Mittwoch, 27. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 38 - US-Schuldenkrise


US-Schuldenkrise: „Die Regierung ist das Problem, nicht die Lösung“ (der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan)

Was würde Ronald Reagan, Republikaner aus Überzeugung, heute einfallen, angesichts der akuten Schuldenkrise seines Landes und der Unwilligkeit der Politiker, daran etwas zu ändern. Aus unserer Sicht ist es nicht Unfähigkeit, die das Ringen um die Erhöhung der US-Schuldengrenze ausmacht. Es ist schlichtes wahltaktisches Kalkül, von beiden Seiten. Der leistungslose Friedensnobelpreisträger Obama glaubt an seine neue Chance bei der nächsten Präsidentenwahl, genauso wie die Republikaner, denen bisher aber noch ein geeigneter Kandidat, oder auch eine – in Gottes Namen - Kandidatin, fehlt. Von Letzteren muss jetzt schon jede Möglichkeit genutzt werden, sich in den Vordergrund zu drängen, egal was es kostet.

Die Frage muss erlaubt sein: Ist Obama der falsche Präsident zur falschen Zeit? Die Antwort wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, davon sind wir überzeugt. Fest steht aber schon jetzt: „Yes, we can“ war doch wieder nur ein Wahl-Slogan. Der Verdacht liegt nahe, dieser Präsident ist wieder nur ein Präsident von Wall Streets Gnaden.

Deshalb halten wir die ganzen Ängste wegen der angeblichen Zahlungsunfähigkeit der USA und der längst erwarteten Herabstufung nur für den Teil einer bestens vorbereiteten Seifenoper mit den üblichen Mitwirkenden, angeleitet von den Dienern der Wall Street und, wie könnte es anders sein, zuverlässig kommentiert von den wohlgefälligen Medien der Welt. Theorie-gestützt von den vielen Star-Ökonomen hüben wie drüben. Hoffentlich erinnern wir uns in einigen Monaten noch an den Mist, der in diesem Zusammenhang gerade verzapft wird. Die Archive werden voll davon sein.

Die FED ist das Zünglein an der Waage. Sie wird sich die Regierung weiter untertan machen und das amerikanische Volk immer noch mehr versklaven. QE3 steht in den Startlöschern. Die Republikaner sind dafür die Steigbügelhalter, angetrieben von der Tea Party, padroniert von den milliardenschweren Brüdern Koch. Ein sehenswertes Schauspiel.

Der Verlust des AAA-Ratings ist nur eine Petitesse. Alle anderen AAA-Länder werden einfach mit runter gestuft. Japan wurde schon längst angezählt, in Europa steht Frankreich jetzt schon im Fokus der Rating-Agenturen. Selbst Deutschland wird es treffen. Als Begründung wird wieder einmal die Euro-Krise herhalten. Das ist natürlich Quatsch, aber die Stammtische der Welt nehmen diesen Grund dankbar auf.

Lehnen wir uns zurück und betrachten die Protagonisten weiter bei ihrem Schauspiel, wir können die Dinge nicht ändern, nur darauf reagieren.

Denen, die Einfluss haben, möchten wir ein Zitat von Albert Einstein hinter die Ohren schreiben: „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“ 

 

Samstag, 23. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 37 - Euro-Krise, Prof. Otte


Prof. Max Otte mit „Neuigkeiten“: „Finanzexperte sieht die nächsten Länder auf der Kippe.“

So titelt heute die Online-Ausgabe des FOCUS. Namen nennt Max Otte nicht. Eingangs wird sein gutes Gespür gelobt, weil er 2006 die weltweite Finanzkrise vorher sah. Da hat sich der Verfasser dieser Zeilen dann aber auch einmal selbst kräftig auf die Schulter geklopft (es war leider gerade sonst niemand in der Nähe), schliesslich verfügte er bereits im August 2004 anlässlich eines Vortrages in der hessischen Provinz über die gleichen „hellseherischen“ Fähigkeiten. Lächeln und Kopfschütteln unter den damals Anwesenden war die Reaktion, was die Herrschaften heute noch bedauern. Zwei Jahre später war eine solche Aussage sicherlich mutig, hatte aber mit Gespür wenig zu tun: In den USA war seit einem Jahr die Subprime-Krise voll im Gange.

Es ist auch keine große Leistung, schon seit Monaten „Vorhersagen“ über die Länder zu treffen, die in der Euro-Krise demnächst von den Spekulanten heimgesucht werden. Unsere Jahresvorausschau 2011 vom Januar ist voll davon. Dafür, dass wir richtig liegen, feiern wir uns aber nicht, wir bedauern es nur.

Die von Otte geforderte Insolvenzordnung für Euroländer und die positive Einschätzung der von Frankreich geforderten Finanztransaktionssteuer – sie könne „die Spekulationswirtschaft zum Wohle der Realwirtschaft zurückdrängen“ geht gar nicht: 1. Die Insolvenz eines Staates innerhalb einer so großen Wirtschaftsmacht ist reine Theorie, noch nicht einmal Lehre, oder haben wir im Unterricht nicht aufgepaßt? 2. Die Spekulationssteuer ist nutzlos, die immer noch verherrlichte Spekulationswirtschaft gehört abgeschafft, ohne Wenn und Aber, ohne irgendwelche Regularien, die doch nur wieder unterlaufen werden, ohne Aufsichtsbehörden, die unterbesetzt, schlecht ausgebildet, ohne Vollmachten und ohne Weisungsbefugnis sind und deshalb gleich beide Augen zudrücken.

Eine europäische Ratingagentur, egal in welcher Form, ist wieder nur ein zahnloser Tiger und dient der Volksbelustigung, sorry Volksberuhigung muss es natürlich heißen, hat deshalb wenig zu tun mit souveräner Außenpolitik. Übrigens, was wir schnellstens brauchen, wäre eine gemeinschaftliche Finanz- und Wirtschaftspolitik, die den Bürgern aber auch bei ihrer Einführung verständlich gemacht wird. Bisher wird doch jeder Vorstoss in diese Richtung von den „grauen Eminenzen“ aus Wirtschaft und Wissenschaft als Teufelswerk verdammt.

So wie die Wissenschaftler immer wieder ihre Theorien wiederholen, so fallen uns auch immer wieder die gleichen stimmigen Zitate dazu ein:

Die Vorurteile eines Professors nennt man Theorie.“ Danke, Mark Twain.

Standpunkt, Ausgabe 36 - Griechenland


Peter Bofinger, Wirtschaftsweiser und Professor an der Uni Würzburg, deckt auf: „Die Banken steuern Null % zur Griechen-Rettung bei“

Diese Aussage stammt aus einem Interview, dass die WIRTSCHAFTSWOCHE heute in ihrer Online-Ausgabe veröffentlicht. Lesenwert. Wir fassen die wichtigsten Aussagen hier zusammen, da wir bereits in Ausgabe No. 34 „Die Staatsschulden sind nicht alles …“ die Beteiligung der Banken als „Witz der schlechtesten Sorte“ beschrieben haben.

Die Banken und Versicherungen sind Sieger des Euro-Gipfels. Faktisch tauschen die Banken alte griechische Anleihen gegen neue griechische Anleihen, die zwar eine längere Laufzeit aufweisen, aber in etwa die gleiche Rendite bieten wie die alten Anleihen. Zudem bekommen sie dazu noch eine Versicherung für den Rückzahlungsbetrag am Ende der Laufzeit, die vom
europäischen Rettungsschirm EFSF abgesichert wird. Die Bankenlobby war beim Gipfel bestens vertreten. Sie haben ihre Interessen sehr gut durchgesetzt, so sehe ich das.

Die privaten Gläubiger hätten sich substanziell beteiligen müssen. Denn: Ein Drittel aller griechischen Staatsanleihen sind in der Hand von Spekulanten und Hedgefonds. Die werden jetzt voll auf ihre Kosten kommen, bei einem echten Schuldenschnitt wäre das nicht der Fall gewesen.

