Montag, 17. Januar 2011

Wochenrückblick, Ausgabe 7 & 8, Kalenderwoche 02-03/2011


Ausnahmsweise haben wir in diesem Rückblick zwei Wochen zusammengefasst. Zeitgleich haben wir nämlich an der Fertigstellung unserer „Vorausschau 2011“ gearbeitet. Deren Umfang ist größer geworden, als wir erwartet haben. Deshalb sind wir diesen Kompromiss eingegangen, ohne aber bei den Informationen zu sparen.

Es bleibt unser Ziel, durch eine fundierte Beschreibung der Faktenlage, die echten, belastbaren Informationen unseren Leserinnen und Lesern bereit zu stellen und, falls erforderlich, zu kommentieren.

Zukünftig werden wir die aktuellen Entwicklungen regelmäßig mit unseren Vorhersagen für 2011 vergleichen. Falls es hier Abweichungen gibt werden wir selbstverständlich dazu Stellung nehmen.

Die Nachrichtenlage war in den beiden vergangenen Wochen sehr aufschlussreich, aber ohne eine echte Überraschung. Sogar die teilweisen abstrusen Äußerungen zum Zustand der USA, zur Eurokrise oder auch zum Boom in Deutschland, passen in unser Bild.
Nach wie vor arbeiten wir daran, uns kurz zu fassen. Wichtiger ist es uns jedoch, vollständig zu informieren.

Bei den Zahlenangaben verwenden wir die deutsche Zählweise.

Wir haben die Auswahl der Nachrichten so getroffen, dass wir nichts Wichtiges ausgelassen haben. Sollte Bedarf bestehen, werden wir gerne auf Zuruf unsere Auswahl ergänzen oder auch ein wichtiges Thema gesondert behandeln.

Die folgenden Äußerungen geben unsere persönliche Bewertung wieder. Gerade deshalb legen wir großen Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen oder durch belastbare Indizien untermauern zu können. Sollte Bedarf bestehen, werden wir gerne die entsprechenden Nachweise ergänzend zur Verfügung stellen. Email genügt.

Gerade den Leserinnen und Lesern, die sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik beschäftigen empfehlen wir ausdrücklich, sich für die folgenden Seiten Zeit zu nehmen. Der Nutzen ist enorm.

Denken Sie bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse der kommenden Monate erfordern Hintergrundwissen für Jeden.


Finanzkrise:

Zugegeben, z. Zt. eines unserer Lieblingsthemen. Zu viel steht hier auf dem Spiel. Solange die Politik sich nicht offensiv mit diesem Problem beschäftigt, werden die Auswüchse weiter zunehmen und irgendwann die Welt - im übertragenen Sinne - in Schutt und Asche legen.

Was wir außerdem für sehr gefährlich halten ist der Umstand, dass die wenigen öffentlichen Warnungen sich nicht mit dem Kern dieser Krise beschäftigen und deshalb die hier und da vorgeschlagenen Lösungen nicht funktionieren würden.

Die Krise selbst ist nicht mehr zu stoppen. Vielleicht wäre es noch möglich, die zerstörerische Wirkung abzuschwächen. Dazu wäre es aber zwingend erforderlich, dass sich die Regierungen der G20-Staaten mit ihren Banken anlegen und deren Geschäfte tiefgreifend beschneiden. Das wird nicht geschehen. Zu unterschiedlich sind die Interessen der Regierungen und zu mächtig die Banken. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an die Probleme der Schweiz, die wir in der Ausgabe 5 sehr anschaulich thematisiert hatten. Die Regierungen sehen sich in einer Abhängigkeit von den Banken, die bei näherer Betrachtung völliger Unsinn ist, jedoch durch perfekte Lobbyarbeit dieser „too big to fail“-Banken („too big to rescue“ wäre treffender) immer weiter gefestigt wird. In den USA bleiben statt dessen die Regionalbanken auf der Strecke. Mindestens 3000, von insgesamt rund 8.000, kämpfen um ihr Überleben. Die US-Einlagensicherung ist bereits pleite, obwohl es bisher erst 314 Banken „erwischt“ hat. Vorsorglich hat sich dort noch niemand öffentlich Gedanken darüber gemacht, um wie viel Geld es dabei geht, bzw. wie viel Verluste in naher Zukunft sozialisiert werden müssen. Viele Milliarden werden es auch hier sein.

