Montag, 21. Februar 2011

Wochenrückblick, Ausgabe 13, Kalenderwoche 08/2011: Finanzkrise, USA, China, Europa, Deutschland, Rohstoffe, Krisenvorsorge


Nach wie vor sind es die politischen Ereignisse, die die Medien beherrschen. Dem können auch wir uns nicht verschliessen. Neu hinzu gekommen sind Unruhen in Oman und Marokko, intensiver werden die Proteste in China. Eine günstige Gelegenheit, die Geographiekenntnisse wieder einmal aufzufrischen. Für uns gibt es jedoch noch einige Nachrichten außerhalb dieser Entwicklungen, die wir beleuchten werden.

Eines vorneweg: Wir bekommen bei unserer kritischen Einschätzung der deutschen Ökonomen, insbesondere ihrer Lichtgestalt, Prof. Dr. Hans-Werner Sinn aus München, endlich Unterstützung. Die haben wir auch bitter nötig, nachdem unsere Haltung mittlerweile von einigen Leserinnen und Lesern als sehr ungebührlich bewertet wurde. Mehr dazu im Europa-Teil.

Die Nachrichtenauswahl haben wir gestrafft. Wert legen wir darauf, vollständig zu berichten und die Faktenlage fundiert zu beschreiben. Wir haben den Anspruch, die echten, belastbaren Informationen bereit zu stellen und diese allgemein verständlich zu kommentieren. Trotzdem arbeiten wir weiter daran, uns knapp zu fassen.
Nach wie vor treffen wir zu den Schwerpunktthemen eine Auswahl der wichtigsten Nachrichten. Gerne ergänzen wir unsere Themenwahl. Vorschlag genügt.

Die folgenden Äußerungen geben unsere persönliche Bewertung wieder, die wir mit großer Sorgfalt erarbeitet haben. Gerade deshalb legen wir großen Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen zu können oder durch belastbare Indizien zu untermauern. Die wichtigsten Quellenangaben haben wir im Text mit angegeben. Sollte darüber hinaus Bedarf bestehen, werden wir gerne die entsprechenden Nachweise zur Verfügung stellen. Email genügt.

Besonders den Leserinnen und Lesern, die sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik und deren Folgen auf die persönlichen Lebensumstände beschäftigen, bzw. beschäftigen können, empfehlen wir ausdrücklich, sich für die folgenden Seiten Zeit zu nehmen. Der Nutzen ist enorm und wächst mit jeder weiteren Ausgabe, die wir weiter, kostenlos und ohne jede Verpflichtung, bereit stellen.

Denken Sie aber bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse erfordern Hintergrundwissen und Denkanstöße für Jung und Alt.

Wir bewahren uns eine kritische Haltung gegenüber den Informationen, die der Mainstream verbreitet. Die halten nämlich regelmäßig keiner Nachprüfung stand. Diese Erfahrung hat sich bei uns über viele Jahre entwickelt und wird ständig aufs Neue bestätigt. Nutzen Sie unsere Erfahrung für Ihre eigenen Entscheidungen. Vor allen Dingen reißen Sie sich die Scheuklappen herunter, ohne die Sie sofort eine bessere Sicht für das Wesentliche haben werden. Stecken Sie nicht länger den Kopf in den Sand!


Finanzkrise:

Beginnen wollen wir mit einer Nachricht, die ein weiteres Mal die offizielle Haltung der deutschen Politik zur Finanzkrise konterkariert. Unter der Überschrift „Sonderprüfungen gingen vor Finanzkrise zurück“ veröffentlichte FOCUS MONEY ONLINE am 26.02.2011 einen Artikel, der mit wenigen Worten die unrühmliche Rolle der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bankenaufsicht) beleuchtet. Wir haben früher bereits den Beweis angetreten, dass die Probleme der deutschen Landesbanken oder auch der Commerzbank weit vor 2008 in Berlin (Finanzministerium) und Frankfurt (Deutsche Bundesbank, BaFin) bekannt waren. Statt bei diesen Banken intensiver zu prüfen, wurde die Prüfungshäufigkeit noch reduziert. Man hat also bewusst weggesehen. Wir haben uns schon bisher in dieser Sache nicht für dumm verkaufen lassen, sondern die Auffassung vertreten, dass Banken, Aufsicht und Politik auch in Deutschland Ende der 1990er Jahre eine unheilige Allianz eingegangen sind, die bis zum heutigen Tag fortbesteht. Nach unserer Einschätzung nicht zum Wohle der Menschen in diesem Land, sondern nur einer kleinen Elite aus Politik und (Finanz-)Wirtschaft. Das ganze Ausmaß dieser Kungelei wird, da sind wir uns sicher, innerhalb der nächsten Jahre aufgedeckt werden. Danach erlebt das Verhältnis der Menschen zu den Politikern endgültig eine Zäsur.

