Mittwoch, 4. Mai 2011

Standpunkt, Ausgabe 19: Silber, Finanzkollaps, USA, China, Europa, Deutschland, Krisenvorsorge


Nachlese:

Die Aussage „Mega-Krise jetzt in Sichtweite!“ hat ein sehr geteiltes Echo ausgelöst. Von Zustimmung bis zur totalen Ablehnung war alles dabei. Wir haben diese Reaktion erwartet und legen heute nach:

Schon in der Ausgabe 05, vom 08.02.2011, haben wir davon berichtet, dass die Finanzkonzerne ihre Milliardenrisiken mit Hilfe von eigens gegründeten Schattenbanken verstecken, bzw. ihre hoch riskanten Geschäfte über diese Banken weiter abwickeln, sogar noch ausbauen. Jetzt hat das MANAGER MAGAZIN am 27.04.2011 unter dem Titel „Geldhäuser verschieben erneut Milliardenrisiken“ dieses Thema aufgegriffen und in einem eigenen Artikel behandelt. Lesenswert. Mittlerweile übersteigen die Verbindlichkeiten dieser Schattenbanken in den USA, laut einer aktuellen Studie der New Yorker Notenbank, die der Geschäftsbanken um 3 Milliarden US-Dollar, nach zuletzt 2,3 Billionen. Dieses Schattenbankensystem wird noch immer nicht kontrolliert oder auch nur ansatzweise überwacht. Obwohl dieses System bereits maßgeblich an der Finanzkrise 2008 ursächlich beteiligt war.

Schon früher haben wir Zahlen veröffentlicht, die den ausweglosen Zustand des Welt-Finanzsystems klar und deutlich bestätigt haben. Heute fügen wir diesen Zahlen neue hinzu: Die gesamten US-Staatsschulden belaufen sich auf rund 54 Billionen US-Dollar. Dagegen stehen ein US-Immobilienvermögen von rund 17 Billionen US-Dollar, Weltwährungsreserven von rund 9 Billionen US-Dollar, weltweite Zentralbank-Goldreserven von geschätzten 1,3 Billionen US-Dollar, oder eine US-Wirtschaftsleistung 2009 von rund 14 Billionen US-Dollar (Quellen: Bloomberg, BIZ). Dazu kommen noch 1.000 Billionen US-Dollar weltweit ausstehender Derivate (eigene Quellen und Hera Research Newsletter, HRN). Gerne geben wir an dieser Stelle die Zahl der BIZ bekannt, die „nur“ rund 700 Billionen US-Dollar an ausstehenden Derivaten beziffert. Diese Differenz, so gewaltig sie auch ist, macht letztendlich keinen Unterschied, auch die 700 Billionen sind nicht zu bewältigen. Genauso wenig aber auch die US-Staatsschulden, die sich Jahr für Jahr mit einem atemberaubenden Tempo erhöhen.

Eine kleine gute Nachricht haben wir heute auch: In unserer Ausgabe 9, vom 01.02.2011, haben wir uns ein bisschen getäuscht. Wir berichteten dort über den Untersuchungsbericht einer Kommission, die in den USA zur Untersuchung der Finanzkrise eingesetzt war. Wir waren uns sicher, dass dieser Bericht keinerlei Konsequenzen für die betroffenen Banken und Verantwortlichen haben wird. Diese Einschätzung müssen wir heute korrigieren. Nach Goldman Sachs hat die US-Regierung nun auch die Deutsche Bank wegen ihrer Verwicklung in die US-Hypothekenkrise verklagt. Der Bank von Jo Ackermann drohen Forderungen von mehr als 1 Milliarde US-Dollar. Obwohl die Bank sich keiner Schuld bewußt ist und sich mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Klage zur Wehr setzen wird, rechnen wir mit einem Vergleich. Spätestens dann, wenn in dem Verfahren die ersten kompromitierenden Einzelheiten bekannt werden, wird die Deutsche Bank einknicken und ein entsprechendes gut dotiertes Angebot unterbreiten. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 03.05.2011.

