Montag, 28. Februar 2011

Wochenrückblick, Ausgabe 14, Kalenderwoche 09/2011: USA, China, Europa, Deutschland, Rohstoffe, Krisenvorsorge, Buchempfehlung


Zuerst die Neuigkeiten in eigener Sache: Die vorliegende Ausgabe ist die letzte, die wir in dieser Form vorlegen. Wir tragen ab der kommenden Woche dem überwiegenden Wunsch der Leserinnen und Leser Rechnung, unsere Meinung noch deutlicher wie bisher zu formulieren. Außerdem werden wir dem Thema ‚Krisenvorsorge’ mehr Aufmerksamkeit schenken. Wir werden zukünftig noch mehr auf den Punkt kommen.

Nach wie vor werden wir jedoch keine konkreten Anlage-Empfehlungen geben. Wir stellen dieses wöchentliche Statement kostenlos jedem Interessierten zur Verfügung. Anlage-Empfehlungen sind eine sehr persönliche Sache und sollen vor allen Dingen auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten sein. Diese Erfordernisse können wir hier nicht erfüllen. Dafür bitten wir um Verständnis. Für individuelle Gespräche stehen wir natürlich gerne zur Verfügung. Für eine Termin-Vereinbarung genügt eine entsprechende Nachricht an unsere Email-Adresse.

Für diese Ausgabe haben wir die Nachrichtenauswahl zu unseren Schwerpunktthemen straff gehalten. Wert legen wir darauf, die Faktenlage vollständig zu beschreiben. Wir stellen echte, belastbare Informationen bereit, die wir allgemein verständlich kommentieren. Die wichtigsten Quellenangaben haben wir im Text angegeben.
Die folgenden Äußerungen geben unsere persönliche Bewertung wieder, die wir mit großer Sorgfalt erarbeitet haben. Nicht in jedem Fall können wir eine Quelle benennen, da wir oft auch über Informationen verfügen, die erst später, oder auch erst sehr viel später, von den Medien aufgegriffen werden. Wer mit dieser Herangehensweise Schwierigkeiten hat, kann sich gerne bei uns rückversichern. Email genügt.

Besonders den Leserinnen und Lesern, die sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik und deren Folgen auf die persönlichen Lebensumstände beschäftigen, bzw. beschäftigen können, empfehlen wir ausdrücklich, sich für die folgenden Seiten Zeit zu nehmen. Der Nutzen ist enorm und wächst mit jeder weiteren Ausgabe, die wir regelmäßig, kostenlos und ohne jede Verpflichtung, bereitstellen.

Denken Sie aber bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse erfordern Hintergrundwissen und machen Denkanstöße notwendig.

Wir bewahren uns eine kritische Haltung gegenüber den Informationen, die der Mainstream verbreitet. Die halten nämlich mehrheitlich keiner Nachprüfung stand. Diese Erfahrung hat sich bei uns über viele Jahre entwickelt und wird ständig aufs Neue bestätigt. Nutzen Sie unsere Erfahrung für Ihre eigenen Entscheidungen. Vor allen Dingen nehmen Sie die Scheuklappen herunter, Sie werden sofort eine bessere Sicht für das Wesentliche haben. Stecken Sie nicht länger den Kopf in den Sand!


Finanzkrise:

Die Schwarmintelligenz der westlichen Politiker multipliziert die Krisen und beschleunigt das weltweite Blasen-Wachstum. Am Ende fliegt uns der ganze Laden um die Ohren. Die Politiker werden sich dann in staunendes Schweigen hüllen oder unverständliche Entschuldigungen/Rechtfertigungen stammeln. Gegen diese Entwicklung können wir nicht anschreiben, sie ist unausweichlich und unumkehrbar. Wir sehen uns deshalb als Berichterstatter und Aufklärer, nur ganz ausnahmsweise als oberlehrerhafte Besserwisser.

Wir wollen an dieser Stelle nicht den Text der letzten Ausgabe 13 zur Entwicklung der Nahrungsmittelpreise wiederholen. Bitte einfach dort nachlesen. An unserer Einschätzung hat sich nichts geändert. Und wir werden Recht behalten: Die Spekulation treibt die Preise. Wenigstens sind wir mit dieser Einschätzung nicht alleine: Frankreichs Landwirtschaftsminister, Bruno Le Maire, warnt vor Hungerrevolten (Quelle: l’express.fr, 18.02.2011).

Die Unruhen in Arabien, Indien, usw. weiten sich aus oder greifen auf neue Regionen über. Syrien und Saudi-Arabien, ganz neu auch Kuwait, ergänzen die Unruhen im arabischen Raum. Besonders Saudi-Arabien wird ein neues, riesiges Problem für die G20-Nationen. Ein Problem, für das die sogenannten Super-Mächte keine Lösung haben werden. Nur die Spekulanten. Die werden die Gelegenheit nutzen, um gegen den Rest der Welt auf steigende Preise zu wetten.

In Libyen hält sich der Westen bisher noch zurück, obwohl es längst die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass Militärberater und Truppen im Land sind, um die Aufständischen zu unterstützen. Wahrscheinlich wird man hier versuchen, mit verdeckten Operationen ans Ziel zu kommen, um die Öllieferungen zu sichern. In Saudi-Arabien/Kuwait reicht das nicht. Zu wichtig sind diese Länder für die Öl-Versorgung. Jedenfalls wissen wir von entsprechenden Vorbereitungen. Deutschland unterstützt diese Maßnahmen.

Relativ unbemerkt eskaliert der Konflikt in der Elfenbeinküste zu einem ausgewachsenen Bürgerkrieg. Der gewählte Präsident kommt nicht an die Macht, der abgewählte ist nicht gewillt, seinen Platz zu räumen. Wieder geht es um Öl-Interessen, nicht um die Menschen. Die internationale Gemeinschaft unterstützt den neuen Präsidenten Ouattara. Der Westen nimmt Einfluss auf diesen Konflikt über die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS, die bereits mit einer militärischen Intervention als letztes Mittel gedroht hat. Ein Konflikt, in dem der Westen eine unrühmliche Rolle spielen wird. Quelle: NZZonline, 04.03.2011.

Es geht noch weiter. Länder, die hier in Europa niemand so ohne weiteres auf der Landkarte findet, stehen vor tiefgreifenden Unruhen/Revolten. Dazu zählen Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Kirgisien. Alles Länder, die über erhebliche Öl-Vorkommen verfügen und deshalb für den Westen von Interesse sind. Aber auch wegen der Nähe für Russland und China. Militärische Interventionen der USA und ihrer Freunde verbieten sich hier. Diplomatisches Geschick wäre gefordert, ist aber Mangelware. Gegen den Westen spricht außerdem, dass die Regime in diesen Ländern nur mit dessen Hilfe so lange überleben konnten und ständige Repressalien gegen die Menschen in diesen Ländern geduldet wurden. Der Westen geht hier als Gesprächspartner schwersten Zeiten entgegen. Trotzdem sitzen die Nutznießer dieser Entwicklung wieder im Westen: Die Finanz- und Öl-Konzerne, sowie die Hedge-Fonds werden die Gunst der Stunde nutzen und sich durch Preistreibereien die Kassen füllen. Mit Geld, dass ihnen die Notenbanken, insbesondere die US-amerikanische FED und die europäische Zentralbank, zu quasi 0 % grenzenlos zur Verfügung stellen. Gegen Sicherheiten, die nichts wert sind und am Ende doch nur die Allgemeinheit haftet.

Diese Entwicklungen drücken Inflation in die Welt, nicht nur in die Industrie- und Schwellenländer. Eine globale Wirtschaftskatastrophe ist unausweichlich, wahrscheinlich kombiniert mit einer Hungerkatastrophe. Genau davor warnen die ersten Experten der UN-Organisation FAO. Das MANAGER MAGAZIN nennt so etwas „Globale Inflationsspirale“ und titelt am 07.03.2011 „20 Prozent auf alles“. Für Asien wird ein „Inflations-Tsunami“ erwartet, auf „Europa und die USA rollt eine Inflationslawine zu“. Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND titelt „Das Benzin wird teurer, die Welt geht unter“ (fdt.de ,06.03.2011).

Diese Dinge passiert vor dem Hintergrund der unverdauten Finanzkrise 2007/2008. Die Bilanzen der Finanzkonzerne sind, ebenso wie die Bilanzen der Notenbanken, voll mit den toxischen (Wert-) Papieren aus dieser Zeit. Doppelte Buchführung, toleriert durch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Steuerbehörden und die Regierungen in den betroffenen Ländern. Jeder Buchhalter käme für derartige Methoden ins Gefängnis, im Finanzsektor mit seinen transatlantischen too big to fail-Banken ist das in Ordnung. Niemand muß dort Angst haben, strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt zu werden. Wie lange werden diese Betrügereien noch funktionieren?

China versucht sich als Outlaw. WELT ONLINE lässt am 04.03.2011 die Bombe platzen: „Chinas Wirtschaft kehrt dem Dollar den Rücken. Die Welt der Währungen steht vor einer Revolution: China will Auslands-Geschäfte nicht mehr in Dollar abwickeln – das hat gewaltige Folgen.“ Für uns und unsere Leser ist es keine Neuigkeit mehr, bereits Ende 2010 haben wir darauf hingewiesen. Steht schlicht im Zusammenhang mit den diversen Verträgen, die China mit Russland, Indien, usw. abgeschlossen hat. Betrifft also nur einen kleinen Teil der Auslands-Geschäfte. Alles andere würde China ins Mark treffen und die Dollar-Währungsreserven, immerhin läppische 2,85 Bill., unnötig entwerten. So eine Nachricht lassen wir abtropfen, mehr nicht. Hier soll Stärke demonstriert werden wo noch keine ist.

Abschließend noch einmal das Zitat von Henry Ford (1863 – 1947) aus der letzten Ausgabe:

Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“


USA:

Offensichtlich haben einige Leser unsere Ansichten zu den Entwicklungen in den USA „in den falschen Hals“ bekommen. Deshalb heute einige Klarstellungen:

Wir haben die Situation so dargestellt wie sie ist und was wir noch erwarten. Mittelfristig, d. h. auf Sicht der nächsten 2 – 3 Jahre, sind wir negativ eingestellt. Die USA haben einen Weg beschritten, ohne Umkehr. Politisch ist das Land nicht wirklich handlungsfähig, der Präsident lebt in einem „Wolken-Kuckucksheim“ und verprellt seine Wähler durch den dauernden Bruch von Wahlversprechen. Viele dieser Wähler haben mittlerweile ihre Jobs und Häuser verloren, leben heute von Food Stamps und Arbeitslosenunterstützung. Bis zur nächsten Präsidentschaftswahl wird sich daran nichts ändern. Viele Amerikaner halten ihren Präsidenten für schwach und die Euphorie von vor zwei Jahren ist verflogen. Obama steuert z. B. mit dem weiteren Bruch eines Wahlversprechens dagegen: Guantanamo wird nicht geschlossen, sogar die Verfahren dort wieder aufgenommen. Er unterschätzt offensichtlich die Wirkung solcher Entscheidungen bei seinen Wählern. Die Republikaner suchen erst einmal ihren Vorteil, ohne Rücksicht auf die Folgen der Verweigerungshaltung bei dringend notwendigen Entscheidungen im Kongress.