Diese Kumpanei ist es auch, die immer noch jede vernünftige Lösung der too big to fail-Problematik, der Staatsverschuldung, der Euro-Krise, oder der Inflation, verhindert. Jedenfalls innerhalb der G20-Staaten. Immer mit tatkräftiger Unterstützung durch die Medien, wie wir täglich lesen.

Die Nahrungsmittelpreise steigen weiter. Die Unruhen weiten sich aus. Die Tage Gaddafis in Libyen sind gezählt, in Marokko und Algerien rumort es (ZEIT ONLINE, 23.02.2011), Kamerun ist dazu gekommen (afrol News, 22.02.2011), außerdem Oman (HANDELSBLATT, 27.02.2011), Massenproteste in Indien (netkompakt.de, 24.02.2011) und in China rüstet die Führung zum Kampf gegen den „arabischen Virus“ (wirtschaftsblatt.at, 27.02.2011). Schuld an diesen Unruhen/Revolten sind nicht die vom Westen so gerne behaupteten Demokratiebestrebungen, sondern schlicht die in diesen Ländern überhand nehmende Verteuerung der Nahrungsmittel. Dass es den Menschen nicht um Demokratie geht (niemand weiß in diesen Ländern, was das ist) schildert am Beispiel Libyen treffend die BERLINER ZEITUNG, die am 22.02.2011 einen Bericht mit „Den Demonstranten geht es nicht um Demokratie“. Die Autorin, Gabriele Riedle, ist durch das Land gereist und erklärt, wir zitieren: „Ich habe keine einzige Person getroffen, die von Demokratie redete“. Nach deren Aussage gehe es vielmehr „ um Machtverteilung, um alte Rechnungen, um Rache“. In einem Land, das für den Westen bisher einen Teil der Ölversorgung sicher gestellt hat.

Lassen wir uns nichts vormachen, diese Preissteigerungen resultieren einzig und allein aus der Liquiditätsschwemme der Notenbanken, allen voran die FED in den USA und die EZB in Europa. Die Finanzkonzerne suchen für diese Liquidität weltweit Gewinn bringende Anlagemöglichkeiten, seit einigen Wochen sind nun die Nahrungsmittel und wichtige Industrie-Rohstoffe an der Reihe. Ausgemachter Quatsch ist es, wenn uns die Rohstoffhändler der Finanzkonzerne über die Medien erzählen, sie würden dem Markt keine Ware entziehen und deshalb nicht mit Nahrungsmitteln spekulieren. Grundlage des Handels an den Rohstoff-Terminmärkten ist nun einmal die Ware, die sich verteuert oder auch verbilligt, je nachdem in welche Richtung die Spekulation läuft. Diese Entwicklung war zuletzt schon 2008 zu beobachten, als vor der Lehman-Pleite ebenfalls eine Menge Liquidität vorhanden war, die innerhalb kürzester Zeit die Nahrungsmittelpreise in die Höhe getrieben hat. Als die Liquidität dann weg war, gingen sofort wieder die Preise runter. Im Grunde doch eine einfache Gleichung: Liquiditätsschwemme = Spekulation = steigende Preise = steigender Hunger = Aufruhr/Revolten. Deshalb erneuern wir unsere Forderung, die Spekulation der Finanzkonzerne in den Rohstoffmärkten zu verbieten. Bloße Regulierung ist zwecklos, die kriminelle Energie nach maximalem Gewinn zu groß.

