Freitag, 16. September 2011

Standpunkt 71 - Schweiz im Stress?


Die Schweizer: Bettelarm oder superreich?


Vor einigen Tagen veröffentlichte die ALLIANZ eine Studie («Global Wealth Reports») über die Verteilung des Geldvermögens in der Welt. Einige Medien berichteten darüber. Selbst hier in Deutschland, obwohl wir erst weit abgeschlagen auf Platz 17 im Ländervergleich stehen, trotz der 5 Billionen Privatvermögen der Deutschen.

Einsam und mit weitem Abstand zum Zweitplazierten, den USA, auf Platz 1 steht die Schweiz, nach weit verbreiteter Meinung das Sinnbild von Stabilität und Wohlstand. Das Ergebnis der Studie stützt offensichtlich diese öffentliche Wahrnehmung.

Durchschnittlich hat jeder Schweizer ein Vermögen von rund 250.000 CHF, umgerechnet 207.000 Euro. Nach einer Studie der Credit Suisse ist dieses Vermögen jedoch sehr ungleich verteilt: 1% der Bevölkerung besitzt mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens.

Jeder US-Bürger verfügt nur über 112.000 Euro Erspartes. Die Verteilung des Vermögens ist zudem noch sehr viel schlechter als in der Schweiz.

Die Schweizer haben allen Grund sich über ihren Reichtum zu freuen. Sie werden ihn nämlich noch bitter nötig haben. Der Große Knall, unser Synonym für den unausweichlichen weltweiten Finanzkollaps, wird das Schweizer Vermögen vernichten. Den 250.000 CHF Guthaben stehen Verpflichtungen gegenüber, die weit darüber hinaus gehen.

Die Garantieversprechen der Schweiz für die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse (CS) seit 2008 bedeuten für jeden der rund 8 Millionen Schweizer ein Risiko von sagenhaften 4.500.000 CHF! Es könnte auch noch mehr werden. Niemand kennt die wirklichen Risiken dieser Banken aus dem weltweiten Derivate-Spektakel von mindestens 700 Billionen $ (Zahl der BIZ), an dem beide mit hohen Anteilen beteiligt sind. Amerikanische Schätzungen gehen davon aus, dass diese Schneeball-Geschäfte mit höchstens 60 Milliarden $ werthaltigen Sicherheiten unterlegt sind. Die Ausfallrisiken sind also immens.

Alleine die Verbindlichkeiten der UBS aus dem normalen Bankgeschäft (gibt es das noch?) belaufen sich auf das 4-fache der jährlichen Schweizer Wirtschaftsleistung. Die Eigenkapital-Quote der Bank liegt unter 2%. Bei der CS sieht es nicht viel besser aus. Die Schweizer selbst beschreiben UBS und CS als „too big to rescue“.

Das Land ist eigentlich ein riesiger Hedge Fonds, sonst nichts. Die Risiken sind, wie im Rest der Welt, unkalkulierbar geworden. Es genügt die Pleite einer der beiden Großbanken und die Schweiz wäre bankrott. Parallelen zu Island werden offensichtlich. Anders als Island können die Schweizer aber darauf vertrauen, von der Welt gerettet zu werden. Zu viel steht auf dem Spiel. Nicht auszudenken, wenn die Schweiz in ihrer Not alle ausländischen Vermögen einfriert.

Unter diesen Umständen kann sich jeder die Antwort auf die oben gestellte Frage leicht selbst geben.

Wir raten: Finger weg von CHF und Vermögensanlagen bei Schweizer Banken, egal wo auf der Welt. Es könnte höchstwahrscheinlich tragisch enden.