Montag, 27. Dezember 2010

Wochenrückblick, Ausgabe 5, Kalenderwoche 52/2010

Dieser Rückblick schließt die bisherigen in 2010 erschienen Ausgaben ab. Wegen der positiven Resonanz werden wir diese Wochenrückblicke auch in 2011 fortsetzen.

Unabhängig davon arbeiten wir gerade an einem Jahresausblick für 2011, den wir in den nächsten Tagen abschließen wollen und dann versenden werden. Mehr als 10 Jahre ist es her, dass wir uns an eine solche Vorausschau „gewagt“ haben. Heuer ist es wieder soweit. Zu groß sind nämlich die Gefahren, die durch eine völlig falsche Finanz- und Wirtschaftspolitik in den Industrienationen und den Schwellenländern drohen.

Bei der Bewertung wichtiger Nachrichten und Kommentare aus Wirtschaft und Politik, die während der vergangenen Kalenderwoche in den einschlägigen deutschen Medien erschienen sind, haben wir die Prognosen für 2011 ausgelassen. Wir werden diese Prognosen im Rahmen unseres eigenen Statements zu 2011 kommentieren.

Wir versuchen uns weiter kurz zu fassen. Trotzdem werden wir uns wiederholen, um Aussagen zu festigen.

Bei den Zahlenangaben verwenden wir die deutsche Zählweise.

Nach wie vor wird die Auswahl der Nachrichten von uns getroffen, wir sind aber überzeugt, dass wir nichts Wichtiges auslassen. Trotzdem gilt: Sollte ein Thema hier fehlen, aber unbedingt behandelt werden, so freuen wir uns über eine kurze Anregung.

Obwohl die folgenden Äußerungen – natürlich – ausschließlich unsere persönliche Meinung wieder geben, legen wir Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen oder durch belastbare Indizien untermauern zu können. Sollten Sie unsere Aussagen in Zweifel ziehen, werden wir gerne die entsprechenden Informationen ergänzend zur Verfügung stellen. Email genügt.

Lesen Sie die folgenden Seiten bitte aufmerksam, es wird Ihnen nur nutzen.


Finanzkrise:

Nach wie vor in Deutschland eine dürftige Berichterstattung. Bemerkenswert die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin. Die sieht bereits die Zeit nach der Finanzkrise für gekommen und bescheinigt sich eine gute Arbeit. Tatsächlich wurde hier bereits Wahlkampf gemacht. Weder ist die Finanzkrise zu Ende, noch wurde von den Politikern gute Arbeit geleistet, quer durch alle Parteien. Zur Erinnerung: 7 Landtagswahlen finden 2011 in Deutschland statt und die Erfolgsaussichten von Schwarz-Gelb sind mindestens zweifelhaft, das weiß die Kanzlerin.

Die Staatsschulden sind nicht mehr beherrschbar. Die USA und alle mit ihr verbundenen Staaten lassen die Notenpressen auf Hochtouren laufen. Die Einen, um die Wirtschaft anzukurbeln, die Anderen, um ihre Währung zu retten. Garantiert ohne Erfolg.

Sicher ist nur, dass diese Krise in den nächsten Monaten mit allen Mitteln für Tod erklärt wird. Nicht nur in Deutschland stehen 2011 Wahlen an. Da sind gute Nachrichten Pflicht.

Die Börsen boomen erst einmal weiter. Wegen der grenzenlosen Liquidität sind auch neue Höchststände möglich. Der Absturz kommt sicher und er wird neue Probleme schaffen.

Eine neue These verbreitet sich in den Medien: Der Schweizer Franken (CHF) ersetzt die D-Mark. Eine sehr interessante Aussage: Die kleine Schweiz sozusagen der rettende Fels in der Brandung. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die staatliche Rettung der beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse seit 2008 bedeutet für jeden der knapp 8 Millionen Schweizer ein Risiko von 4.500.000 CHF! Gemessen an dem Bruttosozialprodukt von gerade einmal 68.000 CHF je Schweizer in 2009 eine geradezu irrsinnige Zahl. Schon die Ausfallrisiken aus den Derivateschulden der beiden Schweizer Großbanken belaufen sich für jeden Schweizer auf 450.000 CHF. Dieser Betrag ist geschätzt und könnte, wovon wir überzeugt sind, noch höher liegen. Alleine die Schulden der UBS belaufen sich auf das Vierfache der Schweizer Wirtschaftsleistung. In der Schweiz selbst heißt es deshalb schon längst über UBS und Credit Suisse: „too big to rescue“!

