Montag, 28. Februar 2011

Wochenrückblick, Ausgabe 14, Kalenderwoche 09/2011: USA, China, Europa, Deutschland, Rohstoffe, Krisenvorsorge, Buchempfehlung


Zuerst die Neuigkeiten in eigener Sache: Die vorliegende Ausgabe ist die letzte, die wir in dieser Form vorlegen. Wir tragen ab der kommenden Woche dem überwiegenden Wunsch der Leserinnen und Leser Rechnung, unsere Meinung noch deutlicher wie bisher zu formulieren. Außerdem werden wir dem Thema ‚Krisenvorsorge’ mehr Aufmerksamkeit schenken. Wir werden zukünftig noch mehr auf den Punkt kommen.

Nach wie vor werden wir jedoch keine konkreten Anlage-Empfehlungen geben. Wir stellen dieses wöchentliche Statement kostenlos jedem Interessierten zur Verfügung. Anlage-Empfehlungen sind eine sehr persönliche Sache und sollen vor allen Dingen auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten sein. Diese Erfordernisse können wir hier nicht erfüllen. Dafür bitten wir um Verständnis. Für individuelle Gespräche stehen wir natürlich gerne zur Verfügung. Für eine Termin-Vereinbarung genügt eine entsprechende Nachricht an unsere Email-Adresse.

Für diese Ausgabe haben wir die Nachrichtenauswahl zu unseren Schwerpunktthemen straff gehalten. Wert legen wir darauf, die Faktenlage vollständig zu beschreiben. Wir stellen echte, belastbare Informationen bereit, die wir allgemein verständlich kommentieren. Die wichtigsten Quellenangaben haben wir im Text angegeben.
Die folgenden Äußerungen geben unsere persönliche Bewertung wieder, die wir mit großer Sorgfalt erarbeitet haben. Nicht in jedem Fall können wir eine Quelle benennen, da wir oft auch über Informationen verfügen, die erst später, oder auch erst sehr viel später, von den Medien aufgegriffen werden. Wer mit dieser Herangehensweise Schwierigkeiten hat, kann sich gerne bei uns rückversichern. Email genügt.

Besonders den Leserinnen und Lesern, die sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik und deren Folgen auf die persönlichen Lebensumstände beschäftigen, bzw. beschäftigen können, empfehlen wir ausdrücklich, sich für die folgenden Seiten Zeit zu nehmen. Der Nutzen ist enorm und wächst mit jeder weiteren Ausgabe, die wir regelmäßig, kostenlos und ohne jede Verpflichtung, bereitstellen.

Denken Sie aber bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse erfordern Hintergrundwissen und machen Denkanstöße notwendig.

Wir bewahren uns eine kritische Haltung gegenüber den Informationen, die der Mainstream verbreitet. Die halten nämlich mehrheitlich keiner Nachprüfung stand. Diese Erfahrung hat sich bei uns über viele Jahre entwickelt und wird ständig aufs Neue bestätigt. Nutzen Sie unsere Erfahrung für Ihre eigenen Entscheidungen. Vor allen Dingen nehmen Sie die Scheuklappen herunter, Sie werden sofort eine bessere Sicht für das Wesentliche haben. Stecken Sie nicht länger den Kopf in den Sand!


Finanzkrise:

Die Schwarmintelligenz der westlichen Politiker multipliziert die Krisen und beschleunigt das weltweite Blasen-Wachstum. Am Ende fliegt uns der ganze Laden um die Ohren. Die Politiker werden sich dann in staunendes Schweigen hüllen oder unverständliche Entschuldigungen/Rechtfertigungen stammeln. Gegen diese Entwicklung können wir nicht anschreiben, sie ist unausweichlich und unumkehrbar. Wir sehen uns deshalb als Berichterstatter und Aufklärer, nur ganz ausnahmsweise als oberlehrerhafte Besserwisser.

