Mittwoch, 19. Oktober 2011

Standpunkt 83 - Frankreich leidet


Frankreich in Not …

Wir haben den chronologischen Ablauf bereits vor Monaten dokumentiert. Falls es Sie noch interessiert, lesen Sie dazu bitte unsere ersten Blogbeiträge.

Frankreich war für uns längst adressiert. Aufgrund der Rating-Herabstufung der USA werden von den Agenturen alle Länder angegriffen, die bisher noch den Triple-A-Status haben. Von den winzig kleinen, unwichtigen, abgesehen. Lesen Sie dazu die Ausgabe 75 vom 23. September mit dem Titel „Die Triple-A Märchen“.

Wirtschaftliche und politische Verhältnisse werden von den Rating-Agenturen für die Drohungen und folgende Herabstufung gerne angeführt, in Wahrheit spielen diese Dinge keine Rolle. Den Agenturen kommt entgegen, dass ihr Bild in der Öffentlichkeit mittlerweile wieder ganz ansehnlich geworden ist. Ihnen wird unterstellt, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben und jetzt die Dinge wirklich beim Namen zu nennen. Was für ein Nonsens.

Frankreich steht im Vergleich zu den USA blendend da. Selbst die 10 größten franz. Banken haben nicht so viel Müll in ihren Bilanzen wie die vergleichbaren US-amerikanischen. Wichtig: Alleine die 5 größten US-Banken halten geschätzte 70% des weltweiten Derivate-Müll-Volumens von mindestens 700 Billionen USD (BIZ-Zahl) bis 1 000 Billionen USD (US-Studie) in ihren Bilanzen versteckt. Da sind die aktuellen Quartalsmeldungen von Citi Group, Bank of America, JP Morgan, nur das Ergebnis maximaler Bilanzkosmetik. 

Die aktuellen Berichte der Journaille in den einschlägigen „Fach“-Zeitungen sind gespickt mit Fehldeutungen und falschen Annahmen. Nach wie vor ist man dort nicht bereit, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Genauso wie am Vorabend der Finanzkrise 2008, übrigens.

Frankreich hat keine Chance, sich gegen diese bestens orchestrierten Angriffe zu wehren. Hier muss eine konzertierte Aktion der Euro-Zone, mit Unterstützung von Rest-Europa, her. Und zwar schnell. Was wir erleben ist das genaue Gegenteil. Den sogenannten „Spekulanten“ werden noch die Steigbügel für ihre Angriffe gehalten. Von Großbritannien, Polen, den baltischen Staaten, Ungarn, für einige Stunden auch durch die Slowakei. Eine besonders unrühmliche Rolle spielt dabei Großbritannien, das wirtschaftliche und politische Armenhaus Europas. Vielstimmig gefeiert von den deutschen Stammtischen für seine anti-europäische Haltung, bewegt sich diese einstige Weltmacht, lt. Aussage der Bank of England, schnurgerade auf die Verhältnisse der 1920er Jahre zu. Kaputtgespart von einer politischen Führung, die diesen Namen wahrscheinlich nicht verdient. Aktuell schon mit einer Gesamtverschuldung (847%), die nur von Irland (1166%) noch getoppt wird (Quelle: manager-maganzin.de). Aber dafür hat das Land  sein Vermögen gut angelegt: Es ist Mitte 2011, nach China und Japan, drittgrößter Gläubiger der USA mit 346,5 Milliarden USD. Vor einem Jahr, Mitte 2010, waren es nur 94,5 Milliarden USD (Quelle: handelsblatt.com). Natürlich denken wir uns nichts bei diesem Anstieg von rund 250 Milliarden USD innerhalb weniger Monate! Sicherlich nur der Flucht aus dem Euro geschuldet.

Die Folge dieses handlungsschwachen Europa? Wir zählen in Wochen, nicht mehr in Monaten, dass die sogenannten „Spekulanten“ die Jagd auf Deutschlands Triple-A-Ranking eröffnen werden. Der innenpolitische Druck auf Obama und der US-Präsidentschaftswahlkampf bestimmen das Tempo. Sonst nichts. Barack Obama, der Präsident der gebrochenen Wahlversprechen, sucht händeringend nach Erfolgen, egal wie kurzlebig sie ausfallen. Mit China wird sich Amerika nicht ernsthaft anlegen, auch der Iran ist nicht gerade abendfüllende Ablenkung, da kommt die politisch schwächelnde Wirtschaftsmacht Europa gerade recht.

Schon heute prophezeien wir, wer für die Meinungsführer an den deutschen Stammtischen die Schuldigen an dieser Entwicklung sind: Der Euro, gefolgt von den bösen PIIGS-Staaten, die sich in die Euro-Zone geschummelt und dann noch über ihre Verhältnisse gelebt haben, statt sich der deutschen Zucht und Ordnung zu unterwerfen. Andere, aus unserer Sicht richtige Deutungen, wird es geben, werden jedoch niedergebrüllt.

Verfolgen Sie hier in den nächsten Wochen unsere Bewertungen der weiteren Entwicklung und bilden Sie sich dazu, unabhängig vom Mainstream, eine eigene Meinung.