Donnerstag, 8. Dezember 2011

Standpunkt 111 - Währungskrieg in Europa


Europa im Währungskrieg!

Bei dem Update unserer Standpunkt-Ausgabe No. 106 am 06.12.2011, um 14.16 Uhr, haben wir gepatzt. Was wir bedauern, mittlerweile auch in Ordnung gebracht haben. Tatsächlich war es nämlich nur „ft.com“, die mit der S&P-Meldung weit vor allen anderen vorgeprescht war. Der von uns in dieser Aktualisierung zitierte „Guardian“ war sehr viel später dran. Wahrscheinlich waren wir noch berauscht von der Tatsache, mit dieser Meldung den Etablierten zuvor gekommen zu sein. Die Fakten haben wir jedenfalls immer korrekt wiedergegeben.

Als Ausgleich für diese kleine Nachlässigkeit bieten wir in diesem Beitrag eine Zusammenfassung unserer Statements an, die wir seit Ausgabe 1, da noch unter dem Titel „Wochenrückblick“, zum Thema „Euro-Krise“ abgegeben haben.

Durch die von S&P angedrohten diversen Ranking-Abwertungen ist eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Trotz aller Beschwichtigungsversuche von Politik, Wirtschaft und Finanzindustrie. Da ist es wichtig, alle Informationen parat zu haben.

Wir haben bereits in Ausgabe No. 2, vom 06.12.2010, im Zusammenhang mit den Spekulationen gegen den Euro klar und unmissverständlich von einem Währungskrieg geschrieben. Da standen Ökonomen, Politiker, Bank-Lobbyisten, Wirtschaftsjournalisten oder wie sie sich gerne sachverständig nennen, noch am Beginn ihrer „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, verdammten die nachlässigen Griechen für ihren Schlendrian und lamentierten über Irlands gigantische Bankenhilfen. Andererseits erklärte der deutsche Außenminister dem aufgeschreckten Publikum, „Portugal und Spanien werden die Krise ohne Hilfe meistern“.

Schon in Ausgabe No. 1, vom 29.11.2010, haben wir erklärt, dass „nacheinander Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, neuerdings Belgien, sturmreif geschossen werden“. An anderer Stelle heißt es: „Was wir erleben ist die massive Spekulation gegen den Euro, um den Dollar so lange wie möglich am Leben zu erhalten. Logisch gehen die Angriffe gegen die schwachen Länder der Euro-Zone.“

In der bereits zitierten Ausgabe No. 2 schreiben wir dazu weiter: „Die Angriffe gegen den Euro haben nur das eine Ziel, von den immensen Problemen und dem enormen Handlungsdruck der USA abzulenken. Die Begründungen für die Angriffe gegen PIIGS-Staaten sind konstruiert. Die angeblichen Probleme dieser Länder sind seit Jahren hinlänglich bekannt, nichts davon ist neu. Klares Indiz dafür sind die Herabstufungen durch die Rating-Agenturen, nachdem die betroffenen Länder die geforderten Sparbeschlüsse gefasst haben. (…) Damit soll die Euro-Festung nur noch weiter kaputt geschossen werden.“

Selbst die Fortsetzung der Krise sehen wir klar und deutlich voraus: „Schon Anfang 2011 geht es mit Portugal weiter. Spanien, Italien werden folgen. Unausweichlich. Sogar Frankreich wird Probleme bekommen. Für Deutschland wird es dann auch brenzlig.“ Geschrieben in Ausgabe No. 3, veröffentlicht am 13.12.2010.

So geht es tatsächlich weiter. „Die Euro-Krise schwelte auch über die Feiertage weiter. Portugal und Spanien unter Druck. (…) Belgien gerät langsam ins Fadenkreuz der Spekulanten. (…) Es wird immer offensichtlicher: Griechenland, Irland, Portugal sparen sich kaputt. (…) Die Ratings wurden trotzdem auf Ramschniveau herab gestuft.“ Steht so in unserer Ausgabe No 6, vom 03.01.2011.