Wir wollen an dieser Stelle nicht den Text der letzten Ausgabe 13 zur Entwicklung der Nahrungsmittelpreise wiederholen. Bitte einfach dort nachlesen. An unserer Einschätzung hat sich nichts geändert. Und wir werden Recht behalten: Die Spekulation treibt die Preise. Wenigstens sind wir mit dieser Einschätzung nicht alleine: Frankreichs Landwirtschaftsminister, Bruno Le Maire, warnt vor Hungerrevolten (Quelle: l’express.fr, 18.02.2011).

Die Unruhen in Arabien, Indien, usw. weiten sich aus oder greifen auf neue Regionen über. Syrien und Saudi-Arabien, ganz neu auch Kuwait, ergänzen die Unruhen im arabischen Raum. Besonders Saudi-Arabien wird ein neues, riesiges Problem für die G20-Nationen. Ein Problem, für das die sogenannten Super-Mächte keine Lösung haben werden. Nur die Spekulanten. Die werden die Gelegenheit nutzen, um gegen den Rest der Welt auf steigende Preise zu wetten.

In Libyen hält sich der Westen bisher noch zurück, obwohl es längst die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass Militärberater und Truppen im Land sind, um die Aufständischen zu unterstützen. Wahrscheinlich wird man hier versuchen, mit verdeckten Operationen ans Ziel zu kommen, um die Öllieferungen zu sichern. In Saudi-Arabien/Kuwait reicht das nicht. Zu wichtig sind diese Länder für die Öl-Versorgung. Jedenfalls wissen wir von entsprechenden Vorbereitungen. Deutschland unterstützt diese Maßnahmen.

Relativ unbemerkt eskaliert der Konflikt in der Elfenbeinküste zu einem ausgewachsenen Bürgerkrieg. Der gewählte Präsident kommt nicht an die Macht, der abgewählte ist nicht gewillt, seinen Platz zu räumen. Wieder geht es um Öl-Interessen, nicht um die Menschen. Die internationale Gemeinschaft unterstützt den neuen Präsidenten Ouattara. Der Westen nimmt Einfluss auf diesen Konflikt über die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS, die bereits mit einer militärischen Intervention als letztes Mittel gedroht hat. Ein Konflikt, in dem der Westen eine unrühmliche Rolle spielen wird. Quelle: NZZonline, 04.03.2011.

Es geht noch weiter. Länder, die hier in Europa niemand so ohne weiteres auf der Landkarte findet, stehen vor tiefgreifenden Unruhen/Revolten. Dazu zählen Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Kirgisien. Alles Länder, die über erhebliche Öl-Vorkommen verfügen und deshalb für den Westen von Interesse sind. Aber auch wegen der Nähe für Russland und China. Militärische Interventionen der USA und ihrer Freunde verbieten sich hier. Diplomatisches Geschick wäre gefordert, ist aber Mangelware. Gegen den Westen spricht außerdem, dass die Regime in diesen Ländern nur mit dessen Hilfe so lange überleben konnten und ständige Repressalien gegen die Menschen in diesen Ländern geduldet wurden. Der Westen geht hier als Gesprächspartner schwersten Zeiten entgegen. Trotzdem sitzen die Nutznießer dieser Entwicklung wieder im Westen: Die Finanz- und Öl-Konzerne, sowie die Hedge-Fonds werden die Gunst der Stunde nutzen und sich durch Preistreibereien die Kassen füllen. Mit Geld, dass ihnen die Notenbanken, insbesondere die US-amerikanische FED und die europäische Zentralbank, zu quasi 0 % grenzenlos zur Verfügung stellen. Gegen Sicherheiten, die nichts wert sind und am Ende doch nur die Allgemeinheit haftet.

Diese Entwicklungen drücken Inflation in die Welt, nicht nur in die Industrie- und Schwellenländer. Eine globale Wirtschaftskatastrophe ist unausweichlich, wahrscheinlich kombiniert mit einer Hungerkatastrophe. Genau davor warnen die ersten Experten der UN-Organisation FAO. Das MANAGER MAGAZIN nennt so etwas „Globale Inflationsspirale“ und titelt am 07.03.2011 „20 Prozent auf alles“. Für Asien wird ein „Inflations-Tsunami“ erwartet, auf „Europa und die USA rollt eine Inflationslawine zu“. Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND titelt „Das Benzin wird teurer, die Welt geht unter“ (fdt.de ,06.03.2011).

