Montag, 24. Januar 2011

Wochenrückblick, Ausgabe 9, Kalenderwoche 04/2011


Die vergangene Woche voller nachhaltiger Ereignisse: Davos, Ägypten, Inflation, US-Untersuchungsbericht zur Finanzkrise, um nur einige zu nennen. Wir werden uns auf den folgenden Seiten damit beschäftigen.

Es ist unser Anspruch, durch eine fundierte Beschreibung der Faktenlage, unseren Leserinnen und Lesern die echten, belastbaren Informationen bereit zu stellen und, falls notwendig, auch zu kommentieren.
Nach wie vor sind wir bestrebt, uns kurz zu fassen. Wichtiger ist es uns jedoch, vollständig zu informieren.

Bei den Zahlenangaben verwenden wir die deutsche Zählweise.

Wir haben eine Auswahl der wichtigsten Nachrichten getroffen. Sollte Interesse an einem Thema bestehen, dass wir noch nicht behandelt haben, so werden wir gerne auf Zuruf unsere Auswahl ergänzen oder auch ein Thema gesondert behandeln.

Die folgenden Äußerungen geben unsere persönliche Bewertung wieder. Gerade deshalb legen wir großen Wert darauf, jede unserer Aussagen durch entsprechende Quellen belegen oder durch belastbare Indizien untermauern zu können. Von Ausgabe zu Ausgabe werden wir Quellenangaben hinzu fügen. Sollte darüber hinaus Bedarf bestehen, werden wir gerne die entsprechenden Nachweise zur Verfügung stellen. Email genügt.

Gerade den Leserinnen und Lesern, die sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik beschäftigen, empfehlen wir ausdrücklich, sich für die folgenden Seiten Zeit zu nehmen. Der Nutzen ist enorm und wächst mit jeder weiteren Ausgabe.

Denken Sie bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse der kommenden Monate erfordern Hintergrundwissen für Jeden.


Finanzkrise:

Wir bleiben dabei, es ist eines unserer Lieblingsthemen. In dieser Woche bereicherten die vielen Nachrichten und Meinungen aus Davos unseren Tagesablauf. Es waren sicherlich einige interessante Beiträge dabei, auf die wir hier eingehen wollen.

Beginnen wir mit Chinas IWF-Delegiertem Zhu Min, ehemaliger Vizegouverneur der chinesischen Zentralbank, der „den westlichen Lebensstil für gescheitert“ erklärte. „Wir müssen uns ernsthaft die Frage stellen, wie das ökonomische Modell für die Welt der Zukunft aussieht“, stellte er außerdem fest. Zur Begründung für dieses Scheitern treffen wir auch hier, wie bei einigen anderen Ökonomen, auf die zukünftige demografische Entwicklung, die horrende Staatsverschuldung und geringen Wachstumsraten in der industrialisierten (westlichen) Welt. Quelle: SPIEGELONLINE, 26.01.2011.

Es spricht augenblicklich viel dafür, dass die Industrienationen ihre Vormachtstellung verlieren und andere Staaten, natürlich allen voran China, dieses absehbare Machtvakuum ausfüllen werden. Nur, bis dahin ist es nach unserer Einschätzung noch ein weiter, sehr weiter, Weg, der Jahrzehnte dauern wird. Gerade auch deshalb, weil wir die ganze Welt vor sehr schwierigen Zeiten sehen, die noch manche böse Überraschungen für alle Beteiligten bereithalten. China wird davon stark betroffen sein. Eine Währungsreserve von 2,85 Billionen US-Dollar ist nämlich gleichermaßen Fluch wie Segen. Die Exportabhängigkeit ist enorm und deshalb dringend auf eine Erholung in den USA und Europa angewiesen. Die Warnungen nehmen zu, dass in China eine Blase platzen könnte, die in der Weltwirtschaft ein Erdbeben auslösen würde. Wir haben z. B. in einer früheren Ausgabe schon über die Risiken im chinesischen Immobilienmarkt berichtet. Bitte dort noch einmal nachlesen. Weiterer Druck kommt von der Inflation und den Nahrungsmittelpreisen. Wir sehen China jedenfalls noch in große Bedrängnis kommen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dieses Land werde sich den Entwicklungen in der restlichen Welt entziehen können. Entsprechende Behauptungen unserer Unternehmen/Ökonomen/Politiker sind schlicht falsch und dienen u. a. nur zur Begründung des „neuen deutschen Wirtschaftswunders“, was es aber so nicht gibt.

