Montag, 1. August 2011

Standpunkt, Ausgabe 39 - Prof. Hankel's Euro-Krise


Prof. Hankel’s Deutungen gegen Euro und Gold

Der Akademikergeist neigt immer dazu, an einmal aufgenommenen Meinungen festzuhalten und sich dabei als Hüter der Wahrheit vorzukommen.“ (Claude Henri Saint-Simon, Graf de Rouvroy, franz. Philosoph, 1760 - 1825)


Es war wieder an der Zeit, dem Dauer-Kritiker Wilhelm Hankel die Gelegenheit zu geben, gegen den Euro zu wettern. Diesmal als Vertreter des deutschen Mittelstandes, dem der Euro ja so übel mitspielt. Die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND überschreibt am 24.07.2011 ein Interview mit „Der Euro bleibt eine ökonomische Dummheit“.

Obwohl uns Prof. Hankel viele Jahre Lebenserfahrung und Wissenschaft voraus hat, ergreifen wir das Wort, um seine Thesen zu widerlegen, wenigstens aber in Frage zu stellen.

Hankel und seine Mitstreiter, ausweislich der öffentlichen Meinung allesamt Stars in ihren Wissenschaften, sind Demagogen (Verführer, Aufwiegler), sonst nichts. Darin aber immer noch sehr erfolgreich, wie ihre Medien-Präsenz und Zustimmungsraten an den deutschen Stammtischen zeigen. Zu recht?

Darauf antworten wir mit einem klaren NEIN! Fakt ist nun einmal, dass Deutschland im Rahmen der Wiedervereinigung zu erheblichen Zugeständnissen gezwungen war. Viele Zugeständnisse an die damalige UdSSR, an Frankreich und Großbritannien, nur wenige kleine Zugeständnisse an die USA. Sicherlich liegen diese Verhandlungen lange zurück, aber die heutigen Wortführer der Euro-Gegner waren zu dieser Zeit alle schon „in Amt und Würden“. Jedenfalls liegen diese Einigungsgespräche noch nicht im Dunkeln. Frankreich und Großbritannien waren Siegermächte und als solche an den Verhandlungen beteiligt und auch berechtigt, ihre Zustimmung zur Wiedervereinigung von weitreichenden politischen und finanziellen Zugeständnissen abhängig zu machen. Diese beiden Länder in diesem Zusammenhang als Zwerge abzutun, verfälscht ganz bewußt die Wirklichkeit. Großbritannien verbindet mit den USA eben nicht nur die gemeinsame Sprache, wie sich in jüngster Zeit gut beobachten läßt (Irak, Euro-Krise, Lybien, usw.), wenn man es nur sehen will. Frankreich ist in Europa eine Großmacht, aus deutscher Sicht ein guter Freund, dem es galt, entgegen zu kommen. Andererseits wollte Kohl die deutsche Wiedervereinigung um jeden Preis, nur so konnte er in die Geschichte eingehen, was ihm auch gelungen ist. Niemand schert sich heute um die vielen, vielen anderen unnötigen Fehler, die vor allen Dingen Deutschland in seinem Innersten betreffen und der Wiedervereinigung bis heute viel Kritik einbringen.

Die Einführung des Euro war im Grundsatz richtig, in der Ausführung mangelhaft. Dafür verantwortlich: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, der Rest. In genau dieser Reihenfolge. Die Maastricht-Kriterien, das Werk der Deutschen, waren und sind ohne fiskalische Union das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Allen Beteiligten war diese Tatsache bekannt, wurde aber einfach so in Kauf genommen, die Lösung – wie in der EU schon lange üblich - in die Zukunft verschoben. Nach Gründung der Währungsunion gab es nur ein Ziel: Die Zahl der beteiligten Staaten so schnell wie möglich zu erhöhen. Weshalb dann auch Griechenland aufgenommen wurde, trotz der hinlänglich bekannten Mängel. Zur Erinnerung: Selbst Italien war gezwungen, seine Statistiken Euro-tauglich zu frisieren. Heute tun die Herren Euro-Kritiker so, als seien diese Schönfärbereien erst viel später aufgedeckt worden. Unsinn. Goldman Sachs war im Auftrag Brüssels in den PIIGS-Ländern tätig, um mit allen Mitteln die Aufnahme in die Euro-Zone zu bewerkstelligen. Dazu wurde tief in die Trickkiste gegriffen, wie mittlerweile bekannt geworden ist. Tricksen und Täuschen auf allerhöchstem Niveau.

