Montag, 18. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 25/4 - Rohstoffe


Jahresvorausschau 2011 – Halbzeit - Rohstoffe

Dieses Dossier setzt die Reihe weiter fort, mit der wir die Anfang Januar veröffentlichte Einschätzung der Entwicklung auf der Grundlage unserer eigenen Recherchen neu bewerten und, falls nötig, korrigieren. Bisher sind Ausgabe 25/1 (Finanzkrise), 25/2 (Europa) und 25/3 (China) erschienen.

Schon mehrfach haben wir unsere damaligen Aussagen in den folgenden Publikationen ergänzt. Soweit sinnvoll, werden wir diese Ergänzungen hier noch einmal wiederholen, um ihre Wirkung zu vertiefen und allen Lesern entgegen zu kommen, die erst später zu uns gestoßen sind.

Zur besseren Lesbarkeit bieten wir kein vielseitiges Gesamt(kunst)werk an, sondern zerlegen das Ganze in seine Einzelteile. Erst zum Schluß bieten wir die Gesamtschau als pdf-Datei zum Herunterladen an.

Die Entwicklung bei den Rohstoffen haben wir in der Vorausschau sehr kritisch gesehen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass machtpolitische Interessen mit den Gewinnerwartungen der Finanzkonzerne rund um die Welt um die Pfründe konkurrieren. Nicht mehr lange, und diese beiden Lager machen gemeinsame Sache. Als Folge davon werden Millionen Menschen in Afrika und Asien, oder Tausende in Südamerika, an Hunger sterben. Zur Erinnerung: Seit der Finanzkrise 2008 hungern wieder mehr als 1 Milliarde Menschen (1 000 000 000), vorher waren es „nur“ noch 0,5 Milliarden (500 000 000). Quellen: BBC News, 11.10.2010: Food and Agriculture Organization of the United Nations (fao.org). Wieder andere werden dauerhaft in Armut leben. Denen werden die weiter steigenden Preise ihrer Grundnahrungsmittel zu schaffen machen. Viele der Betroffenen werden sich erheben und in Massenprotesten ihre Rechte einfordern. Unruhige Zeiten stehen uns hier bevor. Selbst Europa bleibt davon nicht verschont, dafür sorgen neue, unerwartete Flüchtlingsströme, nicht zu vergleichen mit den Dingen, die wir gerade auf der italienischen Insel Lampedusa erleben.

Da spielt es keine Rolle, ob der Ölpreis oder die Preise für seltene Erden, usw. fallen, wie in jüngster Zeit gerne von den Rohstoff-Analysten prophezeit wird. Der Versuch, durch den Verkauf von strategischen Ölreserven der Industrieländer, den Ölpreis wieder deutlich zu drücken ist jedenfalls gründlich daneben gegangen. Profit gezogen hat daraus aber auf jeden Fall die US-Großbank JP Morgan, die von der US-Regierung mit dem Verkauf der Öl-Reserven beauftragt worden war. Den Preis bestimmen immer noch die Förder-Länder. Unruhen in den ölreichen Regionen sind da nicht gerade hilfreich, Millionen autofahrende US-Amerikaner zu besänftigen und auf die Präsidentenwahl vorzubereiten. Wir bleiben dabei: 150 US-Dollar bleiben Etappenziel.

Besonderes Augenmerk verdienen Gold und Silber, die Krisenwährungen schlechthin. Wer davor immer noch weiter die Augen verschliesst, wird bald ein böses Erwachen erleben. Mittlerweile erklimmt Gold neue Höhen, Silber lässt sich dazu noch Zeit. Das ganze Gerede in vielen „sachverständigen“ Medien von Gold- und Silberblase ist seit Wochen nur Teil einer breit angelegten Marktmanipulation, um die wahren Preisziele so lange wie möglich auszubremsen. Den Goldpreis beeinflussen die Notenbanken, den Silberpreis „reguliert“ JP Morgan. Nur ein kleines Beispiel über den Unsinn einer Goldblase: Heute besitzen rund 0,5% der US-Amerikaner Gold in irgendeiner Form, bei einer Blase sind es mindestens 20%. Ähnlich ist es bei Silber. Abgesehen davon: Inflationsbereinigt – auf der Grundlage der tatsächlichen, nicht der offziellen Teuerung - müsste Gold schon bei 7.800 $ stehen, Silber bei 450 $.

