Samstag, 11. Juni 2011

Standpunkt, Ausgabe 21: China, Finanzkollaps, USA, Europa, Krisenvorsorge


Nachlese:

Diese Ausgabe hat sich verzögert. Heftige Diskussionen mit einigen Lesern über unsere Aussagen zu Griechenland und die Verstrickung der deutschen Banken in die Finanzkrise (bevorzugt in Ausgabe 20) sind daran schuld. In den Diskussionsbeiträgen dieser Leser haben wir eines ganz besonders vermisst: Die Erkenntnis logischer wirtschaftlicher Zusammenhänge und Funktionsweisen. Außerdem, wenigstens im Ansatz, eigene Überlegungen und Meinungen. Oder auch die Einsichtsfähigkeit gegenüber den besseren Argumenten. Stattdessen wurden wir regelrecht „beschossen“ mit den bekannten öffentlich zugänglichen Argumenten, deren Wahrheitsgehalt eher unterdurchschnittlich ist und mittlerweile auch nicht zugenommen hat. Sehr beliebt in diesem Zusammenhang auch die Meinungsmacher vom Schlage Sinn, Henkel, Starbatty, Hankel und Konsorten. Deren falsche Bewertungen und wertlosen Vorschläge zur Lösung der Euro-Krise begegnen uns immer wieder. Erstaunlicherweise werden diese Ansichten in den sogenannten „unabhängigen Medien“ und verwandten Blogs regelmäßig gefeiert. Dem können wir nur unseren missionarischen Eifer entgegensetzen. Jedenfalls nehmen wir diese Diskussionen zum Anlass, heute unsere Aussagen weiter zu ergänzen.

Stellenweise erleben wir die Euro-Krise als Schmierentheater. So z. B. wenn die Ratingagentur Standard & Poor’s allen Ernstes erklärt, Irland habe „gute Chancen, im kommenden Jahr ohne zusätzliche Hilfen von EU und IWF an die Kapitalmärkte zurückzukehren“ (gefunden in FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 01.06.2011). Nur zur Erinnerung: Irland erhielt bisher 85 Mrd. Euro Stütze aus dem „Euro-Rettungsschirm“ und es ist noch nicht das Ende. Wer etwas wissen will über die tatsächlichen Zustände Irlands seit den Hilfen von EU und IWF sollte in unseren früheren Aussgaben blättern. Hier die Kurzform: Irland ist platt, völlig überschuldet durch eine maßlose Bankenrettung, auf Generationen verschuldet durch ein internationales Rettungsprogramm, das diesen Namen nicht verdient.

Griechenland wird gerade ausgeplündert. Das Land wird gezwungen, sein letztes Vermögen zu opfern, an internationale Finanz- und Wirtschaftskonzerne, zu Ausverkaufspreisen. Erinnert sehr an ähnliche Aktionen des IWF in der Vergangenheit (vgl. Argentinien). Längst gilt die Devise „rette sich wer kann“ und viele Griechen ziehen ihre Spargelder ab (FOCUS, 24.05.2011). Auf der anderen Seite schrumpfen die Konsumausgaben der privaten Haushalte und setzen so das BIP massiv unter Druck, was automatisch die Staatsschuldenquote weiter erhöht. Die geforderten neuen Sparmaßnahmen, in Verbindung mit neuen Hilfskrediten, verschärfen diese Zustände ins Unerträgliche. Der US-amerikanische Zukunftsforscher Gerald Celente rekrutiert u. a. aus dieser Entwicklung seine Prognose von Aufständen und Unruhen in Europa schon in diesem Jahr. Seit Monaten schon finden in Griechenland, bisher meistens unbeachtet in Deutschland, regelmäßig heftige Proteste statt. Längst ist der Funke auf andere europäische Länder übergesprungen. Länder, in denen ebenfalls EU/IWF begonnen haben, Finanzhilfen an wahnsinnige, irrationale Sparprogramme zu knüpfen. Europas Politiker haben damit begonnen gegen die Interessen der Menschen zu handeln, denen sie eigentlich kraft ihrer Verfassungen verpflichtet sind. Das wird nicht gutgehen. 
 
