Donnerstag, 21. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 33 - Euro-Krise Dirk Müller


Einspruch, Dirk Müller!

Keine Frage, wir mögen Mr. Dax. Seine Beiträge in den diversen Talk-Shows sind richtig, wichtig, kommen auf den Punkt und werden von ihm für alle BILD-ungsschichten sehr verständlich formuliert. Außerdem legt er sich auch mit denen an, die sich für den Nabel der Welt halten. Sein Buch Crashkurs gehört unbedingt in jeden deutschen Haushalt. Der Autor erklärt dort in verständlicher Sprache und an Hand vieler Beispiele die Zusammenhänge. So gut kann es keiner.

Vor einigen Tagen haben wir im Internet (bei mmnews.de) die Zusammenfassung eines Interviews mit Dirk Müller gefunden, in dem er wieder die Probleme völlig richtig adressiert, aber eine Lösung anbietet, die uns zum Widerspruch herausfordert.

Was uns stört: Er redet der Auflösung des Euros oder zumindest einer Teilauflösung das Wort. Wir verstehen natürlich seine Bedenken, wenn er der Poltik nichts Rechtes zutraut. Tun wir übrigens vorläufig auch nicht. Hoffen jedoch auf schnelle Besserung. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Hätte er recht, so würde Europa den Währungskrieg verlieren, quasi sang- und klanglos untergehen. Eine nur schwer erträgliche Vorstellung. Es darf einfach nicht sein, kampflos die Flinte ins Korn zu werfen. Die EU ist, gemessen am BIP, die weltweite Wirtschaftsmacht No. 1. Fehlen die Politiker, um dieser Tatsache Geltung zu verschaffen, oder haben die nur Angst vor der eigenen Courage? Zugegeben, die Situation ist viel schwieriger, 27 Mitgliedsstaaten bedeuten mindestens ebenso viele Interessen und Meinungen. Außerdem noch die vielen Theorien der Top-Ökonomen und Politik-Ratgeber, die Banken-Lobby eingeschlossen. Wer behält da noch den Überblick. Wir haben in der Ausgabe No. 20 einen Versuch unternommen.

Bei Dirk Müller spielen in diesem Zusammenhang die Bürger eine entscheidende Rolle. Die haben seiner Meinung nach das letzte Wort, erzwingen den Ausstieg. Wir wehren uns vehemnt gegen diese Option. Im Gegenteil möchten wir daran glauben, dass Europa die große Chance nutzt, alle Fehler aus den Maastricht- und Lissabon-Verträgen endlich zu korrigieren und mehr politische Union zu wagen. Bei dieser Gelegenheit bitte auch gleich die Banker-Macht auf das richtige Mass zurückstutzen. Aus Bankern wieder Bankiers machen. Schluss mit „weiter so“. Zeigen wir den Amerikanern und ihrem Präsidenten, wie „yes, we can“ wirklich geht. Sorgen wir dafür, dass die Welt-Reservewährung EURO den Status bekommt, den sie verdient. Überlassen wir dem US-Dollar doch seine Führungsrolle auch beim zu erwartenden Absturz.

Die Probleme in den USA sind viel, viel schlimmer. Der Status des US-Dollars als Welt-Leitwährung ist höchst gefährdet. Deshalb wird mit allen Mitteln der Euro unter Druck gesetzt. Die Rolle der Ratingagenturen passt in dieses infame Spiel wie die Faust aufs Auge. Wall Street koordiniert die Angriffe. Wegen des Regierungsnotstandes in Washington wird jetzt sogar schon Italien angegriffen. Die dringend gebotene Abwertung der USA durch die Ratingagenturen wird so weiter hinausgezögert. Gelingt es Amerika und seinen Verbündeten, viele davon sitzen leider in Europa, den Euro zu zerstören, dann wird es auch die politische Einheit Europas kosten. Die Folgen dieser Entwicklung sind nicht absehbar, selbst nicht für Dirk Müller. Es muss alles getan werden, so etwas zu verhindern. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, selbst den unpopulären, die an den Stammtischen erst einmal wenig Beifall finden werden. Die Frage, auf die selbst wir bis heute keine Antwort haben, aber ist: Welches Rindvieh hat die Autorität, den USA die Stirn zu bieten und die Herde zaghafter Politiker und ahnungsloser Bürger anzuführen, um den Weg aus dem fremdbestimmten Schlamassel zu finden. Europas Geschicke müssen durch die Europäer bestimmt werden, nicht mehr durch die Geldbarone aus der Wall Street und ihren willigen, in der ganzen Welt verstreuten, Handlangern. Jeder Tag und jede Stimme zählt. Dirk Müller, es ist noch viel zu früh, aufzugeben. Vergessen wir es nicht:

Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann.‘‘ (Weisheit der Cree-Indianer)