Freitag, 23. September 2011

Standpunkt 75 - Märchen Triple-A



Die Triple-A Märchen


Anfang der Woche gab es die erwartete Nachricht: Die Ratingagentur Standard & Poor’s senkt die Kreditwürdigkeit Italien’s und bewertet den Ausblick negativ. Die Einstufung lief nach dem bisher schon bewährten Muster ab: Das Land beschliesst größere Sparanstrengungen, EU und IWF stützen die vorgesehenen Maßnahmen durch Zustimmung, den Ratingagenturen gehen diese Aktivitäten nicht weit genug, schon folgt eine Herabstufung. Das Ziel ist klar: Ein neuerlicher Angriff auf die Euro-Zone, um deren Auseinanderbrechen weiter voran zu treiben. Nachdem Griechenland schon im Staub liegt, Spanien, Portugal und Irland bereits auf dem „richtigen“ Weg sind und eine Gegenwehr Europas so gut wie nicht vorhanden ist, wachsen die Angreifer an ihren Aufgaben. Das nächste logische Ziel ist Frankreich, wo längst begonnen wurde, durch massierte Angriffe auf die großen französischen Banken, das Feld für die Herabstufung vorzubereiten. Die Frage ist nur noch, welche Ratingagentur „dran“ ist, diese Nachricht zu verkünden.

Spätestens seit der Herabstufung Amerikas war diese Entwicklung vorhersehbar. Das Land hat auf absehbare Zeit keine Chance, die Bestnote zurück zu bekommen. Das vorläufige Triple-A-Rating von Fitch ändert daran nichts, ist nur Show. Die einzige logische Konsequenz: Die USA werden dafür sorgen, dass auch andere Länder ihren Triple-A-Status verlieren. Eine Neuordnung muss her, in der Amerika wieder den Platz einnimmt, der ihm – nach eigenem Verständnis – zusteht. Die Neubewertung Italiens macht deshalb durchaus Sinn, übt sie doch erheblichen Druck auf Frankreich und die anderen europäischen Staaten aus, die bisher noch mit der Bestnote bewertet werden.

Die Nachrichtenagentur Reuters hat am 05.08.2011 unter der Überschrift „The Last Countries With Triple-A Ratings (and Those at Risk of Losing Them)“ eine Bewertung vorgenommen. Danach sind sichere AAA-Staaten Australien, Dänemark, Deutschland, Kanada, Niederlande, Norwegen, Singapore, Schweden und die Schweiz. Vor einer möglichen Herabstufung stehen Finnland, Frankreich, Großbritannien und Österreich. Die ebenfalls als gefährdet eingestuften USA sind mittlerweile erledigt. Die Triple-A-Ratings für Guernsey, Isle of Man, Liechtenstein und Luxemburg wurden nicht bewertet.

Wir erlauben uns heute eine eigene Sicht der Dinge und kommen im Wesentlichen zu einem ganz anderen Ergebnis. Außerdem unser Fazit: Die Rating-Agenturen erfüllen nach wie vor nicht die ihnen zugedachte Aufgabe, sondern verfolgen einfach nur weiter ihre eigenen monetären Interessen, bzw. die ihrer Herren, was sich gerade bei Standard & Poor’s leicht verfolgen lässt. Objektivität: Fehlanzeige.

Daran versuchen wir uns. Auf unserem Blog nehmen wir schon seit Monaten eine sehr kritische Haltung gegenüber Großbritannien und der Schweiz ein, aber auch zu Ländern wie Australien, Dänemark, Niederlande oder Schweden. Aus gutem Grund. Diese Länder haben bereits riesige Probleme oder stehen davor. Wagen wir uns an eine Betrachtung der etwas anderen Art:

Triple-A

Die Voraussetzungen für dieses Rating erfüllen nur noch wenige Länder. Außer den o. g. nicht bewerteten sind es nur noch Deutschland, Norwegen und Singapure. Wie lange diese Bewertungen halten, hängt wesentlich von der weiteren Entwicklung im Währungskrieg Dollar versus Euro und, genauso entscheidend, von der Fortsetzung im weltweiten Finanz-Monopoly ab (wann und wie kommt der „Große Knall“).