Unterstützt wird unsere Warnung längst von einigen Ökonomen. So warnte der US-amerikanische Wirtschaftsprofessor Nariman Behravesh in Davos vor den Risiken in der chinesischen Wirtschaft, insbesondere dem Immobilienmarkt, wo er die nächste Blase verortet, die zu platzen droht. Quelle: Tagesspiegel/CH, 25.01.2011.

Paul Achleitner, Finanzvorstand der Allianz AG, äußerte sich in einem Interview sehr kritisch zur augenblicklichen Situation in der Welt und erwartet „eine neue Zeitrechnung“. Er sieht die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre durch Kredite finanziert und rechnet in der nächsten Zukunft mit einem geringeren Wachstum, da sich diese Entwicklung umkehren muss. Er fordert eine Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit. Außerdem größere Investitionen in die Bildung. Sonst werden China und Indien den Westen schon bald hinter sich lassen. Er hat Recht. Leider sagt er aber nichts dazu, dass die Politiker diese Zeichen nicht erkennen, bzw. einfach ignorieren. Quelle: SPIEGEL ONLINE, 26.01.2011. Statt dessen wird die Bildung in Europa und den USA längst einem ungebremsten Sparwahn geopfert.

In diesen Zusammenhang stellen wir auch ein Interview mit Tony Boeckh, das wir am 25.01.2011 in der Online-Ausgabe des MANANGER MAGAZIN (MM) gefunden haben. Boeckh ist Analyst, das MM stellt ihn als „Investmentguru“ vor. Er spricht von einer „Ära der großen Reflation“, hält das Finanzsystem für angeschlagen (wir haben eine Bankenkrise). Das Problem seien die viel zu hohen Schulden. Er sieht über uns eine „riesige schwarze Wolke“ und „dass es irgendwann ein schweres Unwetter geben wird“. Es beständen weiterhin „schwerwiegende strukturelle Probleme, wie die Schuldenkrise in Europa, das ausufernde Haushaltsdefizit der USA oder Chinas stark unterbewertete Währung“. Es sei unmöglich, durch diese Geldflut „das kaputte Finanzsystem zu reparieren“, es gäbe „keinen Weg zurück zur alten Normalität“. Ein Ende dieser Geldflut sieht er nicht.

Hier eine kleine Bestandsaufnahme aus den Statistiken der jeweiligen Ländern: Der offizielle Schuldenstand der USA beträgt aktuell 14 Billionen US-Dollar, Großbritannien hat 952 Milliarden Pfund Schulden (64 % des BIP), Deutschland hat 1,8 Billionen Euro Schulden, in allen Fällen mit mehr oder weniger steigender Tendenz. Die Bank von England (BoE), immer wieder auffällig durch kritische Einschätzungen, erwartet, dass die Briten den stärksten Rückgang beim Lebensstandard seit den zwanziger Jahren hinnehmen müssen, wenn Großbritannien die Krise überstehen wolle. Mervyn King, Chef der BoE: „Der Rückgang des Lebensstandard ist der unvermeidbare Preis, den wir für die Finanzkrise (...) zahlen müssen.“ King hat Recht, nur will sich noch niemand vorstellen, wie massiv diese Einschnitte wirklich werden (müssen). Wir befürchten hier das Schlimmste, nicht nur für Großbritannien.

Ein Hinweis darauf geben die erwarteten Inflationsraten und die Entwicklung der Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise. Die WIRTSCHAFTSWOCHE titelte am 26.01.2011 „Die Finanzkrise treibt die Preise“ und versucht dort die Ursachen zu beleuchten, Lösungen zu benennen und die Folgen zu beschreiben. Lesenswert. Entscheidend wird jedoch sein, dass die Zentralbanken es nicht schaffen werden, ihre eigenen Inflationsziele, in der Euro-Zone z. B. unter 2 %, einzuhalten. Schon jetzt sind es 2,2 % Inflation, und die auch nur durch kunstvolle Zahlentricks. Die Inflationsrisiken redet nur die US-Notenbank FED klein (FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 26.01.2011).