Diese Dinge passiert vor dem Hintergrund der unverdauten Finanzkrise 2007/2008. Die Bilanzen der Finanzkonzerne sind, ebenso wie die Bilanzen der Notenbanken, voll mit den toxischen (Wert-) Papieren aus dieser Zeit. Doppelte Buchführung, toleriert durch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Steuerbehörden und die Regierungen in den betroffenen Ländern. Jeder Buchhalter käme für derartige Methoden ins Gefängnis, im Finanzsektor mit seinen transatlantischen too big to fail-Banken ist das in Ordnung. Niemand muß dort Angst haben, strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt zu werden. Wie lange werden diese Betrügereien noch funktionieren?

China versucht sich als Outlaw. WELT ONLINE lässt am 04.03.2011 die Bombe platzen: „Chinas Wirtschaft kehrt dem Dollar den Rücken. Die Welt der Währungen steht vor einer Revolution: China will Auslands-Geschäfte nicht mehr in Dollar abwickeln – das hat gewaltige Folgen.“ Für uns und unsere Leser ist es keine Neuigkeit mehr, bereits Ende 2010 haben wir darauf hingewiesen. Steht schlicht im Zusammenhang mit den diversen Verträgen, die China mit Russland, Indien, usw. abgeschlossen hat. Betrifft also nur einen kleinen Teil der Auslands-Geschäfte. Alles andere würde China ins Mark treffen und die Dollar-Währungsreserven, immerhin läppische 2,85 Bill., unnötig entwerten. So eine Nachricht lassen wir abtropfen, mehr nicht. Hier soll Stärke demonstriert werden wo noch keine ist.

Abschließend noch einmal das Zitat von Henry Ford (1863 – 1947) aus der letzten Ausgabe:

Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“


USA:

Offensichtlich haben einige Leser unsere Ansichten zu den Entwicklungen in den USA „in den falschen Hals“ bekommen. Deshalb heute einige Klarstellungen:

Wir haben die Situation so dargestellt wie sie ist und was wir noch erwarten. Mittelfristig, d. h. auf Sicht der nächsten 2 – 3 Jahre, sind wir negativ eingestellt. Die USA haben einen Weg beschritten, ohne Umkehr. Politisch ist das Land nicht wirklich handlungsfähig, der Präsident lebt in einem „Wolken-Kuckucksheim“ und verprellt seine Wähler durch den dauernden Bruch von Wahlversprechen. Viele dieser Wähler haben mittlerweile ihre Jobs und Häuser verloren, leben heute von Food Stamps und Arbeitslosenunterstützung. Bis zur nächsten Präsidentschaftswahl wird sich daran nichts ändern. Viele Amerikaner halten ihren Präsidenten für schwach und die Euphorie von vor zwei Jahren ist verflogen. Obama steuert z. B. mit dem weiteren Bruch eines Wahlversprechens dagegen: Guantanamo wird nicht geschlossen, sogar die Verfahren dort wieder aufgenommen. Er unterschätzt offensichtlich die Wirkung solcher Entscheidungen bei seinen Wählern. Die Republikaner suchen erst einmal ihren Vorteil, ohne Rücksicht auf die Folgen der Verweigerungshaltung bei dringend notwendigen Entscheidungen im Kongress.

Die Amerikaner werden drangsaliert von ihrer Wirtschaftselite (übrigens, der Rest der Welt auch), aber ein Ende ist in Sicht. Das ist die gute Nachricht. Das Volk bewegt sich. Wir haben schon davon berichtet. Nur wird der weitere Verfall damit noch nicht aufgehalten. Den sehen wir als Selbstläufer. Trotzdem sind es die Amerikaner, die den Weltwirtschafts-Karren aus dem Dreck ziehen werden. Nicht die Chinesen, Inder, Brasilianer oder gar Europäer, wie immer wieder gerne behauptet wird. Die Amerikaner vereinen eine angeborene Konsumneigung mit beinahe grenzenlosem Optimismus, so wie niemand sonst auf der Welt. Erst muss Amerika Haus und Hof in Ordnung bringen, dann kommt auch die Welt aus der Rezession. So und nicht anders. Eine Herkules-Aufgabe, die dauert, und für alle sehr schmerzhaft sein wird. Deshalb gilt: Wer die laufende Krise überleben will, muss auf Amerika achten und die Daumen drücken. Alles andere ist Kokolores.