Die Rechnung der Spekulanten ist voll aufgegangen. Zweiter Gewinner sind die Banken und Versicherungen. Sie haben kaum Verluste hinnehmen müssen.“

Da erscheint die Aussage von Josef Ackermann, dem Schweizer an der Spitze der Deutschen Bank, die Einigung würde die Institute „hart treffen“, in besonders hellem Scheinwerferlicht der Euro-Retter-Bühnen-Show. Schade, noch gibt es niemand, der diesen Münchhausen’s den Saft abdreht, damit sie im Dunkeln stehen, wo sie niemand mehr sehen und, noch besser, hören kann. 

 

Freitag, 22. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 35 - Enteignung


Nur ein Pfad zur Enteignung - § 89 Versicherungsaufsichtsgesetz

Dieses Thema wurde von uns in der Vergangenheit schon mehrfach angesprochen, zuletzt in Ausgabe No. 23, in der wir ausführlich die vielen staatlichen Werkzeuge der Enteignung beschrieben haben. Natürlich weit vor den honorigen Premium-Medien, die sich lieber damit beschäftigen, als Erfüllungsgehilfen der Finanz-Hydra (Danke, Herr Müller, für diesen Begriff), den Euro in Grund und Boden zu schreiben.

Gut versteckt hat jedoch kürzlich die WIRTSCHAFTSWOCHE auf diese Regelung hingewiesen. Unter der Überschrift „Mittendrin im Anleihe-Schlamassel“ (Online-Ausgabe, 17.07.2011) beschäftigt sich das Blatt mit den Problemen der deutschen Lebensversicherer im Zusammenhang mit Bank- und Staatsanleihen und deren Gefährdung durch die Schuldenkrise in den PIIGS-Staaten. Dort heißt es: „Bricht das Euro-System zusammen, könnte die Aufsicht Versicherer vor dem Bankrott schützen müssen: Laut Paragraf 89 des Versicherungsaufsichtsgesetzes kann sie Versicherern verbieten, Leistungen auszuzahlen oder Lebensversicherungen zurückzukaufen. Sie kann Zahlungen herabsetzen oder Versicherungsummen neu festlegen. Kunden aber latzen weiter: Die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Versicherungsentgelte in der bisherigen Höhe weiterzuzahlen, wird durch die Herabsetzung nicht berührt.“

Leider kein Wort über die Folgen, sollte eine solche Regelung Wirklichkeit werden. Was geschieht beispielsweise mit den vielen Tilgungs-Lebensversicherungen im Zusammenhang mit Hypothekendarlehen. Diese Aufgabe haben wir übernommen und die Konsequenzen in der Ausgabe No. 21 unter „Krisenvorsorge“ bereits beschrieben. Der Schaden wäre unabsehbar. Bitte dort nachlesen. 
 

Standpunkt, Ausgabe 34 - PIIGS-Staaten-Kredite


Die Staatsschulden sind nicht alles – Billionen an Konsumenten- und Gewerbekrediten stecken in den PIIGS-Staaten

Ganz Europa redet nur von den Milliarden-Schulden der PIIGS-Staaten und deren Folgen. Der aktuelle Banken-Stresstest zeigt jedoch, dass die wirklichen Probleme bisher überhaupt noch nicht in der Öffentlichkeit angekommen sind. Die hat das Wall Street Journal (WSJ) jetzt untersucht.

Berge von Hypothekendarlehen für Privat- und Gewerbeimmobilien, oder Geschäfts- und Unternehmenskrediten, wurden jahrelang in die flügellahmen Euro-Länder vergeben. Weil die Wirtschaft in diesen Ländern zunehmend in Schwierigkeiten steckt, steigen bei diesen Krediten die Risiken auf Zahlungsausfälle. Es geht hier um gewaltige Summen, die bisher niemand auf der Rechnung hat. Wenigstens sind diese Dinge jetzt durch den Stresstest enthüllt worden, erklärt Alastair Ryan, Analyst bei UBS in London.

Besonders betroffen sind, nach den spanischen und italienischen Banken, die vier größten französischen Banken. BNP Paribas SA, Crédit Agricole SA, BPCE Group und natürlich die Société Générale SA halten rund 300 Milliarden Euro Kredite in den PIIGS-Staaten. Der Betrag stellt die Verpflichtungen aus den Staatsschulden für diese Länder absolut in den Schatten. Alleine 51 Milliarden Euro haben diese vier Banken an spanische Kunden verliehen.

Die folgenden Zahlen beschreiben sehr anschaulich, wieviel Geld von den Banken der aufgeführten Länder an institutionelle und private Schuldner in den PIIGS-Staaten vergeben wurde:

Spanien 2,2 Billionen $, Italien 1,3 Billionen $, Frankreich 0,4 Billionen $, Deutschland 0,3 Billionen $, Portugal 0,3 Billionen $, Griechenland 0,2 Billionen $, Großbritannien 0,2 Billionen $, Irland 0,2 Billionen $ und Belgien, Zypern, Niederlande, Dänemark, Österreich zusammen 0,2 Billionen. 

Insgesamt eine Summe von rund 5.100 Milliarden $, aktuell 3.600 Milliarden Euro, also 3,6 Billionen Euro. Darin nicht enthalten sind die Staatsschulden.

Der deutsche Beitrag sieht auf den ersten Blick relativ moderat aus, schließt jedoch nicht die Beträge ein, die sich spanische, italienische oder französische Banken bei deutschen Banken geliehen haben, um sie dann in den PIIGS-Staaten zu vergeben. Hier liegen die Risiken weiter im Verborgenen. Ebenfalls nirgends sichtbar werden die sicherlich umfangreichen Engagements der diversen Zweckgesellschaften/Schattenbanken, die denen der Geschäftsbanken wahrscheinlich in nichts nachstehen. Dagegen stehen aktuell 2,8 Billionen Euro Staatsschulden der betreffenden Länder.

Die allseits als große Leistung der Politiker gefeierte Beteiligung der europäischen Banken in Höhe von angeblich bis zu 37 Milliarden Euro an dem gestern beschlossenen neuen EU-Rettungspaket ist deshalb ein Witz der schlechtesten Sorte. Soll die Gemüter beruhigen und verdecken, dass es sich doch wieder nur um eine staatliche Zwangs-Bankenrettung handelt, verbunden mit hohen Spekulationsgewinnen für die Geretteten und kollektiver Haftung für die Bürger Europas über Generationen hinweg. Wer macht diesem Spuk endlich ein Ende?

Donnerstag, 21. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 33 - Euro-Krise Dirk Müller


Einspruch, Dirk Müller!

Keine Frage, wir mögen Mr. Dax. Seine Beiträge in den diversen Talk-Shows sind richtig, wichtig, kommen auf den Punkt und werden von ihm für alle BILD-ungsschichten sehr verständlich formuliert. Außerdem legt er sich auch mit denen an, die sich für den Nabel der Welt halten. Sein Buch Crashkurs gehört unbedingt in jeden deutschen Haushalt. Der Autor erklärt dort in verständlicher Sprache und an Hand vieler Beispiele die Zusammenhänge. So gut kann es keiner.

Vor einigen Tagen haben wir im Internet (bei mmnews.de) die Zusammenfassung eines Interviews mit Dirk Müller gefunden, in dem er wieder die Probleme völlig richtig adressiert, aber eine Lösung anbietet, die uns zum Widerspruch herausfordert.

Was uns stört: Er redet der Auflösung des Euros oder zumindest einer Teilauflösung das Wort. Wir verstehen natürlich seine Bedenken, wenn er der Poltik nichts Rechtes zutraut. Tun wir übrigens vorläufig auch nicht. Hoffen jedoch auf schnelle Besserung. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Hätte er recht, so würde Europa den Währungskrieg verlieren, quasi sang- und klanglos untergehen. Eine nur schwer erträgliche Vorstellung. Es darf einfach nicht sein, kampflos die Flinte ins Korn zu werfen. Die EU ist, gemessen am BIP, die weltweite Wirtschaftsmacht No. 1. Fehlen die Politiker, um dieser Tatsache Geltung zu verschaffen, oder haben die nur Angst vor der eigenen Courage? Zugegeben, die Situation ist viel schwieriger, 27 Mitgliedsstaaten bedeuten mindestens ebenso viele Interessen und Meinungen. Außerdem noch die vielen Theorien der Top-Ökonomen und Politik-Ratgeber, die Banken-Lobby eingeschlossen. Wer behält da noch den Überblick. Wir haben in der Ausgabe No. 20 einen Versuch unternommen.