Unsere Meinung in Ausgabe No. 7/8, vom 17.01.2011: „Nach wie vor gilt, dass die Angriffe gegen den Euro nur von dem amerikanischen Patient so lange wie möglich ablenken sollen. Die Spekulationen alleine werden den Euro nicht stürzen können, aber sie schwächen Europa wirtschaftlich und politisch, was gut ist für die USA und China.“ Außerdem: „Spanien wehrt sich mit allen Mitteln gegen das aufziehende Unheil. Es wird vergeblich sein. (…) Wir sehen in Italien den nächsten ernsthaften Kandidaten für einen Angriff.“

Mitte Januar 2011 erscheint unsere Jahresvorausschau 2011. Dort schreiben wir: „Die Angriffe auf den Euro sind genau dosiert und verfolgen ein Ziel: Den wertlosen US-Dollar mit allen Mitteln zu verteidigen, so lange es nur geht. Die Europäer reagierten bisher wie erwartet uneinig und hilflos. Zwischen den vielen nationalen Interessen gehen alle sinnvollen Vorschläge unter. Jetzt zahlt es sich aus, dass die USA seinerzeit, mit erheblichem politischen Druck gegenüber den damaligen EG-Ländern, eine politische Union verhindert haben.“ Weiter schreiben wir: „Betrachten wir die aktuellen Zustände in Europa, bzw. in der Euro-Zone, so fällt auf, dass eine unserer Vorhersagen im Dezember 2010 zu der weiteren Entwicklung der Euro-Krise vollkommen richtig war: Portugal wurde sofort nach Neujahr von den Spekulanten wieder angegriffen, Spanien wird „bearbeitet“, Belgien gerät in den Fokus, Irland und Griechenland werden schon einmal – vorsorglich - für bankrott erklärt. (…) Versuchsweise wird hier und da auch schon einmal über Frankreich, noch vor Italien, als nächstes Opfer spekuliert.“ Schon da erkennen wir: „Übrigens, China wird den Euro nicht retten. China geht es ausschließlich um politische Einflussnahme und knallharte wirtschaftliche Vorteile.“

Kurze Zeit später, in Davos, rufen während dessen „führende Politiker und Banker das Ende der Euro-Krise aus“, behaupten, „dass sich die Lage spürbar beruhigt habe und das Schlimmste überstanden sei“. Die damalige franz. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde erklärt an gleicher Stelle, „ich denke, die Euro-Zone hat die Kurve bekommen“ und der deutsche Bundesfinanzminister „warnte Anleger davor, noch gegen den Euro zu wetten“. Wir stellen fest: „Spanien ist schwer angeschlagen.“ Quelle: Unsere Ausgabe No. 9, am 24.01.2011.

Ganz neu: „Schweden rückt in unser Blickfeld.“ Der schwedische Finanzminister sieht „ernsthafte Risiken“ im Immobilienmarkt des Landes. Aus Ausgabe No. 12, vom 14.02.2011.

Griechenland, Spanien und Portugal werden weiter „im Rating herunter gestuft“, Griechenland von Moody’s sogar gleich abgeschrieben“. Wir sagen: „So wird es weitergehen. Das Ganze ist eine Farce.“ Aus Ausgabe No. 15/16, veröffentlicht am 14.03.2011.

Eine Woche später schon: „Portugal (…) schlüpft unter den EU-Rettungsschirm. (…) Spanien wird der nächste Kandidat, allen Gesundbetungen zum Trotz. Finanzial Times Deutschland schreibt am 08.04.2011: „Domino-Effekt in der Euro-Zone nicht in Sicht“. Zitiert aus Ausgabe No. 17, 21.03.2011.

In der Ausgabe No. 18, vom 28.03.2011, schreiben wir: „Die Euro-Zone wird weiter von anglo-amerikanischen Spekulanten und deren Verbündeten attackiert. Bisher sehr erfolgreich. Staat für Staat fällt diesen Attacken zum Opfer. Als nächstes Spanien. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen von EU und IWF.“ Vorausschauend stellen wir fest: „Politisch motiviert wird es zu Umschuldungen bei Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, usw., kommen. Als Folge davon werden die betroffenen Länder endgültig verarmen und von den übrigen EU-Ländern dauerhaft gestützt werden. Die bisher so geschmähte Transferunion wird dadurch unausweichlich. Übrigens würde daran auch die Abschaffung des Euro nichts ändern.“