Wir erwarten bei Griechenland eine Umschuldung. Dilettantisch geplant und durchgeführt. Sozusagen ein Probelauf. Nur Dummköpfe können glauben, damit ist die Euro-Krise dann ausgestanden. Die Liste der nächsten Kandidaten ist lang, genauso die Liste neuer Pleite-Fälle: Im Osten Europas ziehen schwarze Wolken auf. Besonders pikant: Lettland, gerne als Musterknabe beschrieben, gehört dazu. Gerade jetzt ist dort die politische Einflußnahme der USA besonders ausgeprägt, wie das österreichische WIRTSCHAFTSBLATT am 29.05.2011 schreibt. Lettland gehört für uns zu den amerikanischen Freunden in Europa. Genauso wie Polen, von Obama kürzlich als „regionale Führungsmacht“ gelobt, mit „Vorbildfunktion für die ganze Region“ und ein „Player in Europa“. Obama nennt Polen einen der „engsten Verbündeten Amerikas“. Quelle: NEUE ZÜRICHER ZEITUNG, 28.05.2011. Wir halten Polen, gemeinsam mit Großbritannien, für einen Brückenkopf US-amerikanischer Interessen in Europa. Sehr subtil, aber wirkungsvoll, wie uns die Euro-Krise zeigt, bzw. deren weitere Entwicklung noch zeigen wird.

Ein Nachtrag zu unserer Ausgabe No. 3, in der wir die chinesischen Interessen in Europa kommentiert haben. Passend dazu eine Meldung von WELT ONLINE am 27.05.2011, nach der 500 chinesische Arbeiter zum Dumpingpreis in Polen ein Teilstück der Autobahn von Berlin nach Warschau bauen. Vorbote einer Entwicklung die sich weiter verstetigt und in der Folge viele Arbeitsplätze in Europa kosten wird. In diesem konkreten Fall begünstigt durch Aufträge der öffentlichen Hand und gefördert mit EU-Geldern. Das ist praktische politische Verantwortungslosigkeit.

In der Ausgabe No. 5 haben wir uns sehr ausführlich mit dem Hedgefonds Schweiz beschäftigt. Die Entwicklung des Schweizer Franken straft uns bisher Lügen (siehe „Schweizer Franken: Die Rekordjagd ist nicht aufzuhalten“, WIRTSCHAFTSBLATT/AT, 24.05.2011). Auf unsere Meinung zur Schweiz nimmt die vermeintliche Stärke der Schweizer Währung keinen Einfluss. Irgendwann müssen die riesigen Derivatepositionen der beiden Schweizer Großbanken aufgelöst werden, für die der Schweizer Staat mit Milliardenbeträgen einsteht, die nur einen Bruchteil der Verpflichtungen von UBS und Crédit Suisse absichern. Dieser Müll reicht aus, um das Land unter sich zu begraben. Dann ist auch der harte Schweizer Franken Geschichte.

Wir haben auch einen Nachtrag zu Fukushima, von uns in den Ausgaben No. 15 – 17 besonders behandelt und kommentiert. Mittlerweile hat nämlich der Betreiber die Kernschmelze in zwei weiteren Reaktoren bestätigt (Quelle: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 24.05.2011). Ebenfalls, wenigstens teilweise, werden unsere Aussagen zur Verstrahlung der Region um Fukushima bestätigt. Die Strahlenwerte außerhalb der 20-Kilometer-Schutzzone sind teilweise lebensgefährlich hoch (Quelle: „Land around Fukushima now radioactive dead zone; resembles target struck by atomic bomb“, NaturalNews.com, 31.05.2011). Bei dieser Nachrichtenlage ist es nicht wirklich verwunderlich, wenn die Intern. Atomenergieorganisation (IAEA) in einem Bericht zu Fukushima der japanischen Regierung und dem Betreiber tatkräftig hilft, die Pannen und Schlampereien zu verschleiern. In diesem Bericht (Quelle: iaea.org) wird das Krisenmanagement vor Ort als „beispielhaft“ bezeichnet. Die Evakuierung, von der Regierung hinausgezögert, sei „beeindruckend und extrem gut organisiert“ gewesen. Hier wird menschenverachtende Politik betrieben. Wer glaubt, so etwas ist in Europa unmöglich, der wird sich in den kommenden Monaten die Augen reiben.

Eine kleine USA-Nachlese: Nun warnt auch die Ratingagentur Moody’s Amerika vor einer möglichen Herabstufung durch den Entzug der Bestnote (Quelle u. a.: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 02.06.2011). Lesen Sie noch einmal Ausgabe No. 18, dort finden Sie reichlich Hintergrundinformationen. Verantwortlich für die Entwicklung sind auch die Arbeitsmarktzahlen, jüngst als schockierend eingestuft (Quelle wie vor, 03.06.2011). Seit unserer 1. Ausgabe vom 06.12.2010 weisen wir auf genau diese Zustände hin, ebenso in unserer Jahresvorausschau 2011. Die Amerikaner sind Meister in der statistischen Schönfärberei. Deshalb sind sogar die berichteten 54.000 Neueinstellungen im Mai ein Taschenspielertrick, nicht mehr. Spätestens in drei Monaten wird dieses Ergebnis deutlich nach unten korrigiert. Wir rechnen mit einem dicken Minus. Erschreckend ist die Zahl der Food-Stamps-Bezieher, die mittlerweile auf 44,587 Millionen (Stand März 2011) angestiegen ist. Wir erwarten noch einen Anstieg bis 60 Millionen Bezieher. Wirtschaftserholung sieht anders aus.