Schon vor Monaten haben wir vor Unruhen und Aufständen wegen der von uns erwarteten Nahrungsmittelpreise gewarnt. Wir wurden belächelt. Heute sind wir rehabilitiert. Tunesien war der Anfang, Ägypten ist gefolgt, außerdem rumort es in Indien, Bangladesh und China. Weitere Länder werden folgen. Plötzlich gelten in den Medien Nordafrika und der Nahe Osten als Krisenherd. Wir sagen klar und deutlich: Was in diesen Ländern passiert und sich in weiteren Ländern jetzt ankündigt, war schon lange absehbar, wurde von den politischen Führern der westlichen Industrienationen aber bewusst unterdrückt. Dieses Abwarten, Taktieren und Ignorieren wird nur dazu führen, dass diese Regionen auf Jahre hinaus instabil bleiben, sich dem Westen gegenüber aggressiv zeigen und viele sich radikalisieren. Wieder einmal rächt sich das Wesen der westlichen Diplomatie, um die eigenen Interessen zu sichern, viel zu lange politische Führer zu unterstützen, die ihre Länder als Despoten regieren und sich auf Kosten des Volkes bereichern. Man hat aus früheren Fehlern nichts gelernt. Zusätzlich fehlt heute die politische und wirtschaftliche Stärke, um mäßigend einzugreifen, weshalb in Ägypten die Revolte in Anarchie umschlägt.

Der IWF beglückt uns in mit der Nachricht einer beschleunigten Erholung der Weltwirtschaft. In einer Analyse heißt es: „Die Erholung der Weltwirtschaft macht unerwartet gute Fortschritte. Dabei haben Schwellenländer die reichen Nationen weit abgehängt.“ Weiter heißt es: „Aber es gebe weiter noch etliche ungelöste Probleme und Stolpersteine – die starke Verschuldung in vielen reichen Ländern, die unerledigten Finanzreformen, aber auch die hohen Rohstoffpreise.“ Als verlängerter Arm der USA erklärt der IWF, „die Aufwärtskorrektur für die Weltwirtschaft sei vor allem den jüngsten Konjunkturmaßnahmen in den USA geschuldet“. Quelle: WIRTSCHAFTSBLATT/A, 25.01.2011. Was hier behauptet wird ist falsch, stimmt nur bei der Beschreibung der „Probleme und Stolpersteine“, die der IWF in dieser Analyse nämlich selbst noch benennt. Er erklärt „die anhaltende Schwäche des US-Immobilienmarktes, weiterhin hohe Rohstoffpreise und die Gefahr von Blasenbildungen in Schwellen- und Entwicklungsländern durch massive Kapitalzuflüsse“ zur Gefahr für die Weltkonjunktur. Letzteres ist doch genau das Dilemma: Die Kapitalzuflüsse beeinflussen die Statistiken dieser Länder hin zu starken Wirtschaftszahlen, tatsächlich wird eine neue Blase gebildet, mit der sich die Wirkung der vielen anderen Blasen auf der Welt nur noch weiter verstärkt. Die so viel gepriesenen „jüngsten Konjunkturmaßnahmen in den USA“ verfehlen im Land selbst ihre Wirkung, da die von der FED bereit gestellte Liquidität von der Finanzindustrie und den Konzernen lieber im Ausland investiert werden.

Analysten und Ökonomen sprechen bereits von einem „gefährlichen Gemisch für neue Krisen“. Wir sagen, es ist die Weiterentwicklung der Finanzkrise 2008.

Unsere grundsätzliche Meinung sehen wir aktuell gestützt durch neue Berichte in den deutschen Medien. Stellvertretend verweisen wir auf das HANDELSBLATT vom 28.01.2011, wo unter der Überschrift „Das Schattenreich der Finanzindustrie“ über die Wirkungslosigkeit der staatlichen Regulierungen der Banken berichtet wird. Die Autoren machen deutlich, dass die „verbotenen Geschäfte“ von den Banken einfach ausgelagert werden und damit der Bankenaufsicht entzogen. Es ändert sich also nichts. Die Geschäfte von Schattenbanken führten schon einmal zur Finanzkrise.


USA:

Die Nachricht der Woche war die Veröffentlichung des Berichtes einer von US-Präsident Obama eingesetzten Kommission zur Untersuchung der Finanzkrise. Deren Ergebnis ist eindeutig: Die Finanzkrise war vermeidbar. Ursache der Krise war enormes Versagen von Regierung und Finanzaufsicht einerseits sowie ein rücksichtsloses Risikomanagement der Geldindustrie andererseits. Der 633-seitige Untersuchungsbericht liegt uns vor. Er ist gespickt mit strafwürdigen Tatsachen, die jedoch keine Konsequenzen haben werden. Vorsorglich haben nämlich die republikanischen Mitglieder der Kommission den Abschlußbericht nicht mit unterschrieben, sondern geben einen eigenen heraus.