Statt die notwendigen Maßnahmen endlich auf den Weg zu bringen, werden die Probleme verschleiert oder massiv beschönigt. Siehe Arbeitslosenquote, Inflation, Staatsverschuldung, Bruttoinlandsprodukt. Wir haben schon eingehend dazu berichtet, bitte nachlesen.

Noch ein paar aktuelle Fakten: 16 Bundesstaaten haben bereits ihre Pensionen massakriert. Es sind Alaska, Colorado, Florida, Georgia, Indiana, Michigan, Minnesota, Montana, Nebraska, North Dakota, Ohio, Oregon, South Carolina, Utah, Washington und West Virginia (Quelle: HUFFINGTON POST, 04.03.2011). Diese Staaten haben definitiv kein Geld, um die Verpflichtungen an die jeweiligen Pensionsfonds zu bedienen. Folgen erst einmal nicht absehbar. Neues Allzeithoch bei den Beziehern von Lebensmittelmarken. 44,08 Millionen Menschen sind es aktuell. Innerhalb eines Monats ein Plus von 486.503 Bedürftigen. Quelle: US-Landwirtschaftsministerium, fns.usda.gov. Kosten für 2010 insgesamt, ohne Verwaltungskosten: 66,764 Milliarden US-Dollar. Die Arbeitslosenquote immer noch ein Desaster. Offiziell werden 8,9 % gemeldet, was FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND („US-Arbeitslosenquote nahe Zweijahrestief“) und MANAGER MAGAZIN („Arbeitsmarkt in USA nimmt Fahrt auf“)am 04.03.2011 auch gleich gebührend gefeiert haben. Nur stimmt diese Statistik nicht. Es führt leider viel zu weit, an dieser Stelle über die Entstehung dieser offiziellen Arbeitslosenquote zu berichten. Wen es interessiert, der sehe sich bitte bei shadowstats.com um. GALLUP, sicherlich nicht bekannt für regierungskritisches Verhalten, errechnet aktuell eine Quote von 10,3 %. Bereits ein deutlicher Unterschied zur Statistikbehörde. Kritiker der staatlichen Berechnungsmethoden sprechen von mehr als 22 % Arbeitslosenquote. Sollte die Wahrheit vielleicht in der Mitte liegen ...

Zum Schluss noch eine Meldung aus dem US-Landwirtschaftsministerium. Dort befürchtet man Unruhen bei weiter steigenden Lebensmittelpreisen in den USA.


China:

Es hat nicht die in der letzten Ausgabe angekündigten Wochen gedauert, bis sich tiefgreifende Veränderungen abzeichnen. Der gerade stattfindende Volkskongress zeigt sehr deutlich die Schwierigkeiten Chinas auf dem Weg zur Weltmacht.

Die chinesische Führung hat bisher nur für einen Bruchteil der Bevölkerung gesorgt. Mittlerweile kämpft das Land aber schon mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Inflation, schlechte Gesundheitsvorsorge, Einkommenskluft, Korruption, sind die dringensten Probleme, die schnell gelöst werden müssen. Von ein bisschen mehr Demokratie gar nicht zu reden. Bis jetzt gibt es höchstens gut gemeinte Ansätze, daran ändern auch die vollmundigen Ziele im neuen Fünfjahresplan nichts.

