Freitag, 22. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 34 - PIIGS-Staaten-Kredite


Die Staatsschulden sind nicht alles – Billionen an Konsumenten- und Gewerbekrediten stecken in den PIIGS-Staaten

Ganz Europa redet nur von den Milliarden-Schulden der PIIGS-Staaten und deren Folgen. Der aktuelle Banken-Stresstest zeigt jedoch, dass die wirklichen Probleme bisher überhaupt noch nicht in der Öffentlichkeit angekommen sind. Die hat das Wall Street Journal (WSJ) jetzt untersucht.

Berge von Hypothekendarlehen für Privat- und Gewerbeimmobilien, oder Geschäfts- und Unternehmenskrediten, wurden jahrelang in die flügellahmen Euro-Länder vergeben. Weil die Wirtschaft in diesen Ländern zunehmend in Schwierigkeiten steckt, steigen bei diesen Krediten die Risiken auf Zahlungsausfälle. Es geht hier um gewaltige Summen, die bisher niemand auf der Rechnung hat. Wenigstens sind diese Dinge jetzt durch den Stresstest enthüllt worden, erklärt Alastair Ryan, Analyst bei UBS in London.

Besonders betroffen sind, nach den spanischen und italienischen Banken, die vier größten französischen Banken. BNP Paribas SA, Crédit Agricole SA, BPCE Group und natürlich die Société Générale SA halten rund 300 Milliarden Euro Kredite in den PIIGS-Staaten. Der Betrag stellt die Verpflichtungen aus den Staatsschulden für diese Länder absolut in den Schatten. Alleine 51 Milliarden Euro haben diese vier Banken an spanische Kunden verliehen.

Die folgenden Zahlen beschreiben sehr anschaulich, wieviel Geld von den Banken der aufgeführten Länder an institutionelle und private Schuldner in den PIIGS-Staaten vergeben wurde:

Spanien 2,2 Billionen $, Italien 1,3 Billionen $, Frankreich 0,4 Billionen $, Deutschland 0,3 Billionen $, Portugal 0,3 Billionen $, Griechenland 0,2 Billionen $, Großbritannien 0,2 Billionen $, Irland 0,2 Billionen $ und Belgien, Zypern, Niederlande, Dänemark, Österreich zusammen 0,2 Billionen. 

Insgesamt eine Summe von rund 5.100 Milliarden $, aktuell 3.600 Milliarden Euro, also 3,6 Billionen Euro. Darin nicht enthalten sind die Staatsschulden.

Der deutsche Beitrag sieht auf den ersten Blick relativ moderat aus, schließt jedoch nicht die Beträge ein, die sich spanische, italienische oder französische Banken bei deutschen Banken geliehen haben, um sie dann in den PIIGS-Staaten zu vergeben. Hier liegen die Risiken weiter im Verborgenen. Ebenfalls nirgends sichtbar werden die sicherlich umfangreichen Engagements der diversen Zweckgesellschaften/Schattenbanken, die denen der Geschäftsbanken wahrscheinlich in nichts nachstehen. Dagegen stehen aktuell 2,8 Billionen Euro Staatsschulden der betreffenden Länder.

Die allseits als große Leistung der Politiker gefeierte Beteiligung der europäischen Banken in Höhe von angeblich bis zu 37 Milliarden Euro an dem gestern beschlossenen neuen EU-Rettungspaket ist deshalb ein Witz der schlechtesten Sorte. Soll die Gemüter beruhigen und verdecken, dass es sich doch wieder nur um eine staatliche Zwangs-Bankenrettung handelt, verbunden mit hohen Spekulationsgewinnen für die Geretteten und kollektiver Haftung für die Bürger Europas über Generationen hinweg. Wer macht diesem Spuk endlich ein Ende?