Die Berichte, Kommentare und Meinungen dazu bezogen klar Stellung. Hier eine kleine Auswahl: „Gier, Unachtsamkeit, beides“ titelte SPIEGEL ONLINE schon am 26.01.2011. Das HANDELSBLATT berichtete am 27.01.2001 unter „Gier und Inkompetenz schufen die Finanzkrise“ und „Das große Versagen der amerikanischen Notenbank“ über das Ergebnis. Noch einmal SPIEGEL ONLINE am 28.01.2011 unter der Überschrift „Hall of Shame der Finanzkrise“, wo auch die persönliche Schuld vieler Verantwortlicher aus Politik und Finanzwirtschaft beschrieben wird. Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND befasste sich ebenfalls am 28.01.2011 ausführlich mit dem Thema: „Wie Gier die Finanzkrise auslöste“.

Wir halten zu diesem Bericht - vorausschauend - folgendes fest: Der Bericht verschwindet in irgendeiner Schublade und es geht weiter wie bisher. Es wird nicht die geringsten Konsequenzen geben. Die maßgeblichen Verursacher sitzen hüben wie drüben immer noch fest im Sattel, von einigen wenigen Bauernopfern abgesehen, denen ihre „Opfertätigkeit“ aber großzügig entgolten wurde. Die halbherzigen staatlichen Regulierungsversuche gehen ins Leere. Trotz einer erheblichen Mitschuld deutscher Banken wird es eine vergleichbare Untersuchung in Deutschland nicht geben. Der Bundestagsausschuß zur Hypo Real Estate ist eine Farce und die Untersuchungen bezüglich der Landesbank Bayern gehen in eine andere Richtung.

Es war eine Woche der Offenbarungen. Der von Obama eingesetzte Kontrolleur über das staatliche Banken-Rettungsprogramm, Neil Barofsky, formulierte eine „vernichtende Bilanz zur Bankenrettung“ (FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND: US-Kontrolleur geißelt „Rezept für Katastrophen“, 26.01.2011). Er kommt zu dem Schluss, die Milliardenhilfen für die Wall Street-Häuser tragen den Keim der nächsten Krise in sich. Das Vorgehen stärke die Zocker-Mentalität an der Börse. Die Regierung habe „dazu ermutigt, auch künftig hohe Risiken einzugehen“. Er nennt es „ein Rezept für Katastrophen“. Barofsky bleibt weiter konkret und nennt als einzigen Ausweg, „Großbanken zu zerschlagen“ oder aber sicherzustellen, dass sie „die Konsequenzen ihres rücksichtslosen Verhaltens selbst tragen“. Recht hätte der Mann, nur ist dieser Zug schon lange abgefahren. Erst in Zukunft wird sich eine neue Gelegenheit bieten, wenn das Finanzsystem vollständig ruiniert ist.

Nach wie vor ein riesiges Problem stellt die Zunahme der Staatsverschuldung und die drohenden Pleiten von Bundesstaaten und Kommunen dar. Alleine für 2011 ist eine Rekord-Zunahme von 1,48 Billionen US-Dollar bei den Staatsschulden geplant (Regierungsangabe). Dieser Betrag kommt auf den aktuellen Saldo von 14,06 Billionen US-Dollar Gesamtverschuldung oben drauf. Damit liegt die Gesamtverschuldung offiziell deutlich jenseits von 100 % eines sowieso künstlich aufgeblasenen BIP’s. Das hat schon europäisches PIIGS-Niveau.

Bei genauem Hinsehen finden wir auch die Wahrheit über das für 2011 erwartete Wirtschaftswachstum in den Zahlen der US-amerikanischen Statistikbehörde. Im Dezember ging es bei den Auftragseingängen um minus 2,5 % zum Vormonat abwärts, bereits den 3. Monat in Folge. Nur im Vergleich zum Vorjahresmonat geht es noch um plus 6,9 % aufwärts. Zum Hoch im Dezember 2007 beträgt das Minus 22,9 %.

Die Auswirkungen dieser verfehlten Finanz- und Wirtschaftspolitik verstärken von Woche zu Woche den Druck auf die Bundesstaaten. Viele müssen weiter Mitarbeiter entlassen und bei ihren Leistungen massive Einsparungen vornehmen. Illinois hat erst jüngst die Einkommensteuer um 67 Prozent angehoben. Trotzdem erwartet die Finanzkontrolleurin des Bundesstaates, Judy Topinka, dass sich die Schulden innerhalb der nächsten vier Jahre verdoppeln. Die nächsten Wochen werden uns mit schlechten Nachrichten überfluten, deshalb verweisen wir „zur Einstimmung“ auf den letzten Wochenrückblick.