Die Schweiz ist zu einem riesiger Hedgefonds verkommen, lebt längst nur noch von dem Jahrzehnte alten Vertrauensvorschuss, bzw. dem Mangel an weltweiten Alternativen. Die Risiken sind hier, genauso wie in der restlichen Welt, unkalkulierbar geworden. Würde auch nur eine der beiden Großbanken pleite gehen wäre die Schweiz, ähnlich wie Island, bankrott. Unglaublich aber wahr.

Der Schweizer Franken ist also in Wirklichkeit nicht mehr Wert wie der US-Dollar oder das englische Pfund, usw. Trotzdem markiert die Währung gegenüber dem Euro neue Höchststände. Die Interventionen der Schweizer Notenbank gehen ins Leere und verursachen statt dessen Verluste in der Größenordnung von 32 Milliarden CHF.

Wer kann da noch allen ernstes glauben, die Finanzkrise sei vorbei?


USA:

Amerikas Mitte fehlt eine Perspektive. Die Maßnahmen der Notenbank FED zur Stützung der Wirtschaft verpuffen. Schlimmer noch: Die Gelder werden von den Banken und Großkonzernen zu hemmungsloser Spekulation benutzt, u. a. gegen den Euro.

Die Erwerbsarmut nimmt rapide zu. Das Einkommen aus bis zu 3 Jobs reicht nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Ständig werden die Statistiken über die Arbeitslosenzahlen und die Inflation frisiert. Anders kann man es wirklich nicht bezeichnen, wenn die offizielle Arbeitslosenquote 10 %, die tatsächliche aber 22,5 % beträgt, oder die offizielle Inflationsrate unter 2 %, die tatsächliche Rate immerhin schon bei 9 % liegt.

Die USA leben längst „im Auge des Sturms“, wie kürzlich ein Analyst treffend bezeichnete.

Die Archillesferse ist der Arbeitsmarkt. Neue Jobs gibt es nicht, trotz immer neuer froher Botschaften in den deutschen Medien. So soll auch wieder der Konsum steigen und der Häusermarkt am Anfang einer Erholung stehen. Das sind ausnahmslos Märchen, die Zuversicht verbreiten sollen. Wir wissen es besser.

Nur neue, gut bezahlte Jobs würden die Situation entspannen. Statt dessen verfallen die alten Industriestandorte, weil über Jahre hinweg die Produktionen in das billige Asien und Mittelamerika ausgelagert wurden. Beispiel: Wal Mart, der weltweit größte Einzelhändler, importiert für seine us-amerikanischen Läden rund 80 % der Waren aus China, vom Rest kommt der größte Teil aus Mittelamerika, nur noch ein kleiner einstelliger Prozentsatz kommt aus den USA selbst.

Sehen Sie sich an, wo die Produkte so „ur-amerikanischen“ Konzerne, wie HP/Compaq, IBM, Dell, Xerox, Apple, hergestellt werden: Überall, nur nicht in den USA.

Präsident Obama kennt sein Land nicht, wenn er die Losung ausgibt, dass sich der Export innerhalb weniger Monate verdoppeln soll.

Auf der anderen Seite hat das Vermögensungleichgewicht weiter zugenommen. 5.307 US-Amerikaner verdienten zusammen genommen in 2009 die unglaubliche Zahl von 57,097 Milliarden US-Dollar und damit mehr als die 24,316 Mio. US-Amerikaner am anderen Ende der Lohnstatistik 2009, die zusammen genommen nur 49,028 Mrd. US-Dollar verdienten. Hier wird deutlich, wer die Zeche jetzt und in Zukunft zahlt.

Neue Botschaften gibt es auch von den Kommunen und Bundesstaaten, die mittlerweile auch die Pensionszahlungen für ihre Angestellten gekürzt oder bis auf weiteres sogar ganz eingestellt haben. Der Grund: Fehlende Steuereinnahmen aus dem Häusermarkt. Neue Hilfen aus Washington gibt es nicht mehr.

