Montag, 20. Dezember 2010

Wochenrückblick, Ausgabe 4, Kalenderwoche 51/2010

Der vorliegende Rückblick setzt die bisherigen 3 Ausgaben fort. Erstmalig haben wir unser Augenmerk noch stärker auf die Meinungen der schweizer Medien fokussiert. Die nämlich mit sehr viel Sachverstand und einem gewissen unabhängigen Abstand über die Dinge in Europa und der Welt berichten.

Wir bewerten wieder wichtige Nachrichten und Kommentare aus Wirtschaft und Politik, die während der vergangenen, der 51., Kalenderwoche in den einschlägigen deutschen Medien erschienen sind. Diese Bewertungen sollen Ihnen wichtige Denkanstöße geben.

Nach wie vor versuchen wir uns kurz zu fassen. Trotzdem schließen wir Wiederholungen nicht aus, um Aussagen zu festigen.

Bei den Zahlenangaben verwenden wir die deutsche Schreibweise.

Die Auswahl der Nachrichten wird von uns getroffen, wir sind aber überzeugt, dass wir nichts Wichtiges auslassen. Trotzdem gilt: Sollte ein Thema hier fehlen, aber unbedingt behandelt werden, so freuen wir uns über eine kurze Anregung.

Obwohl die folgenden Kommentare – natürlich – unsere persönliche Meinung wieder geben, legen wir Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen oder durch belastbare Indizien untermauern zu können. Leserinnen und Lesern, die unsere Aussagen in Zweifel ziehen, können wir gerne die entsprechenden Informationen ergänzend zur Verfügung stellen. Email genügt.

Wir wünschen Ihnen viele (neue) Erkenntnisse aus diesem Wochenrückblick.

Die Verfasser


Finanzkrise:

Die deutschen Medien drücken dieses Thema weg. Nicht so die Medien in den Ländern, die bereits massiv unter den Auswirkungen leiden. Dort weiß man, es gibt sie noch, die Finanzkrise.

Auch wir wollen allen die Sinne schärfen, die sich mittlerweile schon wieder entspannt zurück lehnen und davon überzeugt sind, es ist vorbei.

Die beschlossenen Finanzmarktregulierungen greifen nicht. Die Gesetze sind gespickt mit Lücken, die von den Banken bereits wieder genutzt werden. Folgen wir der Wirtschaftswoche und nennen es das „Schattenreich der Finanzindustrie“: Risiken werden weiter in Zweckgesellschaften ausgelagert, neue risikoreiche Geschäfte von diesen Zweckgesellschaften abgewickelt, die Eigenkapitalvorschriften unterlaufen, Wertberichtigungen verschleppt. Dadurch generieren die Banken auf dem Papier riesige Gewinne, obwohl sie nach alter Kaufmannssitte eigentlich pleite sind.

Die Politiker kommen mit einem Pflaster, wo amputiert werden müsste.

Die US-amerikanische FED und die Notenbanken halten diese Groß-Banken weiter am Leben. Die Finanzkrise bewältigen sie damit nicht.

Die Spekulationen gegen den Euro, die Explosion der Rohstoffpreise, Deflation hier – Inflation da, die galoppierende Zunahme der Staatsschulden auf der Welt, sind alles klare Indizien dafür, dass die Finanzkrise immer neue Wunden schlägt, die nicht mehr heilen werden.

Wir benutzen das Wort „Krieg“ nicht gerne, aber hier ist es leider angebracht: Es gibt längst den Währungskrieg, den Handelskrieg, den Krieg um Rohstoffe, oder den Krieg um Land. Der Ausgang ist ungewiss. Auch für die Industrienationen. Sicher ist jedoch, dass „Otto Normalverbraucher“ überall auf der Welt schwerste finanzielle Einbußen hinnehmen muss, sollte er nicht vorbereitet sein.

Die Welt sitzt auf einem Schuldenpulverfass, das irgendwann explodiert. Die Folgen sind heute noch nicht in allen Einzelheiten absehbar. So viel steht schon fest: Bei den Summen, um die es geht, war die „Große Depression“ vor 80 Jahren dagegen nur ein laues Lüftchen. Nur zur Erinnerung: Die dauerte nicht weniger als 15 Jahre.

Gerade jetzt zum Jahreswechsel überwiegen die positiven Ausblicke auf das nächste Jahr. Besonders natürlich in Deutschland, hier wird schliesslich 2011 in 7 Bundesländern gewählt und die Voraussagen für die Regierungskoalition sind alles andere als günstig.

Noch eine Anmerkung: Bis vor 2 Jahren, dem Beginn der Finanzkrise, war es gelungen, die Anzahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, auf 500 Millionen zu senken. In den letzten 2 Jahren hat sich diese Anzahl auf 1 Milliarde verdoppelt. Warum, wo doch eine unvorstellbare Menge Geld in der Welt unterwegs ist? Sehen wir uns als Erklärung die Entwicklung der Preise für Getreide usw. in diesem Zeitraum an, die teilweise geradezu explodiert sind und damit dem Zugriff der Ärmsten entzogen. Wir erleben gerade eine Welternährungskrise, die sich noch verschärfen wird. So lässt sich auch der Anstieg der Weltbevölkerung regulieren.