In 20 Bundesstaaten kletterte die Arbeitslosenquote weiter, nachdem eine große Zahl von Arbeitgebern Stellen kürzte. Nevada verzeichnete einen neuen Höchststand von 14,5 %, nach 14,3 % im Vormonat. Platz 1 in den USA, am Schluss liegt North Dakota mit 3,8 %. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Wir betonen aber ausdrücklich: Das sind die offiziellen Zahlen, die wirklichen sehen mit über 22 % anders aus (vgl. John Williams’ Shadow Government Statistics auf shadowstats.com). Eine andere Quelle, der US-Wirtschaftsprofessor Robert Shiller, nennt 18 % (in einem Interview auf cash.ch, 30.01.2011), fast doppelt so hoch wie die offizielle Quote von 9,4 %.

Die ungelösten Probleme veranlassten die Agentur Moody’s das US-Rating in Frage zu stellen. Die erklärte, auf mittlere Sicht sei eine Herabstufung der USA nicht ausgeschlossen (FAZ, 28.01.2011). Diese Aussage erfolgte vor dem Hintergrund, dass die Agentur S & P Stunden vorher Japans Rating herabgestuft hatte.

Der Nachrichtensender CNBC berichtete am 21.01.2011 über eine Veränderung in den Bilanzierungsregeln der US-Notenbank FED. Aus dem Vermögensteil sollen bei der Bilanzaufstellung alle Verluste, die möglicherweise aufgrund der toxischen Wertpapiere (Derivate) entstehen, die sie von verschiedenen Banken gekauft hat und bisher verzeichnen muss, zukünftig heraus gehalten werden. Dieser Bilanzierungstrick soll die FED vor einem Zusammenbruch bewahren. Diese Änderung wurde im Wochenbericht der FED vom 06.01.2011 angekündigt. Ein früheres Stabsmitglied der New Yorker FED erklärte, dass alle künftigen Verluste der FED nicht als Kapitalverringerung ausgewiesen werden. Seit der Ankündigung der zweiten Aufkaufaktion von Wertpapieren stieg die Gefahr, die FED könnte bei deutlich steigenden Zinsen insolvent werden.

Die Lage ist Ernst und hoffnungslos.


China:

Die Angst wächst, dass in China die nächste Blase mit einem lauten Knall platzt. Wir sind unter der Rubrik „Finanzkrise“ bereits darauf eingegangen.

Aus Quellen, die wir für zuverlässig halten, wissen wir, dass es die Inflation in Wirklichkeit bei 35 % liegt, die chinesische Bevölkerung mehr Lohn verlangt und diese Forderung mit landesweiten Demonstrationen unterstreicht. Das sind richtig große Schwierigkeiten, die demnächst auf eine massive Störung des Immobilienmarktes treffen und den Aktienmarkt unter Druck setzen. Diese Entwicklung würde bedeuten, dass demnächst ca. 40 Millionen Chinesen ohne Arbeit sind. Ab diesem Zeitpunkt hört China erst einmal auf, sich in Europa und den USA, oder auch sonst wo auf der Welt, einzukaufen. Dann sind die Devisenreserven notwendig, um das eigene Volk bei Laune zu halten. Die Auswirkungen für die Welt wären, nach unserer Einschätzung, gar nicht abzusehen. Schliesslich hat es Vergleichbares bisher noch nicht gegeben. Gerade deshalb erwarten wir aber enorme Verwerfungen weltweit, die jeder Einzelne spüren wird. Was machen dann z. B. die deutschen Maschinenbauer oder Autohersteller, die wesentliche Teile ihrer Zukunftsperspektiven mit China verbinden? Wie sind die Auswirkungen auf die hiesigen Arbeitslosenzahlen und die Konsumlaune?

Positive Nachrichten gab es keine.


Europa:

Beginnen wollen wir mit zwei Nachrichten zu ein und demselben Thema, die widersprüchlicher nicht sein können. Zuerst zitieren wir Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Barclays Capital Deutschland, der in einem am 30.01.2011 bei FOCUS MONEY ONLINE erschienenen Interview, zur Euro-Krise erklärt: „Die Lage ist prekär“. Am gleichen Tag erschien im HANDELSBLATT ein Artikel mit der Überschrift „Politiker und Banker rufen Ende der Euro-Krise aus“, in dem davon berichtet wird, dass führende Politiker und Banker in Davos erklärten, „dass sich die Lage spürbar beruhigt habe und das Schlimmste überstanden sei“. Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde wird mit dem Satz zitiert, „ich denke, die Euro-Zone hat die Kurve bekommen“ und der deutsche Bundesfinanzminister warnte Anleger davor, noch gegen den Euro zu wetten. Diese Aussagen werden wir gemeinsam in den nächsten Wochen, mehr Zeit brauchen wir sicherlich nicht dafür, auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen können.

