Donnerstag, 26. April 2012

Standpunkt 201 - Nachrichten-Ticker, 25.04.




Ab heute führen wir eine neue, tägliche Erweiterung unserer Beiträge ein, den Nachrichten-Ticker. Wir stellen für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen.


Top-Nachricht: „Deutschland: Kein sicherer Hafen für 30 Jahre“
Die neue 30-jährige Anleihe Berlins stieß bei den Investoren auf geringe Nachfrage, so dass der deutsche Staat seine geplante Kreditaufnahme deutlich verfehlte. Lesen …

Ergänzung: Wenn wir richtig mitgezählt haben schon die 3. Auktion innerhalb der letzten 12 Monate, die patzt. Wir sind schon gespannt auf die Erklärungsversuche in der Heimat.


“Eine deutsche Arbeitsstunde kostet 30,10 Euro” 
Die Arbeitskosten in Deutschland sind in den vergangenen Jahren so langsam gestiegen wie in keinem anderen EU-Land. Zwischen 2001 und 2011 erhöhten sie sich um 19,4 Prozent. Dennoch ist Arbeit hierzulande weiterhin teurer als im Durchschnitt der EU. Lesen...

Ergänzung: Die folgende Übersicht der realen Lohn- und Gehaltsentwicklung in ausgewählten Industriestaaten zeigt sehr schön im Vergleich, wo die Reise in Deutschland seit dem Jahr 2000 für die Beschäftigten hingegangen ist:  

 
© International Labour Organization (ILO), Global Wage Report 2010/11

Diese gewaltige Drückung diente nicht, wie so gerne behauptet, der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, sondern zu allererst der Steigerung der Unternehmensgewinne, wie die jährlichen Gewinnmeldungen in schöner Regelmäßigkeit beweisen.  

Die Folgen sind hier zu besichtigen: 

 
© SpiegelOnline, 2012

Da ist es aus Sicht der deutschen Wirtschaft, Politik und Wirtschaftswissenschaft nur logisch, für die Probleme in den europäischen Krisenländern bisher auch die gegenläufige Einkommensentwicklung hauptverantwortlich zu machen. Ein neoliberaler Nonsens.


“OECD-Studie: Die Abgabenlast in Deutschland ist wieder gestiegen”
Normal verdienende Arbeitnehmer leiden in Deutschland unter höheren Abzügen vom Gehalt als in fast jedem anderen Industrieland. Nur in Belgien greift der Staat noch stärker zu. Lesen...

Ergänzung: Bei “ver.di” haben wir passend zu diesem Thema eine aussagefähige Grafik gefunden, die wir unseren Leserinnen und Lesern an dieser Stelle nicht vorenthalten können:

© ver.di, 2012

Eine der “sanften” Enteignungen, wie von uns hier beschrieben, oder?


“Moderne Reiter der Apokalypse”
Die Anleihewächter verbreiten wieder einmal Angst und Schrecken auf den Finanzmärkten. Sie profitieren dabei von den Irrtümern der europäischen Wirtschaftspolitik. Wie einst die Reiter der Apokalypse im Mittelalter verbreiten sie Angst und Schrecken. Lesen...

Kommentar: Lesenswert, wenn wir auch die Schlussfolgerung am Ende des Artikels nicht so recht nachvollziehen können.


“Kein Geld fürs Grab”
Viele Menschen können sich die Beerdigungskosten für Angehörige nicht mehr leisten. Deshalb kommen immer mehr Sozialämter für Bestattungen auf. Das Problem: Ob Geringverdiener ihre Angehörigen angemessen beerdigen können, hängt oftmals “von der Kassenlage der jeweiligen Gemeinde ab”. Lesen ...

Ergänzung: Was in Deutschland passiert, macht wieder eine Grafik sehr deutlich. Hier an Hand der Entwicklung der Einkommensarmut. Mittlerweile wird sogar die durchschnittliche Armutsrate aller OECD-Staaten übertroffen, und es ist noch nicht zu Ende: 

© SpiegelOnline, 2012



“S&P droht Indien mit Abstufung in Ramsch-Bereich”
Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) droht dem großen Schwellenland Indien mit einer Abstufung seiner Bonität in den Ramsch-Bereich. Lesen ...

Kommentar: Nicht nur Europa steht unter Feuer. Eine unerfreuliche Entwicklung für die westlichen Wirtschaftspropheten, die gerne vorhersagen, dass die Schwellenländer, Brasilien, Rußland, Indien und China (BRIC) als neue Weltwirtschaftlokomotiven Europa und die USA ablösen werden. 


“Wegelin verliert in den USA ihr gesamtes Vermögen”
Ein US-Gericht hat Gelder der wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagten Schweizer Bank Wegelin eingezogen. Dies gab Preet Bahara, der Staatsanwalt des südlichen Distrikts von New York, bekannt. Lesen ...