Grundsätzliches:

Die Quellenangaben sind gestrafft. Wir haben eigene Quellen, die wir aus verschiedenen Gründen nicht nennen wollen. Dafür bitten wir um Verständnis. Diese Quellen sichern uns einen entscheidenden Wissensvorsprung, den wir auch in der vorliegenden Ausgabe wieder nutzen.

Wir stellen nur echte, belastbare Informationen bereit, die wir allgemein verständlich kommentieren.

Ausdrücklich weisen wir darauf hin, dass die folgenden Äußerungen unsere persönliche Bewertung wiedergeben, die wir mit großer Sorgfalt erarbeitet haben.

Wer sich nicht regelmäßig mit Wirtschaft & Politik und deren Folgen auf die persönlichen Lebensumstände beschäftigt, bzw. beschäftigen kann, sollte sich für die folgenden Seiten unbedingt Zeit nehmen. Der Nutzen ist enorm und wächst mit jeder weiteren Ausgabe, die wir regelmäßig, kostenlos und ohne jede Verpflichtung, bereitstellen.

Denken Sie aber bitte auch daran, diese Informationen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, etc., etc., zugänglich zu machen. Die Ereignisse erfordern Hintergrundwissen und machen Denkanstöße zwingend notwendig.

Nutzen Sie unsere Erfahrung für Ihre Entscheidungen. Vertrauen Sie nicht länger den Politikern, Ökonomen, den Mainstream-Wirtschaftsjournalisten oder gar Bankern. Nur Letztere wissen was sie tun, nie haben sie dabei jedoch die Interessen ihrer Kunden im Blick, ausschliesslich ihre eigenen.

Nehmen Sie endlich die Scheuklappen herunter, Sie werden sofort eine bessere Sicht auf das Wesentliche haben. Ignorieren Sie nicht länger die Fakten und handeln Sie, die Zeit drängt!

Für Rückfragen, Anregungen, Kommentare, persönliche Beratungen, unsere Email-Adresse: benner-kemmer@web.de.

Ab sofort haben wir für Sie und alle Interessierten im Internet einen Blog eingerichtet. Sie finden uns unter der-oekonomiker.blogspot.com!


Top-Thema: China

In der letzten Ausgabe haben wir bereits anklingen lassen, dass eine Reihe von Ökonomen und Manager glauben, China werde sich zum politischen und wirtschaftlichen Machtzentrum in der Welt entwickeln. Aus diesem Grund wollen wir uns in einer eingehenden Bewertung damit beschäftigen. Wegen des Umfanges haben wir uns dazu entschlossen, in einigen Tagen eine Ausgabe zu veröffentlichen, die sich ausschliesslich mit China beschäftigt. So lange bitten wir um Geduld.


Finanzkollaps:

Wir wissen, Teile unserer Leser sind nicht begeistert, dass wir dieses Thema immer wieder ins Licht halten. Nur, die Krise geht weiter. Da hilft kein Ignorieren oder Verdrängen. Besser, Sie lesen Ausgabe No. 18.

Die WIRTSCHAFTSWOCHE nennt es am 31.05.2011 „Kartell der Derivate-Zocker“ und berichtet ausführlich über ein Banken-Kartell im Billionengeschäft mit Kreditversicherungspapieren. Es wird deutlich, was wir schon immer kommunizieren: Das Finanz-Casino lebt, intensiver noch wie vor der Lehman-Pleite 2008, befeuert von rund 2,7 Billionen Dollar Liquidität (Quelle: TAGES- ANZEIGER/CH, 31.05.2011), die – statt damit Arbeitsplätze zu schaffen – von den Finanzkonzernen verzockt werden. Es sind die altbekannten Namen, denen wir begegnen. Dazu gehören die Deutsche Bank, aber auch wieder die Landesbanken, z. B. BayernLB oder HSH Nordbank, oder die Sparkassen (hört, hört). Regulierung dieser Geschäfte? Fehlanzeige! Die Gründe beschreibt der US-Politologe Nicholas Ziegler im MANAGER MAGAZIN am 30.05.2011 unter der Überschrift „Die US-Finanzindustrie verhindert mit viel Geld politische Reformen“. In den USA laufen Klageverfahren gegen Deutsche Bank, Goldman Sachs und JP Morgan, in der EU wird gegen verschiedene Banken, u. a. wieder die Deutsche Bank, wenigstens ermittelt. Die Ergebnisse werden dürftig ausfallen. Tatsache ist vielmehr, dass die demokratischen Verantwortungsträger in Politik, Justiz und Medien versagen.