Wir haben den Eindruck gewonnen, die Krise in Europa habe sich eher verschärft. Machen wir den Anfang mit Griechenland. Wieder ist es FOCUS MONEY ONLINE die am 27.01.2011 berichten, dass die „Umschuldung kein Tabu mehr“ sei. Offensichtlich wird Griechenland als Bankrott eingestuft. Deutschland arbeite an einem Plan. Wurde nicht letzte Woche von Berlin noch dementiert? Kommt dann Irland, anschließend Portugal, usw., usw. Die EU stolpert in eine Katastrophe und alle schauen weg. Damit es am Schluss keiner gewesen ist.

Spanien ist längst schwer angeschlagen. Aus dem Land selbst kamen schlechte Nachrichten. „Jeder fünfte Spanier ist arbeitslos“ titelte das österreichische WIRTSCHAFTSBLATT am 28.01.2011. Das spanische Statistikamt bezifferte die Quote für das 4. Quartal 2010 auf 20,3 %, Schlusslicht in der Euro-Zone. Die Wirtschaftsleistung schwächelt und wird weiter an Boden verlieren. Spanien lebte jahrelang von einem künstlich erzeugten Immobilienboom, der durch die Finanzkrise sein schlagartiges Ende fand. Tausende von halbfertigen Bauruinen säumen das Land und belasten die Bilanzen der spanischen Banken. Wie soll die Wirtschaftsleistung wieder steigen? Was produziert Spanien Nennenswertes, außer Obst und Gemüse? In Wahrheit ein Pleitekandidat.

Kürzlich (Ausgabe 6 vom 10.01.2011) hatten wir noch berichtet, Großbritanniens Industrie stehe angeblich vor einem Comeback. Unsere Zweifel waren da schon berechtigt. Jetzt wurde ein unerwarteter Rückgang der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2010 um 0,5 % bekannt gegeben. Die Begründung ist lächerlich: Es sei das schlechte Wetter gewesen (UK Telegraph, 21.01.2011). Außerdem kämpft Großbritannien mit einer hohen Inflationsrate von 3,7 %, die Euro-Zone liegt bei 2,2 %. Offensichtlich erscheint wenig glaubhaft, dass Großbritannien bis 2015 Ausgabenkürzungen von mehr als 80 Mrd. Pfund durchsetzen kann, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 25./26.01.2011. Das britische Haushaltsdefizit liegt bei 156 Milliarden Pfund, was ungefähr der Größenordnung Griechenlands und Irlands entspricht, die Staatsschulden belaufen sich auf über 1 Billion Pfund. Wegen der Sparpläne äußern sich die Einzelhändler und der Industrieverband skeptisch. Das Verbrauchervertrauen ist auf den tiefsten Stand seit Jahren gesunken. Laut einem BBC-Bericht vom 19.01.2011 sind fast 2,5 Mio. Menschen in Großbritannien arbeitslos, was einer Quote von 7,9 % entspricht. Die Arbeitslosenquote beträgt bei den 16- bis 24-Jährigen schon 20,3 %. Unter diesen Umständen mutet es schon sehr seltsam an, wenn die Regierung erklärt, sie erwarte, „dass der Privatsektor in den nächsten Jahren über eine Million neue Stellen schaffen wird“. So viel Zuversicht sollte doch auch belohnt werden... Quelle: ZEIT ONLINE, 26.01.2011.


Zur Euro-Krise hat sich am 28.01.2011 im HANDELSBLATT Jacques Delors unter der viel sagenden Überschrift „Für Dummheiten sind wir alle verantwortlich“ treffend zu Wort gemeldet. Er war von 1985 bis 1994 Präsident der EU-Kommission und maßgeblich an der Vorbereitung der Europäischen Währungsunion (EWU) beteiligt. Delors räumt auf mit der Mär vom ungeliebten Euro und beschreibt die Geburtsfehler genauso richtig, wie die jahrelangen Vorteile für die Mitglieder der EWU, große wie kleine. Er lässt auch nicht die Schwierigkeiten aus, die durch die Verquickung zwischen den 27 Mitgliedsstaaten der EU und den 17 der EWU entstanden sind. Seine Einschätzung deckt sich mit der unsrigen, die wir in einer der ersten Ausgaben unseres Wochenrückblicks beschrieben haben.

Die Inflation kehrt nach Europa zurück. Die EZB ist alarmiert. EZB-Mitglieder befeuern Inflationsangst. Die Banken rechnen mit schnellerer Zinserhöhung. Quellen: FOCUS MANEY ONLINE, 26.01.2011, WIRTSCHAFTSWOCHE, 27.01.2011, FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 27.01.2011 und 30.01.2011.

