Montag, 7. Februar 2011

Wochenrückblick, Ausgabe 11, Kalenderwoche 06/2011


Die Ereignisse in der vergangenen Woche wurden überschattet von den tief greifenden politischen Veränderungen in Ägypten und den herauf ziehenden Unruhen in weiteren arabischen Ländern, wie Algerien, Jemen, Saudi-Arabien und zuletzt Iran, um nur die wichtigsten zu nennen.

Diese Entwicklungen verstellten ein wenig den Blick auf die Schlagzeilen in den USA und Europa, die wir deshalb heute noch einmal herausarbeiten.

Am Ende dieses Wochenrückblicks bieten wir eine Neuerung: Wir beginnen in dieser Ausgabe mit einer Buchempfehlung.

Die Folgen der politischen Umwälzungen im Nahen Osten, erfordern es, vollständig zu berichten und durch eine fundierte Beschreibung der Faktenlage, die echten, belastbaren Informationen bereit zu stellen und diese zu kommentieren. Trotzdem arbeiten wir daran, uns so knapp wie möglich zu fassen. 
 
Wir haben wieder eine Auswahl der wichtigsten Nachrichten getroffen. Sollte Interesse an einem Thema bestehen, das wir nicht behandelt haben, so werden wir gerne auf Zuruf unsere Auswahl ergänzen oder auch ein Thema gesondert behandeln.

Die folgenden Äußerungen geben unsere persönliche Bewertung wieder, die wir mit großer Sorgfalt erarbeitet haben. Gerade deshalb legen wir großen Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen zu können oder durch belastbare Indizien zu untermauern. Die wichtigsten Quellenangaben haben wir im Text mit angegeben. Sollte darüber hinaus Bedarf bestehen, werden wir gerne die entsprechenden Nachweise zur Verfügung stellen. Email genügt.

Besonders den Leserinnen und Lesern, die sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik und deren Folgen auf die persönlichen Lebensumstände beschäftigen, bzw. beschäftigen können, empfehlen wir ausdrücklich, sich für die folgenden Seiten Zeit zu nehmen. Der Nutzen ist enorm und wächst mit jeder weiteren Ausgabe.

Denken Sie aber bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse der kommenden Monate erfordern Hintergrundwissen für Jeden.


Finanzkrise:

Trotz der vielen „politischen“ Nachrichten in der vergangenen Woche, möchten wir unser Augenmerk weiter auf dieses Schwerpunktthema richten.

Einige Nachrichten und Meinungen wurden publiziert, die es verdienen, kommentiert zu werden.

Beginnen möchten wir mit dem US-Großinvestor Warren Buffett, der auf HUFFINGTON POST am 11.02.2011 mit der Aussage zitiert wird: „Too Big To Fail Will Never Be Resolved“. Nach Buffett’s Auffassung wird das Problem des „too big to Fail“ (zu groß, um zu scheitern) nie gelöst werden, es sei schlicht systembedingt. Der Staat müsse einfach akzeptieren, dass er immer wieder als letzte Instanz eintreten muss, wenn das Finanzsystem wieder einmal kollabiert. In diesem Zusammenhang ist es nicht wichtig, dass Warren Buffett einer der fünf reichsten Menschen auf der Welt ist, sondern nur, dass er 2008 mit einer Milliardenspritze Goldman Sachs unter die Arm gegriffen hat, aus der ihm täglich 1,3 Millionen US-Dollar Gewinn zufließen. Goldman Sachs ist nach unserer Einschätzung einerseits „the biggest Player of the World“ und anderseits bis an die Haarspitzen voll mit Wertpapiermüll, der noch zunimmt, statt endlich bereinigt zu werden. Die Bilanzakrobatik ist so einmalig, dass die gleiche Anwendung in der Realwirtschaft, z. B. bei einer GmbH, für den betroffenen Geschäftsführer ein Strafverfahren mit anschliessender Verurteilung zur Folge hätte. In der weltweiten Finanzwirtschaft wurden einfach stillschweigend die Buchungsregeln großzügig an die Wirklichkeit angepasst. Wehmütig erinnern wir uns noch an die Zeit, in denen Buffett die Derivate als Massenvernichtungswaffen bezeichnete. Möglicherweise hat er seine Meinung gar nicht geändert, sondern nur begriffen „wie der Hase läuft“ und dass er mit dieser Entwicklung, die Schulden der Finanzkonzerne auch in Zukunft zu sozialisieren und die Gewinne an die Eigentümer auszuzahlen, bis zum endgültigen Knall noch viele, viele Millionen US-Dollar Gewinn machen kann. Warren Buffett wird jedenfalls, nach unserer Einschätzung, zu den Nutznießern der weiteren Entwicklung gehören.

