Montag, 24. Januar 2011

Wochenrückblick, Ausgabe 9, Kalenderwoche 04/2011


Die vergangene Woche voller nachhaltiger Ereignisse: Davos, Ägypten, Inflation, US-Untersuchungsbericht zur Finanzkrise, um nur einige zu nennen. Wir werden uns auf den folgenden Seiten damit beschäftigen.

Es ist unser Anspruch, durch eine fundierte Beschreibung der Faktenlage, unseren Leserinnen und Lesern die echten, belastbaren Informationen bereit zu stellen und, falls notwendig, auch zu kommentieren.
Nach wie vor sind wir bestrebt, uns kurz zu fassen. Wichtiger ist es uns jedoch, vollständig zu informieren.

Bei den Zahlenangaben verwenden wir die deutsche Zählweise.

Wir haben eine Auswahl der wichtigsten Nachrichten getroffen. Sollte Interesse an einem Thema bestehen, dass wir noch nicht behandelt haben, so werden wir gerne auf Zuruf unsere Auswahl ergänzen oder auch ein Thema gesondert behandeln.

Die folgenden Äußerungen geben unsere persönliche Bewertung wieder. Gerade deshalb legen wir großen Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen oder durch belastbare Indizien untermauern zu können. Von Ausgabe zu Ausgabe werden wir Quellenangaben hinzu fügen. Sollte darüber hinaus Bedarf bestehen, werden wir gerne die entsprechenden Nachweise zur Verfügung stellen. Email genügt.

Gerade den Leserinnen und Lesern, die sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik beschäftigen, empfehlen wir ausdrücklich, sich für die folgenden Seiten Zeit zu nehmen. Der Nutzen ist enorm und wächst mit jeder weiteren Ausgabe.

Denken Sie bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse der kommenden Monate erfordern Hintergrundwissen für Jeden.


Finanzkrise:

Wir bleiben dabei, es ist eines unserer Lieblingsthemen. In dieser Woche bereicherten die vielen Nachrichten und Meinungen aus Davos unseren Tagesablauf. Es waren sicherlich einige interessante Beiträge dabei, auf die wir hier eingehen wollen.

Beginnen wir mit Chinas IWF-Delegiertem Zhu Min, ehemaliger Vizegouverneur der chinesischen Zentralbank, der „den westlichen Lebensstil für gescheitert“ erklärte. „Wir müssen uns ernsthaft die Frage stellen, wie das ökonomische Modell für die Welt der Zukunft aussieht“, stellte er außerdem fest. Zur Begründung für dieses Scheitern treffen wir auch hier, wie bei einigen anderen Ökonomen, auf die zukünftige demografische Entwicklung, die horrende Staatsverschuldung und geringen Wachstumsraten in der industrialisierten (westlichen) Welt. Quelle: SPIEGELONLINE, 26.01.2011.

Es spricht augenblicklich viel dafür, dass die Industrienationen ihre Vormachtstellung verlieren und andere Staaten, natürlich allen voran China, dieses absehbare Machtvakuum ausfüllen werden. Nur, bis dahin ist es nach unserer Einschätzung noch ein weiter, sehr weiter, Weg, der Jahrzehnte dauern wird. Gerade auch deshalb, weil wir die ganze Welt vor sehr schwierigen Zeiten sehen, die noch manche böse Überraschungen für alle Beteiligten bereithalten. China wird davon stark betroffen sein. Eine Währungsreserve von 2,85 Billionen US-Dollar ist nämlich gleichermaßen Fluch wie Segen. Die Exportabhängigkeit ist enorm und deshalb dringend auf eine Erholung in den USA und Europa angewiesen. Die Warnungen nehmen zu, dass in China eine Blase platzen könnte, die in der Weltwirtschaft ein Erdbeben auslösen würde. Wir haben z. B. in einer früheren Ausgabe schon über die Risiken im chinesischen Immobilienmarkt berichtet. Bitte dort noch einmal nachlesen. Weiterer Druck kommt von der Inflation und den Nahrungsmittelpreisen. Wir sehen China jedenfalls noch in große Bedrängnis kommen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dieses Land werde sich den Entwicklungen in der restlichen Welt entziehen können. Entsprechende Behauptungen unserer Unternehmen/Ökonomen/Politiker sind schlicht falsch und dienen u. a. nur zur Begründung des „neuen deutschen Wirtschaftswunders“, was es aber so nicht gibt.

Unterstützt wird unsere Warnung längst von einigen Ökonomen. So warnte der US-amerikanische Wirtschaftsprofessor Nariman Behravesh in Davos vor den Risiken in der chinesischen Wirtschaft, insbesondere dem Immobilienmarkt, wo er die nächste Blase verortet, die zu platzen droht. Quelle: Tagesspiegel/CH, 25.01.2011.

Paul Achleitner, Finanzvorstand der Allianz AG, äußerte sich in einem Interview sehr kritisch zur augenblicklichen Situation in der Welt und erwartet „eine neue Zeitrechnung“. Er sieht die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre durch Kredite finanziert und rechnet in der nächsten Zukunft mit einem geringeren Wachstum, da sich diese Entwicklung umkehren muss. Er fordert eine Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit. Außerdem größere Investitionen in die Bildung. Sonst werden China und Indien den Westen schon bald hinter sich lassen. Er hat Recht. Leider sagt er aber nichts dazu, dass die Politiker diese Zeichen nicht erkennen, bzw. einfach ignorieren. Quelle: SPIEGEL ONLINE, 26.01.2011. Statt dessen wird die Bildung in Europa und den USA längst einem ungebremsten Sparwahn geopfert.

In diesen Zusammenhang stellen wir auch ein Interview mit Tony Boeckh, das wir am 25.01.2011 in der Online-Ausgabe des MANANGER MAGAZIN (MM) gefunden haben. Boeckh ist Analyst, das MM stellt ihn als „Investmentguru“ vor. Er spricht von einer „Ära der großen Reflation“, hält das Finanzsystem für angeschlagen (wir haben eine Bankenkrise). Das Problem seien die viel zu hohen Schulden. Er sieht über uns eine „riesige schwarze Wolke“ und „dass es irgendwann ein schweres Unwetter geben wird“. Es beständen weiterhin „schwerwiegende strukturelle Probleme, wie die Schuldenkrise in Europa, das ausufernde Haushaltsdefizit der USA oder Chinas stark unterbewertete Währung“. Es sei unmöglich, durch diese Geldflut „das kaputte Finanzsystem zu reparieren“, es gäbe „keinen Weg zurück zur alten Normalität“. Ein Ende dieser Geldflut sieht er nicht.

Hier eine kleine Bestandsaufnahme aus den Statistiken der jeweiligen Ländern: Der offizielle Schuldenstand der USA beträgt aktuell 14 Billionen US-Dollar, Großbritannien hat 952 Milliarden Pfund Schulden (64 % des BIP), Deutschland hat 1,8 Billionen Euro Schulden, in allen Fällen mit mehr oder weniger steigender Tendenz. Die Bank von England (BoE), immer wieder auffällig durch kritische Einschätzungen, erwartet, dass die Briten den stärksten Rückgang beim Lebensstandard seit den zwanziger Jahren hinnehmen müssen, wenn Großbritannien die Krise überstehen wolle. Mervyn King, Chef der BoE: „Der Rückgang des Lebensstandard ist der unvermeidbare Preis, den wir für die Finanzkrise (...) zahlen müssen.“ King hat Recht, nur will sich noch niemand vorstellen, wie massiv diese Einschnitte wirklich werden (müssen). Wir befürchten hier das Schlimmste, nicht nur für Großbritannien.

Ein Hinweis darauf geben die erwarteten Inflationsraten und die Entwicklung der Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise. Die WIRTSCHAFTSWOCHE titelte am 26.01.2011 „Die Finanzkrise treibt die Preise“ und versucht dort die Ursachen zu beleuchten, Lösungen zu benennen und die Folgen zu beschreiben. Lesenswert. Entscheidend wird jedoch sein, dass die Zentralbanken es nicht schaffen werden, ihre eigenen Inflationsziele, in der Euro-Zone z. B. unter 2 %, einzuhalten. Schon jetzt sind es 2,2 % Inflation, und die auch nur durch kunstvolle Zahlentricks. Die Inflationsrisiken redet nur die US-Notenbank FED klein (FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 26.01.2011).

Schon vor Monaten haben wir vor Unruhen und Aufständen wegen der von uns erwarteten Nahrungsmittelpreise gewarnt. Wir wurden belächelt. Heute sind wir rehabilitiert. Tunesien war der Anfang, Ägypten ist gefolgt, außerdem rumort es in Indien, Bangladesh und China. Weitere Länder werden folgen. Plötzlich gelten in den Medien Nordafrika und der Nahe Osten als Krisenherd. Wir sagen klar und deutlich: Was in diesen Ländern passiert und sich in weiteren Ländern jetzt ankündigt, war schon lange absehbar, wurde von den politischen Führern der westlichen Industrienationen aber bewusst unterdrückt. Dieses Abwarten, Taktieren und Ignorieren wird nur dazu führen, dass diese Regionen auf Jahre hinaus instabil bleiben, sich dem Westen gegenüber aggressiv zeigen und viele sich radikalisieren. Wieder einmal rächt sich das Wesen der westlichen Diplomatie, um die eigenen Interessen zu sichern, viel zu lange politische Führer zu unterstützen, die ihre Länder als Despoten regieren und sich auf Kosten des Volkes bereichern. Man hat aus früheren Fehlern nichts gelernt. Zusätzlich fehlt heute die politische und wirtschaftliche Stärke, um mäßigend einzugreifen, weshalb in Ägypten die Revolte in Anarchie umschlägt.

Der IWF beglückt uns in mit der Nachricht einer beschleunigten Erholung der Weltwirtschaft. In einer Analyse heißt es: „Die Erholung der Weltwirtschaft macht unerwartet gute Fortschritte. Dabei haben Schwellenländer die reichen Nationen weit abgehängt.“ Weiter heißt es: „Aber es gebe weiter noch etliche ungelöste Probleme und Stolpersteine – die starke Verschuldung in vielen reichen Ländern, die unerledigten Finanzreformen, aber auch die hohen Rohstoffpreise.“ Als verlängerter Arm der USA erklärt der IWF, „die Aufwärtskorrektur für die Weltwirtschaft sei vor allem den jüngsten Konjunkturmaßnahmen in den USA geschuldet“. Quelle: WIRTSCHAFTSBLATT/A, 25.01.2011. Was hier behauptet wird ist falsch, stimmt nur bei der Beschreibung der „Probleme und Stolpersteine“, die der IWF in dieser Analyse nämlich selbst noch benennt. Er erklärt „die anhaltende Schwäche des US-Immobilienmarktes, weiterhin hohe Rohstoffpreise und die Gefahr von Blasenbildungen in Schwellen- und Entwicklungsländern durch massive Kapitalzuflüsse“ zur Gefahr für die Weltkonjunktur. Letzteres ist doch genau das Dilemma: Die Kapitalzuflüsse beeinflussen die Statistiken dieser Länder hin zu starken Wirtschaftszahlen, tatsächlich wird eine neue Blase gebildet, mit der sich die Wirkung der vielen anderen Blasen auf der Welt nur noch weiter verstärkt. Die so viel gepriesenen „jüngsten Konjunkturmaßnahmen in den USA“ verfehlen im Land selbst ihre Wirkung, da die von der FED bereit gestellte Liquidität von der Finanzindustrie und den Konzernen lieber im Ausland investiert werden.

Analysten und Ökonomen sprechen bereits von einem „gefährlichen Gemisch für neue Krisen“. Wir sagen, es ist die Weiterentwicklung der Finanzkrise 2008.

Unsere grundsätzliche Meinung sehen wir aktuell gestützt durch neue Berichte in den deutschen Medien. Stellvertretend verweisen wir auf das HANDELSBLATT vom 28.01.2011, wo unter der Überschrift „Das Schattenreich der Finanzindustrie“ über die Wirkungslosigkeit der staatlichen Regulierungen der Banken berichtet wird. Die Autoren machen deutlich, dass die „verbotenen Geschäfte“ von den Banken einfach ausgelagert werden und damit der Bankenaufsicht entzogen. Es ändert sich also nichts. Die Geschäfte von Schattenbanken führten schon einmal zur Finanzkrise.


USA:

Die Nachricht der Woche war die Veröffentlichung des Berichtes einer von US-Präsident Obama eingesetzten Kommission zur Untersuchung der Finanzkrise. Deren Ergebnis ist eindeutig: Die Finanzkrise war vermeidbar. Ursache der Krise war enormes Versagen von Regierung und Finanzaufsicht einerseits sowie ein rücksichtsloses Risikomanagement der Geldindustrie andererseits. Der 633-seitige Untersuchungsbericht liegt uns vor. Er ist gespickt mit strafwürdigen Tatsachen, die jedoch keine Konsequenzen haben werden. Vorsorglich haben nämlich die republikanischen Mitglieder der Kommission den Abschlußbericht nicht mit unterschrieben, sondern geben einen eigenen heraus.

Die Berichte, Kommentare und Meinungen dazu bezogen klar Stellung. Hier eine kleine Auswahl: „Gier, Unachtsamkeit, beides“ titelte SPIEGEL ONLINE schon am 26.01.2011. Das HANDELSBLATT berichtete am 27.01.2001 unter „Gier und Inkompetenz schufen die Finanzkrise“ und „Das große Versagen der amerikanischen Notenbank“ über das Ergebnis. Noch einmal SPIEGEL ONLINE am 28.01.2011 unter der Überschrift „Hall of Shame der Finanzkrise“, wo auch die persönliche Schuld vieler Verantwortlicher aus Politik und Finanzwirtschaft beschrieben wird. Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND befasste sich ebenfalls am 28.01.2011 ausführlich mit dem Thema: „Wie Gier die Finanzkrise auslöste“.

Wir halten zu diesem Bericht - vorausschauend - folgendes fest: Der Bericht verschwindet in irgendeiner Schublade und es geht weiter wie bisher. Es wird nicht die geringsten Konsequenzen geben. Die maßgeblichen Verursacher sitzen hüben wie drüben immer noch fest im Sattel, von einigen wenigen Bauernopfern abgesehen, denen ihre „Opfertätigkeit“ aber großzügig entgolten wurde. Die halbherzigen staatlichen Regulierungsversuche gehen ins Leere. Trotz einer erheblichen Mitschuld deutscher Banken wird es eine vergleichbare Untersuchung in Deutschland nicht geben. Der Bundestagsausschuß zur Hypo Real Estate ist eine Farce und die Untersuchungen bezüglich der Landesbank Bayern gehen in eine andere Richtung.

Es war eine Woche der Offenbarungen. Der von Obama eingesetzte Kontrolleur über das staatliche Banken-Rettungsprogramm, Neil Barofsky, formulierte eine „vernichtende Bilanz zur Bankenrettung“ (FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND: US-Kontrolleur geißelt „Rezept für Katastrophen“, 26.01.2011). Er kommt zu dem Schluss, die Milliardenhilfen für die Wall Street-Häuser tragen den Keim der nächsten Krise in sich. Das Vorgehen stärke die Zocker-Mentalität an der Börse. Die Regierung habe „dazu ermutigt, auch künftig hohe Risiken einzugehen“. Er nennt es „ein Rezept für Katastrophen“. Barofsky bleibt weiter konkret und nennt als einzigen Ausweg, „Großbanken zu zerschlagen“ oder aber sicherzustellen, dass sie „die Konsequenzen ihres rücksichtslosen Verhaltens selbst tragen“. Recht hätte der Mann, nur ist dieser Zug schon lange abgefahren. Erst in Zukunft wird sich eine neue Gelegenheit bieten, wenn das Finanzsystem vollständig ruiniert ist.

Nach wie vor ein riesiges Problem stellt die Zunahme der Staatsverschuldung und die drohenden Pleiten von Bundesstaaten und Kommunen dar. Alleine für 2011 ist eine Rekord-Zunahme von 1,48 Billionen US-Dollar bei den Staatsschulden geplant (Regierungsangabe). Dieser Betrag kommt auf den aktuellen Saldo von 14,06 Billionen US-Dollar Gesamtverschuldung oben drauf. Damit liegt die Gesamtverschuldung offiziell deutlich jenseits von 100 % eines sowieso künstlich aufgeblasenen BIP’s. Das hat schon europäisches PIIGS-Niveau.

Bei genauem Hinsehen finden wir auch die Wahrheit über das für 2011 erwartete Wirtschaftswachstum in den Zahlen der US-amerikanischen Statistikbehörde. Im Dezember ging es bei den Auftragseingängen um minus 2,5 % zum Vormonat abwärts, bereits den 3. Monat in Folge. Nur im Vergleich zum Vorjahresmonat geht es noch um plus 6,9 % aufwärts. Zum Hoch im Dezember 2007 beträgt das Minus 22,9 %.

Die Auswirkungen dieser verfehlten Finanz- und Wirtschaftspolitik verstärken von Woche zu Woche den Druck auf die Bundesstaaten. Viele müssen weiter Mitarbeiter entlassen und bei ihren Leistungen massive Einsparungen vornehmen. Illinois hat erst jüngst die Einkommensteuer um 67 Prozent angehoben. Trotzdem erwartet die Finanzkontrolleurin des Bundesstaates, Judy Topinka, dass sich die Schulden innerhalb der nächsten vier Jahre verdoppeln. Die nächsten Wochen werden uns mit schlechten Nachrichten überfluten, deshalb verweisen wir „zur Einstimmung“ auf den letzten Wochenrückblick.

In 20 Bundesstaaten kletterte die Arbeitslosenquote weiter, nachdem eine große Zahl von Arbeitgebern Stellen kürzte. Nevada verzeichnete einen neuen Höchststand von 14,5 %, nach 14,3 % im Vormonat. Platz 1 in den USA, am Schluss liegt North Dakota mit 3,8 %. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Wir betonen aber ausdrücklich: Das sind die offiziellen Zahlen, die wirklichen sehen mit über 22 % anders aus (vgl. John Williams’ Shadow Government Statistics auf shadowstats.com). Eine andere Quelle, der US-Wirtschaftsprofessor Robert Shiller, nennt 18 % (in einem Interview auf cash.ch, 30.01.2011), fast doppelt so hoch wie die offizielle Quote von 9,4 %.