Die schon angekündigte neue Dotcom-Blase entwickelt sich weiter. Facebook, Groupon, usw. erhalten Zuwachs: Der Finanzkonzern JP Morgan steigt bei Twitter ein. Natürlich werden die Mutmaßungen einer Spekulationsblase noch abgewiegelt, für eine solche Einschätzung sei es noch zu früh. Es läuft nach dem gleichen Muster ab, wie sonst auch: Die Finanzkonzerne steigen billig ein, pushen die Werte und den Markt hoch, wenn dann alle Konzerne ein Stück vom Kuchen abbekommen haben schreiben die Analysten herrliche Kaufempfehlungen für die vielen Millionen Privatanleger, in deren Depots die Papiere dann mit einem gehörigen Aufpreis landen, den die Konzerne dann als Gewinn verbuchen. Nach einer mehr oder weniger langen Schonzeit, in der die Kurse für diese Papiere erst noch ein bisschen hoch manipuliert werden, werden plötzlich die Geschäftsmodelle der Unternehmen von den Analysten auf den Prüfstand gestellt (so nennen die das tatsächlich) und regelmäßig für nicht nachhaltig befunden. Das Ergebnis sind fallende Kurse, an denen die Finanzkonzerne natürlich dann auch noch verdienen, die den Millionen Privatanlegern satte Verluste bescheren. Erst dann melden sich natürlich auch die Analysten, um vor einer Spekulationsblase zu warnen, die längst jeder Blinde erkennen kann. Finger weg von diesem Geschäft, hier wird nur mit gezinkten Karten gespielt, mit denen nur die Banken gewinnen. Hier entsteht jedenfalls eine neue Blase, die irgendwann mit einem lauten Knall platzt, siehe im Jahr 2000. Wieder ein Mosaiksteinchen für das Gesamtkunstwerk Finanzkrise.

Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“ (Henry Ford, 1863-1947)


USA:

Die wirtschaftliche Macht Amerikas verfällt zusehends. Beim G20-Gipfel hinterlassen die USA keine Spuren. China beansprucht die Führung. Der IWF gewinnt weiter an Macht, China in dieser Organisation sowieso. Deutschland schlägt sich bei diesem Treffen, natürlich nicht offen, auf die Seite Chinas. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.02.2011. Es herrscht Krieg, sehr subtil, bisher unbeachtet. China generiert gerade eine Macht, die nicht seinen gesellschaftlichen Verhältnissen entspricht, weil die USA sich zu einem zahnlosen Tiger entwickeln. Das Sprichwort „Geld regiert die Welt“ erhält eine ganz neue Bedeutung. Diese Lethargie heute wird den Amerikanern morgen bitter aufstoßen.

SUEDDEUTSCHE.DE titelte am 21.02.2011 „Weltmacht macht dicht“. „Eine Weltmacht – wegen akuten Geldmangels geschlossen.“ Grund ist der beinharte Streit zwischen den Demokraten und Republikanern um den Staatshaushalt. Die Republikaner nutzen ihre Mehrheit im Kongress, um ihnen unliebsame Ausgaben der Demokraten zu kassieren. Mit dabei die Finanzmarktreform, für die Republikaner „nur ein überflüssiger Eingriff des Staates in die Kräfte des freien Marktes“. Würde es tatsächlich zu keiner Einigung kommen, was nicht mehr ausgeschlossen wird, wäre Amerika ab dem 7. März blockiert und Präsident Obama, der Friedensnobelpreisträger, gescheitert.

Echte Unterstützung erhält Obama keine. Ideen? Fehlanzeige. Der US-Ökonom Barry Eichengreen, bekannt für unkonventionelle Vorschläge, z. B. rät dazu, die Steuern zu erhöhen (SPIEGEL ONLINE, 27.02.2011). Offensichtlich lehrt man auch an der University of California in Berkeley Volkswirtschaft nach mehr als 100 Jahre alten Lehrplänen. Vielleicht sollte Eichengreen seinen Vorschlag damit präzisieren, dass das Einkommen der Reichen und Mächtigen mit 90 % besteuert werden muss. Das wurde in Amerika schon einmal erfolgreich praktiziert. Die Programme der FED helfen nicht den Menschen, nur der Wall Street. Was wir für völlig logisch halten, schließlich gehört denen die FED ja auch. Der FED wiederum gehört, mittels der Staatsanleihen (vgl. Ausgabe 12) immer mehr von Amerika.