Die Amerikaner werden drangsaliert von ihrer Wirtschaftselite (übrigens, der Rest der Welt auch), aber ein Ende ist in Sicht. Das ist die gute Nachricht. Das Volk bewegt sich. Wir haben schon davon berichtet. Nur wird der weitere Verfall damit noch nicht aufgehalten. Den sehen wir als Selbstläufer. Trotzdem sind es die Amerikaner, die den Weltwirtschafts-Karren aus dem Dreck ziehen werden. Nicht die Chinesen, Inder, Brasilianer oder gar Europäer, wie immer wieder gerne behauptet wird. Die Amerikaner vereinen eine angeborene Konsumneigung mit beinahe grenzenlosem Optimismus, so wie niemand sonst auf der Welt. Erst muss Amerika Haus und Hof in Ordnung bringen, dann kommt auch die Welt aus der Rezession. So und nicht anders. Eine Herkules-Aufgabe, die dauert, und für alle sehr schmerzhaft sein wird. Deshalb gilt: Wer die laufende Krise überleben will, muss auf Amerika achten und die Daumen drücken. Alles andere ist Kokolores.

Statt die notwendigen Maßnahmen endlich auf den Weg zu bringen, werden die Probleme verschleiert oder massiv beschönigt. Siehe Arbeitslosenquote, Inflation, Staatsverschuldung, Bruttoinlandsprodukt. Wir haben schon eingehend dazu berichtet, bitte nachlesen.

Noch ein paar aktuelle Fakten: 16 Bundesstaaten haben bereits ihre Pensionen massakriert. Es sind Alaska, Colorado, Florida, Georgia, Indiana, Michigan, Minnesota, Montana, Nebraska, North Dakota, Ohio, Oregon, South Carolina, Utah, Washington und West Virginia (Quelle: HUFFINGTON POST, 04.03.2011). Diese Staaten haben definitiv kein Geld, um die Verpflichtungen an die jeweiligen Pensionsfonds zu bedienen. Folgen erst einmal nicht absehbar. Neues Allzeithoch bei den Beziehern von Lebensmittelmarken. 44,08 Millionen Menschen sind es aktuell. Innerhalb eines Monats ein Plus von 486.503 Bedürftigen. Quelle: US-Landwirtschaftsministerium, fns.usda.gov. Kosten für 2010 insgesamt, ohne Verwaltungskosten: 66,764 Milliarden US-Dollar. Die Arbeitslosenquote immer noch ein Desaster. Offiziell werden 8,9 % gemeldet, was FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND („US-Arbeitslosenquote nahe Zweijahrestief“) und MANAGER MAGAZIN („Arbeitsmarkt in USA nimmt Fahrt auf“)am 04.03.2011 auch gleich gebührend gefeiert haben. Nur stimmt diese Statistik nicht. Es führt leider viel zu weit, an dieser Stelle über die Entstehung dieser offiziellen Arbeitslosenquote zu berichten. Wen es interessiert, der sehe sich bitte bei shadowstats.com um. GALLUP, sicherlich nicht bekannt für regierungskritisches Verhalten, errechnet aktuell eine Quote von 10,3 %. Bereits ein deutlicher Unterschied zur Statistikbehörde. Kritiker der staatlichen Berechnungsmethoden sprechen von mehr als 22 % Arbeitslosenquote. Sollte die Wahrheit vielleicht in der Mitte liegen ...

Zum Schluss noch eine Meldung aus dem US-Landwirtschaftsministerium. Dort befürchtet man Unruhen bei weiter steigenden Lebensmittelpreisen in den USA.


China:

Es hat nicht die in der letzten Ausgabe angekündigten Wochen gedauert, bis sich tiefgreifende Veränderungen abzeichnen. Der gerade stattfindende Volkskongress zeigt sehr deutlich die Schwierigkeiten Chinas auf dem Weg zur Weltmacht.

Die chinesische Führung hat bisher nur für einen Bruchteil der Bevölkerung gesorgt. Mittlerweile kämpft das Land aber schon mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Inflation, schlechte Gesundheitsvorsorge, Einkommenskluft, Korruption, sind die dringensten Probleme, die schnell gelöst werden müssen. Von ein bisschen mehr Demokratie gar nicht zu reden. Bis jetzt gibt es höchstens gut gemeinte Ansätze, daran ändern auch die vollmundigen Ziele im neuen Fünfjahresplan nichts.

Natürlich redet der Westen China stark. Schließlich wird von China erwartet, die Welt (-wirtschaft) zu retten. Wie soll das gehen? Chinas Industrie lebt vom West-Konsum, nicht von der Binnennachfrage. Wo soll die herkommen, bei höchstens 200 Mio. Menschen mit nennenswertem Einkommen? Deren Nachfrage ist endlich, auch wenn uns z. B. die deutsche und US-amerikanische Autoindustrie unbedingt vom Gegenteil überzeugen will. China muss neue, gut bezahlte Arbeitsplätze für viele Millionen Menschen schaffen, was alleine wegen der fehlenden Bildung der Landbevölkerung sehr schnell an Grenzen stößt. Dazu passen auch nicht die Pläne der Führung, die Industrieproduktion zu automatisieren. Dadurch sehen wir uns höchstens in unserer Vermutung bestärkt, dass China einen Teil seiner Landbevölkerung exportiert. So etwa nach Afrika, wo China schon vor langer Zeit damit begonnen hat, riesige landwirtschaftliche Flächen zu kaufen. Das sichert die Versorgung mit Nahrungsmitteln, gibt den Bauern eine besser bezahlte Beschäftigung, macht sie wenigstens zu Klein-Konsumenten (Fernseher, Waschmaschine, etc.) und sorgt für Ruhe in der Heimat. Undenkbar? Nein!

Wer etwas wissen möchte über Chinas Kampf gegen Demokratie und die vielschichtigen wirtschaftlichen Probleme blättert einfach im Internet bei sueddeutsche.de, faz.net, handelsblatt.de, ftd.de, wirtschaftsblatt.at, tagesanzeiger.ch, nzzonline.ch, usw. Dort kämpft China gegen die Inflation und fürchtet Unruhen, stehen Chinas Führern die Probleme bis zum Hals, sind Konfikte im Keim zu ersticken, schränkt China die Pressefreiheit ein und verhaftet Journalisten.


Europa:

Die EZB hält im April eine Zinserhöhung für möglich. Damit soll die Inflation bekämpft werden. Eine starke Ansage. Oder doch nur eine Drohung, um in die Politik Bewegung zu bringen? Alles ist möglich. Jedenfalls wird dieser Schritt den Druck auf die PIIGS-Staaten zusätzlich erhöhen und die EU zu kurzfristigen Entscheidungen zwingen. Lange rumverhandeln ist dann nicht mehr. Einerseits gut. Andererseits ändern EU-Entscheidungen zur Umschuldung in Griechenland, Irland oder Portugal nichts an dem desolaten Zustand dieser Wirtschaften. Hier werden sich die Probleme verschlimmern, mit direkten Auswirkungen auch auf die deutsche Wirtschaft. Die EZB suggeriert Handlungsspielraum, wo keiner ist. Nur Waghalsige halten das deshalb für eine gute Idee.

Eher sehen wir diese Ankündigung im Zusammenhang mit einem anderen Ziel der EZB. Die will nämlich lieber heute als morgen Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder wieder abstoßen, die sie von Geschäftsbanken als (wertlose) Sicherheit übernommen hat. Die Papiere sollen durch die Europäische Finanzierungsfazilität (EFSF), umgangssprachlich auch Euro-Rettungsschirm, übernommen werden. Es geht um 77 Mrd. Euro. Die Bundesregierung ist dagegen. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 04.03.2011.

Irlands neue Regierung beginnt nach zu verhandeln. Erwartungsgemäß zeigt die EU wenig Entgegenkommen. Die stichhaltigen Argumente hat die irische Regierung. Das Land ist pleite, muss durchschnittlich 6 % Zinsen zahlen. Island beispielsweise zahlt nur 3,2 %. Lettland und Rumänien zahlen an die EZB sogar nur 2,5 bis 3 % Zinsen. Außerdem möchte Irland Hilfe von den deutschen Banken, den Nutznießern der irischen Bankenrettung, durch einen Teil-Forderungsverzicht. Quelle: TAGESANZEIGER/CH, 28.02.2011. Wenige Tage später fordert die EU Gegenleistungen, es sollen die niedrigen Unternehmenssteuern herauf gesetzt werden (Quelle: MANAGER MAGAZIN, 04.03.2011). Eine völlig untaugliche Idee – für Irland. So verliert das Land jeden Anreiz für ausländische Investoren, wenigstens ein bisschen Industrieproduktion anzusiedeln. Unser Ruf an die Experten von EU/IWF: Es wird Irland nicht reichen, nur noch Kerrygold-Butter und –Käse zu exportieren, um das Land nachhaltig zu sanieren.

Portugal steht wieder unter Druck (Quelle: WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 04.03.2011). Ebenso Spanien, für das die Ratingagentur Fitch den Ausblick für die Bonitätsbewertung spanischer Staatsanleihen auf ‚negativ’ gesenkt hat (Quelle: cash.ch, 05.03.2011). Spaniens Arbeitslosenquote liegt nach Angaben der Statistikbehörde im Februar bei 20,3 %, im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,1 % höher (Quelle: HANDELSZEITUNG ONLINE/CH, 02.03.2011). Da verwundert es doch sehr, dass PIMCO, Verwalter des weltgrößten Anleihefonds, Spanien für weniger gefährdet hält als Portugal, Griechenland und Irland (Quelle: HANDELSBLATT.AT, 04.03.2011). Wir halten das für eine politische Aussage, es ist nämlich Nonsens.

Es gibt Neues von Hans-Werner Sinn. Er hält den neuen Stresstest für Europas Banken für wirkungslos (Quelle: FAZ.NET, 05.03.2011). Stimmt. Dieser Stresstest verdient den Namen nicht. Die ganz große Show, sonst nichts.

Deutschland hat kürzlich einen neuen Wirtschaftsweisen bekommen, Lars Feld, leider keine wirkliche Verstärkung für den europäischen Gedanken. Anhänger der längst gescheiterten liberalen Wirtschaftspolitik. Warten wir es ab. Die bisherigen Äußerungen erscheinen uns wenig vielversprechend. Beispiel: wiwo.de, 03.03.2011, „Steuern senken ist notwendig“.

Politisch rückt Europa weiter nach Rechtsaußen. In Großbritannien sind, einer aktuellen Umfrage zufolge, fast die Hälfte bereit, für eine rechtsradikale Partei zu stimmen. Quelle: FOCUS ONLINE, 01.03.2011). In Frankreich liegt die Nationale Front weit vor Sarkozys UMP. Dort wird 2012 gewählt. Sarkozy gilt nicht als aussichtsreicher Kandidat.


Deutschland:

FOCUS MONEY ONLINE hat am 04.03.2011 ein äußerst brisantes Thema aufgegriffen: „Der Goldschatz der Bundesbank“. Danach verfügt die Bundesbank über 3401,8 Tonnen Gold. Sie belegt damit Platz 2 hinter den USA. Aktuell wäre dieser Schatz 115 Milliarden Euro wert. Was leider nicht thematisiert wird: Über 60 % dieses Goldes lagern, nach unseren Informationen, in den USA, ein weiterer Teil in Großbritannien. Die Bundesbank selbst hält höchstens 15 % selbst. Inwiefern die Bundesbank in einer weltweiten Währungskrise überhaupt Zugriff hätte, bleibt völlig offen. Wir haben jedenfalls größte Bedenken. Die Lagerung im Ausland war eine Forderung der Siegermächte nach dem 2. Weltkrieg, die bis heute zu erfüllen ist.