Natürlich redet der Westen China stark. Schließlich wird von China erwartet, die Welt (-wirtschaft) zu retten. Wie soll das gehen? Chinas Industrie lebt vom West-Konsum, nicht von der Binnennachfrage. Wo soll die herkommen, bei höchstens 200 Mio. Menschen mit nennenswertem Einkommen? Deren Nachfrage ist endlich, auch wenn uns z. B. die deutsche und US-amerikanische Autoindustrie unbedingt vom Gegenteil überzeugen will. China muss neue, gut bezahlte Arbeitsplätze für viele Millionen Menschen schaffen, was alleine wegen der fehlenden Bildung der Landbevölkerung sehr schnell an Grenzen stößt. Dazu passen auch nicht die Pläne der Führung, die Industrieproduktion zu automatisieren. Dadurch sehen wir uns höchstens in unserer Vermutung bestärkt, dass China einen Teil seiner Landbevölkerung exportiert. So etwa nach Afrika, wo China schon vor langer Zeit damit begonnen hat, riesige landwirtschaftliche Flächen zu kaufen. Das sichert die Versorgung mit Nahrungsmitteln, gibt den Bauern eine besser bezahlte Beschäftigung, macht sie wenigstens zu Klein-Konsumenten (Fernseher, Waschmaschine, etc.) und sorgt für Ruhe in der Heimat. Undenkbar? Nein!

Wer etwas wissen möchte über Chinas Kampf gegen Demokratie und die vielschichtigen wirtschaftlichen Probleme blättert einfach im Internet bei sueddeutsche.de, faz.net, handelsblatt.de, ftd.de, wirtschaftsblatt.at, tagesanzeiger.ch, nzzonline.ch, usw. Dort kämpft China gegen die Inflation und fürchtet Unruhen, stehen Chinas Führern die Probleme bis zum Hals, sind Konfikte im Keim zu ersticken, schränkt China die Pressefreiheit ein und verhaftet Journalisten.


Europa:

Die EZB hält im April eine Zinserhöhung für möglich. Damit soll die Inflation bekämpft werden. Eine starke Ansage. Oder doch nur eine Drohung, um in die Politik Bewegung zu bringen? Alles ist möglich. Jedenfalls wird dieser Schritt den Druck auf die PIIGS-Staaten zusätzlich erhöhen und die EU zu kurzfristigen Entscheidungen zwingen. Lange rumverhandeln ist dann nicht mehr. Einerseits gut. Andererseits ändern EU-Entscheidungen zur Umschuldung in Griechenland, Irland oder Portugal nichts an dem desolaten Zustand dieser Wirtschaften. Hier werden sich die Probleme verschlimmern, mit direkten Auswirkungen auch auf die deutsche Wirtschaft. Die EZB suggeriert Handlungsspielraum, wo keiner ist. Nur Waghalsige halten das deshalb für eine gute Idee.

Eher sehen wir diese Ankündigung im Zusammenhang mit einem anderen Ziel der EZB. Die will nämlich lieber heute als morgen Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder wieder abstoßen, die sie von Geschäftsbanken als (wertlose) Sicherheit übernommen hat. Die Papiere sollen durch die Europäische Finanzierungsfazilität (EFSF), umgangssprachlich auch Euro-Rettungsschirm, übernommen werden. Es geht um 77 Mrd. Euro. Die Bundesregierung ist dagegen. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 04.03.2011.

Irlands neue Regierung beginnt nach zu verhandeln. Erwartungsgemäß zeigt die EU wenig Entgegenkommen. Die stichhaltigen Argumente hat die irische Regierung. Das Land ist pleite, muss durchschnittlich 6 % Zinsen zahlen. Island beispielsweise zahlt nur 3,2 %. Lettland und Rumänien zahlen an die EZB sogar nur 2,5 bis 3 % Zinsen. Außerdem möchte Irland Hilfe von den deutschen Banken, den Nutznießern der irischen Bankenrettung, durch einen Teil-Forderungsverzicht. Quelle: TAGESANZEIGER/CH, 28.02.2011. Wenige Tage später fordert die EU Gegenleistungen, es sollen die niedrigen Unternehmenssteuern herauf gesetzt werden (Quelle: MANAGER MAGAZIN, 04.03.2011). Eine völlig untaugliche Idee – für Irland. So verliert das Land jeden Anreiz für ausländische Investoren, wenigstens ein bisschen Industrieproduktion anzusiedeln. Unser Ruf an die Experten von EU/IWF: Es wird Irland nicht reichen, nur noch Kerrygold-Butter und –Käse zu exportieren, um das Land nachhaltig zu sanieren.

