Dienstag, 22. November 2011

Standpunkt 97 - Eurokrise? Europas Krise!


Fahrplan Euro-Krise

Schon viel haben wir zur Euro-Krise geschrieben und gerne würden wir endlich von diesem Dauer-Thema ablassen. Leider gibt es aber immer wieder neu Anlass, sich mit der Entwicklung dieser Krise zu beschäftigen. Besonders deshalb, weil wir schon seit Monaten zu den Wenigen gehören, die die sogenannten Spekulationen gegen bestimmte Länder der Euro-Zone als Währungskrieg Dollar vs Euro einstufen und aktuell erleben dürfen, dass diese Auffassung in der öffentlichen Wahrnehmung täglich mehr Aufmerksamkeit gewinnt. Außerdem erfahren wir eine ganz besondere Wertschätzung: Unsere Prognosen seit November 2010 zur Entwicklung dieser Krise erweisen sich als 100%ig treffsicher. Stellvertretend verweisen wir hier nur auf unsere Jahresvorausschau im Januar und die Halbjahresbilanz in Ausgabe 25/2 am 13.07.2011. Natürlich haben wir noch an vielen anderen Stellen in unserem Blog dazu Stellung genommen. In diesem Zusammenhang unbedingt auch die Ausgabe 75 „Die Triple-A Märchen“ lesen.

Es ist unser Anspruch, früher als alle Anderen, über die Entwicklungen in diesem Währungskrieg zu informieren, die Auswirkungen zu bewerten und Denkanstösse anzubieten. Heute ist es wieder soweit.

Die Nachrichten, die uns in den letzten Stunden aus Amerika erreichen, sind für die weitere Entwicklung der Euro-Krise schlicht besorgniserregend. Demokraten und Republikaner einigen sich nicht auf eine Schuldenreduktion, Fitch warnt die USA vor einer Herabstufung, Moody’s droht Frankreich mit einem unmittelbar bevorstehenden Verlust des Top-Ratings, die US-Regierung droht dem Iran mit schärferen Sanktionen, es ist ebenfalls Moody’s, die einen ersten Angriff gegen Deutschland starten („Risiken für das deutsche Finanzsystem erheblich gestiegen“, finanznews.de, 21.11.2011).

Was bedeutet das für Europa? Der Druck auf die Euro-Zone wird sich erneut verstärken, am Ende wird auch Deutschland sturmreif geschossen!

Die PIIGS-Staaten und Frankreich werden mit immer neuen Attacken drangsaliert. Die Übergangsregierungen in Griechenland und Italien bleiben wirkungslos. Ebenso die neue konservative Regierung in Spanien. In Portugal fürchten sich oppositionelle Kreise vor einem Militärputsch. Irland wird immer mal wieder von IWF und Brüssel „schön-gelobt“, aber ohne Unterstützung durch die tatsächlichen Fakten.

Alle, ausnahmslos alle, Sparprogramme in den betroffenen Ländern bleiben kontraproduktiv, d. h. verschärfen die Situation nur noch, statt für Besserung zu sorgen. Das Gegenteil wäre nötig, nur fehlt dazu die Einsicht, oder auch der Mut. Deutschland generiert sich oberlehrerhaft als Einpeitscher dieser Sparprogramme, weil es nur dafür einen halbwegs parteiübergreifenden Konsens gibt. Merkel gebärdet sich wie die Kaiserin von Europa, dabei agiert sie ohne Sinn und Verstand für die aktuellen Probleme in Europa.

Deshalb ist klar, wie die Sache weitergeht. Die Spekulanten knöpfen sich nach und nach noch alle anderen Länder der Euro-Zone vor. Dazu ist jedes Mittel recht. Gut zu beobachten am Theater um das Rating für Frankreich, bestens orchestriert zwischen Standard & Poors und Moody’s. Wer hier noch an objektive Fakten glaubt, ist selber schuld.

Italien wird gerade gestürmt. Danach Frankreich, Belgien, im Vorbeigehen auch noch kleinere Länder. Natürlich auch Österreich, Finnland und die Niederlande. Bis dann Deutschland an der Reihe ist.

Wir befürchten, erst dann wird Europa aus den Trümmern aufstehen und sich zur Wehr setzen. Viel zu spät und dann wird es auch richtig teuer. Für jeden einzelnen Staatsbürge(r)n Europas!

Es gibt nämlich aus unserer Sicht längst keine andere Option mehr, als erst einmal mit FED und Bank of England gleichzuziehen und mittels EZB Euros zu drucken. Alles andere, wie nationale Währungen, Auflösung der EU, Austritt der PIIGS-Staaten, Nord-Süd-Euro, sind graue Theorie einiger verblendeter deutscher National-Ökonomen und Verbandsfuzzis, sonst nichts. Niemand weiß, was das kostet oder wie es überhaupt praktisch durchzuführen ist. Das ist denen auch gar nicht wichtig. Alles nur Schwadroniererei von akademischen Dünnbrettbohrern. Das zuletzt mehrstimmig geforderte Zurück in die europäische Kleinstaaterei die Schnapsidee Verblendeter.

Für Strukturmaßnahmen statt Sparprogramme ist es erst einmal zu spät, die müssen mittelfristig „nachgereicht“ werden. Genauso die dringend notwendigen Reformen am Maastricht- und Lissabon-Vertrag. Dafür fehlt die Zeit. Nur die Sparprogramme können sofort zurückgenommen werden. Gerne auch die diversen Garantieerklärungen für die Großbanken. Damit würden sich die Staatsschulden in den betreffenden Ländern sofort deutlich reduzieren. Können ja in einen EU-Banken-Sonderfonds übertragen werden. Gegen Abtretung werthaltiger Sicherheiten der Banken, so überhaupt noch vorhanden. Andernfalls eben Abwicklung. Es könnte so einfach sein. Was fehlt, hat drei Buchstaben: Mut.

Dann werden auch endlich die Schweizer die Hand zum Schwur heben müssen, wie es um ihre beiden Großbanken bestellt ist und den Garantien dafür. Unsere regelmäßigen Leser wissen: Wir halten die Schweiz für einen gigantischen Hedge Fonds.

Die von uns beschriebene Entwicklung spielt sich in den nächsten Wochen, nicht Monaten, ab. Was danach kommt, haben wir in unserer Ausgabe No. 23, vom 05.07.2011, mit der Überschrift „Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung – eine Übersicht“ eindringlich beschrieben. 

Zum Schluß nur noch eins: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Immanuel Kant)