Wir halten die Aussage des Gold-Experten Stöferle von der Erste Bank Group in Österreich in seinem neuesten, viel beachteten, Gold-Report für stichhaltig, der derzeit das 12-Monats-Ziel bei 2.000 $ sieht. Seine langfristige Prognose bleibt erst einmal bei 2.300 $ stehen. Die strukturelle Überschuldung der Staaten spreche für eine weitere Aufwertung von Gold, so Stöferle. Er erklärt weiter, „Gold wird immer mehr als Währung wahrgenommen, Gold scheint politisch korrekt zu werden“. Einen Nachfrageschub erwartet Stöferle durch institutionelle Investoren, die derzeit nur 0,15% ihrer Portfolios in Gold angelegt hätten. Die gängige Lehre empfehle eine Gold-Allokation von 5 bis 10%. Eine deutsche Studie schätzt, dass Private zu 2,8% in Gold investiert seien, Schmuck und Zahngold eingerechnet. Stöferle führt weiter aus, von der oft beschworenen Goldblase sei man weit entfernt. Quellen: Erste Bank Group, WIRTSCHAFTSBLATT/AT, 04.07.2011. Den 93-seitigen Spezial-Report von Ronald-Peter Stöferle mit dem Titel „In GOLD we TRUST“ stellen wir den Lesern gerne auf unserem Blog „der.oekonomiker.blogspot.com“ und auf unserer neuen Website „der-ökonomiker-blog.de“ zur Verfügung.

Sehr wahrscheinlich sind die Aussichten in den kommenden Jahren noch besser: 75 Analysten setzen auf einen Goldpreis von 5.000 $ und höher.

Unser Favorit ist Silber. Aus zwei wichtigen Gründen: 1. Privater Goldbesitz wird im Zuge einer umfassenden Enteignung durch den Staat irgendwann kriminalisiert, d. h. unter Strafe gestellt. Es wird ein Umtauschangebot zu einer lächerlich geringen Quote geben und wer darauf nicht eingeht, macht sich strafbar. Wie so etwas geht haben die USA schon 1933 vorgemacht und bis 1974 durchgehalten. Bei Verstössen drohten 10.000 $ Geldstrafe oder bis zu 10 Jahre Gefängnis. Dieses Schicksal sollte man sich ersparen. Bei Silber ist eine solche Maßnahme höchst unwahrscheinlich. 2. Silber, besonders die Silbermünzen, sind in vielen Ländern als Zahlungsmittel bei den Menschen immer noch gegenwärtig. Die Österreicher kennen noch ihre Schillinge, die Deutsche die alten 5-DM-Stücke, usw. Silber gilt als das „Gold des kleinen Mannes“, es ist ihm vertraut. Deshalb wird es in den kommenden Jahren als Vermögensschutz an Bedeutung zunehmen. Der Abstand zum Goldpreis wird sich verringern, Silber wird sich vergleichsweise besser entwickeln.

Den rapiden Preissturz im Mai haben wir in den Ausgaben No. 19 und 19/1 hinreichend kommentiert. Den in Ausgabe No. 20 genannten Tiefstpreis von um 25 $/Unze erwarten wir nicht mehr. Vielmehr rechnen wir wieder mit einem Anstieg auf 50 $ noch in 2011. Nächstes Ziel sind dann ohne weiteres 100 $, was uns von Analysten auch bestätigt wird. Das Tempo spielt keine Rolle, der Trend ist entscheidend. Niemand kann diese Entwicklung aufhalten.

Schon vor 250 Jahren war Voltaire auf der Höhe der Zeit: „Papiergeld wird sich langfristig seinem wahren Wert annähern: Null.“