Die Zentralbanken, FED, EZB und Bank of England, fluten weiter die Welt mit Dollar, Euro und Pfund. Richtig, nicht nur die FED hat die Gelddruckmaschinen Tag und Nacht laufen. Auch in Europa versorgen sich die Banken und Großunternehmen mit Liquidität. Dafür geben sie wertlose Papiere als Sicherheit.

So wie die Druckmaschinen rund um die Uhr laufen, läuft auch das weltweite Banken-Geld-Casino ohne Unterbrechung. Es ist ein gigantisches Schneeballsystem wertloser „Wertpapiere“: Jeder falsche Wert eines Handelspapiers wird künstlich durch den falschen Kurs eines anderen Investments gestützt. Eine Regulierung findet immer noch nicht statt, so dass sich die Risiken laufend immer höher auftürmen. Die regelmäßig veröffentlichen Gewinne sind belanglos, weil nicht wahrhaftig. Alles nur eine riesige Show. In der Real-Wirtschaft würde man das Bilanzbetrug nennen und die Verantwortlichen strafrechtlich zur Verantwortung ziehen. Beispiel Phantomzinsen: Den Banken in den USA (auch den Niederlassungen ausländischer Banken) ist seit Frühjahr 2009 erlaubt, solange anfallende Zinsen auf in Not leidende Hypotheken zu verbuchen, bis die jeweilige Zwangsversteigerung stattfindet. Bisher sind so 1,4 Billionen US-Dollar zusammen gekommen, die die Bank-Bilanzen verschönern. Tatsächlich sind es aber potentielle Verluste, die in der Zukunft wertberichtigt werden müssen. Dabei bleibt es noch nicht, da über 6 Millionen Häuser dem Risiko einer Zwangsversteigerung ausgesetzt sind, alleine 2011 sind es 2 – 3 Millionen.

Wir wollen es klar und deutlich sagen: Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf die großen US-Banken, auch die großen Banken in Europa und Asien profitieren von diesen „Anpassungen.“ Für alle ein wahres Schlaraffenland.

Während dessen dämpft die Weltbank die Hoffnung auf ein Boomjahr. In mehreren arabischen Staaten gibt es erhebliche Unruhen mit Todesopfern. Die Preise für Nahrung und Rohstoffe gehen teilweise bereits durch die Decke, was neue Unruhen auslösen wird. Die Naturkatastrophen in Australien und Brasilien destabilisieren zusätzlich die Situation. Diese Katastrophen treffen auf eine schwache internationale Gemeinschaft, die nicht in der Lage ist, die Probleme zu lösen oder wenigstens abzumildern. Es gibt im Moment keine funktionierenden Schutzmechanismen. Die großen geopolitischen Akteure sind machtlos, längst eingeschnürt von ihren eigenen, übermächtigen Problemen. Weltweit drohen der Ausbruch sozialer Unruhen und schwerer wirtschaftlicher Krisen. Im Verlauf dieser Ereignisse kämpft dann Jeder gegen Jeden, was die Finanzkrise regelrecht explodieren lässt.

Der Verlauf der Finanzkrise, mit seinen vielen Nebenkrisen, wird die globale Entwicklung in diesem Jahrhundert wesentlich beeinflussen. Wir sind nicht sehr optimistisch. Vor allen Dingen sehen wir die Erfordernis für jeden Einzelnen, sich vor den schlimmsten Auswüchsen zu schützen, so gut es geht. Auf die bisherigen Besitzstände ist kein Verlass mehr.

Übrigens, neueste Schätzungen gehen davon aus, dass die Zentralbanken der Welt bis jetzt 50 Billionen US-Dollar in Umlauf gesetzt haben, um das System in Gang zu halten. 50 Billionen könnten noch einmal hinzu kommen. Das Geldsystem ist definitiv die Mutter aller Blasen.