Bei Dirk Müller spielen in diesem Zusammenhang die Bürger eine entscheidende Rolle. Die haben seiner Meinung nach das letzte Wort, erzwingen den Ausstieg. Wir wehren uns vehemnt gegen diese Option. Im Gegenteil möchten wir daran glauben, dass Europa die große Chance nutzt, alle Fehler aus den Maastricht- und Lissabon-Verträgen endlich zu korrigieren und mehr politische Union zu wagen. Bei dieser Gelegenheit bitte auch gleich die Banker-Macht auf das richtige Mass zurückstutzen. Aus Bankern wieder Bankiers machen. Schluss mit „weiter so“. Zeigen wir den Amerikanern und ihrem Präsidenten, wie „yes, we can“ wirklich geht. Sorgen wir dafür, dass die Welt-Reservewährung EURO den Status bekommt, den sie verdient. Überlassen wir dem US-Dollar doch seine Führungsrolle auch beim zu erwartenden Absturz.

Die Probleme in den USA sind viel, viel schlimmer. Der Status des US-Dollars als Welt-Leitwährung ist höchst gefährdet. Deshalb wird mit allen Mitteln der Euro unter Druck gesetzt. Die Rolle der Ratingagenturen passt in dieses infame Spiel wie die Faust aufs Auge. Wall Street koordiniert die Angriffe. Wegen des Regierungsnotstandes in Washington wird jetzt sogar schon Italien angegriffen. Die dringend gebotene Abwertung der USA durch die Ratingagenturen wird so weiter hinausgezögert. Gelingt es Amerika und seinen Verbündeten, viele davon sitzen leider in Europa, den Euro zu zerstören, dann wird es auch die politische Einheit Europas kosten. Die Folgen dieser Entwicklung sind nicht absehbar, selbst nicht für Dirk Müller. Es muss alles getan werden, so etwas zu verhindern. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, selbst den unpopulären, die an den Stammtischen erst einmal wenig Beifall finden werden. Die Frage, auf die selbst wir bis heute keine Antwort haben, aber ist: Welches Rindvieh hat die Autorität, den USA die Stirn zu bieten und die Herde zaghafter Politiker und ahnungsloser Bürger anzuführen, um den Weg aus dem fremdbestimmten Schlamassel zu finden. Europas Geschicke müssen durch die Europäer bestimmt werden, nicht mehr durch die Geldbarone aus der Wall Street und ihren willigen, in der ganzen Welt verstreuten, Handlangern. Jeder Tag und jede Stimme zählt. Dirk Müller, es ist noch viel zu früh, aufzugeben. Vergessen wir es nicht:

Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann.‘‘ (Weisheit der Cree-Indianer) 
 

Standpunkt, Ausgabe 32 - Journalisten-Euro-Krise


Deutsche Journalisten im DM-Wolkenkuckucksheim?

Perfektes Timing: Pünktlich zum heutigen Euro-Krisengipfel schreibt die deutsche WIRTSCHAFTSWOCHE in ihrer Online-Ausgabe die Rückkehr zur D-Mark hoch. Beste Lektüre für den langen Anreiseweg in Europas heimliche Hauptstadt? Mitnichten. Aufmachung und Inhalt zeugen von schlechter Recherche und legen die Befürchtung nahe, dass hier auf unerträgliche Weise in die Meinungsbildung eingegriffen werden soll. Selbst der Leiter des Hauptstadtbüros ist sich nicht zu schade, seine journalistische Reputation für diese einseitige Schönschreibung in die Waagschale zu werfen. Diese Meinungsmache fordert unseren energischen Widerspruch heraus.

Es sind drei Artikel, die uns zum Kochen bringen: „Mit der D-Mark zurück zu alter Stärke“ von Malte Fischer, uns bisher schon wiederholt als Anti-Europäer aufgefallen, „Glücklich ohne Euro“ von Henning Krumrey, dem besagten Leiter des Hauptstadtbüros, und „Euro-Verweigerer im Stimmungshoch“, gleich von einer ganzen Truppe, Yvonne Esterházy, Florian Willershausen, Helmut Steuer, Dirk Ruschmann, geschrieben.

Mit Malte Fischer sind wir relativ schnell fertig. Dessen Aussagen stützen sich auf Umfragen und Schätzungen, von deren Standfestigkeit der Autor einfach mal ausgeht, ohne dass es dafür irgendwelche Erfahrungen aus der Vergangenheit gibt. Weder hat es für die Einführung der Euro-Zone, noch für die Überschuldung eines oder mehrerer Staaten als Teil einer solchen Währungszone, irgendeine gültige Vorlage gegeben, aus der Erfahrungen abgeleitet werden können. Der Wert von Umfragen ist hinreichend bekannt, ebenso das Theoretisieren in Studien. Der praktische Wert ist regelmäßig gleich Null. Beispielhaft denken wir dabei an die vielen Konjunkturprognosen oder Steuerschätzungen seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland, von denen nie eine eingetroffen ist. Nehmen wir noch die schöne, aber trotzdem reißerische Aussage „Boom trotz Aufwertung“. Der Autor behauptet, „ein Einbruch der Exporte wäre (trotz kräftiger Aufwertung der neuen D-Mark) nicht zu erwarten“. Den Wert einer solchen Aussage zeigt ein aktueller Blick über die Grenze in die Schweiz. Dort sind die Zeitungen voll von Nachrichten über die Probleme der exportabhängigen Unternehmen wegen des exorbitant starken CHF- Kurses. Vogelwilde Ideen machen schon die Runde. Angefangen vom festen Wechselkurs gegenüber dem Euro bis hin zu einem Euro-Beitritt. Was hilft es da wenn sich im Gegenzug, wie behauptet wird, die Importe verbilligen.

Sehr interessant auch die Behauptung, dass „wenn es im Rahmen eines solchen Austritts nicht zu anderweitigen Turbulenzen kommt, würden „die Exporte und die Konjunktur der restlichen Euro-Länder ankurbeln und so die Absatzchancen deutscher Anbieter auf diesen Märkten verbessern.“ Eine sehr unwahrscheinliche Annahme, für die wieder nur Studien (von wem bleibt offen) herhalten müssen, die diese Aussage belegen sollen. Das ist einfach zu wenig für so eine weit tragende Behauptung.

Auf die Auswirkungen für die Sparer und die Kosten der Transfer-Zahlungen an die verlassenen Krisenländer gehen wir nicht mehr weiter ein. Alleine die Probleme der Lebensversicherer und der Rentenversicherungsanstalten sind hier nicht darstellbar. Die mindestens 20 Milliarden Euro (Berechnung eines Finanzwissenschaftlers) Transfer-Zahlungen an die Rest-Euro-Länder sind eine lächerlich geringe Summe. Die Leistungen solcher Theoretiker lassen sich ganz gut an der Pleite des Hedgefonds LTCM 1998 ablesen. Dessen beiden Spitzenkräfte wurden ein Jahr vorher mit dem Nobelpreis für Mathematik ausgezeichnet. Da bleibt doch kein Auge trocken.

Nicht wirklich besser ist der Vortrag von Herrn Krumrey. Lassen wir das nette Beiwerk weg und befassen wir uns nur mit den behaupteten „harten“ Fakten. Den Euro mit dem Dollar in einen Topf zu werfen und als „die beiden schwächsten Währungen der Welt“ zu bezeichnen ist, pardon, völlig deppert (bayerischer Ausdruck für idiotisch). Das ist Populismus in Reinkultur, mit der Faktenlage hat das nichts zu tun. Die muss ein Journalist in einer so exponierten Stellung kennen, es genügt nicht der Hinweis auf das hauseigene Geld-Ressort. Da sitzen übrigens dann die falschen Leute.