Ansonsten feiern in dieser Woche noch FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND (01.03.2011, 03.03.2011) und HANDELSBLATT (03.03.2011) den Frühjahrsaufschwung am Arbeitsmarkt und das gute Konsumklima. Es ist müßig, hierzu noch was zu sagen, wir haben diese Luftnummern in der letzten Ausgabe kommentiert.

Das MANAGER MAGAZIN sieht in dem chinesischen Fünfjahresplan Vorteile für den Wirtschaftsstandort Deutschland („Chinas Plan und Deutschlands Chance“, 04.03.2011). Profitieren wird nach unserer Auffassung nicht der Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern nur die deutschen Konzerne, die sich auf die chinesischen Forderungen einlassen. Ganz oben steht hier die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen durch die Produktion im Land. Erinnern wir uns an VW: Der Konzern will bis 2018 40.000 neue Arbeitsplätze schaffen, 35.000 davon in China. Wer erklärt uns ernsthaft den Vorteil für den heimischen Wirtschaftsstandort?


Rohstoffe:

Die Nahrungsmittelpreise finden keinen Halt. Was den Hunger antreibt und die Inflation. Andreas Schubert, Chef des Feinkostherstellers Kühne, erwartet einen Dammbruch bei den Preisen für Agrarrohstoffe. In der Folge werden die Lebensmittel auf breiter Front teurer. Die Rohstoffspekulationen haben zugenommen, keiner kann sie mehr kontrollieren. Quelle: MANAGER MAGAZIN, 03.03.2011, „Den Preisschub kann niemand mehr aushalten“.

Der Ölpreis marschiert. Obwohl die Ölreserven zwei Jahre halten, so die internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris (Quelle: HANDELSBLATT, 05.03.2011). Sehen wir doch bald 200 US-Dollar? Möglich ist es. Noch korrigieren wir aber nicht unsere Jahresvorausschau 2011.

Die Edelmetalle entwickeln sich prächtig. Allzeithoch bei Gold und Silber. Silber gewinnt gegenüber Gold. Daran wird sich dauerhaft auch erst einmal nichts ändern. Die Zeiten des billigen Silbers sind vorbei. Seit Januar plus 16 %. Silber entwickelt sich zum Investment.


Krisenvorsorge:

Wir können uns nur wiederholen, gerade wegen anders lautender Empfehlungen in den Medien: Unbedingt Finger weg von Staatsanleihen/Bundesschätzchen. Diese Papiere sind garantiert nicht mehr sicher! Bieten am Ende auch keinen Inflationsschutz. Wer welche hat: Verkaufen. Sparbücher auflösen, wenigstens stark reduzieren. Festgeld ebenso. Fondsanteile verkaufen. Lebensversicherung taugen nicht mehr als Altersversorgung oder als Tilgung für die Hypothek. Bausparverträge sind nur noch unter ganz bestimmten Umständen sinnvoll. Unbedingt gilt: Keine neuen Verträge für „Irgendetwas“ abschließen. Keine Gold- oder Silberzertifikate kaufen, meistens fehlt die physikalische Deckung und es gibt am Ende wieder nur wertloses Papiergeld. Keine Immobilie zur Inflationsabsicherung kaufen. Unbedingt alle Ersparnisse auf ihre Krisenfestigkeit prüfen. Sparverhalten ändern. Die Banken sind, wenig überraschend, dabei keine Hilfe.

Bereits Voltaire wusste: „Papiergeld wird sich langfristig seinem wahren Wert annähern: Null.“ Die Weltwährung US-Dollar hat schon 97 % verloren.

Jeder, der aus diesem verrückten Spiel nicht aussteigt, wird nur noch verlieren. Der Staat und die Banken bieten keine Sicherheit mehr für die Ersparnisse.

Die Zeit zum Handeln drängt. Die weltweiten Unruhen greifen auf Länder über, die bisher niemand auf seiner Rechnung hatte. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen lassen sich in ihrer Tragweite noch nicht einschätzen. Sicher ist aber, dass der Druck auf die Industriestaaten und Schwellenländer enorm zunehmen wird. Davor darf niemand die Augen verschließen.

Mehr zu diesem Thema in der nächsten Ausgabe.

Buchempfehlung:

 

Heute empfehlen wir wieder ein sehr interessantes Buch. Zu beziehen über jeden guten Buchladen, nicht bei uns. Lügen mit Zahlen, Untertitel: Wie wir mit Statistiken manipuliert werden, beschreibt sehr unterhaltsam und anschaulich die Dinge, die immer wieder in einem Bonmot gipfeln: „Es gibt drei Arten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen und Statistiken.“ Benjamin Disraeli, britischer Romanschriftsteller und Premierminister (1804 – 1881). 

 

Montag, 21. Februar 2011

Wochenrückblick, Ausgabe 13, Kalenderwoche 08/2011: Finanzkrise, USA, China, Europa, Deutschland, Rohstoffe, Krisenvorsorge


Nach wie vor sind es die politischen Ereignisse, die die Medien beherrschen. Dem können auch wir uns nicht verschliessen. Neu hinzu gekommen sind Unruhen in Oman und Marokko, intensiver werden die Proteste in China. Eine günstige Gelegenheit, die Geographiekenntnisse wieder einmal aufzufrischen. Für uns gibt es jedoch noch einige Nachrichten außerhalb dieser Entwicklungen, die wir beleuchten werden.

Eines vorneweg: Wir bekommen bei unserer kritischen Einschätzung der deutschen Ökonomen, insbesondere ihrer Lichtgestalt, Prof. Dr. Hans-Werner Sinn aus München, endlich Unterstützung. Die haben wir auch bitter nötig, nachdem unsere Haltung mittlerweile von einigen Leserinnen und Lesern als sehr ungebührlich bewertet wurde. Mehr dazu im Europa-Teil.

Die Nachrichtenauswahl haben wir gestrafft. Wert legen wir darauf, vollständig zu berichten und die Faktenlage fundiert zu beschreiben. Wir haben den Anspruch, die echten, belastbaren Informationen bereit zu stellen und diese allgemein verständlich zu kommentieren. Trotzdem arbeiten wir weiter daran, uns knapp zu fassen.
Nach wie vor treffen wir zu den Schwerpunktthemen eine Auswahl der wichtigsten Nachrichten. Gerne ergänzen wir unsere Themenwahl. Vorschlag genügt.

Die folgenden Äußerungen geben unsere persönliche Bewertung wieder, die wir mit großer Sorgfalt erarbeitet haben. Gerade deshalb legen wir großen Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen zu können oder durch belastbare Indizien zu untermauern. Die wichtigsten Quellenangaben haben wir im Text mit angegeben. Sollte darüber hinaus Bedarf bestehen, werden wir gerne die entsprechenden Nachweise zur Verfügung stellen. Email genügt.

Besonders den Leserinnen und Lesern, die sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik und deren Folgen auf die persönlichen Lebensumstände beschäftigen, bzw. beschäftigen können, empfehlen wir ausdrücklich, sich für die folgenden Seiten Zeit zu nehmen. Der Nutzen ist enorm und wächst mit jeder weiteren Ausgabe, die wir weiter, kostenlos und ohne jede Verpflichtung, bereit stellen.

Denken Sie aber bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse erfordern Hintergrundwissen und Denkanstöße für Jung und Alt.

Wir bewahren uns eine kritische Haltung gegenüber den Informationen, die der Mainstream verbreitet. Die halten nämlich regelmäßig keiner Nachprüfung stand. Diese Erfahrung hat sich bei uns über viele Jahre entwickelt und wird ständig aufs Neue bestätigt. Nutzen Sie unsere Erfahrung für Ihre eigenen Entscheidungen. Vor allen Dingen reißen Sie sich die Scheuklappen herunter, ohne die Sie sofort eine bessere Sicht für das Wesentliche haben werden. Stecken Sie nicht länger den Kopf in den Sand!


Finanzkrise:

Beginnen wollen wir mit einer Nachricht, die ein weiteres Mal die offizielle Haltung der deutschen Politik zur Finanzkrise konterkariert. Unter der Überschrift „Sonderprüfungen gingen vor Finanzkrise zurück“ veröffentlichte FOCUS MONEY ONLINE am 26.02.2011 einen Artikel, der mit wenigen Worten die unrühmliche Rolle der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bankenaufsicht) beleuchtet. Wir haben früher bereits den Beweis angetreten, dass die Probleme der deutschen Landesbanken oder auch der Commerzbank weit vor 2008 in Berlin (Finanzministerium) und Frankfurt (Deutsche Bundesbank, BaFin) bekannt waren. Statt bei diesen Banken intensiver zu prüfen, wurde die Prüfungshäufigkeit noch reduziert. Man hat also bewusst weggesehen. Wir haben uns schon bisher in dieser Sache nicht für dumm verkaufen lassen, sondern die Auffassung vertreten, dass Banken, Aufsicht und Politik auch in Deutschland Ende der 1990er Jahre eine unheilige Allianz eingegangen sind, die bis zum heutigen Tag fortbesteht. Nach unserer Einschätzung nicht zum Wohle der Menschen in diesem Land, sondern nur einer kleinen Elite aus Politik und (Finanz-)Wirtschaft. Das ganze Ausmaß dieser Kungelei wird, da sind wir uns sicher, innerhalb der nächsten Jahre aufgedeckt werden. Danach erlebt das Verhältnis der Menschen zu den Politikern endgültig eine Zäsur.

Diese Kumpanei ist es auch, die immer noch jede vernünftige Lösung der too big to fail-Problematik, der Staatsverschuldung, der Euro-Krise, oder der Inflation, verhindert. Jedenfalls innerhalb der G20-Staaten. Immer mit tatkräftiger Unterstützung durch die Medien, wie wir täglich lesen.

Die Nahrungsmittelpreise steigen weiter. Die Unruhen weiten sich aus. Die Tage Gaddafis in Libyen sind gezählt, in Marokko und Algerien rumort es (ZEIT ONLINE, 23.02.2011), Kamerun ist dazu gekommen (afrol News, 22.02.2011), außerdem Oman (HANDELSBLATT, 27.02.2011), Massenproteste in Indien (netkompakt.de, 24.02.2011) und in China rüstet die Führung zum Kampf gegen den „arabischen Virus“ (wirtschaftsblatt.at, 27.02.2011). Schuld an diesen Unruhen/Revolten sind nicht die vom Westen so gerne behaupteten Demokratiebestrebungen, sondern schlicht die in diesen Ländern überhand nehmende Verteuerung der Nahrungsmittel. Dass es den Menschen nicht um Demokratie geht (niemand weiß in diesen Ländern, was das ist) schildert am Beispiel Libyen treffend die BERLINER ZEITUNG, die am 22.02.2011 einen Bericht mit „Den Demonstranten geht es nicht um Demokratie“. Die Autorin, Gabriele Riedle, ist durch das Land gereist und erklärt, wir zitieren: „Ich habe keine einzige Person getroffen, die von Demokratie redete“. Nach deren Aussage gehe es vielmehr „ um Machtverteilung, um alte Rechnungen, um Rache“. In einem Land, das für den Westen bisher einen Teil der Ölversorgung sicher gestellt hat.