Das Triple-A für Deutschland, im Ausland auch gerne „King of the Euro“ genannt, ist sicherlich schmerzhaft für Amerika und wir erwarten hier massiven Druck, der ohne weiteres in einer Herabstufung münden könnte. Eine politische Entscheidung. Leider von Deutschland forciert durch seine schwache Haltung im Zusammenhang mit den Angriffen auf die Euro-Zone.

Norwegen und Singapore geraten erst dann in Schwierigkeiten, wenn die Finanzkrise zum Finanzkollaps mutiert ist und, vor allen Dingen, diese Tatsache dann auch die Köpfe der Menschen erreicht. Norwegens Rating lebt von den erfolgreichen weltweiten Investitionen seines Staatsfonds und seiner Ölindustrie. Bereiche, die dann bedroht wären. Die Staatsschuldenquote ist mit 48% des BIP sehr niedrig.

Singapore hält seine Bewertung durch den forcierten Ausbau als wichtigen Finanzplatz für Asien und als Steueroase für die Welt. Staatsschuldenquote bei hohen 102% des BIP. Der Stadtstaat  gerät sofort in die Bredouille, wenn im Welt-Finanz-Casino die Lichter ausgehen. Eine weitere Gefahr sehen wir in seiner zunehmenden Bedeutung als Schwarzgeld-Speicher. Gerade knöpfen sich die USA die Schweiz vor, um das Steuer- und Bankgeheimnis der Eidgenossen endgültig zu brechen. Niemand kann ausschliessen, dass anschliessend Singapore in den Fokus des US-Finanzministeriums gerät. Was dann?

No Triple-A

Viele der von den Ratingagenturen noch mit gesicherter Triple-A-Bewertung  geführten Länder erfüllen die Voraussetzungen nicht mehr. Australien, Dänemark, Kanada, Niederlande, Schweden und Schweiz gehören längst herabgestuft.

Mit Australien haben wir uns in Ausgabe 54 bereits beschäftigt. Wir haben es überschrieben mit „Australien down under!“ Der Immobiliensektor entwickelt sich seit einigen Wochen zu einem massiven Krisenherd. Die Zahl der Australier, die mit ihren Hypothekenzahlungen um mehr als einen Monat im Rückstand sind, hat ein Allzeithoch erreicht. Familien, die sich in einer Art Immobilien-Goldrausch bis über beide Ohren verschuldeten, kämpfen nun um ihre finanzielle Existenz. Die australische Regierung beschwichtigt natürlich. Wir werden aber erleben, dass die sehr geringe Staatsschuldenquote von 22% (seit 2006 fast verdoppelt) nur zu einem statistischen Wert verkommt und außerdem sprunghaft ansteigen wird, wenn sich die Entwicklung erst einmal verstetigt hat. Bei den Hypothekendarlehen wird es dann zu einem Blutbad kommen, mit den schon hinlänglich bekannten Folgen.  

Dänemark wird bedroht von seinen schwächelnden Banken aufgrund von Problemen im – wie könnte es anders sein – Immobiliensektor.  Alleine acht Institute des Landes stehen mit dem Rücken an der Wand. Trotz der geringen Arbeitslosenquote von unter 5% und der moderaten Staatsschuldenqoute von 47% hängt die Schwäche des Bankensektors wie ein Damoklesschwert über dem Land. Die Regierung hat bei bisherigen Bankenpleiten nicht eingegriffen. Fraglich ist aber, ob diese strenge Haltung weiter durchgehalten werden kann. Ein negativer Ausblick.

Kanada kaschiert bisher seine Probleme sehr gut. Nachdem das Land schon seit Jahrzehnten von den USA abhängig ist, verkauft es sich jetzt an China. Das Reich der Mitte investiert sehr exzessiv in Rohstoffe und kauft außerdem riesige Gebiete auf, in denen Rohstoffe vermutet werden. Wie überall auf der Welt schwächeln die Banken. Kanada ist nicht wichtig genug, um im Fokus der übrigen Welt zu stehen. Der Druck auf den Immobilienmarkt nimmt auch hier zu, nachdem abzusehen ist, dass der große Nachbar seine Schwierigkeiten in diesem Wirtschaftssektor einfach nicht in den Griff bekommt. Die Industrieproduktion steht mit einem Anteil von 11% am BIP auf ähnlich schwachen Füssen wie in den USA, zuletzt (2010) mit einem Minus von 12%. Selbst die Arbeitslosenquote entspricht den offiziellen US-amerikanischen Verhältnissen von um die 9%. Wichtigster Handelspartner sind die USA. 75% der kanadischen Exporte gehen in das Nachbarland. Staatsschuldenquote mittlerweile 84%, nach 66% in 2007. Insgesamt negativ.