Mit den Folgen kämpfen die Bundesstaaten und Kommunen von Woche zu Woche mehr. Die Ratingagentur Moody’s warnt vor miesen Kommunalanleihen (Municipal Bonds, Munis genannt) und befürchtet Zahlungsausfälle. Sinnigerweise warnt der Finanzkonzern JP Morgan vor einer Pleitewelle unter den US-Kommunen. Vereinzelt hat es schon Pleiten gegeben. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.20.2011. Aktuell steht der Bundesstaat Wisconsin mit dem Rücken an der Wand (HUFFINGTON POST, 23.02.2011). Die dort vorgesehenen Einsparungen treiben die Menschen auf die Straße. Wir berichteten in unserer letzten Ausgabe. Die amerikanische Rechte hat reagiert und fordert, das Verhandlungsrecht der Gewerkschaften zu kappen. In Wisconsin soll ein Exempel statuiert werden, danach in Ohio und Indiana. Massenkundgebungen gegen den Sparwahn stehen in Pennsylvania und New Jersey bevor. Wir zitieren aus dem schweizerischen TAGES-ANZEIGER vom 24.02.2011 („Gewerkschaften in den USA geht es an den Kragen“): Es war die schmale, schwerreiche Geldelite, die 2008 den Finanzkollaps verursachte und die Rezession verschärfte, welche die Defizite der Bundesstaaten ansteigen lies. Die Defizite vorzuschieben, um die Gewerkschaften auszuhebeln und damit ein Gegengewicht zu den Interessen der Wirtschaftselite aus der Welt zu schaffen, ist Demagogie.“ Paul Krugman, Ökonomie-Professor in Princeton, beschäftigte sich in der NEW YORK TIMES mit diesem Thema, abgedruckt unter der Überschrift „Amerikanische Schock-Strategie“ am 27.02.2011 in der FRANKFURTER RUNDSCHAU. Dort heißt es: „Seit den 1970er Jahren hätten rechte Ideologen Krisen genutzt, um eine Agenda durchzudrücken, die die jeweilige Krise nicht löste, sondern eine rauere, ungleichere, weniger demokratische Gesellschaft schuf. In Wisconsin kommt im Jahr 2011 die Schock-Strategie voll zum Zug.“ Wir sind überzeugt, der „arabische Virus“ ist bereits auf Amerika übergesprungen.

Der Häusermarkt liegt unverändert auf der Nase. Die New Home Sales (Neubauverkäufe) gehen immer noch zurück (census.gov). Mittlerweile befinden sie sich auf einem Allzeittief. Um die Zahl der Zwangsversteigerungen zu reduzieren, sollen Amerikas Banken Kredite erlassen (FAZ.NET, 25.02.2011). Größenordnung 20 Milliarden US-Dollar. Nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Deshalb halten wir diesen Plan für reinen Aktionismus, aber nie und nimmer für eine dauerhafte Lösung. Es gibt zu viele Not leidende Hauseigentümer. Wir sagen es immer wieder: Gut bezahlte Jobs, Jobs, Jobs müssen her. Alles andere ist dahingeheuchelte Zuversicht. Mittlerweile sitzen die Konzerne auf fast 2 Billionen US-Dollar Liquidität, da spielen geschätzte 500 Milliarden Einsatz für neue Jobs keine Rolle. Sehr wahrscheinlich hat die Wall Street andere Pläne und wir halten die US-Regierung für zu schwach, hier die richtigen Maßnahmen einzuleiten.

Das angebliche US-Wirtschaftswachstum ist ein Witz. Es findet nur in den US-Statistiken statt. „Das Wachstum der amerikanischen Volkswirtschaft lag im 4. Quartal deutlich niedriger als im Vorfeld erwartet worden war. Die Hoffnungen beruhen derzeit darauf, dass die Verbraucher ihre Aussichten deutlich günstiger einschätzen. Dies könnte zu steigendem Konsum führen.“ (Zitat aus NEUE ZÜRICHER ZEITUNG Online, „Unerwartet schwaches US-Wirtschaftwachstum“, 25.02.2011). Aus Hoffnungen und Wünschen wird Wachstum gebildet. Funktioniert aber nicht. Genauso wenig wie die angeblich gesunkene Arbeitslosenquote im Januar. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA stieg nach einer zweiten (!) Schätzung im 4. Quartal 2010 aufs Jahr hochgerechnet um 2,8 % (US-Handelsministerium). Experten hatten mit deutlich über 3 % gerechnet. Quelle: ZEIT ONLINE, 25.02.2011. Die Realität ist so mies, dass sogar die virtuosen US-Statistiker nicht die Zahlen liefern können, die eigentlich erwartet werden. Letztendlich sind es dann auch die Einsparungen bei den öffentlichen Haushalten der Bundesstaaten und Kommunen, die das Wirtschaftswachstum zusätzlich verlangsamen (HUFFINGTON POST, 26.02.2011).

