bestenfalls 10 – 15 % der ursprünglichen Gold-Reserven der deutschen Bundesbank physisch noch zur Verfügung stehen. Thematisieren wir weiter. 

 

Montag, 20. Dezember 2010

Wochenrückblick, Ausgabe 4, Kalenderwoche 51/2010

Der vorliegende Rückblick setzt die bisherigen 3 Ausgaben fort. Erstmalig haben wir unser Augenmerk noch stärker auf die Meinungen der schweizer Medien fokussiert. Die nämlich mit sehr viel Sachverstand und einem gewissen unabhängigen Abstand über die Dinge in Europa und der Welt berichten.

Wir bewerten wieder wichtige Nachrichten und Kommentare aus Wirtschaft und Politik, die während der vergangenen, der 51., Kalenderwoche in den einschlägigen deutschen Medien erschienen sind. Diese Bewertungen sollen Ihnen wichtige Denkanstöße geben.

Nach wie vor versuchen wir uns kurz zu fassen. Trotzdem schließen wir Wiederholungen nicht aus, um Aussagen zu festigen.

Bei den Zahlenangaben verwenden wir die deutsche Schreibweise.

Die Auswahl der Nachrichten wird von uns getroffen, wir sind aber überzeugt, dass wir nichts Wichtiges auslassen. Trotzdem gilt: Sollte ein Thema hier fehlen, aber unbedingt behandelt werden, so freuen wir uns über eine kurze Anregung.

Obwohl die folgenden Kommentare – natürlich – unsere persönliche Meinung wieder geben, legen wir Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen oder durch belastbare Indizien untermauern zu können. Leserinnen und Lesern, die unsere Aussagen in Zweifel ziehen, können wir gerne die entsprechenden Informationen ergänzend zur Verfügung stellen. Email genügt.

Wir wünschen Ihnen viele (neue) Erkenntnisse aus diesem Wochenrückblick.

Die Verfasser


Finanzkrise:

Die deutschen Medien drücken dieses Thema weg. Nicht so die Medien in den Ländern, die bereits massiv unter den Auswirkungen leiden. Dort weiß man, es gibt sie noch, die Finanzkrise.

Auch wir wollen allen die Sinne schärfen, die sich mittlerweile schon wieder entspannt zurück lehnen und davon überzeugt sind, es ist vorbei.

Die beschlossenen Finanzmarktregulierungen greifen nicht. Die Gesetze sind gespickt mit Lücken, die von den Banken bereits wieder genutzt werden. Folgen wir der Wirtschaftswoche und nennen es das „Schattenreich der Finanzindustrie“: Risiken werden weiter in Zweckgesellschaften ausgelagert, neue risikoreiche Geschäfte von diesen Zweckgesellschaften abgewickelt, die Eigenkapitalvorschriften unterlaufen, Wertberichtigungen verschleppt. Dadurch generieren die Banken auf dem Papier riesige Gewinne, obwohl sie nach alter Kaufmannssitte eigentlich pleite sind.

Die Politiker kommen mit einem Pflaster, wo amputiert werden müsste.

Die US-amerikanische FED und die Notenbanken halten diese Groß-Banken weiter am Leben. Die Finanzkrise bewältigen sie damit nicht.

Die Spekulationen gegen den Euro, die Explosion der Rohstoffpreise, Deflation hier – Inflation da, die galoppierende Zunahme der Staatsschulden auf der Welt, sind alles klare Indizien dafür, dass die Finanzkrise immer neue Wunden schlägt, die nicht mehr heilen werden.

Wir benutzen das Wort „Krieg“ nicht gerne, aber hier ist es leider angebracht: Es gibt längst den Währungskrieg, den Handelskrieg, den Krieg um Rohstoffe, oder den Krieg um Land. Der Ausgang ist ungewiss. Auch für die Industrienationen. Sicher ist jedoch, dass „Otto Normalverbraucher“ überall auf der Welt schwerste finanzielle Einbußen hinnehmen muss, sollte er nicht vorbereitet sein.

Die Welt sitzt auf einem Schuldenpulverfass, das irgendwann explodiert. Die Folgen sind heute noch nicht in allen Einzelheiten absehbar. So viel steht schon fest: Bei den Summen, um die es geht, war die „Große Depression“ vor 80 Jahren dagegen nur ein laues Lüftchen. Nur zur Erinnerung: Die dauerte nicht weniger als 15 Jahre.