Überlassen wir an dieser Stelle Gordon Brown das Wort, früherer britischer Schatzkanzler (= Finanzminister, Anm. d. Verf.) und späterer Premierminister, der am 26.05.2011 in einem Interview mit der ZEIT äußert: „Ich bin sehr davon überzeugt, dass es in der Marktwirtschaft wie auch in der Politik selbstsüchtige Interessen und Machtkonzentrationen gibt, die ein moralisches Korsett benötigen. Ich hatte übrigens schon 1998 (damals brit. Finanzminister, Anm. d. Verf.) infolge der Asienkrise <…> gefordert, dass wir ein System zur Beaufsichtigung der weltweiten Finanzströme benötigen, ein Frühwarnsystem, einen Krisenbekämpfungsmechanismus. Ich habe gesagt, dass wir sonst eine weitere Krise erleben würden, eine Rückkehr zu den ungebremsten Exzessen der dreißiger Jahre. Meine Kollegen konnte ich damals aber nicht überzeugen.“

Leider hat Gordon Brown es aber später versäumt, sich wenigstens für eine Regulierung in Europa stark zu machen. Die Macht des Finanzplatzes London war dann doch zu groß.


USA:

Die wirklich schlechten Nachrichten haben wir bereits bei der Nachlese kommuniziert. Hier noch einige Anmerkungen zum Land der z. Zt. sehr begrenzten Möglichkeiten:

Der Zustand der US-Wirtschaft ist schlecht. Die Konzerne sitzen auf prall gefüllten Geldsäcken, statt zu investieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Maßnahmen der FED zur Stabilisierung der Wirtschaft bleiben erfolglos. Der Immobilienmarkt zeigt keinerlei Erholung, die Preise fallen weiter. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass mittlerweile 90 % aller neuen Hypotheken durch den amerikanischen Steuerzahler garantiert werden. Der US-Hypothekenmarkt ist praktisch verstaatlicht. Die Banken treten quasi nur noch als Makler auf. Mittlerweile ist auch der Markt der Gewerbeimmobilien stark gefährdet. Aktuell stehen weit über 800 Banken auf der FDIC-Liste der gefährdeten Arten (FDIC = US-Einlagensicherungsfonds). Tendenz steigend. Politisch bewegt sich nichts. Die Anhebung der Schuldenobergrenze, nötig bis spätestens Anfang August, wird zum Spielball der politischen Interessen und schon beeinflußt vom kommenden Präsidenten-Wahlkampf. Obamas Wahlkampf-Slogan „Yes, we can“ hat bis heute nicht den Weg in die reale US-Politik gefunden. US-Umfragen setzen Obama auf eine Stufe mit dem Ex-Präsidenten Jimmy Carter, der im öffentlichen Bewusstsein als schwach, schwächer noch als Gorge W. Bush, eingestuft wird.

Die Stimmen mehren sich, die für die USA harte Zeiten vorhersehen. Stephen King, Analyst bei der Großbank HSBC, erwartet „japanische Verhältnisse“, d. h. weiter niedrigste Zinsen, fehlender konjunktureller Aufschwung (WIRTSCHAFTBLATT/AT, 30.05.2011). PIMCO wettet gegen den Dollar, andere Analysten ebenfalls. Trotz Euro-Krise. Zu schlecht werden die Aussichten bewertet. Quelle: siehe wie vor, 25.05.2011. Zwischenzeitliche Erholungen sind natürlich immer möglich, der langfristige Trend bleibt aber eher mau. Die UN warnt „vor Dollar-Vertrauenskrise“, sogar von einem möglichen Kollaps ist die Rede (FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 26.05.2011). Bei dieser Gemengelage spielt China eine entscheidende Rolle: Erlahmt demnächst Chinas Interesse am Dollar, wird vielleicht sogar der Euro bevorzugt oder die eigene Währung mehr in den Vordergrund geschoben. Europa scheint hier keine Rolle zu spielen, es fehlt der politische Wille, die eigene Stärke durch eine schnelle Beendigung der Euro-Krise zu dokumentieren.