Die Niederlande werden immer noch hoch gelobt für ihre wirtschaftlichen Verhältnisse. Wir können nicht erkennen, warum. Zugegeben, die Zahlen sehen noch ganz passabel aus. Arbeitslosenquote wie Dänemark, es gibt einen Leistungsbilanzüberschuss, aber auch ein anfälliger Bankensektor. Die Regierung hat verschiedene Sparmassnahmen beschlossen, u. a. trennt sich das Land von seinen 60 Kampfpanzern, 19 Kampfjets und 17 Kampf-Hubschraubern, außerdem von einem Teil des militärischen Personals. Als wichtiges Mitglied der Euro-Zone werden die Niederlande in den nächsten Wochen stark von der weiteren Entwicklung der Euro-Krise betroffen sein, insbesondere von der Situation der französischen Banken, mit denen ausgeprägte Geschäftsbeziehungen bestehen. Da hier erhebliche Schwierigkeiten zu erwarten sind, werden auch die wichtigsten niederländischen Banken davon betroffen sein. Bisher hat der Staat hier helfend eingegriffen. Staatsschuldenquote 70%, nach nur 45% in 2007.

Schweden, Europas Vorzeige-Staat im Norden, verhält sich bisher unauffällig. Lebt immer noch davon, vor Jahren eine veritable Bankenkrise erfolgreich überstanden zu haben. Das Land marschiert nach Aussage seines Finanzministers direkt in eine Immobilienblase, seine Industrieperlen (Scania, Volvo, Saab) sind von ausländischen Investoren übernommen worden. Aktuell steht Saab vor der Pleite. Schwedens Vorbild-Charakter hält sich nach unserer Einschätzung doch sehr in Grenzen. Anteil der Industrieproduktion am BIP 14%, Rückgang in 2010 minus 18%. Die so positiv herausgestellte Staatsverschuldung von rund 40%, zu 2007 unverändert, ist nur eine relative Größe, Bulgarien hat nur 16%, Estland sogar nur knapp 7%. Ach so, die Maastricht-Kriterien werden erfüllt. Wir hätten doch fast vergessen, wie wichtig diese Grenze für die Beurteilung einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik ist. Fliegt Schweden der Immobilienmarkt um die Ohren, dann dürfen wir gespannt sein, wie sich die Dinge entwickeln. Schwedens Banken werden dann auf jeden Fall ein neues Waterloo erleben.

Die Situation der Schweiz haben wir schon mehrfach und ausführlich hier behandelt. Zuletzt in der Ausgabe 59, davor in den Ausgaben 32, 12, 11 und 5. Schon seit Monaten stufen wir das Land als pleite ein. Wir beschreiben es als Alpen-Hedge-Fonds. Hier die Zahlen: Die Garantieerklärung der Regierung für die beiden Großbanken nach der Krise 2008 stellt jeden Schweizer mit 4,5 Mio. CHF ins Obligo. Alleine die Verbindlichkeiten der UBS aus dem „normalen“ Bankgeschäft entsprechen dem 4-fachen der Jahreswirtschaftsleistung des Landes. EK-Quote der UBS unter 2%. Die bisher bekannten Verpflichtungen aus den Derivategeschäften der beiden Großbanken UBS und Credit Suisse belasten jeden Schweizer zusätzlich mit 450.000 CHF. Wir gehen jedoch davon aus, dass der Anteil an diesem weltweiten 700 Billionen USD-Geschäft (BIZ-Zahl) wesentlich höher ist, als bisher angenommen. Aufgrund dieser Faktenlage wäre die Schweiz wenigstens auf das Niveau von Griechenland herunter zu stufen. Natürlich wird das nicht passieren. Schliesslich steht die Welt, wegen der internationalen Verflechtungen der Banken, zur Rettung bereit. Wir sehen die Bindung an den Euro als Vorbereitung darauf. Ein Bonmot: Die Schweizer selbst halten beide Großbanken für „too big to rescue“.