Gerade jetzt zum Jahreswechsel überwiegen die positiven Ausblicke auf das nächste Jahr. Besonders natürlich in Deutschland, hier wird schliesslich 2011 in 7 Bundesländern gewählt und die Voraussagen für die Regierungskoalition sind alles andere als günstig.

Noch eine Anmerkung: Bis vor 2 Jahren, dem Beginn der Finanzkrise, war es gelungen, die Anzahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, auf 500 Millionen zu senken. In den letzten 2 Jahren hat sich diese Anzahl auf 1 Milliarde verdoppelt. Warum, wo doch eine unvorstellbare Menge Geld in der Welt unterwegs ist? Sehen wir uns als Erklärung die Entwicklung der Preise für Getreide usw. in diesem Zeitraum an, die teilweise geradezu explodiert sind und damit dem Zugriff der Ärmsten entzogen. Wir erleben gerade eine Welternährungskrise, die sich noch verschärfen wird. So lässt sich auch der Anstieg der Weltbevölkerung regulieren.


USA:

Es steigt die Gefahr einer Deflation. Die Folgen wären katastrophal, auch für den Rest der Welt. Noch scheiden sich darüber die Geister. Wir selbst halten eine Spaltung für möglich. D. h., die Preise für Rohstoffe, incl. Nahrungsmittel steigen, alles andere entwertet sich. Kommt es in den USA zu dieser Entwicklung, wird die ganze Welt davon betroffen sein.

Die US-Wirtschaft bleibt weiter am Boden, deshalb sind neue Jobs nicht in Sicht. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit bei den bis 20jährigen ist Besorgnis erregend. Gut ausgebildete Berufsanfänger finden keine Jobs.

Die zahlungsunfähigen Kommunen und Bundesstaaten entlassen große Teile ihrer Beschäftigten. Kredite werden nicht mehr bedient. Neue Kredite müssen aufgenommen werden, um laufende Ausgaben zu bestreiten. Steuereinnahmen sind weg gebrochen. Nicht nur Kalifornien hat ein Problem.


China:

Die chinesische Regierung kommt zu spät. Die Inflation liegt schon jetzt bei 5 %, deutlich über den seit zwei Wochen offiziell erlaubten 4 %. Als Reaktion darauf wurden schon wieder die Leitzinsen erhöht.

Die Immobilienblase entwickelt sich weiter, wenn auch verlangsamt. Es wird immer noch gebaut, wenn auch schon längst keiner mehr weiß, wer die neuen Wohnungen überhaupt kaufen kann. Für große Teile von Chinas wachsendem Mittelstand ist der Kauf einer Wohnung unerschwinglich geworden. Schon jetzt stehen viele der neu errichteten Gebäude leer. Noch hat das keine Auswirkungen auf die Preise, die in einigen Regionen im Quartal (!) um bis zu 70 % gestiegen sind. Das Ende ist vorhersehbar. Die Folgen auch, wenn man bedenkt, dass 60 % der derzeitigen Wirtschaftstätigkeit in China direkt oder indirekt vom Immobiliensektor und der Bauindustrie abhängt. So wurden offensichtlich die Produktionsausfälle in der Exportindustrie ausgeglichen. Die chinesische Regierung versucht gerade, mit unterschiedlichen Maßnahmen, dem Platzen dieser Immobilienblase vorzubeugen. Die nächsten Monate werden zeigen ob mit Erfolg.

China verschafft sich weiter Vorteile in Afrika. Investiert werden sollen weitere 31 Mrd. $. Vornehmlich in die Sicherung der Rohstoffversorgung (Öl, Gas, Eisenerz).

Die Aussichten für 2011 werden von den westlichen Ökonomen für China überwiegend sehr positiv eingeschätzt. Es gibt nur wenige warnende Stimmen, die mehrheitlich aus China selbst kommen.

Wir sind davon überzeugt, dass es China immer darum gehen wird, seine wirtschaftliche Position in der Welt so auszubauen und auch zu festigen, dass sein politisches Gewicht deutlich zunimmt.


Europa:

Es war relativ ruhig im vereinten Europa. Vielleicht zu ruhig?

Jedenfalls hat es uns an die Ruhe vor dem Sturm erinnert.

Vorsorglich wurde Portugal schon einmal unter den Rettungsschirm gedrängt (Deutsche Bank). Obwohl China für angeblich 5 Mrd. Euro portugiesische Staatsanleihen kaufen will. Portugal muss bis Ende 2011 rund 9,5 Mrd. Euro refinanzieren, da wäre eine Kapitalspritze aus China zu moderaten Konditionen schon willkommen.