Jetzt wurde es öffentlich: Ein interner Untersuchungsbericht wirft dem Internationalen Währungsfonds (IWF) massives Versagen bei der Einschätzung der weltweiten Finanzkrise vor. Quelle: HANDELSBLATT, 09.02.2011, „IWF räumt massives Versagen bei Finanzkrise ein“. Hoppla, was für eine Aussage. Der Chef des IWF, Strauss-Kahn, nannte die Unfähigkeit, vor der Krise zu warnen, einen „demütigenden Fakt“. Die Zeitung zitiert weiter, „die Risiken im Zusammenhang mit dem Immobilienboom und neuen Finanzinstrumenten wurden heruntergespielt“ und es sei den Verantwortlichen nicht gelungen, die Zusammenhänge zu erkennen. Kritische Meinungen zu den Vorgängen seien innerhalb des IWF unbeachtet geblieben. Würden diese Aussagen tatsächlich zutreffen, müsste der Laden sofort geschlossen werden. Vieles spricht jedoch dafür, dass den Verantwortlichen im IWF die Folgen des eigenen Handels sehr wohl bewusst waren. Schliesslich hat der IWF über Jahre hinweg tatkräftig mitgeholfen, in vielen Ländern überhaupt erst die gesetzlichen Grundlagen für die Geschäfte mit den neuen Finanzinstrumenten zu schaffen. Deutschland ist ein Bespiel dafür.

Wegen der schädlichen Rolle des IWF im Rahmen der Finanzkrise kann uns dessen die Idee, eine neue Reservewährung einzuführen, überhaupt nicht begeistern. Nach Ansicht des IWF führen Devisenspekulation und schwankende Wechselkurse zu gefährlichen Ungleichgewichten. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 10.02.2011, „IWF schlägt neue Reservewährung vor“. Dieser Vorschlag ist der Einstieg in eine Weltwährung zur Ablösung des US-Dollars als internationales Zahlungsmittel und die Schaffung einer Viel-Klassengesellschaft. Es gab übrigens schon einmal ein gut funktionierendes Weltwährungssystem mit festen Wechselkursen, usw. Es wurde 1944 als Abkommen von Bretton Woods geschlossen und später, 1971, von den USA aufgegeben. Seit dem entwickelte sich ein System grenzenloser Devisenspekulationen. Trotzdem kein Grund, jetzt nach einer einheitlichen Weltwährung zu rufen. Wer sich ausführlicher damit befassen möchte, den verweisen wir auf die Website des International Monetary Fund, imf.org.

In Europa ist es Frankreich, das eine Neuordnung des Weltwährungssystems anstrebt. Gedacht ist an ein „Bretton Woods II“. Quelle: SPIEGELONLINE, 12.02.2011.

Egal, welche Ideen hier noch in den nächsten Monaten kreiert werden, sie können nur funktionieren, wenn vorher die bestehenden Probleme gelöst sind, allen voran die riesige, weltweite Staatsverschuldung. Wir werden jedenfalls diese Pläne weiter genau beobachten.

Was wurde uns nicht schon in den vergangenen Monaten über die vielschichtigen Entwicklungsmöglichkeiten der Schwellenländer erzählt. Oder auch, dass sie es sind, die von der Schwäche der Industrienationen profitieren. Wir haben es nicht geglaubt und werden, wieder einmal, bestätigt. Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND titelte am 07.02.2011 „Investoren fliehen aus Boomregionen“. Dort wird berichtet, dass Investoren mehr als 7 Mrd. US-Dollar aus Aktien in Schwellenländern abgezogen haben. Es sei der größte Mittelabfluss seit drei Jahren gewesen. Die Unruhen im Nahen Osten werden dafür verantwortlich gemacht. Wahrscheinlicher ist die Angst vor der China-Blase. Außer China besteht die Gefahr einer konjunkturellen Überhitzung auch für Indien, Brasilien und andere große Schwellenländer. Diese Entwicklung setzt die betroffenen Länder stark unter Druck, nicht zuletzt durch eine steigende Inflation, die wiederum die Nahrungspreise weiter nach oben drückt.