Zwei Ausgaben später, in No. 20, erschienen am 23.05.2011, ist das unser Top-Thema: „Griechenland – Umschuldung oder was? Oder: „Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr.“ Hier die wichtigsten Passagen:

„Die überraschende Festnahme des Franzosen Dominique Strauss-Kahn, Chef des IWF, (…) bedeutet eine massive Verschärfung des Währungskrieges gegen den Euro. Um nichts anderes geht es: Die Amerikaner müssen mit allen Mitteln den Euro schwächen, damit der Dollar weiter unangefochten seinen Status als Welt-Reservewährung behält und so von der US-Regierung und der privaten US-Notenbank Fed die Pleite Amerikas noch für längere Zeit verschleiert werden kann.

Noch einmal: Die USA, unterstützt von Großbritannien, führen einen Währungskrieg gegen den Euro! Gäbe es diesen Währungskrieg nicht, der Euro hätte das Zeug zur Reservewährung, könnte mittelfristig den US-Dollar sogar ersetzen. Daran hat Amerika natürlich kein Interesse. Nach nur 10 Jahren EWU werden schon 30 % der weltweiten Devisenreserven in Euro gehalten. Zum Vergleich: Dollar 60 %, Yen, Pfund-Sterling, Schweizer Franken, andere 10 % (Quelle: ZEIT, 05.05.2011). Beweis für die international anerkannte Stärke des Euro. Nur zu Hause, in Europa, gilt die Währung offensichtlich nichts.

Deshalb ist es bisher ein leichtes Spiel für die USA und ihre Verbündeten gewesen, den Euro mit Hilfe ihrer Banken, Hedge-Fonds, Rating-Agenturen, usw., in einer konzertierten - besser noch konzentrierten - Aktion schon seit Monaten so stark unter Druck zu setzen. Logisch, dass die Angriffe sich zuerst gegen die schwächsten Glieder der Euro-Kette richten, die sogenannten PIGS-Staaten (Portugal, Irland, Griechenland, Spanien). Der Einstieg des IWF in die Rettungsaktionen für die PIGS-Staaten diente wieder einmal den amerikanischen Interessen und wurde anfangs von den USA massiv unterstützt. Lassen wir Mr. Dax, Dirk Müller, diese Sache für uns kommentieren: „Es ist ausgemachter Irrsinn, die Amerikaner in die europäische Region mit hineinregieren zu lassen. Der IWF ist bekanntlich der verlängerte Arm der USA, und die hatten schon immer ein geringes Interesse an einem starken und einigen Europa.“ (Quelle: Handelsblatt, 21.04.2010).

Die USA wünschen sich für Griechenland eine Umschuldung. Quasi als Einstieg. Die Folgen einer solchen Umschuldung sind bekannt, Argentien läßt grüßen. Das würde die gesamte EU in Mark und Bein treffen. Genau darauf baut Amerika. Irland, Portugal, Spanien, usw., sollen folgen. „USA fordern den Insolvenzverwalter“ titelte das MANAGER-MAGAZIN am 09.05.2011.

Jedenfalls hätte ein Schuldenschnitt in den PIGS-Staaten für die USA den besonderen Charme, irgendwann in der Zukunft gegenüber der restlichen Welt selbst einen solchen Schritt für die eigenen Schulden vorzuschlagen. Ein Schuft, wer dabei Böses denkt.

Innerhalb Europas haben die USA viele Unterstützer. Die Blutsbrüder aus Großbritannien (selbst schon über-bankrott), die Freunde aus Italien (von denen jetzt einer Chef der EZB werden darf), oder auch die sehr Willigen aus Polen.“

Die nächsten Schritte in der nächsten Ausgabe, No. 21, vom 11.06.2011: „Die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch greifen die Bonität Italiens und Belgiens an. Beide Länder werden verwarnt und der Ausblick jeweils von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Vor wenigen Tagen wurde dann sogar Frankreich angemahnt. Nur eine Fußnote ist die Herabstufung des Euro-Landes Zypern, dem seine Abhängigkeit von Griechenland zum Verhängnis wird. Griechenland wurde von Moody’s gleich noch einmal um drei Stufen abgewertet, das ist absolutes Ramschniveau.“