Die Entwicklung von CHF, Schweden-Krone, Polen-Zloty und Goldpreis als Schwäche des Euro auszulegen ist schlicht unanständig. Tatsachen werden einfach weg gelassen. Wir haben in unseren jüngsten Ausgaben dazu schon eine hinreichende Faktenlage entwickelt. Die Entwicklung des Goldpreises hat nichts mit der Krise der europäischen Einheitswährung zu tun, ebensowenig die vorgebliche Stärke der angeführten Währungen. Dazu nehmen wir im Zusammenhang mit dem dritten Artikel ausführlich Stellung. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, beruft sich der Autor auf „etliche Studien“, um andere Thesen zu untermauern. Woher die Studien stammen bleibt im Dunkeln. So geht es doch nicht, Herr Krumrey! Seriöse journalistische Arbeit sieht anders aus.

Auf umfangreichen sieben DIN-A-4-Seiten beschreibt die Autoren-Truppe die Hochstimmung bei den Euro-Verweigerern. Dazu unsere Kernaussage gleich zu Beginn: Die Recherche ist erbärmlich. Sehen wir uns die Aussagen deshalb im Einzelnen an:

Großbritannien: Das Land ist pleite, bankrott, arm. Die Staatsverschuldung von 80% drückt das nur unzulänglich aus. Ein bisschen Lesen in der englischen Presse oder in den öffentlich zugänglichen Statements der Bank of England zu den Themen Wirtschaftskraft, Konsum, Lebensqualität, hätte schon geholfen. Leitzins oder Inflationrate spielen für die Menschen dort keine große Rolle. Es sind die unmenschlichen Sparpläne der Regierung, die täglich Tausende auf die Straßen treiben, ohne daß in den deutschen Medien davon Notiz genommen wird. Diese Sparpläne werden, genau wie bei vergleichbaren Aktionen in anderen europäischen Ländern, das Land endgültig ruinieren. Da hilft es auch nichts, wenn die Regierung beispielsweise die Hälfte der staatlichen Forsten, den Hafen von Dover oder einen ausgemusterten Flugzeugträger, die „Ark Royal“, das einstige Prunkstück der Royal Navy, verkaufen will. Übrigens, ein nagelneuer Flugzeug-Träger kann nicht in Dienst gestellt werden, es fehlt das Geld für die Flugzeuge. Die von den Autoren als „dynamischer Faktor“ hoch gelobte Finanzwirtschaft ist die wichtigste Stütze des BIP (Anteil 75%) und mit Giftmüll aus dem Spiel im weltweiten Finanz-Casino bis unter die Dachziegel belastet. Es ist die Euro-Zone die froh sein kann, nicht auch noch für dieses marode Land sorgen zu müssen. Das übernehmen erst einmal noch die Amerikaner. Das ist aber eine andere Geschichte, die wir schon früher, im Zusammenhang mit dem Währungskrieg gegen den Euro, bewertet haben. Jedenfalls ist es grundfalsch, Großbritannien und das Pfund zu heroisieren.

Polen: Klar will sich das Land in der Euro-Krise profilieren. Die nächsten Monate werden zeigen, auf wessen Kosten. Jedenfalls ist es ein Witz, ein „üppiges“, EU-mitfinanziertes, Konjunkturprogramm, aus dem sich das Wirtschaftswachstum generiert, als polnische Leistung darzustellen, geschuldet der eigenen Währung. Einen wunderbaren Einblick in die polnische Situation gibt der Artikel „Die vergessenen Opfer der Euro-Krise“ von Thomas Dudek, veröffentlicht gestern auf heise.de/telepolis. Das ist die Realität. Wir ersparen uns weitere „böse“ Kommentare zu den Polen-Beschönigungen.

Schweiz: Die Meinung der Schweizer in allen Ehren, aber wie ist die Wirklichkeit? Zugegeben, die Autoren haben wenigstens die Probleme des Schweizer Exports durch den starken Franken bemerkt. Nur, was ist mit den bereits öffentlich diskutierten Arbeitsplatzverlusten, den Ideen zum festen Wechselkurs oder dem Eintritt in die Euro-Zone? Nichts, finden offensichtlich die Schreiber. Uns fällt zu dem starken CHF eine Menge Zündstoff ein, der bisher von den deutschen Medien nicht beachtet wird: Die Schweiz ist ein einziger riesiger Hedge-Fonds. Jeder der knapp 8 Millionen Schweizer Bürger, die Ausländer ausdrücklich eingeschlossen, ist nämlich wegen der Staatsgarantien für die beiden Großbanken UBS und Crédit Suisse bis über beide Ohren verschuldet. Die fast 70.000 $ (58.000 CHF) Pro-Kopf-BIP werden von den Derivateschulden in den Bilanzen der beiden Banken in Höhe von 450.000 CHF pro Kopf, sehr deutlich übertroffen. Bemerkenswert: Die UBS fährt mit einer Eigenkapitalquote von 1,9% durch die Gegend (Quelle: Privatbank Wegelin). Alle Risiken aus den Schweizer Rettungsgarantien belaufen sich auf sagenhafte 4.500.000 CHF pro Bürger. Wir haben schon in der Ausgabe No. 5, vom 03.01.2011, darüber aufgeklärt, ergänzt in den Ausgaben No. 12, No. 20 und No. 21. Die sichere Schweiz ist nur noch ein Mythos, aber der wird bestens vermarktet, wie uns auch die Autoren zeigen. Träumt weiter, können wir nur ausrufen.

Schweden: Warum wird dieses Land als Vorbild immer wieder gefeiert? Okay, vor Jahren wurde eine Bankenkrise ganz ordentlich bewältigt, mehr aber auch nicht. Als Blaupause für die heutigen Probleme kann diese Aktion nicht dienen. Sehr zum Leidwesen vieler Meinungsmacher bei uns. Das Land marschiert direkt auf eine Immobilienblase zu, seine Industrieperlen (Scania, Volvo, Saab) sind von ausländischen Investoren übernommen worden. Schwedens Vorbild-Charakter hält sich nach unserer Einschätzung doch sehr in Grenzen. Die so positiv herausgestellte Staatsverschuldung von rund 40% ist nur eine relative Größe, Bulgarien hat nur 16%, Estland sogar nur knapp 7%. Ach so, die Maastricht-Kriterien werden erfüllt. Wir hätten doch fast vergessen, wie wichtig diese Grenze für die Beurteilung einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik ist. Fliegt Schweden der Immobilienmarkt um die Ohren, dann dürfen wir gespannt sein, wie sich die Dinge entwickeln. Schwedens Banken werden dann auf jeden Fall ein neues Waterloo erleben. Was macht Schweden wirklich besser?

Dänemark: Richtig, Dänemark ist nicht auffällig, von den neuen Grenzkontrollen abgesehen. Was wir aber in dem Artikel vermissen, sind einige Worte zu den pleitebedrohten Banken im Land. Solides Wirtschaften sieht anders aus. Da darf die EU dann gerne wieder helfen, so wie in der Finanzkrise 2008 bereits geschehen.

Tschechien: Zu diesem EU-Land fällt selbst uns nichts ein, außer dass es wirtschaftlich keine besonders große Rolle spielt. Und der Staatspräsident ständig gegen EU und Euro stänkert, was auch die Autoren feststellen. Ebenso die Schwäche der eigenen Währung. Danke. Unsere These: Dem Land geht es nur gut, wenn es Deutschland gut geht. Die Abhängigkeit ist offensichtlich. Da kann der Präsident leicht noch eine Weile dicke Backen machen.


Fazit: Diese Journalisten haben sich ihre eigene Sicht der Dinge geschaffen, wichtige Fakten, die dazu nicht passen, einfach ignoriert. Stattdessen wird lautmalerisch mit Studien hantiert, die aber nicht näher benannt werden. Der deutsche Michel wird begeistert sein, sieht er sich doch noch ein weiteres Mal darin bestätigt, dass an den Stammtischen der Republik endlich wieder mit D-Mark bezahlt werden muss. 

 

Mittwoch, 20. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 31 - Staatspleiten


Pleite Staaten = kein systemisches Risiko, not „too big to fail“?