Wenige Tage später, am 12.02.2011, schreibt die gleiche Zeitung unter der Überschrift „Good Morning, Vietnam“ einen sehr positiven Artikel über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Zitiert wird ein Schwellenländerexperte der Dekabank. Es liest sich wie eine Kaufempfehlung für Zertifikate. Vietnam wird wirtschaftlich dem Erdboden gleich gemacht, wenn China anfängt zu stolpern. Mit allen Konsequenzen. Seriös ist es deshalb nicht zu erklären, „die langfristigen Perspektiven bleiben durchaus positiv“. Offensichtlich genügt es schon, dass VW überlegt, dort Pick-ups für den ostasiatischen Raum bauen zu lassen. Natürlich will Vietnam seine Wirtschaft voran bringen und, so gut es geht, seinen Platz in der globalen Wirtschaft finden. Dieses Ziel wird augenblicklich nicht begünstigt.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zu China: Platzt dort die (Immobilien-) Blase, werden die Währungsreserven des Landes schmelzen wie Schnee in der Sonne. Es geht dann um Schadensbegrenzung um jeden Preis. Die Folgen für die restliche Welt sind noch nicht einzuschätzen, von niemand. Fest steht lediglich, dass ab diesem Zeitpunkt die Finanzkrise auf die Zielgerade einbiegt.

Die Unruhen im Nahen Osten gehen weiter. Neue Länder in anderen Regionen kommen dazu. Die Entwicklung zeigt starke Anzeichen eines politischen Flächenbrandes. Die vermeintlichen Erfolge in Tunesien und Ägypten bestärken die Menschen in ihrem Wunsch nach Veränderung. Der Westen wird dabei erst einmal keine große Rolle spielen. Die ständig geäußerten Mutmaßungen, die CIA sei beteiligt, erscheinen wenig indiziert. Eher halten wir es mit der SZ, die am 11.02.2011 titelte „Tiefschlaf der Ahnungslosen“. Weiter heißt es dort: In Ägypten wird Geschichte geschrieben – und die USA konnten nur hilflos zuschauen. Obwohl das Land jährlich 80 Milliarden Dollar für seine Geheimdienste ausgibt, haben diese das Weiße Haus nicht vor den drohenden Umstürzen gewarnt.“ Deshalb hat der Westen so lange an Mubarak festgehalten, deshalb ist es jetzt zu einer Militärdiktatur gekommen. Die Armee soll das Land stabilisieren. Ausgang offen. Die hat erst einmal die Verfassung außer Kraft gesetzt und Neuwahlen innerhalb der nächsten sechs Monate versprochen. Die Ägypter selbst sind über diese Entwicklung unentschieden. Wir erwarten keine nachhaltige Beruhigung der Lage, aber unerfreuliche Auswirkungen auf den Ölpreis. Tunesien spielte bisher in den Überlegungen der Industrienationen keine große Rolle, daran wird sich so schnell nichts ändern. Das Land wird wegen seiner Flüchtlinge nur für Europa zur Belastung.

Was als nächstes kommt: Die NEUE ZÜRICHER ZEITUNG (NZZ) berichtete am 10.02.2011 über „Heftige Proteste gegen algerische Regierung“. „China fürchtet Chaos und Anarchie in Ägypten“, FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND vom 12.02.2011. Schon am 07.02.2011 hieß es bei der SZ, „Wenn Ägypten fällt, ist der Nahe Osten verloren“. Letzteres wurde durch die Armee erst einmal verhindert.


USA:

Amerika will sparen und in den kommenden 10 Jahren 1 Billion Dollar sparen, 100 Milliarden pro Jahr. Quelle: SPIEGELONLINE, 13.02.2011, „Obama verordnet Amerika harten Sparkurs“. Ein harter Sparkurs sieht anders aus, hat nur Signalwirkung. Zumal die Republikaner noch ein gewichtiges Wörtchen mit reden werden. Am Ende, so erwarten wir, bleiben viele der Sparvorschläge auf der Strecke. So lassen sich die USA auch nicht sanieren. Das ist der falsche Weg.