Die Euro-Krise ist fester Bestandteil der am Horizont aufziehenden Mega-Krise. Deshalb werden Griechenland, Irland, Portugal oder Spanien nicht die einzigen Staaten bleiben, die kaputt spekuliert werden. Die fehlende politische Union und die Unfähigkeit der wichtigsten europäischen Politiker, diesen Zustand so schnell wie möglich zu beenden, machen es den Spekulanten kinderleicht, die Euro-Zone nachhaltig zu schwächen. Es ist Fakt, dass die Länder mit starken Dollar-Interessen (USA, China, Japan, Großbritannien, teilweise Rußland) eine Schwächung des Dollars nur in Verbindung mit einer gleichzeitigen Schwächung des Euro zulassen werden. Es gibt eindeutige Bestrebungen, den Euro mindestens so lange zu destabilisieren, bis ein neues Weltwährungssystem installiert ist, ohne dass der Euro sich zwischendurch zu einer parallelen Weltwährung etablieren kann.

Fukushima zeigt weiter Wirkung. Das AKW ist längst nicht unter Kontrolle. Die japanische Regierung setzt lediglich darauf, sich Zeit zu verschaffen. Die wirtschaftlichen Folgen werden mittlerweile selbst zu einer Katastrophe: Tausende von Stellen werden gestrichen (z. B. bei Panasonic), der Neuwagenverkauf bricht um über 50 % ein, die Industrieproduktion geht dramatisch zurück, die Ratingagentur Standard & Poor’s stuft Japan’s Bonität von stabil auf negativ herunter. Alles Dinge, die wir schon frühzeitig so vorgezeichnet haben. Da ist es nur noch eine Fußnote, wenn jetzt bekannt wird, dass bei einem weiteren Kernkraftwerk, Tsuruga in der Präfektur Fukui, Radioaktivität austritt (Financial Times Deutschland, 02.05.2011).


Grundsätzliches:

Die Quellenangaben sind gestrafft. Wir haben eigene Quellen, die wir aus verschiedenen Gründen nicht nennen wollen. Dafür bitten wir um Verständnis. Diese Quellen sichern uns einen entscheidenden Wissensvorsprung, den wir auch in der vorliegenden Ausgabe wieder nutzen.

Wir stellen nur echte, belastbare Informationen bereit, die wir allgemein verständlich kommentieren.

Ausdrücklich weisen wir darauf hin, dass die folgenden Äußerungen unsere persönliche Bewertung wiedergeben, die wir mit großer Sorgfalt erarbeitet haben.

Wer sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik und deren Folgen auf die persönlichen Lebensumstände beschäftigt, bzw. beschäftigen kann, sollte sich für die folgenden Seiten unbedingt Zeit nehmen. Der Nutzen ist enorm und wächst mit jeder weiteren Ausgabe, die wir regelmäßig, kostenlos und ohne jede Verpflichtung, bereitstellen.

Denken Sie aber bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse erfordern Hintergrundwissen und machen Denkanstöße zwingend notwendig.

Nutzen Sie unsere Erfahrung für Ihre Entscheidungen. Vertrauen Sie nicht länger den Politikern, Ökonomen, Wirtschaftsjournalisten oder gar Bankern. Nur Letztere wissen was sie tun, nie haben sie dabei jedoch das Interesse ihrer Kunden im Blick, ausschliesslich ihre eigenen.

Nehmen Sie endlich die Scheuklappen herunter, Sie werden sofort eine bessere Sicht auf das Wesentliche haben. Ignorieren Sie nicht länger die Fakten und handeln Sie, die Zeit drängt!

Für Rückfragen, Anregungen, Kommentare, persönliche Beratungen, unsere Email-Adresse: benner-kemmer@web.de.


Die Verfasser


Top-Thema I: Quo vadis Silber?

Unruhe macht sich breit. Nachdem der Silberpreis im April bis auf 50 $ gestiegen ist, zeigt die Entwicklung in den ersten Mai-Tagen steil nach unten. Die Kommentare sind natürlich wieder völlig gegensätzlich. Wir machen es uns da einfach und sehen diesen Preissturz positv. Nur so bietet sich noch einmal die äußerst günstige Gelegenheit, das Silber-Investment weiter zu niedrigen Preisen auszubauen, bzw. endlich einen Silber-Vorrat anzulegen. An dem mittel- und langfristigen Potential dieses Investments ändert sich nämlich nichts.