Die ungelösten Probleme veranlassten die Agentur Moody’s das US-Rating in Frage zu stellen. Die erklärte, auf mittlere Sicht sei eine Herabstufung der USA nicht ausgeschlossen (FAZ, 28.01.2011). Diese Aussage erfolgte vor dem Hintergrund, dass die Agentur S & P Stunden vorher Japans Rating herabgestuft hatte.

Der Nachrichtensender CNBC berichtete am 21.01.2011 über eine Veränderung in den Bilanzierungsregeln der US-Notenbank FED. Aus dem Vermögensteil sollen bei der Bilanzaufstellung alle Verluste, die möglicherweise aufgrund der toxischen Wertpapiere (Derivate) entstehen, die sie von verschiedenen Banken gekauft hat und bisher verzeichnen muss, zukünftig heraus gehalten werden. Dieser Bilanzierungstrick soll die FED vor einem Zusammenbruch bewahren. Diese Änderung wurde im Wochenbericht der FED vom 06.01.2011 angekündigt. Ein früheres Stabsmitglied der New Yorker FED erklärte, dass alle künftigen Verluste der FED nicht als Kapitalverringerung ausgewiesen werden. Seit der Ankündigung der zweiten Aufkaufaktion von Wertpapieren stieg die Gefahr, die FED könnte bei deutlich steigenden Zinsen insolvent werden.

Die Lage ist Ernst und hoffnungslos.


China:

Die Angst wächst, dass in China die nächste Blase mit einem lauten Knall platzt. Wir sind unter der Rubrik „Finanzkrise“ bereits darauf eingegangen.

Aus Quellen, die wir für zuverlässig halten, wissen wir, dass es die Inflation in Wirklichkeit bei 35 % liegt, die chinesische Bevölkerung mehr Lohn verlangt und diese Forderung mit landesweiten Demonstrationen unterstreicht. Das sind richtig große Schwierigkeiten, die demnächst auf eine massive Störung des Immobilienmarktes treffen und den Aktienmarkt unter Druck setzen. Diese Entwicklung würde bedeuten, dass demnächst ca. 40 Millionen Chinesen ohne Arbeit sind. Ab diesem Zeitpunkt hört China erst einmal auf, sich in Europa und den USA, oder auch sonst wo auf der Welt, einzukaufen. Dann sind die Devisenreserven notwendig, um das eigene Volk bei Laune zu halten. Die Auswirkungen für die Welt wären, nach unserer Einschätzung, gar nicht abzusehen. Schliesslich hat es Vergleichbares bisher noch nicht gegeben. Gerade deshalb erwarten wir aber enorme Verwerfungen weltweit, die jeder Einzelne spüren wird. Was machen dann z. B. die deutschen Maschinenbauer oder Autohersteller, die wesentliche Teile ihrer Zukunftsperspektiven mit China verbinden? Wie sind die Auswirkungen auf die hiesigen Arbeitslosenzahlen und die Konsumlaune?

Positive Nachrichten gab es keine.


Europa:

Beginnen wollen wir mit zwei Nachrichten zu ein und demselben Thema, die widersprüchlicher nicht sein können. Zuerst zitieren wir Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Barclays Capital Deutschland, der in einem am 30.01.2011 bei FOCUS MONEY ONLINE erschienenen Interview, zur Euro-Krise erklärt: „Die Lage ist prekär“. Am gleichen Tag erschien im HANDELSBLATT ein Artikel mit der Überschrift „Politiker und Banker rufen Ende der Euro-Krise aus“, in dem davon berichtet wird, dass führende Politiker und Banker in Davos erklärten, „dass sich die Lage spürbar beruhigt habe und das Schlimmste überstanden sei“. Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde wird mit dem Satz zitiert, „ich denke, die Euro-Zone hat die Kurve bekommen“ und der deutsche Bundesfinanzminister warnte Anleger davor, noch gegen den Euro zu wetten. Diese Aussagen werden wir gemeinsam in den nächsten Wochen, mehr Zeit brauchen wir sicherlich nicht dafür, auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen können.

Wir haben den Eindruck gewonnen, die Krise in Europa habe sich eher verschärft. Machen wir den Anfang mit Griechenland. Wieder ist es FOCUS MONEY ONLINE die am 27.01.2011 berichten, dass die „Umschuldung kein Tabu mehr“ sei. Offensichtlich wird Griechenland als Bankrott eingestuft. Deutschland arbeite an einem Plan. Wurde nicht letzte Woche von Berlin noch dementiert? Kommt dann Irland, anschließend Portugal, usw., usw. Die EU stolpert in eine Katastrophe und alle schauen weg. Damit es am Schluss keiner gewesen ist.

Spanien ist längst schwer angeschlagen. Aus dem Land selbst kamen schlechte Nachrichten. „Jeder fünfte Spanier ist arbeitslos“ titelte das österreichische WIRTSCHAFTSBLATT am 28.01.2011. Das spanische Statistikamt bezifferte die Quote für das 4. Quartal 2010 auf 20,3 %, Schlusslicht in der Euro-Zone. Die Wirtschaftsleistung schwächelt und wird weiter an Boden verlieren. Spanien lebte jahrelang von einem künstlich erzeugten Immobilienboom, der durch die Finanzkrise sein schlagartiges Ende fand. Tausende von halbfertigen Bauruinen säumen das Land und belasten die Bilanzen der spanischen Banken. Wie soll die Wirtschaftsleistung wieder steigen? Was produziert Spanien Nennenswertes, außer Obst und Gemüse? In Wahrheit ein Pleitekandidat.

Kürzlich (Ausgabe 6 vom 10.01.2011) hatten wir noch berichtet, Großbritanniens Industrie stehe angeblich vor einem Comeback. Unsere Zweifel waren da schon berechtigt. Jetzt wurde ein unerwarteter Rückgang der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2010 um 0,5 % bekannt gegeben. Die Begründung ist lächerlich: Es sei das schlechte Wetter gewesen (UK Telegraph, 21.01.2011). Außerdem kämpft Großbritannien mit einer hohen Inflationsrate von 3,7 %, die Euro-Zone liegt bei 2,2 %. Offensichtlich erscheint wenig glaubhaft, dass Großbritannien bis 2015 Ausgabenkürzungen von mehr als 80 Mrd. Pfund durchsetzen kann, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 25./26.01.2011. Das britische Haushaltsdefizit liegt bei 156 Milliarden Pfund, was ungefähr der Größenordnung Griechenlands und Irlands entspricht, die Staatsschulden belaufen sich auf über 1 Billion Pfund. Wegen der Sparpläne äußern sich die Einzelhändler und der Industrieverband skeptisch. Das Verbrauchervertrauen ist auf den tiefsten Stand seit Jahren gesunken. Laut einem BBC-Bericht vom 19.01.2011 sind fast 2,5 Mio. Menschen in Großbritannien arbeitslos, was einer Quote von 7,9 % entspricht. Die Arbeitslosenquote beträgt bei den 16- bis 24-Jährigen schon 20,3 %. Unter diesen Umständen mutet es schon sehr seltsam an, wenn die Regierung erklärt, sie erwarte, „dass der Privatsektor in den nächsten Jahren über eine Million neue Stellen schaffen wird“. So viel Zuversicht sollte doch auch belohnt werden... Quelle: ZEIT ONLINE, 26.01.2011.


Zur Euro-Krise hat sich am 28.01.2011 im HANDELSBLATT Jacques Delors unter der viel sagenden Überschrift „Für Dummheiten sind wir alle verantwortlich“ treffend zu Wort gemeldet. Er war von 1985 bis 1994 Präsident der EU-Kommission und maßgeblich an der Vorbereitung der Europäischen Währungsunion (EWU) beteiligt. Delors räumt auf mit der Mär vom ungeliebten Euro und beschreibt die Geburtsfehler genauso richtig, wie die jahrelangen Vorteile für die Mitglieder der EWU, große wie kleine. Er lässt auch nicht die Schwierigkeiten aus, die durch die Verquickung zwischen den 27 Mitgliedsstaaten der EU und den 17 der EWU entstanden sind. Seine Einschätzung deckt sich mit der unsrigen, die wir in einer der ersten Ausgaben unseres Wochenrückblicks beschrieben haben.

Die Inflation kehrt nach Europa zurück. Die EZB ist alarmiert. EZB-Mitglieder befeuern Inflationsangst. Die Banken rechnen mit schnellerer Zinserhöhung. Quellen: FOCUS MANEY ONLINE, 26.01.2011, WIRTSCHAFTSWOCHE, 27.01.2011, FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 27.01.2011 und 30.01.2011.

Die offiziellen Inflationsraten liegen knapp über 2 % in der EWU, knapp unter 2 % in Deutschland. Überraschend niedrig wenn man bedenkt, dass die Preise für Energie seit Anfang 2010 um rund 20 % und für Nahrung sogar um etwa 50 % gestiegen sind. Die EZB strebt weiter einen Wert unter, aber nahe bei 2 % an. Aufgrund dieser Aussage halten es einige Ökonomen für möglich, dass die EZB schon im ersten Halbjahr 2011 den Leitzins anhebt. Eine Schnapsidee, wie die nächsten Wochen zeigen werden.


Deutschland:

Die Nachrichten waren wieder euphorisch. Bundeswirtschaftsminister Brüderle berichtete aus Davos „Deutschland wird bewundert“ (SPIEGEL ONLINE, 28.01.2011). Die „Deutsche Industrie läuft auf Hochtouren“ berichtete das österreichische WIRTSCHAFTSBLATT am 26.01.2011. Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND half am 25.01.2011 der „Hoffnung für die Binnenkonjunktur“ auf die Beine. Auch den „Rentnern winkt dreimaliger Geldsegen“ schrieb am 27.01.2011 das HANDELSBLATT mit Bezug auf die BILD-Zeitung. Gemeint ist damit, dass in 2011 und den kommenden beiden Jahren die Renten sich jeweils um 1 % erhöhen, was bei einer erwarteten Inflationsrate von offiziell knapp unter 2,0 % einen wirklichen Geldsegen ausmacht. Der GfK-Konsumklima-Index kletterte mittlerweile auf Vorkrisenniveau, da „höhere Einkommen und weniger Arbeitslosigkeit die Kauflaune der Deutschen steigen lassen“. „Die Inlandsnachfrage könnte damit zum zweiten Standbein für den Aufschwung werden“, so das Ifo-Institut. Die Experten des Instituts sind der Meinung, „trotz steigender Preise bei Energie und Lebensmitteln erwarten die Deutschen höhere Einkommen“ und „hoffen vor allem die Beschäftigten, dass sich die Löhne und gehälter in diesem Jahr wieder stärker erhöhen als zuletzt“. Hier wird wieder schamlos mit Annahmen hantiert, um eine Konjunkturerholung zu verkaufen, die es überhaupt nicht gibt. Denken wir nur daran, dass führende Analysten mit „deutlich steigenden Preisen in Deutschland“ rechnen, von bis zu 4 % ist die Rede (MANAGER MAGAZIN, 26.01.2011).

Es ist auch das Ifo-Institut, für das die deutsche Industrie auf Hochtouren läuft und noch Luft nach oben sieht. Diese Aussagen werden durch keine Statistik des Bundesamtes gedeckt. Wir sind da wirklich aktuell. Das ist Schwindel, sonst nichts.

Wirklich, zu der Aussage des Bundeswirtschaftsministers in Davos (siehe oben) fällt uns nichts ein. Außer Kopfschütteln.


Rohstoffe

Die Schlagzeilen der letzten Woche sind aus unserer Sicht Besorgnis erregend. Die Rede war vom Preisschock bei Agrarrohstoffen, von Massenproteste in Indien, vom Kampf ums Brot, von Rekordpreisen für Grundnahrungsmittel, von einer Lebensmittel-Inflation, vom Zündstoff Lebensmittel.

Die Weltbank sieht in den steigenden Kosten für Lebensmittel eine der größten Gefahren für die Wirtschaft. Um trotz wachsender Weltbevölkerung den weiteren Anstieg der Lebensmittelpreise zu bremsen, ist nach Einschätzung der Weltbank eine verstärkte Unterstützung der Bauern in Afrika notwendig. Eine schärfere Regulierung der Rohstoffmärkte, für die sich kürzlich u. a. der französische Staatspräsident Sarkozy stark macht, lehnt die Weltbank dagegen ab.

Global wächst die Sorge, dass immer knapper werdende Agrarrohstoffe in den kommenden Jahrzehnten zu ständigen Revolten und Hungerkrisen führen und ganze Regionen destabilisieren. Stark gestiegene Preise für Grundnahrungsmittel wie Brot gelten als ein wesentlicher Auslöser der jüngsten schweren Unruhen in arabischen Ländern wie Tunesien und Ägypten.

Noch redet niemand von einer Lebensmittelkrise, es ist aber nur noch eine Frage der Zeit. Spekulation und Handelsbeschränkungen (Protektionismus) werden dafür sorgen, dass die Preise weiter steigen. Der Spekulation wurde bereits die Preistreiberei bei der letzten Lebensmittelkrise 2008 nachgewiesen. Die Folgen sind also absehbar.

Quelle: Alles FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 27., 28., 29.01.2011.

Wir wollen nur daran erinnern, dass sich seit Beginn der Finanzkrise die Zahl der Hungernden von 500 Millionen auf 1 Milliarde verdoppelt hat. Wie viele werden noch hinzukommen? Wir sollten uns schon einmal einen Bauern des Vertrauens aussuchen, oder wenigstens Balkon und/oder Vorgarten im Frühjahr auf seine landwirtschaftliche Nutzbarkeit prüfen.

Möglich wäre es natürlich auch, dass der Preisanstieg, so wie schon einmal 2008 durch die Finanzkrise, von einem besonders großen Ereignis gestoppt wird. Hier bleibt der Phantasie viel Raum.

Kasachstan und Deutschland erwägen Rohstoffallianz“ meldete am 30.01.2011 das MANAGER MAGAZIN. Offenbar verhandelt die Bundesregierung mit Kasachstan über eine neue Allianz für rare Rohstoffe, die für die manche High-Tech-Produkte von deutschen Unternehmen dringend benötigt werden. Deutsche Unternehmen sollen exklusiven Zugang zu sogenannten Seltenen Erden bekommen. Die Gespräche seien noch in einem frühzeitigen Stadium berichtete der Bundesverband der Industrie (BDI). Könnte es sein, dass man den guten Beziehungen zu China doch nicht traut und sich deshalb mit Kasachstan einlassen würde, einem Land mit doch eher despotischer Führung?


Krisenvorsorge

Die WELT titelte am 29.01.2011 „schreckliches“: „Der Gold- und Silberboom steht vor dem Aus“. Der weltgrößte Gold-Fonds registriert den größten Tagesabfluss aller Zeiten. Auch Analysten sehen nur noch wenig Potenzial für Edelmetalle. Die werden sich wundern. Wir wissen aus eigenen Quellen, dass längst erste Verknappungen zu spüren sind. Deshalb wird bereits versucht, schwache Investoren und Anleger zum Verkauf zu bewegen. Gold und Silber ist nichts für schwache Nerven. Es gibt keinen, wir betonen keinen, Grund, nicht immer weiter in Silber zu investieren. Die Finanzkrise bleibt virulent und sorgt dafür, dass Gold und Silber ihre bisherigen Höchststände in den kommenden Jahren übertreffen. Garantiert.

Egal, was wir bekommen, Stagflation, Deflation, Inflation, oder von jedem etwas: Die Besitzer von Gold und Silber bleiben handlungsfähig. Sie sind am Ende die Gewinner, wenn sie eisern an diesem Investment festhalten. Natürlich wird es in dieser Zeit Höhen und Tiefen geben, dafür sorgen schon die diversen Preismanipulationen. Es sind die Tiefen, die Gelegenheit zum Aufstocken bieten.

Als Privatinvestor grundsätzlich Finger weg von Immobilien. Immer häufiger versuchen Makler, Banken und auch viele Vermögensberater, eine Immobilie als Inflationsschutz anzupreisen. Das ist nur ein Verkaufsargument, nicht mehr. Es gibt schlicht keinen Beweis für diese These. Wir kennen einige Standorte in der westlichen Welt, wo Immobilien sicherlich als Inflationsschutz taugt. Deutschland gehört definitiv nicht dazu.

Die Lebensversicherungsbranche steht vor ersten Veränderungen. Das MANAGER MAGAZIN nennt es am 28.01.2011 „Das stille Sterben“. Dort wird berichtet, dass 2010 sechs Gesellschaften ihr Neugeschäft eingestellt haben, dazu gehören die „Victoria Leben“, die „Bayerische Beamten Lebensversicherung“ und die „Hamburger Leben“. Die noch bestehenden Verträge werden abgewickelt. Es sind alles Gesellschaften, die unterdurchschnittliche Verzinsungen bieten und deshalb kaum neue Kunden begeistern können. Diese Gesellschaften werden als zu schwach eingestuft, in den kommenden schwierigen Zeiten attraktive Renditen am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Es steht zu erwarten, dass weitere Gesellschaften künftig aus dem Neugeschäft aussteigen. Branchenbeobachter nehmen an, dass vermutlich 20 % der Branche in Deutschland auf diese Weise konsolidieren müssen. Ergänzend verweisen wir zu diesem Thema auf unsere „Vorausschau 2011“. 
 

Montag, 17. Januar 2011

Wochenrückblick, Ausgabe 7 & 8, Kalenderwoche 02-03/2011


Ausnahmsweise haben wir in diesem Rückblick zwei Wochen zusammengefasst. Zeitgleich haben wir nämlich an der Fertigstellung unserer „Vorausschau 2011“ gearbeitet. Deren Umfang ist größer geworden, als wir erwartet haben. Deshalb sind wir diesen Kompromiss eingegangen, ohne aber bei den Informationen zu sparen.

Es bleibt unser Ziel, durch eine fundierte Beschreibung der Faktenlage, die echten, belastbaren Informationen unseren Leserinnen und Lesern bereit zu stellen und, falls erforderlich, zu kommentieren.