Europa:

Der Kampf gegen den Euro geht weiter. Und es wird noch schlimmer. Nach Griechenland, Irland, Portugal und Spanien geraten jetzt Italien, Belgien, Frankreich ins Visier der Währungskrieger (politisch korrekt müßte es eigentlich „der Märkte“ heißen, stimmt aber nach unserer Auffassung nicht, Anm. d. Verf.). Die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch greifen die Bonität Italiens und Belgiens an. Beide Länder werden verwarnt und der Ausblick jeweils von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Vor wenigen Tagen wurde dann sogar Frankreich angemahnt. Nur eine Fußnote ist die Herabstufung des Euro-Landes Zypern, dem seine Abhängigkeit von Griechenland zum Verhängnis wird. Griechenland wurde von Moody’s gleich noch einmal um drei Stufen abgewertet, das ist absolutes Ramschniveau. Quellen: FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.05.2011, 31.05.2011 und 01.06.2011, HANDELSBLATT, 23.05.2011.

Derweil hofft die EU bei der Portugal-Rettung auf China. Bei Griechenland, Spanien, und, und, und, natürlich auch. Wir haben das schon früher kommentiert: Diese Einladung an China wird die europäischen Probleme nicht lösen, sogar noch verschlimmern. Einen besseren Markteintritt für Europa kann sich das Land nicht wünschen. Allerdings gab es bisher aber nur vollmundige Ankündigungen, Geld ist noch nicht gefloßen.

Die öffentliche Diskussion, ob, wie und wann ein Land der Euro-Zone pleite geht, gerettet wird, umschulden muß, ist höchst schädlich. Kakophonie in Reinkultur. Dabei würde, gerade im Zusammenhang mit Griechenland, ein gut vorbereiteter strategischer Schlag gegen die Währungskrieger die Euro-Krise zügig beenden und die Aufmerksamkeit zurück über den großen Teich lenken. Wird nur leider nicht passieren. Wenigstens nicht, so lange „agitatorische Nationalökonomen“ wie Professor Sinn aus München Gehör finden. Der Mann hat von praktischer Wirtschaft keine Ahnung, vermittelt jedenfalls diesen Eindruck. Kommt mit Ideen daher aus der Urzeit der Wirtschaftswissenschaften. Hantiert gegenüber den betroffenen Ländern mit falschen Anschuldigungen und bedient so den deutschen Mainstream: „Bild Dir Deine Meinung“ by Prof. Sinn. Dabei wäre die Lösung ganz einfach, hier die Eckpunkte: Die Euro-Zone erklärt mittels der EZB bis auf weiteres feste Wechselkurse gegenüber den wichtigsten Währungen, US-Dollar eingeschlossen. Die EU27-Staaten legen ein Wirtschaftsprogramm auf, mit dem die bekannten Strukturschwächen in den betroffenen Ländern mittelfristig behoben werden, statt sich irgendwo auf der Welt mit viel EU-Geld-Förderung neue Märkte zu erschliessen, die dann doch absaufen, oder hintenherum wieder absatzfinanziert werden müssen. Ein bisschen John Maynard Keynes würde hier sicher helfen. Nennen wir es deutlich innereuropäische Entwicklungshilfe. Produziert wird dann eben in Portugal, Griechenland, Irland, sogar Großbritannien, statt in der Türkei, Ägypten, Vietnam, China, sonst irgendwo in Asien, usw. Unternehmen, die sich daran nicht halten, zahlen Strafe. Die Globalisierung, so wie wir sie kennen, ist erst einmal gescheitert. Die Strukturschwächen in der EU, ganz besonders in der Euro-Zone, sind nicht neu und wären ohne die Folgen der Finanzkrise auch weiter nicht sonderlich störend gewesen. Jetzt ist aber alles anders.

Der bisher eingeschlagene Weg ist falsch. 25 % Zinsen für zweijährige griechische Anleihen sind ein Witz, keine Lösung. So weit hätte es erst gar nicht kommen dürfen. Korrekturen dringend notwendig. Andernfalls werden sich die Proteste massiv ausweiten. Aktuell sind sie bereits in Italien und Frankreich angekommen. Sieben Länder sind insgesamt davon betroffen. Es wird unruhig in Europa.

Übrigens, wer ernsthaft nach Lösungen sucht, sollte Keynes und auch Ludwig Erhard gelesen. Wir haben es längst getan, viele der verantwortlichen Politiker sicher nicht. Zeit, es nachzuholen.


