Sonntag, 14. August 2011

Standpunkt, Ausgabe 46 - Währungskrieg Euro


Euro-Krise: Verliert Europa den Währungskrieg?  

Es ist unerträglich mit anzusehen, wie Europa täglich an Kraft verliert, um sich gegen den von den US-Dollar-Schergen angezettelten Währungskrieg endlich wirkungsvoll zur Wehr zu setzen. Für diese Entwicklung gibt es viele Schuldige. Natürlich die Politiker. Außerdem die vielen willfährigen Ökonomen, die einfach keine Ahnung haben, fundiertes Wissen durch eine Theorie ersetzen, damit aber kräftig hausieren gehen. Oder die Journaille, die hemmungslos voneinander abschreibt, was der öffentlichen Meinung gerade so in den Kram paßt. Aber auch jeder Einzelne von uns, für den diese Schauspiele, besser Trauerspiele, überhaupt erst veranstaltet werden. Es gibt wenige Ausnahmen, zu denen zählen wir uns. Schliesslich trommeln wir schon seit vielen Monaten für eine andere Sichtweise, plädieren dafür, endlich Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Öffentlich machen wir unsere Auffassung seit 06.12.2010 (Ausgabe 1, hier), in den folgenden Ausgaben werden wir sogar noch deutlicher. Bitte einfach dort nachlesen, es öffnet vielleicht die Augen für die wahren Hintergründe dieser Euro-Krise.

Durch die fein vorbereiteten Angriffe auf Frankreich nimmt die Entwicklung eine neue Dynamik an. Die US-Dollar-Schergen müssen sich damit beeilen, den Euro in die Knie zu zwingen, deren Unterstützung läßt nämlich langsam nach. Großbritannien, nach unserer Einschätzung der größte europäische Vasall der Amerikaner, gerät selbst in massive Schwierigkeiten und fällt langsam aber sicher als Unterstützer im Krieg gegen den Euro aus. David Cameron wird sich in der Rangliste der britischen Premierminister ganz hinten einordnen. Seine Antworten auf die jüngsten Unruhen sind populistisch, sonst nichts. Die Bank of England muss schon sehr bald alle Kräfte darauf konzentrieren, die Scherben vor der eigenen Haustüre zusammen zu kehren. Eine Aufgabe, an der sie zugrunde gehen muss. Großbritannien wird wahrscheinlich zur politschen Blaupause Europas. Die US-Notenbank ist längst schon nicht mehr in der Lage, ihre europäischen Freunde zu stützen. Das wird Großbritannien zuerst spüren. Dann darf Europa endgültig auch noch die Briten retten, ein Nicht-Euro-Land, aber wichtig für Europa, behaupten weigstens die Politiker. Wir finden das nicht: Großbritannien war zu keiner Zeit wichtig für die Entwicklung der Europäischen Union oder des vielzitierten europäischen Gedankens. Es gab in der Vergangenheit bereits viele Gelegenheiten, bei denen wir den Briten einen Austritt aus der EU nahe gelegt hätten. Dem Land fehlt schon seit Jahrzehnten jede politische und wirtschaftliche Bedeutung. Trotzdem wurde vom übrigen Europa immer wieder auf die britischen Befindlichkeiten Rücksicht genommen. So wird es weiter gehen.

Frankreich ist, genauso wie alle anderen Länder vorher, diesen Angriffen völlig wehrlos ausgeliefert. Wir erleben Aktionismus ohne Plan. Tolle Ratschläge von den unzähligen Star- und Chef-Ökonomen füllen die Nachrichten. Sparappelle kommen aus Brüssel und den anderen europäischen Hauptstädten. Gerüchte und Halbwahrheiten machen die Runde. Mittendrin der deutsche Michel, der entweder zum Fatalisten mutiert, oder seine alte D-Mark wieder zurück haben möchte. Und dabei noch gar nicht merkt, dass jetzt auch Deutschland von dieser Entwicklung hochgradig gefährdet wird.

Statt endlich die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, werden alle Lösungen zerredet oder einfach blockiert. Europa-Politik at its best. Mehrfach haben wir schon beschrieben, wie diese Angriffe auf den Euro abgewehrt werden müssen. Vergleichen Sie dazu unsere Ausgabe 20, vom 18.05.2011, mit dem Top-Thema: „Griechenland – Umschuldung oder was? Oder: „Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr.“ Hier eine kleine Zusammenfassung:

Europa muss seine Währungshoheit zurück gewinnen. Der IWF, eine Speerspitze Amerikas, muss sofort wieder seinen Einfluss verlieren. Nicht nur in den Euro-Ländern, sondern auch bei den milliardenschweren Hilfspaketen für Ost-Europa. Beispielhaft nennen wir hier Polen, Amerikas zweitwichtigster Verbündeter in Europa, in der EU-Rangliste der Netto-Empfänger auf Platz 1, mit 6,3 Milliarden Euro deutlich vor Griechenland auf Platz, mit 3,1 Milliarden Euro (für die Griechenland dann treu und brav Rüstungsgüter in Deutschland kauft).

