Montag, 18. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 30 - Banken-Stresstest II


Stresstest = Teststress die 2te, Transparenz die 1te

Es hat wirklich nicht lange gedauert bis die europäische Bankenaufsicht EBA durch ihren Chef Andrea Enria sprichwörtlich die Hosen herunter gelassen hat, um das von uns gestern beschriebene Stresstest-Theater zu bestätigen. 50 Milliarden Euro neu aufgenommenes frisches Geld haben die Euro-Banken für den Stresstest fit gemacht. Solvenz durch Schuldenmachen. Gegen Hergabe wertloser Papiere versteht sich. Eine Bilanz-Bereinigung der besonderen Art. Was sich findige Anwälte so alles ausdenken…

Es gibt aber auch gute Nachrichten, man darf nur nicht so genau hinhören/-sehen. Die veröffentlichten Daten würden helfen, den Vorwurf zu entkräften, die europäischen Banken hätten mit ihren Anleihe- oder Risikopositionen etwas zu verbergen. „Klarheit ist das beste Mittel, den Markt zu beruhigen“, sagte der Italiener Enria. Die FAZ hat dann heute, zur Unterstützung dieser Aussage, Zahlen geliefert, die so bedrohlich gar nicht aussehen („Der Stresstest bringt es an den Tag: Wer finanziert die Schuldenstaaten?“). Kein Wort zu den Schattenbanken, gerne auch unverfänglich Zweckgesellschaften genannt, in denen schon seit Jahren gewaltige Risiken vor jeder Aufsicht und Kontrolle versteckt werden. Zu einer ungefähren Bewertung dieser Risiken hilft ein Blick nach Amerika. Dort betragen mittlerweile die Verbindlichkeiten der Schattenbanken rund 16 Billionen $, die der „regulären“ Geschäftsbanken 13 Billionen $ (Quellen: dgb.de, handelsblatt.de, zeit.de). Noch Fragen?

Dass ein Zahlungsausfall Griechenlands nicht simuliert wurde, führte der EBA-Chef auf den Beschluss der EU zurück, dass es keine Pleite des Landes geben werde. Jetzt, wo der Stresstest aber raus ist, darf plötzlich auf breiter Front über die verschiedenen Umschuldungsoptionen für die Griechen schwadroniert werden. Der nächste Stresstest ist schliesslich erst in 12 Monaten, genug Zeit, um Gras über einen wahrscheinlichen Haircut wachsen zu lassen. So die Theorie, nur einige Lichtjahre weit weg von der Realität. Die lässt sich nämlich nicht planen.

Quelle für die Aussagen von Andrea Enria: WIRTSCHAFTSBLATT/AT, 18.07.2011.