Deutschland:

Der Terror wird mal wieder zur Gefahr erklärt und die besorgte Bundesregierung „will die Bundeswehr im Inland einsetzen“. Bundesinnenminister Friedrich möchte dafür das Grundgesetz ändern. Die Bundeswehr soll zukünftig zur Terrorabwehr eingesetzt werden können. Es fehle jedoch an der erforderlichen Mehrheit für eine Verfassungsänderung. Quelle: WELT ONLINE, 21.05.2011. Diese Sau hat die CDU/CSU schon einmal durchs Dorf gejagt. Ohne Erfolg. Hoffentlich bleibt es dabei.

Immer noch gibt es phantastische Neuigkeiten zum deutschen Jobwunder. Das MANAGER MAGAZIN meldete am 31.05.2011 nach einer aktuellen Umfrage „Dax-Riesen wollen Tausende einstellen“. 40.000 sollen es sein, die noch in diesem Jahr eingestellt werden sollen. Vor einigen Wochen waren es sogar 70.000 Stellen, die die Industrie schaffen wollte. Es wird schon weniger. Setzt man die Stellenstreichungen (das MANAGER MAGAZIN nennt es „Stellenabbau gegen den Trend“) bei ThyssenKrupp (35.000), bei Bayer (2.000), der Commerzbank (7.400) dagegen, dann entpuppt sich das Jobwunder sehr schnell als heiße Luft. Sogar von den ursprünglich 70.000 bleibt dann nicht mehr viel an neuen Stellen übrig.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärt den deutschen Aufschwung zum Dauerzustand und hält sogar einen Rückgang der Arbeitslosen in Richtung 2,5 Mio. für möglich. Zur Unterstützung meldet WELT ONLINE am 24.05.2011 „Experten erwarten das zweite Boomjahr in Folge“. Diese Jubelmeldungen dürfen aber nicht den Blick für die Tatsachen verstellen. Der Aufschwung generiert sich aus den Ungleichgewichten und Fehlentwicklungen eines überkommenen deutschen Geschäftsmodells, dessen Laufzeit zu Ende geht. Die starke Exportlastigkeit hängt am Schicksal der Weltkonjunktur, die wir als sehr störungsanfällig einstufen.

Negativ: Der Aufschwung bleibt nur in den Gewinnen der Unternehmen hängen, bei den Menschen kommt nichts davon an. Die Lohnsteigerungen reichen nicht aus, die Inflationsrate für das laufende Jahr von erwarteten 2,4 bis 3 % auszugleichen. Zusätzlich bittet der Staat zur Kasse. Bei einem Prozent mehr Lohn müssen zwei Prozent mehr Einkommensteuer gezahlt werden, so der Bund der Steuerzahler. Dazu kommen die Erhöhung der Beitragssätze in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung.

Immer wieder wird im Zusammenhang mit dem Aufschwung von einem deutschen Konsumwunder geredet. Besonders gerne vom Bundesfinanzminister und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg. Wir schreiben seit Monaten: Die Wirklichkeit sieht anders aus. Jetzt ist die GfK selbst ein Stück weit zurückgerudert und wird am 25.05.2011 vom HANDELSBLATT mit der Aussage zitiert „Schuldenkrise vermiest Deutschen Kauflaune“. Trotzdem behauptet die GfK weiter die Mär von einer grundsätzlich „guten Konsumneigung“. „Wesentliche Stütze dafür sei die sehr erfreuliche Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt“. In der Vergangenheit haben wir immer wieder zu der Situation am Arbeitsmarkt Stellung bezogen. Sehr ausführlich in der Jahresvorausschau 2011. Die in der Öffentlichkeit diskutierten Zahlen haben nur eine geringe Aussagekraft. Nicht so schlimm wie in den USA, werden auch in Deutschland die Arbeitslosenzahlen kreativ verschönert.


Rohstoffe:

Die Nahrungsmittel- und Energiepreise verharren kurz unterhalb des bisherigen Allzeithochs. Wir schließen uns nicht den Analysten an, die hier unter Hinweis auf eine zurückgehende Nachfrage starke Preiseinbrüche erwarten. Gold bleibt stabil, Silber ist immer noch einigermaßen unentschlossen um die 35 $ herum. Eine klare Linie ist noch nicht erkennbar, immer noch gibt es Verkaufsangebote ängstlicher Anleger, die nicht an einen weiteren Kursanstieg bei Silber glauben. Gold wird anders bewertet, auch wegen der Käufe aus China und Mexiko. Wir erwarten trotz der Wackel-Anleger bei Silber nun doch keinen Rückgang mehr bis herunter auf 25 $. Investments zur Vermögenssicherung sind bei den aktuellen Preisen auf jeden Fall richtig. Ob Gold oder Silber ist egal. Wir bevorzugen Silber, das „Gold des kleinen Mannes“. In diesem Zusammenhang noch einmal der Hinweis auf unsere Kurz-Kolumne 19/1 vom 08.05.2011, außerdem auf die Jahresvorausschau 2011.