Lettland, Rumänien, Ungarn, allesamt schon lange bankrott, erhalten mit US-amerikanischer Unterstützung günstige Kredite der EU (!) zu Zinssätzen von 3,125 bis 3,375%. Der IWF macht es noch günstiger – wieder mit US-Unterstützung – zu nur läppischen 2,11 – 2,67%. Alles Länder, die gegen eine stärkere politische Einheit Europas votieren. Demgegenüber sind die Zinsen aus den EU/IWF-Rettungspaketen für die PIIGS-Staaten der reine Hohn. Da geht nichts unter 5,75%.

Währungshoheit gibt es nur zum Preis der weiteren, längst notwendigen, politischen Einheit und einer minimalen fiskalischen Union. Die Kleinstaatlichkeit muss endgültig aufhören. Daran hat natürlich Amerika kein Interesse. China übrigens auch nicht.

Fangen wir an mit einer gemeinschaftlichen Wirtschaftspolitik. Hören wir auf, uns neue Märkte zu erkaufen, wie es in der Türkei, den Schwellenländern, oder Afrika, geschieht. Stärken wir den Wirtschaftsstandort Europa. Busse für Mercedes und MAN müssen nicht mehr in dem Nicht-EU-Staat Türkei, sondern können statt dessen in Griechenland gebaut werden. Kühlschränke, Waschmaschinen, usw., das Gleiche. Europa ist eine Wirtschaftsmacht mit einem großen Binnenmarkt, es wird Zeit, diese Tatsachen zu nutzen. Kurz, Entwicklungshilfe im Innern Europas für die schwachen Länder. Eine europäische Werkbank eben.

Weiter im Anti-Krisen-Programm: Feste Wechselkurse zu den wichtigsten Währungen (die Schweizer würden sich freuen). Umtausch der europäischen US-Dollar-Reserven gegen Naturalien (Öl, andere Rohstoffe, Nahrung) oder langfristige Lieferverträge. Handelsabkommen mit den Ölförderländern, die nicht unter der US-Knute stehen, davon gibt es einige. China macht es schon längst vor. Natürlich auch entsprechende Abkommen mit China, ohne dabei aber europäische Interessen zu verkaufen, wie das gerade jetzt im Zusammenhang mit der Euro-Krise geschieht.

Was geschieht mit den Schulden in den PIIGS-Staaten? Ganz einfach: Bis die europäische Wirtschaftsförderung in diesen Ländern greift, müssen diese Schulden den Spekulanten aus den Händen genommen werden. Zugegeben schwierig, aber machbar. Es muss nur der politische Wille dahinter stehen. Außerdem hilft es, John Maynard Keynes genau zu lesen und seine Lehren richtig anzuwenden. Wir Deutschen haben sogar noch die Möglichkeit, bei Ludwig Ehrhards „Wohlstand für Alle“ vorbei zu schauen, online unter www.ludwig-erhard-stiftung.de. 390 sehr aufschlussreiche Seiten.

Letzlich muss aber auch Waffengleichheit hergestellt werden. Amerikas Angriffe können nun einmal nicht mit Pfeil und Bogen abgewehrt werden. Das beginnt schon mit der Einsicht, dass die Welt in einer Krise steckt, die nicht durch die US-Subprimekrise, sondern ursächlich erst durch die weltweite, zwanghafte Bankenrettung verursacht wurde, und einfach nicht mehr zu stoppen ist. Europa kann nur, so wie es z. B. China tut, im Strom mitschwimmen, seinen Vorteil suchen und sich am Ende auf einen großen Baumstamm retten. Wir vermuten, diese Einsicht gibt es bereits, es hat nur leider keiner den Mut, darüber zu reden. Bei dieser Gelegenheit könnte auch gleich noch zugegeben werden, dass die exzessiven, weltweiten Staatsverschuldungen logischerweise tiefgreifende Vermögensenteignungen für jeden Einzelnen zur Folge haben werden. Nur die Reichen werden wieder geschont. Was den Unterschied ausmacht zwischen einer kapitalistischen und einer sozialistischen Enteignung. So wären dann endlich alle Katzen aus dem Sack.

Abschliessend noch unsere Antwort auf die oben gestellte Frage: Schwenkt Europa nicht auf den von uns skizzierten Weg ein, wird der Währungskrieg verloren und gleichzeitig auch die politische Einheit der Europäischen Union. Danach wird Europa in der Welt keine bedeutende Rolle mehr spielen, weder politisch noch wirtschaftlich. Aber Deutschland kann wieder die geliebte D-Mark einführen … ist doch auch was, oder?