China hat sich mittlerweile kritisch zur Entwicklung im Euro-Raum geäußert, da ein Teil seiner Devisenreserven auf Euro lauten. Die Erhaltung des Euro hat da schon eine gewisse Priorität.

Deutschland bastelt an einer neuen Lösung für die Eurokrise, nennt sich Euro-Stabilitätsfonds. Wurde der luxemburger Vorschlag noch abgebügelt, Euro-Bonds aufzulegen, so soll es jetzt eine ähnliche Lösung mit neuem Namen unter deutscher und französischer Führung geben. Ein Schuft, wer dabei Böses denkt.

Jedenfalls fehlt es noch immer an einer klaren Position Deutschlands, die endlich auch in die Öffentlichkeit hinein kommuniziert wird. Alle wissen, dass der Euro Bestand haben muss. Nur aus Kalkül, nämlich weil die Deutschen immer noch ihrer D-Mark nachhängen und 2011 ein Wahljahr ist, eiert Berlin in dieser Frage von Woche zu Woche weiter herum. Der Schaden wird so nur größer.

Wir beziehen, im Gegensatz zu Berlin, eine eindeutige Position: Die politische Union muss kommen. Bei der Gründung der Euro-Zone war bereits klar, dass eigentlich eine weitaus größere politische Integration nötig wäre, wozu man damals nicht bereit war. Die Beteiligten haben diesen Fehler in Kauf genommen. Wohl wissend, dass die Zeit irgendwann reif dafür sein werde, diesen Geburtsfehler zu korrigieren. Natürlich konnte niemand diese Entwicklung vorher sehen, die heute die Korrektur dieses Fehlers mit Gewalt erforderlich macht. Dazu gehört nun einmal auch die „Transferunion“. Je schneller hier Klarheit geschaffen wird, um so schneller hört die Spekulation gegen den Euro auf. Damit wäre wenigstens schon eine große Schlacht im Währungskrieg gewonnen.

Ab Januar werden wir erleben, wie Portugal fällt und der Druck auf Spanien immer größer wird.

In der letzten Woche haben wir geschrieben, „Großbritannien geht schon lange am Stock“. Wir halten es für möglich, dass das englische Pfund unter massiven Druck gerät. Diesen Hinweis haben wir aus den USA bekommen. Die Zahlen dazu sind erschreckend. Danach ist Großbritannien völlig überschuldet, viel höher wie bisher angenommen. Da verwundert es dann auch nicht mehr, dass ein nagelneuer Flugzeugträger ohne Flugzeuge in Dienst gestellt wurde und ein alter nicht in eigener Regie verschrottet, sondern an den Meistbietenden verkauft wird.


Deutschland:

Die positiven Nachrichten kamen geradezu stündlich in die Medien. Wir haben uns nur noch die Augen gerieben. „Top-Ökonom“ Sinn vom Ifo-Institut („Deutschland 2011 Konjunkturlokomotive“), die den Arbeitgebern nahe stehenden Institute, alle feierten das „Wirtschaftswunder Deutschland“ und den „hervorragenden Ausblick“ für 2011.

Vollbeschäftigung in Sichtweite. Steigende Löhne versprach der Wirtschaftsminister, sprach gar von einem „Jahrzehnt der Arbeitnehmer“, wogegen die Arbeitgeberverbände einen Tag später Lohnzurückhaltung einforderten. Der Wirtschaftsminister setzte aber noch einen drauf und stellte, wohl schon in Vorbereitung auf das 7-fache Wahljahr, Steuererleichterungen in Aussicht. Der Maschinenbau jubilierte, die Autoindustrie sowieso, die beide ihr Heil in der Entwicklung der Schwellenländer, allen voran Indien, Brasilien, China, zu den neuen Weltwirtschaftslokomotiven sehen.

Die Krisenstimmung in der Bevölkerung wurde von den Medien „weg geschrieben“, das Weihnachtsgeschäft musste dafür als Begründung herhalten.

Dazu sagen wir nur: Alles Quatsch. Genau so wird es niemals kommen. Das ist bereits Wahlkampf.

Aus Umdeutungen werden keine belastbaren Prognosen. Wenn Kredite aus öffentlichen Förderprogrammen nur teilweise abgerufen werden, so heißt es nicht, dass es keine Kreditklemme gibt. Schon seit Jahren werden die Fördermittel der KfW nur teilweise ausgeschöpft: zu schwierig sind die Bedingungen und der Antragsweg über die Hausbank. So ist nämlich zu erklären, warum die KfW in der Vergangenheit überschüssige Gelder zweckentfremdet in Risikogeschäfte investierte.