Lassen wir uns nichts vormachen, diese Preissteigerungen resultieren einzig und allein aus der Liquiditätsschwemme der Notenbanken, allen voran die FED in den USA und die EZB in Europa. Die Finanzkonzerne suchen für diese Liquidität weltweit Gewinn bringende Anlagemöglichkeiten, seit einigen Wochen sind nun die Nahrungsmittel und wichtige Industrie-Rohstoffe an der Reihe. Ausgemachter Quatsch ist es, wenn uns die Rohstoffhändler der Finanzkonzerne über die Medien erzählen, sie würden dem Markt keine Ware entziehen und deshalb nicht mit Nahrungsmitteln spekulieren. Grundlage des Handels an den Rohstoff-Terminmärkten ist nun einmal die Ware, die sich verteuert oder auch verbilligt, je nachdem in welche Richtung die Spekulation läuft. Diese Entwicklung war zuletzt schon 2008 zu beobachten, als vor der Lehman-Pleite ebenfalls eine Menge Liquidität vorhanden war, die innerhalb kürzester Zeit die Nahrungsmittelpreise in die Höhe getrieben hat. Als die Liquidität dann weg war, gingen sofort wieder die Preise runter. Im Grunde doch eine einfache Gleichung: Liquiditätsschwemme = Spekulation = steigende Preise = steigender Hunger = Aufruhr/Revolten. Deshalb erneuern wir unsere Forderung, die Spekulation der Finanzkonzerne in den Rohstoffmärkten zu verbieten. Bloße Regulierung ist zwecklos, die kriminelle Energie nach maximalem Gewinn zu groß.

Die schon angekündigte neue Dotcom-Blase entwickelt sich weiter. Facebook, Groupon, usw. erhalten Zuwachs: Der Finanzkonzern JP Morgan steigt bei Twitter ein. Natürlich werden die Mutmaßungen einer Spekulationsblase noch abgewiegelt, für eine solche Einschätzung sei es noch zu früh. Es läuft nach dem gleichen Muster ab, wie sonst auch: Die Finanzkonzerne steigen billig ein, pushen die Werte und den Markt hoch, wenn dann alle Konzerne ein Stück vom Kuchen abbekommen haben schreiben die Analysten herrliche Kaufempfehlungen für die vielen Millionen Privatanleger, in deren Depots die Papiere dann mit einem gehörigen Aufpreis landen, den die Konzerne dann als Gewinn verbuchen. Nach einer mehr oder weniger langen Schonzeit, in der die Kurse für diese Papiere erst noch ein bisschen hoch manipuliert werden, werden plötzlich die Geschäftsmodelle der Unternehmen von den Analysten auf den Prüfstand gestellt (so nennen die das tatsächlich) und regelmäßig für nicht nachhaltig befunden. Das Ergebnis sind fallende Kurse, an denen die Finanzkonzerne natürlich dann auch noch verdienen, die den Millionen Privatanlegern satte Verluste bescheren. Erst dann melden sich natürlich auch die Analysten, um vor einer Spekulationsblase zu warnen, die längst jeder Blinde erkennen kann. Finger weg von diesem Geschäft, hier wird nur mit gezinkten Karten gespielt, mit denen nur die Banken gewinnen. Hier entsteht jedenfalls eine neue Blase, die irgendwann mit einem lauten Knall platzt, siehe im Jahr 2000. Wieder ein Mosaiksteinchen für das Gesamtkunstwerk Finanzkrise.

Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“ (Henry Ford, 1863-1947)


USA:

Die wirtschaftliche Macht Amerikas verfällt zusehends. Beim G20-Gipfel hinterlassen die USA keine Spuren. China beansprucht die Führung. Der IWF gewinnt weiter an Macht, China in dieser Organisation sowieso. Deutschland schlägt sich bei diesem Treffen, natürlich nicht offen, auf die Seite Chinas. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.02.2011. Es herrscht Krieg, sehr subtil, bisher unbeachtet. China generiert gerade eine Macht, die nicht seinen gesellschaftlichen Verhältnissen entspricht, weil die USA sich zu einem zahnlosen Tiger entwickeln. Das Sprichwort „Geld regiert die Welt“ erhält eine ganz neue Bedeutung. Diese Lethargie heute wird den Amerikanern morgen bitter aufstoßen.

SUEDDEUTSCHE.DE titelte am 21.02.2011 „Weltmacht macht dicht“. „Eine Weltmacht – wegen akuten Geldmangels geschlossen.“ Grund ist der beinharte Streit zwischen den Demokraten und Republikanern um den Staatshaushalt. Die Republikaner nutzen ihre Mehrheit im Kongress, um ihnen unliebsame Ausgaben der Demokraten zu kassieren. Mit dabei die Finanzmarktreform, für die Republikaner „nur ein überflüssiger Eingriff des Staates in die Kräfte des freien Marktes“. Würde es tatsächlich zu keiner Einigung kommen, was nicht mehr ausgeschlossen wird, wäre Amerika ab dem 7. März blockiert und Präsident Obama, der Friedensnobelpreisträger, gescheitert.

Echte Unterstützung erhält Obama keine. Ideen? Fehlanzeige. Der US-Ökonom Barry Eichengreen, bekannt für unkonventionelle Vorschläge, z. B. rät dazu, die Steuern zu erhöhen (SPIEGEL ONLINE, 27.02.2011). Offensichtlich lehrt man auch an der University of California in Berkeley Volkswirtschaft nach mehr als 100 Jahre alten Lehrplänen. Vielleicht sollte Eichengreen seinen Vorschlag damit präzisieren, dass das Einkommen der Reichen und Mächtigen mit 90 % besteuert werden muss. Das wurde in Amerika schon einmal erfolgreich praktiziert. Die Programme der FED helfen nicht den Menschen, nur der Wall Street. Was wir für völlig logisch halten, schließlich gehört denen die FED ja auch. Der FED wiederum gehört, mittels der Staatsanleihen (vgl. Ausgabe 12) immer mehr von Amerika.

Mit den Folgen kämpfen die Bundesstaaten und Kommunen von Woche zu Woche mehr. Die Ratingagentur Moody’s warnt vor miesen Kommunalanleihen (Municipal Bonds, Munis genannt) und befürchtet Zahlungsausfälle. Sinnigerweise warnt der Finanzkonzern JP Morgan vor einer Pleitewelle unter den US-Kommunen. Vereinzelt hat es schon Pleiten gegeben. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.20.2011. Aktuell steht der Bundesstaat Wisconsin mit dem Rücken an der Wand (HUFFINGTON POST, 23.02.2011). Die dort vorgesehenen Einsparungen treiben die Menschen auf die Straße. Wir berichteten in unserer letzten Ausgabe. Die amerikanische Rechte hat reagiert und fordert, das Verhandlungsrecht der Gewerkschaften zu kappen. In Wisconsin soll ein Exempel statuiert werden, danach in Ohio und Indiana. Massenkundgebungen gegen den Sparwahn stehen in Pennsylvania und New Jersey bevor. Wir zitieren aus dem schweizerischen TAGES-ANZEIGER vom 24.02.2011 („Gewerkschaften in den USA geht es an den Kragen“): Es war die schmale, schwerreiche Geldelite, die 2008 den Finanzkollaps verursachte und die Rezession verschärfte, welche die Defizite der Bundesstaaten ansteigen lies. Die Defizite vorzuschieben, um die Gewerkschaften auszuhebeln und damit ein Gegengewicht zu den Interessen der Wirtschaftselite aus der Welt zu schaffen, ist Demagogie.“ Paul Krugman, Ökonomie-Professor in Princeton, beschäftigte sich in der NEW YORK TIMES mit diesem Thema, abgedruckt unter der Überschrift „Amerikanische Schock-Strategie“ am 27.02.2011 in der FRANKFURTER RUNDSCHAU. Dort heißt es: „Seit den 1970er Jahren hätten rechte Ideologen Krisen genutzt, um eine Agenda durchzudrücken, die die jeweilige Krise nicht löste, sondern eine rauere, ungleichere, weniger demokratische Gesellschaft schuf. In Wisconsin kommt im Jahr 2011 die Schock-Strategie voll zum Zug.“ Wir sind überzeugt, der „arabische Virus“ ist bereits auf Amerika übergesprungen.

Der Häusermarkt liegt unverändert auf der Nase. Die New Home Sales (Neubauverkäufe) gehen immer noch zurück (census.gov). Mittlerweile befinden sie sich auf einem Allzeittief. Um die Zahl der Zwangsversteigerungen zu reduzieren, sollen Amerikas Banken Kredite erlassen (FAZ.NET, 25.02.2011). Größenordnung 20 Milliarden US-Dollar. Nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Deshalb halten wir diesen Plan für reinen Aktionismus, aber nie und nimmer für eine dauerhafte Lösung. Es gibt zu viele Not leidende Hauseigentümer. Wir sagen es immer wieder: Gut bezahlte Jobs, Jobs, Jobs müssen her. Alles andere ist dahingeheuchelte Zuversicht. Mittlerweile sitzen die Konzerne auf fast 2 Billionen US-Dollar Liquidität, da spielen geschätzte 500 Milliarden Einsatz für neue Jobs keine Rolle. Sehr wahrscheinlich hat die Wall Street andere Pläne und wir halten die US-Regierung für zu schwach, hier die richtigen Maßnahmen einzuleiten.

Das angebliche US-Wirtschaftswachstum ist ein Witz. Es findet nur in den US-Statistiken statt. „Das Wachstum der amerikanischen Volkswirtschaft lag im 4. Quartal deutlich niedriger als im Vorfeld erwartet worden war. Die Hoffnungen beruhen derzeit darauf, dass die Verbraucher ihre Aussichten deutlich günstiger einschätzen. Dies könnte zu steigendem Konsum führen.“ (Zitat aus NEUE ZÜRICHER ZEITUNG Online, „Unerwartet schwaches US-Wirtschaftwachstum“, 25.02.2011). Aus Hoffnungen und Wünschen wird Wachstum gebildet. Funktioniert aber nicht. Genauso wenig wie die angeblich gesunkene Arbeitslosenquote im Januar. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA stieg nach einer zweiten (!) Schätzung im 4. Quartal 2010 aufs Jahr hochgerechnet um 2,8 % (US-Handelsministerium). Experten hatten mit deutlich über 3 % gerechnet. Quelle: ZEIT ONLINE, 25.02.2011. Die Realität ist so mies, dass sogar die virtuosen US-Statistiker nicht die Zahlen liefern können, die eigentlich erwartet werden. Letztendlich sind es dann auch die Einsparungen bei den öffentlichen Haushalten der Bundesstaaten und Kommunen, die das Wirtschaftswachstum zusätzlich verlangsamen (HUFFINGTON POST, 26.02.2011).

Ein Blick auf das US-Verbrauchervertrauen ist auch nur statistisch geschönt (WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 25.02.2011). Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die Wahrheit erzählt uns Walmart, dessen Quartalsumsatz im 4. Quartal 2010 zum 7. Mal in Folge zurück gegangen ist (HUFFINGTON POST, 22.02.2011).