Zukünftig werden wir die aktuellen Entwicklungen regelmäßig mit unseren Vorhersagen für 2011 vergleichen. Falls es hier Abweichungen gibt werden wir selbstverständlich dazu Stellung nehmen.

Die Nachrichtenlage war in den beiden vergangenen Wochen sehr aufschlussreich, aber ohne eine echte Überraschung. Sogar die teilweisen abstrusen Äußerungen zum Zustand der USA, zur Eurokrise oder auch zum Boom in Deutschland, passen in unser Bild.
Nach wie vor arbeiten wir daran, uns kurz zu fassen. Wichtiger ist es uns jedoch, vollständig zu informieren.

Bei den Zahlenangaben verwenden wir die deutsche Zählweise.

Wir haben die Auswahl der Nachrichten so getroffen, dass wir nichts Wichtiges ausgelassen haben. Sollte Bedarf bestehen, werden wir gerne auf Zuruf unsere Auswahl ergänzen oder auch ein wichtiges Thema gesondert behandeln.

Die folgenden Äußerungen geben unsere persönliche Bewertung wieder. Gerade deshalb legen wir großen Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen oder durch belastbare Indizien untermauern zu können. Sollte Bedarf bestehen, werden wir gerne die entsprechenden Nachweise ergänzend zur Verfügung stellen. Email genügt.

Gerade den Leserinnen und Lesern, die sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik beschäftigen empfehlen wir ausdrücklich, sich für die folgenden Seiten Zeit zu nehmen. Der Nutzen ist enorm.

Denken Sie bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse der kommenden Monate erfordern Hintergrundwissen für Jeden.


Finanzkrise:

Zugegeben, z. Zt. eines unserer Lieblingsthemen. Zu viel steht hier auf dem Spiel. Solange die Politik sich nicht offensiv mit diesem Problem beschäftigt, werden die Auswüchse weiter zunehmen und irgendwann die Welt - im übertragenen Sinne - in Schutt und Asche legen.

Was wir außerdem für sehr gefährlich halten ist der Umstand, dass die wenigen öffentlichen Warnungen sich nicht mit dem Kern dieser Krise beschäftigen und deshalb die hier und da vorgeschlagenen Lösungen nicht funktionieren würden.

Die Krise selbst ist nicht mehr zu stoppen. Vielleicht wäre es noch möglich, die zerstörerische Wirkung abzuschwächen. Dazu wäre es aber zwingend erforderlich, dass sich die Regierungen der G20-Staaten mit ihren Banken anlegen und deren Geschäfte tiefgreifend beschneiden. Das wird nicht geschehen. Zu unterschiedlich sind die Interessen der Regierungen und zu mächtig die Banken. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an die Probleme der Schweiz, die wir in der Ausgabe 5 sehr anschaulich thematisiert hatten. Die Regierungen sehen sich in einer Abhängigkeit von den Banken, die bei näherer Betrachtung völliger Unsinn ist, jedoch durch perfekte Lobbyarbeit dieser „too big to fail“-Banken („too big to rescue“ wäre treffender) immer weiter gefestigt wird. In den USA bleiben statt dessen die Regionalbanken auf der Strecke. Mindestens 3000, von insgesamt rund 8.000, kämpfen um ihr Überleben. Die US-Einlagensicherung ist bereits pleite, obwohl es bisher erst 314 Banken „erwischt“ hat. Vorsorglich hat sich dort noch niemand öffentlich Gedanken darüber gemacht, um wie viel Geld es dabei geht, bzw. wie viel Verluste in naher Zukunft sozialisiert werden müssen. Viele Milliarden werden es auch hier sein.

Die Zentralbanken, FED, EZB und Bank of England, fluten weiter die Welt mit Dollar, Euro und Pfund. Richtig, nicht nur die FED hat die Gelddruckmaschinen Tag und Nacht laufen. Auch in Europa versorgen sich die Banken und Großunternehmen mit Liquidität. Dafür geben sie wertlose Papiere als Sicherheit.

So wie die Druckmaschinen rund um die Uhr laufen, läuft auch das weltweite Banken-Geld-Casino ohne Unterbrechung. Es ist ein gigantisches Schneeballsystem wertloser „Wertpapiere“: Jeder falsche Wert eines Handelspapiers wird künstlich durch den falschen Kurs eines anderen Investments gestützt. Eine Regulierung findet immer noch nicht statt, so dass sich die Risiken laufend immer höher auftürmen. Die regelmäßig veröffentlichen Gewinne sind belanglos, weil nicht wahrhaftig. Alles nur eine riesige Show. In der Real-Wirtschaft würde man das Bilanzbetrug nennen und die Verantwortlichen strafrechtlich zur Verantwortung ziehen. Beispiel Phantomzinsen: Den Banken in den USA (auch den Niederlassungen ausländischer Banken) ist seit Frühjahr 2009 erlaubt, solange anfallende Zinsen auf in Not leidende Hypotheken zu verbuchen, bis die jeweilige Zwangsversteigerung stattfindet. Bisher sind so 1,4 Billionen US-Dollar zusammen gekommen, die die Bank-Bilanzen verschönern. Tatsächlich sind es aber potentielle Verluste, die in der Zukunft wertberichtigt werden müssen. Dabei bleibt es noch nicht, da über 6 Millionen Häuser dem Risiko einer Zwangsversteigerung ausgesetzt sind, alleine 2011 sind es 2 – 3 Millionen.

Wir wollen es klar und deutlich sagen: Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf die großen US-Banken, auch die großen Banken in Europa und Asien profitieren von diesen „Anpassungen.“ Für alle ein wahres Schlaraffenland.

Während dessen dämpft die Weltbank die Hoffnung auf ein Boomjahr. In mehreren arabischen Staaten gibt es erhebliche Unruhen mit Todesopfern. Die Preise für Nahrung und Rohstoffe gehen teilweise bereits durch die Decke, was neue Unruhen auslösen wird. Die Naturkatastrophen in Australien und Brasilien destabilisieren zusätzlich die Situation. Diese Katastrophen treffen auf eine schwache internationale Gemeinschaft, die nicht in der Lage ist, die Probleme zu lösen oder wenigstens abzumildern. Es gibt im Moment keine funktionierenden Schutzmechanismen. Die großen geopolitischen Akteure sind machtlos, längst eingeschnürt von ihren eigenen, übermächtigen Problemen. Weltweit drohen der Ausbruch sozialer Unruhen und schwerer wirtschaftlicher Krisen. Im Verlauf dieser Ereignisse kämpft dann Jeder gegen Jeden, was die Finanzkrise regelrecht explodieren lässt.

Der Verlauf der Finanzkrise, mit seinen vielen Nebenkrisen, wird die globale Entwicklung in diesem Jahrhundert wesentlich beeinflussen. Wir sind nicht sehr optimistisch. Vor allen Dingen sehen wir die Erfordernis für jeden Einzelnen, sich vor den schlimmsten Auswüchsen zu schützen, so gut es geht. Auf die bisherigen Besitzstände ist kein Verlass mehr.

Übrigens, neueste Schätzungen gehen davon aus, dass die Zentralbanken der Welt bis jetzt 50 Billionen US-Dollar in Umlauf gesetzt haben, um das System in Gang zu halten. 50 Billionen könnten noch einmal hinzu kommen. Das Geldsystem ist definitiv die Mutter aller Blasen.


USA:

Es gab gute und schlechte Nachrichten. Leider mit dem Unterschied, dass die guten Nachrichten auf falschen Annahmen beruhen und die schlechten Nachrichten stimmen.

Kommen wir erst zu den „falschen“ guten Nachrichten: „Die USA sind stärker als vor der Krise“, so Tom Elliott, Stratege der Bank JPMorgan. Er begründet diese Feststellung im wesentlichen mit einem strenger regulierten Bankensektor und sieht darin eine Stärkung der Wirtschaft. Seine übrigen Aussagen stützen eher unsere Annahme einer Fortsetzung und Verstärkung der Krise. Der US-Notenbankchef, Ben Bernanke, rechnet mit einem kräftigen US-Wachstum von 3 oder 4% für 2011. Er erkenne eine Festigung der konjunkturellen Erholung. Überall im Land habe sich die Situation verbessert. Die Verbraucher würden wieder freudig einkaufen. Bernanke gibt hier nur sein persönliches Gefühl wieder, weder bestätigen die Arbeitslosenzahlen, noch die Anzahl neuer Jobs, oder die Konsumzahlen diese Einschätzung. Präsident Obama erkannte bereits einen klaren Trend und erklärte, „das Tempo der Neueinstellungen nimmt zu.“ Diese Aussage bezog sich auf 103.000 neue Stellen im Dezember. Alleine, um den monatlichen Zuwachs an Beschäftigten zu absorbieren, sind 200.000 neue Jobs nötig. Goldman Sachs hebt den Daumen und erwartet, dass „die Arbeitslosenquote 2011 und 2012 deutlich sinken wird“, erwartet sogar eine „substantielle Beschleunigung des Beschäftigungszuwachses“. Als Begründung werden bessere Konjunkturprognosen genannt, angesichts der weiteren Milliarden-Geldschwemme, mit der die FED die US-Konjunktur anschieben will, und neuer Steuergeschenke. Die Wirklichkeit haben wir bereits ausführlich in unseren bisherigen Ausgaben und der „Vorausschau 2011“ beschrieben. Auch 2011 ist keine Erholung in Sicht. Daran ändern auch die jüngsten chinesischen Großeinkäufe in den USA nichts. Alles in allem wurden Exporte im Wert von 45 Milliarden US-Dollar (33,6 Mrd. Euro) verabredet, die 235.000 Jobs sichern. China behauptete dann gleich, sie würden das US-Beschäftigungsproblem lösen. Schon wieder eine große Show. Weder löst sich so die Arbeitslosenmisere auf, noch ändert sich nachhaltig etwas am Exportüberschuss der Chinesen. Die USA importieren Waren im Wert von 321,4 Milliarden US-Dollar aus China, im Gegenzug wurden Waren im Wert von 62,9 Milliarden US-Dollar nach China exportiert. Zum Vergleich: Die EU-Exporte in die USA haben einen Wert von 354,4 Milliarden US-Dollar, die Importe aus den USA entsprechen immerhin 244,2 Milliarden US-Dollar. Nach China exportiert die EU Waren für 98,6 Milliarden US-Dollar, importiert werden Waren für 318,9 Milliarden US-Dollar. Alle Angaben auf das Jahr bezogen.

Das Handelsdefizit der USA stieg im vergangenen Jahr um ein Drittel auf sagenhaft 500 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr.

US-Konzerne im Übernahmerausch. Daraus leiten die europäischen Analysten ein Erstarken der US-Wirtschaft ab. Wir haben unsere Zahlen aktualisiert. Lt. FED besitzen die großen US-Konzerne 1,9 Billionen liquide Mittel. So lässt sich, dank der Geldflut der FED, gut im Ausland einkaufen. Ursprünglich sollten im eigenen Land neue Arbeitsplätze entstehen. Fehlanzeige. So lange der Wert des US-Dollar noch künstlich hoch gehalten wird, suchen die US-Konzerne nach Unternehmensperlen in Übersee, ganz besonders in Europa. Das ist gut für die Bilanz und sorgt vor für die Stunde Null.

Jetzt zu den „echten“ schlechten Nachrichten: Die US-Staatsschulden explodieren. Mittlerweile erreichen sie nach offiziellen Angaben 83% der Wirtschaftsleistung. Nach unseren Feststellungen in den USA betragen sie schon 113%, da die Regierungszahlen zur Wirtschaftsleistung schon seit Jahren nicht stimmen, sondern in Wirklichkeit 30% niedriger liegen. Nach unserer Einschätzung also längst auf dem Niveau von Griechenland, Irland, usw. Diese Länder wurden deshalb von den amerikanischen Rating-Agenturen im vergangenen Jahr auf Ramschniveau herunter geratet, nicht so die USA.

Viele US-Bundesstaaten und Kommunen sind de facto pleite. Da gibt es nichts mehr zu beschönigen. Unsere Quellen in den USA nennen uns 30 Bundesstaaten mit massiven Problemen. In diesen Staaten verlieren tausende Beschäftigte im öffentlichen Dienst, Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute, ihren Job. Andere müssen kurzarbeiten. Die nicht gedeckten Verpflichtungen aus den Pensionsversprechen an die öffentlichen Angestellten belaufen sich auf mehr als 3 Billionen US-Dollar. Kalifornien verlangte 2010 von den Unternehmen 70 % der Steuern vorab. Illinois kann Universitäten und Krankenhäuser kein Geld mehr geben. Hawaii hat die Schule auf 4 Tage in der Woche reduziert. Viele Bundesstaaten wollen die Bezüge ihrer Bediensteten dauerhaft reduzieren, außerdem an den Kosten für das Gesundheitsprogramm „Medicaid“ sparen. Schon längst wird nach Wegen gesucht, einen großen Teil der offenen Pensionsverpflichtungen zu zerstören, oder gleich eine Staatspleite zu erklären. Ganze Hundertschaften von Anwälten arbeiten bereits daran. Zur Ergänzung: Kalifornien, höchstverschuldet, ist die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt und der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat. Die Probleme dort sind, „verglichen mit Griechenland, Irland und Portugal, einfach gigantisch“, warnt einer der besten Ökonomen, Ken Rogoff. Nach seiner Meinung verfügen die betroffenen Bundesstaaten nur noch über ein Zeitfenster von 5 bis 10 Jahren, um solides Wirtschaftswachstum zu erreichen.

Helfen würde fürs Erste eine Erholung am Immobilienmarkt. Die ist aber nicht in Sicht. Nach einer amerikanischen Studie wird sich in den besonders stark betroffenen Regionen keine nachhaltige Erholung bis 2030 einstellen. Damit steht die Überlebensfähigkeit ganzer Kommunen, ergo ganzer Bundesstaaten, auf dem Spiel. Aktuell gibt es einen neuen Rekord bei den Zwangsversteigerungen, die 2010 einen neuen Höchststand erreichten, nämlich 2,9 Millionen Anträge.

Sehen wir uns noch den US-Arbeitsmarkt an, ohne den nichts geht. Hier gibt es keine neuen Jobs in der Industrie. Die Konzerne schaffen keine neuen Arbeitsplätze. Insofern ist die Idee der FED kläglich gescheitert. Die denkt, wie wir bereits früher erläutert haben, weiter über neue Milliarden-Spritzen nach. Der Präsident der FED von Minneapolis hält es sogar für möglich, dass sich die Jobkrise weiter verschärft. Schlechte Aussichten für Amerika.


China:

Das Topp-Thema der vergangenen zwei Wochen hat das HANDELSBLATT ausgerufen: „Von der Geldmacht zur Weltmacht“. Wir haben in den bisherigen Ausgaben immer wieder vor dieser Entwicklung gewarnt. Leider tut Europa nichts, um dagegen seine Interessen zu wahren. Eher im Gegenteil. Durch die Eurokrise erlaubt es China, sich als Retter zu generieren und großartig in die europäische Infrastruktur und Wirtschaft zu investieren. Einzig mit dem Ziel, seinen politischen Einfluss zu stärken und den USA die Führungsrolle streitig zu machen. Die Sache entwickelt sich prächtig.

Eine beherrschende Rolle billigen wir China für die Zukunft außerdem im Bereich der Rohstoffe und Nahrungsmittel zu. Durch entsprechende Abkommen sichert sich China umfangreiche Energielieferungen und Infrastrukturprojekte, besitzt riesige Ländereien in Afrika. China verfügt über 2,85 Billionen US-Dollar Devisenreserven, damit könnte das Land quasi die halbe Welt kaufen.

China vergibt mittlerweile mehr Kredite an Entwicklungsländer als die Weltbank. Im Gegenzug geht es nur um einen besseren Zugang zu Rohstoffen, durch Beteiligungen oder Liefergarantien. Diese Konditionen sind günstig und deshalb wird diese Kreditvergabe noch zunehmen.

Gerade wegen dieser Entwicklung ist auch China anfällig gegen eine weitere Verschärfung der Finanzkrise und der damit verbundenen Auswirkungen auf den chinesischen Binnenmarkt. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Probleme im Immobiliensektor, die wir in Ausgabe 4 thematisiert haben. Bitte dort nachlesen. Die Exportabhängigkeit wird zur Archillesferse.

Es soll längst zu regelmäßigen Demonstrationen gegen die Zustände im Land kommen. Leider sind die Informationen dazu dürftig. Die Unzufriedenheit scheint enorm zu steigen, jetzt noch verstärkt durch die Inflation bei den Nahrungsmittelpreisen.

Bemerkenswert finden wir das Ergebnis einer Marktstudie, nach dem in den Schwellenländern Asiens die Verbraucher immer mehr Geld für schwere Zeiten beiseite legen.


Europa:

Die Situation ist unverändert spannend. Hier die Schlagzeilen: Portugal wehrt sich gegen den Rettungsschirm, Spanien gegen den Absturz. Die EU-Kommission rechnet mit einer Verschärfung der Euro-Krise. Neuer Streit um den Euro. Deutschland und Frankreich planen Wirtschaftsregierung für Europa. EU will Griechenland entschulden. Investoren fürchten steigende Risiken in Belgien. Irland ohne Regierung.

Die Portugiesen zieren sich. Ende des Jahres galt es als ausgemachte Sache, dass Portugal sich unter den EU-Rettungsschirm einreiht. Jetzt formiert sich Widerstand. Der ist aber zwecklos. Zumal das Land eigentlich gut dasteht, das Haushaltsdefizit liegt knapp unter dem Durchschnitt der Euroländer. Die Spekulanten interessiert Portugal nicht die Bohne, hier geht es um Spanien. Deshalb wird Portugal eben sturmreif geschossen. Zwar hält die EZB dagegen und kaufte massiv Staatsanleihen, jedoch fehlt der politische Wille in der EU für eine klare Linie, wie diesen Angriffen begegnet werden soll.

