Dienstag, 14. Februar 2012

Standpunkt 174 - Deutschlands Triple-A

Sorry, der Tippfehlerteufel hatte sich in der Nacht eingeschlichen. Hier nun der korrekte Text:

Deutschlands Triple-A Downgrade wird regelrecht zelebriert – Nachtrag 4

Die Einschläge kommen näher. Jetzt hat auch Moody’s Anlauf genommen und herabgestuft. Betroffen sind Frankreich, Österreich und Großbritannien, bisher Aaa, aber alle drei mit negativem Ausblick. Außerdem trifft es Italien mit einer Herbabstufung auf A3 von A2, Spanien mit einer Herabstufung gleich um zwei Stufen auf A3 von A1, Portugal auf Ba3 von Ba2, alle mit negativem Ausblick. Ebenfalls wurden Malta, Slowakei und Slowenien herabgestuft und mit einem negativen Ausblick versehen. (Quelle: “zerohedge.com”)

Niemand kann noch ernsthaft glauben, dass dieser Kelch an Deutschland vorbei geht. Sicher ist nur, wir werden großes Theater erleben wenn das deutsche Triple-A fällt.

Aber der Schuldige ist längst ausgemacht: Griechenland. Alle anderen Länder werden sich darauf berufen. Obwohl es bei den Griechen schon längst nur noch ums nackte Überleben geht, verordnen EU und IWF noch ein weiteres Sparpaket, dessen Durchsetzung durch die Verknüpfung mit den weiteren Finanzhilfen epresst wird. Dieses “Memorandum of Economic and Financial Policies”, heute im Internet hier (http://www.capital.gr/related_files/mnimonio2.pdf) zur Verfügung gestellt, bedeutet nicht die Rettung, sondern inszeniert einen langsamen, qualvollen Tod, wie “Telepolis” treffend schreibt: http://www.heise.de/tp/artikel/36/36410/1.html

Besser kann die Situation des Landes nicht beschrieben werden. Selbst wenn Stefan Kornelius auf “sueddeutsche.de” findet, “die Krise hat ihre furchteinflößende Dimension verloren”. Vielleicht für die Geier, die über dem Land kreisen, um sich immer wieder aufs Neue daran zu weiden.

Da trifft es der österreichische “Standard” schon besser. Dort heißt es zum Sanierungsprogramm für Griechenland “Fulminant gescheitert” (“derStandard.at”, 13.02.2012). Der Autor findet “das Land wird völlig überfordert”. Er beschreibt es noch genauer: “Athen muss Steuern erhöhen, Sozialausgaben, Gehälter und Pensionen kürzen. Dass dieser Cocktail und das Tempo, in dem er serviert wird, das Land völlig überfordern, wird ignoriert. Dabei sprechen die Zahlen Bände: Seit Beginn der EU/IWF-Mission im Mai 2010 ist die Arbeitslosigkeit um 50% gestiegen. (...) die Verschuldung ist um 10% gestiegen. (...) Augenscheinlich ist bisher nur, wie fulminant theoretische Konzepte in der Realität scheitern können.” 

Wer Zahlen braucht, hier bitte: Ende 2008 hatte Griechenland gemäß offiziellen Daten der EU-Kommission ein BIP von 233 Milliarden Euro bei 263 Milliarden Euro Schulden, 2009 begann Papandreou mit dem IWF zu verhandeln und nun sind es Ende 2011 ein auf 218 Milliarden Euro gesunkenes BIP, aber auf 355 Milliarden Euro angestiegene Schulden. Statt einer Verschuldungsquote von 113 Prozent waren Ende 2011 bereits 163 Prozent erreicht. Nicht trotz, sondern wegen der Zwangs-Sparprogramme für das Land. Eine astreine Stagflation, oder? Und Menschen, nicht obdachlos und keine Immigranten, die im Müll nach Brauchbarem wühlen.

Wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich sind Europas Eliten gerade dabei, den Kontinent in Schutt und Asche zu legen. Unter deutscher Schirmherrschaft. Wer diese Einschätzung für eine Übertreibung hält, der muss einfach nur die Entwicklung in den kommenden Wochen beobachten. Was hier passiert nennt Alexander Dill “Europäisches Kampffasten mit Schäuble” (“Telepolis”, 13.02.2012). Jens Berger schreibt an gleicher Stelle: “Angela Merkels wirtschaftspolitisches Leitbild führt uns mit Vollgas in die Sackgasse” und meint damit ihr Leitbild von der “schwäbischen Hausfrau”, mit dem sie “das volkswirtschaftliche Denken der politischen Elite Deutschlands prägt”.  Deshalb kommt der gestern von der “Financial Times Deutschland” vorgestellte “Sieben-Punkte-Plan für Wachstum in den Krisenländern”  – vorläufig jedenfalls – zur falschen Zeit. 

Wir müssen uns in das Unvermeidliche fügen, von Friedrich Nietzsche treffend beschrieben: "Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes - aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel."