Dienstag, 13. Dezember 2011

Standpunkt, Ausgabe 115 - Steuerspar-Immobilien


Krisenvorsorge: Unbedingt Finger weg von Steuerspar-Immobilien!!!

Wer will nicht für die Zukunft vorsorgen? Gerade in schwierigen Zeiten wie heute. Alle Jahre wieder das gleiche Spielchen: Heerscharen von Strukturvertrieblern schwärmen spätestens ab Oktober aus, um ihre Produkte zur privaten Zukunfts- bzw. Altersvorsorge unter die Leute zu bringen. Die sich regelmäßig, nämlich auch alle Jahre wieder, die Finger so sehr daran verbrennen, dass sie auf Jahre hinaus dicke, fette Brandblasen behalten, von denen sich die meisten nie mehr erholen werden. Von Vorsorge jedenfalls keine Spur, statt dessen geht regelmässig das bereits mühsam zusammen Gesparte verloren. 

Seit über 30 Jahre ziehen diese Immobilienverkäufer, nicht zu verwechseln mit den Maklern, zum Jahresende, einer Heuschrecken-Plage gleich, über das Land. Das Phänomen: Niemand will mit diesen Leuten etwas zu tun haben. Für die ist das aber kein Problem: Freunde, Kollegen, Verwandte, werden gerne als Empfehlungsgeber und Türöffner missbraucht.

Die Produkte sind ebenfalls immer die gleichen: Wunderbare, kernsanierte oder gleich neu gebaute Eigentumswohnungen. Immer nur bestes Baumaterial verwendet, klein und schnuckelig, leicht zu vermieten, in exzellenter Lage, mit bester Ausstattung, zu günstigem Preis, dabei gleich die passende Finanzierung, hohe Steuervorteile, regelmässig nur noch wenige Exemplare, weshalb alles sehr schnell gehen muss.

Alles ohne jedes Risiko, schon vermietet, zusätzlich “vergoldet” mit einer mehrjährigen Miet-Garantie, Minus ausgeschlossen, immer mit einem Überschuss-Ergebnis am Jahresende durch super-günstige Finanzierungskonditionen und regelmässiger Steuerersparnis während der Finanzierungsphase.

Die Lügen sind aber auch immer die gleichen: Nix beste Baumaterialien, alles billig, billig. Die Wohnung ist klein, aber nicht schnuckelig. Die Versprechungen zu Lage, Ausstattung, oder Preis, halten selbst einer oberflächlichen, laienhaften Prüfung nicht stand. Beispiel Preis: Immer weit überhöht, was in der Natur der Sache liegt. Nur so können über 20% Provision, die an den oder die Vermittler gezahlt werden, und die hohen Steuervorteile für das Jahr der Anschaffung untergebracht werden. Wir kennen Fälle, wo der tatsächliche Wert der Immobilie gerade einmal bei max. 40% des Kaufpreises lag. Die tolle Finanzierung ist ein Gaunerstück, leicht zu erkennen, wenn man sich Zinssatz, Laufzeit, Disagio betrachtet. Natürlich macht die immer honorige Bank auch nicht vor kleinen Einnahmepositionen halt und berechnet Kosten für eine Wertschätzung, die aber nie stattgefunden hat, vom Vermittler aber gerne betont wird. Außerdem: Regelmässig werden Disagio und Notarkosten mitfinanziert, so dass es zu einer “100% plus X”-Finanzierung kommt, im normalen Leben eigentlich unmöglich, wo regelmässig ein Eigenkapital verlangt wird. Die Mietgarantie? Ist das Papier nicht wert, auf der sie steht. Garantiegeber ist erfahrungsgemäss eine unterkapitalisierte Gesellschaft, mit dem Bauherren und/oder dem Vertrieb auf wundersame Weise verbunden.

Sie haben Fragen an den oder die Vermittler? Kein Problem, die sind normalerweise bestens präpariert und bleiben keine Antwort schuldig, die am Ende aber immer nur ein Ziel hat: Den Abschluss, d. h. die Unterschrift unter den Vermittlungsvertrag, bzw. die Vermittlungsverträge, je nach Verkaufsmodell.

Jetzt, im Dezember, beginnt die heiße Phase, der Showdown: Die letzten Wohnungen müssen verhökert werden. Dafür wird telefoniert, argumentiert, kolaboriert, drangsaliert. 

Was bei konventionellen Immobiliengeschäften nicht funktioniert, ist hier normal: Notartermine innerhalb von Stunden sind kein Problem, selbst am 24.12. oder 31.12.2011 nicht.

Alles Zeichen für ein todsicheres Minusgeschäft der Käufer. Die Zahl der Geschädigten ist Legion. Schätzungen gehen davon aus, daß jährlich Anleger durch diese Geschäfte zwischen 30 bis 50 Milliarden Euro Verluste erleiden. Viele verlieren die Wohnung und auch noch den Rest ihres Ersparten, inklusive privater Altersversorgung. Die deutschen Banken sind bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche gnadenlos. 

Hilfe von den Gerichten? Immer noch Mangelware. Es gibt Ausnahmen, die aber nur die Regel bestätigen. Noch immer liegt die Beweislast bei den Geschädigten.

Deshalb: Finger weg von jedem Angebot, das auch nur eines der aufgezählten Kriterien erfüllt.

Warnungen in den führenden Medien gibt es leider nur zur Unzeit, kurz nachdem die Verkaufssaison zu Ende ist oder wenn im Frühjahr eine neue Gerichtsentscheidung die Runde macht. Während der Saison gibt es in der Presse seitenweise solche Angebote, da wäre eine Warnung nur schädlich fürs Geschäft.

Für alle, die bereits solche Verträge abgeschlossen haben gilt: Widerspruchsrecht nutzen. Sollte die Frist schon verstrichen sein, dann unbedingt sachkundige Hilfe in Anspruch nehmen, um zu retten was noch zu retten ist. Es lohnt sich. Das ist Krisenvorsorge im besten Sinne.

Wer noch zweifelt, der sollte das Internet befragen. Hier gibt es Antworten.