Nach wie vor gilt, dass die Angriffe auf den Euro nur von dem amerikanischen Patient soll lange wie möglich ablenken sollen. Die Spekulationen alleine werden den Euro nicht stürzen können, aber sie schwächen Europa wirtschaftlich und politisch, was gut ist für die USA und China. Leider werden die Kosten dieser Attacken für den Steuerzahler in Europa vorläufig unkalkulierbar bleiben.

Spanien wehrt sich mit allen Mitteln gegen das aufziehende Unheil. Es wird vergeblich sein. Die fundamentalen Daten sind schlecht und die Aussichten sind es auch. Für Spanien hat die Bankenrettung mit den Sparkassen gerade erst richtig angefangen. Die stehen mit dem Rücken an der Wand. Es geht nur um die Kleinigkeit von 120 Mrd. Euro. Das kann das Land nicht stemmen, allen Beteuerungen zum Trotz. Leider wird man erst davon ablassen, wenn die spanischen Rentekassen geplündert sind. Andererseits gilt Spanien als Nagelprobe für den Euro. Bisher hat die EZB deshalb die spanischen Banken großzügig unterstützt und gegen wertlose Papiere Geld geben. Zuletzt im November und Dezember jeweils über 60 Mrd. Euro.

Wir sehen in Italien den nächsten ernsthaften Kandidaten für einen Angriff. Das Land schiebt rund 2 Billionen Euro Schulden vor sich her und ist politisch angezählt. Berlusconi verspielt gerade das letzte Vertrauen.

Belgien ist in dieser Hinsicht nicht interessant. Zu klein, zu unbedeutend, keine Hebelwirkung auf eins der Nachbarländer. Man kann aber jederzeit den Druck auf den Euro erhöhen und eine zweite Front eröffnen. Jedenfalls gilt das Land als kommender Krisenfall. Keine Regierung, durch die Bevölkerung geht ein tiefer Graben, die Staatsschulden steigen, der Wirtschaft geht es schlecht.

Zank und Streit gehen innerhalb der EU weiter. Vorläufig kommentieren wir das nicht mehr. Es ist ein Schaulauf der Eitelkeiten. Allen mangelt es an Kompetenz, vielleicht auch an Intelligenz? Es wird bald zum Schwur kommen, dann sehen wir klarer. Wir hören nur den luxemburgischen Premierminister, Jean-Claude Juncker, als einsamen Rufer in der Wüste, der eine Debatte ohne Tabus fordert.

Aus Berlin kommt die Nachricht, der deutsche Finanzminister arbeitet an einem Plan zur Umschuldung Griechenlands. Offiziell wird dementiert. Abwarten.

Irland kippt aus den Latschen. Erstens schwappt eine Auswanderungswelle durch das Land, zweitens hat sich die Regierung aufgelöst. Jahrelang war Irland Zuwanderungsland, jetzt werden bis 2012 mehr als 100.000 Iren ihr Land verlassen. Durch die Annahme des Nothilfepakets der EU und des IWF geht es mit dem Land steil bergab. Die Arbeitslosenquote kletterte auf 13,5%, das Wachstum wird für 2011 auf 1,5% geschätzt, nach ursprünglich 2,25%. Außerdem wurden die Steuern drastisch erhöht und die staatlichen Ausgaben erheblich reduziert. Irland wirtschaftet ab. Diese Entwicklung wird verschärft durch den Bruch der Regierung. Es kommt zur vorgezogenen Parlamentswahl, deren Ergebnis sehr wahrscheinlich Wirkung auf die Euro-Krise zeigt. Es gilt als sicher, dass eine neue Regierung die EU/IWF-Hilfen in Frage stellt.

Deutsche Firmen zittern um den Euro. Diese Nachricht hat uns überrascht. Schließlich hat es in den vergangenen Woche schon ganz andere Aussagen geben. Jetzt heißt es, „der gemeinsame Währungsraum hat sich gerade für deutsche Unternehmen zu einem Erfolgsmodell entwickelt, auf das die meisten nicht mehr verzichten wollen.“ Hört, hört.

Es gibt üble Neuigkeiten aus Großbritannien, genauer zum dortigen aktuellen Handelsbilanzdefizit. Es ist 2010 deutlich gestiegen. Das Minus kletterte bis November um über 50 % auf rund 41 Mrd. Pfund, schlicht desaströs.

Die Volkswirte haben sich zu Wort gemeldet und halten die Reaktionen der Anleihemärkte auf die europäische Schuldenkrise für total überzogen. Die USA sei viel verschuldeter als Portugal oder Spanien, aber kaum einen Investor kümmert es. Deshalb fürchten sie heute stärker denn je, dass sich die Anleihekrise nach Portugal auf andere Länder wie Spanien. Italien und sogar Belgien ausweiten könnte. Wirklich helle Köpfe, diese Leute.


Deutschland:

Wieder gibt es überwiegend gute Nachrichten. Die Prognose der Bundesregierung erwartet für die Wirtschaft ein „grandioses Erfolgsjahr.“ Erwartetes Wirtschaftswachstum 2,3 % für 2011. „Die deutsche Wirtschaft wächst damit spürbar stärker als der Durchschnitt der Euro-Zone“ steht im Bericht. „Wir gehen mit Siebenmeilenstiefeln voran, manch andere trotten im Gänsemarsch hinterher“, formuliert es der Wirtschaftsminister. Als Gründe werden die Exporte, der Konsum und die weiterhin niedrige Arbeitslosenquote genannt. Die übrigen Experten sind sich ebenfalls einige: „Deutschland ist auf einem guten Weg.“ Das HANDELSBLATT titelte: „Nur der Ölpreis kann deutschen Boom noch stoppen“ und bezog sich dabei auf den Ifo-Geschäftsklimaindex. Dieser Index erinnert uns sehr an das ZDF-Politbarometer oder ähnliche Umfragen. Nichts belastbares. Schauen wir uns den Ölpreis in 3 Monaten an. Natürlich „werden auch die real verfügbaren Einkommen der Bürger steigen, 2011 um 3,4%“, so Brüderle. Da können wir nur noch die WELT zitieren, sicherlich nicht als regierungskritisch bekannt, die kürzlich im Zusammenhang mit dem Aufschwung titelte: „Die deutsche Arroganz ist wieder zurück.“ Es mache sich in Deutschland Überheblichkeit breit.

Zu dieser überschwänglichen Euphorie will so gar nicht eine Aussage des Chefs der Arbeitsagentur passen, der für den Fall Schrumpflöhne prophezeit, „wenn aus den Euro-Ländern, in die Deutschland exportiert, keine Impulse mehr kämen“. Es werde „keinen Job-Boom in die Breite geben.“

Übrigens, der Handelskonzern Metro sprach für 2010 von einem „schwachen Weihnachtsgeschäft.“ Der Branchenverband HDE hatte ein Plus von 2,5% für das Weihnachtsgeschäft in Deutschland prognostiziert. So viel zum Thema Konsum.


Rohstoffe und Krisenvorsorge:

Hier beschäftigten uns die Aussagen der Analysten über die zu erwartende Entwicklung in den kommenden Monaten. Einer schrieb, er erwarte 2011 „Preisschocks, Nahrungsmittelverknappung und weltweite Nahrungsmittelaufstände.“ Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN sind die Nahrungsmittelpreise im vergangenen Dezember auf ein neues Allzeithoch geschossen. FORBES berichtete, Mais sei seit Juni 2010 um 94% gestiegen, Sojabohnen um 51% und Weizen um 80%. FORBES weiter; „Die Welt befindet sich hier auf gefährlichem Terrain. Die Marktkräfte für die nächste globale Nahrungsmittelkrise sind nun an ihrem Platz, und da sich diese Räder immer weiter drehen, wird es auch immer schwerer, hier in den Rückwärtsgang zu schalten.“

Auch in Deutschland steigen die Lebensmittelpreise stark an. Im Dezember stiegen die Preise nach Angaben des Stat. Bundesamtes um 3,6% im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Vor allem einkommensschwache Haushalte leiden darunter. 2011 soll es so weiter gehen. Die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie rechnet damit, dass die Preise für Lebensmittel stark steigen. Kommt es dann noch zu witterungsbedingten Ernteausfällen, werden die Preise ein weiteres Mal durch die Decke gehen.

Das billige Geld der Notenbanken treibt die Preise in die Höhe. Davon betroffen sind auch Öl, Kupfer oder Seltene Erden. Das hätte über kurz oder lang wieder Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Ein großer Teil der Bundesbürger sorgt sich um ihre Altersvorsorge. Von den Befragten wollen aber nur 17% deswegen ihre Anlagestrategie ändern. Für deutsche Verhältnisse trotzdem kein schlechter Wert. Wir arbeiten weiter daran.

Abschließen wollen wir unseren Wochenrückblick mit einer Warnung der Bundesbank. Die nämlich warnte jüngst Privatanleger vor dem Kauf von teuren Produkten, mit denen die Banken das meiste Geld verdienen. Sie warnte außerdem vor dem Fehler vieler Investoren, bei der Auswahl von Anlageprodukten „die entscheidende Rolle der Kostenstrukturen“ zu vernachlässigen. Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 hätten die privaten Haushalte bei Kapitalanlagen im Wert von 1,9 Billionen Euro rund 28 Milliarden Euro für Kauf, Verkauf und Verwaltung ihrer Kapitalanlagen bezahlt. 

 

Samstag, 8. Januar 2011

Jahresvorschau 2011


I. Einführung 

Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit wir 1999 die letzte Jahresvorausschau veröffentlicht haben. Die Entwicklungen der vergangenen Monate und die Aussichten für die nächsten Jahre, einschließlich 2011, fordern uns zu einer neuen Jahresvorausschau heraus.

Bereits im August 2004 haben wir die Entwicklung voraus gesagt, die ab 2007 bis heute die Welt erschüttert. So klar wie damals sehen wir auch die nächste Zukunft. Unsere Einschätzung weicht so stark von der öffentlichen Meinung ab, dass wir unsere Auffassung auf diesem Wege zur Diskussion stellen. Natürlich sind wir felsenfest davon überzeugt, dass die vorliegende Vorausschau mit höchster Wahrscheinlichkeit zutreffen wird. Dieser Prüfung stellen wir uns.

Es ist klar, dass wir mit unserer Einschätzung im Gegensatz stehen zu den deutschen und europäischen Star-Ökonomen, pensionierten Wirtschaftslenkern aus den vergangenen Jahrzehnten, früheren und heutigen Politikern, oder auch den Wirtschaftsjournalisten aller einschlägigen Medien, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Die Meinungen dieser Spezies füllen seit 2008 unzählige Talk Shows und bedienen mit einer eloquent vorgetragenen Mischung aus Dichtung und Wahrheit den Mainstream. Schlimmer noch, schon seit Monaten beschwichtigen sie die Menschen draußen, erklären die Finanzkrise für beendet, erwarten für Deutschland ein goldenes Jahrzehnt mit Vollbeschäftigung und Wohlstand, verteufeln den Euro und den südeuropäischen Schlendrian, oder rühmen die deutsche Sparsamkeit. Wir werden auf den nächsten Seiten nachweisen, dass sich diese Einschätzungen nur auf Annahmen stützen, die todsicher falsch sind. Was aber sehr wahrscheinlich erst heraus kommen wird, wenn die wichtigsten Wahlen in Deutschland vorbei sind. Deren Aussagen sind nämlich schon Teil des längst begonnenen Wahlkampfes und dienen der Regierung in Berlin.

Wir sind unpolitisch, fühlen uns keiner Partei verbunden. Diese Vorausschau basiert statt dessen auf Fakten, Fakten, Fakten. Aus denen wir unsere Schlüsse gezogen und die wir zu einer Meinung verdichtet haben.

Für unsere Einschätzung haben wir mehr als 7.000 Dokumente gesichtet, viele Gespräche geführt und unsere Geschäftspartner in Europa und den USA angehört. Alles bis vor wenigen Tagen, also topp aktuell.

Seit einigen Wochen geben wir, immer montags, einen Wochenrückblick heraus, der einem kleinen Kreis schon bekannt ist. Einige Angaben und Zahlen werden sich in dieser Vorausschau wieder finden, sie sind einfach so aktuell und weit reichend, dass wir nicht darauf verzichtet haben. Selbstverständlich werden wir in den Wochenrückblicken für 2011 zu dieser Vorausschau immer wieder Stellung nehmen und ihre Zuverlässigkeit prüfen. Gerne nehmen wir Interessierte in den wöchentlichen Verteiler auf.

Anregungen, Kritik und Belehrungen nehmen wir auch entgegen. Dafür haben wir die folgende Email-Adresse eingerichtet: benner-kemmer@web.de.

Zugegeben, auf den nächsten Seiten gibt es an einigen Stellen schwere Kost. Trotzdem ist das Lesen jede Anstrengung wert.

Die Verfasser

II. Finanzkrise

Wir wiederholen es immer wieder: Die Finanzkrise ist noch lange nicht vorbei, ganz im Gegenteil. Sie wird noch in vielen Gesichtern daher kommen und am Ende wird die Welt auf dem Kopf stehen. In 2011 werden bereits vorhandene Blasen weiter anwachsen und neue Blasen entstehen. Diese Blasen sind immer noch Teil der Krise, die 2008 durch die Lehman-Pleite erst von einer breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen wurde, obwohl sie schon sehr viel früher, in Deutschland z. B. 2003, den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik bekannt wurde. Uns liegen Unterlagen vor, nach denen schon in 2003 Gespräche zwischen den großen deutschen Banken und der damaligen schwarz-roten Regierung wegen der Gründung einer deutschen Bad-Bank stattgefunden haben. Einige Zeitungen (1) berichteten sehr verschämt darüber, weshalb die ganze Sache erst einmal wieder auf Eis gelegt wurde. Bis 2008, als die Rettung der Hypo Real Estate anstand.

Die Entstehung der Finanzkrise haben wir 2009 in einem ausführlichen Aufsatz dargelegt, deshalb verzichten wir an dieser Stelle auf Einzelheiten dazu. Wir beschränken uns auf die Darstellung der aktuellen Situation.

Die Staatsverschuldung vieler Länder rund um den Globus hat im Zuge der vorgeblichen Bankenrettung seit 2008 unvorstellbare Ausmaße angenommen. Nur wurde keine einzige Bank wirklich gerettet. Keine, auch nicht die Deutsche Bank des Herrn Ackermann. Das Spielcasino der Banken läuft weiter, größer und schneller wie früher. Nach uns vorliegenden Informationen (2), die wir als zuverlässig einstufen, beträgt der nominelle Wert aller weltweit ausstehenden Derivate 1 Billiarde US-Dollar (1.000 Billionen = 1.000.000.000.000.000 $). Diese unvorstellbare Summe steht immer noch als werthaltiges Vermögen in den Büchern der Banken. Der weltweite Derivatemarkt ist kreditfinanziert. Platzt eines Tages diese Blase, gibt es auf der ganzen Welt nicht genügend Geld, um dieses Problem zu lösen. Nicht zu vergessen: Täglich wird diese Summe größer. Andere Quellen im Internet nennen mindestens 605 Billionen US-Dollar ausstehende Derivate. Bereits diese Summe entspricht dem 10-fachen der jährlichen Welt-Wirtschaftsleistung. Wer kann das bezahlen?

Aber es kommt noch schlimmer. Das „World Economic Forum“ hat in einem Report (3) veröffentlicht, dass die Summe aller Kredite auf der Welt von 57 Billiarden US-Dollar im Jahr 2000 auf 109 Billiarden US-Dollar im Jahr 2009 gestiegen ist. Bis 2020 erhöht sich die Summe um weitere 100 Billiarden US-Dollar.

Die vielen Staaten haben sich völlig umsonst für ihre Banken in Schulden gestürzt und dabei übernommen. In Wirklichkeit ist es auch nie darum gegangen, die betroffenen, für systemrelevant erklärten, Banken nachhaltig zu retten, sondern nur darum, Zeit zu gewinnen. Zeit, in der die Politiker eine Lösung suchen, die den Banken nicht weh tut, während die Banken durch die wieder neu gewonnenen Liquidität das Casino mit seinen riesigen Gewinnen weiter am Laufen halten. Bis heute klappt nur eine Sache, nämlich die der Banken. Die Politiker sind noch keinen Schritt weiter. Alle Regulierungsversuche, wie sie in den USA oder Europa unternommen wurden, nutzen die betroffenen Banken lt. einer US-Studie (4) nur dazu aus, noch größer zu werden.

Für die weitere Entwicklung der Finanzkrise ist es völlig egal, ob die Staaten ihre Schulden in den Griff bekommen, die Arbeitslosigkeit in den USA endlich sinkt, Dollar oder/und Euro überleben, wie sich die Rohstoffpreise entwickeln, ob die Schwellenländer die Weltwirtschaft anschieben, und, und, und. Die zerstörerische Saat wurde schon vor Jahren gelegt und man hat es versäumt, sie 2008/2009 auszutrocknen. Heute ist es zu spät.

Vor unseren Augen tickt eine Mega-Bombe, die unabänderlich irgendwann hoch geht und dann die Welt in ein unbeschreibliches, unvorstellbares Chaos stürzt. Das ist sicher.

Die vermeintlich guten Nachrichten schwadronierender Journalisten über die globale Krisenbewältigung, erwartete Zinssenkungen der FED und EZB 2011, Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern, Wirtschaftserholung in den Industrieländern, allen voran Deutschland, ist alles nur Kakophonie und dienen der Volks-Beruhigung rund um den Globus.

So geht es weiter: 2011 werden die bisherigen staatlichen Maßnahmen ihre Wirkung verlieren. In der Folge werden die Probleme an Kraft zunehmen und offenbaren, wie sehr die Krise in den letzten Jahren bereits den Zerfall der Welt beschleunigt hat. Die längst mit großer Härte geführten Handels- und Währungskriege nehmen an Stärke noch zu und werden beträchtliche Schäden anrichten.

Schon jetzt kann die internationale Staatengemeinschaft keine Probleme mehr lösen oder deren Folgen abmildern (Tunesien).

2011 rechnen wir mit der Explosion der Staatsanleihen-Blase, der öffentlichen Schulden-Blase, der Blase der Bankbilanzen und der Blase der Immobilienmärkte in den USA (Gewerbe), China, Großbritannien, Spanien. Als Folge werden die Turbulenzen an den Börsen dramatisch zunehmen, nicht ohne vorher noch einmal ein Allzeithoch zu markieren.