Spätestens seit 2008 kennen wir sie: Banken, deren Zusammenbruch kurzerhand zum systemischen Risiko erklärt werden, um die Rettung mit Staatsknete und –garantien zu rechtfertigen. Der angloamerikanische Begriff „too big to fail“ wurde einfach neu in den deutschen Wortschatz aufgenommen. Schon passte alles zusammen. Seit dem wurden von großen und kleinen Staaten viele, viele Milliarden Euro zur Rettung der Banken tatsächlich gezahlt oder mindestens garantiert. Das Ergebnis bis heute: Überschuldete Staaten innerhalb und außerhalb Europas, die Euro-Zone wartet auf eine Umschuldung Griechenlands, weitere Länder stehen in der Warteschlange, der Euro und die EU stehen zur Disposition, keine Lösungen in Sicht.

Nur, warum gilt für die Staaten nicht, was für die Pleite-Banken erst gar nicht in Frage gestellt, ja ernsthaft diskutiert wurde? Wir behaupten: Jeder Staat, egal ob z. B. das wirtschaftlich unbedeutende Griechenland oder das große Spanien, ist wertvoller als jede Bank. Systemisches Risiko, too big to fail? Muss bei jedem Staat mit einem klaren Ja beantwortet werden. Die Staaten haben einen Anspruch darauf, gerettet zu werden. Von den Staaten, die überhaupt die Rettung der Banken, selbst in den schwachen Ländern, erzwungen haben. Allen voran die USA, dicht gefolgt von Deutschland und Frankreich. Die wollen aber nicht.

Das ganze Theater um die Verträge aus Maastricht und Lissabon, die angeblich zu spät entdeckten Schummeleien bei den PIIGS-Beitritten zur Euro-Zone, die „neu“ entdeckten Leistungsbilanzdefizite, die das deutsche Vermögen vernichtende Transferunion (vgl. Sinn, Hankel, Issing, Starbatty), die faulen Südeuropäer, dient nur der Ablenkung. Sichert den Politikern Wählerstimmen, den Bankern fette Boni, den Ökonomen Aufmerksamkeit, dem Volk die Stammtisch-Hoheit. Ob diese Rechnungen am Ende alle aufgehen? Lehrt uns doch der Volksmund: „Lügen haben kurze Beine.“

Mark Twain beschreibt es so: „Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.“ Offensichtlich ist die Lüge noch unterwegs …

Standpunkt, Ausgabe 25/5 - USA


Jahresvorausschau 2011 – Halbzeit - USA

Dieses Dossier setzt die Reihe weiter fort, mit der wir die Anfang Januar veröffentlichte Einschätzung der Entwicklung auf der Grundlage unserer eigenen Recherchen neu bewerten und, falls nötig, korrigieren. Bisher sind Ausgabe 25/1 (Finanzkrise), 25/2 (Europa), 25/3 (China) und 25/4 (Rohstoffe) erschienen.

Schon mehrfach haben wir unsere damaligen Aussagen in den folgenden Publikationen ergänzt. Soweit sinnvoll, werden wir diese Ergänzungen hier noch einmal wiederholen, um ihre Wirkung zu vertiefen und allen Lesern entgegen zu kommen, die erst später zu uns gestoßen sind.

Zur besseren Lesbarkeit bieten wir kein vielseitiges Gesamt(kunst)werk an, sondern zerlegen das Ganze in seine Einzelteile. Erst zum Schluß bieten wir die Gesamtschau als pdf-Datei zum Herunterladen an.

Unsere Voraussagen für die USA waren bereits im Januar alles andere als zuversichtlich. Eher im Gegenteil: Wir waren äusserst pessimistisch eingestellt und hatten ein düsteres Bild gezeichnet. Daran hat sich nichts geändert. Unsere Einschätzung über den Zustand und die nächsten Schritte der Entwicklung haben sich voll und ganz bestätigt, wurden hier und da sogar noch übertroffen.

An unseren grundsätzlichen Bewertungen gibt es nach wie vor nichts zu rütteln. Diese bitte in unserer Jahresvorausschau 2011 nachlesen. Deshalb aktualisieren wir heute nur einige Eckdaten, die wir für wichtig und aussagekräftig halten:

Mittlerweile beziehen rund 44,7 Millionen Menschen Lebensmittelmarken, betroffen davon sind auch viele Kinder. Weil bereits heute eigentlich 60 Millionen Menschen die geforderten Voraussetzungen für den Bezug der Food Stamps erfüllen, erwarten wir weiter einen kontinuierlichen Anstieg. Er kann sich zeitweise verlangsamen (wenigstens in den offiziellen Angaben), gestoppt wird er nicht.

Es fehlen Jobs, Jobs, Jobs. Nach wie vor wird die US-Arbeitslosenquote massiv manipuliert, um wenigstens auf dem Papier eine Wirtschaftserholung dokumentieren zu können. Mit der Wirklichkeit haben die offiziellen Zahlen nichts zu tun. Selbst regierungsfreundliche Statistiker wie GALLUP kommen auf eine Quote von 16%, unser US-Zahlenlieferant, shadowstats.com, errechnet nach wie vor über 22%, das Bureau of Labor Statistics (BLS) nennt 9,2% für Juni.

Das Versprechen der Regierung Obama, jeden Monat bis zu 500 000 neue Arbeitsplätze zu schaffen, ist jedenfalls kläglich gescheitert. Bis zum Ende seiner Amtszeit wird der Präsident hier auch keine Erfolge mehr verbuchen können. Zuletzt waren es läppische 50 000 neue Stellen im Monat. IT-Konzerne wie CISCO (über 11 000 Jobs) und die Finanzkonzerne der Wall Street entlassen demnächst einige Tausend Menschen, statt neue Stellen zu schaffen.

Gedreht wird natürlich auch an anderen Daten. Nehmen wir den Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager, der immer wieder den Aufschwung bestätigt. Aktuell im vergangenen Monat, als er – entgegen den Analystenerwartungen – gestiegen ist. Dieser Index ist mit dem Ifo-Index vom Münchner Ifo-Institut des Hans-Werner Sinn vergleichbar und genauso „aussagekräftig“. Oder die Inflationsrate: Offiziell sind es 3,6% im Juni (BLS), unsere Quelle nennt beinahe 11%.

Erschreckend, was die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND (FTD) aus diesem Einkaufsmangerindex „herausholt“: Sie titelt dazu am 04.07.2011 „Amerika rettet Weltkonjunktur“ und führt damit die Leser vollkommen in die Irre. Allen Ernstes wird dort behauptet, „dass die US-Wirtschaft sich wieder gefangen hat und die Rolle des Hoffnungsträgers übernimmt. (…) Auch der Häusermarkt und die Finanzlage der Unternehmen bessere sich zusehends.“ Es gebe „einige hoffnungsvolle Signale für die zweite Jahreshälfte“ wird ein Ökonom von Goldman Sachs zitiert. Wir wissen es besser: Längst mit dem Hintern nicht mehr hoch kommen das Verbrauchervertrauen und, schon den sechsten Monat in Folge, die Bauausgaben. Beides sind untrügliche Zeichen für den maroden Zustand der Wirtschaft. Dem Autor der FTD hätte ein bisschen Recherche geholfen, um den Tatsachen auf die Spur zu kommen.

Der Bundesstaat Minnesota ist pleite. Weitere werden folgen, nur eine Frage von wenigen Wochen, höchstens Monaten. Wisconsin war eigentlich schon vorher dran, konnte sich aber trickreich nach hinten mogeln. Die US-Analystin Meredith Whitney, ausgewiesene Spezialistin für die Anleihen der Bundesstaaten und Kommunen, warnt schon lange vor massiven Zahlungsausfällen, jüngst im Zusammenhang mit dem Staat New Jersey (Quelle: cnbc.com, 28.06.2011). Zur Erinnerung: Deutsche Banken und Versicherungen aller Couleur sind mit Milliarden-Summen in diesen Papieren investiert. Bisher wehren sich Washington und FED dagegen, Hilfe zu leisten. Wir erwarten höchste Ausfallrisiken.

