Mittwoch, 2. November 2011

Standpunkt 88 - Gold und Silber


Gold und Silber bleiben unentbehrlich!


Im September war es soweit: Gold und Silber erleben ein Blutbad. Eine Erholung hat seit dem noch nicht wieder stattgefunden. Wie ist diese Situation zu bewerten? Können wir überhaupt noch unsere Empfehlung weiter aufrecht halten, Gold und ganz besonders Silber als unabdingbar für die Vermögenssicherung einzustufen und beiden gesteigerte Aufmerksamkeit zu schenken?

Wir haben immer wieder ein klares Statement für Gold und Silber abgegeben. Besonders Silber hat es uns als „Gold des kleinen Mannes“ als Vermögenssicherung angetan. So haben wir z. B. am 04.05.2011 (Ausgabe 19) formuliert: „Für uns ist Silber Krisenvorsorge, Vermögenssicherung, usw. Wer nicht begreift, dass dieses Investment in den kommenden Jahren seinen Besitzern den „Hintern rettet“, der sollte – nein muss – weiter auf Staatsanleihen setzen und wird am Ende mit leeren Händen dastehen.“  Wenige Tage später, am 08.05.2011 (Ausgabe 19/1), haben wir nachgelegt: „Silber ist schlicht wieder spottbillig geworden. Sollte der Preis noch weiter nachgeben, dann wird es sogar saubillig. Wer jetzt nicht antizyklisch handelt, ist selber schuld.“

An dieser Einschätzung müssen wir nichts ändern. Die jüngsten Entwicklungen in Europa, den USA und China, bestätigen nämlich unsere Auffassung, dass sich die Finanzkrise zu einem Finanzkollaps entwickeln wird, der durch Nichts und Niemanden aufgehalten werden kann. Schlimmer: Die Geschwindigkeit hat zugenommen, mit der sich die ganze Welt auf diesen Abgrund zubewegt. Unumkehrbar geht es nur noch in eine Richtung. Gerne werden solche Aussagen immer noch als Katastrophengerede verunglimpft, was uns jedoch nicht weiter stört. Unsere Bewertungen der Euro-Krise, der amerikanischen Situation, Chinas Probleme, um nur einige Beispiele zu nennen, sowie die Schlüsse, die wir daraus ziehen und in diesem Blog regelmäßig veröffentlichen, belegen eindeutig das Gegenteil. Lesen Sie bitte unsere Beiträge von Anfang an nach. Es lohnt sich.

Noch einmal möchten wir deshalb aus der Ausgabe 19/1, vom 08.05.2011, zitieren: „Eigentlich ist es völlig unerheblich, wodurch der Preissturz überhaupt verursacht wurde. Die Zeitungen sind natürlich voll von Mutmaßungen und Erklärungsversuchen. Was jedoch auffällt ist die Tatsache, dass die Gründe, die heute für den Absturz der Preise verantwortlich gemacht werden, vor einigen Wochen den explosionsartigen Anstieg der Preise erklären mussten. Zusätzlich wird noch suggeriert, Silber sei nur etwas für Glücksritter und nicht geeignet zum Vermögensschutz. Wer diesen Meinungsmachern auf den Leim geht, findet sich demnächst bei den Schafen wieder, die zur Schlachtbank geführt werden. (…) Wir sind uns sicher: Was wir gerade erleben ist ganz großes Theater. Mehr davon noch in den nächsten Monaten und Jahren.“ Seinerzeit schrieben wir außerdem: „Silberinvestments, das zeigt schon die Geschichte, sind nichts für schwache Nerven.“

Wir halten die Preiseinbrüche für gesteuert. Über Wochen vorher nahm die Euphorie gegenüber den Anlagen in Gold und Silber überschwengliche Ausmaße an, was ihren Niederschlag sogar in den Mainstream-Medien gefunden hat: „Deutsche flüchten in CHF und Gold“ schrieb beispielsweise die Wirtschaftswoche am 27.08.2011 in ihrer Onlineausgabe, „Pictet erwartet Goldpreis bei 3’000 Dollar“ titelte am 20.09.2011 finews.ch (Pictet ist eine Schweizer Privatbank, Anm. d. Verfasser). Auf der anderen Seite erlahmte das Interesse an Aktien und Staatsanleihen zusehends. Dieser Entwicklung musste unbedingt Einhalt geboten werden. Noch einmal funktionierten die Instrumente der Manipulateure: Innerhalb weniger Stunden drehte der Goldpreis und sackte ab. Unvermittelt setzte wieder die Nachfrage nach Aktien und Staatsanleihen ein. Seit dem sind der Spekulation über die weitere Entwicklung der Gold- und Silberpreise wieder Tür und Tor geöffnet. Eine Kostprobe lieferte schon am 27.09.2011 die Onlineausgabe der Frankfurter Rundschau mit der Überschrift „Nach dem Goldrausch“, oder einen Tag später n-tv mit der ähnlichen Aussage „Das Ende des Goldrauschs“. Die bereits zitierte finews.ch titelt statt dessen am 07.10.2011: „James Turk: „Jeder sollte sich mit Gold eindecken“ (Anm.: James Turk ist US-Ökonom).