Die Ohnmacht ist allgegenwärtig. Die Lage wird sich noch dadurch verschärfen, dass in vielen Staaten der Ausbruch sozialer Unruhen und schwerer wirtschaftlicher Krisen drohen. Das wird nicht nur in Dritte-Welt-Ländern passieren, sondern direkt vor unserer Haustür. Täglich demonstrieren Menschen in Griechenland, Irland, Großbritannien, Portugal, Italien, Frankreich, Island, ohne dass darüber berichtet wird. Diese Demonstrationen sind die Folgen der weiter schwellenden Finanzkrise.

Auf der anderen Seite melden Banken und Konzerne immer neue Maximal-Gewinne, begünstigt durch die unbegrenzte Liquidität. Statt im eigenen Land neue Arbeitsplätze zu schaffen wollen die US-Konzerne 2011 weltweit auf Einkaufstour gehen, um sich mit Milliarden US-Dollar lukrative Übernahmen zu finanzieren. Nach unseren Informationen haben die großen US-Konzerne eine Billion US-Dollar Liquidität gebunkert (5).

Alle Gewinne sind auf Sand gebaut. Ein Beispiel: Die US-Banken dürfen sich immer noch die Zinsen aus den Hypotheken als Vermögen zubuchen, die längst „unter Wasser“ stehen und schon nicht mehr von den Schuldnern bedient werden. Auf diese Weise haben sich bereits 1,4 Mrd. US-Dollar angesammelt, die in naher Zukunft wertberichtigt werden müssen. (6) Bis dahin ist das allerfeinste Bilanzkosmetik und eine der Grundlagen für fette Bonuszahlungen an der Wall Street.

Dies alles sind Wegemarken auf dem Highway zur größten Depression aller Zeiten. Anders kann man die Entwicklung nicht mehr beschreiben.

Immer noch glauben viele Menschen an die schönen Worte der Politiker, dass sich alles noch richten lässt, oder es schon nicht so schlimm kommen wird. Gerade deshalb, weil so viele den Kopf in den Sand stecken, kommt es zu diesem Mega-GAU. Die Arroganz der vermeintlich stabilen Export-Industrie-Nationen tut ihr übriges zu dieser Entwicklung. Diese Stärke wird sich am Ende nur noch als schöner, wertloser Schein erweisen.

Sehen wir uns einfach die Entwicklung Japans an: Eine starke Nation, seit 1990 gefangen in einer zunehmenden Deflation, heute unfähig, auf die Geschicke der Welt irgendeinen sinnvollen Einfluss zu nehmen. Verurteilt dazu, Teil der Krise zu sein, ohne sie verursacht zu haben. Zur Erinnerung: Es waren deutsche Banken, besonders die politisch geführten Landesbanken, die kräftig an der Entstehung der Immobilienkrise in den USA mitgearbeitet haben. Aus dieser Nummer kommen wir – trotz ständiger gegenteiliger Beteuerungen der Politiker und Banker – nicht raus. Das Ausmaß dieser Beteiligung wird sicherlich über kurz oder lang auf den Tisch kommen. Wir werden uns die Augen reiben. Nur bis dahin sind alle Regressansprüche verjährt und die dafür Verantwortlichen bleiben unbehelligt. In diesem Zusammenhang verweisen wir, stellvertretend, auf die Landesbank Bayern und ihr Abenteuer Hypo Alpe Adria. Uns liegt der vollständige Untersuchungsbericht der beauftragten Kanzlei vor, der gespickt ist mit regressfähigen Entscheidungen von Vorstand und Aufsichtsrat.

Noch ein Wort zu den USA und ihrer Rolle 2011 bei der weiteren Entwicklung der Finanzkrise: Die USA sind in einer beschissenen Situation. Politisch seit den letzten Wahlen im November nicht mehr wirklich handlungsfähig, suchen sie ihr Heil in der Flucht nach Vorne, leider mit Mitteln aus Ur-Großvaters Mottenkiste. Die Staatsschulden werden weiter expandiert. Die FED wird weiter Geld drucken, US-amerikanische Staatsanleihen kaufen und nicht die Leitzinsen erhöhen, einige US-Bundesstaaten kollabieren (mindestens 10 stehen schon kurz davor) und werden ebenfalls von der FED mit frischem Geld versorgt. Die Milliarden-Aufträge aus China und Saudi-Arabien bringen keine echte Entlastung, führen auch nicht zu neuen Jobs. Die USA werden weiter wie bisher ihr Tafelsilber verkaufen müssen: früher an Japan, heute an China. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann auch bisher sensible Industriebereiche an chinesische Konzerne verkauft werden. So hart es klingt: Die USA sind pleite, die Staatsverschuldung liegt bei 14 Billionen US-Dollar (7), Tendenz weiter steigend, um 4 Mrd. US-Dollar täglich. Der Konsum geht weiter zurück (8). Aus diesem Grund wird auch die Export-Supermacht China bereits 2011 Rückgänge bei den Exporten nach Amerika verzeichnen. Sicherlich noch in einer Größenordnung, die statistisch unauffällig bleibt. Oder es werden einfach noch die Häfen vergrößert und neue Schiffe zu Wasser gelassen, um, wie bereits in der Vergangenheit, Überproduktionen aufzunehmen, die in der Statistik als Exporte geführt wurden. Papier ist bekanntlich geduldig.

Die Angriffe auf den Euro sind genau dosiert und verfolgen ein Ziel: Den wertlosen US-Dollar mit allen Mitteln zu verteidigen, so lange es nur geht. Die Europäer reagierten bisher wie erwartet uneinig und hilflos. Zwischen den vielen nationalen Interessen gehen alle sinnvollen Vorschläge unter. Jetzt zahlt es sich aus, dass die USA seinerzeit, mit erheblichem politischen Druck gegenüber den damaligen EG-Ländern, eine politische Union verhindert haben. Allen Diskussionen zum Trotz, es gibt nur eine Lösung für den Euro: Er muss überleben. Sonst gibt es nichts. Kein Austritt und D-Mark II, kein Nord- und Süd-Euro. Merkel versucht lediglich, mit ihrer abwartenden Taktik im Wahlkampf zu punkten. Pech nur, dass diese Strategie Deutschland sehr viel mehr kosten wird, als eine klar strukturierte Haltung gegenüber den Spekulanten, den EU-Partnern und dem eigenen Volk. Deutschland hat die Gründung der Währungsunion und die Einführung des Euros, mit allen damals schon bekannten Fehlern, maßgeblich betrieben. Außerdem den Beitritt der „Süd-Staaten“ ausdrücklich begrüßt. Deren Manipulationen waren hinreichend bekannt. Schon seit Monaten zwingt die deutsche Haltung die EZB den Spuren der amerikanischen FED zu folgen und für viele Milliarden Euro wertlose Papiere zu kaufen, um so den EU-Banken unbegrenzte Liquidität zur Verfügung zu stellen (9).

Diese Entwicklung wird 2011 nachhaltige Auswirkungen auf die Altersvorsorge jedes Einzelnen haben. Egal ob gesetzliche Rentenversicherung, Lebensversicherungen, Immobilien, Sparpläne, Riester-Rente, Bausparverträge, usw. Alle sind bedroht durch Staatsbankrotte, Bankpleiten, Geldentwertung. Rentenversicherungsträger, Versicherungen, Banken, Bausparkassen, legen erhebliche Gelder in Staatsanleihen, Immobilien und ähnlichen, bisher sicheren Kapitalanlagen an. Nur eine Staatspleite genügt, um Verluste zu erleiden und Nervosität, vielleicht gleich Panik, aufkommen zu lassen. Wir sehen viele Menschen durch Altersarmut bedroht, die heute noch nicht im Traum an so etwas denken.

Albert Einstein sagte einmal, dass der gedankenlose Respekt vor der Autorität der Feind der Wahrheit ist.

III. USA

Die USA vernichten gerade ihre Mittelschicht. Armut und Massenarbeitslosigkeit sind die Aussichten für die nächsten Jahre. Schon heute hat Amerika die höchste Armutsrate unter den Industrienationen. 50 Mio. US-Bürger leben bereits in Armut. Offiziell bezogen im Dezember 2010 mehr als 43 Mio. Menschen Food Stamps, Lebensmittelmarken (10). Täglich kommen 20.000 dazu. Über 50 Mio. US-Bürger sind ohne Krankenversicherung. Insgesamt haben die Amerikaner seit Beginn der Finanzkrise 5 Billionen US-Dollar an Pensionen und Ersparnissen verloren und weitere 13 Billionen USD-Dollar an Immobilienwerten. Tendenz steigend. Über 5 Millionen US-Familien haben bereits ihre Häuser verloren, Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2014 insgesamt 13 Millionen US-Familien ihre Häuser verlieren, wodurch 25 % der aktuellen Hypotheken platzen werden. Die Deutsche Bank geht noch weiter: Nach ihrer Schätzung könnte der Prozentsatz Not leidender Kredite auf bis zu 48 %, oder 25 Mio. Häuser, steigen (11). Täglich kommen 10.000 Häuser in die Zwangsversteigerung. In 2007 hielt die US-Regierung Hypothekenschulden im Gesamtwert von 725 Mrd. US-Dollar. Mitte 2010 waren es schon 5,148 Billionen US-Dollar. Bereits jetzt, Anfang 2011, sind über 3 Mio. Amerikaner obdachlos, ebenfalls Tendenz steigend. Bei dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Vermögen lagen die USA im Jahr 2000 weltweit auf Rang 1. Bis 2010 sind die USA auf Rang 7 abgerutscht (12).

Die Erwerbsarmut nimmt weiter zu. Mittlerweile nimmt man an, dass jede 3. Familie zu den „Geringverdienern“ zählt. Das Einkommen aus bis zu 3 Jobs reicht nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Folgen: 29 % der Amerikaner können nicht genügend Essen kaufen und 48 % haben Schwierigkeiten, ihre Strom- und Heizkosten zu bezahlen. Laut einer jüngst durchgeführten Untersuchung leben heute 21 % aller Kinder in den USA unterhalb der Armutsgrenze. (13)

Für viele Amerikaner ist das Gefängnis ein neues Zuhause. 2,3 Mio. Menschen sind inhaftiert. In den USA sind mehr Menschen eingesperrt, als in irgendeinem anderen Land auf der Welt: 700 Insassen auf 100.000 Bürger. China im Vergleich dazu 110 Inhaftierte auf 100.000 Bürger, Frankreich 80 und Saudi-Arabien 45. (14) Die Gefängnisindustrie boomt und es wird für die nächsten Jahre beträchtliches Wachstum in Aussicht gestellt. Jede Woche macht irgendwo in den USA ein neues Gefängnis auf.

Die offizielle Arbeitslosenquote ist absolut irreführend. 9,4 % werden für den vergangenen Monat genannt. Die Statistik wird schon seit Jahren frisiert. Tatsächlich liegt die Arbeitslosenquote bei über 22 % und damit höher als zu Zeiten der großen Depression ab 1929. (15) Legt man die offizielle Arbeitslosenrate zugrunde, fehlen 10 Mio. neue Arbeitsplätze, um lediglich das Niveau von 2007, 4,6 % Arbeitslosenquote, zu erreichen. Auf absehbare Zeit ein unmögliches Unterfangen, den vollmundigen Ankündigen der Regierung Obama und der FED zum Trotz.

Die Industrieproduktion hat einen Anteil an der Gesamtwirtschaft von nur noch 12 % (16). Die alten Industriestandorte in Staaten wie Ohio, Michigan, Illinois oder Wisconsin, verfallen. Im Zuge der Globalisierung wurden über Jahre hinweg Unternehmen und Produktionsstandorte geschlossen und in die Billiglohnländer, allen voran China, ausgelagert. Wal-Mart bezieht 80 % seiner Waren für seine US-Läden aus China. Vom Rest entfällt noch einmal mehr als die Hälfte auf die Länder Mittel- und Südamerikas. Der Anteil im eigenen Land hergestellter Waren liegt im einstelligen Prozentbereich. Dabei sind die landwirtschaftlichen Produkte US-amerikanischer Farmer berücksichtigt.

Das hohe Handelsbilanzdefizit mit China verhindert eine Erholung am Arbeitsmarkt. Die Billigimporte aus China sind für die Hälfte des Handelsdefizits und die hartnäckige Arbeitslosigkeit verantwortlich. Produktionsbetriebe müssen her, statt dessen entstehen Arbeitsplätze – mal wieder – im Dienstleistungssektor.

Goldman Sachs rechnet die Situation für 2011 schön und erwartet ein Wirtschaftswachstum von 3,4 %. Präsident Obama „ruft wirtschaftliche Trendwende aus“ und erklärt „der Trend sei eindeutig“. Ein Trugschluss. Wieder einmal muss eine weitere Milliarden-Geldschwemme, mit der die FED die US-Konjunktur anschieben will, ergänzt durch neue Steuergeschenke, für positive Vorhersagen zum Wirtschaftswachstum herhalten. Selbst die dänische Saxo-Bank prognostiziert ein Wachstum von 2,7 % für 2011. Die deutsche Commerzbank schießt weit über alle Ziele hinaus und erwartet in diesem Jahr 4 % Wachstum. Alle Achtung, meine Damen und Herren, so werden Geschäftsbeziehungen gepflegt.

Es gibt 2011 kein Comeback der USA. Keine Jobs, kein Einkommen, kein Konsum. Es ist so einfach und man muss kein Experte sein. Verbreitete der Einzelhandel im Dezember noch eine positive Grundstimmung, zeigte er sich vor wenigen Tagen enttäuscht über das so wichtige Dezember-Geschäft (17). Viele Kunden waren nur auf Schnäppchenjagd. Die großen Discounter gehörten zu den Verlierern, die Schwäche des Sektors sei „überraschend und beunruhigend“ erklärte ein Analyst. Wir sind nicht überrascht, sondern haben diese Entwicklung erwartet. Wir bleiben auch für 2011 dabei: Der US-amerikanische Einzelhandel wird darben. Unsere amerikanischen Partner berichten uns von fertigen Plänen bei Wal-Mart, die Verkaufsflächen weiter zu verkleinern und das Angebot zu straffen. Optimismus sieht anders aus. Besonders prekär: der private Konsum macht mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

Die Staatsverschuldung ist irrational. Offiziell 14 Billionen US-Dollar, täglich kommen 4 Mrd. dazu. Die Verschuldung des Staates liegt für 2010 offiziell bei 94,3 % der US-Wirtschaftsleistung, 2009 waren es erst 83,4 %, in 2007 sogar nur 64,4 %. Werden alle vorhandenen Schulden in den USA zusammen gerechnet (Regierungsschulden, Unternehmensschulden, Privatschulden), ergibt sich heute schon eine Gesamtverschuldung in Höhe von 360 % der US-Wirtschaftsleistung. (18) Problematisch sind diese Zahlen noch aus einem anderen Grund: Uns liegt eine Untersuchung vor, nach der schon seit 20 Jahren mindestens 30 % des US-BIP reine Fiktion sind, die offiziellen Zahlen schlicht falsch sind. Auf der Grundlage dieser Annahme wäre die Staatsverschuldung bereits 2009 bei 113 % der Wirtschaftsleistung angekommen. Ein totaler Bluff, der irgendwann auffliegen wird. Vielleicht schon 2011. Lange jedenfalls wird es nicht mehr dauern. 2015 erwartet der US-Kongress eine Staatsverschuldung in Höhe von 19,6 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Am 30.09.1980 lag die US-Staatsverschuldung bei 907 Milliarden US-Dollar. Alleine im vergangenen Jahr hat der US-Kongress für jeden der 308.745.538 US-Bürger pro Kopf 10.429,64 US-Dollar neue Schulden aufgenommen. Die US-Regierung muss sich aktuell rund 41 % ihrer Ausgaben leihen. Alleine die Schulden gegenüber China belasten jede US-Familie mit über 10.000 US-Dollar. (19) Die USA stehen längst am finanzpolitischen Abgrund. 2011 werden die Verbindlichkeiten der USA die Wirtschaftsleistung übersteigen. Dann steht Amerika auf einer Stufe mit Japan, Griechenland, Irland, Italien.

Das sind nur die Schulden der Regierung. Ebenso gigantisch verschuldet sind die Bundesstaaten und die Kommunen. Nach offiziellen Angaben belaufen sich die Verbindlichkeiten – Anleiheschulden inklusive Pensionsverpflichtungen - derzeit auf 6 Billionen US-Dollar (6.000 Milliarden) (20). Für die von der Immobilienkrise betroffenen Kommunen kommt es knüppeldick: Nach einer Studie (21) muss damit gerechnet werden, dass sich in den am meisten vom Platzen der Immobilienblase betroffenen Regionen keine nachhaltige Erholung bis zum Jahr 2030 einstellen wird. Viele Regionen in Kalifornien, Florida, Arizona und Nevada sind davon betroffen. Zu den schon seit 2007 schrumpfenden Einnahmen kommen neue Ausfälle dazu.

Durch die Fehlbeträge bei den US-Pensionsfonds steht die Altersversorgung vieler Amerikaner auf dem Spiel. Nach einer Studie aus dem Herbst 2010 fehlen 3.230 Mrd. US-Dollar, die von den Bundesstaaten und Kommunen z. Zt. nicht aufgebracht werden können (22).

Jedoch sind die rückständigen Pensionszahlungen längst nicht das einzige Problem. Damit die bereits bestehenden alten Schulden weiter bedient werden können, müssen die öffentlichen Ausgaben maximal zurück gefahren werden. Eine Anpassung an die reduzierten Einnahmen genügt nicht. Einige Beispiele: Detroit plant, die Hälfte der öffentlichen Schulen zu schließen. Der Bundesstaat New York schließt 20 % seiner öffentlichen Einrichtungen. Der Staat Illinois erhöht die Einkommensteuer um 66 %. Der Staat New Jersey verschiebt auf unbestimmte Zeit die Zahlung von 3,1 Mrd. US-Dollar an seinen Pensionsfonds, gleichzeitig werden Tausende Lehrer entlassen. Die Stadt Chicago spielt mit dem Gedanken, ein Spielcasino zu eröffnen, um so an frisches Kapital zu kommen.