Besorgnis erregend ist aber die Nachricht aus der Finanzaufsicht BaFin, die befürchtet, dass deutsche Lebensversicherer Zinsgarantien an ihre Kunden nicht einhalten können. Die Behörde hat bereits die Anbieter aufgefordert, die Rückstellungen für einen Teil ihrer Verträge schon 2011 deutlich zu erhöhen. Obwohl die Branche gelassen reagierte, könnte hier zukünftig Zündstoff liegen. Verpflichtungen aus 91,5 Millionen Verträgen, Ende 2009 immerhin 741 Mrd. Euro, sind kein Pappenstiel. Wir informieren uns weiter.


Rohstoffe:

Es ging weiter mit den Prognosen für 2011. Ganz klar überwiegen diejenigen, die eine klare Fortsetzung der Finanzkrise 2008 erwarten und daraus klare Preissteigerungen bei den Rohstoffen und Nahrungsmitteln vorher sagen. Mit geringem Korrekturpotential.

Wegen der klaren Aussagen geben wir hier ein Preisziel für die Unze Gold bekannt, wo mindestens 1.600 $ erwartet werden. Bei Silber halten wir erst einmal weiter an 40 $/Unze fest, obwohl wir hier außerdem noch erwarten, dass sich das Verhältnis zum Gold weiter annähert, was dem Preis zusätzlich gut tut.

Heute wollen wir Alan Greenspan zitieren, früherer Präsident der US-Zentralbank FED:

Gold und wirtschaftliche Freiheit sind untrennbar. Gold steht symbolisch als Beschützer der Eigentumsrechte. (...) Staatsschulden sind nur ein anderes Wort für heimliche Konfiszierung von Vermögen. Das Gold steht dem im Wege und ist allein Garant des Eigentums und der Eigentumsrechte.“

Gold repräsentiert immer noch die höchste Zahlungsform der Welt. (...) Papiergeld wird, in extremis, von niemandem angenommen – Gold dagegen wird immer angenommen.“

Dem haben wir nichts hinzuzufügen. 

 

Montag, 13. Dezember 2010

Wochenrückblick, Ausgabe 3, Kalenderwoche 50/2010

Der vorliegende Rückblick setzt die 2. Ausgabe vom 13.12.2010 fort. Entgegen unserer ursprünglichen Absicht werden wir bis auf weiteres jeweils montags diese Zusammenfassung bereit stellen. So können wir auch noch die Neuigkeiten in den Sonntagsausgaben der führenden deutschen Medien berücksichtigen.

Wir bewerten wichtige Nachrichten und Kommentare aus Wirtschaft und Politik, die während der 50. Kalenderwoche in den einschlägigen deutschen Medien erschienen sind. Diese Bewertungen sollen Ihnen wichtige Denkanstöße geben. Um Ihnen das Lesen zu erleichtern, versuchen wir uns kurz zu fassen.

Bei den Zahlenangaben verwenden wir die deutsche Schreibweise.

Die Auswahl der Nachrichten wird von uns getroffen, wir sind uns aber sicher, dass wir nichts Wichtiges ausgelassen haben. Trotzdem gilt: Sollte ein Thema hier fehlen, aber unbedingt behandelt werden, so freuen wir uns über eine kurze Anregung.

Obwohl die Kommentare – natürlich – unsere persönliche Meinung wieder geben, legen wir Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen oder durch belastbare Indizien untermauern zu können. Leserinnen und Leser, die Zweifel an unseren Aussagen haben, können wir gerne die entsprechenden Informationen ergänzend zur Verfügung stellen. Email genügt.

Wir wünschen Ihnen viele (neue) Erkenntnisse aus diesem Wochenrückblick.



Finanzkrise:

Auch in dieser Woche wurde ins wieder erklärt, dass Deutschland die Finanzkrise überwunden habe und gestärkt aus ihr hervor gegangen sei. Jetzt gelte es nur noch die Euro-Krise zu überwinden und dann wird Deutschland viele erfolgreiche Jahre erleben. Leider ist es so, dass Nachrichten nicht deshalb wahr werden, weil man sie ständig wiederholt.

In den USA ist jetzt eine Zahl ans Licht gekommen, die all denen Recht gibt, die das heutige Weltfinanzsystem als einen gigantischen Casino-Betrieb bezeichnen, wo praktisch auf alles gewettet wird, um riesige Gewinne zu machen. Dieses System ist weitestgehend völlig unreguliert und wird nur von den größten internationalen Banken gelenkt und kontrolliert.