Einnahmen müssen her. Die Steuereinnahmen sind auf den niedrigsten Wert seit 60 Jahren zurückgegangen. Quelle: HUFFINGTON POST, 08.02.2011. Das funktioniert nur durch Jobs, Jobs und nochmals Jobs. Sonst nichts. Natürlich sind ergänzende Maßnahmen nötig. Die fehlenden Jobs muss das Land selbst schaffen, da helfen weder China noch Europa. Auch keine Währungs- und Handelskriege. Es genügt, wenn Amerika in seiner eigenen Geschichte forscht. Oder bei John Maynard Keynes. Stimmt, in diesem Fall gehören wir zu seinen Anhängern. Ähnliches hatten wir bereits in der letzten Ausgabe angedeutet. Das FED-Geld von QE2, rund 600 Milliarden Dollar, hätte genügt, um die dringend notwendigen Schritte einzuleiten. Statt dessen fließt diese Liquidität mit Hilfe der Banken und Konzerne weiter ins Ausland, treibt die Spekulation und kommt als Inflation zurück nach Amerika. Ergebnis: Keine neuen Arbeitsplätze, aber höhere Lebenshaltungskosten. Offensichtlich ist es noch ein weiter Weg, bis Amerika den richtigen Hebel umlegt. Am Ende bleibt vielleicht nur die Radikalkur: Finanzmarkt rigoros austrocknen, Real-Wirtschaft massiv fördern. Spielt die US-amerikanische Notenbank nicht mit (was wir aber nicht glauben), abschaffen.

Bis es aber so weit ist, müssen sich die Amerikaner mit Kosmetik zufrieden geben. So hat Obama angekündigt, die beiden staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac abzuwickeln. Quellen: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, HANDELSBLATT, SÜDDEUTSCHE, alle 11.02.2011. Nur wie, da hapert es noch. Die beiden Finanzierer haben Darlehen über insgesamt 1,5 Billionen Dollar in den Büchern, da wird es Jahre dauern, bis eine nennenswerte Reduktion erfolgt ist. Viele dieser Darlehen sind notleidend und müssen irgendwann abgeschrieben werden. Noch stehen sie als werthaltig in den Bilanzen. Hier wird eine Handlungsfähigkeit vermittelt, die in Wirklichkeit gegen Null geht.

Infolge der Immobilienkrise sind Millionen Häuser geräumt worden, die leer stehen. Immer mehr Obdachlose ergreifen Besitz von solchen Häusern und die ursprünglichen Eigentümer ziehen einfach wieder ein. Hausbesetzung auf amerikanisch. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 08.02.2011. Hier kommen neue Schwierigkeiten auf die Banken zu, die immer noch in dem Dilemma stecken, in 50 Bundesstaaten keine Häuser zwangsversteigern zu können, da nötige Unterlagen fehlen. Der Immobilienmarkt steht vor weiteren Belastungen, die sich in weiter nachgebenden Preisen widerspiegeln.

Bisher haben die klammen Bundesstaaten nur Hand an das Gesundheitsprogramm für die Armen gelegt. Jetzt geht es auch dem Programm für die Rentner, Medicare, an den Kragen. New Hampshire, North Carolina, Michigan und New York City machen den Anfang. Quelle: THE NEW YORK TIMES, 13.02.2011. Diese Entwicklung halten wir für sehr besorgniserregend. Damit stehen wir im Gegensatz zu Bernd Weidensteiner, Volkswirt bei der Commerzbank, dort seit 2008 zuständig für die US-Prognose. Der überschrieb seinen Aufsatz in FOCUS MONEY ONLINE am 10.02.2011 mit „Viel Lärm, aber keine Pleite in Sicht“. Nur verwunderlich, dass er mit keinem Wort auf die, teilweise aberwitzigen, Sparmaßnahmen der Staaten eingeht, über die wir bereits berichtet haben. Wir haben unsere Informationen direkt aus den USA, die sind authentisch. Warten wir es ab.


