Montag, 7. November 2011

Standpunkt 93 - Gold-Schatz - weg!


Die Mär vom deutschen Gold-Schatz

Ein Aufschrei der Entrüstung geht gerade durch Deutschland. Für die Euro-Rettung soll das deutsche Gold angezapft werden. Undenkbar. Die faz.net hat es entdeckt und am 05.11.2011 unter der Überschrift „Euro-Retter wollen an Goldschatz der Bundesbank“ gleich medienwirksam veröffentlicht. Der Autor schreibt: „Mithilfe der Goldreserven der Bank soll die Haftung Deutschlands in der Schuldenkrise um mehr als 15 Milliarden Euro erhöht werden.“ Weiter heißt es dort: „Die Regierungen Frankreichs und Deutschlands planen einen Angriff auf die Unabhängigkeit der deutschen Bundesbank. Ziel sind deren in Jahrzehnten aufgebauten Gold- und Devisenreserven.“

Am nächsten Tag titelt welt.de: „Die Goldreserven der Bundesbank sind heilig“. Und weiss gleich schon die Konsequenzen: „Wer die Finanzreserven der Nationalbanken für die Euro-Rettung opfert, riskiert Proteste, die denen in den Schuldenstaaten in nichts nachstehen werden.“

Die Online-Ausgabe der Financial Times Deutschland sieht es unter der Überschrift: „Kampf um den Schatz der Bundesbank“ (ftd.de, 06.11.2011) dagegen als „eine fast schon zwangsläufige Entwicklung der Euro-Krise“.

Deutlich überwiegen jedenfalls die Gegner einer solchen Maßnahme. Nur, warum diese Aufregung? Um wieviel Gold geht es eigentlich?

Immer wieder geistert im Zusammenhang mit den deutschen Goldreserven eine Zahl von um die 130 Milliarden Euro durch die Medien, abgeleitet von den Angaben des World Gold Council. In diesem Jahr werden 3.401 to (Stand 30.06.2011) angegeben. Am 05.11.2011 so auch im Schweizer Tages-Anzeiger abgedruckt.

Entscheidend ist aber eine ganz andere Frage. Wo lagern die deutschen Goldbestände? Hier gehen die Annahmen bisher auseinander. Irgendwo zwischen 80 und 90% soll der Anteil liegen, der nicht unter der Verfügungsgewalt Deutschlands gelagert wird. Die Bundesbank hält sich dazu mit Angaben vornehm zurück, bzw. weicht entsprechenden Anfragen aus. Sicher ist aber eins: Die Goldreserven liegen überwiegend in US-amerikanischen und englischen Tresoren, ein bisschen auch in französischen. Ein Überbleibsel aus den ersten Jahren nach Ende des 1000jährigen Reiches des GröFaZ aus Österreich. Wir selbst haben aufgrund unserer US-Quellen rund 16% des deutschen Goldschatzes der Verfügungsgewalt der Bundesbank zugute gehalten.

Offensichtlich war das viel zu hoch gegriffen. Wie sonst ist zu erklären, dass mit der deutschen Goldreserve die Haftung nur um 15 Milliarden Euro erhöht werden kann? D. h. doch unmissverständlich, die deutsche Bundesbank hat tatsächlich nur Zugriff auf gut 11% des  deutschen Goldes. Läuft hier vielleicht über Jahrzehnte schon eine Enteignung des deutschen Volkes?

Jeder muss sich die Antwort selbst geben. Sicher ist aber: Die in den USA und Großbritannien gelagerten deutschen Goldreserven sind verloren. Davon sind unsere US-Quellen felsenfest überzeugt. Der verschwindend kleine Teil in Frankreich könnte noch verfügbar sein, sicher ist das nicht.

Vor diesem Hintergrund finden wir den Kampf um Deutschlands Goldschatz nur ein gut inszeniertes Schauspiel, aufgezogen für seine Bürge(r)n. In Wirklichkeit: Viel Lärm um Nichts.