Mittlerweile hat es die ersten kleineren Plünderungen in Tankstellen-Supermarkets gegeben. Das ist die Realität, nicht die Statistiken.


China:

Das Land arbeitet sich weiter konsequent an seiner Immobilien-Blase ab. „China plant 45 neue Flughäfen“ meldet am 24.02.2011 der schweizerische TAGES-ANZEIGER. Bauzeit die nächsten 5 Jahre. Bisher machen 130 der 175 existierenden Flughäfen Verluste.

Die Proteste im Land massieren sich. Inflation und der „arabische Virus“ sorgen dafür. Mit Hilfe des Internets mobilisieren sich die Menschen. Von der „Jasmin-Revolution“ ist die Rede. Chinesische Protestbewegung sieht erste Erfolge. Tausende Polizisten kommen zum Einsatz. Quelle: TAGES-ANZEIGER, NZZ Online, 22.02.2011. Wenige Tage später nehmen die Proteste zu und werden mit Gewalt unterdrückt. Das MANAGER MAGAZIN titelt am 27.02.2011 „Inflation treibt Chinas Bürger auf die Straße“. HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSBLATT.AT, ZEIT ONLINE und NZZ Online berichten am gleichen Tag davon, dass China mit zehntausenden Polizisten die Proteste im Keim erstickt.

In uns keimt die Hoffung auf, dass die „chinesische Kolonialisierung der Welt“ doch wieder an Kraft verlieren könnte, sich wenigstens deutlich verlangsamt. Jedenfalls sind Schlagstöcke und Verhaftungen nicht die richtige Antwort auf die Proteste im Land. Eher Geld und gute Worte. Die 2,8 Billionen US-Dollar Währungsreserve könnten dabei helfen, die vielschichtigen inneren Probleme Chinas zu lösen. Da platzt dann auch noch die eine oder andere Blase. Die chinesische Führung hat eine Mammutaufgabe vor sich. Dabei helfen die alten Reflexe der Unterdrückung nicht wirklich weiter. Nicht nur wirtschaftlich befindet sich China noch im vor-industriellen Zeitalter.

Wir erwarten hier in den nächsten Wochen jedenfalls tiefgreifende Veränderungen.


Europa:

Der 25.02.2011 war für uns ein kleiner Festtag. An diesem Tag wurde unsere Kritik an den deutschen Top-Ökonomen und ihren Hilfstruppen endlich öffentlich bestätigt. Sowohl die WIRTSCHAFTSWOCHE, Titel: „Kuriose Professorenrufe – Irren ist menschlich“, als auch ZEIT.DE, Titel: „Können Deutschlands Ökonomen nicht rechnen?“ stellen einen eklatanten Rechenfehler in einer „Stellungnahme zur EU-Schuldenkrise“ fest, die am 17.02.2011 von Bernd Lucke, Uni Hamburg, im Auftrag von rund 300 (!) deutschen Wirtschaftswissenschaftlern, publiziert wurde. Wir schenken uns hier die Einzelheiten, den es interessiert verweisen wir an das Internet. Zwei Tage später, am 27.02.2011, kommt es in der FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND zur finalen Feststellung „Ökonomen blamieren sich mit Arbeit zum Euro-Rettungsfonds“. Gemeint sind 190 deutsche Professoren und der Mitinitiator Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts. Dessen Berechnungen waren die Grundlage dieser Professoren-Stellungnahme. Wir sehen uns in unserer Auffassung bestätigt, dass H.-W. Sinn und sein Institut willfährig die Bundesregierung unterstützt und dabei auch nicht vor falschen Angaben zurück schreckt, um die Aussagen passend zu machen. Der Mann hat sich mit dieser Stellungnahme endgültig disqualifiziert.

In der EU geht es aufwärts, wenn man den Marktforschern von Markit (markit.com) glaubt. Nach deren Feststellungen verringere sich die Kluft zwischen den Spitzenreitern Deutschland und Frankreich und den Ländern am Rande des Währungsraums in der Industrie. Quelle: WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 21.20.2011. Diese Aussage hat uns natürlich keine Ruhe gelassen und wir haben deren Belastbarkeit überprüft. Nehmen wir nur als Beispiel Griechenland: Das Bruttoinlandsprodukt geht steil nach unten (minus 6,6 % zum Vorjahresmonat), die Staatsschulden steil nach oben (plus 14 % zum Vorjahr). Diese gegenläufige Entwicklung führt zu einem Staatsschuldenstand von 148,35 % des nominalen BIPs (= 229,396 Mrd. Euro). Quelle: minfin.gr, statistics.gr. Soviel zu Dichtung und Wahrheit.

Machen wir weiter mit Griechenland. Massenproteste gegen Sparmaßnahmen. Am Mittwoch war Generalstreik. Löhne und Gehälter gekürzt, Steuern erhöht, Arbeitslosenquote bei 13 %: Den Griechen wird klar, Sparen genügt nicht. Quelle: SUEDEUTSCHE.DE, 23.02.2011. Das Land spart sich tot, mausetot. Trotzdem steigen die Staatsschulden munter weiter. Wir sagen: Nein, gerade deshalb. Alle Maßnahmen führen zu Kaufkraftverlusten und ausgeprägten Zukunftsängsten, der Konsum geht deutlich zurück, was natürlich einerseits direkt auf das BIP durchschlägt, andererseits die Staatseinnahmen reduziert. Die Schere geht weiter auf, statt zu. Wo wir wieder bei den Fähigkeiten des IWF zur Krisenbewältigung wären (vgl. hierzu letzte Ausgabe). Wir bleiben dabei: Griechenland wurde durch die konzertierte Aktion von IWF und EU der endgültige Todesstoß versetzt.

Irland hat jetzt erst einmal eine neue Regierung gewählt. Die hat ihren Wählern versprochen, den EU-Rettungsschirm mit seinen schlechten Konditionen nicht weiter zu akzeptieren. Eine sicherlich interessante Aussage, mehr aber noch nicht. Wir sind gespannt, wie sich Irland neue Spielräume für Verhandlungen schaffen will. Falls die neue Regierung Mut hat, könnte sie auf eigene Faust eine Umschuldung durchsetzen. Auf jeden Fall eine bemerkenswerte Alternative zu der jahrzehntelangen sinnlosen Schuldenknechtschaft. Eher erwarten wir jedoch ein „Schwanz einziehen“ und im Gegenzug marginale Zugeständnisse von IWF und EU. Warten wir es also ab.

Am nördlichen Rand der EU regt sich Widerstand. Finnland wählt am 17.04.2011 ein neues Parlament. Die rechtspopulistischen „Wahren Finnen“ treten an und haben jetzt ihr Wahlprogramm vorgestellt. Schwerpunkte sind Steuererhöhungen für die Reichen, Kürzungen von Unternehmens-Subventionen, Entwicklungshilfe und Ausgaben für Einwanderer. Die Partei versteht sich offiziell als EU-sketische, konservative und nationalbewusste Kraft. In Meinungsumfragen liegen die „Wahren Finnen“ mit knapp 18 % beinahe gleichauf mit den drei führenden Parteien. Quelle: WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 27.02.2011. Warum wir darüber berichten? Ganz einfach, weil wir bereits frühzeitig auf eine solche Entwicklung innerhalb Europas hingewiesen haben. Die Niederlande und Ungarn bleiben keine Einzelfälle.


Deutschland:

Es geht weiter: „Rätselraten um Bundesbank-Milliarden-Hilfen“ schreibt am 21.02.2011 die WIRTSCHAFTSWOCHE. Viel Aufregung um Nichts. Das ist normales EZB-Geschäft, nicht mehr und nicht weniger. Die Proteste der Politiker - z. B. Otto Solms (FDP), Frank-Walter Steinmeier (SPD), Klaus-Peter Willisch (CDU) - sind fadenscheinig und scheinheilig. Die Deutsche Bundesbank hat sich im Rahmen ihrer gesetzlich zulässigen Möglichkeiten bewegt.

Amüsiert hat uns in diesem Zusammenhang der Vorschlag des FDP-Finanzexperten Frank Schäffler, die deutschen Forderungen sollten von den betroffenen Ländern mit Gold abgesichert werden Quelle: WIRTSCHAFTSWOCHE, 22.02.2011). Der Mann sollte erst einmal prüfen, wie viel Gold in diesen Ländern überhaupt vorhanden ist. Das Ergebnis wäre niederschmetternd. Es ist mit höchster Wahrscheinlichkeit längst verkauft, mindestens verpfändet. Selbst die Deutsche Bundesbank verfügt – so befürchten wir - nur über einen Bruchteil ihrer offiziellen Goldbestände (10 – 15 %, siehe Ausgabe 5).

Hier noch eine andere Zahl: Lt. Auskunft des Berliner Finanzministeriums schulden US-Bundesstaaten und –Kommunen deutschen Banken insgesamt 51 Milliarden US-Dollar. Besonders betroffen sind die Landesbanken, wahrscheinlich auch die HRE. Zur Risikobewertung erklärt das Bundesfinanzministerium, dass in der Vergangenheit Zahlungsausfälle bei US-Kommunalanleihen „sehr selten“ waren. Quelle: WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 24.02.2011. Diese Aussage macht doch Mut, oder?

Es darf nicht unerwähnt bleiben: Merkel bekommt einen neuen Finanzexperten. Der heißt Asmussen (Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 26.02.2011) und ist absolut kein unbeschriebenes Blatt. Finanzstaatssekretär Asmussen ist uns als der Mann in Erinnerung, der 2008 im Rahmen der deutschen Bankenrettung, insbesondere der Rettung der HRE, im Auftrag der damaligen schwarz-roten Bundesregierung und in Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, die Interessen der Deutschen an die Banken verschachert hat. Die Liste der Verfehlungen ist sehr viel länger, aber offensichtlich befähigt ihn gerade diese Vorgeschichte für das neue Amt. Die Position schützt natürlich auch vor Nachstellungen wegen der früheren Vergehen. Erinnern Sie sich? In der Ausgabe 11 haben wir davon berichtet, dass ein Gutachten vom Bundesfinanzministerium unter Verschluss gehalten wird, welches die Abwicklung der HRE empfiehlt.

Da hat es schon eine ganz besondere Note, wenn für die 18 % Anstieg der Staatsschulden hauptsächlich die Ausgaben zur Bekämpfung der Finanzkrise und Hilfsmaßnahmen für die HRE und WestLB verantwortlich sind. Jedenfalls ist es der höchste Jahres-Anstieg in % seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1950. Auf diese Maßnahmen entfallen 232,2 Milliarden Euro, von insgesamt 304,4 Milliarden Euro. Quellen: FOCUS MONEY ONLINE, FAZ.NET, vom 21.02.2011. Die Schulden des Bundes stiegen um plus 21,9 %, die der Länder um plus 13 % und der Gemeinden um plus 4,9 % (Quelle: destatis.de).

Der Ifo-Index treibt schon wieder sein Unwesen. 2011 könnte ein Boomjahr für die deutsche Wirtschaft werden. Ober-Guru Sinn postuliert „Der Aufschwung in Deutschland ist robust.“ Die Manager sind für die kommenden sechs Monate positiv gestimmt. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.20.2011.