USA:

Es gab gute und schlechte Nachrichten. Leider mit dem Unterschied, dass die guten Nachrichten auf falschen Annahmen beruhen und die schlechten Nachrichten stimmen.

Kommen wir erst zu den „falschen“ guten Nachrichten: „Die USA sind stärker als vor der Krise“, so Tom Elliott, Stratege der Bank JPMorgan. Er begründet diese Feststellung im wesentlichen mit einem strenger regulierten Bankensektor und sieht darin eine Stärkung der Wirtschaft. Seine übrigen Aussagen stützen eher unsere Annahme einer Fortsetzung und Verstärkung der Krise. Der US-Notenbankchef, Ben Bernanke, rechnet mit einem kräftigen US-Wachstum von 3 oder 4% für 2011. Er erkenne eine Festigung der konjunkturellen Erholung. Überall im Land habe sich die Situation verbessert. Die Verbraucher würden wieder freudig einkaufen. Bernanke gibt hier nur sein persönliches Gefühl wieder, weder bestätigen die Arbeitslosenzahlen, noch die Anzahl neuer Jobs, oder die Konsumzahlen diese Einschätzung. Präsident Obama erkannte bereits einen klaren Trend und erklärte, „das Tempo der Neueinstellungen nimmt zu.“ Diese Aussage bezog sich auf 103.000 neue Stellen im Dezember. Alleine, um den monatlichen Zuwachs an Beschäftigten zu absorbieren, sind 200.000 neue Jobs nötig. Goldman Sachs hebt den Daumen und erwartet, dass „die Arbeitslosenquote 2011 und 2012 deutlich sinken wird“, erwartet sogar eine „substantielle Beschleunigung des Beschäftigungszuwachses“. Als Begründung werden bessere Konjunkturprognosen genannt, angesichts der weiteren Milliarden-Geldschwemme, mit der die FED die US-Konjunktur anschieben will, und neuer Steuergeschenke. Die Wirklichkeit haben wir bereits ausführlich in unseren bisherigen Ausgaben und der „Vorausschau 2011“ beschrieben. Auch 2011 ist keine Erholung in Sicht. Daran ändern auch die jüngsten chinesischen Großeinkäufe in den USA nichts. Alles in allem wurden Exporte im Wert von 45 Milliarden US-Dollar (33,6 Mrd. Euro) verabredet, die 235.000 Jobs sichern. China behauptete dann gleich, sie würden das US-Beschäftigungsproblem lösen. Schon wieder eine große Show. Weder löst sich so die Arbeitslosenmisere auf, noch ändert sich nachhaltig etwas am Exportüberschuss der Chinesen. Die USA importieren Waren im Wert von 321,4 Milliarden US-Dollar aus China, im Gegenzug wurden Waren im Wert von 62,9 Milliarden US-Dollar nach China exportiert. Zum Vergleich: Die EU-Exporte in die USA haben einen Wert von 354,4 Milliarden US-Dollar, die Importe aus den USA entsprechen immerhin 244,2 Milliarden US-Dollar. Nach China exportiert die EU Waren für 98,6 Milliarden US-Dollar, importiert werden Waren für 318,9 Milliarden US-Dollar. Alle Angaben auf das Jahr bezogen.

Das Handelsdefizit der USA stieg im vergangenen Jahr um ein Drittel auf sagenhaft 500 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr.

US-Konzerne im Übernahmerausch. Daraus leiten die europäischen Analysten ein Erstarken der US-Wirtschaft ab. Wir haben unsere Zahlen aktualisiert. Lt. FED besitzen die großen US-Konzerne 1,9 Billionen liquide Mittel. So lässt sich, dank der Geldflut der FED, gut im Ausland einkaufen. Ursprünglich sollten im eigenen Land neue Arbeitsplätze entstehen. Fehlanzeige. So lange der Wert des US-Dollar noch künstlich hoch gehalten wird, suchen die US-Konzerne nach Unternehmensperlen in Übersee, ganz besonders in Europa. Das ist gut für die Bilanz und sorgt vor für die Stunde Null.