China:

Zu China gab es in der vergangenen Woche wenig Neues. THE NEW YORK TIMES hatte am 10.02.2011 die interessanteste Nachricht. Danach probt China den nächsten Schritt in Richtung Weltwährung. Zu diesem Zweck werden Niederlassungen der Bank of China, u. a. in New York, eröffnet und Guthaben in Renminbi, der chinesischen Währung, akzeptiert. Das Land arbeitet sehr konsequent an seinem Weltmacht-Status. 


Europa:

Der Druck auf die europäischen Staaten wächst. Nicht nur auf die 27 in der EU. Alle gegenteiligen Beteuerungen haben nichts geholfen, Irland, Portugal, Griechenland waren wieder Thema. Außerdem der Flüchtlingsstrom aus Tunesien nach Italien, oder die Pleitegefahr für die Schweiz. Der Reihe nach:

Schon wieder muss die EZB in Portugal eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern. Folgerichtig meldete die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND am 10.02.2011: „Panik vor Portugal-Pleite kehrt zurück“. Portugal muss mittlerweile für zehnjährige Papiere eine Rendite von 7,64 % bieten. Bisher war knapp unter 7 % Schluss. Am 12.02.2011 meldete wieder die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND: „Sorgen um die Euro-Zone kochen hoch“. Einen Tag später macht sich in Griechenland Unmut breit. Die FAZNET meldet am 13.02.2011: „Athen klagt über IWF-Befehle“. So sollen die IWF-Kontrolleure fehlende Reformbereitschaft beklagen, während Griechenlands Regierung die nationale Würde verletzt sieht. Verständlich, wenn man bedenkt, dass Griechenland sich kaputtsparen soll. Das griechische Statistikamt berichtete am 09.02.2011 von einem Einbruch der Industrieproduktion in 2010 von minus 5,7 %, nach bereits minus 9,4 % in 2009. Der Output der griechischen Industrieproduktion liegt 2010 auf dem Niveau von 1997. So kann sich dieses Land nicht retten, sondern nur endgültig vor die Hunde gehen. Diese Entwicklung muss gewollt sein, eine andere Erklärung haben wir nicht.

Neues gibt es auch zu Irland. Der Schweizer TAGES ANZEIGER meldete am 08.02.2011: „Merrill Lynch spielte beim irischen Kollaps eine tragende Rolle“. Danach wusste die US-Bank um die desolate Lage der irischen Banken. Nur wurde die entsprechende Analyse zurück gehalten und statt dessen bescheinigt, die irischen Banken seien „profitabel und gut kapitalisiert“. Dieser Befund wurde mit 7 Millionen Euro vergütet. Merrill Lynch zog die richtige Analyse zurück, nachdem die drei irischen Banken interveniert und gedroht hatten, ihre Geschäfte abzuziehen. Der Analyst wurde später entlassen. Auf der Grundlage dieser falschen Analyse begann die irische Regierung eine unabsehbar teure Rettungsaktion, die das irische Volk voraussichtlich sagenhafte 100 Milliarden Euro kostet. Wieder ein untrüglicher Beweis dafür, wie viel kriminelle Energie hinter diesen Banken stand.

Europa bekommt Besuch. Ansturm auf Italien. Tausende Afrikaner planen Flucht über Tunesien. Viertausend Flüchtlinge sind innerhalb weniger Tage auf der italienischen Insel Lampedusa gelandet. Die Regierung ruft den „humanitären Notstand“ aus und bittet die EU um finanzielle Hilfe. Von 100 Millionen Euro ist die Rede. Der Ansturm beginnt erst, sagen Experten voraus. Der italienische Außenminister fordert einen „Marshallplan für Nordafrika“. Die Angst geht um in Europa. Quelle: SPIEGELONLINE, 13.02.2011. Es ist klar, dass Europa nicht Hunderttausende Afrikaner aufnehmen kann. Klar ist aber auch, dass in der Vergangenheit dieser absehbaren Entwicklung keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Wir sind gespannt, wie die EU reagiert und wie lange es dauert, bis eine vernünftige Lösung beschlossen ist.