Ein Blick auf das US-Verbrauchervertrauen ist auch nur statistisch geschönt (WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 25.02.2011). Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die Wahrheit erzählt uns Walmart, dessen Quartalsumsatz im 4. Quartal 2010 zum 7. Mal in Folge zurück gegangen ist (HUFFINGTON POST, 22.02.2011).

Mittlerweile hat es die ersten kleineren Plünderungen in Tankstellen-Supermarkets gegeben. Das ist die Realität, nicht die Statistiken.


China:

Das Land arbeitet sich weiter konsequent an seiner Immobilien-Blase ab. „China plant 45 neue Flughäfen“ meldet am 24.02.2011 der schweizerische TAGES-ANZEIGER. Bauzeit die nächsten 5 Jahre. Bisher machen 130 der 175 existierenden Flughäfen Verluste.

Die Proteste im Land massieren sich. Inflation und der „arabische Virus“ sorgen dafür. Mit Hilfe des Internets mobilisieren sich die Menschen. Von der „Jasmin-Revolution“ ist die Rede. Chinesische Protestbewegung sieht erste Erfolge. Tausende Polizisten kommen zum Einsatz. Quelle: TAGES-ANZEIGER, NZZ Online, 22.02.2011. Wenige Tage später nehmen die Proteste zu und werden mit Gewalt unterdrückt. Das MANAGER MAGAZIN titelt am 27.02.2011 „Inflation treibt Chinas Bürger auf die Straße“. HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSBLATT.AT, ZEIT ONLINE und NZZ Online berichten am gleichen Tag davon, dass China mit zehntausenden Polizisten die Proteste im Keim erstickt.

In uns keimt die Hoffung auf, dass die „chinesische Kolonialisierung der Welt“ doch wieder an Kraft verlieren könnte, sich wenigstens deutlich verlangsamt. Jedenfalls sind Schlagstöcke und Verhaftungen nicht die richtige Antwort auf die Proteste im Land. Eher Geld und gute Worte. Die 2,8 Billionen US-Dollar Währungsreserve könnten dabei helfen, die vielschichtigen inneren Probleme Chinas zu lösen. Da platzt dann auch noch die eine oder andere Blase. Die chinesische Führung hat eine Mammutaufgabe vor sich. Dabei helfen die alten Reflexe der Unterdrückung nicht wirklich weiter. Nicht nur wirtschaftlich befindet sich China noch im vor-industriellen Zeitalter.

Wir erwarten hier in den nächsten Wochen jedenfalls tiefgreifende Veränderungen.


Europa:

Der 25.02.2011 war für uns ein kleiner Festtag. An diesem Tag wurde unsere Kritik an den deutschen Top-Ökonomen und ihren Hilfstruppen endlich öffentlich bestätigt. Sowohl die WIRTSCHAFTSWOCHE, Titel: „Kuriose Professorenrufe – Irren ist menschlich“, als auch ZEIT.DE, Titel: „Können Deutschlands Ökonomen nicht rechnen?“ stellen einen eklatanten Rechenfehler in einer „Stellungnahme zur EU-Schuldenkrise“ fest, die am 17.02.2011 von Bernd Lucke, Uni Hamburg, im Auftrag von rund 300 (!) deutschen Wirtschaftswissenschaftlern, publiziert wurde. Wir schenken uns hier die Einzelheiten, den es interessiert verweisen wir an das Internet. Zwei Tage später, am 27.02.2011, kommt es in der FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND zur finalen Feststellung „Ökonomen blamieren sich mit Arbeit zum Euro-Rettungsfonds“. Gemeint sind 190 deutsche Professoren und der Mitinitiator Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts. Dessen Berechnungen waren die Grundlage dieser Professoren-Stellungnahme. Wir sehen uns in unserer Auffassung bestätigt, dass H.-W. Sinn und sein Institut willfährig die Bundesregierung unterstützt und dabei auch nicht vor falschen Angaben zurück schreckt, um die Aussagen passend zu machen. Der Mann hat sich mit dieser Stellungnahme endgültig disqualifiziert.