Jetzt zu den „echten“ schlechten Nachrichten: Die US-Staatsschulden explodieren. Mittlerweile erreichen sie nach offiziellen Angaben 83% der Wirtschaftsleistung. Nach unseren Feststellungen in den USA betragen sie schon 113%, da die Regierungszahlen zur Wirtschaftsleistung schon seit Jahren nicht stimmen, sondern in Wirklichkeit 30% niedriger liegen. Nach unserer Einschätzung also längst auf dem Niveau von Griechenland, Irland, usw. Diese Länder wurden deshalb von den amerikanischen Rating-Agenturen im vergangenen Jahr auf Ramschniveau herunter geratet, nicht so die USA.

Viele US-Bundesstaaten und Kommunen sind de facto pleite. Da gibt es nichts mehr zu beschönigen. Unsere Quellen in den USA nennen uns 30 Bundesstaaten mit massiven Problemen. In diesen Staaten verlieren tausende Beschäftigte im öffentlichen Dienst, Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute, ihren Job. Andere müssen kurzarbeiten. Die nicht gedeckten Verpflichtungen aus den Pensionsversprechen an die öffentlichen Angestellten belaufen sich auf mehr als 3 Billionen US-Dollar. Kalifornien verlangte 2010 von den Unternehmen 70 % der Steuern vorab. Illinois kann Universitäten und Krankenhäuser kein Geld mehr geben. Hawaii hat die Schule auf 4 Tage in der Woche reduziert. Viele Bundesstaaten wollen die Bezüge ihrer Bediensteten dauerhaft reduzieren, außerdem an den Kosten für das Gesundheitsprogramm „Medicaid“ sparen. Schon längst wird nach Wegen gesucht, einen großen Teil der offenen Pensionsverpflichtungen zu zerstören, oder gleich eine Staatspleite zu erklären. Ganze Hundertschaften von Anwälten arbeiten bereits daran. Zur Ergänzung: Kalifornien, höchstverschuldet, ist die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt und der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat. Die Probleme dort sind, „verglichen mit Griechenland, Irland und Portugal, einfach gigantisch“, warnt einer der besten Ökonomen, Ken Rogoff. Nach seiner Meinung verfügen die betroffenen Bundesstaaten nur noch über ein Zeitfenster von 5 bis 10 Jahren, um solides Wirtschaftswachstum zu erreichen.

Helfen würde fürs Erste eine Erholung am Immobilienmarkt. Die ist aber nicht in Sicht. Nach einer amerikanischen Studie wird sich in den besonders stark betroffenen Regionen keine nachhaltige Erholung bis 2030 einstellen. Damit steht die Überlebensfähigkeit ganzer Kommunen, ergo ganzer Bundesstaaten, auf dem Spiel. Aktuell gibt es einen neuen Rekord bei den Zwangsversteigerungen, die 2010 einen neuen Höchststand erreichten, nämlich 2,9 Millionen Anträge.

Sehen wir uns noch den US-Arbeitsmarkt an, ohne den nichts geht. Hier gibt es keine neuen Jobs in der Industrie. Die Konzerne schaffen keine neuen Arbeitsplätze. Insofern ist die Idee der FED kläglich gescheitert. Die denkt, wie wir bereits früher erläutert haben, weiter über neue Milliarden-Spritzen nach. Der Präsident der FED von Minneapolis hält es sogar für möglich, dass sich die Jobkrise weiter verschärft. Schlechte Aussichten für Amerika.


China:

Das Topp-Thema der vergangenen zwei Wochen hat das HANDELSBLATT ausgerufen: „Von der Geldmacht zur Weltmacht“. Wir haben in den bisherigen Ausgaben immer wieder vor dieser Entwicklung gewarnt. Leider tut Europa nichts, um dagegen seine Interessen zu wahren. Eher im Gegenteil. Durch die Eurokrise erlaubt es China, sich als Retter zu generieren und großartig in die europäische Infrastruktur und Wirtschaft zu investieren. Einzig mit dem Ziel, seinen politischen Einfluss zu stärken und den USA die Führungsrolle streitig zu machen. Die Sache entwickelt sich prächtig.