Zwei Meldungen zu einem Thema, die für sich selbst sprechen und deshalb von uns nicht weiter kommentiert werden: Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND titelte am 08.02.2011: „Weniger Schlimmes aus der Schweiz“. Weiter hieß es: Bilanzsumme runter, Eigenkapitalquote hoch, Boni reduziert und zeitverzögert ausgezahlt, dennoch Marktanteile zurückerobert. Die UBS zeigte, dass sie aus der Krise gelernt hat. ZEIT ONLINE hatte am 10.02.2011 die folgende Meldung: „Denn sie wollen nichts lernen“. Der Autor schreibt: Die Schweizer Großbanken lassen sich nicht zähmen. Sie haben den Kampf gegen die Regulatoren gewonnen. Dabei nennen die Geschäftsberichte monströse Zahlen. Ein Beispiel: Die Schweizer Großbanken haben Kreditausfallversicherungen ausstehend, die sie im Extremfall zur Zahlung von jeweils über 1000 Milliarden Franken verpflichten. Das wäre jeweils das Doppelte der helvetischen Wirtschaftskraft. Diese Risiken sind nicht vollständig gegenversichert. Fraglich ist zudem, ob die Gegenversicherungen tatsächlich leisten würden, oder nicht selbst in Not geraten, wenn sie in Anspruch genommen werden. Hier schlummert das ständige Risiko eines Staatsbankrotts. Sicherungspläne, die vor wenigen Monaten noch dringend erschienen, vermodern in der Schublade. Warum ist schnell erzählt: Die beiden Großbanken drohen damit, die Schweiz zu verlassen, sollten strengere Kapitalvorschriften beschlossen werden. Auf die Situation der Schweiz und ihre Großbanken sind wir in der Jahresvorschau 2011 eingegangen, bitte dort noch einmal nachlesen.

Die vermeintlich gute Nachricht haben wir uns für den Schluss aufgehoben: „Europas Wirtschaft atmet auf“, schrieb das HANDELSBLATT am 09.02.2011. Sie ahnen es vielleicht schon, das Info-Institut begeistert uns wieder mit wunder(ge)schön(t)en Zahlen. Dafür wurden Volkswirte aus „international agierenden Konzernen und Institutionen“ befragt, von denen die aktuelle Lage in Deutschland und Österreich sehr günstig beurteilt wurde. Die weiteren Beurteilungen: Benelux-Staaten zufriedenstellend, Frankreich und Italien ungünstig, Griechenland, Irland, Portugal und Spanien sehr schwach. Was lernen wir daraus: Geht es Deutschland und Österreich gut, geht es Europa gut. Wir staunen nicht schlecht.


Deutschland:

Für uns die „Hammer-Nachricht“ der vergangenen Woche stand u. a. in der Online-Ausgabe des MANAGER MAGAZIN vom 09.02.2011: „Experten empfehlen Abwicklung der HRE“. Nach dieser Meldung empfiehlt eine unabhängige Expertenkommission Berichten zufolge die Abwicklung der verstaatlichten Krisenbank Hypo Real Estate. Die Bank erbrächte „keine volkswirtschaftlich unentbehrliche Leistung“ wird aus dem Gutachten zitiert. Wir erinnern uns, die HRE wurde immer wieder als systemrelevant eingestuft und mit vielen Steuermilliarden gerettet. Das Gutachten wird vom Bundesfinanzministerium unter Verschluss gehalten. Eine Stellungnahme wurde bisher abgelehnt. Nur am Rande sei erwähnt, dass für die WestLB eine ähnlich pessimistische Einschätzung gemacht wurde. Wir waren in dieser Sache gut informiert und haben immer wieder die Meinung vertreten, dass die HRE selbst als Bad Bank gegründet wurde, um die schlechten Risiken der damaligen Hypo-Vereinsbank zu übernehmen. Eine Rettung hatte sich deshalb schon immer verboten. Egal wie die Sache weiter geht, irgendwann können die Milliarden nicht länger in einem Schattenhaushalt versteckt werden. Es bleibt spannend.

Die nächste Nachricht war ebenfalls brisant. „Deutsche Bank warnt BGH vor zweiter Finanzkrise“ titelte am 08.02.2011 die Online-Ausgabe des MANAGER MAGAZIN. Der Hintergrund: Im Streit um riskante Zinswetten droht der Deutschen Bank eine Niederlage vor dem BGH. Das hätte Signalwirkung, da etliche Städte, kommunale Unternehmen und Mittelständler mit dem Produkt Verluste gemacht haben. Der Anwalt der Bank warnte bereits vor einer „zweiten Finanzkrise“. Hier wird deutlich, dass die Deutsche Bank sich nicht scheut, die Richter des BGH unter Druck zu setzen, um ein für sie günstiges Urteil zu bekommen. Wir sind natürlich gespannt, wie die Entscheidung ausfällt und werden darüber berichten.

