Mittwoch, 17. August 2011

Standpunkt, Ausgabe 54 - Australien-Blase


Australien down under!

Das Land hat bisher nicht unter unserer Beobachtung gestanden. Wir haben höchstens zur Kenntnis genommen, dass sich China im Zuge seiner Rohstoff-Absicherung in den vergangenen Monaten immer stärker auf diesem Kontinent eingekauft hat. Kleine Warnungen im asiatischen Raum über eine sich aufbauende australische Immobilien-Blase wurden davon überlagert. Seit Anfang des Monats ist Schluß damit. Innerhalb eines Monats, im Juni 2011, sind in Australien 85 Bauunternehmen pleite gegangen. Soviele wie nie zuvor in der Geschichte des Landes. Grund ist ein Einbruch im Baugewerbe und gewerblichen Immobiliensektor. Eine steigende Zahl von Arbeitsplätzen geht verloren. Die Jahre ständig steigender Preise sind zu Ende. Täglich neue Hiobsbotschaften machen die Runde. Die Zahl der Australier, die mit ihren Hypothekenzahlungen um mehr als einen Monat im Rückstand sind, hat ein Allzeithoch erreicht. Familien, die sich in einer Art Immobilien-Goldrausch bis über beide Ohren verschuldeten, kämpfen nun um ihre finanzielle Existenz. Immer wurde von der australischen Regierung behauptet, in Australien sei alles anders. Falsch, es ist genauso wie im Rest der Welt, nur ein bisschen später.

Es ist erst einige Tage her, dass der australische Finanzminister, Wayne Swan, eine Lobeshymne singt: Australiens Staatsverschuldung sei gering, die Arbeitslosenquote niedrig, ein hohes Investitionsvolumen sorge für einen Haushaltsüberschuss im nächsten Jahr. Er bescheinigt seinem Land beste Aussichten, weil „Australien immun sei gegen die Probleme im Rest der Welt“. Quelle: Bloomberg, 14.08.2011. Sein Land macht gerade schlapp und der Herr Minister übt sich schon mal in Durchhalteparolen.

Wir stellen fest:

1. Die Welt ist voll von unfähigen, unaufrichten und machtbessenen Politikern.

2. Die Immobilienkrise, begonnen 2005 in den USA, setzt ihren Weg unaufhaltsam um den Globus fort. Nach Irland, Großbritannien, Portugal, Spanien, in Europa, ist sie jetzt offensichtlich am anderen Ende der Welt aufgeschlagen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann China an die Reihe kommt und wieder Europa (Schweden, Dänemark, usw.). In den USA ist sie noch nicht zu Ende, es warten noch 3 – 5 Millionen Häuser auf ihre Zwangsverwertung.

3. Deutschland wird von dieser Entwicklung keinesfalls verschont bleiben, alles nur eine Frage der Zeit. Wer sich immer noch von Banken und Maklern davon überzeugen läßt, eine Immobilie sei die richtige Krisenabsicherung, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Der legt sich freiwillig auf die Schlachtbank, unter die Messer staatlicher Metzger.

Bei dieser Gelegenheit erinnern wir noch einmal an das Zitat von Jean Paul, deutscher Schriftsteller, 1763 - 1825: „Wer die Augen nicht zum Sehen benutzt, wird sie später zum Weinen gebrauchen.“  Außerdem an unsere Ausgabe No. 23, in der wir uns ausführlich mit den Möglickeiten staatlicher Enteignungen befassen. Absolut lesenswert.