Für uns ist Silber Krisenvorsorge, Vermögenssicherung, usw. Wer nicht begreift, dass dieses Investment in den kommenden Jahren seinen Besitzern den „Hintern rettet“, der sollte – nein muß – weiter auf Staatsanleihen setzen und wird am Ende mit leeren Händen dastehen.

Es ist logisch, dass es starke Interessen daran gibt, den Silberpreis so lange wie möglich so niedrig wie möglich zu halten. Dazu wird der Preis manipuliert. Wir haben auch darüber bereits berichtet. Wer täglich den Kurs beobachtet ramponiert sich – völlig zu Unrecht – die Nerven. Es genügt, das langfristige Ziel im Auge zu behalten. Übrigens, für 2011 haben wir in unserer Jahresvorausschau einen Kurs von 40 $ avisiert, den wir kürzlich auf 50 $ angehoben haben. Daran ändert sich nichts. Jede Übertreibung in die eine oder andere Richtung führt zu einer Gegenbewegung. Der Aufwärtstrend bleibt intakt.


Top-Thema II: Usama Bin Laden tot oder lebendig

Wir wissen es nicht, wollen uns an dieser Diskussion auch nicht beteiligen. Verstehen jedoch auch die Verschwörungstheoretiker. Die Nachrichtenlage ist verworren, die US-Regierung lässt mit ihren Veröffentlichungen viel Raum für phantasievolle Deutungen. Für die Bewertung dieses Ereignisses ist es aus unserer Sicht auch völlig unerheblich, ob Bin Laden schon lange tot ist, oder erst jetzt gezielt getötet wurde.

Nicht erst die Ereignisse um die Tötung von Usama Bin Laden erinnern uns immer mehr an den Film „The Truman Show“.

Fakt ist auf jeden Fall, dass US-Regierung und Präsident diese Trumpfkarte zu einem wichtigen Zeitpunkt gezogen haben: Mitte Mai muss der Kongress über die Erhöhung der Schuldengrenze beschliessen und der Präsidentschaftswahlkampf 2012 hat bereits begonnen. Für die Erhöhung der Schuldengrenze ist die Zustimmung der Republikaner nötig, für die Wiederwahl als Präsident die Zustimmung der Wähler. In den vergangenen Monaten sind die Umfragewerte von Barack Obama beständig nach unten gegangen. Es wurde Zeit, hier gegenzusteuern. Prompt ist die Zustimmung für den Präsident auf satte 56 % angestiegen (Quelle: Washington Post).

Erfahrungsgemäss reicht so ein Ereignis für wenigstens 6 Wochen positive Stimmung. Genug, um dem Kongress eine Zustimmung abzuringen und andere unpopuläre Entscheidungen zu treffen. 
 
Irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen wird es nicht beenden. Weder in Afghanistan noch sonstwo auf der Welt. Wir rechnen eher mit dem Gegenteil. Hoffen aber auf eine regionale Begrenzung und weit weg von Europa. Zugegeben, hier ist der Wunsch der Vater des Gedanken.


Finanzkrise = Finanzkollaps!

Es wird Zeit, der nächsten Finanzkrise einen neuen Namen zu geben. Ab sofort nennen wir die kommende Entwicklungsstufe einen Finanzkollaps. Krise ist etwas, was irgendwann vorbei geht, dieser Zeitpunkt wurde schon 2009 verpaßt.

Die Signale sind unmissverständlich. USA und Europa liefern sich einen Währungskrieg, USA und China einen Handelskrieg, die Schwellenländer – mal mit, mal ohne China – versuchen aus dieser Gemengelage ihren Nutzen zu ziehen. China sucht außerdem alleine seine Vorteile zu ziehen und sichert sich weltweit die Rechte an Land und Rohstoffen.

Die Finanz- und Industriekonzerne suchen in dieser Zeit ihre Vorteile und maximieren ihre Gewinne. Letztlich werden es aber nur noch die Finanzkonzerne sein, die aus dieser Entwicklung Nutzen und Gewinne ziehen. Um deren Verluste kümmern sich in den nächsten 30 Jahren ja die Politiker und Steuerzahler der Welt, in der bereits heute schon über 60 Staaten pleite sind.

