Montag, 22. August 2011

Standpunkt, Ausgabe 58 - Immobilienbeton

Deutschland flüchtet in den Beton


„Ich glaube nicht, dass wir die grosse Gemeinschaft der Immobilien-Religiösen bekehren können.“  
(Peter Ziemann, Der klare Blick)

Weltweit entstehen immer neue Immobilienblasen (Frankreich, Schweden, Schweiz, Australien, China, selbst in Südamerika). Die Deutschen ignorieren standhaft diese Entwicklungen, glauben weiter an ihre Immobilien-Insel der Glückseligkeit.

Allen Warnungen zum Trotz, in Deutschland grassiert das Immobilienfieber. Inflationsängste, Euro-Krise, Staatsbankrotte, sind nur eine kleine Auswahl der Gründe für die Hausse am Immobilienmarkt. Medien, Makler, Banker, erklären dem Volk gebetsmühlenartig die Vorzüge einer Immobilie in Krisenzeiten. Sicherheit und Rendite, verbunden mit den negativen Realzinsen, sind die Kaufargumente. Als Folge steigen schon die Preise. Und damit auch die späteren Verluste. Egal, es wird weiter gekauft. Preis- und Mietsteigerungen von 20 – 30% in Berlin, München, Hamburg, locken die Kaufinteressenten. Genau die Szenarien aber, die heute als Kaufgründe herhalten müssen, werden in Zukunft den Wert der Immobilien massiv in den Keller drücken. Deflation, Inflation, Staatsbankrott, führen zwangsläufig auch zu einem Kollaps des Immobilienmarktes.

Woher wir unsere Überzeugung nehmen? Aus der deutschen Geschichte! Die ist nämlich schon seit dem Ende des 1. Weltkrieges das beste Lehrstück für diese Einschätzung. Klar erinnert sich niemand mehr an diese Zeit. Aber auch im Zusammenhang mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der damit verbundenen Währungsreform gibt es allerbestes Anschauungsmaterial über den Mythos „Sicherheit durch Immobilien“. Eltern und Großeltern sollten sich daran noch erinnern, für den Rest bietet z. B. Wikipedia  ausreichenden Lesestoff. Einen Überblick der Folgen für Immobilienbesitzer bieten wir in unserer Ausgabe No. 23, vom 05.07.2011, wo es um die vielen Belastungen geht, die der deutsche Staat seinen Bürgern demnächst noch zumuten wird/muss. Für aufmerksame Leser wird ersichtlich: Es ist eine Flucht in das finanzielle Verderben. Wer diese Tatsache missachtet, der findet aber ebenfalls historischen Trost: 

"Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." (George Santayana, amerik. Philosoph, 1863 – 1952)

Deshalb, generell Finger weg von Immobilien. Wer meint, es muss jetzt noch schnell ein Haus/eine Wohnung zur Eigennutzung gekauft werden, der prüfe bitte vorher gründlichst Objekt, Lage, Preis, Finanzierung. Am besten zusammen mit einem unabhängigen Berater, nicht mit Makler, Banker, oder – besonders beliebt – den lieben Verwandten. Letztere haben zwar regelmäßig keine finanziellen Interessen, aber leben in einer – wie wir es nennen – Familientradition. Bei den Schwaben z. B. heißt so etwas dann: „Schaffe, schaffe, Häusle baue“.