Ein kleiner Nachtrag zum angeblichen XXL-Beschäftigungswunder. Ohne die Entwicklung der Leiharbeit im Dezember 2010 wäre es Essig gewesen mit dem Abbau der Arbeitslosenzahlen. Die Leiharbeit ist nämlich um plus 245.000 angestiegen, was 94 % des Rückgangs von minus 259.811 bei den Arbeitslosenzahlen entspricht. Quelle: bza.de. Bei dem Lohnniveau der Leiharbeiter (vgl. Studie des BGB) kann der von den Kommunen erwartete Anstieg der Einkommensteuer nur sehr klein ausfallen. Wir behaupten: Hier ist schon wieder der Wunsch der Vater des Gedanken.


Rohstoffe:

Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise steigen weiter. Eine Entspannung ist nicht in Sicht, so die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Eher ist das Gegenteil der Fall. So ganz allmählich schlagen die Preise auf die Verbraucher durch, Industrie und Handel beginnen ihre gestiegenen Rohstoffkosten klammheimlich an die Endverbraucher weiter zu geben. So haben die Discounter seit Oktober 2010 für viele Grundnahrungsmittel die Preise erhöht. Im Einzelfall ging das bis zu einem Aufschlag von 50 %. Das Branchenblatt „Lebensmittel Zeitung“ berichtete, dass Aldi Nord von November bis Januar zwar bei 17 Produkten die Preise gesenkt, gleichzeitig aber bei 77 anderen die Preise erhöht hat. Bei Aldi Süd ging es 95-mal rauf und 25-mal runter. Nicht anders bei Lidl oder Netto. Der Preiskrieg bei den Discountern scheint vorbei. Quelle: NEUE ZÜRICHER ZEITUNG, 11.02.2011.

Das Gefährdungspotential durch die Rohstoffmärkte ist groß. Spekulanten treiben mit ihrer grenzenlosen Liquidität die Preise vor sich her. Die Deutsche Bank spricht schon mit Blick auf die Schwellenländer und vor allem auf China von einer selbstzerstörerischen Kraft der hohen Rohstoffpreise. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 07.02.2011. Steigende Lebensmittelpreise waren schon ein maßgeblicher Grund für den Ausbruch der Volksaufstände in Tunesien und Ägypten. Mittlerweile gibt es erste Anzeichen für Panikkäufe durch Staatsregierungen, die sich große Sorgen über die politischen Auswirkungen der steigenden Preise machen. Ökonomen warnen längst davor, dass die heutige Entwicklung durchaus das Zeug dazu habe, weitere Regierungen zu stürzen.


Krisenvorsorge:

An dieser Stelle noch einmal: Die Nibelungentreue der Deutschen zur Lebensversicherung ist sprichwörtlich, aber falsch. Übrigens genauso wie der Glaube an die Unfehlbarkeit der Politiker. Mehr als 90 Millionen Verträge werden exekutiert, wenn die nächste Blase platzt. Klingt hart, ist aber so. Deshalb ist es dringend geboten, die persönlichen Vermögensverhältnisse zügig an die sich nachhaltig abzeichnende Entwicklung anzupassen. Dafür ist unbedingt eine völlige Änderung der Einstellung zu den bisher bevorzugten Anlageformen nötig. Fehlt der Mut dazu dann bieten wir unsere Hilfe an. Email genügt.

Wenn der Staat Pleite macht, geht natürlich nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.“ Carl Fürstenberg, deutscher Bankier. 
 

Buchempfehlung:

An dieser Stelle empfehlen wir erstmalig ein Buch. Zu beziehen über jeden gut sortierten Buchladen, nicht über uns. Nachbeben von Robert Reich, Campus Verlag, beschreibt sehr anschaulich an Hand der Probleme Amerikas die Probleme der ganzen Welt. Nicht alles ist aus unserer Sicht richtig, aber vernachlässigbar. Die große Linie stimmt.