Ausschliesslich mit der Situation in Europa befassen wir uns im Standpunkt, Ausgabe No. 25/2, vom 13.07.2011, einer Aktualisierung der Jahresvorausschau 2011 aus dem Januar. Die wichtigsten Auszüge: „Wieviel klarer sehen wir die Dinge: Schon seit vielen Monaten erklären wir unseren Lesern die weitere Entwicklung des Währungskrieges gegen den Euro direkt vor unserer Haustür. Spanien, Italien sind für uns nur weitere Wegmarken dieser Auseinandersetzung zwischen der Welt-Leitwährung US-Dollar und der Welt-Reservewährung Euro (vgl. Ausgabe 7/8). Es wird noch nicht das Ende sein. Dafür verbürgen wir uns. Nicht für die Euro-Zone, aber auch nicht bei den übrigen Mitgliedsstaaten der EU.

Erst die prinzipielle Zahlungsunfähigkeit der USA und deren viel zu große, unerfüllbare Verbindlichkeiten (Prof. Kotlikoff, Boston University, FAZ, 09.05.2011) sorgen für die Spekulationen gegen den Euro, vorläufig adressiert an die PIIGS-Staaten.

Wie geht es weiter? Mit Italien ist das nächste Opfer gefunden. Das sorgt für einen heißen Sommer in Europa. Frankreich rückt ins Blickfeld. Weitere Aspiranten sehen wir am Horizont. Alle reden von Belgien, wir außerdem von Schweden und Dänemark. Längst auch von Großbritannien und der Schweiz. In Schweden droht eine Hypothekenkrise, in Dänemark eine Banken-Pleitewelle, Großbritannien hängt am US-Tropf, die Schweiz ist ein einziger riesiger Hedge Fonds (vgl. Ausgabe No. 5, 12).

Wegen der zaghaften deutschen und französischen Haltung toben sich auch die Rating- Agenturen aus. Ramsch-Niveau für Griechenland, Portugal, Irland, erste Herabstufungen für Spanien und Italien, Drohungen an Belgien. Weitere Herabstufungen für diese Länder werden – natürlich – nicht ausgeschlossen. Vorsorglich wird schon einmal von Standard & Poor’s das italienische Sparpaket, am selben Tag vom Chef der Bank UniCredit ausdrücklich gelobt, als unzureichend eingestuft. Paßt in unser Bild: Italien wird gerade sturmreif geschossen.

Die Rolle der Ratingagenturen verdient in diesem Währungskrieg besondere Beachtung. Deren Bewertungen sind nicht nachvollziehbar und widersprechen immer wieder den Fundamentaldaten. Die Agenturen sind kommerzielle, profitorientierte Unternehmen, frei von jeder Haftung für ihre Ratings. Deshalb haben deren Einstufungen nichts zu tun mit der Wirklichkeit in den betroffenen Ländern, siehe USA und Japan. Beide Länder werden ihre Schulden nie und nimmer bedienen können, geniessen aber immer noch beste Bonität.

Bisher gilt für die Euro-Krise: Gut vorbereitete Angriffe treffen auf eine schwache Verteidigung.

Erhält sich Europa einen letzten Rest von Souveränität, was aus unserer Sicht heute noch nicht entschieden ist, dann wird die Euro-Krise einem Bumerang gleich in den USA einschlagen. Italien könnte der Auslöser werden, hier sind US-amerikanische Geldmarktfonds, ähnlich wie in Spanien, stark investiert. Selbst für die USA ist es deshalb längst ein Ritt auf der Klinge, immer weiter den Euro noch unter Druck zu setzen.“

Als Ergänzung verweisen wir an dieser Stelle auf den Standpunkt, Ausgabe No. 75, vom 23.09.2011, mit dem Titel „Die Triple-A Märchen“. In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit den verbliebenen Triple-A-Ratings und wie wir deren Entwicklung sehen. Einige unserer Einschätzungen beginnen sich zu bewahrheiten. Wir sehen keinen Grund, unsere dortigen Aussagen zu ändern. Es läuft nach Plan.