USA:

Es steigt die Gefahr einer Deflation. Die Folgen wären katastrophal, auch für den Rest der Welt. Noch scheiden sich darüber die Geister. Wir selbst halten eine Spaltung für möglich. D. h., die Preise für Rohstoffe, incl. Nahrungsmittel steigen, alles andere entwertet sich. Kommt es in den USA zu dieser Entwicklung, wird die ganze Welt davon betroffen sein.

Die US-Wirtschaft bleibt weiter am Boden, deshalb sind neue Jobs nicht in Sicht. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit bei den bis 20jährigen ist Besorgnis erregend. Gut ausgebildete Berufsanfänger finden keine Jobs.

Die zahlungsunfähigen Kommunen und Bundesstaaten entlassen große Teile ihrer Beschäftigten. Kredite werden nicht mehr bedient. Neue Kredite müssen aufgenommen werden, um laufende Ausgaben zu bestreiten. Steuereinnahmen sind weg gebrochen. Nicht nur Kalifornien hat ein Problem.


China:

Die chinesische Regierung kommt zu spät. Die Inflation liegt schon jetzt bei 5 %, deutlich über den seit zwei Wochen offiziell erlaubten 4 %. Als Reaktion darauf wurden schon wieder die Leitzinsen erhöht.

Die Immobilienblase entwickelt sich weiter, wenn auch verlangsamt. Es wird immer noch gebaut, wenn auch schon längst keiner mehr weiß, wer die neuen Wohnungen überhaupt kaufen kann. Für große Teile von Chinas wachsendem Mittelstand ist der Kauf einer Wohnung unerschwinglich geworden. Schon jetzt stehen viele der neu errichteten Gebäude leer. Noch hat das keine Auswirkungen auf die Preise, die in einigen Regionen im Quartal (!) um bis zu 70 % gestiegen sind. Das Ende ist vorhersehbar. Die Folgen auch, wenn man bedenkt, dass 60 % der derzeitigen Wirtschaftstätigkeit in China direkt oder indirekt vom Immobiliensektor und der Bauindustrie abhängt. So wurden offensichtlich die Produktionsausfälle in der Exportindustrie ausgeglichen. Die chinesische Regierung versucht gerade, mit unterschiedlichen Maßnahmen, dem Platzen dieser Immobilienblase vorzubeugen. Die nächsten Monate werden zeigen ob mit Erfolg.

China verschafft sich weiter Vorteile in Afrika. Investiert werden sollen weitere 31 Mrd. $. Vornehmlich in die Sicherung der Rohstoffversorgung (Öl, Gas, Eisenerz).

Die Aussichten für 2011 werden von den westlichen Ökonomen für China überwiegend sehr positiv eingeschätzt. Es gibt nur wenige warnende Stimmen, die mehrheitlich aus China selbst kommen.

Wir sind davon überzeugt, dass es China immer darum gehen wird, seine wirtschaftliche Position in der Welt so auszubauen und auch zu festigen, dass sein politisches Gewicht deutlich zunimmt.


Europa:

Es war relativ ruhig im vereinten Europa. Vielleicht zu ruhig?

Jedenfalls hat es uns an die Ruhe vor dem Sturm erinnert.

Vorsorglich wurde Portugal schon einmal unter den Rettungsschirm gedrängt (Deutsche Bank). Obwohl China für angeblich 5 Mrd. Euro portugiesische Staatsanleihen kaufen will. Portugal muss bis Ende 2011 rund 9,5 Mrd. Euro refinanzieren, da wäre eine Kapitalspritze aus China zu moderaten Konditionen schon willkommen.

China hat sich mittlerweile kritisch zur Entwicklung im Euro-Raum geäußert, da ein Teil seiner Devisenreserven auf Euro lauten. Die Erhaltung des Euro hat da schon eine gewisse Priorität.

Deutschland bastelt an einer neuen Lösung für die Eurokrise, nennt sich Euro-Stabilitätsfonds. Wurde der luxemburger Vorschlag noch abgebügelt, Euro-Bonds aufzulegen, so soll es jetzt eine ähnliche Lösung mit neuem Namen unter deutscher und französischer Führung geben. Ein Schuft, wer dabei Böses denkt.

Jedenfalls fehlt es noch immer an einer klaren Position Deutschlands, die endlich auch in die Öffentlichkeit hinein kommuniziert wird. Alle wissen, dass der Euro Bestand haben muss. Nur aus Kalkül, nämlich weil die Deutschen immer noch ihrer D-Mark nachhängen und 2011 ein Wahljahr ist, eiert Berlin in dieser Frage von Woche zu Woche weiter herum. Der Schaden wird so nur größer.

