Samstag, 16. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 25/3 - China

Jahresvorausschau 2011 – Halbzeit - China

Dieses Dossier setzt die Reihe weiter fort, mit der wir die Anfang Januar veröffentlichte Einschätzung der Entwicklung auf der Grundlage unserer eigenen Recherchen neu bewerten und, falls nötig, korrigieren.

Schon mehrfach haben wir unsere damaligen Aussagen in den folgenden Publikationen ergänzt. Soweit sinnvoll, werden wir diese Ergänzungen hier noch einmal wiederholen, um ihre Wirkung zu vertiefen und allen Lesern entgegen zu kommen, die erst später zu uns gestoßen sind.

Zur besseren Lesbarkeit bieten wir kein vielseitiges Gesamt(kunst)werk an, sondern zerlegen das Ganze in seine Einzelteile. Erst zum Schluß bieten wir die Gesamtschau als pdf-Datei zum Herunterladen an.

Die chinesische Entwicklung haben wir möglicherweise in der Vorausschau gesehen. Die Einzelheiten haben wir mittlerweile in einer umfangreichen Arbeit in der Ausgabe No. 22 besonders thematisiert. Bitte dort nachlesen.

Jedenfalls halten wir die deutschen und europäischen Loblieder auf die Regierung und Wirtschaft Chinas für einen Selbstzweck und nicht das Ergebnis einer sachbezogenen und objektiven Beurteilung, um die wir uns bemühen.

Obwohl das Land aktuell über 3,2 Billionen US-Dollar Währungsreserven verfügt, ist es nicht auf Rosen gebettet. Dagegen stehen nämlich alleine geschätzte 1,4 bis 2,2 Billionen Schulden (Quelle u a.: FOCUS, 28.06.2011), verursacht durch die zügellose Kreditvergabe der Provinzregierungen, die sich einen Teufel um die Vorgaben der Zentralregierung in Peking scheren. Davon sind 80% Bankschulden. Teile dieser Darlehen sind schlecht dokumentiert und von der zuständigen Behörde nicht nachprüfbar. Den Städten und Provinzen fehlt Geld für Zins und Tilgung. Schon jetzt werden die faulen Kredite von Analysten auf bis zu 572 Milliarden US-Dollar beziffert, bisher versteckt durch virtuose Bilanztricksereien in Schattenhaushalten und sogenannten „Local Government Financing Vehicles“. Die Schweizer Crédit Suisse nennt das eine der „größten Zeitbomben“ Chinas. Chinas Banken wären dann – ganz nach westlichem Vorbild - ein Fall für den Staat.

Das Wall Street Journal kommentiert „ein Großteil des chinesischen Wirtschaftwunders basiert (…) auf bewußt fehlgeleiteten Krediten und bilanziellen Taschenspielertricks“ und stellt fest „irgendwann komme (…) die Rechnung für die Wohltaten.“ Platzt diese Blase, dann reichen die Unmengen US-Dollar alleine nicht aus, diese Krise zu bewältigen. Dann geht es auch in China den vielen Millionen privaten Haushalten an den Kragen. Enteignungen im großen Stil sind die Folge. Die Maßnahmen dafür muß die chinesische Regierung nicht erst neu erfinden, sondern nur bei den vielen Vorbildern „abkupfern“.

Wir unterstreichen außerdem noch einmal: Die Wirtschaft steht auf tönernen Füßen. Die offiziellen Zahlen halten wir, ebenso wie die der anderen Wirtschaftsmächte, für getürkt. Zuletzt hat Chinas Industrie eine Vollbremsung hingelegt, der Einkaufsmanagerindex sank im Juni auf den tiefsten Stand seit 28 Monaten. Offiziell wird diese Entwicklung mit der restriktiven Politik der Notenbank begründet, die damit den weiteren Anstieg der Inflation bekämpft, die besorgniserregend hoch ist (bis zu 15% bei Nahrungsmitteln).

Chinas in diesen Tagen geäußerte Kritik an der US-amerikanischen Haushaltspolitik ist unter diesen Umständen nur zu verständlich. Genauso wie die öffentliche Zurückhaltung im Zusammenhang mit der Euro-Krise.

Trotz seiner eigenen Schwäche: China nutzt geschickt den Währungskrieg gegen den Euro aus, um seine Positionen rund um die Welt zu stärken. Afrika, Australien, Europa, Nord- und Süd-Amerika, sind die Ziele. Selbst in den USA plant die chinesische Regierung die Schaffung einer Sonderwirtschaftszone (vgl. Ausgabe No. 22). Diese Pläne werden noch verstärkt. Es reicht dem Land nicht, bereits in Afrika wie ein Kolonialherr aufzutreten, jetzt geht es um Brückenköpfe in den bisherigen Top-Industrienationen und den anderen aufstrebenden Schwellenländern. Wir haben bereits früher darüber berichtet.

Es ist Fakt: China nutzt jede Schwäche der USA und Europas aus, um sich Vorteile zu verschaffen. Geschenke werden keine verteilt, so wie die europäischen Politiker wirklichkeitswidrig immer wieder gerne behaupten. Es gibt ein paar warme, aufmunternde Worte und mit etwas Glück ein paar Millionen Kredite an Länder, die für China nützlich sein werden (Lettland, Ungarn, Rumänien). Die versprochenen Milliarden haben bisher nicht ihren Weg in die europäischen Krisenregionen im Süden gefunden.

Diese Vorteilsnahme gegenüber Amerika, Europa und Japan, verhindert nicht den höchst wahrscheinlichen Zusammenbruch des Landes im Zuge der weiteren Entwicklung, hin zu einem weltweiten Finanzkollaps, so wie von uns prognostiziert. Sichert aber für die Zeit danach eine zügige Wiederauferstehung in der unmittelbaren Zeit danach.

China sucht mit allen Mittel – und sehr geduldig - die Weltspitze. Vermeiden wir unbedingt die Rolle des Steigbügelhalters.