Ebenfalls zur Ergänzung hier der Hinweis auf die Standpunkt-Ausgabe No. 78, Titel „Barack Obama: Der Schelm aus Washington“, erschienen am 27.09.2011. Wir werfen einen Blick auf die amerikanische Situation und warum die USA weiter an der Schraube Euro-Krise drehen. Ein Auszug: „Die miese Stimmung zu Hause muss kompensiert werden. Da kommt dem Präsidenten die Euro-Krise gerade recht. Nachdem in den letzten Wochen Greenspan, die Ratingagenturen und die vielen US-Freunde aus nah und fern, Europa mit ihren abfälligen Äusserungen vor sich her getrieben haben, greifen jetzt der Präsident und sein Finanzminister ein. Der Schwarze Peter wird flugs den Europäern untergeschoben.

Es ist nämlich (noch) nicht gelungen, den Euro entscheidend zu schwächen. Amerika, so unsere Einschätzung, hätte einen schnellen Erfolg gebraucht, um den US-Dollar nachhaltig als Weltleitwährung zu stützen. Statt dessen ringt Europa seit Monaten um eine Lösung, ohne dass der Euro in dieser Zeit seinen Status als Weltreservewährung ernsthaft gefährdet. Andererseits mehren sich die Forderungen nach einem neuen Weltwährungssystem, in dem der US-Dollar nur eine Währung unter vielen sein soll. Eine Entwicklung, bei der Amerikas Wirtschaftsmacht weiter zerfällt.

Obamas jüngste Äusserungen sind eine propagandistische Meisterleistung. Viele werden erst einmal darauf hereinfallen. Glücklicherweise ist die Nachhaltigkeit nur sehr gering. In wenigen Tagen ist alles schon wieder vorbei (vgl. die Greenspan-Äusserungen zum Euro). Der Schwarze Peter sucht sich dann wieder sein altes Zuhause.“

Nur wenige Tage später, am 04.10.2011, überschreiben wir die Standpunkt-Ausgabe No. 81 so: „Bankenkrise in Europa: Gewinnt Amerika Währungskrieg gegen den Euro?“ Am Tag vorher wurde die französisch-belgische-luxemburgische „Dexia-Bank“ unter Feuer genommen. Was war passiert? Hier die wichtigsten Auszüge des Beitrags:

„Schon seit einigen Wochen werden in den einschlägigen US-Blogs die europäischen Banken aufgrund der Euro-Krise niedergeprügelt. Im Focus standen vornehmlich französische, italienische und spanische Banken. (...) Diese Einschätzung hat dann, mit einigem Zeitversatz, Eingang in die deutschsprachigen Medien gefunden. Selbst die sogenannten „freien Medien“ haben sich dankbar auf diesen Knochen gestürzt, der von den Amerikanern über den Großen Teich geworfen wurde.

Favorit für den ersten Crash war danach die französische Großbank Société Générale, deren Engagements in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal als höchst verlustreich eingestuft wurden. Dicht gefolgt von dem Crédit Agricole, einer weiteren französischen Großbank. Deutlich ist hier ein Schema zu erkennen: Nach Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien, wird nun im Währungskrieg US-Dollar vs Euro Frankreich sturmreif geschossen. Herabstufungen durch die Ratingagenturen sind die Folge, negative Ausblicke werden angedroht. Nur: Diese Banken wanken, aber sie fallen nicht. Wieder einmal sieht es so aus, ähnlich wie bei den Angriffen durch Greenspan, Geithner oder Obama, dass die Wirkung viel zu schnell verpufft.

Logische Konsequenz: Seit gestern steht die wesentlich kleinere französisch-belgisch-luxemburgische Kommunalbank Dexia im Feuer. Moody’s droht gleich mit einer Herabstufung, die Zeit drängt. Schliesslich stehen die big player Amerikas schon wieder „under water“, sind bereits herabgestuft oder stehen kurz davor. (...) Die Liste der Schwierigkeiten bei den Top-10-US-Banken ist lang und wird von Tag zu Tag länger.

