Samstag, 20. August 2011

Standpunkt, Ausgabe 56 - Buffetts Reichensteuer

 

Warren Buffett: „Reiche zahlt mehr Steuern!“


Er gilt als einer der reichsten Männer der Welt. Mit seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway ist Buffett einer der ganz großen Spieler in der Real-Wirtschaft und, so vermuten wir, auch im weltweiten Finanz-Casino. Er hatte das zweifelhafte Vergnügen, 2008/2009 Goldman Sachs mit einem kräftigen Schluck aus seiner Liquiditätspulle am Leben zu erhalten. Gegen einen anständigen Aufschlag versteht sich. Politisch ist er nicht einzuordnen, er steht sich gut mit beiden Parteien.

So ist es dann doch verwunderlich, wie Warren Buffett vor wenigen Tagen in einem Kommentar für die NEW YORK TIMES mit den Republikanern hart ins Gericht geht. Eine Zusammenfassung bietet die ZEIT unter der Überschrift „Milliardär Buffett fordert mehr Steuern für Superreiche“ in ihrer Online-Ausgabe am 15.08.2011.

Mit seinem Vorschlag nimmt sich Buffett ein Beispiel am demokratischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt, von 1933 bis 1945 der 32. Präsident der USA. Bei seiner Wahl 1932 war die Weltwirtschaftskrise von 1929, in den USA als „Great Depression“ bekannt, in ihrer vollen Blüte. Teil seines Programms, dem sogenannten „New Deal“, zur Bekämpfung dieser Wirtschaftskrise, war die drastische Erhöhung der Steuern für Amerikas Reiche auf bis zu 90%. Wesentliche Teile des Programms, u. a. auch die Steuererhöhungen, gehen zurück auf den Bankier Andrew W. Mellon, US-Finanzminister von 1921 bis 1932. Zum Schluss seiner Amtszeit überwarf sich Mellon wegen der Weltwirtschaftskrise mit dem republikanischen Präsident Hoover, der seine Vorschläge zur Lösung der Krise nicht umsetzen wollte. Roosevelt verschaffte Mellon dann die späte Anerkennung seiner Ideen.

Das Roosevelt’sche Programm wurde außerdem entscheidend von John Maynard Keynes beeinflußt, dessen Theorien heute geradezu als Teufelszeug verdammt werden. Ob zu recht, wird sich schon sehr bald herausstellen. Wir jedenfalls vertreten die Auffassung, dass auch die jüngste Krise erst dann zu Ende gehen wird, wenn Keynes Lehren wieder berücksichtigt werden. Fest steht für uns, die so hoch gelobte österreichische Schule wird die Welt nicht retten. Es ist ein bisschen von allem, was die Dinge richten muss: Sehr viel Keynes und Ludwig Erhard, eher weniger vom Rest. Letzterer besonders in Deutschland und Europa, wenn es bis dahin noch die EU gibt.

Warten wir also ab, ob Warren Buffett wirklich seinen Einfluss nutzt, um den alten Tugenden Amerikas wieder zu Geltung zu verhelfen, die Winston Churchill so auf den Punkt gebracht hat:

„Amerika wird es immer richtig machen, aber erst nachdem alle anderen Optionen ausgeschöpft sind.“