Krisenvorsorge:

Im Zusammenhang mit unserer „Bankenschelte“ zwei Nachrichten: „EU-Banken dürfen auf Erleichterung bei Basel III hoffen (WIRTSCHAFTSBLAT/AT, 27.05.2011) und „Die EU möchte Schlupflöcher für ihre Banken (TAGES-ANZEIGER/CH, 28.05.2011). Diese Forderungen kommen zu aller erst aus Deutschland, zum Schutz der Privatbanken-Konzerne, der Landesbanken, der Sparkassen und Genossenschafts- und Raiffeisenbanken. Keinesfalls aus Sorgfalt gegenüber den Anlegergeldern. Dafür bleibt weiter der Staat zuständig. Denken wir nur an die Garantieerklärung der Bundeskanzlerin im Oktober 2008. Die deutschen Banken sind Zockerbuden, mal mehr, mal weniger. Die Deutsche Bank ist da nur die Spitze des Eisberges. Übrigens wurde vor wenigen Tagen in Südkorea, im Zusammenhang mit Börsenmanipulationen, Vermögen dieser Bank vom Staat beschlagnahmt. Wer zweifelt da noch ernsthaft an den von uns in der letzten Ausgabe zitierten Aussagen des Schweizer Journalisten und Buchautors Leo Müller? Gerne lassen wir uns vom Gegenteil überzeugen. Informationen, die eine andere Sichtweise erzwingen, sind uns ganz bestimmt willkommen. Natürlich werden die dann hier auch vorgestellt. Den Verbindlichkeiten deutscher Banken steht durchschnittlich eine Eigenkapitalquote von 2,6 % gegenüber. Beispiel: Die 500 Milliarden Euro Kredite an die Problem-Länder in Europa (PIGS) sind lediglich mit 13 Milliarden Euro Eigenkapital unterlegt.

In diesen Tagen erleben wir, dass LeserInnen mit den Begriffen Devisenzwangswirtschaft, Zwangsanleihen, Zwangshypotheken, oder auch Lastenausgleich wenig, bzw. nichts, anfangen können. Deshalb werden wir an dieser Stelle ab heute diese Begriffe näher erklären, besonders aber auch die neuen Wortschöpfungen vorstellen, die sich die Politiker und ihre Finanzfachleute dafür einfallen lassen.

Beginnen wir mit den Zwangsanleihen, heute finanzielle Repression (= Schaffung einer künstlichen Nachfrage nach Staatsanleihen) genannt. Gängige Methoden sind beispielsweise die Vorgabe an Banken und Pensionsfonds, Staatsanleihen zu halten oder Zinsobergrenzen für Bankeinlagen. Es ist nichts anderes als der Versuch von Staaten, über regulatorische Maßnahmen Anleger zum Kauf der eigenen Staatsanleihen zu drängen. Der jeweilige Staat schafft sich so eine feste Abnahmegruppe für seine Anleihen, für die er dann auch keine marktüblichen Zinsen anbieten muss. Augenblicklich werden erst einmal nur die institutionellen Anleger (Banken, Fondgesellschaften, Versicherungen, usw.) damit belastet. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis diese Maßnahmen auch gegenüber den Privatanlegern ergriffen werden. Deutschland versucht es bisher auf freiwilliger Basis, Spanien oder Japan sind da schon weniger zimperlich. Japan hat seine Staatsschulden (offiziell 200 % des BIP) auf diese Weise hauptsächlich bei der eigenen Bevölkerung „geparkt“. Sehr deutlich hat sich dazu Bill Gross, Chef des weltgrößten Anleihenfonds PIMCO, geäußert: Er nannte es „Taschendiebstahl“ (Quelle: pimco.com).

Eigentümer von Immobilien sollten sich mit den Begriffen Zwangshypothek und Lastenausgleich vertraut machen, im Internet finden sich dazu aufschlussreiche Quellen. In diesem Zusammenhang interessant: Sogar das Grundgesetz erlaubt in Artikel 14 (3) eine Enteignung. Dort heißt es: „Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.“ (Quelle: Juris). Für den Lastenausgleich im Zusammenhang mit der Währungsreform in den Anfangstagen der Bundesrepublik Deutschland wurde so am 14.08.1952 das Lastenausgleichsgesetz (LAG) geschaffen. Merke: Der Lastenausgleich ist eine Vermögensabgabe, mit der auch die schuldenfreien Immobilien-Eigentümer kräftig zur Kasse gebeten werden.