Noch liegt der Fokus auf den Problemen in Europa. Lange gelingt das nicht mehr und die Aufmerksamkeit richtet sich auf die USA, dann auf China. Alles nur eine Frage der Zeit. Eine Frage der Zeit ist es auch nur noch, bis das gesamte Währungssystem, mit dem US-Dollar als Leitwährung, zusammenbricht. Wir zitieren hier Kenneth Rogoff, angesehener Professor an der Harvard-Universität: „Wir werden noch in diesem Jahr eine Zusammenballung von kollabierenden Währungen und Abwertungskriegen erleben.“ Vielleicht dauert es einige Monate länger. Sicher ist jedenfalls, dass diese Dinge längst ablaufen, wie ein Uhrwerk.

Diese unumkehrbare Entwicklung ist der Grund dafür, dass Gold, und das von uns bevorzugte Silber, in nächster Zeit ganz neue Bewertungen erreichen werden. Niemand denkt dann noch an die momentanen Einbrüche. Ein Kurs von 50 $ für die Unze Silber erscheint dann nur noch albern.

Die aktienindex-gestützten guten Wirtschaftsnachrichten sind wertlos. Das hat eher etwas vom Untergang der Titanic: Die Musik spielt, bis das Wasser in den Saal läuft. 8.000 Punkte hier oder 12.000 Punkte da sind Übertreibungen, kein Beweis für Kraft und Herrlichkeit.


USA

Mit den Problemen der Amerikaner und deren Folgen haben wir uns immer wieder beschäftigt. Die Zahlen in der letzten Ausgabe wollen wir heute ergänzen und an verschiedenen Stellen kommentieren.

Das Grundproblem bleibt, es gibt zu wenig gut bezahlte Arbeitsplätze. Im Gegenteil, es werden immer weniger. Dadurch erodiert auch das Steueraufkommen der Kommunen, Bundesstaaten und der US-Regierung. Ein Beispiel: McDonald’s wollte an einem einzigen Tag 50.000 neue Beschäftigte einstellen. Beworben auf diese Stellen haben sich über 1.000.000 Menschen, eingestellt wurden dann 62.000 Menschen. Es handelt sich um Billig-Arbeitsplätze, auf die sich 1 Mio. Amerikaner beworben haben. Das ist ein Albtraum. Aktuell sind 41 % aller Arbeitsplätze in den USA im Niedriglohnsektor angesiedelt. Mehr als 20 % aller Kinder leben in den USA unterhalb der Armutsgrenze. Zum Vergleich: In Großbritannien und Frankreich liegt diese Zahl unter 10 %. Schon 59 % aller Amerikaner erhalten irgendeine Unterstützung von der Regierung. Diese Tatsache führt dazu, dass alle US-Privathaushalte jetzt mehr Geld vom Staat erhalten, als sie an Steuern an den Staat abführen. Wie soll Amerika unter diesen Umständen jemals seine Schulden zurückzahlen können?

Ein kleiner Nachtrag zur Aussagekraft der offiziellen Inflationsrate: Nach einer Analyse der New York Post lag die Inflationsrate in New York City 2010 bei 14 %. Dieses Ergebnis stützt unsere Annahme von landesweit 10 % Inflationsrate, statt der von der US-Regierung verkündeten 2,1 %.

Für die Regierung wird es zu einem Problem, dass sich die Haltung der Amerikaner zu Schulden und Leben auf Pump verändert, wenn auch nur in ganz kleinen Schritten. Es findet ein Mentalitätswandel statt. Soziale und politische Krisen sind vorprogrammiert und treffen beide politische Lager. Demokraten und Republikaner blockieren sich gegenseitig und verschärfen so die Probleme. Amerika verliert sehr wahrscheinlich seine wirtschaftliche Vormachtstellung.

Leider wird Amerika – noch ein letztes Mal – gebraucht, damit aus dem Finanzkollaps nicht auch noch ein Finanzinfarkt wird. Asien, Europa oder Südamerika reichen dazu nicht aus. Die haben alle längst ihre eigenen Problemchen und Probleme.