Die USA ruinieren sich. Das unsägliche Schauspiel um die Erhöhung der Schuldenobergrenze ist nur wahltaktisches, öffentlichkeitswirksames Säbelrasseln zwischen den beiden politischen Lagern. Schädlich für Land und Leute. Der Präsident ist führungsschwach, seine Berater – allesamt entliehen aus den Giftküchen der Wall Street – keine Unterstützung. Die dienen ihren wahren Herren von Goldman Sachs, JP Morgan, Citigroup, Bank of America, etc., etc., nicht dem amerikanischen Volk. Es wird noch einmal die Schuldenobergrenze angehoben. Was danach kommt, wissen wir noch nicht. Die Zeichen mehren sich, dass die US-Schulden-Bombe demnächst explodiert. Der Weg ist vorgezeichnet, eine Umkehr unmöglich. Die Banken verbraten in ihrem Finanz-Casino ständig neue Dollars, während die Wirtschaft in Lumpen geht.

Das Land braucht ein Bündel an Wirtschafts- und Sozialreformen wie 1933 von Franklin D. Roosevelt initiiert, einen „New Deal“. Wer hätte heute den Mumm, die Einkommen der Reichen mit 90% zu besteuern, so wie damals von Roosevelt und seinen Beratern beschlossen und verkündet? Niemand auf der politischen Bühne Amerikas ist heute dazu in der Lage, diese Dinge durchzusetzen, niemand. Deshalb wird weiter gewurstelt bis es knallt. Zahlen zu diesen Zuständen – Schulden insgesamt und pro Kopf, Leistungsbilanzdefizit, Industrieproduktion, usw. - haben wir immer wieder in unseren bisherigen Ausgaben veröffentlicht. Bitte dort zur Auffrischung nachlesen.

Winston Churchill, früherer engl. Premierminister, soll gesagt haben: „Amerika wird es immer richtig machen, aber erst nachdem alle anderen Optionen ausgeschöpft sind.“

Klammern wir uns daran.

Montag, 18. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 30 - Banken-Stresstest II


Stresstest = Teststress die 2te, Transparenz die 1te

Es hat wirklich nicht lange gedauert bis die europäische Bankenaufsicht EBA durch ihren Chef Andrea Enria sprichwörtlich die Hosen herunter gelassen hat, um das von uns gestern beschriebene Stresstest-Theater zu bestätigen. 50 Milliarden Euro neu aufgenommenes frisches Geld haben die Euro-Banken für den Stresstest fit gemacht. Solvenz durch Schuldenmachen. Gegen Hergabe wertloser Papiere versteht sich. Eine Bilanz-Bereinigung der besonderen Art. Was sich findige Anwälte so alles ausdenken…

Es gibt aber auch gute Nachrichten, man darf nur nicht so genau hinhören/-sehen. Die veröffentlichten Daten würden helfen, den Vorwurf zu entkräften, die europäischen Banken hätten mit ihren Anleihe- oder Risikopositionen etwas zu verbergen. „Klarheit ist das beste Mittel, den Markt zu beruhigen“, sagte der Italiener Enria. Die FAZ hat dann heute, zur Unterstützung dieser Aussage, Zahlen geliefert, die so bedrohlich gar nicht aussehen („Der Stresstest bringt es an den Tag: Wer finanziert die Schuldenstaaten?“). Kein Wort zu den Schattenbanken, gerne auch unverfänglich Zweckgesellschaften genannt, in denen schon seit Jahren gewaltige Risiken vor jeder Aufsicht und Kontrolle versteckt werden. Zu einer ungefähren Bewertung dieser Risiken hilft ein Blick nach Amerika. Dort betragen mittlerweile die Verbindlichkeiten der Schattenbanken rund 16 Billionen $, die der „regulären“ Geschäftsbanken 13 Billionen $ (Quellen: dgb.de, handelsblatt.de, zeit.de). Noch Fragen?

Dass ein Zahlungsausfall Griechenlands nicht simuliert wurde, führte der EBA-Chef auf den Beschluss der EU zurück, dass es keine Pleite des Landes geben werde. Jetzt, wo der Stresstest aber raus ist, darf plötzlich auf breiter Front über die verschiedenen Umschuldungsoptionen für die Griechen schwadroniert werden. Der nächste Stresstest ist schliesslich erst in 12 Monaten, genug Zeit, um Gras über einen wahrscheinlichen Haircut wachsen zu lassen. So die Theorie, nur einige Lichtjahre weit weg von der Realität. Die lässt sich nämlich nicht planen.

Quelle für die Aussagen von Andrea Enria: WIRTSCHAFTSBLATT/AT, 18.07.2011.

Standpunkt, Ausgabe 25/4 - Rohstoffe


Jahresvorausschau 2011 – Halbzeit - Rohstoffe

Dieses Dossier setzt die Reihe weiter fort, mit der wir die Anfang Januar veröffentlichte Einschätzung der Entwicklung auf der Grundlage unserer eigenen Recherchen neu bewerten und, falls nötig, korrigieren. Bisher sind Ausgabe 25/1 (Finanzkrise), 25/2 (Europa) und 25/3 (China) erschienen.

Schon mehrfach haben wir unsere damaligen Aussagen in den folgenden Publikationen ergänzt. Soweit sinnvoll, werden wir diese Ergänzungen hier noch einmal wiederholen, um ihre Wirkung zu vertiefen und allen Lesern entgegen zu kommen, die erst später zu uns gestoßen sind.

Zur besseren Lesbarkeit bieten wir kein vielseitiges Gesamt(kunst)werk an, sondern zerlegen das Ganze in seine Einzelteile. Erst zum Schluß bieten wir die Gesamtschau als pdf-Datei zum Herunterladen an.

Die Entwicklung bei den Rohstoffen haben wir in der Vorausschau sehr kritisch gesehen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass machtpolitische Interessen mit den Gewinnerwartungen der Finanzkonzerne rund um die Welt um die Pfründe konkurrieren. Nicht mehr lange, und diese beiden Lager machen gemeinsame Sache. Als Folge davon werden Millionen Menschen in Afrika und Asien, oder Tausende in Südamerika, an Hunger sterben. Zur Erinnerung: Seit der Finanzkrise 2008 hungern wieder mehr als 1 Milliarde Menschen (1 000 000 000), vorher waren es „nur“ noch 0,5 Milliarden (500 000 000). Quellen: BBC News, 11.10.2010: Food and Agriculture Organization of the United Nations (fao.org). Wieder andere werden dauerhaft in Armut leben. Denen werden die weiter steigenden Preise ihrer Grundnahrungsmittel zu schaffen machen. Viele der Betroffenen werden sich erheben und in Massenprotesten ihre Rechte einfordern. Unruhige Zeiten stehen uns hier bevor. Selbst Europa bleibt davon nicht verschont, dafür sorgen neue, unerwartete Flüchtlingsströme, nicht zu vergleichen mit den Dingen, die wir gerade auf der italienischen Insel Lampedusa erleben.

Da spielt es keine Rolle, ob der Ölpreis oder die Preise für seltene Erden, usw. fallen, wie in jüngster Zeit gerne von den Rohstoff-Analysten prophezeit wird. Der Versuch, durch den Verkauf von strategischen Ölreserven der Industrieländer, den Ölpreis wieder deutlich zu drücken ist jedenfalls gründlich daneben gegangen. Profit gezogen hat daraus aber auf jeden Fall die US-Großbank JP Morgan, die von der US-Regierung mit dem Verkauf der Öl-Reserven beauftragt worden war. Den Preis bestimmen immer noch die Förder-Länder. Unruhen in den ölreichen Regionen sind da nicht gerade hilfreich, Millionen autofahrende US-Amerikaner zu besänftigen und auf die Präsidentenwahl vorzubereiten. Wir bleiben dabei: 150 US-Dollar bleiben Etappenziel.

Besonderes Augenmerk verdienen Gold und Silber, die Krisenwährungen schlechthin. Wer davor immer noch weiter die Augen verschliesst, wird bald ein böses Erwachen erleben. Mittlerweile erklimmt Gold neue Höhen, Silber lässt sich dazu noch Zeit. Das ganze Gerede in vielen „sachverständigen“ Medien von Gold- und Silberblase ist seit Wochen nur Teil einer breit angelegten Marktmanipulation, um die wahren Preisziele so lange wie möglich auszubremsen. Den Goldpreis beeinflussen die Notenbanken, den Silberpreis „reguliert“ JP Morgan. Nur ein kleines Beispiel über den Unsinn einer Goldblase: Heute besitzen rund 0,5% der US-Amerikaner Gold in irgendeiner Form, bei einer Blase sind es mindestens 20%. Ähnlich ist es bei Silber. Abgesehen davon: Inflationsbereinigt – auf der Grundlage der tatsächlichen, nicht der offziellen Teuerung - müsste Gold schon bei 7.800 $ stehen, Silber bei 450 $.

