Dienstag, 20. Dezember 2011

Standpunkt, Ausgabe 122 - Wulff for President


Christian Wullf: Der behütete Präsident

Während selbst in den regierungsfreundlichen Medien die Kritik an Wulff immer lauter wird, sorgen neueste Umfrageergebnisse und Vertrauensbekundungen aus unterschiedlichen Richtungen für ein präsidiales Wohlfühlklima. Genau das richtig für die kommenden besinnlichen Tage.

Die Focus-Online-Ausgabe „focus.de“ zitiert heute den „CDU-Parteifreund“ Ruprecht Polenz mit der Überschrift „Bin mit der Amtszeit von Wulff bislang zufrieden“. In „welt.de“ heisst es dazu „FDP und Muslime nehmen Wulff in Schutz“. In diesem Artikel befindet der neue FDP-Genrealsektretär Patrick Döring, „Wulff habe umfassend Auskunft gegeben“ und  „er habe überhaupt keinen Anlass, an der Vollständigkeit und Richtigkeit von Wulffs Angaben
zu zweifeln“. Weiter zitiert das Blatt den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, der „mahnte einen schonenden Umgang mit dem Präsidenten an“. Ausserdem zu Wort meldete sich der früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Bernhard Vogel. Er „warnte vor einer Vorverurteilung Wulffs“. Nicht zu vergessen die Koalitionsführer Merkel für die CDU und Rösler für die FDP, die sich schon wiederholt mit öffentlichen Äusserungen hinter Wulff gestellt haben.

Das deutsche Volk hat sich auch schon geäussert. „SpiegelOnline“ schreibt heute „Mehrheit der Deutschen lehnt Wulffs Rücktritt ab“ und „welt.de“ schreibt „Die Deutschen stehen hinter Bundespräsident Wulff“. Na also, Zustimmung auf breiter Front. Ohne Rücksicht auf neue Offenbarungen über Zuwendungen (Maschmeyer) oder kostenlose Urlaube. Alles doch nur menschlich, diese freundschaftlichen Vorteilsnahmen. Da darf dann auch gerne behauptet werden, Wulff habe von der Maschmeyer-Zahlung für die Werbungkampagne seines Buches nichts gewusst. Lächerlich.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap, sprachen sich 70% der Befragten dagegen aus, dass Wulff zurücktritt. Allerdings halten 47% der Bundesbürger Wulff für nicht ehrlich und nur 41% für ehrlich. Etwas mehr als die Hälfte (51%) finden ihn glaubwürdig. 23% weniger als im Juli 2010. (Aus „welt.de“, 20.12.2011)

Wir bleiben dabei: Hätte Wulff so viel Charakter und Moral, wie er gerade für sich stimmungsvoll reklamiert, dann muss er zurücktreten. Schnell und geräuschlos.

So lange aber der ur-deutsche Obrigkeitsglaube seine schützenden Hände über Wulff hält, können wir nur auf ein spätes Wunder hoffen. Auch dafür wäre bald die richtige Zeit.