In der EU geht es aufwärts, wenn man den Marktforschern von Markit (markit.com) glaubt. Nach deren Feststellungen verringere sich die Kluft zwischen den Spitzenreitern Deutschland und Frankreich und den Ländern am Rande des Währungsraums in der Industrie. Quelle: WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 21.20.2011. Diese Aussage hat uns natürlich keine Ruhe gelassen und wir haben deren Belastbarkeit überprüft. Nehmen wir nur als Beispiel Griechenland: Das Bruttoinlandsprodukt geht steil nach unten (minus 6,6 % zum Vorjahresmonat), die Staatsschulden steil nach oben (plus 14 % zum Vorjahr). Diese gegenläufige Entwicklung führt zu einem Staatsschuldenstand von 148,35 % des nominalen BIPs (= 229,396 Mrd. Euro). Quelle: minfin.gr, statistics.gr. Soviel zu Dichtung und Wahrheit.

Machen wir weiter mit Griechenland. Massenproteste gegen Sparmaßnahmen. Am Mittwoch war Generalstreik. Löhne und Gehälter gekürzt, Steuern erhöht, Arbeitslosenquote bei 13 %: Den Griechen wird klar, Sparen genügt nicht. Quelle: SUEDEUTSCHE.DE, 23.02.2011. Das Land spart sich tot, mausetot. Trotzdem steigen die Staatsschulden munter weiter. Wir sagen: Nein, gerade deshalb. Alle Maßnahmen führen zu Kaufkraftverlusten und ausgeprägten Zukunftsängsten, der Konsum geht deutlich zurück, was natürlich einerseits direkt auf das BIP durchschlägt, andererseits die Staatseinnahmen reduziert. Die Schere geht weiter auf, statt zu. Wo wir wieder bei den Fähigkeiten des IWF zur Krisenbewältigung wären (vgl. hierzu letzte Ausgabe). Wir bleiben dabei: Griechenland wurde durch die konzertierte Aktion von IWF und EU der endgültige Todesstoß versetzt.

Irland hat jetzt erst einmal eine neue Regierung gewählt. Die hat ihren Wählern versprochen, den EU-Rettungsschirm mit seinen schlechten Konditionen nicht weiter zu akzeptieren. Eine sicherlich interessante Aussage, mehr aber noch nicht. Wir sind gespannt, wie sich Irland neue Spielräume für Verhandlungen schaffen will. Falls die neue Regierung Mut hat, könnte sie auf eigene Faust eine Umschuldung durchsetzen. Auf jeden Fall eine bemerkenswerte Alternative zu der jahrzehntelangen sinnlosen Schuldenknechtschaft. Eher erwarten wir jedoch ein „Schwanz einziehen“ und im Gegenzug marginale Zugeständnisse von IWF und EU. Warten wir es also ab.

Am nördlichen Rand der EU regt sich Widerstand. Finnland wählt am 17.04.2011 ein neues Parlament. Die rechtspopulistischen „Wahren Finnen“ treten an und haben jetzt ihr Wahlprogramm vorgestellt. Schwerpunkte sind Steuererhöhungen für die Reichen, Kürzungen von Unternehmens-Subventionen, Entwicklungshilfe und Ausgaben für Einwanderer. Die Partei versteht sich offiziell als EU-sketische, konservative und nationalbewusste Kraft. In Meinungsumfragen liegen die „Wahren Finnen“ mit knapp 18 % beinahe gleichauf mit den drei führenden Parteien. Quelle: WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 27.02.2011. Warum wir darüber berichten? Ganz einfach, weil wir bereits frühzeitig auf eine solche Entwicklung innerhalb Europas hingewiesen haben. Die Niederlande und Ungarn bleiben keine Einzelfälle.


