Dienstag, 4. Oktober 2011

Standpunkt 81 - EU-Bankenkrise


Bankenkrise in Europa: Gewinnt Amerika Währungskrieg gegen den Euro?


Schon seit einigen Wochen werden in den einschlägigen US-Blogs die europäischen Banken aufgrund der Euro-Krise niedergeprügelt. Im Focus standen vornehmlich französische, italienische und spanische Banken. Die griechischen Banken waren schon längst kein Gesprächsthema mehr. Diese Einschätzung hat dann, mit einigem Zeitversatz, Eingang in die deutschsprachigen Medien gefunden. Selbst die sogenannten „freien Medien“ haben sich dankbar auf diesen Knochen gestürzt, der von den Amerikanern über den Großen Teich geworfen wurde.

Favorit für den ersten Crash war danach die französische Großbank Société Générale, deren Engagements in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal als höchst verlustreich eingestuft wurden. Dicht gefolgt von dem Crédit Agricole, einer weiteren französischen Großbank. Deutlich ist hier ein Schema zu erkennen: Nach Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien, wird nun im Währungskrieg US-Dollar vs Euro Frankreich sturmreif geschossen. Herabstufungen durch die Ratingagenturen sind die Folge, negative Ausblicke werden angedroht. Nur: Diese Banken wanken, aber sie fallen nicht. Wieder einmal sieht es so aus, ähnlich wie bei den Angriffen durch Greenspan, Geithner oder Obama, dass die Wirkung viel zu schnell verpufft.

Logische Konsequenz: Seit gestern steht die wesentlich kleinere französisch-belgisch-luxemburgische Kommunalbank Dexia im Feuer. Moody’s droht gleich mit einer Herabstufung, die Zeit drängt. Schliesslich stehen die big player Amerikas schon wieder „under water“, sind bereits herabgestuft oder stehen kurz davor. Tausende Arbeitsplätze sollen dort in den nächsten Monaten abgebaut werden, die Bank of America will sich von Geschäftsfeldern trennen, usw., usw. Die Liste der Schwierigkeiten bei den Top-10-US-Banken ist lang und wird von Tag zu Tag länger.

Für die Wall Street und Obama, den Schelm aus Washington, ist es überlebenswichtig, den Europäern die Schuld an dem kommenden Debakel in die Schuhe schieben zu können. Deshalb muss es zuerst in Europa krachen: Entweder eine Bank, oder gleich ein ganzes Land. Die vorgeblichen Rettungsbemühungen und die entsprechenden Forderungen Amerikas an die europäische Adresse sind alles nur Nebelkerzen, mit denen die wahren Zustände verschleiert werden sollen.

Scheinbar mit Erfolg. Deutschland fällt als Führungsnation quasi vollständig aus. Der deutsche Michel hat sich an seinen Stammtischen terriergleich in der griechischen Tragödie festgebissen und will – angetrieben von den medialen Speerspitzen der Euro- und Rettungsgegner - einfach nicht loslassen. Die Bundesregierung agiert wegen dieser lautstarken Anti-Stimmung mutlos und verzagt. Die wenigen besonnenen, mahnenden Stimmen werden niedergebrüllt, bzw. niedergeschrieben. Am Ende wird es so zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung, nach der dann wirklich nicht mehr nur Beträge und Garantien in Milliardenhöhe, sondern gleich in Billionenhöhe erforderlich sind, um weitere Zusammenbrüche von Banken und/oder Ländern zu verhindern. US-Blogs rechnen sowieso schon damit, dass 5 Billionen Euro nötig sind, um die Euro-Zone zu retten. Diese Leute sind keine Hellseher, sie gehen aber einfach davon aus, dass Europa nicht in der Lage ist, sich wirkungsvoll gegen die US-Stategie zur Wehr zu setzen.

Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die amerikanischen Interessen in Europa bestens vertreten werden. Jüngstes Beispiel, die Transaktionssteuer. Sicherlich kein großer Wurf, trotzdem nicht durchsetzbar gegen Großbritannien. Oder die Haltung der Slowakei gegen die Ausweitung des Rettungsschirms. Oder die Diskussionen im Zusammenhang mit Polens Beitritt zur Euro-Zone. Oder die „Rettung“ der EU-Pleitestaaten in Osteuropa (Ungarn, Rumänien, Lettland) mit Geldern direkt aus Amerika zu Konditionen, von denen Irland, Portugal und Griechenland nur träumen können. Alles bisher kein Thema in den deutschen Medien.

Amerika muss und wird den Druck auf Europa und den Euro weiter erhöhen. Weil nämlich in den USA die Proteste gegen die Politik von Präsident Obama, aber auch gegen die Haltung der Republikaner, eine neue Qualität erreicht haben: Neuerdings wird die Wall Street bestreikt. Es sind nur einige Hundert Demonstranten, die schon seit Tagen rund um die Uhr demonstrieren, aber es werden mehr. Schon alleine deshalb, weil Polizisten mit ziemlicher Härte gegen die Demonstranten vorgehen, wie im Internet zu sehen ist. Die Nachrichtenlage ist noch dürftig, wer sich dafür interessiert, wird trotzdem im Netz fündig. Selbst die deutschen Medien berichten, nur nicht über die Brutalität der Polizei.

Fazit: Die Chancen stehen schlecht für Europa, noch Boden gut zu machen. Amerikas Angriffe sind gut vorbereitet und werden aus dem Kreis der EU27-Länder unterstützt. Deshalb ist es auch völlig unerheblich, wie sich Europa zur Wehr setzt. Keiner der vielen Lösungsvorschläge, egal aus welchem Lager, wird daran etwas ändern. Für die Finanzkrise 2008 war Amerika verantwortlich, für die weitere Entwicklung soll es Europa sein.