In Österreich kommen die deutschen Signale bestens an. Hier sorgt das GfK-Konsumbarometer für Hochstimmung: „Deutsche Konsumenten kommen aus den Startlöchern“ (WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 22.02.2011). Lt einer Studie der GfK, Gesellschaft für Konsumforschung, „wird der Konsum in den kommenden Monaten beim deutschen Nachbarn erst so richtig anspringen.“ Hier noch ein Schmankerl aus der Studie: „Die anziehende Inflation werde von der schwindenden Angst vor dem Jobverlust sowie von niedrigen Zinsen überlagert.“ Die GfK fragte 2000 Verbraucher nach ihrer Meinung.

Jetzt zur belastbaren Wahrheit: „Vom Konsumwunder keine Spur“ titelt die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND am 25.02.2011. Deutschland warte weiter auf einen anziehenden Konsum. Eine Reihe von Ökonomen prophezeien seit Monaten eine kräftige Dynamik beim traditionell schwachen deutschen Konsum. Statt dessen hat sich am „traditionellen deutschen Wachstumsmuster“ nichts grundlegend geändert, wie ein Blick in die Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigt. Zwei Tage später, am 27.02.2011, heißt es an gleicher Stelle „Ein paar lästige Details zum Aufschwung“ und zerpflückt die Schönfärberei des Ifo-Index. Kein Konsumrausch, kein Traum-Weihnachtsgeschäft. Zitat: „Der Rummel, der wegen der diversen Firmen- (Ifo) und Verbraucherumfragen (GfK) veranstaltet wird, ist mit Blick auf die echten Zahlen mehr als albern. Das BIP ist auf dem Niveau von 2007. Was, bitte schön, gibt es denn da zu bejubeln?“ Wir sagen wie es ist: Die Bundesregierung braucht positive Nachrichten, bestellt in München (Ifo) und Nürnberg (GfK) und die beiden liefern. So einfach geht das.


Rohstoffe:

Die Inflation der Nahrungsmittelpreise setzt sich fort. Neue Unruhen sind die Folge. Es ist der Hunger, der die Menschen auf die Straßen treibt. Schuld sind die Industriestaaten, die rücksichtslos spekulieren und so die Preise in astronomische Höhen schicken. Die UN sieht die Gefahren, ist aber machtlos.

Den Westen interessiert nur seine Öl-Versorgung. Die sieht er z. B. in höchster Gefahr, wenn Saudi-Arabien in die Hände von Unruhe-Stiftern fällt. SPIEGEL ONLINE schreibt am 26.02.2011 dazu: „Angst vor einem Flächenbrand“. Wir rechnen mit Lieferengpässen und weiteren Preissteigerungen. Alleine schon deshalb, weil die Unruhen die „Wildcard für den Ölpreis“ sind (Quelle: WIRTSCHAFTSWOCHE, 22.02.2011).

Die Edelmetalle entwickeln sich prächtig. Wir sehen deshalb die weitere Entwicklung in den Unruhe-Regionen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.


Krisenvorsorge:

Heute fassen wir uns kurz. Finger weg von Staatsanleihen/Bundesschätzchen. Diese Papiere sind garantiert nicht mehr sicher! Wer welche hat: Verkaufen. Sparbücher auflösen. Festgeld ebenso. Fondsanteile verkaufen. Lebensversicherung taugen nicht mehr als Altersversorgung oder als Tilgung für die Hypothek. Bausparverträge sind nur noch unter ganz bestimmten Umständen sinnvoll. Unbedingt gilt: Keine neuen Verträge für „Irgendetwas“ abschliessen. Keine Gold- oder Silberzertifikate kaufen, meistens fehlt die physikalische Deckung und es gibt am Ende wieder nur wertloses Papiergeld. Keine Immobilie zur Inflationsabsicherung kaufen. Unbedingt alle Ersparnisse auf ihre Krisenfestigkeit prüfen. Sparverhalten ändern. Die Banken sind, wenig überraschend, dabei keine Hilfe.

Bereits Voltaire wusste: „Papiergeld wird sich langfristig seinem wahren Wert annähern: Null.“ Der US-Dollar hat schon 97 % verloren.

Jeder, der aus diesem verrückten Spiel nicht aussteigt, wird nur verlieren. Der Staat und die Banken sind keine vertrauenswürde Adresse mehr für die Ersparnisse.

Die Zeit zum Handeln drängt. Die weltweiten Unruhen greifen auf Länder über, die bisher niemand auf seiner Rechnung hatte (Venezuela, Oman, Saudi-Arabien). Ein Ende ist nicht abzusehen. Die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen lassen sich in ihrer Tragweite noch nicht einschätzen. Sicher ist aber, dass der Druck auf die Industriestaaten und Schwellenländer enorm zunehmen wird. Davor darf niemand die Augen verschließen. 

 

Montag, 14. Februar 2011

Wochenrückblick, Ausgabe 12, Kalenderwoche 07/2011: Finanzkrise, USA, Europa, Deutschland, Rohstoffe, Krisenvorsorge, Buchempfehlung


Die Ereignisse in der vergangenen Woche wurden überschattet von den tief greifenden politischen Veränderungen in Ägypten und den herauf ziehenden Unruhen in weiteren arabischen Ländern, wie Algerien, Jemen, Saudi-Arabien und zuletzt Iran, um nur die wichtigsten zu nennen.

Diese Entwicklungen verstellten ein wenig den Blick auf die Schlagzeilen in den USA und Europa, die wir deshalb heute noch einmal herausarbeiten.

Am Ende dieses Wochenrückblicks bieten wir eine Neuerung: Wir beginnen in dieser Ausgabe mit einer Buchempfehlung.

Die Folgen der politischen Umwälzungen im Nahen Osten, erfordern es, vollständig zu berichten und durch eine fundierte Beschreibung der Faktenlage, die echten, belastbaren Informationen bereit zu stellen und diese zu kommentieren. Trotzdem arbeiten wir daran, uns so knapp wie möglich zu fassen. 
 
Wir haben wieder eine Auswahl der wichtigsten Nachrichten getroffen. Sollte Interesse an einem Thema bestehen, das wir nicht behandelt haben, so werden wir gerne auf Zuruf unsere Auswahl ergänzen oder auch ein Thema gesondert behandeln.

Die folgenden Äußerungen geben unsere persönliche Bewertung wieder, die wir mit großer Sorgfalt erarbeitet haben. Gerade deshalb legen wir großen Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen zu können oder durch belastbare Indizien zu untermauern. Die wichtigsten Quellenangaben haben wir im Text mit angegeben. Sollte darüber hinaus Bedarf bestehen, werden wir gerne die entsprechenden Nachweise zur Verfügung stellen. Email genügt.

Besonders den Leserinnen und Lesern, die sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik und deren Folgen auf die persönlichen Lebensumstände beschäftigen, bzw. beschäftigen können, empfehlen wir ausdrücklich, sich für die folgenden Seiten Zeit zu nehmen. Der Nutzen ist enorm und wächst mit jeder weiteren Ausgabe.

Denken Sie aber bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse der kommenden Monate erfordern Hintergrundwissen für Jeden.


Finanzkrise:

Trotz der vielen „politischen“ Nachrichten in der vergangenen Woche, möchten wir unser Augenmerk weiter auf dieses Schwerpunktthema richten.

Einige Nachrichten und Meinungen wurden publiziert, die es verdienen, kommentiert zu werden.

Beginnen möchten wir mit dem US-Großinvestor Warren Buffett, der auf HUFFINGTON POST am 11.02.2011 mit der Aussage zitiert wird: „Too Big To Fail Will Never Be Resolved“. Nach Buffett’s Auffassung wird das Problem des „too big to Fail“ (zu groß, um zu scheitern) nie gelöst werden, es sei schlicht systembedingt. Der Staat müsse einfach akzeptieren, dass er immer wieder als letzte Instanz eintreten muss, wenn das Finanzsystem wieder einmal kollabiert. In diesem Zusammenhang ist es nicht wichtig, dass Warren Buffett einer der fünf reichsten Menschen auf der Welt ist, sondern nur, dass er 2008 mit einer Milliardenspritze Goldman Sachs unter die Arm gegriffen hat, aus der ihm täglich 1,3 Millionen US-Dollar Gewinn zufließen. Goldman Sachs ist nach unserer Einschätzung einerseits „the biggest Player of the World“ und anderseits bis an die Haarspitzen voll mit Wertpapiermüll, der noch zunimmt, statt endlich bereinigt zu werden. Die Bilanzakrobatik ist so einmalig, dass die gleiche Anwendung in der Realwirtschaft, z. B. bei einer GmbH, für den betroffenen Geschäftsführer ein Strafverfahren mit anschliessender Verurteilung zur Folge hätte. In der weltweiten Finanzwirtschaft wurden einfach stillschweigend die Buchungsregeln großzügig an die Wirklichkeit angepasst. Wehmütig erinnern wir uns noch an die Zeit, in denen Buffett die Derivate als Massenvernichtungswaffen bezeichnete. Möglicherweise hat er seine Meinung gar nicht geändert, sondern nur begriffen „wie der Hase läuft“ und dass er mit dieser Entwicklung, die Schulden der Finanzkonzerne auch in Zukunft zu sozialisieren und die Gewinne an die Eigentümer auszuzahlen, bis zum endgültigen Knall noch viele, viele Millionen US-Dollar Gewinn machen kann. Warren Buffett wird jedenfalls, nach unserer Einschätzung, zu den Nutznießern der weiteren Entwicklung gehören.

Jetzt wurde es öffentlich: Ein interner Untersuchungsbericht wirft dem Internationalen Währungsfonds (IWF) massives Versagen bei der Einschätzung der weltweiten Finanzkrise vor. Quelle: HANDELSBLATT, 09.02.2011, „IWF räumt massives Versagen bei Finanzkrise ein“. Hoppla, was für eine Aussage. Der Chef des IWF, Strauss-Kahn, nannte die Unfähigkeit, vor der Krise zu warnen, einen „demütigenden Fakt“. Die Zeitung zitiert weiter, „die Risiken im Zusammenhang mit dem Immobilienboom und neuen Finanzinstrumenten wurden heruntergespielt“ und es sei den Verantwortlichen nicht gelungen, die Zusammenhänge zu erkennen. Kritische Meinungen zu den Vorgängen seien innerhalb des IWF unbeachtet geblieben. Würden diese Aussagen tatsächlich zutreffen, müsste der Laden sofort geschlossen werden. Vieles spricht jedoch dafür, dass den Verantwortlichen im IWF die Folgen des eigenen Handels sehr wohl bewusst waren. Schliesslich hat der IWF über Jahre hinweg tatkräftig mitgeholfen, in vielen Ländern überhaupt erst die gesetzlichen Grundlagen für die Geschäfte mit den neuen Finanzinstrumenten zu schaffen. Deutschland ist ein Bespiel dafür.