Die ersten Bundesstaaten, allen voran New Jersey, wollen die Kosten für das Gesundheitsprogramm Medicaid (Programm für Arme und Behinderte) als auch die Bezüge der Staatsbediensteten reduzieren. Außerdem wird in einer großen Zahl der Bundesstaaten 2011 die Arbeitslosenunterstützung kollabieren.

Zuverlässig wissen wir, dass 2011 die ersten Zahlungsausfälle bei den Anleihen der Bundesstaaten erwartet werden. Eine brandgefährliche Entwicklung, da bereits längere Zeit viele Bundesstaaten Teile ihre Ausgaben durch die Plazierung solcher Anleihen finanzieren. Wird diese Refinanzierungsmöglichkeit durch Probleme bei der Rückzahlung verstopft, sind die Auswirkungen unabsehbar.

Hoffnungslos ist auch die Entwicklung des Leistungsbilanzdefizits. Im 3. Quartal 2010 stieg das Leistungsbilanzdefizit im 5. Quartal in Folge. Das neue Defizit beträgt –127,2 Mrd. US-Dollar, im Vorjahresquartal waren es nur –97,503 Mrd. US-Dollar. (23) Für 2011 ist keine Besserung in Sicht. Wir erwarten keine nachhaltige Reduzierung.

Einer der kompetentesten Ökonomen in den USA, James K. Gailbraith, spricht für die weitere Entwicklung in den USA von „einem Blick in die Büchse der Pandora“. Ein Analyst formuliert, die USA leben längst „im Auge des Sturms“. (24) Wir befürchten, hier kann noch nicht einmal mehr ein Wunder helfen.

Aufgrund der geschilderten Entwicklungen erwarten wir 2011 weitere Konjunkturprogramme der Regierung, mehr als 1 Billion US-Dollar Liquidität – statt der im November 2010 beschlossenen 600 Mrd. - von der FED zum Ankauf weiterer US-Staatsanleihen, keine Leitzinserhöhung.

Wir erwarten keine neuen Jobs im Bereich der Produktionsindustrie. Die von der Autoindustrie angekündigten 7.000 neuen Stellen sind ein Witz. Die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Die Erwerbsarmut wird zunehmen. Die Zahl der Bezieher von Leistungen aus dem staatlichen Lebensmittelprogramm (Food Stamps) wird immer weiter steigen. Die Immobilienpreise werden immer noch fallen. Weitere 2 bis 3 Mio. Häuser geraten in die Zwangsversteigerung. Mehr Familien mit Kindern werden obdachlos. Die Armut nimmt zu.

Das Konsumverhalten wird sich erneut verschlechtern. Die Einzelhändler müssen deshalb bedeutende Gewinneinbrüche hinnehmen. Die Nahrungsmittelpreise steigen bis Mitte 2011 inflationär an. Klares Indiz dafür ist der starke Anstieg der Preise für Farmland in den USA, hervorgerufen durch den Einstieg von Investmentgesellschaften, die hier das ganz große Geschäft wittern (25).

Diese Entwicklung wird negativ auf die gesamte Welt ausstrahlen. Der Zustand der USA erinnert sehr an den Untergang früherer starker und hoch entwickelter Weltmächte (Römer, Griechen, Ägypter, Perser).

IV. China

China befindet sich in einer sehr zwiespältigen Situation. Auf der einen Seite die Werkbank der Welt, dadurch Exportweltmeister, zum Retter der Weltwirtschaft erklärt, in der Finanzkrise seit 2007 aufgestiegen zur einzigen Wirtschaftsupermacht, ausgestattet mit der unvorstellbaren Summe von 2,8 Billionen US-Dollar Währungsreserven, offiziell bereits 500.000 Millionäre und mindestens 128 Milliardäre. (26) Auf der anderen Seite immer noch Entwicklungsland, 600 Mio. Menschen (27) leben auf dem Land in völliger Armut, teilweise Zustände wie in Europa vor 200 Jahren, ein jährliches Pro-Kopf-Einkommen von knapp 3.000 Euro, aktuell 5,1 % Inflationsrate.

Fest steht, die Finanzkrise begünstigte Chinas Aufstieg zur Supermacht. Dieser Trend wird sich 2011 erst einmal fortsetzen. Die überbordende Staatsverschuldung in den westlichen Industrienationen nutzt China dazu, sich mit Hilfe seiner Währungsreserven in diesen Ländern unentbehrlich zu machen.

Diese angehäuften Währungsreserven sind seine einzige Stärke. Negativ bewerten wir die totale Exportabhängigkeit, was sich wegen der Ungleichheit bei der Einkommensentwicklung im Land selbst auf absehbare Zeit auch nicht ändern wird. 500.000 Millionäre, eine Hand voll Milliardäre und Millionen von Billiglöhnern erzeugen nun einmal keine nachhaltige Binnennachfrage. Die Landbevölkerung muss nahezu ihr gesamtes Einkommen für Nahrung verwenden. China investiert immense Summen in die Infrastruktur, baut Straßen, Häfen, riesige Industriekomplexe, Geisterstädte für z. B. 300.000 Einwohner, wo dann erst einmal nur 5.000 Menschen leben (28), neue Staudammprojekte, oder entwickelt Kriegsgerät. Alles nicht dazu geeignet, den Konsum im eigenen Land zu erhöhen. Unter günstigen Voraussetzungen könnte es in den nächsten 20 Jahren aber gelingen, eine ausreichende Binnennachfrage zu entwickeln. Entsprechend würde die Exportabhängigkeit abnehmen. Nur wird es diese günstigen Voraussetzungen erst einmal nicht geben. Schon 2011 wird China – trotz einiger Vorsorge - immer stärker von den globalen Einflüssen der Finanzkrise betroffen sein. Weiter steigende Inflation, das Platzen einer Immobilienblase, ein Exportrückgang, sind nur einige der Gefahren, die auf China zukommen können.

China wird nicht der Retter der Weltwirtschaft und damit der Welt. Sicherlich hilft China mit seinen Aufträgen verschiedenen Industriezweigen in Deutschland, in anderen EU-Staaten, in den USA, usw., die Krise und ihre Folgen besser zu überstehen. Nicht mehr und nicht weniger. An der Gesamtsituation ändert sich nichts. China kann nicht noch jahrelang und quasi unbegrenzt US-Staatsanleihen kaufen, um so die USA vor einem Kollaps zu bewahren, Auch nicht den Euro retten oder der maroden Wirtschaft Russlands neues Leben einhauchen.

Die weitere Entwicklung in den USA und Europa wird dafür sorgen, dass es in China zu einer abrupten Abschwächung der Wirtschaft kommt. Niemand weiß bis heute, wie die chinesische Führung dann damit umgeht. Vielleicht wissen die schweizer Unternehmer mehr: In deren Kreisen gilt Chinas Führung aktuell als die Regierung mit der höchsten Wirtschaftskompetenz auf der Welt (29). Wir teilen diese Einschätzung (noch) nicht.

Sehr geschickt ist China gerade darin, die Schwäche der westlichen Industrienationen auszunutzen. Nach dem Kauf riesiger landwirtschaftlicher Flächen in Afrika kolonialisiert China mittlerweile Europa. Während der Griechenland-Krise wurden erst einmal nur 300 Millionen Euro investiert. Aktuell sind es Milliarden-Hilfen für die europäischen Krisenstaaten Portugal, Spanien, Italien und Ungarn. (30) China kauft verdeckt (in Portugal) oder ganz offen Staatsanleihen der betroffenen Länder und sichert sich damit maßgeblichen Einfluss auf die Finanz- und Wirtschaftspolitik der EU. Weitere Länder werden 2011 dazu kommen und Chinas Stellung als angehende Weltmacht stärken. Den Menschen in den betroffenen Ländern wird China als „weißer Ritter“ verkauft, als neuer Freund, als Retter in der Not. Wir stehen dieser Entwicklung skeptisch gegenüber. Die zunehmende finanzielle Abhängigkeit Europas von China beurteilen wir sehr negativ.

Für bemerkenswert halten wir in diesem Zusammenhang eine Analyse der Royal Bank of Scotland. Die nämlich warnte ihre Kunden im letzten Dezember vor einem möglichen Bankrott Chinas und empfahl, sich gegen das Risiko eines Zahlungsausfalls abzusichern. China habe aus der globalen Finanzkrise die vollkommen falschen Schlussfolgerungen gezogen. (31)

Wir sagen: Die bisher tollen Zahlen der chinesischen Wirtschaft stehen längst auf tönernen Füßen, ein massiver Einbruch nur eine Frage der Zeit. Schon bald kann der fehlende Konsum des Westens nicht mehr durch volle Lager und beladene Schiffe in den Statistiken kaschiert werden.

Chinas Fokus richtet sich jedoch auch schon auf die unmittelbare Nachbarschaft: Nach Handelsabkommen mit Russland und Indien, wurde auch noch ein milliardenschweres Abkommen mit Pakistan geschlossen. (32) China justiert seine Exporte neu. Langfristig könnte es zu ganz neuen Handelsströmen kommen.

Außerdem sichert sich China auf Jahre wichtige Rohstoffreserven, langfristige Lieferverträge werden rund um die Welt geschlossen. Zuletzt wieder in Afrika. Sogar die USA hoffen demütig auf Investitionen im großen Stil. (33)

Hier wächst, trotz der von uns erwarteten Verschärfung der Finanzkrise, ein neuer Champion heran. Besser hätte es für China nicht kommen können.

Im nächsten Jahr, 2012, steht ein politischer Wechsel an. Der neue Mann gilt nicht als ausgewiesener Demokrat. Muss er auch nicht sein, die sowieso schon wenigen Forderungen des Westens nach mehr Demokratie und Menschenrechte werden bald ganz verstummen.


V. Europa

Vor Europa liegt ein schwieriges Jahr. Der Euro steht augenblicklich auf wackeligen Beinen. Die Leistungsbilanzen der Länder gehen getrennte Wege. Politisch ist die EU gespalten wie schon lange nicht mehr. Wir halten Europa in 2011 für weit gehend handlungsunfähig und schwach. Reaktion kommt vor Aktion. Die Spekulanten bestimmen Tempo und Richtung der Euro-Zone. Die Regierungen sind entweder ratlos oder heillos zerstritten. Es herrschen Angst, Neid und Missgunst. Ständig entstehen neue Bündnisse, um sich einer ganzheitlichen Lösung zu entziehen. Doch die muss kommen. Wir befürchten: Nur leider noch nicht 2011. Ansätze wird es geben, gute und schlechte, aber die schmerzhaften Entscheidungen werden nicht getroffen, sondern immer wieder vertagt. Was die ganze Sache zusätzlich verteuert.

Die Bundesregierung wird ihre Entscheidungen den 7 Landtagswahlen unterordnen, statt unverzüglich die Führungsrolle zu übernehmen, gerne zusammen mit Frankreich. Die Verantwortung an der bisherigen Entwicklung der Eurokrise liegt, da gibt es nichts zu beschönigen, hauptsächlich bei der deutschen Regierung. Sie ist deshalb gefordert.
Wir können die Dinge drehen und wenden wie wir wollen, die Bewältigung der Eurokrise wird ein politischer und finanzieller Kraftakt ohnegleichen. Neueste Schätzungen gehen von mindestens 3 Billionen Euro aus (34). Das wissen alle Regierungen in Europa, alle Parteien in Deutschland und auch alle Top-Ökonomen, einschließlich die, die sich dafür halten. Ganz zu schweigen von den Ex-Managern, die ebenfalls über alternative, aber wenig brauchbare, Lösungen schwadronieren. Besonders aufgefallen sind uns die folgenden Herren: Hans Werner Sinn vom Ifo-Institut, in den Medien gerne als Star-Ökonom vorgestellt, Prof. Wilhelm Hankel, Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, sowie - ganz neu - auch Prof. Dieter Spethmann, früherer Thyssen-Vorstandsvorsitzender. Diese Herren sollten es besser wissen. Wir unterstellen deshalb, ausgenommen Prof. Hankel, andere Interessen und nennen es Lobbyarbeit, oder ist es etwa Populismus? Prof. Hankel gehört schon über viele Jahre zum harten Kern der Euro-Gegner, was Respekt abnötigt, aber seine Argumente nicht schlüssiger macht. Die Herren ignorieren schlicht und einfach die Fakten. Wir verzichten hier auf deren Aufzählung, sondern verweisen auf unsere Wochenrückblicke, bzw. den bereits an anderer Stelle zitierten Aufsatz. Solche Leute machen uns wütend. Hier wird meistens intellektueller Unsinn abgesondert, für den sie auch noch gefeiert werden, wie Prof. Spethmann am 19.01. in der Onlineausgabe der FAZ (35). Glückwunsch.

Europa steckt so richtig in der Bredouille. Die weiter schwelende Finanzkrise erfordert schnelles Handeln statt endloser Diskussionen. Letzteres wird sich leider durch das ganze Jahr 2011 ziehen und damit eine Lösung zunichte machen. Ausnahme: Die Entwicklung in den USA verschlechtert sich dramatisch, was wir absolut für möglich halten. Dadurch wird nämlich nicht nur die Spekulation gegen den Euro noch einmal massiv verstärkt werden, sondern auch die Entwicklung von Konjunktur, Inflation, Arbeitslosigkeit, usw. eine stark negative Richtung nehmen. Die Zeit, sich dann noch gegen die schlimmsten Auswüchse zur Wehr zu setzen, wird für die europäischen Regierungen denkbar knapp. Wenn es soweit kommt, muss auch Europa endlich handeln. Vergessen wir nicht: Längst befinden wir uns in einem internationalen Handels- und Währungskrieg, was die Politiker noch nicht zur Kenntnis nehmen wollen, um sie vor der Öffentlichkeit weiter verschweigen zu können. Grundsätzlich ist die Informationspolitik der Bundesregierung immer noch genau so wie zu Beginn der Finanzkrise 2008, als der deutschen Öffentlichkeit erklärt wurde, alles sei ein rein US-amerikanisches Problem und deshalb auch nur von der US-Regierung zu lösen (36). Innerhalb von wenigen Tagen stellte sich das Gegenteil heraus, mit den sattsam bekannten Folgen. Diese Entwicklung prophezeien wir unmissverständlich für die kommenden Wochen. Die Ereignisse werden sich so sehr dynamisieren, dass noch vor der Wahl in Baden-Württemberg die ganze Wahrheit über den völlig desolaten Zustand der Weltwirtschaft nicht mehr zu verstecken ist.

Betrachten wir die aktuellen Zustände in Europa, bzw. in der Euro-Zone, so fällt auf, dass eine unserer Vorhersagen im Dezember 2010 zu der weiteren Entwicklung der Euro-Krise vollkommen richtig war: Portugal wurde sofort nach Neujahr von den Spekulanten wieder angegriffen, Spanien wird „bearbeitet“, Belgien gerät in den Fokus, Irland und Griechenland werden schon einmal – vorsorglich - für bankrott erklärt (37). Andererseits erhält Polen klammheimlich eine milliardenschwere Finanzhilfe des IWF, ohne Einbeziehung der EU. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Versuchsweise wird hier und da auch schon einmal über Frankreich, noch vor Italien, als nächstes Opfer spekuliert. Außerhalb der Euro-Zone gibt es auch potenzielle Pleitekandidaten: Großbritannien, Island oder Ungarn stehen Schlange.

Die folgenden Lösungen wurden gefunden: Griechenland und Irland sparen sich kaputt. Deren Bankrott wurde überhaupt erst durch die Rettungspakete und den damit verbundenen Auflagen von IWF und EU auf den Weg gebracht. Portugal wird gezwungen, den gleichen Weg zu beschreiten. Längst ist es die EZB, die Portugal am Leben hält. Die schweizerische Nationalbank akzeptiert mittlerweile irische Staatsanleihen nicht länger als Sicherheit für ihre Geldmarkt-Geschäfte. Es wird damit begründet, „Sie haben die Qualitätskriterien nicht mehr erfüllt“. (38) Island ist eigentlich schon seit 2008 pleite. Es interessiert nur keinen, liegt weitab vom Schuss. Spielt erst dann wieder eine Rolle, wenn die gesamte Welt im Dreck liegt. In Großbritannien versucht die Regierung, um das Unabänderliche vielleicht doch noch zu verhindern, alles zu Geld zu machen, was einigermaßen Erlöse verspricht: Verkauf des Hafens von Dover, Verkauf von 50 % der staatlichen Wälder, Verkauf der Post, usw. Dazu die üblichen Einsparungen durch umfangreiche Entlassungen im öffentlichen Dienst, durch massive Leistungseinschränkungen im Gesundheitswesen, durch Herabsetzung der Rentenansprüche, oder im Bildungswesen. Parallel dazu soll die britische Industrie vor einem Comeback stehen. Wir fragen uns, welche Industrie? Wir wissen nur, dass Rolls Royce neue Triebwerke an Airbus liefern muss, um alte, fehlerhafte, zu ersetzen. Es gibt keine britische Industrie mehr. Das Land lebt von Ackerbau und Viehzucht, und dem Finanzplatz London. Deshalb erwarten wir, dass 2011 das englische Pfund unter massiven Druck gerät. Ungarn fehlt noch: Die ungarische Regierung hat ohne große Diskussionen schnell und leise alle privaten Rentenansprüche verstaatlicht (39).

Wir sagen, dass es noch 2011 zu andauernden gewalttätigen Demonstrationen innerhalb Europas kommen wird. Die eben genannten Länder erleben schon fast täglich diese Dinge, dazu Spanien und Frankreich. Alle europäischen Länder, wir betonen alle, werden früher oder später solche Demonstrationen erleben.

Übrigens, China wird den Euro nicht retten. China geht es ausschließlich um politische Einflussnahme und knallharte wirtschaftliche Vorteile. Dafür werden 2011 vergleichsweise geringe Milliarden-Beträge investiert, die in den folgenden Jahren von Nutzen sein werden. Sogar Länder außerhalb der Euro-Zone, wie Großbritannien, buhlen um chinesische Finanzhilfe. Einen ersten Erfolg kann China bereits verbuchen: Die EU will das gegen China verhängte Waffenembargo wieder aufheben (40). Wir halten Chinas Einstieg in Europa für äußerst bedenklich.