Eine beherrschende Rolle billigen wir China für die Zukunft außerdem im Bereich der Rohstoffe und Nahrungsmittel zu. Durch entsprechende Abkommen sichert sich China umfangreiche Energielieferungen und Infrastrukturprojekte, besitzt riesige Ländereien in Afrika. China verfügt über 2,85 Billionen US-Dollar Devisenreserven, damit könnte das Land quasi die halbe Welt kaufen.

China vergibt mittlerweile mehr Kredite an Entwicklungsländer als die Weltbank. Im Gegenzug geht es nur um einen besseren Zugang zu Rohstoffen, durch Beteiligungen oder Liefergarantien. Diese Konditionen sind günstig und deshalb wird diese Kreditvergabe noch zunehmen.

Gerade wegen dieser Entwicklung ist auch China anfällig gegen eine weitere Verschärfung der Finanzkrise und der damit verbundenen Auswirkungen auf den chinesischen Binnenmarkt. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Probleme im Immobiliensektor, die wir in Ausgabe 4 thematisiert haben. Bitte dort nachlesen. Die Exportabhängigkeit wird zur Archillesferse.

Es soll längst zu regelmäßigen Demonstrationen gegen die Zustände im Land kommen. Leider sind die Informationen dazu dürftig. Die Unzufriedenheit scheint enorm zu steigen, jetzt noch verstärkt durch die Inflation bei den Nahrungsmittelpreisen.

Bemerkenswert finden wir das Ergebnis einer Marktstudie, nach dem in den Schwellenländern Asiens die Verbraucher immer mehr Geld für schwere Zeiten beiseite legen.


Europa:

Die Situation ist unverändert spannend. Hier die Schlagzeilen: Portugal wehrt sich gegen den Rettungsschirm, Spanien gegen den Absturz. Die EU-Kommission rechnet mit einer Verschärfung der Euro-Krise. Neuer Streit um den Euro. Deutschland und Frankreich planen Wirtschaftsregierung für Europa. EU will Griechenland entschulden. Investoren fürchten steigende Risiken in Belgien. Irland ohne Regierung.

Die Portugiesen zieren sich. Ende des Jahres galt es als ausgemachte Sache, dass Portugal sich unter den EU-Rettungsschirm einreiht. Jetzt formiert sich Widerstand. Der ist aber zwecklos. Zumal das Land eigentlich gut dasteht, das Haushaltsdefizit liegt knapp unter dem Durchschnitt der Euroländer. Die Spekulanten interessiert Portugal nicht die Bohne, hier geht es um Spanien. Deshalb wird Portugal eben sturmreif geschossen. Zwar hält die EZB dagegen und kaufte massiv Staatsanleihen, jedoch fehlt der politische Wille in der EU für eine klare Linie, wie diesen Angriffen begegnet werden soll.

Nach wie vor gilt, dass die Angriffe auf den Euro nur von dem amerikanischen Patient soll lange wie möglich ablenken sollen. Die Spekulationen alleine werden den Euro nicht stürzen können, aber sie schwächen Europa wirtschaftlich und politisch, was gut ist für die USA und China. Leider werden die Kosten dieser Attacken für den Steuerzahler in Europa vorläufig unkalkulierbar bleiben.

Spanien wehrt sich mit allen Mitteln gegen das aufziehende Unheil. Es wird vergeblich sein. Die fundamentalen Daten sind schlecht und die Aussichten sind es auch. Für Spanien hat die Bankenrettung mit den Sparkassen gerade erst richtig angefangen. Die stehen mit dem Rücken an der Wand. Es geht nur um die Kleinigkeit von 120 Mrd. Euro. Das kann das Land nicht stemmen, allen Beteuerungen zum Trotz. Leider wird man erst davon ablassen, wenn die spanischen Rentekassen geplündert sind. Andererseits gilt Spanien als Nagelprobe für den Euro. Bisher hat die EZB deshalb die spanischen Banken großzügig unterstützt und gegen wertlose Papiere Geld geben. Zuletzt im November und Dezember jeweils über 60 Mrd. Euro.