Wegen der schädlichen Rolle des IWF im Rahmen der Finanzkrise kann uns dessen die Idee, eine neue Reservewährung einzuführen, überhaupt nicht begeistern. Nach Ansicht des IWF führen Devisenspekulation und schwankende Wechselkurse zu gefährlichen Ungleichgewichten. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 10.02.2011, „IWF schlägt neue Reservewährung vor“. Dieser Vorschlag ist der Einstieg in eine Weltwährung zur Ablösung des US-Dollars als internationales Zahlungsmittel und die Schaffung einer Viel-Klassengesellschaft. Es gab übrigens schon einmal ein gut funktionierendes Weltwährungssystem mit festen Wechselkursen, usw. Es wurde 1944 als Abkommen von Bretton Woods geschlossen und später, 1971, von den USA aufgegeben. Seit dem entwickelte sich ein System grenzenloser Devisenspekulationen. Trotzdem kein Grund, jetzt nach einer einheitlichen Weltwährung zu rufen. Wer sich ausführlicher damit befassen möchte, den verweisen wir auf die Website des International Monetary Fund, imf.org.

In Europa ist es Frankreich, das eine Neuordnung des Weltwährungssystems anstrebt. Gedacht ist an ein „Bretton Woods II“. Quelle: SPIEGELONLINE, 12.02.2011.

Egal, welche Ideen hier noch in den nächsten Monaten kreiert werden, sie können nur funktionieren, wenn vorher die bestehenden Probleme gelöst sind, allen voran die riesige, weltweite Staatsverschuldung. Wir werden jedenfalls diese Pläne weiter genau beobachten.

Was wurde uns nicht schon in den vergangenen Monaten über die vielschichtigen Entwicklungsmöglichkeiten der Schwellenländer erzählt. Oder auch, dass sie es sind, die von der Schwäche der Industrienationen profitieren. Wir haben es nicht geglaubt und werden, wieder einmal, bestätigt. Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND titelte am 07.02.2011 „Investoren fliehen aus Boomregionen“. Dort wird berichtet, dass Investoren mehr als 7 Mrd. US-Dollar aus Aktien in Schwellenländern abgezogen haben. Es sei der größte Mittelabfluss seit drei Jahren gewesen. Die Unruhen im Nahen Osten werden dafür verantwortlich gemacht. Wahrscheinlicher ist die Angst vor der China-Blase. Außer China besteht die Gefahr einer konjunkturellen Überhitzung auch für Indien, Brasilien und andere große Schwellenländer. Diese Entwicklung setzt die betroffenen Länder stark unter Druck, nicht zuletzt durch eine steigende Inflation, die wiederum die Nahrungspreise weiter nach oben drückt.

Wenige Tage später, am 12.02.2011, schreibt die gleiche Zeitung unter der Überschrift „Good Morning, Vietnam“ einen sehr positiven Artikel über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Zitiert wird ein Schwellenländerexperte der Dekabank. Es liest sich wie eine Kaufempfehlung für Zertifikate. Vietnam wird wirtschaftlich dem Erdboden gleich gemacht, wenn China anfängt zu stolpern. Mit allen Konsequenzen. Seriös ist es deshalb nicht zu erklären, „die langfristigen Perspektiven bleiben durchaus positiv“. Offensichtlich genügt es schon, dass VW überlegt, dort Pick-ups für den ostasiatischen Raum bauen zu lassen. Natürlich will Vietnam seine Wirtschaft voran bringen und, so gut es geht, seinen Platz in der globalen Wirtschaft finden. Dieses Ziel wird augenblicklich nicht begünstigt.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zu China: Platzt dort die (Immobilien-) Blase, werden die Währungsreserven des Landes schmelzen wie Schnee in der Sonne. Es geht dann um Schadensbegrenzung um jeden Preis. Die Folgen für die restliche Welt sind noch nicht einzuschätzen, von niemand. Fest steht lediglich, dass ab diesem Zeitpunkt die Finanzkrise auf die Zielgerade einbiegt.

Die Unruhen im Nahen Osten gehen weiter. Neue Länder in anderen Regionen kommen dazu. Die Entwicklung zeigt starke Anzeichen eines politischen Flächenbrandes. Die vermeintlichen Erfolge in Tunesien und Ägypten bestärken die Menschen in ihrem Wunsch nach Veränderung. Der Westen wird dabei erst einmal keine große Rolle spielen. Die ständig geäußerten Mutmaßungen, die CIA sei beteiligt, erscheinen wenig indiziert. Eher halten wir es mit der SZ, die am 11.02.2011 titelte „Tiefschlaf der Ahnungslosen“. Weiter heißt es dort: In Ägypten wird Geschichte geschrieben – und die USA konnten nur hilflos zuschauen. Obwohl das Land jährlich 80 Milliarden Dollar für seine Geheimdienste ausgibt, haben diese das Weiße Haus nicht vor den drohenden Umstürzen gewarnt.“ Deshalb hat der Westen so lange an Mubarak festgehalten, deshalb ist es jetzt zu einer Militärdiktatur gekommen. Die Armee soll das Land stabilisieren. Ausgang offen. Die hat erst einmal die Verfassung außer Kraft gesetzt und Neuwahlen innerhalb der nächsten sechs Monate versprochen. Die Ägypter selbst sind über diese Entwicklung unentschieden. Wir erwarten keine nachhaltige Beruhigung der Lage, aber unerfreuliche Auswirkungen auf den Ölpreis. Tunesien spielte bisher in den Überlegungen der Industrienationen keine große Rolle, daran wird sich so schnell nichts ändern. Das Land wird wegen seiner Flüchtlinge nur für Europa zur Belastung.

Was als nächstes kommt: Die NEUE ZÜRICHER ZEITUNG (NZZ) berichtete am 10.02.2011 über „Heftige Proteste gegen algerische Regierung“. „China fürchtet Chaos und Anarchie in Ägypten“, FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND vom 12.02.2011. Schon am 07.02.2011 hieß es bei der SZ, „Wenn Ägypten fällt, ist der Nahe Osten verloren“. Letzteres wurde durch die Armee erst einmal verhindert.


USA:

Amerika will sparen und in den kommenden 10 Jahren 1 Billion Dollar sparen, 100 Milliarden pro Jahr. Quelle: SPIEGELONLINE, 13.02.2011, „Obama verordnet Amerika harten Sparkurs“. Ein harter Sparkurs sieht anders aus, hat nur Signalwirkung. Zumal die Republikaner noch ein gewichtiges Wörtchen mit reden werden. Am Ende, so erwarten wir, bleiben viele der Sparvorschläge auf der Strecke. So lassen sich die USA auch nicht sanieren. Das ist der falsche Weg.

Einnahmen müssen her. Die Steuereinnahmen sind auf den niedrigsten Wert seit 60 Jahren zurückgegangen. Quelle: HUFFINGTON POST, 08.02.2011. Das funktioniert nur durch Jobs, Jobs und nochmals Jobs. Sonst nichts. Natürlich sind ergänzende Maßnahmen nötig. Die fehlenden Jobs muss das Land selbst schaffen, da helfen weder China noch Europa. Auch keine Währungs- und Handelskriege. Es genügt, wenn Amerika in seiner eigenen Geschichte forscht. Oder bei John Maynard Keynes. Stimmt, in diesem Fall gehören wir zu seinen Anhängern. Ähnliches hatten wir bereits in der letzten Ausgabe angedeutet. Das FED-Geld von QE2, rund 600 Milliarden Dollar, hätte genügt, um die dringend notwendigen Schritte einzuleiten. Statt dessen fließt diese Liquidität mit Hilfe der Banken und Konzerne weiter ins Ausland, treibt die Spekulation und kommt als Inflation zurück nach Amerika. Ergebnis: Keine neuen Arbeitsplätze, aber höhere Lebenshaltungskosten. Offensichtlich ist es noch ein weiter Weg, bis Amerika den richtigen Hebel umlegt. Am Ende bleibt vielleicht nur die Radikalkur: Finanzmarkt rigoros austrocknen, Real-Wirtschaft massiv fördern. Spielt die US-amerikanische Notenbank nicht mit (was wir aber nicht glauben), abschaffen.

Bis es aber so weit ist, müssen sich die Amerikaner mit Kosmetik zufrieden geben. So hat Obama angekündigt, die beiden staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac abzuwickeln. Quellen: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, HANDELSBLATT, SÜDDEUTSCHE, alle 11.02.2011. Nur wie, da hapert es noch. Die beiden Finanzierer haben Darlehen über insgesamt 1,5 Billionen Dollar in den Büchern, da wird es Jahre dauern, bis eine nennenswerte Reduktion erfolgt ist. Viele dieser Darlehen sind notleidend und müssen irgendwann abgeschrieben werden. Noch stehen sie als werthaltig in den Bilanzen. Hier wird eine Handlungsfähigkeit vermittelt, die in Wirklichkeit gegen Null geht.

Infolge der Immobilienkrise sind Millionen Häuser geräumt worden, die leer stehen. Immer mehr Obdachlose ergreifen Besitz von solchen Häusern und die ursprünglichen Eigentümer ziehen einfach wieder ein. Hausbesetzung auf amerikanisch. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 08.02.2011. Hier kommen neue Schwierigkeiten auf die Banken zu, die immer noch in dem Dilemma stecken, in 50 Bundesstaaten keine Häuser zwangsversteigern zu können, da nötige Unterlagen fehlen. Der Immobilienmarkt steht vor weiteren Belastungen, die sich in weiter nachgebenden Preisen widerspiegeln.

Bisher haben die klammen Bundesstaaten nur Hand an das Gesundheitsprogramm für die Armen gelegt. Jetzt geht es auch dem Programm für die Rentner, Medicare, an den Kragen. New Hampshire, North Carolina, Michigan und New York City machen den Anfang. Quelle: THE NEW YORK TIMES, 13.02.2011. Diese Entwicklung halten wir für sehr besorgniserregend. Damit stehen wir im Gegensatz zu Bernd Weidensteiner, Volkswirt bei der Commerzbank, dort seit 2008 zuständig für die US-Prognose. Der überschrieb seinen Aufsatz in FOCUS MONEY ONLINE am 10.02.2011 mit „Viel Lärm, aber keine Pleite in Sicht“. Nur verwunderlich, dass er mit keinem Wort auf die, teilweise aberwitzigen, Sparmaßnahmen der Staaten eingeht, über die wir bereits berichtet haben. Wir haben unsere Informationen direkt aus den USA, die sind authentisch. Warten wir es ab.


China:

Zu China gab es in der vergangenen Woche wenig Neues. THE NEW YORK TIMES hatte am 10.02.2011 die interessanteste Nachricht. Danach probt China den nächsten Schritt in Richtung Weltwährung. Zu diesem Zweck werden Niederlassungen der Bank of China, u. a. in New York, eröffnet und Guthaben in Renminbi, der chinesischen Währung, akzeptiert. Das Land arbeitet sehr konsequent an seinem Weltmacht-Status.

Europa:

Der Druck auf die europäischen Staaten wächst. Nicht nur auf die 27 in der EU. Alle gegenteiligen Beteuerungen haben nichts geholfen, Irland, Portugal, Griechenland waren wieder Thema. Außerdem der Flüchtlingsstrom aus Tunesien nach Italien, oder die Pleitegefahr für die Schweiz. Der Reihe nach:

Schon wieder muss die EZB in Portugal eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern. Folgerichtig meldete die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND am 10.02.2011: „Panik vor Portugal-Pleite kehrt zurück“. Portugal muss mittlerweile für zehnjährige Papiere eine Rendite von 7,64 % bieten. Bisher war knapp unter 7 % Schluss. Am 12.02.2011 meldete wieder die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND: „Sorgen um die Euro-Zone kochen hoch“. Einen Tag später macht sich in Griechenland Unmut breit. Die FAZNET meldet am 13.02.2011: „Athen klagt über IWF-Befehle“. So sollen die IWF-Kontrolleure fehlende Reformbereitschaft beklagen, während Griechenlands Regierung die nationale Würde verletzt sieht. Verständlich, wenn man bedenkt, dass Griechenland sich kaputtsparen soll. Das griechische Statistikamt berichtete am 09.02.2011 von einem Einbruch der Industrieproduktion in 2010 von minus 5,7 %, nach bereits minus 9,4 % in 2009. Der Output der griechischen Industrieproduktion liegt 2010 auf dem Niveau von 1997. So kann sich dieses Land nicht retten, sondern nur endgültig vor die Hunde gehen. Diese Entwicklung muss gewollt sein, eine andere Erklärung haben wir nicht.

Neues gibt es auch zu Irland. Der Schweizer TAGES ANZEIGER meldete am 08.02.2011: „Merrill Lynch spielte beim irischen Kollaps eine tragende Rolle“. Danach wusste die US-Bank um die desolate Lage der irischen Banken. Nur wurde die entsprechende Analyse zurück gehalten und statt dessen bescheinigt, die irischen Banken seien „profitabel und gut kapitalisiert“. Dieser Befund wurde mit 7 Millionen Euro vergütet. Merrill Lynch zog die richtige Analyse zurück, nachdem die drei irischen Banken interveniert und gedroht hatten, ihre Geschäfte abzuziehen. Der Analyst wurde später entlassen. Auf der Grundlage dieser falschen Analyse begann die irische Regierung eine unabsehbar teure Rettungsaktion, die das irische Volk voraussichtlich sagenhafte 100 Milliarden Euro kostet. Wieder ein untrüglicher Beweis dafür, wie viel kriminelle Energie hinter diesen Banken stand.

Europa bekommt Besuch. Ansturm auf Italien. Tausende Afrikaner planen Flucht über Tunesien. Viertausend Flüchtlinge sind innerhalb weniger Tage auf der italienischen Insel Lampedusa gelandet. Die Regierung ruft den „humanitären Notstand“ aus und bittet die EU um finanzielle Hilfe. Von 100 Millionen Euro ist die Rede. Der Ansturm beginnt erst, sagen Experten voraus. Der italienische Außenminister fordert einen „Marshallplan für Nordafrika“. Die Angst geht um in Europa. Quelle: SPIEGELONLINE, 13.02.2011. Es ist klar, dass Europa nicht Hunderttausende Afrikaner aufnehmen kann. Klar ist aber auch, dass in der Vergangenheit dieser absehbaren Entwicklung keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Wir sind gespannt, wie die EU reagiert und wie lange es dauert, bis eine vernünftige Lösung beschlossen ist.

Zwei Meldungen zu einem Thema, die für sich selbst sprechen und deshalb von uns nicht weiter kommentiert werden: Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND titelte am 08.02.2011: „Weniger Schlimmes aus der Schweiz“. Weiter hieß es: Bilanzsumme runter, Eigenkapitalquote hoch, Boni reduziert und zeitverzögert ausgezahlt, dennoch Marktanteile zurückerobert. Die UBS zeigte, dass sie aus der Krise gelernt hat. ZEIT ONLINE hatte am 10.02.2011 die folgende Meldung: „Denn sie wollen nichts lernen“. Der Autor schreibt: Die Schweizer Großbanken lassen sich nicht zähmen. Sie haben den Kampf gegen die Regulatoren gewonnen. Dabei nennen die Geschäftsberichte monströse Zahlen. Ein Beispiel: Die Schweizer Großbanken haben Kreditausfallversicherungen ausstehend, die sie im Extremfall zur Zahlung von jeweils über 1000 Milliarden Franken verpflichten. Das wäre jeweils das Doppelte der helvetischen Wirtschaftskraft. Diese Risiken sind nicht vollständig gegenversichert. Fraglich ist zudem, ob die Gegenversicherungen tatsächlich leisten würden, oder nicht selbst in Not geraten, wenn sie in Anspruch genommen werden. Hier schlummert das ständige Risiko eines Staatsbankrotts. Sicherungspläne, die vor wenigen Monaten noch dringend erschienen, vermodern in der Schublade. Warum ist schnell erzählt: Die beiden Großbanken drohen damit, die Schweiz zu verlassen, sollten strengere Kapitalvorschriften beschlossen werden. Auf die Situation der Schweiz und ihre Großbanken sind wir in der Jahresvorschau 2011 eingegangen, bitte dort noch einmal nachlesen.

Die vermeintlich gute Nachricht haben wir uns für den Schluss aufgehoben: „Europas Wirtschaft atmet auf“, schrieb das HANDELSBLATT am 09.02.2011. Sie ahnen es vielleicht schon, das Info-Institut begeistert uns wieder mit wunder(ge)schön(t)en Zahlen. Dafür wurden Volkswirte aus „international agierenden Konzernen und Institutionen“ befragt, von denen die aktuelle Lage in Deutschland und Österreich sehr günstig beurteilt wurde. Die weiteren Beurteilungen: Benelux-Staaten zufriedenstellend, Frankreich und Italien ungünstig, Griechenland, Irland, Portugal und Spanien sehr schwach. Was lernen wir daraus: Geht es Deutschland und Österreich gut, geht es Europa gut. Wir staunen nicht schlecht.


Deutschland:

Für uns die „Hammer-Nachricht“ der vergangenen Woche stand u. a. in der Online-Ausgabe des MANAGER MAGAZIN vom 09.02.2011: „Experten empfehlen Abwicklung der HRE“. Nach dieser Meldung empfiehlt eine unabhängige Expertenkommission Berichten zufolge die Abwicklung der verstaatlichten Krisenbank Hypo Real Estate. Die Bank erbrächte „keine volkswirtschaftlich unentbehrliche Leistung“ wird aus dem Gutachten zitiert. Wir erinnern uns, die HRE wurde immer wieder als systemrelevant eingestuft und mit vielen Steuermilliarden gerettet. Das Gutachten wird vom Bundesfinanzministerium unter Verschluss gehalten. Eine Stellungnahme wurde bisher abgelehnt. Nur am Rande sei erwähnt, dass für die WestLB eine ähnlich pessimistische Einschätzung gemacht wurde. Wir waren in dieser Sache gut informiert und haben immer wieder die Meinung vertreten, dass die HRE selbst als Bad Bank gegründet wurde, um die schlechten Risiken der damaligen Hypo-Vereinsbank zu übernehmen. Eine Rettung hatte sich deshalb schon immer verboten. Egal wie die Sache weiter geht, irgendwann können die Milliarden nicht länger in einem Schattenhaushalt versteckt werden. Es bleibt spannend.

Die nächste Nachricht war ebenfalls brisant. „Deutsche Bank warnt BGH vor zweiter Finanzkrise“ titelte am 08.02.2011 die Online-Ausgabe des MANAGER MAGAZIN. Der Hintergrund: Im Streit um riskante Zinswetten droht der Deutschen Bank eine Niederlage vor dem BGH. Das hätte Signalwirkung, da etliche Städte, kommunale Unternehmen und Mittelständler mit dem Produkt Verluste gemacht haben. Der Anwalt der Bank warnte bereits vor einer „zweiten Finanzkrise“. Hier wird deutlich, dass die Deutsche Bank sich nicht scheut, die Richter des BGH unter Druck zu setzen, um ein für sie günstiges Urteil zu bekommen. Wir sind natürlich gespannt, wie die Entscheidung ausfällt und werden darüber berichten.

Ein kleiner Nachtrag zum angeblichen XXL-Beschäftigungswunder. Ohne die Entwicklung der Leiharbeit im Dezember 2010 wäre es Essig gewesen mit dem Abbau der Arbeitslosenzahlen. Die Leiharbeit ist nämlich um plus 245.000 angestiegen, was 94 % des Rückgangs von minus 259.811 bei den Arbeitslosenzahlen entspricht. Quelle: bza.de. Bei dem Lohnniveau der Leiharbeiter (vgl. Studie des BGB) kann der von den Kommunen erwartete Anstieg der Einkommensteuer nur sehr klein ausfallen. Wir behaupten: Hier ist schon wieder der Wunsch der Vater des Gedanken.


Rohstoffe:

Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise steigen weiter. Eine Entspannung ist nicht in Sicht, so die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Eher ist das Gegenteil der Fall. So ganz allmählich schlagen die Preise auf die Verbraucher durch, Industrie und Handel beginnen ihre gestiegenen Rohstoffkosten klammheimlich an die Endverbraucher weiter zu geben. So haben die Discounter seit Oktober 2010 für viele Grundnahrungsmittel die Preise erhöht. Im Einzelfall ging das bis zu einem Aufschlag von 50 %. Das Branchenblatt „Lebensmittel Zeitung“ berichtete, dass Aldi Nord von November bis Januar zwar bei 17 Produkten die Preise gesenkt, gleichzeitig aber bei 77 anderen die Preise erhöht hat. Bei Aldi Süd ging es 95-mal rauf und 25-mal runter. Nicht anders bei Lidl oder Netto. Der Preiskrieg bei den Discountern scheint vorbei. Quelle: NEUE ZÜRICHER ZEITUNG, 11.02.2011.

Das Gefährdungspotential durch die Rohstoffmärkte ist groß. Spekulanten treiben mit ihrer grenzenlosen Liquidität die Preise vor sich her. Die Deutsche Bank spricht schon mit Blick auf die Schwellenländer und vor allem auf China von einer selbstzerstörerischen Kraft der hohen Rohstoffpreise. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 07.02.2011. Steigende Lebensmittelpreise waren schon ein maßgeblicher Grund für den Ausbruch der Volksaufstände in Tunesien und Ägypten. Mittlerweile gibt es erste Anzeichen für Panikkäufe durch Staatsregierungen, die sich große Sorgen über die politischen Auswirkungen der steigenden Preise machen. Ökonomen warnen längst davor, dass die heutige Entwicklung durchaus das Zeug dazu habe, weitere Regierungen zu stürzen.


Krisenvorsorge:

An dieser Stelle noch einmal: Die Nibelungentreue der Deutschen zur Lebensversicherung ist sprichwörtlich, aber falsch. Übrigens genauso wie der Glaube an die Unfehlbarkeit der Politiker. Mehr als 90 Millionen Verträge werden exekutiert, wenn die nächste Blase platzt. Klingt hart, ist aber so. Deshalb ist es dringend geboten, die persönlichen Vermögensverhältnisse zügig an die sich nachhaltig abzeichnende Entwicklung anzupassen. Dafür ist unbedingt eine völlige Änderung der Einstellung zu den bisher bevorzugten Anlageformen nötig. Fehlt der Mut dazu dann bieten wir unsere Hilfe an. Email genügt.

Wenn der Staat Pleite macht, geht natürlich nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.“ Carl Fürstenberg, deutscher Bankier. 
 

Buchempfehlung: 

An dieser Stelle empfehlen wir erstmalig ein Buch. Zu beziehen über jeden gut sortierten Buchladen, nicht über uns. Nachbeben von Robert Reich, Campus Verlag, beschreibt sehr anschaulich an Hand der Probleme Amerikas die Probleme der ganzen Welt. Nicht alles ist aus unserer Sicht richtig, aber vernachlässigbar. Die große Linie stimmt.