An dieser Stelle noch eine kleine Notiz zur Schweiz, Europas Kernland der Stabilität. Wir wissen, damit ist es endgültig vorbei, es hat nur noch keiner gemerkt. In Wahrheit ist die Schweiz zu einem riesigen Hedgefonds verkommen, lebt nur noch von dem Jahrzehnte alten Vertrauen und dem Mangel an weltweiten Alternativen. Wie alle anderen Staaten auch hat die Schweiz ihre staatliche Bankenrettung. Die Hilfe für die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse seit 2008 bedeutet für jeden Schweizer ein Risiko von 4.500.000 CHF! Gemessen an der Wirtschaftsleistung von gerade einmal 68.000 CHF je Schweizer in 2009 eine irrsinnige Summe. Alleine die Ausfallrisiken aus den Derivateschulden beider Banken belaufen sich für jeden Schweizer schätzungsweise auf 450.000 CHF. Wir halten diese Schätzung aber noch für zu niedrig. Die Schulden der UBS belaufen sich auf das Vierfache der schweizer Wirtschaftleistung. Würde auch nur eine der beiden Großbanken pleite gehen, wäre die Schweiz, ähnlich wie Island, bankrott. Wer würde die Schweiz retten? Der schweizer Franken ist in Wirklichkeit nicht mehr Wert wie der US-Dollar oder das englische Pfund. (41) Trotzdem markiert die Währung gegenüber dem Euro neue Höchststände. Für uns das Ergebnis der Spekulation gegen den Euro, sonst nichts.


VI. Deutschland

Das Land schummelt es sich schön. „Wir stehen vor fünf bis zehn Jahren Wirtschaftswunder“, so
der Privatbankier und Berater der Bundeskanzlerin, Friedrich von Metzler, Frankfurt, gegenüber dem HANDELSBLATT, 22.12.2010. „Deutschland könnte vor goldenem Jahrzehnt stehen“, DGB-Chef Sommer, WELT ONLINE, 25.12.2010. „Industrie verspricht 70.000 neue Stellen“, DIHK, MANAGER MAGAZIN, 27.12.2010. Das HANDELSBLATT (27.12.2010) will natürlich nicht zurück stehen und lässt uns durch den früheren Regierungsberater Bert Rürup „Das Geheimnis des deutschen XXL-Aufschwungs“ erklären. Der Mann muss dafür besonders befähigt sein, unterhält er doch mittlerweile, gemeinsam mit AWD-Maschmeyer, dem ungekrönten König aller Drückerkolonnen und Noch-Liebling der deutschen Polit-Prominenz, ein Beratungsunternehmen. Bemerkenswert finden wir, dass alle diese Meinungen um Weihnachten herum in die Öffentlichkeit geschrieben werden. Etwas später, zu Neujahr, erklärt uns dann noch Hans-Werner Sinn, mit Hilfe der WIRTSCHAFTSWOCHE (03.01.2011), dass „die Konjunktur brummt wegen der Krise“ (Anm.: die doch eigentlich schon lange vorbei ist). Hier wurde zur besten Jahreszeit hervorragende Lobbyarbeit geleistet. Sogar die Schweiz und Österreich finden lobende Worte für den Nachbarn. Der schweizerische TAGESANZEIGER titelte am 12.01.2011 „Eindrucksvolles Comeback der deutschen Wirtschaft“ und das österreichische WIRTSCHAFTSBLATT befand am 08.01.2011 „Deutschland genießt ein goldenes Jahrzehnt“. Das nennen wir doch hervorragende Aussichten.

Diese wunderbaren Vorhersagen treffen aber auch auf Widerspruch, nur nicht um Weihnachten herum. In den ersten Tagen des neuen Jahres finden wir andere Überschriften: Die NEUE ZÜRICHER ZEITUNG eröffnet am 30.12.2010 gleich mit dem Paukenschlag „Deutschland droht ein Krisenjahrzehnt“, die WIRTSCHAFTSWOCHE fragt am 04.01.2011 „Wie lange hält der Aufschwung?“ und findet wenigstens einige „kapitale“ Haare in der Suppe, SPIEGEL ONLINE beschäftigt sich gleich mehrfach mit den unterschiedlichen Risiken: „Job-Boom verdeckt schleichenden Industrie-Schwund“ (03.01.2011), verweist auf „Das Jobwunder, das keines ist“ (28.10.2010), und „Wie Deutschland seine dunklen Aussichten verdrängt“ (24.12.2010). Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, die titelte dazu „Industriejobwunder entpuppt sich als Märchen“ (04.01.2011), außerdem „Die Lage ist nicht halb so gut wie die Stimmung“ (06.01.2011). FOCUS MONEY ONLINE schreibt „War es das mit dem Aufschwung?“ (04.01.2011) und hegt Zweifel am deutschen Jobwunder oder meint Steuern rauf, Löhne runter. Das MANAGER MAGAZIN warnt wenigstens noch mit „Die Deutschland-Blase“ (22.12.2010) oder hält mit der Nachricht „Metros Umsatz friert ein“ (11.01.2011) gegen die von den Politikern und Ökonomen schon seit Wochen verbreitete Mähr von der Kauflust der Verbraucher. Ebenfalls eher zu den schlechten Nachrichten gehört nach unserer Auffassung „Deutschland im Dienstleistungsboom“ (MANAGER MAGAZIN, 05.01.2011) oder „2011 wohl mehr als eine Million Zeitarbeiter“ (FAZNET, 05.01.2011), oder die Nachricht vom Förderwahn in Deutschland „Studie sieht Subventionen auf Rekordniveau“ (SPIEGELONLINE, 13.01.2011).

Aktuelle Nachrichten haben wir auch zu den Menschen im Land, es gibt schließlich 80 Mio. davon. Das MANAGERMAGAZIN stellt fest, die „Altersarmut wird dramatisch zunehmen“ (30.12.2010). FOCUS MONEY ONLINE findet „Deutsche Rentner werden immer ärmer“ (05.01.2011), oder WELTONLINE hat mittels einer Umfrage wieder genau hingehört und schreibt „Bürger fürchten wegen Euro-Krise um ihre Ersparnisse“ (11.01.2011). Sogar aus dem beschaulichen Bayern meldet die SÜDDEUTSCHE am 18.12.2010 einen „Aufstand der Beamten“, nachdem ein 500 Millionen Euro schweres Sparpaket der Staatsregierung für seine Beamten bekannt wurde.

Unsere ganz besondere Aufmerksamkeit verdient noch eine Äußerung des Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die wir aber nur in der österreichischen Presse (WIRTSCHAFTSBLATT, 24.12.2010) gefunden haben. Dort heißt es: „Die deutschen Banken warnen vor einer Überregulierung des Finanzmarktes in Deutschland“. Herr Schmitz meint, „Regulierung in Maßen ist sinnvoll. Aber allmählich ist das Maß voll“. Freundlicherweise wird dort aber auch erläutert, dass der deutsche Bankenrettungsfonds derzeit Finanzinstitute „mit Hilfen in einer Gesamthöhe von 131,59 Milliarden Euro“ (Stand 15.12.2010) stützt, für die die deutschen Steuerzahler das Risiko tragen. „Kritiker (Anm.: so wie wir) befürchten milliardenschwere Verluste durch die Beteiligungen des Fonds an Instituten wie Commerzbank und Hypo Real Estate“. Kaum bekannt ist, dass die Milliarden-Verpflichtungen aus dem Bankenrettungsfonds nicht im Bundeshaushalt erfasst werden, sondern in einem Schattenhaushalt, unbemerkt von der Öffentlichkeit, ihr Leben fristen (42). Herrn Schmitz würden wir gerne fragen, welche Regulierung er meint, noch gibt es in Deutschland nichts, was diesen Namen verdient.

Als Abschluss dieser Nachrichten noch eine ganz besondere Zahl, nämlich zu den bereits heute bestehenden Pensionsverpflichtungen des deutschen Staates für seine Beamten. Nach zuverlässigen Berechnungen müsste Deutschland dafür aktuell 3 Billionen Euro auf der hohen Kante haben (43). Nach offiziellen Angaben haben wir 1,7 Billionen Euro Staatsschulden (44), tatsächlich sind es aber dann schon 4,7 Billionen Euro, die fehlen. Zur Erinnerung, den US-Bundesstaaten fehlen 3,5 Billionen US-Dollar für ihre Staatsbediensteten, was „nur“ rund 2,7 Billionen Euro entspricht.

Als „unseren“ Kommentar zu allen guten Nachrichten der letzten Wochen möchten wir eine Überschrift aus der Online-Ausgabe der ZEIT zitieren, die am 30.12.2010 titelte „Die Wahr-Lügner“. Mit unseren eigenen Worten: Keine dieser Aussagen stimmt. Für diese guten Nachrichten werden Statistiken manipuliert, Umfragen interpretiert und Experten bezahlt. Ein Beispiel: Seit den 1970er Jahren wird die Berechnungsmethoden für die Arbeitslosenstatistik Jahr für Jahr so modifiziert, dass die Ergebnisse politisch passen (Was nicht passt, wird passend gemacht). So sind aktuell in Deutschland rund 9,5 Mio. Menschen arbeitslos, würde heute noch wie in den 1970er Jahren gezählt. Mehr als 2/3 der arbeitslosen Menschen tauchen in der Statistik nicht auf.

Die Konjunkturprognosen sind wertlos: Noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik war eine Konjunkturprognose zutreffend, immer haben sie sich als politisch motivierte Gefälligkeitsgutachten heraus gestellt (ZEIT ONLINE: „Glauben statt Fakten“, 07.12.2010). So verhält es sich auch mit den Prognosen des Ifo-Instituts. Dessen Chef, der Ökonom Hans-Werner Sinn, fabuliert von einem „echten Wintermärchen, was momentan in der deutschen Wirtschaft passiere“ und „er habe noch nie einen so starken Aufschwung beobachtet“. Grundlage dieser Aussagen ist der GfK-Konsumklimaindex seines Instituts. Dieser Index ist nur ein Stimmungsindikator, basierend auf Umfragen bei den deutschen Einkaufsmanagern.

Seit Anfang 2009 hat die Industrie insgesamt 366.000 Jobs abgebaut (45). 2010 arbeiteten schon 73,5 % im Dienstleistungssektor, nur 18,9 % in der Industrie, 5,5 % im Baugewerbe, der Rest in der Land- und Forstwirtschaft. Die neuen Arbeitsplätze der Industrie sind wahlkampftaugliche Absichtserklärungen, kein Versprechen. 2011 entstehen Arbeitsplätze nur für die Arbeitslosenstatistik und werden schlecht bezahlt.

Steigende Löhne? 2011 wieder Fehlanzeige! Deutschland ist Lohnminus-Meister (46). 5 Millionen Menschen haben einen 400-Euro-Job. Die realen durchschnittlichen Nettolöhne und –gehälter je Monat und je Arbeitnehmer lagen im 3. Quartal 2010 minus 5,3 % unter dem Niveau von 1991 und um minus 2,4 % unter dem Niveau von 2000. Die Zahl der Niedriglohn-Empfänger wird auch 2011 weiter überdurchschnittlich zunehmen. Dadurch steigt die Zahl der Wohngeld-Empfänger weiter deutlich an. Aufschlussreich: Die Arbeitgeber und ihre Verbände mauern bereits, warnen vor zu hohen Lohnerwartungen.

Die Rentner werden 2011 unter dem Strich weniger haben. Die Inflation wird die Rentenerhöhung übersteigen. Brutto mehr, Netto eben weniger. Tendenz steigend. Seit 2003 erhalten Menschen, die älter als 65 Jahre alt sind und deren eigene Mittel für den Lebensunterhalt nicht ausreichen, eine Grundsicherung. Die Kosten haben sich bis 2009 auf 3,9 Milliarden Euro verdreifacht. Jeder kann sich vorstellen, wie es weitergeht. Die Rente mit 67 soll kommen. Dabei hat die Bundesagentur für Arbeit das Ergebnis einer Untersuchung bekannt geben. Danach hat sich die Zahl der über 60 Jahre alten arbeitslosen Menschen in der Zeit von Oktober 2007 bis Oktober 2010 mehr als vervierfacht (47). Die Arbeitsministerin bestreitet dieses Ergebnis ihrer eigenen Behörde. Wir werden erleben, dass die Rentenversicherung entlastet, die Arbeitslosenversicherung belastet wird, was wiederum dort zu steigenden Beiträgen führt, die leichter durchzusetzen sind. Wieder nur ein Taschenspielertrick.

Noch gilt, die Deutschen haben so viel Geldvermögen wie noch nie, Ende 2010 stattliche 4,88 Billionen Euro (48). Schätzungsweise 3 Billionen davon sind in den anderen Euro-Ländern angelegt. Nicht nur die deutschen Banken und Versicherungen haben deshalb ein Interesse daran, dass den Problem-Staaten geholfen wird. Nehmen wir als Beispiel die Hypo Real Estate (HRE): Alleine 100 Milliarden Euro hat die verstaatlichte Bank in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien im Feuer (49). Diese Summe würde bei einer Pleite dieser Länder in voller Höhe auf die deutschen Steuerzahler durchschlagen. Natürlich gibt es da noch einige beschönigende Zahlenspiele. Die schenken wir uns, am Ergebnis ändert sich nämlich nichts. Der Staat würde die Bank abwickeln müssen, was dann nach unserer Schätzung 140 Milliarden Euro kosten würde. Für die Milliarden-Hilfen der deutschen Banken bei der Rettung der HRE bürgt der Staat letztendlich auch. Alle, die Geld bei der HRE angelegt haben, werde dann ein zweites Mal zur Kasse gebeten: Die Einlage ist futsch und als Steuerzahler kostet es noch einmal Geld. Die Einlagensicherung der Banken oder die Garantieerklärung der Bundeskanzlerin aus dem Oktober 2008 („alle Einlagen sind sicher“) wird dann garantiert nicht mehr sehr belastbar sein.

Teil dieses Vermögens sind auch Leistungen aus Lebensversicherungen, 2,5 Billion Euro garantierte Auszahlungsansprüche. Auf diese Ansprüche lauert noch eine ganz andere Gefahr. Es ist § 89 Versicherungsaufsichtsgesetz und regelt die Herabsetzung von Leistungen. Diese Vorschrift wurde kürzlich auf den Weg gebracht. Durch diese Vorschrift ist es u. a. möglich, Auszahlungen aus Lebensversicherungen zeitweise oder ganz zu stoppen, falls die Vermögenslage des betroffenen Unternehmens dies erfordert. Außerdem wird festgelegt, dass die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Beiträge in der bisherigen Höhe weiterhin zu bezahlen, vom Auszahlungsstopp unberührt bleibt. So eine Regelung lässt nur den Schluss zu, dass Konzerne und Politik mit dem Schlimmsten rechnen, oder wenigstens auf das Schlimmste vorbereitet sein wollen. In dem Gesetz heißt es: „Alle Arten Zahlungen, besonders Versicherungsleistungen, Gewinnverteilungen und bei Lebensversicherungen der Rückkauf oder die Beleihung des Versicherungsschein sowie Vorauszahlungen darauf, können zeitweilig verboten werden.“ Damit sind jederzeit rückwirkende Eingriffe möglich. Beispiel: Verliert eine der Gesellschaften im Verlauf der Euro-Krise große Teile ihres angelegten Vermögens, so erlaubt diese Vorschrift, zukünftige und/oder laufende Leistungen zu versagen, die vereinbarten Beiträge müssten aber weiter bis zum Vertragsende bezahlt werden. Leistungen am Vertragsende gibt es nicht. Für Hypothekenfinanzierungen, bei denen eine oder gar mehrere Versicherungen als Sicherheit oder zur Tilgung eingesetzt werden, kommt es zu einer völlig irren Situation: Die Sicherheit für die Hypothek ist weg und/oder die Tilgung ist schlagartig auf Null gestellt. Folge: Die Bank will neue Sicherheiten, einen Ausgleich für die verlorenen Ansprüche aus der für die am Ende der Versicherungslaufzeit vorgesehene Tilgung, im schlimmsten Fall kommt es zur Zwangsversteigerung. Obwohl jeden Monat pünktlich die Beiträge gezahlt wurden und genau diese Beiträge weiter bezahlt werden müssen, ohne noch irgendeinen Wert zu haben. Die neue Tilgungsvereinbarung mit der Bank belastet den Etat zusätzlich. Jeder kann sich selbst an Hand seiner eigenen Situation die Folgen einer solchen Entwicklung überlegen. Unter der Rubrik Krisenvorsorge greifen wir dieses Thema gleich noch einmal auf.

Für 2011 erwarten wir noch einige neue „Schweinereien“, die in Berlin, von der Öffentlichkeit unbemerkt, durchgeschleust werden.


VII. Rohstoffe

Die Versorgung der Welt mit allen notwendigen Rohstoffen, insbesondere Nahrung, sehen wir für die nächsten Jahren als stark gefährdet an. Ausgeprägte machtpolitische Interessen der USA und Chinas konkurrieren längst mit den Gewinnerwartungen vieler Spekulanten (Banken, Hedgefonds). Nach unserer Einschätzung ist schon ein regelrechter Krieg um die Ressourcen ausgebrochen. Die Leid tragenden dieser Entwicklung sind Millionen Menschen in Afrika, Asien und Südamerika. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass dieses Mal sogar die hoch entwickelten Industriestaaten von den Auswirkungen einer Verknappung und Preisexplosion erfasst werden. Die Folgen können noch nicht seriös beurteilt werden. Wir halten sie jedoch für so schwerwiegend, dass wir hier ein hohes Konfliktpotenzial erwarten.

