Sonntag, 1. Januar 2012

Standpunkt 135 - Sinn, der Top-Ökonom


Glückwunsch, Hans-Werner Sinn!

Wir geben gleich am Anfang zu: Der Glückwunsch kommt nicht von Herzen, noch nicht einmal vom Verstand. Wir erkennen damit nur den Fleiss an, mit dem der von der “Wirtschaftswoche” Ausgezeichnete – Top 1 unter den zehn wichtigsten Wirtschaftswissenschaftlern in Deutschland - seine Kampagnen durch Deutschland zieht (Quelle: “wiwo.de, 27.12.2011).

Wer wirklich noch auf einen Beweis wartet, dass sich Quantität statt Qualität lohnt, der ist hier richtig. Voller medialer Einsatz in Wort und Bild - mit Theorien und Thesen, die einen das Fürchten lehren. Ganz egal, die Masse machts. Der Professor aus München hatte immer etwas zu sagen. Egal wie dünn die Suppe war, die er kochte, irgendwer hat sie medienwirksam ausgelöffelt. Ein Artikel hier, eine Talkshow da, Sinn war 2011 die ökonomische Kanonenkugel. Wo die eingeschlug, blieb ein riesiger Krater intellektueller Worthülsen zurück, die gerne von seinen vielen Bewunderern als die endgültige Heilslehre für die Krise in Europa angenommen und  weiter verbreitet wurde. “Die Medien (...) greifen Sinns steile Thesen immer gerne und größtenteils unkritisch auf – je schräger, desto besser”, schreibt z. B. Olaf Storbeck auf seinem Blog (siehe unten).

Sind wir aber doch einmal ehrlich: Das Ergebnis ist niederschmetternd. Welche seiner Theorien ist für eine Lösung wirklich zu gebrauchen, welche seiner Thesen ist halbwegs solide und hält einer Nachprüfung stand? Keine, wie uns die Auswertungen von Mark Schieritz auf “zeit.de” oder – ausführlicher – von Olaf Storbeck auf “blog.handelsblatt.com” und auf “handelsblatt.com” (Beispiel: “Hans-Werner Sinns steile These”, 15.06.2011) zeigen. Selbst der “EZB-Chefvolkswirt Stark teilt ordentlich aus” (Quelle: “handelsblatt.com”, 15.06.2011), übt “harsche Kritik an den Äußerungen von Ökonomen - vor allem Hans-Werner Sinn – zur Rolle der EZB in der Euro-Schuldenkrise”. Stefan Ruhkamp hat sich bei “faz.net” in dem Artikel “Misstrauen lähmt den Geldverkehr” am 19.04.2011 äußerst kritisch mit Sinn auseinandergesetzt und seine These zur EZB geknackt. War denn das alles umsonst? Nimmt denn niemand sonst den Quatsch zur Kenntnis, den Sinn ständig verzapft?

Oder hat es damit zu tun, dass selbst seine Kritiker ihn ehrfurchtsvoll huldigen? Wieder dienen als Beispiel Mark Schieritz und Olaf Storbeck. Letzterer beginnt einen Beitrag mit der vielsagenden Überschrift “Die fragwürdigen Kampagnen des Hans-Werner Sinn” am 30.05.2011 erst einmal mit einer wahren Lobhudelei: “Hans Werner Sinn ist einer der einflussreichsten deutschen Volkswirte, und er hat sich große Verdienste um seine Disziplin erworben. (...) Seine wissenschaftlichen Publikationen können sich für einen deutschen Ökonomen seiner Generation mehr als sehen lassen (...).” Wirklich, Herr Storbeck? Wann, wo und wie? Uns ist Sinn aufgefallen als Steigbügelhalter für die endgültige Vernichtung der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland, die mittlerweile nur noch als blutleere Worthülse durch die Medien geistert. Auf der anderen Seite hat er keine der Finanz- und Wirtschaftskrisen vorhergesehen oder die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Für Deutschland und seine Bürger war und ist Hans-Werner Sinn ein Totalausfall. Für sich selbst natürlich nicht, wie die Auszeichnung eindrucksvoll beweist.  

Der Verdacht drängt sich auf, dass sich die “hochkarätige Jury” (O-Ton “Wirtschaftswoche”) mit der Wahl von Hans Werner Sinn zum angesagtesten Ökonomen als einer der ihren in Deutschland nur selbst feiert. Was für ein Signal!