Dienstag, 27. März 2012

Standpunkt 193 - Milliarden-Probleme


Seid umschlungen, Milliarden!

Neuerdings verbreiten EU/IWF/Troika gute Nachrichten zur Euro-Krise. Ganz besonders zu Portugal, Spanien und Italien.

Im fernen Peking salbadert die IWF-Chefin Christine Lagarde von Stabilisierung und Optimismus. In Europa jubiliert der EZB-Chef Draghi über den Anfang vom Ende der Euro-Krise. Der ital. Regierungschef, der von Goldman Sachs ausgebildete Technokrat Mario Monti, lobt außer sich selbst noch Portugal und Griechenland. Die Troika gibt eine neue Tranche für Portugal frei, weil das Land alle Vorgaben buchstabengetreu umsetze. Halleluja, möchte man bei so viel himmlisch guten Nachrichten ausrufen. Leider bleibt uns dieser Ausruf aber im Halse stecken, wir wissen es nämlich besser.

Wie lichterloh das europäische Haus immer noch brennt, zeigen die Milliarden Euro mit denen die EZB kürzlich Europa überschwemmt hat. 800 Banken haben sich bedient. Bei den 32 größten Abnehmern dieser Liquidität zeigt sich, wo nach wie vor die Risiken weiterhin raketengleich in den Himmel schießen. Die Länderrisiken sind klar zu verorten: Spanien, Italien, Frankreich, Portugal, Irland und Belgien heißen die primären Gefahrenherde. Nicht erstaunlich für uns ist die Beteiligung der beiden deutschen Banken auf dem 11. und 17. Platz. Bemerkenswert aber die starke Beteiligung der drei größten britischen Banken, oder auch der größten dänischen und der größten norwegischen Bank, allesamt aus Nicht-Euro-Ländern.

Auf die Teilnahme der norwegischen Bank können wir uns noch keinen Reim machen. Die beteiligten britischen Banken und die dänische Bank stecken nach unserer Kenntnis bis über beide Ohren in Schwierigkeiten. Die Briten wegen ihrer tiefen Verstrickungen in die Euro-Krise, die Dänen kämpfen mit Bankenpleiten und hohen Verlusten aufgrund einer massiven Immobilienkrise im heimischen Dänemark.

Die Grafik am Ende des Beitrages zeigt anschaulich die Ausleihungen der marktführenden Banken aus den krisengeschüttelten Ländern. Da werden die dreisten Lügengeschichten von EU/IWF/Troika augenfällig.

Wir haben die Herkunft der 32 erstplatzierten Banken untersucht und in einer anschliessenden Liste erläutert. Soweit ersichtlich, haben wir auch die aktuelle Bedeutung in ihrem jeweiligen Heimatland notiert.

Was auffällt: Keine einzige griechische Bank ist dabei. Die in Deutschland so gerne verbreitete Behauptung, die griechischen Banken seien besondere Nutznießer der EZB-Maßnahmen, bestätigt sich hier jedenfalls nicht.

Ein Märchen ist außerdem die Geschichte, nach der diese Liquidität dazu dient, für Wirtschaftswachstum in den Krisenstaaten zu sorgen. Tatsächlich kaufen die Banken für einen kleinen Teil davon lukrative, hochverzinsliche Staatsanleihen ihrer Länder. Der kostbare Rest wird wieder bei der EZB zur sofortigen Verfügung “geparkt”. Die Staatsanleihen werden natürlich auch wieder bei der EZB zu Geld gemacht. Ein pervertiertes System, für das es nur eine Beschreibung gibt: “Banken erfinden Geld aus Luft”, was der österreichische Ökonom Franz Hörmann bereits am 13.10.2010 in einem Interview gegenüber “derStandard.at” sehr verständlich erklärt hat.

Hörmann wird von seinen neoliberalen Kollegen angefeindet. Andere, wie der Österreicher Schulmeister, der Schweizer Straubhaar oder der Amerikaner Michael Hudson, teilen seine Ansichten. Wir übrigens auch.

Dieses System ist so angelegt, daß die Banken riesige Gewinne machen, während ganze Staaten mit ihren Bürgern dafür in die Schuldenknechtschaft gezwungen werden. Dieses System war nicht zwangsläufig Teil der Gemeinschaftswährung Euro, sondern wurde erst von der deutschen Bundesbank und ihren damaligen Erfüllungsgehilfen aus der Politik, allen voran dem deutschen Finanzminister Theo Waigel, in den Maastricht-Vertrag hinein gepreßt. Der Euro mag der Preis für die Zustimmung Frankreichs zur Wiedervereinigung gewesen sein, was die heutige Krise immer noch weiter verschärft sind alles Regelungen, auf die Deutschland damals ausdrücklich bestanden hat. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf unseren Beitrag “Die Bundesbank: Hüterin der Stabilität oder des Finanzkapitals?” im Januar 2012, Standpunkt No. 154 und hier zu finden. Wie wir seinerzeit schon geschrieben haben: “Thematisch trocken, aber mit hoher Informationsdichte”. Der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister erlaubte bereits 1997 “charmante” Einblicke in die deutsche Zentralbank. Gleichzeitig erläutert Schulmeister die Ursachen der heutigen Krise. Nichts für schwache Nerven. 


(Quelle: “zerohedge.com”)


Reihenfolge: 
 1. Grupo Santander, Spanien, No. 1 in Spanien
 2. Banca Intensa, Italien, No. 2 in Italien
 3. Banco Financiero y de Ahorros (BFA), Spanien, No. 4 in Spanien
 4. CASA, Crédit Agricole, Frankreich, No. 2 in Frankreich
 5. Bank of Ireland, Irland
 6. BNP Paribas, Frankreich, No. 1 in Frankreich
 7. SocGen, Société Générale, Frankreich, No. 3 in Frankreich
 8. Grupo BBVA, Spanien, No. 2 in Spanien
 9. UniCredit, Italien, No. 1 in Italien
10. Caixabank, Spanien, No. 3 in Spanien, größte Sparkasse in Europa
12. MPS, Banca Monte dei Paschi di Siena, No. 3 in Italien
13. BCP, Banco Comercial Português, Portugal, größte portugiesische Universalbank
14. Lloyds Banking Group, Großbritannien, No. 3 in Großbritannien
15. Banco Popular Espanol, Spanien, No. 5 in Spanien
16. Banco Sabadell, Spanien, No. 6 in Spanien
18. BES, Banco Espírito Santo, Portugal, No. 1 in Portugal
19. RBS Group, Großbritannien, No. 2 in Großbritannien
20. UBI Banca, Italien, No. 5 in Italien
21. BankInter, Spanien, No. 7 in Spanien
22. KBC Group, Belgien, No. 2 in Belgien
23. Barclays, Großbritannien, No. 2 in Großbritannien
24. Mediobanca, Italien
26. Banesto, Spanien, gehört zu 88 % der Grupo Santander
27. Danske Bank, Dänemark, No. 1 in Dänemark
28. HSBC, The Hongkong and Shanghai Banking Corp. Ltd., Großbritannien, No. 1 in GB
29. Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG, Österreich, No. 1 in Österreich
30. DnB ASA, DnB NOR, Norwegen, No. 1 in Norwegen
31. BPI, Portugal, No. 3 in Portugal
32. Raiffeisen Bank, RZB Österreich, No. 3 in Österreich