Wasser, Nahrungsmittel und Energie stoßen an strikte Grenzen. Knappes Angebot trifft auf zu nehmende Nachfrage. Diese Entwicklung ruft die Spekulanten auf den Plan, die durch eine künstliche Verknappung für explodierende Preise sorgen. Neuer Druck auf die Preise entsteht außerdem, wenn FED und EZB weiter die Zinsen niedrig halten und die Währungskrise durch immer neue Liquidität zu bekämpfen versuchen. Die Preise würden dann schlagartig inflationieren.

Schon heute kämpfen viele Länder mit steigenden Lebensmittelpreisen. Diese Preisentwicklung steht inzwischen ganz oben auf der Agenda vieler Regierungen weltweit, weil sie Sorgen etwa um gewaltsame Proteste und Ausfuhrverbote wecken. Die Lebensmittelpreise sind überall auf der Welt auf einen Höchststand geklettert. Vor drei Jahren gab es eine ähnliche Entwicklung, mit Unruhen z. B. in Haiti, Ägypten und Kamerun. Dieser massive Preisauftrieb wurde 2008 durch die Finanzkrise abrupt beendet. (50) Jetzt erwarten wir einen anhaltenden Anstieg mit neuen Höchstständen. Neben den Spekulanten wirken auch die vielen Wetter-Phänomene preistreibend.

Schon jetzt hungern mehr als 1 Mrd. Menschen auf der Welt (51). Die eben beschriebene Entwicklung wird diese Tendenz noch verstärken. Übrigens, vor der Finanzkrise waren es 500 Mill. hungernde Menschen.

Die Banken und Investmentgesellschaften haben schon früh diese Entwicklung erkannt und verfahren weltweit nach der Devise „Bauernland in Bankerhand“. Riesige Flächen Ackerland gelangen, begünstigt durch die unbegrenzte Liquidität, in Eigentum der großen Privat-Banken. Den Bauern muss man heute dringend empfehlen, jedes Stück der eigenen Scholle festzuhalten, es wird demnächst wieder wertvoll. (52)

Erdöl wird bereits Anfang 2011 ohne große Anstrengungen die 100 US-Dollar-Marke knacken und danach bis 150 US-Dollar ansteigen. Wie schnell, hängt von der Entwicklung des US-Dollars ab. Die Benzinpreise in Deutschland werden nur noch von den anstehenden Wahlen in Schach gehalten. Spritpreise von 1,65 Euro und darüber sind beim Wahlvolk nicht sehr beliebt.

An der Diskussion über die Verknappung seltener Erden beteiligen wir uns nicht. So weit wir wissen, gibt es nichts Lebensnotwendiges, für dessen Produktion seltene Erden benötigt werden. Also können die Preise problemlos steigen. Einen Schaden für die Menschen sehen wir dadurch nicht. Vieles wird längst schon in China produziert und die haben bekanntlich vorgesorgt.


VIII. Krisenvorsorge

Auf den voran gegangenen Seiten steht viel über die Entwicklung in 2011. Die aus unserer Sicht größte Bedrohung bildet die Fortsetzung der Finanzkrise. Die Folgen sind absehbar: Staaten werden pleite gehen, neue Blasen werden platzen, die Staatschulden steigen weltweit, die Nahrungsmittel werden noch teurer, Erdöl auch, das Papiergeld wird weiter drastisch an Wert verlieren.

Wir erleben den Beginn einer globalen Eiszeit, die Jahre anhalten wird. Der Kapitalismus heutiger Prägung wird sterben. An sich eine nicht wirklich bedrohliche Aussicht, jedoch die Begleitumstände sind es. Das gesamte globale Geldsystem kollabiert aufgrund weiter exzessiver Staatsverschuldung, der Welthandel bricht zusammen, das alles mit unabsehbaren Folgen.

Für uns hätte dieses Ende etwas von vor-industriellem Zeitalter. Hoffen wir, dass dann nicht ein „Snake Plisskin“ das Licht ganz ausmacht.

Sparbücher, Bausparverträge, die geliebten „Bundesschätzchen“, Lebensversicherungen, Riester-Rente, gesetzliche Rente, kurzum alles währungsbasierte Vermögen, wird pulverisiert. Einen kleinen Rest Vermögen sichern wahrscheinlich Aktien ausgewählter Unternehmen, vielleicht auch noch bestimmte Immobilien. Sonst bleibt nichts. Garantiert. Betrachten Sie die Entwicklung in den Jahren 1931 bis 1933 (das Internet macht es möglich), nur dass es dieses Mal sehr viel schlimmer kommt. Gerne streichen wir eine Bevölkerungsgruppe heraus, die dann endlich wieder die ihr zustehende Wertschätzung erhält: die Bauern. Denen obliegt wieder die Grundversorgung, nicht mehr Lidl, Aldi, usw.

Alle anderen müssen anfangen vorzusorgen. Nur physisches Gold und Silber sind die Rettung (Münzen, kleine Barren). Wir bevorzugen Silbermünzen, gerne frühere Zahlungsmittel aus den einschlägigen Ländern, eher weniger Gedenkmünzen. Silber hat nun einmal als Zahlungsmittel eine lange Tradition und diese Münzen sind immer noch bekannt. Es ist das Gold des kleinen Mannes.

Lassen Sie unbedingt die Finger von gold- oder silberbasierten Wertpapieren jeder Art. Die sind höchstens das Papier wert, auf dem sie stehen. Bereits heute sind die bis jetzt ausgegebenen Wertpapiere/Zertifikate mit Gold- oder Silberbindung nur mit maximal 10 % physischem Metall unterlegt. Der Rest ist heiße Luft und wird auch heiße Luft bleiben. Anteile an Immobilien- und Aktienfonds werden wie das Geld mit in den Abgrund gerissen.

Noch sind nicht viele Menschen aufgewacht, obwohl schon eine verschwommene Angst umgeht. Viele, zu viele, vertrauen den Politikern und ihren Helfern. Tendenziell beobachten wir aber seit Oktober 2010 eine Zunahme der Käufe bei Silbermünzen zu Preisen, die bis zu 20 % über dem reinen Metallwert liegen. Diese Leute kaufen schlicht zu teuer, aber immer noch günstiger als beim Münzhändler. Wir gehen davon aus, dass letztlich nicht einmal 1 % der Menschen in Deutschland sich ausreichend mit Gold und/oder Silber eindecken kann. Bis die Lager leer gekauft sind, werden die Preise wie eine Rakete durch die Decke gehen, aber sogar die Letzten werden froh sein, überhaupt noch etwas bekommen zu haben.

Das sei alles Quatsch, sagen Sie? Dann empfehlen wir Ihnen, lesen Sie unseren Wochenrückblick, dort informieren wir regelmäßig über die Entwicklung der Finanzkrise und aller übrigen Dinge. So verlieren Sie nicht den Anschluss und können wenigstens noch zu den Letzten gehören, die demnächst zu Wahnsinnspreisen kaufen wollen, was die nervösen Hände wieder hergeben.

Die Nachfrage nach physischem Metall wird der hauptsächliche Preistreiber bei Gold und Silber sein. Die deutlich zunehmende Nervosität gegenüber des Werts von Staatspapieren und finanzieller Versprechen wird zu einer fluchtartigen Bewegung aus den währungsbasierten Vermögensanlagen führen. Hierzu zählen Staatsschuldtitel, Unternehmensschuldtitel und Bankeinlagen. Dieses Geld wird besonders in Edelmetalle gehen. Diese Entwicklung wird in diesem Jahr 2011 an Dynamik gewinnen. Deshalb werden die Preise für Gold und Silber weiter steigen, natürlich nicht kometenhaft, sondern immer wieder mit Konsolidierungsphasen dazwischen. Egal aber, wie sich die Preise entwickeln, wir beziehen wenigstens 20 % günstiger. Der Einzelne schafft das nie. So lassen sich auch die eben beschriebenen Konsolidierungsphasen entspannt durchleben.

Wir halten generell nichts davon, statt physischem Metall, z. B. Aktien von Minengesellschaften zu kaufen. Das ist was für Zocker. Geht irgendwann die Ordnung flöten, häufen sich plötzlich die Bankfeiertage, oder kommt es gar zu Verstaatlichungen, ist man von diesen Papieren völlig abgeschnitten. Möglicherweise auf nimmer Wiedersehen. Hergenommen zur Sanierung des Staatshaushalts oder dergleichen Dinge. Darüber wollen wir uns keine Gedanken machen müssen, da ist den Regierungen in der Vergangenheit immer schon viel eingefallen.

Statt dessen lieber noch einige Informationen zum zeitlichen Ablauf. Die zahlreichen Maßnahmen zur Rettung von Banken und Ländern, die bisher durchgeführt wurden, werden sich bis zum Frühjahr/Sommer 2011 zuspitzen. Nach unserer Einschätzung ist der „point of no return“ schon mit der weltweiten Bankenrettung 2008/2009 überschritten worden. Jede weitere Rettungsaktion verschärft nur die Probleme zusätzlich. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Regierungen ihre falschen Strategien fortsetzen und in den nächsten Monaten weiter falsche Entscheidungen treffen werden. Damit wird das Schicksal von uns allen besiegelt. Noch nicht jetzt in 2011, aber unausweichlich in naher Zukunft. Die Welt schwelgt trotz dieser Tatsachen immer noch in glückseliger Ignoranz.

Wir empfehlen daher zwingend, unverzüglich alle geldbasierten Vermögenswerte dahin gehend zu prüfen, ob ein Tausch in reale Vermögenswerte möglich ist. Das sollte spätestens bis April/Mai 2011 abgeschlossen sein. Selbstverständlich bieten wir dafür unsere Hilfe an.

Wir wissen um die deutsche Krampfhaftigkeit bei den Geldanlagen im Allgemeinen und den Ersparnissen im besonderen. Das krampfhafte Festhalten an diesem traditionellen Verhalten wird alles Ersparte vollständig entwerten. Sie haben alleine nicht den Mut zu diesen Veränderungen? Kein Problem, verbünden Sie sich mit Gleichgesinnten. Wir helfen Ihnen dabei.

Die Schwellenländer haben schon damit begonnen, ihre Papiervermögen in Gold umzuwandeln. So hat eine der großen chinesischen Banken 2010 für ihre Kunden 1 Million neuer Gold-Konten eröffnet (53). Ergänzend dazu ruft die chinesische Regierung – die Kreise der schweizer Unternehmerschaft für die beste Wirtschaftsregierung der Welt halten – ihre Bürger zum Kauf von Silber auf. Silber wird auch weiterhin eine der besten Investmentoptionen bleiben. Würden sich die Anleger entscheiden, lediglich 1 % ihrer Anlagen von Aktien und Anleihen in Silber umzuschichten, würde das Minenangebot der nächsten 75 Jahre auf einen Schlag aufgesogen werden und verschwinden. Die Weltsilberbestände schrumpfen. Schätzungen haben ergeben, dass nur noch 18.600 Tonnen Silber eingelagert sind, weniger als eine Jahresproduktion. Die beträgt rund 21.300 Tonnen jährlich, verbraucht werden aber 24.800 Tonnen im Jahr. Dem gegenüber gibt es inzwischen fünf mal so viel Gold wie Silber auf der Welt. In der nahen Zukunft wird sich das Verhältnis von Silber zu Gold massiv verbessern. 2011 wird wieder ein Silber-Jahr.


XI. Fazit

Beginnen möchten wir diesen Abschnitt mit einem Zitat von Abraham Lincoln, dem 16. Präsidenten der USA, dessen Präsidentschaft als eine der bedeutendsten in der Geschichte der USA gilt:

Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.“

Diese Vorausschau soll keine Ängste schüren, sondern die Sinne dafür schärfen, alles in Frage zu stellen, was von Politik und Wirtschaft noch verkündet wird, um das Gefühl zu verbreiten, alles sei in bester Ordnung. Wir haben erklärt und begründet, warum es nicht so ist.

Unser besonderes Anliegen war es auch, die absolute Dringlichkeit zu unterstreichen, die persönlichen Umstände kurzfristig an die schwierigen Verhältnisse anzupassen. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um zu Denen zu gehören, die auf jede denkbare Entwicklung vorbereitet sind.

Gemeinsamkeit macht stark. Wir haben ein Konzept entwickelt, mit dem wir jedem interessierten Menschen die Gelegenheit geben, als Gewinner aus dieser Krise hervor zu gehen. Damit meinen wir, nicht nur Rente, Sparguthaben, etc., vor Verlust zu schützen, sondern, ganz klar, sogar einen Zugewinn zu erzielen. Das Leben geht schließlich weiter. Obwohl es dann vielleicht erst einmal an George Orwell’s 1984 erinnert ...

Unsere Schwerpunkte sind dabei, neben Gold und Silber natürlich, Investitionen in die Bereiche Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft und Re-Urbanisation. Unsere Strategie zielt darauf ab, durch eine große Gemeinschaft, ausgestattet mit den entsprechenden finanziellen Mitteln, immer zum besten Preis zu investieren. Viel haben wir schon angestoßen, mehr wollen wir noch bewegen. Jedes neue Mitglied stärkt einerseits die Basis der Gruppe und sichert sich andererseits vor Totalverlust ab.

Als „eiserne Reserve“ in Geld genügt es, die persönlichen Lebenshaltungskosten für einen Zeitraum von 3 Monaten vorzuhalten. Zu Hause und in bar versteht sich, nicht auf dem Bankkonto. Gerne in alter D-Mark, aber auch Euro, Dollar, usw. Der Rest, egal wie wenig oder wie viel, gehört in eine bombensichere Zukunftsvorsorge, so wie wir sie anbieten.

Wir sagen es an dieser Stelle noch einmal klar und deutlich: Die über Jahrzehnte hinweg in Deutschland so beliebten Geldanlagen Lebensversicherungen, Bausparverträge, Bundesschatzbriefe, Sparbücher, werden wertlos. Wer verkrampft weiter daran fest hält, steht in absehbarer Zeit mit leeren Händen da.

Wir stellen uns jeder gegenteiligen Meinung. Reden Sie mit Ihrem Kundenberater von der Bank, Bausparkasse, Lebensversicherung, oder auch gleich dem AWD-Berater, nur hören Sie nicht mehr darauf. Sammeln Sie diese Informationen und reden Sie dann mit uns.

Verbreiten Sie diese Vorausschau. Geben Sie Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten die Möglichkeit sich zu informieren. Jeder muss die Gelegenheit bekommen, sich mit seinen Ersparnissen auf schwierigste Zeiten einzustellen. Eigeninitiative ist nötig.

Abschliessen möchten wir mit einem Zitat von Alan Greenspan, bis 2006 Vorsitzender der US-Notenbank FED:

Staatsschulden sind nur ein anderes Wort für heimliche Konfiszierung von Vermögen.“

Hätte er sich selbst nur daran gehalten ...


Bad Tölz, Januar 2011

gez. W. Benner, M. Kemmer


Quellen:

(1) Handelsblatt, 21.02.2003, 24.02.2003, 26.02.2003, 26.02.2003, 13.03.2003, 20.03.2003
(2) Das Investment Magazin, 20.11.2009
(3) weforum.org/news
(4) Wirtschaftswoche, 21.07.2010
(5) N-TV, 27.10.2010; wirtschaftsblatt.at, 04.11.2010; DWS, 30.11.2010
(6) Forbes, 12.01.2011
(7) usdebtclock.org
(8) Reuters, 28.12.2010
(9) Handelsblatt, 03.09.2010
(10) United States Department of Agriculture, fns.usda.gov; United States Department of Labor, Bureau of Labor Statistics, bls.gov
(11) usnews.com, 27.01.2011
(12) zerohedge.com
(13) workingpoorfamiliesproject.org
(14) wikipedia.org; focusonline, 28.02.2008; gevestor.de, 23.06.10; The Economist, 22.07.2010; International Centre for Prison Studies, Scholl of Law, London
(15) shadowstats.com
(16) U. S. Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis, bea.gov
(17) Handelsblatt, 06.02.2011; The Conference Board Consumer Confidence Index®, 28.12.2010
(18) U. S. Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis, bea.gov
(19) Financial Management Service, United States Department of the Treasury, fms.treas.gov ; federalreserve.gov
(20) „The Crisis in Local Government Pensions in the U. S., Kellogg School of Management, 13.10.2010
(21) A Study of Real Estate Markets in Declining Cities, Research Institute for Housing America, housingamerica.org
(22) Financial Times Deutschland, 18.01.2011
(23) U. S. Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis, bea.gov
(24) tagesanzeiger.ch, 27.12.2010
(25) tagesanzeiger.ch, 30.12.2010
(26) People Bank of China
(27) Financial Times Deutschland, 11.12.2010
(28) Spiegel Online, 09.01.2011
(29) tagesspiegel.ch, 09.01.2011
(30) sueddeutsche.de, 26.12.2010; Wirtschaftswoche, 25.11.2010
(31) Nicht veröffentlicht, eigene Quellen
(32) wirtschaftsblatt.at, 18.12.2010
(33) Welt Online, 23.12.2010; tagesanzeiger.ch, 28.12.2010
(34) Willem Buiter, Centre for Economic Policy Research, Oktober 2010
(35) faz.net, 19.01.2011: „Deutschland verschenkt seinen Wohlstand“
(36) Financial Times Deutschland, 15.09.2008; manager-magazin.de, 25.09.2008
(37) wirtschaftsblatt.at, 17.12.2010
(38) wirtschaftsblatt.at, 05.01.2011
(39) Bloomberg, 22.01.2011
(40) german.china.org.cn, 02.01.2011; Defense News, 30.12.2010
(41) heise-telepolis, 01.01.2011
(42) „Sondervermögen“, vgl. Finanzmarktstabilisierungsgesetz (FMStG)
(43) Welt am Sonntag, 09.01.2011
(44) Bundesministerium der Finanzen, bundesfinanzministerium.de
(45) Financial Times Deutschland, 04.01.2011
(46) Spiegel Online, 15.12.2010
(47) Financial Times Deutschland, 13.11.2010
(48) Financial Times Deutschland, 06.01.2011
(49) BT-Drucksache 17/2970, 16.09.2010
(50) Financial Times Deutschland, 17.11.2010
(51) BBC News, 11.10.2010; Food and Agriculture Organization of the United Nations, fao.org
(52) „Investieren in die Agrarwirtschaft“, Privatbank Vontobel, Juni 2009



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