Kommentar: Wir haben schon mehrfach die Auseinandersetzung zwischen der USA und der Schweiz um die Offenlegung von Konten US-amerikanischer Bürger beschrieben. Zuletzt in unserem Beitrag über die Enteignung (hier). Amerika demonstriert schon seit Monaten, wie ein überschuldeter Staat zukünftig mit drastischen Maßnahmen sich zu seinem Recht verhilft. Dieser amerikanische Weg wird viele Nachahmer finden. Insofern ist es auch nicht wirklich bedenklich, dass milliardenschwere Vermögen aus den krisengeplagten europäischen Staaten an vermeintlich sichere Plätze transferiert werden. Die finden wieder ihren Weg zurück.


“Großbritannien rutscht in die Rezession”
Die Probleme am Immobilienmarkt holen die Insel wieder ein: Ein Einbruch der Bautätigkeit lässt die Wirtschaft das zweite Quartal in Folge schrumpfen. Das Pfund fällt. Lesen ...

Ergänzung: Großbritannien ist schon längst pleite. Der Lebensstandard auf dem Weg in die 1920er Jahre. Das Triple-A-Rating eine Farce, eine konzertierte Aktion der allmächtigen Ratingagenturen. Aktuell diese Grafik: 

© dailymail.co.uk, 2012


“Die Niedrigzinsfalle”
Immobilienboom in Deutschland, in Metropolen steigen die Preise für Häuser und Wohnungen in immer neue Höhen. Doch in vielen Kauf- und Kreditverträgen schlummern ungeahnte Risiken. Spätestens, wenn die Zinsen steigen, droht Käufern ein böses Erwachen. Lesen ...

Kommentar: Deutschland bastelt eben auch an seiner Immobilienblase. So sieht also die Flucht in Sachwerte aus. Und dabei heißt es doch im Volksmund “aus Erfahrung wird man klug”. Leider hält sich das Volk nicht an seine eigenen Weisheiten.


“Bad Bank der WestLB erhöht Staatsschulden massiv”
Die WestLB überträgt zur Jahresmitte ein Portfolio von 100 Milliarden Euro in eine staatlich abgesicherte Bad Bank. Die schlechte Nachricht für den Bundesfinanzminister: Das wird die Staatsschulden sprunghaft erhöhen. Lesen ...

Kommentar: Nach der 230 Milliarden-Bad Bank Hypo Real Estate (HRE) nun auch noch schlappe 100 Milliarden aus NRW. Kein Problem, der Zorn der deutschen Steuerzahler lässt sich immer noch vortrefflich Richtung Süden lenken. Deshalb merkt von denen auch keiner, dass zu Hause die Hütte brennt. Nüchtern betrachtet sind nämlich die deutschen Finanzkonzerne alle pleite, hier sehr schön am Beispiel Deutsche Bank zu sehen.


“Geld wird Weg in die Wirtschaft finden, um Wachstum zu stärken”
Die massiven Kreditspritzen der Europäischen Zentralbank an die Banken wird nach Einschätzung von EZB-Präsident Mario Draghi mit der Zeit auch bei den Unternehmen ankommen. Der Kreditfluss in der Euro-Zone hat sich im ersten Quartal dank der massiven Liquiditätsspritzen der EZB entspannt. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten vierteljährlichen Kreditumfrage der EZB hervor. Lesen ...

Kommentar: Das erinnert uns sehr stark an die Befragungen des Ifo-Instituts und der GfK zur Entwicklung von Wirtschaft und Konsum in Deutschland. Zwischen Theorie und Praxis liegen bekanntlich Welten. Draghi weiß das, trotzdem versucht er es wieder mit einer neuen Lüge.Ein paar alte gibt es hier.


SWR: “Die Welt auf Pump – Reißen uns die Schulden in den Abgrund?”
Wie wurde die Welt zum finanziellen Tollhaus? Darauf gibt es Antworten, die gar nicht so kompliziert sind. Und Fragen in die Zukunft: Kommen die Industriestaaten je wieder raus aus den Schulden? Deutschland, die USA, Japan? Kommt der große Crash? Gibt es eine Hyperinflation? Hilft nur noch ein Schuldenschnitt? Wer bezahlt am Ende die Zeche? Zum Film…

Kommentar: Für alle, die bisher noch keine Gelegenheit hatten, sich innerhalb von 45 Minuten zum Thema zu informieren, sehenswert. Für alle andern zur Auffrischung empfohlen.


„Niederlande: 1:0 für die Populisten“
Mit den Niederlanden verliert Angela Merkel einen wichtigen Verbündeten. Scheitert ihr Schuldenpakt? Lesen …

Kommentar: Sollte diese Entwicklung erzwingen, was unzählige Ökonomen, mit Ausnahme der deutschen Oberlehrer,  schon seit Monaten vehement fordern? Schade nur, dass es auf diese Weise passiert. 

Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.