Die USA sind ruiniert. 2011 wird – offiziell – die Verschuldungsquote die Marke von 100 % überschreiten. Das Haushaltsdefizit wird dann 11 % des Bruttosozialprodukts betragen, der höchste Wert aller Industrienationen. Aufgrund unserer eigenen Recherchen halten wir bereits diese Zahlen für geschönt.

Der im Wochenrückblick, Ausgabe 2, angekündigte Bericht über das riesige Haushaltsdefizit der USA werden wir in unserer Jahresvorschau 2011 eingehend thematisieren.


China:

Topp-Themen in dieser Woche: Milliarden-Investitionen in den Rohstoffmarkt Brasiliens. Neue Absichtserklärungen zu Milliarden-Euro-Hilfen für Portugal und Spanien, ganz neu auch für Ungarn.

Hier haben wir schon in den vorangegangenen Ausgaben unseren Unmut geäußert: Der Westen sieht tatenlos zu, wie sich China für die Zukunft als Wirtschaftsmacht in Stellung bringt. Eine Entwicklung, die den Europäern noch übel aufstoßen wird.


Europa:

Hinter den Kulissen gehen die hilflosen Rettungsbemühungen für den Euro weiter. An dieser Stelle betonen wir unmissverständlich, dass wir gegen die Einführung einer D-Mark II sind oder die Aufspaltung des Euro in Nord und Süd für eine gute Idee halten. Diejenigen, die einer dieser Lösungen für Deutschland das Wort reden, verstehen entweder die Zusammenhänge nicht (was wir nicht glauben) oder leisten großartige Lobby-Arbeit. Wir werden in unserer Jahresvorschau 2011 darauf detailliert eingehen.

Es handelt sich bei der Euro-Krise um eine massive Spekulation mit nur zwei Zielen: Den Euro gegenüber dem US-Dollar zu destabilisieren und die beteiligten Banken, Hedgefonds, Unternehmen, wollen Gewinne machen. Wird diese Spekulation gegen den Euro nicht unterbunden – und danach sieht es leider nicht aus – so werden weder die Verdoppelung des Rettungsschirms, noch ein wie auch immer gearteter Euro-Stabilitätsfonds, Abhilfe schaffen.

Die bisherigen Maßnahmen von Brüssel und IWF zur Schuldenreduzierung in den betroffenen Staaten sind schlicht unsinnig. Griechenland, so die neusten Zahlen aus Brüssel, spart sich gerade kaputt. Irland werden die gleichen Maßnahmen ab verlangt. Damit werden auch dort die Verhältnisse nur verschlimmbessert.

Weder Brüssel, noch die nationalen Regierungen, haben die richtigen Lösungen parat. Es geht denen nur darum, Zeit zu gewinnen. Dieser Zeitgewinn reicht vielleicht noch für den einen oder anderen Wahlsieg, mehr aber nicht. Die Rechnung wird innerhalb der nächsten 2 – 3 Jahre präsentiert, und die wird bis dahin unbezahlbar sein.

In der letzten Woche haben wir geschrieben, dass für uns „das englische Pfund unter massiven Druck gerät“. Wir betonen diese Annahme noch einmal. Großbritanniens Regierungskoalition ist in einem völlig desolaten Zustand, unfähig, dringend notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch hier China als „Retter in der Not“ gehandelt wird.

Schon vor Monaten wurde uns bekannt, dass der Hafen von Dover verkauft werden soll, außerdem die Hälfte der in Staatsbesitz befindlichen Wälder.

Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass eine Gruppe britischer Ökonomen dem Euro keine Überlebenschance zubilligt. Diese Studie dient nur dem Zweck, von den eigenen immensen Schwierigkeiten ab zu lenken. Wir werden weiter berichten.


Deutschland:

Schon wieder gute Neuigkeiten von unserem FDP-Wirtschaftsminister. Er erwartet 2011 „ein Jahr des Aufschwungs“ mit „Rekordwachstum“ und er träumt von Vollbeschäftigung. Deutschland habe (...) „den Weg aus der Krise gefunden“ und den „Grundstein für ein nachhaltiges Wachstum gelegt“, Die jüngsten Exportzahlen seien ein weiteres Ausrufezeichen. Auch der FDP-Wirtschaftsminister meint, genauso wie die CDU-Bundeskanzlerin, den Weg aus der Finanzkrise.

Hier wird dem Wahl-Volk etwas vorgemacht. Die ZEIT nannte so etwas am 30.12.2010 in ihrer Online-Ausgabe „Die Wahr-Lügner“.