Erst gestern titelte manager-magazin.de „Deutsche besitzen 4,8 Billionen Euro“. Vermögen, vornehmlich angelegt in Lebensversicherungen, Bausparverträge, Tages- und Festgeld, Bundesschätzchen. Dieses Vermögen bürgt für den deutschen Staat und seine nationalen und internationalen Verpflichtungen. Seit 2008 werden im Zusammenhang mit offenen (HRE, Commerzbank) und versteckten (Euro-Rettungsschirm) Maßnahmen zur angeblichen Bankenrettung von Deutschland viele Hundert Milliarden Verpflichtungen eingegangen. Bei knapp über 2 Billionen offiziellen Staatsschulden reicht das Vermögen der deutschen Staatsbürger locker, um dafür einzustehen. Tatsächlich reicht es aber schon lange nicht mehr. Niemand kennt die Verpflichtungen aus den Schattenhaushalten (Beispiel: Finanzmarktstabilisierungsgesetz) oder die implizierten Staatsschulden genau. Von bis insgesamt zu 8 Billionen Euro ist schon heute die Rede. Da wird es dann schon mal eng mit dem Ausgleich durch das deutsche Privatvermögen.

Deshalb arbeitet die deutsche Regierung auch mit Hochdruck an geeigneten Gesetzen, um den Zugriff auf diese Vermögen so leicht wie möglich zu realisieren. Neben Anleihen in der deutschen Vergangenheit gibt es auch ganz neue, moderne Gesetze, die den schnellen Zugriff regeln. Selbst der Goldbesitz kann dann kriminalisiert und unter empfindliche Strafen gestellt werden. Einzelheiten dazu haben wir am 05.07.2011 in der Standpunkt-Ausgabe 23 mit der Überschrift „Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung – eine Übersicht“ zusammen getragen. Bitte dort nachlesen. Aber Achtung: Ernüchternd.

In den Bilanzen der Banken weltweit faulen geschätzte 700 – 1000 Billionen USD Wertpapiermüll vor sich hin. Unterlegt mit echten Vermögenswerten von gerade einmal 60 Milliarden USD. Wer glaubt überhaupt noch ernsthaft daran, diesen Mißstand durch irgendeine nützliche Maßnahme beheben zu können? Mit Geld aus der realen Welt ist das einfach nicht zu machen. Die Weltjahreswirtschaftsleistung liegt aktuell bei gerade einmal rund 60 Billionen USD, d. h. die gesamte Menschheit müsste mehr als 10 Jahre von „Luft und Liebe“ leben, nur um diesen Schuldenberg abzubauen. Trotzdem haben sich seit Oktober 2008 viele Staaten der realen Welt hoffnungslos verschuldet, um zu retten, was zu retten ist. Sehr gut abzulesen an der Entwicklung der Staatsverschuldung von Ländern wie z. B. Griechenland, Irland, Großbritannien. Andere erklären sich kurzerhand für krisenresistent, machen einfach weiter und züchten neue Blasen, wie Australien oder China. Das Ganze angereichert durch die weltweit operierenden Finanzkonzerne aus Amerika und Europa, die munter – als wäre nichts geschehen – ihr Finanz-Casino weiter betreiben und damit neuen Müll produzieren. Diese Gemengelage nutzen die USA aus, um gegen den Euro einen Währungskrieg zu führen, bei dem sie bisher noch jede Schlacht gewonnen haben.

Es ist absehbar, dass die Staatsschulden irgendwann von den Staatsbürge(r)n übernommen werden müssen. Davor gilt es sich, wenigstens teilweise, zu schützen. Von Tag zu Tag dringender. Das geht nur mit Gold und Silber, wobei wir nach wie vor Silber favorisieren, da wir früher oder später mit  einem Goldbesitzverbot, ähnlich dem von 1933 bis 1974 in den USA, rechnen. Wer sich trotzdem eingehend mit Gold beschäftigen will, dem empfehlen wir unsere Standpunkt-Ausgabe 64 vom 01.09.2011 zum Thema.

Egal, ob Gold oder Silber: Es gibt keinen vernünftigen Grund, irgendeiner Währung den Vorzug zu geben. Warum, hat der US-Bankier J.P. Morgan, zu seiner Zeit einer der mächtigsten Männer der Welt, 1912 in wenigen Worten zusammengefasst: „Gold and silver are money. Everything else is credit.”

Vor diesem Hintergrund spielt jedenfalls die Preisentwicklung keine Rolle. Sogar wenn die Preise noch weiter nach unten gehen, gibt es keinen Grund, an der Morgan’schen Aussage zu zweifeln. Das sind beste Kaufgelegenheiten, sonst nichts.  

Übrigens, selbst Alan Greenspan hat sich 1966 unter der Überschrift „Gold und Freiheit“ sehr eingehend mit den Vorzügen des Goldes beschäftigt und erkannt: „Staatsverschuldung ist schlicht und ergreifend ein Mechanismus für die „versteckte” Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es schützt Eigentumsrechte. Wenn man das erst einmal begriffen hat, ist die Feindschaft (…) gegen den Goldstandard nicht mehr schwer zu verstehen“ (Quelle: mises.de). Schon wenige Jahre später, 1973, wurde von US-Präsident Nixon das goldbasierte Bretton-Woods-System aus dem Juli 1944 zu Gunsten freier Wechselkurse „einkassiert". Heute steht dieses System vor dem Ende.