Amerika muß schnellstens seine Industrieproduktion wieder ausbauen. Ein Anteil von 11 % aktuell am US-BIP, sogar mit weiter fallender Tendenz, sind definitiv zu wenig.

Die Sparpolitik wird die Rezession weiter verschärfen, Europa ist dafür längst ein Beispiel. Es fehlt schlicht an Einsicht, hüben wie drüben.


China und die Schwellenländer

Das Reich der Mitte versucht die Flucht nach vorne. Raus aus US-Staatsanleihen, rein in Unternehmensbeteiligungen und Rohstoffe. Dazu wird der chinesische Staatsfonds mit mehr Geld ausgestattet. Ziel ist es, die Abhängigkeit von der US-amerikanischen Geldpolitik zu reduzieren.

Die Probleme im Land selbst sind mittlerweile gewaltig. Steigende Inflation und Lohnkosten verteuern die Exporte. Die Unternehmen verlagern ihre Produktion ins Landesinnere oder reduzieren die Zahl der Beschäftigten (Foxconn). Die Schweizer Großbank Credit Suisse spricht bereits von einem „historischen Wendepunkt“ für die chinesische Wirtschaft. Die Folgen steigender Kosten in China sind global spürbar. China’s Wettbewerbsfähigkeit bröckelt. 
 
Gefährlich entwickelt sich der chinesische Immobilienmarkt, ebenfalls mit weit reichenden Folgen für die Wirtschaft. Hunderttausende Wohnungen – fast alle leer aber verkauft – prägen die Szenerie in vielen Provinzstädten. Kreis-, Stadt- und Gemeindeverwaltungen nehmen seit einiger Zeit in großem Stil Kredite auf, um damit Häuser und Wohnungen zu bauen. Die Weltbank jedenfalls warnt in ihrem neusten Report vor dem Platzen der Immobilienblase. Es braut sich ein gewaltiges Gewitter zusammen.Die Folgen sind leicht vorstellbar, 60 % des BIP hängen an der Bauwirtschaft. Letztlich müssen riesige Mengen fauler Kredite verstaatlicht werden, was die Währungsreserven schmelzen lässt und das Wirtschaftswachstum stoppen wird.

Die Inflation der Nahrungsmittelpreise drängt in Asien Millionen Menschen in die Armut. Indien stemmt sich gegen diese Entwicklung, trotzdem steigen die Preise weiter an.

Die Inflation der Rohstoffpreise zeigt ebenfalls Wirkung. Die Produktion wird teurer, die Preise für die Endprodukte ziehen an. Das Wirtschaftswachstum lahmt und wird ins Minus drehen.

Jedenfalls kommen aus diesen Ländern keine Impulse zur Rettung der Welt.

Quellen: Tages-Anzeiger/CH, Financial Times Deutschland, Wirtschaftswoche, Wirtschaftsblatt/A.


Europa

Die neuen Eurostat-Schätzungen über die Entwicklung der Staatsdefizite in 2010 liegen vor. Sie bestätigen unsere These, die PIGS-Staaten sparen sich kaputt, außerdem Großbritannien, trotzdem steigen die Defizite weiter an. Aber der Reihe nach: Portugal erzielt ein Defizit von 9,1 %, Irland erreicht 32,4 %, Griechenland 10,5 %, Spanien 9,2 %, das Nicht-Euro-Land Großbritannien erreicht 10,4 %. Der EU-Durchschnitt beträgt 6,4 %. Maastricht erlaubt 3 %.

Die Gesamtverschuldung 2010 ist auch keine Augenweide. In der Eurozone durchschnittlich 85,1 %. Portugal 93 %, Irland 96,2 %, Italien 119,0 %, Griechenland 142,8 %, Spanien 60,1 %. Deutschland bringt es immerhin auf 83,2 %. Großbritannien liegt bei 80,0 %. Maastricht erlaubt 60 %.

Alles verursacht durch die staatlichen Bankenrettungen.

Die Lage in Griechenland und Irland ist ausweglos. Die Wirtschaft dieser Länder versinkt durch die Sparprogramme der EU und des IWF immer tiefer in der Rezession, das fehlende Wirtschaftswachstum erhöht zwangsläufig das Haushaltsdefizit. Ein Teufelskreis, dem als nächstes Portugal zum Opfer fallen wird.