Portugal steht wieder unter Druck (Quelle: WIRTSCHAFTSBLATT.AT, 04.03.2011). Ebenso Spanien, für das die Ratingagentur Fitch den Ausblick für die Bonitätsbewertung spanischer Staatsanleihen auf ‚negativ’ gesenkt hat (Quelle: cash.ch, 05.03.2011). Spaniens Arbeitslosenquote liegt nach Angaben der Statistikbehörde im Februar bei 20,3 %, im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,1 % höher (Quelle: HANDELSZEITUNG ONLINE/CH, 02.03.2011). Da verwundert es doch sehr, dass PIMCO, Verwalter des weltgrößten Anleihefonds, Spanien für weniger gefährdet hält als Portugal, Griechenland und Irland (Quelle: HANDELSBLATT.AT, 04.03.2011). Wir halten das für eine politische Aussage, es ist nämlich Nonsens.

Es gibt Neues von Hans-Werner Sinn. Er hält den neuen Stresstest für Europas Banken für wirkungslos (Quelle: FAZ.NET, 05.03.2011). Stimmt. Dieser Stresstest verdient den Namen nicht. Die ganz große Show, sonst nichts.

Deutschland hat kürzlich einen neuen Wirtschaftsweisen bekommen, Lars Feld, leider keine wirkliche Verstärkung für den europäischen Gedanken. Anhänger der längst gescheiterten liberalen Wirtschaftspolitik. Warten wir es ab. Die bisherigen Äußerungen erscheinen uns wenig vielversprechend. Beispiel: wiwo.de, 03.03.2011, „Steuern senken ist notwendig“.

Politisch rückt Europa weiter nach Rechtsaußen. In Großbritannien sind, einer aktuellen Umfrage zufolge, fast die Hälfte bereit, für eine rechtsradikale Partei zu stimmen. Quelle: FOCUS ONLINE, 01.03.2011). In Frankreich liegt die Nationale Front weit vor Sarkozys UMP. Dort wird 2012 gewählt. Sarkozy gilt nicht als aussichtsreicher Kandidat.


Deutschland:

FOCUS MONEY ONLINE hat am 04.03.2011 ein äußerst brisantes Thema aufgegriffen: „Der Goldschatz der Bundesbank“. Danach verfügt die Bundesbank über 3401,8 Tonnen Gold. Sie belegt damit Platz 2 hinter den USA. Aktuell wäre dieser Schatz 115 Milliarden Euro wert. Was leider nicht thematisiert wird: Über 60 % dieses Goldes lagern, nach unseren Informationen, in den USA, ein weiterer Teil in Großbritannien. Die Bundesbank selbst hält höchstens 15 % selbst. Inwiefern die Bundesbank in einer weltweiten Währungskrise überhaupt Zugriff hätte, bleibt völlig offen. Wir haben jedenfalls größte Bedenken. Die Lagerung im Ausland war eine Forderung der Siegermächte nach dem 2. Weltkrieg, die bis heute zu erfüllen ist.

Ansonsten feiern in dieser Woche noch FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND (01.03.2011, 03.03.2011) und HANDELSBLATT (03.03.2011) den Frühjahrsaufschwung am Arbeitsmarkt und das gute Konsumklima. Es ist müßig, hierzu noch was zu sagen, wir haben diese Luftnummern in der letzten Ausgabe kommentiert.

Das MANAGER MAGAZIN sieht in dem chinesischen Fünfjahresplan Vorteile für den Wirtschaftsstandort Deutschland („Chinas Plan und Deutschlands Chance“, 04.03.2011). Profitieren wird nach unserer Auffassung nicht der Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern nur die deutschen Konzerne, die sich auf die chinesischen Forderungen einlassen. Ganz oben steht hier die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen durch die Produktion im Land. Erinnern wir uns an VW: Der Konzern will bis 2018 40.000 neue Arbeitsplätze schaffen, 35.000 davon in China. Wer erklärt uns ernsthaft den Vorteil für den heimischen Wirtschaftsstandort?