Deutschland:

Es geht weiter: „Rätselraten um Bundesbank-Milliarden-Hilfen“ schreibt am 21.02.2011 die WIRTSCHAFTSWOCHE. Viel Aufregung um Nichts. Das ist normales EZB-Geschäft, nicht mehr und nicht weniger. Die Proteste der Politiker - z. B. Otto Solms (FDP), Frank-Walter Steinmeier (SPD), Klaus-Peter Willisch (CDU) - sind fadenscheinig und scheinheilig. Die Deutsche Bundesbank hat sich im Rahmen ihrer gesetzlich zulässigen Möglichkeiten bewegt.

Amüsiert hat uns in diesem Zusammenhang der Vorschlag des FDP-Finanzexperten Frank Schäffler, die deutschen Forderungen sollten von den betroffenen Ländern mit Gold abgesichert werden Quelle: WIRTSCHAFTSWOCHE, 22.02.2011). Der Mann sollte erst einmal prüfen, wie viel Gold in diesen Ländern überhaupt vorhanden ist. Das Ergebnis wäre niederschmetternd. Es ist mit höchster Wahrscheinlichkeit längst verkauft, mindestens verpfändet. Selbst die Deutsche Bundesbank verfügt – so befürchten wir - nur über einen Bruchteil ihrer offiziellen Goldbestände (10 – 15 %, siehe Ausgabe 5).

Hier noch eine andere Zahl: Lt. Auskunft des Berliner Finanzministeriums schulden US-Bundesstaaten und –Kommunen deutschen Banken insgesamt 51 Milliarden US-Dollar. Besonders betroffen sind die Landesbanken, wahrscheinlich auch die HRE. Zur Risikobewertung erklärt das Bundesfinanzministerium, dass in der Vergangenheit Zahlungsausfälle bei US-Kommunalanleihen „sehr selten“ waren. Quelle: WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 24.02.2011. Diese Aussage macht doch Mut, oder?

Es darf nicht unerwähnt bleiben: Merkel bekommt einen neuen Finanzexperten. Der heißt Asmussen (Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 26.02.2011) und ist absolut kein unbeschriebenes Blatt. Finanzstaatssekretär Asmussen ist uns als der Mann in Erinnerung, der 2008 im Rahmen der deutschen Bankenrettung, insbesondere der Rettung der HRE, im Auftrag der damaligen schwarz-roten Bundesregierung und in Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, die Interessen der Deutschen an die Banken verschachert hat. Die Liste der Verfehlungen ist sehr viel länger, aber offensichtlich befähigt ihn gerade diese Vorgeschichte für das neue Amt. Die Position schützt natürlich auch vor Nachstellungen wegen der früheren Vergehen. Erinnern Sie sich? In der Ausgabe 11 haben wir davon berichtet, dass ein Gutachten vom Bundesfinanzministerium unter Verschluss gehalten wird, welches die Abwicklung der HRE empfiehlt.

Da hat es schon eine ganz besondere Note, wenn für die 18 % Anstieg der Staatsschulden hauptsächlich die Ausgaben zur Bekämpfung der Finanzkrise und Hilfsmaßnahmen für die HRE und WestLB verantwortlich sind. Jedenfalls ist es der höchste Jahres-Anstieg in % seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1950. Auf diese Maßnahmen entfallen 232,2 Milliarden Euro, von insgesamt 304,4 Milliarden Euro. Quellen: FOCUS MONEY ONLINE, FAZ.NET, vom 21.02.2011. Die Schulden des Bundes stiegen um plus 21,9 %, die der Länder um plus 13 % und der Gemeinden um plus 4,9 % (Quelle: destatis.de).

Der Ifo-Index treibt schon wieder sein Unwesen. 2011 könnte ein Boomjahr für die deutsche Wirtschaft werden. Ober-Guru Sinn postuliert „Der Aufschwung in Deutschland ist robust.“ Die Manager sind für die kommenden sechs Monate positiv gestimmt. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.20.2011.

In Österreich kommen die deutschen Signale bestens an. Hier sorgt das GfK-Konsumbarometer für Hochstimmung: „Deutsche Konsumenten kommen aus den Startlöchern“ (WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 22.02.2011). Lt einer Studie der GfK, Gesellschaft für Konsumforschung, „wird der Konsum in den kommenden Monaten beim deutschen Nachbarn erst so richtig anspringen.“ Hier noch ein Schmankerl aus der Studie: „Die anziehende Inflation werde von der schwindenden Angst vor dem Jobverlust sowie von niedrigen Zinsen überlagert.“ Die GfK fragte 2000 Verbraucher nach ihrer Meinung.