Für die Wall Street und Obama, den Schelm aus Washington, ist es überlebenswichtig, den Europäern die Schuld an dem kommenden Debakel in die Schuhe schieben zu können.“

Unser Fazit am Schluss war deshalb: „Die Chancen stehen schlecht für Europa, noch Boden gut zu machen. Amerikas Angriffe sind gut vorbereitet und werden aus dem Kreis der EU27-Länder unterstützt. Deshalb ist es auch völlig unerheblich, wie sich Europa zur Wehr setzt. Keiner der vielen Lösungsvorschläge, egal aus welchem Lager, wird daran etwas ändern. Für die Finanzkrise 2008 war Amerika verantwortlich, für die weitere Entwicklung soll es Europa sein.“

Schon am 19.10.2011 geht es weiter. Wir titeln „Frankreich in Not...“ (Standpunkt, Ausgabe 83). Wir zitieren aus dem Beitrag:

„Frankreich war für uns längst adressiert. Aufgrund der Rating-Herabstufung der USA werden von den Agenturen alle Länder angegriffen, die bisher noch den Triple-A-Status haben.

Frankreich hat keine Chance, sich gegen diese bestens orchestrierten Angriffe zu wehren. Hier muss eine konzertierte Aktion der Euro-Zone, mit Unterstützung von Rest-Europa, her. Und zwar schnell. Was wir erleben ist das genaue Gegenteil. Den sogenannten „Spekulanten“ werden noch die Steigbügel für ihre Angriffe gehalten. Von Großbritannien, Polen, den baltischen Staaten, Ungarn, für einige Stunden auch durch die Slowakei.

Die Folge dieses handlungsschwachen Europa? Wir zählen in Wochen, nicht mehr in Monaten, dass die sogenannten „Spekulanten“ die Jagd auf Deutschlands Triple-A-Ranking eröffnen werden. Der innenpolitische Druck auf Obama und der US-Präsidentschaftswahlkampf bestimmen das Tempo.“

Wir recht wir mit dieser Einschätzung behalten haben.

Standpunkt-Ausgabe No. 86, vom 29.10.2011, überschreiben wir mit „Euro-Krise und kein Ende“ und liefern dort weitere Argumente für unsere Überzeugung von dem Währungskrieg Dollar vs Euro, der langsam aber sicher auch von der Öffentlichkeit so wahrgenommen wird. Endlich.

Wie es nach unserer Meinung weitergeht, haben wir in der Ausgabe No. 97, vom 22.11.2011, beschreiben. Überschrift: „Fahrplan Euro-Krise“.

Außerdem wenige Tage später in dem Dossier „Angie I – Kaiserin von Europa“, Standpunkt, Ausgabe 102, vom 30.11.2011. Unbedingt lesen. Natürlich auch unsere Beiträge der letzten Tage.

Der EU-Gipfel an diesem Wochenende wird, da sind wir uns sicher, außer wortreichen Absichtserklärungen – vorgetragen in kraftvollen Worten, sorgenvolle Mienen, gegenseitige Schuldzuweisungen, also öffentlichkeitswirksame Aktionen, nichts brauchbares hervorbringen. Ganz im Stile der bisherigen großen und kleinen Krisen-Gipfel.

Und der Schuldenkönig Amerika reibt sich freudig die Hände: Europa hält den Schwarzen Peter weiter fest in der Hand.

Darauf bezogen hoffen wir, dass weder Franklin D. Roosevelt, von 1933 bis 1945 32. US-Präsident und verantwortlich für einschneidende, beispielhafte Wirtschaftsreformen zur Lösung der Weltwirtschaftskrise von 1929, noch Johannes Rau,  von 1999 bis 2004 Bundespräsident, Recht behalten:

Roosevelt behauptete: “In der Politik geschieht nichts zufällig! Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war!”

Rau zum gleichen Thema: "Nicht wir Politiker machen die Politik, wir sind nur die Ausführenden. Was in der Politik geschieht, diktieren die internationalen Großkonzerne und Banken."

Haben beide Recht, gibt es Trost nur bei dem Philosophen Nicola Gomez Davila, dem der Auspruch zugeschrieben wird: „Die moderne Welt ist so kaputt, dass man keine Angst zu haben braucht, dass sie nicht untergeht.“