Montag, 22. August 2011

Standpunkt, Ausgabe 59 - Schweiz-Hype

Die spinnen, die Anleger!


Längst haben wir die Schweizer Schwierigkeiten schon thematisiert: Das Land ist ein einziger Hedge Fonds, jeder Bürger steht mit unfassbaren 4,5 Mio. CHF im Obligo. D. h., kracht es bei den beiden Großbanken UBS und Credit Suisse, gehen auch die Schweizer baden. Unwiderruflich, unumkehrbar. Will natürlich niemand hören, wir sind der einsame Rufer in der Wüste. 

Jetzt kommt es noch einmal knüppeldicke. Der CHF ist endgültig die Lieblingswährung der Welt geworden, die Anleger reissen sich regelrecht um die Schweizer Währung. Mit fatalen Folgen für die Wirtschaft des Landes, von einer Zerstörung ist bereits in den Schweizer Medien die Rede. Die Exportwirtschaft geht bereits am Stock, der Tourismus geht in die Knie, die Arbeitslosigkeit nimmt zu, das Auslandsvermögen drastisch ab. Als eine der Gegenmaßnahmen diskutiert man ernsthaft die Möglichkeit, den CHF an den Euro zu koppeln. Eine charmante Idee, in Zeiten der ausufernden Euro-Krise. 

Die Schweiz wird erdrückt von der Zuneigung der Ausländer. Diese Zuneigung nimmt ihr regelrecht die Luft zum Atmen. Das Land wird zu Tote geliebt. 

Diese Nachteile werden natürlich in Deutschland nicht kommuniziert, das macht sich nicht gut, im Land der „Wir-wollen-unsere-D-Mark-zurück-Rufer“. Aber klar, in Deutschland wäre alles anders, alles besser. Leute, wacht auf aus diesem Traum, die Zeiten haben sich radikal geändert. 

Als wäre das alles nicht schon genug, muss sich die Schweiz auch noch mit dem Druck der USA auf ihre Banken auseinandersetzen. NZZ Online nennt es „Die Büchse der Pandora ist offen“ und beschreibt am 04.08.2011 ausführlich die Situation. Auf der Grundlage eines von uns in der Standpunkt-Ausgabe 23 zitierten neuen US-Gesetzes (Es nennt sich „Hiring Incentives to Restore Employment Act (H. R. 2847)”, kurz “HIRE”) entsteht eine regelrechte Klagewelle gegen Schweizer Banken und ihre Mitarbeiter. NZZ Online schreibt: „Jede Schweizer Bank, jeder Banker, jeder Anwalt und Steuerberater, der auch nur einen einzigen Kunden mit amerikanischem Pass hatte, muss fürchten, dass er früher oder später in den USA der Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt werden könnte.“ Weiter heißt es: „Die amerikanischen Behörden haben in erster Linie ein Ziel. Amerikanische Steuerpflichtige sollen aufhören, Gelder vor dem Fiskus zu verstecken. (…) Solange es zu keiner Einigung komme, werde die USA den Druck in den nächsten Wochen und Monaten weiter erhöhen.“ Schon hat die Auseinandersetzung eine neue Stufe erreicht. Die sich „im Staatsbesitz befindliche“ Basler Kantonalbank rücke ins Visier der US-Behörden. Zu dem weiteren Verlauf noch einmal NZZ Online: „Ob die Banken tatsächlich amerikanisches Recht gebrochen haben oder nicht – die geschilderten Szenarien sind, leider, völlig unabhängig davon, ob die gemachten Vorwürfe in den oft vor Fehlern und Ungenauigkeiten nur so strotzenden Klagen vor amerikanischen Gerichten auch nur annähernd der Wahrheit entsprechen. (…) Das über lange Jahrzehnte erfolgreiche Schweizer System des Offshore-Banking war so aufgebaut, dass es einzig vor dem Schweizer Gesetz niet- und nagelfest war.“ Dagegen führt Amerika gerade einen Krieg. Jedenfalls verzichten immer mehr Schweizer Banker auf Reisen in die USA, da sie Gefahr laufen, verhaftet zu werden.