Deutschland ist ein Land der Lebensversicherten. 2,5 Billionen Euro garantierte Auszahlungsansprüche. Selbst für deren Enteignung ist vorgesorgt. Wir haben schon in unserer Jahresvorausschau 2011 darüber berichtet, wollen es heute noch einmal wiederholen. Die Regelung versteckt sich im neu formulierten § 89 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und regelt die Herabsetzung von Leistungen. Durch diese Vorschrift ist es u. a. möglich, Auszahlungen aus Lebensversicherungen zeitweise oder ganz zu stoppen, falls die Vermögenslage des betroffenen Unternehmens dies erfordert. Außerdem wird festgelegt, dass die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Beiträge in der bisherigen Höhe weiterhin zu bezahlen, vom Auszahlungsstopp unberührt bleibt. So eine Regelung lässt nur den Schluss zu, dass Konzerne und Politik mit dem Schlimmsten rechnen, oder wenigstens auf das Schlimmste vorbereitet sein wollen. In dem Gesetz heißt es: „Alle Arten Zahlungen, besonders Versicherungsleistungen, Gewinnverteilungen und bei Lebensversicherungen der Rückkauf oder die Beleihung des Versicherungsscheins sowie Vorauszahlungen darauf, können zeitweilig verboten werden.“ Damit sind jederzeit rückwirkende Eingriffe möglich. Beispiel: Verliert eine der Gesellschaften im Verlauf der Euro-Krise große Teile ihres angelegten Vermögens, so erlaubt diese Vorschrift, zukünftige und/oder laufende Leistungen zu versagen, die vereinbarten Beiträge müssten aber weiter bis zum Vertragsende bezahlt werden. Leistungen am Vertragsende gibt es nicht. Für Hypothekenfinanzierungen, bei denen eine oder gar mehrere Versicherungen als Sicherheit oder zur Tilgung eingesetzt werden, kommt es zu einer völlig irren Situation: Die Sicherheit für die Hypothek ist weg und/oder die Tilgung ist schlagartig auf Null gestellt. Folge: Die Bank will neue Sicherheiten, einen Ausgleich für die verlorenen Ansprüche aus der für die am Ende der Versicherungslaufzeit vorgesehene Tilgung, im schlimmsten Fall kommt es zur Zwangsversteigerung. Obwohl jeden Monat pünktlich die Beiträge gezahlt wurden und genau diese Beiträge weiter bezahlt werden müssen, ohne noch irgendeinen Wert zu haben. Die neue Tilgungsvereinbarung mit der Bank belastet den Etat zusätzlich. Jeder kann sich selbst an Hand seiner eigenen Situation die Folgen einer solchen Entwicklung überlegen.

Wir sind uns sicher, 99 % der Lebensversicherten kennen diese Gesetzesregelung nicht. Passt perfekt in den schleichenden Prozess des Niedergangs, so wie wir ihn erwarten. Niemand darf sich davon mehr ablenken lassen. Alleine seit 2007 ist die offizielle Staatsverschuldung in Deutschland von 64,9 % auf 83,2 % gestiegen. Die Verbindlichkeiten sind in dieser Zeit von 1,6 Billionen auf 2,1 Billionen gestiegen. Alles ohne die Kosten des EU-Rettungsschirms. Unsere Politiker betreiben längst Insolvenzverschleppung.

Unruhige Zeiten voraus. Eigenverantwortliches, revolutionäres Handeln ist nötig, um sich auf die unvermeidlichen Dinge vorzubereiten. Weg mit allen vertrauten Anlage-Gewohnheiten. Wer diesen Rat nicht beherzigt, kommt sprichwörtlich unter die Räder. Wem dazu trotzdem noch der Mut fehlt, wir helfen gerne in einem persönlichen Gespräch. Kontaktaufnahme über benner-kemmer@web.de.

Übrigens, selbst die gesetzlichen Krankenkassen sind kein sicherer Hort mehr. Nach der City-BKK sind weitere 22 Krankenkassen gefährdet, u. a. so bekannte Namen wie die DAK und die AOK Bayern. 28 Millionen von insgesamt 40 Millionen Menschen sind betroffen, 40 % aller Versicherten. Es werden Bilanzen frisiert und mangelhafte Haushaltspläne erstellt. Ähnlich wie bei den Banken, sind diese Missstände dem Gesundheitsministerium und der Versicherungsaufsicht bekannt. Quelle: WIRTSCHAFTSWOCHE/D, 28.05. und 31.05.2011.