Triple-A-Verlust

Folgende Länder verlieren nach unserer Einschätzung auf jeden Fall ihr Top-Rating: Finnland, Frankreich, Großbritannien und Österreich. Aber der Reihe nach:

Die Finnen machen gerade richtig Furore: Die rechte Partei „Die wahren Finnen“ gewinnen auf Anhieb bei ihrer ersten Wahl 19% und das Land verlangt Pfänder für die Zustimmung zum nächsten Rettungspaket für Griechenland. Das ist ein echter Diskussionsbeitrag, von einem wirtschaftlichen Leichtgewicht in Europa. Nokia und die Holzindustrie sind Basis der finnischen Wirtschaft.  Nokia, viele Jahre als Technologiekonzern international gefeiert, ist heute ein Problemfall, hat erst einmal den Anschluss an die Weltspitze verloren. Diese Ausfälle kann die Holzindustrie nicht ausgleichen. Dazu kommen Steuerausfälle und die zunehmende Überalterung der Bevölkerung. Die Arbeitslosenquote ist mit hohen 9% nicht gerade vorbildlich.  Trotzdem gilt Finnland als EWU-Musterknabe: Staatschuldenquote schlappe 45%, im Vergleich zu 35% in 2007.

Frankreich steht bereits unter Ranking-Beschuss. Die grossen Banken werden schon wegen ihrer starken Engagements in den PIIGS-Staaten und den USA für pleite erklärt. Hartnäckig hält sich das Gerücht, eine französische Bank habe bei der EZB 500 Millionen Euro aufgenommen. Ein Rettungsplan wird schon vorbereitet. Die Wirtschaft schwächelt, die Regierung auch. Deutschland ist größter Handelspartner. Beiden Ländern fällt eine Schlüsselrolle bei der Lösung der Euro-Krise zu und sie scheinen damit überfordert. 2012 sind Präsidentschaftswahlen und Sarkozy traut sich nicht mehr an unpopuläre Entscheidungen ran. Frankreichs Probleme sind vergleichbar mit denen Amerikas, dessen Herabstufung ist bereits erfolgt. Also höchstens eine Frage von Wochen, bis das Land sein Triple-A-Ranking verliert.

Die Top-Benotung Großbritanniens ist ein Witz. Geschuldet nur noch dem wichtigen Londoner Finanzplatz und der Funktion als Brückekopf zur Wahrung der US-Interessen in Europa. Das Land ist faktisch pleite, was wir so auch immer wieder äußern, nie mehr in der Lage, seine Schulden zurück zu zahlen. Es wird einfach weiter gewurschtelt, wie im Rest der Welt auch. Die Regierung will alles zu Geld machen, was einigermaßen Erfolg verspricht: Der Hafen von Dover steht zum Verkauf, außerdem 50% der staatlichen Wälder, die Anteile an Post und Bahn, usw. Dazu die üblichen Einsparungen im Gesundheitswesen, bei den Rentenansprüchen, der Bildung, usw. Alleine im Öffentlichen Dienst sollen 500.000 Stellen abgebaut werden. Achtung: Es gibt Regionen, in denen 60% der Arbeitsplätze vom Staat kommen. Bereits heute leben 20% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Ziel: Die Staatsausgaben sollen innerhalb der nächsten vier Jahre um 134 Milliarden Euro sinken. Eine völlig illusorische Vorgabe. Diese Sparpläne werden, genau wie bei vergleichbaren Aktionen in anderen europäischen Ländern, das Land endgültig ruinieren. Da hilft es auch nichts, wenn ein ausgemusterter Flugzeugträger, die „Ark Royal“, das einstige Prunkstück der Royal Navy, verkauft werden soll. Übrigens, ein nagelneuer Flugzeug-Träger kann nicht in Dienst gestellt werden, es fehlt schlicht das Geld für die Flugzeuge. Die Wirtschaftsleistung geht bereits zurück, das Verbrauchervertrauen ist auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesunken.. Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 8%, bei den 16- bis 24-jährigen schon bei über 20%. Die Regierung hält dagegen und erwartet, „dass der Privatsektor in den nächsten Jahren über eine Million (= 1 000 000) neue Stellen schaffen wird“. Die Währung hat in den vergangenen zwei Jahren knapp 1/3 ihres Wertes gegenüber Dollar und Euro verloren. Die Bank of England (BoE) erwartet einen Rückgang des Lebensstandards auf das Niveau der 1920er Jahre, wenn das Land die Krise überstehen will. Mervyn King, Chef der BoE: „Der Rückgang des Lebendsstandard ist der unvermeidbare Preis, den wir für die Finanzkrise (…) zahlen müssen.“ King hat völlig recht, nur will sich noch niemand vorstellen, wie massiv diese Einschnitte sein werden. Offizielle Staatsschuldenquote 76%, nach 45% in 2007. Nach einer Studie des unabhängigen Centre for Economics and Business Research (CEBR) beträgt die tatsächliche Staatsschuldenquote 138%, da wesentliche Ausgaben in den Regierungszahlen einfach unterschlagen werden. Mit den Verhältnissen in diesem Land gegen die Schuldenmacherei in der Euro-Zone zu argumentieren, wie es immer wieder gerne die Euro-Gegner machen, ist blanker Hohn. Großbritannien bewahrt sich bisher nur deshalb vor dem endgültigen Kollaps, weil die BoE unbegrenzt Liquidität bereitstellt, d. h. Schulden macht ohne Ende. Aber die Anti-Euro-Fanatiker feiern dieses abgewirtschaftete Land als  Vorbild.

