Sonntag, 15. Januar 2012

Standpunkt 146 - Bildungselend


„Das Elend der wirtschaftlichen Bildung“
 
So überschreibt heute der Schweizer “Tages-Anzeiger” in seinem “Economy Blog” der Online-Ausgabe “tagesanzeiger.ch” einen Beitrag von Markus Diem Maier. Der setzt sich – wieder einmal – mit der fehlenden wirtschaftlichen Bildung auf Schweizer Schulen auseinander.

Gerade im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen der Krise in Europa (Staatsschulden, Euro-Rettung, Downgrades, usw.) wird geradezu schmerzlich bewußt, dass auch in Deutschland eine Ausbildung der Schüler an den Gymnasien oder Realschulen, an die Hauptschulen erst garnicht zu denken, über grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge und Begriffe nicht stattfindet.

Assi-TV, PS3, X-Box, alles Begriffe, mit denen die Schüler heute etwas anfangen können. Weil es Dinge sind, für die sie sich interessieren. Themen aus Wirtschaft und Politik sind nur etwas für Erwachsene. Selbst denen fehlt aber in der Regel das Rüstzeug zum Verständnis der Zusammenhänge: Schulstoff war das nie in der Geschichte der Bundesrepublik, die wenigen Jahre, in denen Politische Bildung auf dem Stundenplan stand, sind auch schon lange vorbei. Die Ausbildung der Lehrer sieht diese Dinge jedenfalls nicht vor. Eine Änderung ist nicht in Sicht. Deshalb hält sich bei uns hartnäckig der Verdacht, dass diese Zustände von den Bildungspolitikern, sekundiert von der Wirtschaft, billigend in Kauf genommen werden. Wer keine Ahnung hat, läßt sich leichter führen und lenken. Kennen wir doch schon aus leidvoller Vergangenheit.

Problematisch auch, dass selbst die deutschen Leitmedien und ihre Fachkräfte nicht in der Lage sind, ihren Sehern, Lesern und Hörern, die Zusammenhänge verständlich zu erklären. Die “BILD”-ung inklusive. Leicht abzulesen beispielsweise an den diversen Leser-Kommentaren, die sich inhaltlich sehr ähneln und immer wieder die gleichen falschen Parolen feilbieten.

Der Autor des Beitrages beschreibt viele Ursachen und bietet Lösungen. Interessant auch seine Erkenntnisse zur Universitätslehre und ihren Methoden. Weil wir seine Bestandsaufnahme für sehr aufschlussreich halten und dabei nicht nur auf die Schweiz begrenzt, bieten wir hier den Link für den ausführlichen Original-Beitrag an: 

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/6197/das-elend-der-wirtschaftlichen-bildung/

Wir wollen helfen, daran etwas zu ändern. Sollten sich Lehrer angesprochen fühlen, im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten hier etwas ändern zu wollen, so stehen wir gerne bei der Ausgestaltung des Unterrichts beratend zur Seite.

Hier noch einige Sätze aus einem früheren Artikel von Markus Diem Maier für die Schweizer “Weltwoche”, bereits 2004 zum gleichen Thema erschienen:

“Selbst Gymnasiasten vermuten den Diskontsatz im Grammatikbuch. Denn auf dem Stundenplan kommt Wirtschaft kaum vor. Und Lehrer, die ihre Schüler aufs Leben nach der Schule vorbereiten wollen, werden von Kollegen belächelt.
 
Einer der Gründe, weshalb sich die Institution Schule mit Wirtschaft so unglaublich schwer tut, ist das klassische humanistische Bildungsideal der Pädagogen, mit dem sie das kühle ökonomische Denken unter Generalverdacht stellen. Viele finden, wirtschaftliche Begriffe und Denkweisen sollten nicht auf die Schule übertragen werden. Viele glauben, da gehe es nur um das Feiern der Profitgier oder um kleinkrämerisches kaufmännisches Denken. Von Denkblockaden bei Nichtökonomen ist die Rede. Oder von Vorbehalten gegenüber wirtschaftlichem Denken bei den Lehrern. Andererseits: Wer die Schulen durchlaufen hat, soll zumindest eine Zeitung lesen und verstehen können. Heute trifft das noch nicht einmal für viele gut Ausgebildete zu.

Verbreitet sei im Bildungsbereich eben das Argument, wirtschaftliche Bildung habe auf die Charakterbildung Heranwachsender einen schlechten Einfluss.”

In der Schweiz versucht man dagegen zu steuern, bietet Fortbildungskurse für fachfremde Lehrkräfte an oder weicht auf private Vereine aus.

Aus: “Totes Kapital auf allen Bänken”, © 2004 by Die Weltwoche, Zürich