Wie zur Bestätigung von Wirtschaftsminister und Bundeskanzlerin verkündet die deutsche Industrie, 70 000 neue Stellen schaffen zu wollen, als Zeichen dafür, dass die Wirtschaft brummt und man an einer absehbaren Vollbeschäftigung arbeitet. Das sind Gefälligkeitsaussagen, mehr nicht. Auf der anderen Seite fehlen dem Staat 370 Millionen Euro bei der Lkw-Maut, so dass wieder einmal darüber diskutiert wird, die Maut auf die Pkw auszudehnen.

Andererseits werden die Arbeitgeber und ihre Verbände nicht müde, vor zu hohen Lohnerwartungen zu warnen.

Kritische Geister, zu denen wir uns zählen, sehen ein anderes mögliches Szenario: nämlich ein Krisenjahrzehnt. Schließlich sind wir, gerade durch unsere Exportlastigkeit, ein Spielball der weltweiten Entwicklung, die sich, was wir beweisen werden, zu einem einzigen Desaster entwickelt.

Es fällt auf, dass die deutschen Firmen angekündigt haben, sich in den kommenden Monaten verstärkt um den europäischen Markt zu bemühen, obwohl dorthin schon 78 % der deutschen Exporte gehen. Wie glaubhaft sind da noch Aussagen, dass China, Indien, Brasilien, die neuen bevorzugten Absatzmärkte werden? Hier traut jemand seinen eigenen Worten nicht. Mit dem Euro und der EWU lässt sich eben doch gut leben.

Ach so, da war noch etwas zur Rente mit 67. Es ist offiziell: Die Zahl der über 60 Jahre alten arbeitslosen Menschen hat sich von Oktober 2007 bis Oktober 2010 mehr als vervierfacht. Die Arbeitsministerin hat das jedoch bestritten und hält weiter an der Rente ab 67 fest. Wohlgemerkt, die Ministerin bestreitet Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Im Ergebnis ist es ein Taschenspielertrick: Die Rentenversicherung wird entlastet und die Arbeitsagentur belastet, nur, um am Ende nach wie vor den Steuerzahler zu belasten, der den höheren Fehlbetrag bei der Arbeitsagentur genauso ausgleichen muss wie vorher bei der Rentenversicherung.


Rohstoffe und Krisenvorsorge:

Ab sofort haben wir diese Rubrik erweitert.

Aus gutem Grund wiederholen wir hier noch einmal zwei Zitate von Alan Greenspan, dem früheren Präsident der US-Notenbank FED:

Gold und wirtschaftliche Freiheit sind untrennbar. Gold steht symbolisch als Beschützer der Eigentumsrechte. (...) Staatsschulden sind nur ein anderes Wort für heimliche Konfiszierung von Vermögen. Das Gold steht dem im Wege und ist allein Garant des Eigentums und der Eigentumsrechte.“

Gold repräsentiert immer noch die höchste Zahlungsform der Welt. (...) Papiergeld wird, in extremis, von niemandem angenommen – Gold dagegen wird immer angenommen.“

Zur Bestätigung gab es in den vergangenen Tagen neue Bestmarken bei Gold und Silber.

Der Druck auf die Rohstoffpreise nimmt durch die riesigen Überschwemmungen in Australien zu. Unabhängig davon erwarten wir außerdem höhere Preise bei den Nahrungsmitteln. Lassen Sie sich von den Preissenkungsrunden in den deutschen Supermärkten nicht täuschen.

Lesen Sie bitte noch einmal in der Ausgabe 3 unter „Rohstoffe“ nach. Hier steht nach wie vor das Wichtigste.

Mittlerweile warnen deutsche Medien, allen voran die FAZ, vor Lebensversicherungen, nennen sie „unattraktiv“, wegen „lausiger Zinsen und hoher Kosten“. Hört, hört.

Brisant: Unser Verdacht scheint sich zu bestätigen: Die deutsche Bundesbank verfügt über keine nennenswerten Gold-Reserven (mehr). Davon waren wir schon längst überzeugt. Wir gehen davon aus, dass bestenfalls 10 – 15 % der ursprünglichen Gold-Reserven der deutschen Bundesbank physisch noch zur Verfügung stehen. Thematisieren wir weiter.