Österreich bietet eine wunderbare Show. Starke Worte zum neuen Griechen-Rettungspaket, Belehrungen gegenüber den Piefkes aus Deutschland. Wir fragen uns, warum? Das Land steht am Abgrund. Die Milliarden-Euro-Investitionen in den strukturschwachen osteuropäischen Ländern werden uneinbringlich. Da helfen auch nicht die Kredite an diese Länder von EU und IWF zu günstigsten Konditionen. Ebenfalls stark in den PIIGS-Staaten investiert. Die österreichischen Banken, sowieso nicht auf Rosen gebettet, stehen vor riesigen Wertberichtigungen. Nur redet noch niemand darüber, die Österreichische Nationalbank (ÖNB) hat noch im Februar 2011 in einem Report eine positive Prognose gestellt. Wider besseren Wissens. Bereits im April 2009 betitelte das Manager Magazin einen Ausblick mit „Katastrophale Wirtschaftslage“. Österreichs Wirtschaft ist abhängig von Deutschland. Nur aus dieser Nähe leitet sich auch das Triple-A-Rating ab. Österreich hält sich für einen Musterknaben. Die Wahrheit: Große Klappe, aber nicht viel dahinter. Kein Euro-Retter, sondern ein Rettungskandidat.

Fazit

Die Ratings sind politisch motiviert, haben nur in Ausnahmefällen etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Sie sind Druckmittel im Kampf zwischen den verschiedenen Machtinteressen, politischen und wirtschaftlichen. Europa wäre stark genug, sich seine eigenen Regeln zu schaffen, was aber bisher sehr erfolgreich von Amerikas europäischen Freunden verhindert wurde. Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch spielen sich geschickt die Bälle zu, gerade so, dass auch der Schwarze Peter immer von Agentur zu Agentur wandert, ohne wirklich Schaden zu nehmen. Es ist eine üble Gemengelage, in der selbst Deutschland zum Spielball der Wall Street werden kann. Der einzelne Staat hat keine Chance, sich dagegen zu wehren. Sollte die Herabstufung Deutschlands in Amerika beschlossen werden, womit wir rechnen, dann rettet das Land kein Euro-Austritt, kein Nord-Süd-Euro, kein „zurück zur D-Mark“. Hieraus könnte sich die Ratlosigkeit ableiten, die in Berlin und anderswo herrscht. Für uns ist klar: Die USA wollen, entgegen jüngster anderslautender Äusserungen, eine weitere Schwächung des Euros durch den Vollzug der Pleite in Griechenland. Falls das nicht reicht, auch von Spanien, oder Italien, oder Portugal. Deshalb kommt auch keine Stärkung der Gemeinschaft durch mehr Integration in Frage. Gerne darf Deutschland die D-Mark einführen, damit wäre Europa aus Sicht Amerikas entscheidend geschwächt. Der Dollar würde noch einmal eine Verschnaufpause erhalten, nur darum geht es den USA und China.