Die offiziellen Inflationsraten liegen knapp über 2 % in der EWU, knapp unter 2 % in Deutschland. Überraschend niedrig wenn man bedenkt, dass die Preise für Energie seit Anfang 2010 um rund 20 % und für Nahrung sogar um etwa 50 % gestiegen sind. Die EZB strebt weiter einen Wert unter, aber nahe bei 2 % an. Aufgrund dieser Aussage halten es einige Ökonomen für möglich, dass die EZB schon im ersten Halbjahr 2011 den Leitzins anhebt. Eine Schnapsidee, wie die nächsten Wochen zeigen werden.


Deutschland:

Die Nachrichten waren wieder euphorisch. Bundeswirtschaftsminister Brüderle berichtete aus Davos „Deutschland wird bewundert“ (SPIEGEL ONLINE, 28.01.2011). Die „Deutsche Industrie läuft auf Hochtouren“ berichtete das österreichische WIRTSCHAFTSBLATT am 26.01.2011. Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND half am 25.01.2011 der „Hoffnung für die Binnenkonjunktur“ auf die Beine. Auch den „Rentnern winkt dreimaliger Geldsegen“ schrieb am 27.01.2011 das HANDELSBLATT mit Bezug auf die BILD-Zeitung. Gemeint ist damit, dass in 2011 und den kommenden beiden Jahren die Renten sich jeweils um 1 % erhöhen, was bei einer erwarteten Inflationsrate von offiziell knapp unter 2,0 % einen wirklichen Geldsegen ausmacht. Der GfK-Konsumklima-Index kletterte mittlerweile auf Vorkrisenniveau, da „höhere Einkommen und weniger Arbeitslosigkeit die Kauflaune der Deutschen steigen lassen“. „Die Inlandsnachfrage könnte damit zum zweiten Standbein für den Aufschwung werden“, so das Ifo-Institut. Die Experten des Instituts sind der Meinung, „trotz steigender Preise bei Energie und Lebensmitteln erwarten die Deutschen höhere Einkommen“ und „hoffen vor allem die Beschäftigten, dass sich die Löhne und gehälter in diesem Jahr wieder stärker erhöhen als zuletzt“. Hier wird wieder schamlos mit Annahmen hantiert, um eine Konjunkturerholung zu verkaufen, die es überhaupt nicht gibt. Denken wir nur daran, dass führende Analysten mit „deutlich steigenden Preisen in Deutschland“ rechnen, von bis zu 4 % ist die Rede (MANAGER MAGAZIN, 26.01.2011).

Es ist auch das Ifo-Institut, für das die deutsche Industrie auf Hochtouren läuft und noch Luft nach oben sieht. Diese Aussagen werden durch keine Statistik des Bundesamtes gedeckt. Wir sind da wirklich aktuell. Das ist Schwindel, sonst nichts.

Wirklich, zu der Aussage des Bundeswirtschaftsministers in Davos (siehe oben) fällt uns nichts ein. Außer Kopfschütteln.


Rohstoffe

Die Schlagzeilen der letzten Woche sind aus unserer Sicht Besorgnis erregend. Die Rede war vom Preisschock bei Agrarrohstoffen, von Massenproteste in Indien, vom Kampf ums Brot, von Rekordpreisen für Grundnahrungsmittel, von einer Lebensmittel-Inflation, vom Zündstoff Lebensmittel.

Die Weltbank sieht in den steigenden Kosten für Lebensmittel eine der größten Gefahren für die Wirtschaft. Um trotz wachsender Weltbevölkerung den weiteren Anstieg der Lebensmittelpreise zu bremsen, ist nach Einschätzung der Weltbank eine verstärkte Unterstützung der Bauern in Afrika notwendig. Eine schärfere Regulierung der Rohstoffmärkte, für die sich kürzlich u. a. der französische Staatspräsident Sarkozy stark macht, lehnt die Weltbank dagegen ab.

Global wächst die Sorge, dass immer knapper werdende Agrarrohstoffe in den kommenden Jahrzehnten zu ständigen Revolten und Hungerkrisen führen und ganze Regionen destabilisieren. Stark gestiegene Preise für Grundnahrungsmittel wie Brot gelten als ein wesentlicher Auslöser der jüngsten schweren Unruhen in arabischen Ländern wie Tunesien und Ägypten.