Die Zahl beziffert, wie groß der weltweite Derivatemarkt in Wirklichkeit ist. Schätzungen gehen davon aus, dass der nominelle Wert aller weltweit ausstehenden Derivate bei 1 Billiarde US-Dollar liegt. Niemand kann sich die Zahl 1.000.000.000.000.000 wirklich vorstellen. Deshalb zum Vergleich: Die us-amerikanische Notenbank FED nannte in 2007 läppische 50 Milliarden US-Dollar als problematisch. Der IWF ging 2008 von 1.000 Milliarden aus, US-Ökonomen stuften bis zu 2.000 Milliarden US-Dollar als gefährdet ein. Immer noch weit weg von der heute bekannten Summe.

Diese Papiere schlummern, wir betonen dies bei jeder Gelegenheit, mit diesem nominellen Wert in den Bilanzen der Markt beherrschenden intern. Banken, allen voran den us-amerikanischen Großbanken. Die New York Times, nicht gerade als anti-kapitalistisch bekannt, berichtete kürzlich darüber und verglich diese Marktbeherrschung mit einer Verschwörung („Eine geheime Bankenelite herrscht über den Derivatehandel“).

Diese Derivate sind „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ (Zitat Warren Buffett, US-Großinvestor). Dem können wir nichts mehr hinzufügen.

Der weltweite Derivatemarkt ist kreditfinanziert. Wenn diese 1-Billiarde-USD-Blase eines Tages platzt, gibt es auf der ganzen Welt einfach nicht genügend Geld, um dieses Problem dann zu beheben.

Die bisherigen Banken-Rettungspakete der diversen Staaten, alle zusammen auch schon viele Billionen US-Dollar schwer, waren ganz klar nur der berühmte Tropfen auf den glühend-heißen Stein.

Schon diese Hilfen, so zeigt sich täglich, hatten die Staaten überfordert. Von den darüber hinaus gehenden Staatsgarantien für die Sparer nicht zu reden, die alleine in Deutschland 3 Billionen Euro ausmachen würden. Bei einem offiziellen Bundeshaushalt von rund 320 Milliarden Euro in 2010 nicht wirklich vermittelbar.

Die Finanzkrise geht auch in der nächsten Woche weiter, garantiert.


USA:

Hurra, endlich gibt es ein Wirtschaftswachstum in den USA. 2 % sollen es sein. Glauben Sie es nicht. Die Regierung hat ein 858-Milliarden-Steuerpaket aufgelegt, was alleine für sich genommen dieses Wachstum ausmacht und die Statistik aufbläht. Also überhaupt kein Wachstum im klassischen Sinne durch neue Arbeitsplätze in der Industrie, neue Jobs, neue Hauskäufe, neue Konsumanreize. Diese Dinge sind auch nach wie vor nicht in Sicht.

Aber: Immer mehr Kommunen und Bundesstaaten stehen vor dem Bankrott. Sie leben von der Regierung in Washington und sorgen so für eine weitere stetige Zunahme des Haushaltsdefizits.


China:

Die chinesische Regierung hat – ganz offiziell – ein neues Inflationsziel festgesetzt: Nach bisher 2,1 % sollen jetzt erst einmal 4 % erlaubt sein. Dieses Inflationsziel folgt nur der Realität.

Bei der von uns beobachteten wirtschaftlichen Entwicklung, der Preisentwicklung bei den Grundnahrungsmitteln, der rasanten Entwicklung der Immobilienpreise und der Verteuerung der Rohstoffe, keine echte Überraschung mehr.

Die Investitionen Chinas in Europa, besonders in den angeschlagenen Euro-Ländern, allen voran Griechenland, Portugal und Spanien, fanden in dieser Woche endlich auch in Deutschland einige Aufmerksamkeit.

China verfügt über 2,5 Billionen US-Dollar. Da sind 300 Millionen Euro hier (Griechenland) und 400 Millionen Euro da (Spanien) ein vergleichsweise geringer Einsatz, der jedoch hohen Nutzen verspricht.

China ist als Retter in der Not höchst willkommen. Auch Italien hat bereits Interesse an einer weit gehenden Zusammenarbeit bekundet. Das Ziel der Chinesen ist dabei klar: Förderung der eigenen Industrie, mehr politische Einflussnahme in Europa. Irgendwann fallen dann auch die Dumpingzölle, mit denen die EU staatlich geförderte Billigexporte aus China belegt.