Jetzt zur belastbaren Wahrheit: „Vom Konsumwunder keine Spur“ titelt die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND am 25.02.2011. Deutschland warte weiter auf einen anziehenden Konsum. Eine Reihe von Ökonomen prophezeien seit Monaten eine kräftige Dynamik beim traditionell schwachen deutschen Konsum. Statt dessen hat sich am „traditionellen deutschen Wachstumsmuster“ nichts grundlegend geändert, wie ein Blick in die Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigt. Zwei Tage später, am 27.02.2011, heißt es an gleicher Stelle „Ein paar lästige Details zum Aufschwung“ und zerpflückt die Schönfärberei des Ifo-Index. Kein Konsumrausch, kein Traum-Weihnachtsgeschäft. Zitat: „Der Rummel, der wegen der diversen Firmen- (Ifo) und Verbraucherumfragen (GfK) veranstaltet wird, ist mit Blick auf die echten Zahlen mehr als albern. Das BIP ist auf dem Niveau von 2007. Was, bitte schön, gibt es denn da zu bejubeln?“ Wir sagen wie es ist: Die Bundesregierung braucht positive Nachrichten, bestellt in München (Ifo) und Nürnberg (GfK) und die beiden liefern. So einfach geht das.


Rohstoffe:

Die Inflation der Nahrungsmittelpreise setzt sich fort. Neue Unruhen sind die Folge. Es ist der Hunger, der die Menschen auf die Straßen treibt. Schuld sind die Industriestaaten, die rücksichtslos spekulieren und so die Preise in astronomische Höhen schicken. Die UN sieht die Gefahren, ist aber machtlos.

Den Westen interessiert nur seine Öl-Versorgung. Die sieht er z. B. in höchster Gefahr, wenn Saudi-Arabien in die Hände von Unruhe-Stiftern fällt. SPIEGEL ONLINE schreibt am 26.02.2011 dazu: „Angst vor einem Flächenbrand“. Wir rechnen mit Lieferengpässen und weiteren Preissteigerungen. Alleine schon deshalb, weil die Unruhen die „Wildcard für den Ölpreis“ sind (Quelle: WIRTSCHAFTSWOCHE, 22.02.2011).

Die Edelmetalle entwickeln sich prächtig. Wir sehen deshalb die weitere Entwicklung in den Unruhe-Regionen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.


Krisenvorsorge:

Heute fassen wir uns kurz. Finger weg von Staatsanleihen/Bundesschätzchen. Diese Papiere sind garantiert nicht mehr sicher! Wer welche hat: Verkaufen. Sparbücher auflösen. Festgeld ebenso. Fondsanteile verkaufen. Lebensversicherung taugen nicht mehr als Altersversorgung oder als Tilgung für die Hypothek. Bausparverträge sind nur noch unter ganz bestimmten Umständen sinnvoll. Unbedingt gilt: Keine neuen Verträge für „Irgendetwas“ abschliessen. Keine Gold- oder Silberzertifikate kaufen, meistens fehlt die physikalische Deckung und es gibt am Ende wieder nur wertloses Papiergeld. Keine Immobilie zur Inflationsabsicherung kaufen. Unbedingt alle Ersparnisse auf ihre Krisenfestigkeit prüfen. Sparverhalten ändern. Die Banken sind, wenig überraschend, dabei keine Hilfe.

Bereits Voltaire wusste: „Papiergeld wird sich langfristig seinem wahren Wert annähern: Null.“ Der US-Dollar hat schon 97 % verloren.

Jeder, der aus diesem verrückten Spiel nicht aussteigt, wird nur verlieren. Der Staat und die Banken sind keine vertrauenswürde Adresse mehr für die Ersparnisse.

Die Zeit zum Handeln drängt. Die weltweiten Unruhen greifen auf Länder über, die bisher niemand auf seiner Rechnung hatte (Venezuela, Oman, Saudi-Arabien). Ein Ende ist nicht abzusehen. Die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen lassen sich in ihrer Tragweite noch nicht einschätzen. Sicher ist aber, dass der Druck auf die Industriestaaten und Schwellenländer enorm zunehmen wird. Davor darf niemand die Augen verschließen.