Montag, 29. November 2010

Wochenrückblick, Ausgabe 1, Kalenderwoche 48/2010

Der vorliegende Wochenrückblick wird von uns ab sofort regelmäßig herausgegeben.

In diesem Rückblick kommentieren wir die wichtigsten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik der voran gegangenen Woche.

Natürlich erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Auswahl der Nachrichten wird von uns getroffen. Für Anregungen sind wir jedoch immer offen.

Die Kommentare sollen kurz und prägnant sein und immer auf den Punkt kommen (zugegeben, daran arbeiten wir noch). Unsere Aussagen werden wir meistens durch Quellen, mindestens aber durch Indizien belegen können. Soweit erforderlich, werden wir einen entsprechenden Hinweis geben.

Wir freuen uns über reges Interesse und konstruktive Beiträge.


Finanzkrise:

Hier gibt es – leider – schlechte Nachrichten. Die FED kündigt bereits jetzt offen weitere Maßnahmen an, über die 600 Mrd. USD hinaus, in 2011 weitere Liquidität für den Kauf us-amerik. Staatsanleihen bereit zu stellen. Die FED ist bereits heuer, vor China und Japan, der größte Halter von US-Staatsanleihen. Der Erfolg = Null. Diese Liquidität wird nur dazu benutzt, gegen den Euro zu spekulieren, die Rohstoffpreise in die Höhe zu treiben, oder sich sonst wie Vorteile zu verschaffen, mit dem Ziel immer weiter die Gewinne zu maximieren. Es kann nur immer wieder betont werden, dass die FED der Zusammenschluss privater Banken ist und keine Bank, die sich mit den Zentralbanken/Notenbanken der restlichen Welt vergleichen lässt.

Das von der FED für diese Dollarschwemme vorgeschobene Ziel, die US-Wirtschaft anzuschieben, ist nur eine List. Die großen US-Unternehmen sitzen längst auf prall gefüllten Geldsäckel. Kein Cent davon dient dazu, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Im Gegenteil, immer noch werden Jobs abgebaut. Näheres dazu später.

Die Banken bilanzieren den in den letzten Jahren aufgebauten Wertpapiermüll weiter als voll werthaltig. Dazu wurden sogar extra die Bilanzrichtlinien weltweit aufgehoben, bzw. angepasst. So wird Zeit gewonnen, mehr nicht. Es wird auch gar nicht möglich sein, die Verluste aus einer zukünftigen Wertberichtigung dieser Papiere zu sozialisieren. Alle bisherigen Rettungsmaßnahmen für die Banken waren, gemessen an dem in den Bankbilanzen noch schlummernden Volumen, nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Trotzdem sind schon mindestens 60 Staaten auf der Welt bankrott und viele werden noch folgen, ehe die Krise ihren Höhepunkt erreicht. Viele stehen längst am Abgrund, dabei sind klangvolle Namen. Die PIIGS-Staaten sind - natürlich - nur die Spitze des Eisberges. Die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden.

Die Bundesrepublik Deutschland ist ebenfalls Teil dieser Entwicklung. Aber nicht, wie uns immer wieder gerne eingeredet wird, weil wir den Euro retten müssen, indem wir gezwungen werden für die Schulden der schwachen EWU-Länder ein zu stehen. Sorry, das ist schlichter Nonsens. Neueste Zahlen belegen: 78 % der deutschen Exporte gehen in die EU, der größte Teil davon in die Euro-Länder. So werden Leistungsbilanzüberschüsse generiert. Diese Exporte wurden/werden erheblich durch Kredite deutscher Banken finanziert. Jahrelang ein lohnendes Geschäft. Diese Milliarden-Kredite sind jetzt in höchster Gefahr, wo massiv gegen den Euro spekuliert wird und nacheinander Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, neuerdings Belgien, sturmreif geschossen werden. Lt. FAZ stehen in Griechenland 37 Mrd., in Irland schon 138 Mrd. und in Spanien 182 Mrd. im Feuer. Der europäische Rettungsschirm ist nichts anderes als eine weitere Stufe der Bankenrettung, wie der IWF auch ehrlicherweise in der vergangenen Woche erklärt hat („Euro-Rettungschirm auch für Banken“).

Sparen hilft diesen Ländern nichts, die Probleme werden nur noch größer. Beispiele in Europa sind Lettland und Griechenland. Lettland, kein Euro-Land, wird aber mit Geld der EU und des IWF am Leben erhalten. Die dort von EU und IWF erzwungenen Sparmaßnahmen führen längst zu einer massiven Verarmung der Bevölkerung, Steuerausfällen, Rückgang der Produktion, Erosion des Gesundheitswesens, usw. Griechenland nimmt den gleichen Weg. Nur wehrt sich hier die Bevölkerung mehr oder weniger heftig. Hier, wie auch in nächster Zukunft in Irland, Portugal, Spanien, nimmt die Wirtschaftsleistung ab und die Staatsverschuldung dadurch weiter zu.