Trotz aller Gesundbetungen: Unaufhaltsam schlittert Spanien weiter in die Krise und in Richtung EU-Rettungsschirm. Die Folgen sind bekannt, die Euro-Krise spitzt sich weiter zu. Dramatisch in Spanien sind die Arbeitslosenzahlen. 2 Mio mehr Arbeitslose (Arbeitslosenquote 21,3 %) als in Deutschland bei halber Bevölkerung. 1,4 Millionen Familien, in denen alle Angehörigen arbeitslos sind. Dadurch steigt die Kreditausfallquote dramatisch an. Gefährlich nicht nur für die span. Sparkassen, sondern auch für die Geschäftsbanken. Es ist glasklar wohin die Sache läuft. Fällt Spanien, fallen auch sehr schnell Italien und Belgien.
Inflation in Europa kein Thema? Die Banken sind offensichtlich anderer Meinung und stellen sich auf eine weitere Leitzinserhöhung ein. Eurostat, das europäische Statistikamt, schätzt die Teuerungsrate für April schon einmal auf 2,8 %.

Längst sind die Banken dabei, ihren Wertpapier-Giftmüll bei der EZB gegen Liquidität einzutauschen. Egal ob Staatsanleihen aus Griechenland, Irland oder Portugal, die EZB nimmt alles. Und noch viel mehr: Auch die für die Finanzkrise 2008 verantwortlichen Asset Backed Securities (ABS), also forderungsbesicherte Wertpapiere, dürfen bei der EZB gegen Cash hinterlegt werden. So werden Risiken versteckt.


Deutschland

Nachtrag zur letzten Ausgabe: Unser Land erlebt einen wahren Konsumboom, wenigstens glauben das die Beamten des Bundeswirtschaftsministeriums, allen voran Minister Brüderle, nachzulesen in der jüngsten Pressemitteilung.

Die Wahrheit liefert das Statistische Bundesamt (Destatis) mit seinen aktuellen Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen. Diese Zahlen belegen eine deutliche Diskrepanz zu dem Konsumklimaindex der GfK: Der Index steigt, die realen Einzelhandelsumsätze sinken.

Was macht die deutsche Inflation? Sie entwickelt sich weiter. Die deutschen Einfuhrpreise stiegen im März im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 %, die Preise für Energieimporte um satte 36,4 %. Noch federt der relativ starke Euro einiges ab.


Rohstoffe

Gold und Silber, die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise, haben wir schon an anderer Stelle kommentiert. Fehlt noch der wichtigste Rohstoff, Öl. Hier sieht es nach einer kleineren Seitwärtsbewegung aus, ein nennenswerter Preisrückgang würde uns überraschen. Wir erwarten hier mittelfristig einen Anstieg auf das frühere Allzeithoch, jenseits von 150 US-Dollar.


Krisenvorsorge

Die Enteignung der Sparer, Pensionäre und Rentner hat begonnen. Eine Auswirkung der weltweiten Verschuldung, die noch weiter zunimmt. Wer seine Anlagestrategie nicht darauf abstimmt, erlebt eine böse Überraschung.

Die Staaten müssen sich entschulden. Dafür ist Inflation ein geeignetes Instrument, allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz. Inflation macht die Staatsschulden erträglich. Dagegen verlieren die Anleger.

Festgeld und Sparbuch schaffen keinen Vermögenserhalt. BfA, Versorgungswerke und die Lebensversicherer investieren die ihnen anvertrauten Gelder vorzugsweise in Papiere, die entweder von Staatsbankrott oder von Inflation bedroht sind. Keine wirklich guten Aussichten.

Wer Immobilien hält, muß alternatives Vermögen bilden.

Vorsorge ist gefordert. Dazu müssen aber alle lieb gewonnenen Anlage-Gewohnheiten rigoros geändert werden. Sonst klappt es nicht. Einzelheiten dazu in unserer Oster-Ausgabe oder in einem persönlichen Gespräch. Kontaktaufnahme über benner-kemmer@web.de.

Wir schliessen heute mit einem sehr treffenden chinesischen Sprichwort:

Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen“