Samstag, 23. Juli 2011

Standpunkt, Ausgabe 36 - Griechenland


Peter Bofinger, Wirtschaftsweiser und Professor an der Uni Würzburg, deckt auf: „Die Banken steuern Null % zur Griechen-Rettung bei“

Diese Aussage stammt aus einem Interview, dass die WIRTSCHAFTSWOCHE heute in ihrer Online-Ausgabe veröffentlicht. Lesenwert. Wir fassen die wichtigsten Aussagen hier zusammen, da wir bereits in Ausgabe No. 34 „Die Staatsschulden sind nicht alles …“ die Beteiligung der Banken als „Witz der schlechtesten Sorte“ beschrieben haben.

Die Banken und Versicherungen sind Sieger des Euro-Gipfels. Faktisch tauschen die Banken alte griechische Anleihen gegen neue griechische Anleihen, die zwar eine längere Laufzeit aufweisen, aber in etwa die gleiche Rendite bieten wie die alten Anleihen. Zudem bekommen sie dazu noch eine Versicherung für den Rückzahlungsbetrag am Ende der Laufzeit, die vom
europäischen Rettungsschirm EFSF abgesichert wird. Die Bankenlobby war beim Gipfel bestens vertreten. Sie haben ihre Interessen sehr gut durchgesetzt, so sehe ich das.

Die privaten Gläubiger hätten sich substanziell beteiligen müssen. Denn: Ein Drittel aller griechischen Staatsanleihen sind in der Hand von Spekulanten und Hedgefonds. Die werden jetzt voll auf ihre Kosten kommen, bei einem echten Schuldenschnitt wäre das nicht der Fall gewesen.

Die Rechnung der Spekulanten ist voll aufgegangen. Zweiter Gewinner sind die Banken und Versicherungen. Sie haben kaum Verluste hinnehmen müssen.“

Da erscheint die Aussage von Josef Ackermann, dem Schweizer an der Spitze der Deutschen Bank, die Einigung würde die Institute „hart treffen“, in besonders hellem Scheinwerferlicht der Euro-Retter-Bühnen-Show. Schade, noch gibt es niemand, der diesen Münchhausen’s den Saft abdreht, damit sie im Dunkeln stehen, wo sie niemand mehr sehen und, noch besser, hören kann.