Es sind 58% der deutschen Exporte, die mittlerweile in die Euro-Zone gehen, nicht nur 40%. Alle europäischen Unternehmen, egal ob große Konzerne oder Mittelstand, sind Nutznießer dieser Währung, selbst die, die noch ihre eigene Währung behalten haben. Die Akzeptanz ist selbst international hoch, schon längst gilt der Euro als Weltreservewährung, über 30% des Welthandels werden in dieser Währung abgerechnet. China hält 1/3 seiner Währungsreserven im Euro, würde den Anteil gerne erhöhen, fürchtet jedoch massive Interventionen der Amerikaner. Was ist grundsätzlich falsch daran, dass nach der Euro-Einführung viel deutsches Geld in die PIIGS-Staaten geflossen ist? Diese Länder versprachen den Investoren und Privatanleger eben eine höhere Rendite, ein normaler kapitalistischer Vorgang. Jetzt rüttelt Hankel schon an den Grundsätzen des Kapitalismus, um seiner These der „ökonomischen Dummheit“ Nachdruck zu verleihen. Oder redet er etwa gleich einer Kapitalverkehrskontrolle das Wort? Die ist in Deutschland längst auf den Weg gebracht worden, wie der neue Kabinettsbeschluss zum „Gesetz zur Optimierung der Geldwäscheprävention“ vom 14.05.2011 sehr gut zeigt (vgl. Standpunkt, Ausgabe 23: Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung).

Die Verkleinerung der Euro-Zone ist überhaupt keine Lösung. Es gibt nämlich eigentlich keine stabilen Länder mehr. Dafür hat die fatale Zwangs-Bankenrettung gesorgt. Wieder eine Entscheidung der großen EU-Nationen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der die kleinen, schwachen folgen mußten. Genau in diesem Augenblick erst öffnete sich der Abgrund für die betroffenen Euro-Länder Irland, Griechenland, Portugal, usw. Nicht vorher. Gefährlich wird es aber erst, als die USA in immer größere Schwierigkeiten kommen und deshalb der US-Dollar ganz offen als Weltleitwährung in Frage gestellt wird. Jetzt heißt es handeln und mit gezielten Maßnahmen den Euro unter Druck zu setzen. Logisch, dass es zuerst gegen die schwächsten Glieder der Euro-Kette geht, Griechenland und Irland. Die USA beginnen einen von Goldman Sachs bestens vorbereiteten Währungskrieg gegen den Euro. Wieder unterstützt von Großbritannien, dem Brückenkopf amerikanischer Interessen in Europa. Der Ausgang ist immer noch offen, obwohl die Angreifer schon einige Schlachten gewonnen haben.

Diese ganzen wissenschaftlichen Theorien über die Schwächung Deutschlands durch die Einführung des Euro gehen glatt an der Wirklichkeit vorbei. Deshalb wird sich Hankel’s Wunsch auf ein kleines Denkmal mit der Aufschrift „Er hatte doch recht“ auch nicht erfüllen.

In diesem Interview bekommt dann auch Gold noch sein Fett weg: „Hinter der Gold-Hausse steckt ein Aberglaube aus früheren Zeiten: Wagners „Rheingold“ und andere Mythen. Irgendwann, wenn der Aberglaube weicht, wird man feststellen, dass Gold keinen Geldwert hat.“ Hier treibt es der Herr Professor aber ganz dolle. Einer der mächtigsten Banker aller Zeiten, der Amerikaner J.P. Morgan, hatte bereits 1912 darauf die richtige Antwort parat:

Gold and silver are money. Everything else is credit“.

Lobende Wort findet Hankel dann noch für die vielen Immobilien-Gläubigen: „Die Immobilie hat einen Nutzwert, Gold hat keinen.“ Da hat er sogar recht. Nur hat den demnächst der Staat, nicht die Eigentümer. Denen wird nämlich das Fell über die Ohren gezogen, wie wir in der bereits zitierten Standpunkt-Ausgabe No. 23 ausführlich beschreiben.