Wir beziehen, im Gegensatz zu Berlin, eine eindeutige Position: Die politische Union muss kommen. Bei der Gründung der Euro-Zone war bereits klar, dass eigentlich eine weitaus größere politische Integration nötig wäre, wozu man damals nicht bereit war. Die Beteiligten haben diesen Fehler in Kauf genommen. Wohl wissend, dass die Zeit irgendwann reif dafür sein werde, diesen Geburtsfehler zu korrigieren. Natürlich konnte niemand diese Entwicklung vorher sehen, die heute die Korrektur dieses Fehlers mit Gewalt erforderlich macht. Dazu gehört nun einmal auch die „Transferunion“. Je schneller hier Klarheit geschaffen wird, um so schneller hört die Spekulation gegen den Euro auf. Damit wäre wenigstens schon eine große Schlacht im Währungskrieg gewonnen.

Ab Januar werden wir erleben, wie Portugal fällt und der Druck auf Spanien immer größer wird.

In der letzten Woche haben wir geschrieben, „Großbritannien geht schon lange am Stock“. Wir halten es für möglich, dass das englische Pfund unter massiven Druck gerät. Diesen Hinweis haben wir aus den USA bekommen. Die Zahlen dazu sind erschreckend. Danach ist Großbritannien völlig überschuldet, viel höher wie bisher angenommen. Da verwundert es dann auch nicht mehr, dass ein nagelneuer Flugzeugträger ohne Flugzeuge in Dienst gestellt wurde und ein alter nicht in eigener Regie verschrottet, sondern an den Meistbietenden verkauft wird.


Deutschland:

Die positiven Nachrichten kamen geradezu stündlich in die Medien. Wir haben uns nur noch die Augen gerieben. „Top-Ökonom“ Sinn vom Ifo-Institut („Deutschland 2011 Konjunkturlokomotive“), die den Arbeitgebern nahe stehenden Institute, alle feierten das „Wirtschaftswunder Deutschland“ und den „hervorragenden Ausblick“ für 2011.

Vollbeschäftigung in Sichtweite. Steigende Löhne versprach der Wirtschaftsminister, sprach gar von einem „Jahrzehnt der Arbeitnehmer“, wogegen die Arbeitgeberverbände einen Tag später Lohnzurückhaltung einforderten. Der Wirtschaftsminister setzte aber noch einen drauf und stellte, wohl schon in Vorbereitung auf das 7-fache Wahljahr, Steuererleichterungen in Aussicht. Der Maschinenbau jubilierte, die Autoindustrie sowieso, die beide ihr Heil in der Entwicklung der Schwellenländer, allen voran Indien, Brasilien, China, zu den neuen Weltwirtschaftslokomotiven sehen.

Die Krisenstimmung in der Bevölkerung wurde von den Medien „weg geschrieben“, das Weihnachtsgeschäft musste dafür als Begründung herhalten.

Dazu sagen wir nur: Alles Quatsch. Genau so wird es niemals kommen. Das ist bereits Wahlkampf.

Aus Umdeutungen werden keine belastbaren Prognosen. Wenn Kredite aus öffentlichen Förderprogrammen nur teilweise abgerufen werden, so heißt es nicht, dass es keine Kreditklemme gibt. Schon seit Jahren werden die Fördermittel der KfW nur teilweise ausgeschöpft: zu schwierig sind die Bedingungen und der Antragsweg über die Hausbank. So ist nämlich zu erklären, warum die KfW in der Vergangenheit überschüssige Gelder zweckentfremdet in Risikogeschäfte investierte.

Besorgnis erregend ist aber die Nachricht aus der Finanzaufsicht BaFin, die befürchtet, dass deutsche Lebensversicherer Zinsgarantien an ihre Kunden nicht einhalten können. Die Behörde hat bereits die Anbieter aufgefordert, die Rückstellungen für einen Teil ihrer Verträge schon 2011 deutlich zu erhöhen. Obwohl die Branche gelassen reagierte, könnte hier zukünftig Zündstoff liegen. Verpflichtungen aus 91,5 Millionen Verträgen, Ende 2009 immerhin 741 Mrd. Euro, sind kein Pappenstiel. Wir informieren uns weiter.


Rohstoffe:

Es ging weiter mit den Prognosen für 2011. Ganz klar überwiegen diejenigen, die eine klare Fortsetzung der Finanzkrise 2008 erwarten und daraus klare Preissteigerungen bei den Rohstoffen und Nahrungsmitteln vorher sagen. Mit geringem Korrekturpotential.

Wegen der klaren Aussagen geben wir hier ein Preisziel für die Unze Gold bekannt, wo mindestens 1.600 $ erwartet werden. Bei Silber halten wir erst einmal weiter an 40 $/Unze fest, obwohl wir hier außerdem noch erwarten, dass sich das Verhältnis zum Gold weiter annähert, was dem Preis zusätzlich gut tut.

Heute wollen wir Alan Greenspan zitieren, früherer Präsident der US-Zentralbank FED:

Gold und wirtschaftliche Freiheit sind untrennbar. Gold steht symbolisch als Beschützer der Eigentumsrechte. (...) Staatsschulden sind nur ein anderes Wort für heimliche Konfiszierung von Vermögen. Das Gold steht dem im Wege und ist allein Garant des Eigentums und der Eigentumsrechte.“

Gold repräsentiert immer noch die höchste Zahlungsform der Welt. (...) Papiergeld wird, in extremis, von niemandem angenommen – Gold dagegen wird immer angenommen.“

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.