Wir halten die Aussage des Gold-Experten Stöferle von der Erste Bank Group in Österreich in seinem neuesten, viel beachteten, Gold-Report für stichhaltig, der derzeit das 12-Monats-Ziel bei 2.000 $ sieht. Seine langfristige Prognose bleibt erst einmal bei 2.300 $ stehen. Die strukturelle Überschuldung der Staaten spreche für eine weitere Aufwertung von Gold, so Stöferle. Er erklärt weiter, „Gold wird immer mehr als Währung wahrgenommen, Gold scheint politisch korrekt zu werden“. Einen Nachfrageschub erwartet Stöferle durch institutionelle Investoren, die derzeit nur 0,15% ihrer Portfolios in Gold angelegt hätten. Die gängige Lehre empfehle eine Gold-Allokation von 5 bis 10%. Eine deutsche Studie schätzt, dass Private zu 2,8% in Gold investiert seien, Schmuck und Zahngold eingerechnet. Stöferle führt weiter aus, von der oft beschworenen Goldblase sei man weit entfernt. Quellen: Erste Bank Group, WIRTSCHAFTSBLATT/AT, 04.07.2011. Den 93-seitigen Spezial-Report von Ronald-Peter Stöferle mit dem Titel „In GOLD we TRUST“ stellen wir den Lesern gerne auf unserem Blog „der.oekonomiker.blogspot.com“ und auf unserer neuen Website „der-ökonomiker-blog.de“ zur Verfügung.

Sehr wahrscheinlich sind die Aussichten in den kommenden Jahren noch besser: 75 Analysten setzen auf einen Goldpreis von 5.000 $ und höher.

Unser Favorit ist Silber. Aus zwei wichtigen Gründen: 1. Privater Goldbesitz wird im Zuge einer umfassenden Enteignung durch den Staat irgendwann kriminalisiert, d. h. unter Strafe gestellt. Es wird ein Umtauschangebot zu einer lächerlich geringen Quote geben und wer darauf nicht eingeht, macht sich strafbar. Wie so etwas geht haben die USA schon 1933 vorgemacht und bis 1974 durchgehalten. Bei Verstössen drohten 10.000 $ Geldstrafe oder bis zu 10 Jahre Gefängnis. Dieses Schicksal sollte man sich ersparen. Bei Silber ist eine solche Maßnahme höchst unwahrscheinlich. 2. Silber, besonders die Silbermünzen, sind in vielen Ländern als Zahlungsmittel bei den Menschen immer noch gegenwärtig. Die Österreicher kennen noch ihre Schillinge, die Deutsche die alten 5-DM-Stücke, usw. Silber gilt als das „Gold des kleinen Mannes“, es ist ihm vertraut. Deshalb wird es in den kommenden Jahren als Vermögensschutz an Bedeutung zunehmen. Der Abstand zum Goldpreis wird sich verringern, Silber wird sich vergleichsweise besser entwickeln.

Den rapiden Preissturz im Mai haben wir in den Ausgaben No. 19 und 19/1 hinreichend kommentiert. Den in Ausgabe No. 20 genannten Tiefstpreis von um 25 $/Unze erwarten wir nicht mehr. Vielmehr rechnen wir wieder mit einem Anstieg auf 50 $ noch in 2011. Nächstes Ziel sind dann ohne weiteres 100 $, was uns von Analysten auch bestätigt wird. Das Tempo spielt keine Rolle, der Trend ist entscheidend. Niemand kann diese Entwicklung aufhalten.

Schon vor 250 Jahren war Voltaire auf der Höhe der Zeit: „Papiergeld wird sich langfristig seinem wahren Wert annähern: Null.“ 

 

Sonntag, 17. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 29 - US-Banken-Milliarden


US-Banken wieder mit Milliarden-Gewinnen

Amerika geht am Stock, die Wall Street feiert“ wäre eine passende Überschrift. Statt dessen titelt das MANAGER MAGAZIN „Citigroup hakt Krisenjahre ab“ oder „JP Morgan schafft Milliardengewinn“. Satte 5,4 Milliarden US-Dollar alleine im 2. Quartal 2011 werden für den US-Branchenprimus genannt, bei der Citigroup sind es immerhin noch 3,3 Milliarden US-Dollar. Nette Sümmchen wenn man bedenkt, wie die US-Steuerzahler für die Banken bluten müssen. Ohne Staatshilfe hätte Citigroup die Krise von 2008 nie überlebt. Ob es dauerhaft gelingt steht in den Sternen.

Sicher ist aber schon eins: Die Gewinne sind generiert aus den massigen Liquiditätsschüben der US-Notenbank, eingesetzt im Welt-Finanz-Casino, aus den Spekulationen im Währungskrieg gegen den Euro, oder aus den gesetzeswidrigen Bilanzmanipulationen, nach wie vor geduldet von der Regierung und den Aufsichtsbehörden. Diese Manipulationen machen es auch möglich, dass z. B. die Citigroup behaupten darf, der Staat habe sich bei ihr im vergangenen Dezember komplett zurückgezogen.

Diese US-Banken, genauso wie alle anderen Banken dort und im Rest der Welt, die Notenbanken eingeschlossen, haben Billionen-Positionen an Scheinvermögen in ihren Bilanzen, die früher oder später auch als Schein entlarvt werden und sich im Nichts auflösen. Dann haben wir die von uns in Ausgabe No. 18 angekündigte Mega-Krise, besser dann aber als Finanz-Kollaps beschrieben.

Aktuell blamiert sich US-Präsident Obama, Friedensnobelpreisträger ohne wenigstens eine preiswürdige Leistung, bei dem Versuch, seine Schuldenmacherei neu zu legalisieren. Alles im besten Sinne seines Wahlkampfmottos „YES WE CAN!“ Die Fairness gebietet uns den Hinweis, dass seine politischen Kontrahenten, die Republikaner - angeführt von der ultra-konservativen „Tea Party“-Bewegung – tatkräftig mithelfen, Amerika – god’s own country – nachhaltig zu ruinieren. US-Analysten sprechen in diesem Zusammenhang bereits von einem Dritte-Welt-Land. Die Welt schaut entsetzt zu, was soll sie auch sonst machen, schliesslich weiss Amerika alles besser. 

 

Standpunkt, Ausgabe 28 - Banken-Teststress

Stresstest = Teststress

Was eine Show auf der europäischen Bühne! Der 2. Bankenstresstest ist eine neue Schmierenkomödie, die uns von Politik, Banken und EZB geboten wird. Unterstützt auch wieder von den gefälligen Medien, vorsichtig kritisiert nur von wenigen Journalisten.

Dieser Stresstest diente nur einem Ziel: Zu dokumentieren, wie gesund die vielen EU-Banken doch sind und nur einige wenige, nämlich ganze 8, den Test nicht bestanden haben. Dabei spanische Sparkassen, dass muss sein. Schliesslich fehlen diesem Bankenbereich in Spanien grob geschätzte 80 Milliarden Euro, um dauerhaft wieder auf die Beine zu kommen. Dabei weiss noch niemand, ob die Summe reicht (andere Schätzungen gehen sogar von 100 bis 120 Milliarden Euro aus) und ob damit die Rettung auch wirklich dauerhaft wäre. Wir erwarten ein klares NEIN.

Die Bankenlobby, ihre Anwälte und wer sonst noch ein Interesse an der Vertuschung der Wahrheiten hat (z. B. die meisten Ökonomen), besorgen den Politikern einen Stresstest, der alle Szenarien, die wirklich den Banken gefährlich werden, außen vor lässt. Staatsbankrotte sind deshalb erst gar nicht optioniert worden. Obwohl bereits Banken selbst, Beispiel Commerzbank, offen für Griechenland einen geordneten Bankrott fordern.

Selbst die Bewertung der Bankbilanzen ist nicht geeignet, dem Stresstest wenigstens den Anschein von Offenheit zu geben.