Wir sehen in Italien den nächsten ernsthaften Kandidaten für einen Angriff. Das Land schiebt rund 2 Billionen Euro Schulden vor sich her und ist politisch angezählt. Berlusconi verspielt gerade das letzte Vertrauen.

Belgien ist in dieser Hinsicht nicht interessant. Zu klein, zu unbedeutend, keine Hebelwirkung auf eins der Nachbarländer. Man kann aber jederzeit den Druck auf den Euro erhöhen und eine zweite Front eröffnen. Jedenfalls gilt das Land als kommender Krisenfall. Keine Regierung, durch die Bevölkerung geht ein tiefer Graben, die Staatsschulden steigen, der Wirtschaft geht es schlecht.

Zank und Streit gehen innerhalb der EU weiter. Vorläufig kommentieren wir das nicht mehr. Es ist ein Schaulauf der Eitelkeiten. Allen mangelt es an Kompetenz, vielleicht auch an Intelligenz? Es wird bald zum Schwur kommen, dann sehen wir klarer. Wir hören nur den luxemburgischen Premierminister, Jean-Claude Juncker, als einsamen Rufer in der Wüste, der eine Debatte ohne Tabus fordert.

Aus Berlin kommt die Nachricht, der deutsche Finanzminister arbeitet an einem Plan zur Umschuldung Griechenlands. Offiziell wird dementiert. Abwarten.

Irland kippt aus den Latschen. Erstens schwappt eine Auswanderungswelle durch das Land, zweitens hat sich die Regierung aufgelöst. Jahrelang war Irland Zuwanderungsland, jetzt werden bis 2012 mehr als 100.000 Iren ihr Land verlassen. Durch die Annahme des Nothilfepakets der EU und des IWF geht es mit dem Land steil bergab. Die Arbeitslosenquote kletterte auf 13,5%, das Wachstum wird für 2011 auf 1,5% geschätzt, nach ursprünglich 2,25%. Außerdem wurden die Steuern drastisch erhöht und die staatlichen Ausgaben erheblich reduziert. Irland wirtschaftet ab. Diese Entwicklung wird verschärft durch den Bruch der Regierung. Es kommt zur vorgezogenen Parlamentswahl, deren Ergebnis sehr wahrscheinlich Wirkung auf die Euro-Krise zeigt. Es gilt als sicher, dass eine neue Regierung die EU/IWF-Hilfen in Frage stellt.

Deutsche Firmen zittern um den Euro. Diese Nachricht hat uns überrascht. Schließlich hat es in den vergangenen Woche schon ganz andere Aussagen geben. Jetzt heißt es, „der gemeinsame Währungsraum hat sich gerade für deutsche Unternehmen zu einem Erfolgsmodell entwickelt, auf das die meisten nicht mehr verzichten wollen.“ Hört, hört.

Es gibt üble Neuigkeiten aus Großbritannien, genauer zum dortigen aktuellen Handelsbilanzdefizit. Es ist 2010 deutlich gestiegen. Das Minus kletterte bis November um über 50 % auf rund 41 Mrd. Pfund, schlicht desaströs.

Die Volkswirte haben sich zu Wort gemeldet und halten die Reaktionen der Anleihemärkte auf die europäische Schuldenkrise für total überzogen. Die USA sei viel verschuldeter als Portugal oder Spanien, aber kaum einen Investor kümmert es. Deshalb fürchten sie heute stärker denn je, dass sich die Anleihekrise nach Portugal auf andere Länder wie Spanien. Italien und sogar Belgien ausweiten könnte. Wirklich helle Köpfe, diese Leute.