Die EZB, die in der vergangenen Woche von mehreren Medien wieder einmal zum Hort der Stabilität, weil angeblich unabhängig von der Politik, erklärt wurde, tut längst das Gegenteil. Sie folgt vielmehr den Spuren der FED, kauft täglich für viele Milliarden Euro wertlose Papiere, um den EU-Banken unbegrenzte Liquidität zu sichern. Nur redet die EZB und ihr Präsident, Trichet, nicht öffentlich darüber.

Bitte, an dieser Stelle kein Loblied auf die Deutsche Bundesbank! Sie hat das nicht mehr verdient. Erinnern wir hier nur an deren unselige Rolle bei der Rettung der HRE. Es ist ein Mythos aus längst vergangener Zeit, dass die Bundesbank politisch unabhängig ist und auch so agiert. Längst haben dort Goldman Sachs und private Banken massiv an Einfluss gewonnen.

Die Krise geht auch in dieser Woche weiter. Die Politiker werden uns weiter unglaubliche Dinge erzählen und die Banken, Investmentgesellschaften, Versicherungen und die Konzerne werden weiter miteinander um Gewinne zocken.


USA:

Die Nachrichten über die einstige Wirtschaftsweltmacht sind auch wieder nur schöngefärbt gewesen. Trotz gegenteiliger Berichte gibt es keinen Wirtschaftsaufschwung, keine Jobs, keinen privaten Konsum und auch keine Zuversicht bei den Menschen.

Was es statt dessen gibt sind steigende Arbeitslosenzahlen (offiziell jetzt 9,8 %, tatsächlich über 22 %), knapp 43 Mio. Empfänger von Food Stamps (Lebensmittelbezugsscheinen), Tendenz weiter steigend, bankrotte Bundesstaaten, die ihre Ausgaben mit immer neuen Krediten finanzieren müssen weil die Steuereinnahmen massiv eingebrochen sind.

Es ist ein Märchen, dass die amerikanische Autoindustrie die Wende geschafft habe. Der Börsengang von GM war eine abgekartete Sache, finanziert aus der Liquidität der FED. Nur eine riesige Show, die Zuversicht verbreiten sollte. Die Medien jedenfalls haben sich der Sache dankbar angenommen.

Statt dessen werden 2011 voraussichtlich 2,5 bis 3 Mio. Häuser zwangsversteigert. Die Folge? Neue Millionen Amerikaner ohne Altersversorgung, neue Arbeitslose, neue Almosenempfänger.

Die USA sind angezählt.


China:

Die Nachrichtenlage hier ist vergleichsweise günstig. Sieht man davon ab, dass die „Werkbank der Welt“ schon eine ganze Weile „auf Halde“ produziert, um die Statistiken entsprechenden zu beeinflussen. Niemand in der Welt kann schließlich den gesunkenen Export in die USA ausgleichen.

Trotzdem: China ist reich und lässt die Welt diesen Reichtum spüren. Nur zur Erinnerung, China ist nach der FED der größte Gläubiger der USA.

Mit geradezu gigantischen Dollarreserven ausgestattet, zieht China durch die Welt und kauft (sich) ein. Mittlerweile auch in Europa (Griechenland, Irland, Portugal).

Rohstoffe werden gesammelt. Langfristige Lieferverträge geschlossen. Die Chinesen haben aktuell Inflationsängste und kaufen Gold. Demnächst wahrscheinlich Silber.

Kurz: Hier wächst der neue Champion heran. Die nächsten Monate und Jahre werden diese Entwicklung forcieren. Besser hätte es für China nicht kommen können.


Europa:

Nachrichten die Gesundbeten. Mehr ist es nicht. In Wahrheit Zank und Streit. Ständig werden neue Bündnisse geschmiedet, die aber nur ein Ziel haben, nämlich die eigenen Pfründe so lange wie möglich zu sichern.

Mal ist es die Verdoppelung des Rettungsschirms auf 1,5 Bill. Euro, mal eine Euro-Anleihe, mal erklärt uns der deutsche Außenminister, „Portugal und Spanien werden die Krise ohne Hilfe meistern“, dann wieder fordern die deutschen „Star-Ökonomen“ ernsthaft einen Austritt aus der EWU und die Einführung einer D-Mark II, oder ein ehemaliger Unternehmer-Präsident die Aufteilung der Eurozone in Nord und Süd.

Wir reiben uns bei diesen Schlagzeilen nur erstaunt die Augen!

Diese Leute wollen uns einfach nur auf den Arm nehmen, oder?

Was wir erleben ist die massive Spekulation gegen den Euro, um den Dollar so lange wie möglich am Leben zu erhalten. Logisch gehen die Angriffe gegen die schwachen Länder der Euro-Zone. Es spielt keine Rolle dabei, wer in den letzten Jahren wie gewirtschaftet hat, ob sich Griechenland den Zugang in die EWU erschlichen hat (hat es übrigens nicht!), dass die irischen Banken hochriskante Geschäfte eingegangen sind und vom irischen Staat gerettet wurden. Alles nur Argumente, um die Angriffe zu rechtfertigen, bzw. zu kaschieren. Es ist Spekulation, Casino, Zockerei usw., usw. Wer sind die Angreifer? Banken, Investmentgesellschaften, Hedgefonds, Versicherungen. Genau die Unternehmen, die von den Staaten – auch den angegriffenen - gerettet wurden.

Europas Politiker zeigen sich machtlos und die Star-Ökonomen ideenlos. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir die Folgen dieser Macht- und Ideenlosigkeit schmerzlich erleben. Eines steht aber fest: Die Geschichten werden nicht besser, die uns die Politiker und Ökonomen erzählen. Sie dienen nämlich nur einem Zweck: zu beruhigen.


Deutschland:

Es gab keine Nachrichten, die zu kommentieren wären. Die gab es schon Mitte November: „Die Wirtschaft läuft auf Hochtouren“, Deutschland „Auf dem Weg zur Vollbeschäftigung“, „Das Jobwunder Deutschland“, „Experten rechnen mit weniger als zwei Millionen Arbeitslosen“, Finanzkrise für Deutschland beendet“, titelten die Medien landauf, landab.

Keine dieser Aussagen stimmt. Für diese tollen Nachrichten werden Statistiken manipuliert, Umfragen interpretiert und Experten bezahlt. Nur ein Beispiel, die Arbeitslosenstatistik: Wir haben in Deutschland aktuell rund 9,5 Mio. arbeitslose Menschen, würde heute noch wie in den 1970er Jahren gezählt. Die Konjunkturprognosen sind ähnlich aussagekräftig: Noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik war eine Konjunkturprognose zutreffend. Immer haben sie sich als politisch motivierte Gefälligkeitsgutachten heraus gestellt.

Deutschland ist Teil der weltweiten Finanzkrise und kann sich der weiteren Entwicklung nicht entziehen. Nicht weil die Bundesrepublik sich immer gerne als Zahlmeister Europas versteht, sondern weil auch hier eine Bankenrettung begonnen wurde, die letztendlich das Land überfordert. Es stehen 7 Billionen Euro Staatsschulden zu Buche, nicht „nur“ 1,8 Billionen.

Deshalb unser Rat: Finger weg von Bundesschätzchen, am Ende der Krise rechnen wir hier mit exorbitanten Verlusten. Gleiches gilt aber auch für Lebensversicherungen, Bausparverträge, Sparguthaben, etc.


Mikrokredite:

Dieses Thema verdient einen eigenen Abschnitt. Es gibt dazu ganz üble Nachrichten aus Indien. Die FTD titelte „Kreditblase im Slum“.

In den 1990er Jahren wurde die Idee entwickelt und ihr Urheber, Muhammad Yunus, erhielt 2006 dafür den Friedensnobelpreis.

Heute, nachdem sich daraus ein milliardenschwerer globaler Geschäftszweig der Banken-Konzerne entwickelt hatte, kollabiert dieser Bereich, vergleichbar der Subprime-Krise in den USA. Die Blase ist geplatzt. Verzweifelte Kreditnehmer begehen Selbstmord.

Wir können darauf warten, dass die betroffenen Banken auch diese Verluste sozialisieren werden. Wieder geht es um Milliarden.


Rohstoffe:

Gold und Silber sind das Thema dieser Tage. Geldentwertung, Inflationsängste, Vermögenssicherung sind die Triebfeder für Investitionen in Gold und Silber. Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Vorsichtsmaßnahmen sind berechtigt. Aber Achtung: Finger weg von Gold-Zertifikaten o. ä. Diese Zertifikate sind schon lange nicht mehr Gold-gedeckt und sind deshalb nur das Papier wert, auf dem sie stehen. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Kaufen sollte man Gold- und Silbermünzen.

Es werden bereits Vorhersagen für 2011 getroffen, die für Gold und Silber weitere starke Kurssteigerungen prognostizieren. Davon nicht verrückt machen lassen. Kein Mensch wird seine Gold- und Silbervorräte in einigen Monaten noch einmal in Euro oder Dollar tauschen. Davon sind wir felsenfest überzeugt.