Die zunehmende finanzielle Abhängigkeit Europas von China stufen wir sehr negativ ein. Wir sehen weitere Belastungen auf die europäischen Arbeitnehmer zukommen, allen voran auf die deutschen. Stichworte: Minderlöhne, Arbeitsplatzverlust, Technologietransfer.

Ein Beispiel: China will in Griechenland einen neuen Hafen bauen. Wir sind fest davon überzeugt, dass ein großer Teil der Bauarbeiter für dieses Projekt aus China kommen wird, nur ein kleiner Teil aus Griechenland. Lediglich für hoch spezialisierte Arbeiten werden z. B. deutsche Fachkräfte eingesetzt. Das gilt auch dann, wenn deutsche Firmen beteiligt sind.

Chinas Fokus richtet sich jedoch auch auf die unmittelbare Nachbarschaft: Neuen Handelsabkommen mit Russland und Indien folgte in dieser Woche ein milliardenschweres Abkommen mit Pakistan. China justiert seine Exporte neu. Kurzfristig wird hier noch nicht viel passieren, langfristig könnte es aber zu ganz neuen Handelströmen kommen.

Not macht nun einmal erfinderisch.


Europa:

Beherrschendes Thema in dieser Woche: Der Eu-Gipfel zur Bewältigung der Euro-Krise. Das Ergebnis wurde in Deutschland als Sieg der Kanzlerin wahrgenommen. Wir fragen uns, warum. Wir haben das Ergebnis-Protokoll gelesen. Außer wachsweichen Absichtserklärungen steht nichts drin. Lösungen absolute Fehlanzeige. So werden die Probleme für die Euro-Zone, bzw. sogar letztlich ganz Europa, doch nur noch größer, und die Kosten auch. Erfolgreiches Krisen-Management sieht anders aus.

Immer noch werden die „Schweine“ mit Namen „Einführung D-Mark II“, „Aufspaltung der Euro-Länder in Nord und Süd“ und „Austritt der PIIGS-Länder“ (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) durch die deutschen Dörfer - besser Talk-Shows - gejagt. Alles nur Populismus, nichts Substantielles. Lesen Sie hierzu noch einmal Ausgabe 1 und 2.

Top-Ökonom Sinn geht mit seinem Vorschlag, Deutschland müsse in der Euro-Krise Stärke zeigen, schon wieder seinen eigenen Weg, weit weg von der Realität, hin zu politischen Gefälligkeiten. Nur Kalkül, das weiß er selbst genau.

Schon Anfang 2011 geht es mit Portugal weiter. Spanien, Italien werden folgen. Unausweichlich. Sogar Frankreich wird Probleme bekommen. Für Deutschland wird es dann auch brenzlig.

Außerhalb der Euro-Zone? Großbritannien geht schon lange am Stock. Die Regierung will alles zu Geld machen, was einigermaßen Erfolg verspricht: Verkauf des Hafens Dover, Verkauf von 50 % der staatlichen Wälder, Verkauf der Post, Bahn, usw. Dazu die üblichen Einsparungen im öffentlichen Dienst, Gesundheitswesen, Rentenansprüchen, Bildung, usw.

Grundsätzlich ist es nur eine Frage der Zeit, wann es zu gewaltsamen Demonstrationen, nicht nur in Griechenland, Frankreich, Großbritannien oder Irland, kommt. Die Folge sind radikale Gesetze, die u. a. das Demonstrationsrecht weitgehend einschränken werden oder, wie in Großbritannien geplant, gleich ganz einkassieren.

Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang daran, wie bei uns die Stuttgart-21-Demonstranten oder die Demonstranten gegen den Castor-Transport kürzlich von der Politik radikalisiert wurden.


Deutschland:

Positive Nachrichten überall. Nur leider fehlt es immer noch an belastbaren Zahlen.

Deutschland wird zum zukünftigen Importmeister erklärt. Die Top-Ökonomen erwarten einen nachhaltigen Aufschwung der Binnenkonjunktur. Die Deutschen werden 2011 mehr konsumieren. Auslöser soll der Arbeitsmarkt sein. Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Löhne steigen.

Der Chef-Volkswirt der Allianz (=Top-Ökonom) spricht davon „die Entwicklung sei tragfähig und stabil“.