Deutschland:

Wieder gibt es überwiegend gute Nachrichten. Die Prognose der Bundesregierung erwartet für die Wirtschaft ein „grandioses Erfolgsjahr.“ Erwartetes Wirtschaftswachstum 2,3 % für 2011. „Die deutsche Wirtschaft wächst damit spürbar stärker als der Durchschnitt der Euro-Zone“ steht im Bericht. „Wir gehen mit Siebenmeilenstiefeln voran, manch andere trotten im Gänsemarsch hinterher“, formuliert es der Wirtschaftsminister. Als Gründe werden die Exporte, der Konsum und die weiterhin niedrige Arbeitslosenquote genannt. Die übrigen Experten sind sich ebenfalls einige: „Deutschland ist auf einem guten Weg.“ Das HANDELSBLATT titelte: „Nur der Ölpreis kann deutschen Boom noch stoppen“ und bezog sich dabei auf den Ifo-Geschäftsklimaindex. Dieser Index erinnert uns sehr an das ZDF-Politbarometer oder ähnliche Umfragen. Nichts belastbares. Schauen wir uns den Ölpreis in 3 Monaten an. Natürlich „werden auch die real verfügbaren Einkommen der Bürger steigen, 2011 um 3,4%“, so Brüderle. Da können wir nur noch die WELT zitieren, sicherlich nicht als regierungskritisch bekannt, die kürzlich im Zusammenhang mit dem Aufschwung titelte: „Die deutsche Arroganz ist wieder zurück.“ Es mache sich in Deutschland Überheblichkeit breit.

Zu dieser überschwänglichen Euphorie will so gar nicht eine Aussage des Chefs der Arbeitsagentur passen, der für den Fall Schrumpflöhne prophezeit, „wenn aus den Euro-Ländern, in die Deutschland exportiert, keine Impulse mehr kämen“. Es werde „keinen Job-Boom in die Breite geben.“

Übrigens, der Handelskonzern Metro sprach für 2010 von einem „schwachen Weihnachtsgeschäft.“ Der Branchenverband HDE hatte ein Plus von 2,5% für das Weihnachtsgeschäft in Deutschland prognostiziert. So viel zum Thema Konsum.


Rohstoffe und Krisenvorsorge:

Hier beschäftigten uns die Aussagen der Analysten über die zu erwartende Entwicklung in den kommenden Monaten. Einer schrieb, er erwarte 2011 „Preisschocks, Nahrungsmittelverknappung und weltweite Nahrungsmittelaufstände.“ Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN sind die Nahrungsmittelpreise im vergangenen Dezember auf ein neues Allzeithoch geschossen. FORBES berichtete, Mais sei seit Juni 2010 um 94% gestiegen, Sojabohnen um 51% und Weizen um 80%. FORBES weiter; „Die Welt befindet sich hier auf gefährlichem Terrain. Die Marktkräfte für die nächste globale Nahrungsmittelkrise sind nun an ihrem Platz, und da sich diese Räder immer weiter drehen, wird es auch immer schwerer, hier in den Rückwärtsgang zu schalten.“

Auch in Deutschland steigen die Lebensmittelpreise stark an. Im Dezember stiegen die Preise nach Angaben des Stat. Bundesamtes um 3,6% im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Vor allem einkommensschwache Haushalte leiden darunter. 2011 soll es so weiter gehen. Die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie rechnet damit, dass die Preise für Lebensmittel stark steigen. Kommt es dann noch zu witterungsbedingten Ernteausfällen, werden die Preise ein weiteres Mal durch die Decke gehen.

Das billige Geld der Notenbanken treibt die Preise in die Höhe. Davon betroffen sind auch Öl, Kupfer oder Seltene Erden. Das hätte über kurz oder lang wieder Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Ein großer Teil der Bundesbürger sorgt sich um ihre Altersvorsorge. Von den Befragten wollen aber nur 17% deswegen ihre Anlagestrategie ändern. Für deutsche Verhältnisse trotzdem kein schlechter Wert. Wir arbeiten weiter daran.

Abschließen wollen wir unseren Wochenrückblick mit einer Warnung der Bundesbank. Die nämlich warnte jüngst Privatanleger vor dem Kauf von teuren Produkten, mit denen die Banken das meiste Geld verdienen. Sie warnte außerdem vor dem Fehler vieler Investoren, bei der Auswahl von Anlageprodukten „die entscheidende Rolle der Kostenstrukturen“ zu vernachlässigen. Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 hätten die privaten Haushalte bei Kapitalanlagen im Wert von 1,9 Billionen Euro rund 28 Milliarden Euro für Kauf, Verkauf und Verwaltung ihrer Kapitalanlagen bezahlt.