Noch redet niemand von einer Lebensmittelkrise, es ist aber nur noch eine Frage der Zeit. Spekulation und Handelsbeschränkungen (Protektionismus) werden dafür sorgen, dass die Preise weiter steigen. Der Spekulation wurde bereits die Preistreiberei bei der letzten Lebensmittelkrise 2008 nachgewiesen. Die Folgen sind also absehbar.

Quelle: Alles FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 27., 28., 29.01.2011.

Wir wollen nur daran erinnern, dass sich seit Beginn der Finanzkrise die Zahl der Hungernden von 500 Millionen auf 1 Milliarde verdoppelt hat. Wie viele werden noch hinzukommen? Wir sollten uns schon einmal einen Bauern des Vertrauens aussuchen, oder wenigstens Balkon und/oder Vorgarten im Frühjahr auf seine landwirtschaftliche Nutzbarkeit prüfen.

Möglich wäre es natürlich auch, dass der Preisanstieg, so wie schon einmal 2008 durch die Finanzkrise, von einem besonders großen Ereignis gestoppt wird. Hier bleibt der Phantasie viel Raum.

Kasachstan und Deutschland erwägen Rohstoffallianz“ meldete am 30.01.2011 das MANAGER MAGAZIN. Offenbar verhandelt die Bundesregierung mit Kasachstan über eine neue Allianz für rare Rohstoffe, die für die manche High-Tech-Produkte von deutschen Unternehmen dringend benötigt werden. Deutsche Unternehmen sollen exklusiven Zugang zu sogenannten Seltenen Erden bekommen. Die Gespräche seien noch in einem frühzeitigen Stadium berichtete der Bundesverband der Industrie (BDI). Könnte es sein, dass man den guten Beziehungen zu China doch nicht traut und sich deshalb mit Kasachstan einlassen würde, einem Land mit doch eher despotischer Führung?


Krisenvorsorge

Die WELT titelte am 29.01.2011 „schreckliches“: „Der Gold- und Silberboom steht vor dem Aus“. Der weltgrößte Gold-Fonds registriert den größten Tagesabfluss aller Zeiten. Auch Analysten sehen nur noch wenig Potenzial für Edelmetalle. Die werden sich wundern. Wir wissen aus eigenen Quellen, dass längst erste Verknappungen zu spüren sind. Deshalb wird bereits versucht, schwache Investoren und Anleger zum Verkauf zu bewegen. Gold und Silber ist nichts für schwache Nerven. Es gibt keinen, wir betonen keinen, Grund, nicht immer weiter in Silber zu investieren. Die Finanzkrise bleibt virulent und sorgt dafür, dass Gold und Silber ihre bisherigen Höchststände in den kommenden Jahren übertreffen. Garantiert.

Egal, was wir bekommen, Stagflation, Deflation, Inflation, oder von jedem etwas: Die Besitzer von Gold und Silber bleiben handlungsfähig. Sie sind am Ende die Gewinner, wenn sie eisern an diesem Investment festhalten. Natürlich wird es in dieser Zeit Höhen und Tiefen geben, dafür sorgen schon die diversen Preismanipulationen. Es sind die Tiefen, die Gelegenheit zum Aufstocken bieten.

Als Privatinvestor grundsätzlich Finger weg von Immobilien. Immer häufiger versuchen Makler, Banken und auch viele Vermögensberater, eine Immobilie als Inflationsschutz anzupreisen. Das ist nur ein Verkaufsargument, nicht mehr. Es gibt schlicht keinen Beweis für diese These. Wir kennen einige Standorte in der westlichen Welt, wo Immobilien sicherlich als Inflationsschutz taugt. Deutschland gehört definitiv nicht dazu.

Die Lebensversicherungsbranche steht vor ersten Veränderungen. Das MANAGER MAGAZIN nennt es am 28.01.2011 „Das stille Sterben“. Dort wird berichtet, dass 2010 sechs Gesellschaften ihr Neugeschäft eingestellt haben, dazu gehören die „Victoria Leben“, die „Bayerische Beamten Lebensversicherung“ und die „Hamburger Leben“. Die noch bestehenden Verträge werden abgewickelt. Es sind alles Gesellschaften, die unterdurchschnittliche Verzinsungen bieten und deshalb kaum neue Kunden begeistern können. Diese Gesellschaften werden als zu schwach eingestuft, in den kommenden schwierigen Zeiten attraktive Renditen am Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Es steht zu erwarten, dass weitere Gesellschaften künftig aus dem Neugeschäft aussteigen. Branchenbeobachter nehmen an, dass vermutlich 20 % der Branche in Deutschland auf diese Weise konsolidieren müssen. Ergänzend verweisen wir zu diesem Thema auf unsere „Vorausschau 2011“.