Die Ifo-Konjunkturprognose fällt logischerweise ebenfalls positiv aus. Top-Ökonom Sinn, Chef des Ifo-Instituts, spricht von einem „echten Wintermärchen, was momentan in der deutschen Wirtschaft passiere“. Er habe „noch nie einen so starken Aufschwung beobachtet“. Gerne würden wir zurück fragen: „Herr Sinn, in welchem Kaffeesatz lesen Sie morgens?“

Wir werden alle an der Nase herum geführt. Was zunimmt ist die Leiharbeit und der Niedriglohnsektor. Wir haben das bereits früher kommentiert.

Steigende Löhne. Schön wär’s. Tatsächlich liegt die Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte in Deutschland im 3. Quartal 2010 immer noch klar um – 1,77 % unter dem Niveau aus dem Jahr 2000. Die realen durchschnittlichen Nettolöhne und –gehälter je Monat und je Arbeitnehmer lagen sogar – 5,3 % unter dem Niveau von 1991 und um – 2,4 % unter dem Niveau von 2000. Dem ist doch nichts mehr hinzuzufügen, wir sind Lohnminus-Meister.

Auf der anderen Seite steigt die Zahl der Wohngeld-Empfänger in Deutschland drastisch. Im Vergleich zu 2008 stieg die Zahl der Haushalte 2009 um über 47 %, Tendenz steigend. Starke Zuwächse kommen aus dem Personenkreis der Niedriglohn-Empfänger.

Halten wir noch eine kleine Nachlese zur Abwrackprämie, dem weltweit beachteten deutschen Muster-Krisenprogramm schlechthin. Die Wirtschaftswoche ist darauf gekommen: 27 Millionen Steuerpflichtige haben 2 Millionen Autokäufern 2.500 Euro geschenkt. Gesamtsumme 5 Milliarden Euro. Nutznießer waren außerdem die ausländischen Kleinwagen-Anbieter (Fiat, Hyundai, Kia, Suzuki), den deutschen Herstellern hat es eher geschadet. Die ganze Sache war ein teures Strohfeuer ohne nachhaltige Impulse für die Konjunktur (Ergebnis einer Studie). Nach unserer Meinung sollte es das auch gar nicht sein, sondern lediglich ein „Zuckerl“, um von der ganzen Finanzkrisen-Problematik abzulenken, was auch gelungen ist.

An dieser Stelle ein kleiner Ausflug in die Euro-Krise aus deutscher Sicht, ohne das ganze Theater über Transferunion und Zahlmeister Europas.

Offizielle Zahlen sprechen davon, dass deutsche Banken in den Problem-Staaten Griechenland, Irland, Portugal und Spanien, mit mehr als einer 1/2 Milliarde US-Dollar (388 Milliarden Euro) engagiert sind, allen voran die verstaatlichte HRE mit alleine rund 100 Milliarden. Eine Pleite – von der einige deutsche Top-Ökonomen so gerne als Wunschszenario reden – eines oder sogar mehrerer dieser Länder würde diesen Banken und deutschen Anlegern geradezu gigantische Verluste bringen. Ein Infarkt des deutschen Finanzsystems wäre höchst wahrscheinlich. Bei diesen Summen bliebe es nämlich nicht. Andere europäische Banken wären genauso betroffen, die sich mit absoluter Sicherheit in der Vergangenheit Geld bei deutschen Banken besorgt und an diese Länder weiter verliehen haben. Diese Beträge kämen noch dazu, ebenso die Summen, die schon längst in so genannten Zweckgesellschaften oder Bad-Banken geparkt sind und dann endgültig zu 100 % abgeschrieben werden müssten.

Wollte Deutschland diesen Kollaps verhindern, müssten die Privatvermögen angezapft werden. Das DIW (Deutsches Institut der Wirtschaft) hat übrigens genau diesen Vorschlag schon einmal in dieser Woche öffentlich gemacht und damit sicher nicht die Vermögen der Reichen und Wohlhabenden gemeint.

Jedenfalls ist klar, wie Tief Deutschland in der Euro-Krise steckt. Da bleibt kein Platz für die politische Ränkespiele oder unsinnige Diskussionen in der Öffentlichkeit oder sogar Versprechungen, die von vorne herein nicht zu halten sind. Die Politiker in Deutschland und Europa müssen endlich das tun, was ihnen naturgemäß am schwersten fällt: Die Wahrheit sagen, nichts als die Wahrheit. So z. B. endlich zuzugeben, dass die gerade ablaufende Euro-Krise nichts, aber auch gar nichts mit den Maastricht-Kriterien und Haushaltsdefiziten zu tun hat. Hier läuft vielmehr ein sich gegenseitig immer neu fütterndes gigantisches Spekulations- und Bankenrettungsprogramm ab, dem die Politiker noch immer tatenlos zusehen. Auch in der nächsten Woche.


