Dienstag, 27. September 2011

Standpunkt 77 - Ben Bernanke zaubert



Ben Bernanke: „Twist“ and schaut!


Wieder einmal treibt Mr. B. eine grell bemalte Sau durchs Dorf, um das Volk zu unterhalten. Frisch ist die Sau nicht mehr: 50 Jahre ist es her, dass zu Zeiten John F. Kennedys die Operation „Twist“ eingesetzt wurde, um die US-Wirtschaft anzuschieben.

Der Erfolg ist eher ungewiss, aber spielt auch augenblicklich keine große Rolle. Es geht nur um ein bisschen mediale Aufmerksamkeit hier, der Beweis von Handlungsfähigkeit da. Außerdem das klare Signal in Richtung China, (noch) von QE3 die Finger zu lassen.

Die damalige „Operation Twist“ wurde später als Fehlschlag interpretiert, wie die britische Zeitschrift The Economist  aus einer älteren Forschungsarbeit zitiert („Is the Treasury undermining QE?“, 15.03.2011). Eric T. Swanson von der FED in San Francisco muss deshalb zwangsläufig in einem im Feburar 2011 veröffentlichten Working Paper eine andere Ansicht vertreten. Er bescheinigt dieser Maßnahme gute Erfolgsaussichten.

Um was geht es? Das österreichische Wirtschaftsblatt erklärt es so: „Die Fed tauscht um und kauft um 400 Milliarden Dollar langlaufende Staatsanleihen. Parallel werden kurzfristige Titel abgestoßen. Die US-Notenbank greift zur Unterstützung der lahmenden Konjunktur einmal mehr in die Trickkiste. Sie werde bis Mitte kommenden Jahres 400 Milliarden Dollar (293 Mrd. Euro) in die Hand nehmen, um lang laufende Anleihen zu erwerben, teilte die Federal Reserve am Mittwoch in Washington mit. Parallel sollen aus den Beständen der Fed kurz laufende Treasuries mit Laufzeiten unter drei Jahren verkauft werden. Fed-Chef Ben Bernanke will mit dem an die so genannte "Operation Twist" der Fed 1961 angelehnten Schritt die langfristigen Zinsen senken. Dadurch werden - so das Kalkül - Kredite tendenziell billiger. Dies soll Wirtschaft und Verbrauchern helfen.“

Also ein Taschenspielertrick. Die Wirkung in der Wall Street war aus diesem Grund auch nur von sehr kurzer Dauer. Warum, dass war in der Online-Ausgabe des Focus nachzulesen:

„Experten zweifeln an der Wirksamkeit der neuen Maßnahme: Sie wird die Wirtschaft nicht entscheidend beflügeln, die US-Wirtschaft wird sich weiter nur sehr langsam erholen“, schrieb die Commerzbank in einem Kommentar. Das Zinsniveau sei bereits sehr niedrig und die Unternehmen verfügten über eine ausgezeichnete Liquidität. Trotzdem investierten die Konzerne kaum. „Vermutlich wollte die Fed in einer für die US-Wirtschaft schwierigen Situation nicht als untätig oder hilflos angesehen zu werden“, spekulieren die Analysten.“

Natürlich steht die FED unter Zugzwang. Dazu noch einmal der Focus: „Die Fed stemmt sich mit ihren Maßnahmen gegen eine sich abzeichnende deutliche Abkühlung, wenn nicht gar eine neue Rezession in den USA in den nächsten Monaten. Hinzu kommt der schwache Arbeitsmarkt. Derzeit finden gut 14 Millionen US-Amerikaner, die arbeiten wollen, keinen Job.“ (Anmerkung: Die Arbeitslosenquote liegt tatsächlich bei 23%, nachzulesen bei shadowstats.com)

Mit dieser Maßnahme werden jedenfalls keine der dringend benötigten Jobs geschaffen, das Verbrauchervertrauen gestärkt oder die erwartete Rezession verhindert. Apropos Rezession: Es hat in den USA seit 2005 keinen auch noch so kleinen Aufschwung gegeben. Die damals begonnene Rezession setzt sich weiter fort, allen gegenteiligen Meinungen zum Trotz. Deshalb warten wir weiter auf die richtigen Entscheidungen in Amerika. Bis dahin wird täglich die Angst zunehmen, dass langsam aber sicher die Lichter ausgehen, im Banken-Finanz-Casino und in der realen Welt.