Rohstoffe:

Die Nahrungsmittelpreise finden keinen Halt. Was den Hunger antreibt und die Inflation. Andreas Schubert, Chef des Feinkostherstellers Kühne, erwartet einen Dammbruch bei den Preisen für Agrarrohstoffe. In der Folge werden die Lebensmittel auf breiter Front teurer. Die Rohstoffspekulationen haben zugenommen, keiner kann sie mehr kontrollieren. Quelle: MANAGER MAGAZIN, 03.03.2011, „Den Preisschub kann niemand mehr aushalten“.

Der Ölpreis marschiert. Obwohl die Ölreserven zwei Jahre halten, so die internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris (Quelle: HANDELSBLATT, 05.03.2011). Sehen wir doch bald 200 US-Dollar? Möglich ist es. Noch korrigieren wir aber nicht unsere Jahresvorausschau 2011.

Die Edelmetalle entwickeln sich prächtig. Allzeithoch bei Gold und Silber. Silber gewinnt gegenüber Gold. Daran wird sich dauerhaft auch erst einmal nichts ändern. Die Zeiten des billigen Silbers sind vorbei. Seit Januar plus 16 %. Silber entwickelt sich zum Investment.


Krisenvorsorge:

Wir können uns nur wiederholen, gerade wegen anders lautender Empfehlungen in den Medien: Unbedingt Finger weg von Staatsanleihen/Bundesschätzchen. Diese Papiere sind garantiert nicht mehr sicher! Bieten am Ende auch keinen Inflationsschutz. Wer welche hat: Verkaufen. Sparbücher auflösen, wenigstens stark reduzieren. Festgeld ebenso. Fondsanteile verkaufen. Lebensversicherung taugen nicht mehr als Altersversorgung oder als Tilgung für die Hypothek. Bausparverträge sind nur noch unter ganz bestimmten Umständen sinnvoll. Unbedingt gilt: Keine neuen Verträge für „Irgendetwas“ abschließen. Keine Gold- oder Silberzertifikate kaufen, meistens fehlt die physikalische Deckung und es gibt am Ende wieder nur wertloses Papiergeld. Keine Immobilie zur Inflationsabsicherung kaufen. Unbedingt alle Ersparnisse auf ihre Krisenfestigkeit prüfen. Sparverhalten ändern. Die Banken sind, wenig überraschend, dabei keine Hilfe.

Bereits Voltaire wusste: „Papiergeld wird sich langfristig seinem wahren Wert annähern: Null.“ Die Weltwährung US-Dollar hat schon 97 % verloren.

Jeder, der aus diesem verrückten Spiel nicht aussteigt, wird nur noch verlieren. Der Staat und die Banken bieten keine Sicherheit mehr für die Ersparnisse.

Die Zeit zum Handeln drängt. Die weltweiten Unruhen greifen auf Länder über, die bisher niemand auf seiner Rechnung hatte. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen lassen sich in ihrer Tragweite noch nicht einschätzen. Sicher ist aber, dass der Druck auf die Industriestaaten und Schwellenländer enorm zunehmen wird. Davor darf niemand die Augen verschließen.

Mehr zu diesem Thema in der nächsten Ausgabe.

Buchempfehlung:

 

Heute empfehlen wir wieder ein sehr interessantes Buch. Zu beziehen über jeden guten Buchladen, nicht bei uns. Lügen mit Zahlen, Untertitel: Wie wir mit Statistiken manipuliert werden, beschreibt sehr unterhaltsam und anschaulich die Dinge, die immer wieder in einem Bonmot gipfeln: „Es gibt drei Arten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen und Statistiken.“ Benjamin Disraeli, britischer Romanschriftsteller und Premierminister (1804 – 1881).