Rohstoffe:

Weitere Prognosen für 2011 sind erschienen. Ganz klar überwiegen diejenigen, die eine klare Fortsetzung der Finanzkrise 2008 erwarten. Keine klare Tendenz besteht dahin gehend, ob es eine Deflation oder eine Inflation geben wird. Wir erwarten beides. Jetzt schon lässt sich beobachten, dass wichtige Industrierohstoffe, Nahrungsmittel und die Energie starke Preissteigerungen erleben. Andererseits erleben wir, teilweise versteckt wie bei den Autos, massive Preisrückgänge.

Es gibt kein vergleichbares Szenario in der Menschheitsgeschichte. Die bisherigen Wirtschaftskrisen jedenfalls entstanden auf der Grundlage einer ausgeprägten Deflation, die dann, wie wir wissen, in eine massive Inflation umschlug. Augenblicklich ist keine klare Tendenz auszumachen, weshalb wir uns für eine Einschätzung auf die Fakten stützen: Die Entwicklung der Staatsschulden ist jetzt schon so weit fortgeschritten, dass eine Rückzahlung weder jetzt noch in Zukunft durch die folgenden Generationen möglich ist. In Deutschland erwartet schon jetzt unser Kinder und Enkel übrigens ein Defizit von über 7 Billionen Euro in Deutschland, ohne weitere Kreditaufnahmen oder neue/größere Euro-Rettungsschirme. Deshalb läuft alles auf eine Währungsreform hinaus, der noch eine kräftige Inflation und der Abbau des Privatvermögens voraus gehen muss. An dieser Stelle verzichten wir darauf, die ausführlichen Erklärungen aus dem Internet zu dem Ablauf der deutschen Währungsreformen in der Weimarer Republik und bei der Gründung der Bundesrepublik abzuschreiben. Google, Yahoo, usw. sind da gerne behilflich. Das Ergebnis war immer gleich: Massiver Vermögensverlust (je nach Anlageform bis zu 90 %) hat es in jedem Fall geben.

So wird es wieder kommen. Diese Dinge folgen nun einmal immer einem bestimmten Schema.

Gerne können Sie noch die weitere Entwicklung der kommenden Wochen in der Euro-Zone und in den USA abwarten. Die Feiertage sollten Sie aber dazu nutzen, ihre Geldanlagen auf Schwachstellen zu überprüfen: Lebensversicherungen, Bausparverträge, Sparbücher, Festgeld, Riester-Renten, Bundesschatzbriefe gehören dazu.

In der Aufzählung fehlen Immobilien. Nicht, weil es besonders nützlich ist, Eigentümer von Haus/Wohnung u. ä. zu sein. Für die gibt es nämlich das „wunderbare“ Instrument der Zwangshypothek/des Lastenausgleichs. D. h. Eigentümern bezahlter/fast bezahlter Häuser/Wohnungen wurde eine Zwangsabgabe aufgebrummt, die dann über viele Jahre mit dem neuen Geld abgezahlt werden durfte. Sondern weil viele Haus- und Wohnungseigentümer aus wichtigen Gründen nicht verkaufen können oder wollen. Hier muss aber Vorsorge getroffen werden, damit die zu erwartende Zwangsabgabe nicht Existenz gefährdend wird.

Da sowohl als Deflations- wie als Inflationsschutz nur Gold oder Silber in Frage kommen, werden wir jede Woche unser Augenmerk auf die weitere Preisentwicklung richten.

Wobei wir nach wie vor Silber bevorzugen. Es ist günstig und als Währungsmetall (Schilling, D Mark, Reichsmark, Franken) noch in den Köpfen der Menschen. Außerdem im Verhältnis zum Gold größerer Wertzuwachs möglich. Vgl. hierzu unsere Ausführungen in der letzten Ausgabe.

Preiserwartung beim Silber für 2011 sehen wir bei 40 US-Dollar, aktuell liegt der Preis bei 28 US-Dollar. Der Spot-Preis (= unser Preis) liegt nachfrageabhängig zwischen 20 - 30 % darunter. Also immer noch beste Kaufgelegenheiten, die außerdem das Risiko einer Konsolidierung ausgleichen: 30 % Preisrückgang halten wir vorläufig für abwegig.

Wir werden auch in den nächsten Ausgaben auf die bestehenden konkreten Vermögensrisiken eingehen und versuchen, mit fundierten Ratschlägen zu helfen.