Der ganze Test dann noch auf freiwilliger Basis, was, wie uns die HELABA vorgeführt hat, für alle Beteiligten in einer einzigen Farce endet.

Fazit: Alles nur Mumpitz. Wieder wird belogen und betrogen. Dieser Stresstest ist eine einzige nutzlose Veranstaltung. Aufgeführt wurde das Schauspiel „test the stress“, unter Mitwirkung von Brüssel, EZB, Banken und deren Anwälten.

Samstag, 16. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 25/3 - China

Jahresvorausschau 2011 – Halbzeit - China

Dieses Dossier setzt die Reihe weiter fort, mit der wir die Anfang Januar veröffentlichte Einschätzung der Entwicklung auf der Grundlage unserer eigenen Recherchen neu bewerten und, falls nötig, korrigieren.

Schon mehrfach haben wir unsere damaligen Aussagen in den folgenden Publikationen ergänzt. Soweit sinnvoll, werden wir diese Ergänzungen hier noch einmal wiederholen, um ihre Wirkung zu vertiefen und allen Lesern entgegen zu kommen, die erst später zu uns gestoßen sind.

Zur besseren Lesbarkeit bieten wir kein vielseitiges Gesamt(kunst)werk an, sondern zerlegen das Ganze in seine Einzelteile. Erst zum Schluß bieten wir die Gesamtschau als pdf-Datei zum Herunterladen an.

Die chinesische Entwicklung haben wir möglicherweise in der Vorausschau gesehen. Die Einzelheiten haben wir mittlerweile in einer umfangreichen Arbeit in der Ausgabe No. 22 besonders thematisiert. Bitte dort nachlesen.

Jedenfalls halten wir die deutschen und europäischen Loblieder auf die Regierung und Wirtschaft Chinas für einen Selbstzweck und nicht das Ergebnis einer sachbezogenen und objektiven Beurteilung, um die wir uns bemühen.

Obwohl das Land aktuell über 3,2 Billionen US-Dollar Währungsreserven verfügt, ist es nicht auf Rosen gebettet. Dagegen stehen nämlich alleine geschätzte 1,4 bis 2,2 Billionen Schulden (Quelle u a.: FOCUS, 28.06.2011), verursacht durch die zügellose Kreditvergabe der Provinzregierungen, die sich einen Teufel um die Vorgaben der Zentralregierung in Peking scheren. Davon sind 80% Bankschulden. Teile dieser Darlehen sind schlecht dokumentiert und von der zuständigen Behörde nicht nachprüfbar. Den Städten und Provinzen fehlt Geld für Zins und Tilgung. Schon jetzt werden die faulen Kredite von Analysten auf bis zu 572 Milliarden US-Dollar beziffert, bisher versteckt durch virtuose Bilanztricksereien in Schattenhaushalten und sogenannten „Local Government Financing Vehicles“. Die Schweizer Crédit Suisse nennt das eine der „größten Zeitbomben“ Chinas. Chinas Banken wären dann – ganz nach westlichem Vorbild - ein Fall für den Staat.

Das Wall Street Journal kommentiert „ein Großteil des chinesischen Wirtschaftwunders basiert (…) auf bewußt fehlgeleiteten Krediten und bilanziellen Taschenspielertricks“ und stellt fest „irgendwann komme (…) die Rechnung für die Wohltaten.“ Platzt diese Blase, dann reichen die Unmengen US-Dollar alleine nicht aus, diese Krise zu bewältigen. Dann geht es auch in China den vielen Millionen privaten Haushalten an den Kragen. Enteignungen im großen Stil sind die Folge. Die Maßnahmen dafür muß die chinesische Regierung nicht erst neu erfinden, sondern nur bei den vielen Vorbildern „abkupfern“.

Wir unterstreichen außerdem noch einmal: Die Wirtschaft steht auf tönernen Füßen. Die offiziellen Zahlen halten wir, ebenso wie die der anderen Wirtschaftsmächte, für getürkt. Zuletzt hat Chinas Industrie eine Vollbremsung hingelegt, der Einkaufsmanagerindex sank im Juni auf den tiefsten Stand seit 28 Monaten. Offiziell wird diese Entwicklung mit der restriktiven Politik der Notenbank begründet, die damit den weiteren Anstieg der Inflation bekämpft, die besorgniserregend hoch ist (bis zu 15% bei Nahrungsmitteln).

Chinas in diesen Tagen geäußerte Kritik an der US-amerikanischen Haushaltspolitik ist unter diesen Umständen nur zu verständlich. Genauso wie die öffentliche Zurückhaltung im Zusammenhang mit der Euro-Krise.

Trotz seiner eigenen Schwäche: China nutzt geschickt den Währungskrieg gegen den Euro aus, um seine Positionen rund um die Welt zu stärken. Afrika, Australien, Europa, Nord- und Süd-Amerika, sind die Ziele. Selbst in den USA plant die chinesische Regierung die Schaffung einer Sonderwirtschaftszone (vgl. Ausgabe No. 22). Diese Pläne werden noch verstärkt. Es reicht dem Land nicht, bereits in Afrika wie ein Kolonialherr aufzutreten, jetzt geht es um Brückenköpfe in den bisherigen Top-Industrienationen und den anderen aufstrebenden Schwellenländern. Wir haben bereits früher darüber berichtet.

Es ist Fakt: China nutzt jede Schwäche der USA und Europas aus, um sich Vorteile zu verschaffen. Geschenke werden keine verteilt, so wie die europäischen Politiker wirklichkeitswidrig immer wieder gerne behaupten. Es gibt ein paar warme, aufmunternde Worte und mit etwas Glück ein paar Millionen Kredite an Länder, die für China nützlich sein werden (Lettland, Ungarn, Rumänien). Die versprochenen Milliarden haben bisher nicht ihren Weg in die europäischen Krisenregionen im Süden gefunden.

Diese Vorteilsnahme gegenüber Amerika, Europa und Japan, verhindert nicht den höchst wahrscheinlichen Zusammenbruch des Landes im Zuge der weiteren Entwicklung, hin zu einem weltweiten Finanzkollaps, so wie von uns prognostiziert. Sichert aber für die Zeit danach eine zügige Wiederauferstehung in der unmittelbaren Zeit danach.

China sucht mit allen Mittel – und sehr geduldig - die Weltspitze. Vermeiden wir unbedingt die Rolle des Steigbügelhalters.

Freitag, 15. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 27 - Kurzmeldung


Europas Regierungen vollständig im Griff der Banken

Es wird Zeit, endlich aufzuwachen. Nicht die EU-Gemeinschaftswährung oder die Schuldensituation in den europäischen Süd-Staaten ist das Problem. Von Tag zu Tag wird immer klarer, dass es die unselige Verbindung von Politik und Finanzwirtschaft ist, die eine stabile europäische Verteidigungslinie im Dollar-Euro-Währungskrieg bisher erfolgreich verhindert haben. Dafür sorgen zuverlässig 700 Banken-Lobbyisten in Brüssel, unterstützt durch Restrukturierungsexperten der Großbanken, von denen sich die Euro-Regierungen beraten lassen (ARD-Monitor, HANDELSBLATT, 14.07.2011). Letzteres ist eine unglaubliche, groteske Vorstellung, aber die Wahrheit. Die europäischen Politiker haben sich damit endgültig ein Armutszeugnis ausgestellt: Banker bestimmen die Politik. Was dabei herauskommt wird – so zeigt bereits die Geschichte in den vergangenen Jahren – für die Menschen mit Schmerz, viel Schmerz, verbunden sein. Soziale Marktwirtschaft, Absicherung im Alter, sichere Arbeitsplätze, Bildung, usw.: Allesamt geopfert für Globalisierung, Gewinnmaximierung und Shareholder Value zum alleinigen Vorteil einer kleinen Gruppe von Menschen, die dabei mit höchster krimineller Energie vorgehen. Für den ganzen Rest, immerhin geschätzte 99% der Weltbevölkerung, bleiben entweder Brot und Spiele, oder Armut, Hunger und früher Tod. Brot und Spiele in Europa, das sind doch erfreuliche Aussichten, oder nicht?