Freitag, 27. April 2012

Standpunkt 202 - Nachrichten-Ticker, 26.04.


Hier gibt es für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet, die wir kurz kommentieren oder ergänzen.


Top-Nachricht: "S&P stuft Spanien herab" 
BBB+ statt A: Das von der Euro-Krise gebeutelte Spanien muss sich mit einem niedrigeren Bonitätsrating begnügen. Gleichzeitig senkt die Ratingagentur S&P den Ausblick für die Iberer auf negativ. Lesen ...

Kommentar: Diese Herabstufung war zu erwarten. Wir haben diese Entwicklung immer wieder thematisiert. Zuletzt hier. Das finale Kesseltreiben gegen Spanien beginnt. Fraglos werden die beiden anderen Rating-Agenturen das Spiel mitmachen. Bei dieser Gelegenheit werden weitere Länder, außerdem natürlich auch die Banken in den betroffenen Staaten, herabgestuft. Nur zur Erinnerung: Am Ende fällt auch die deutsche Bestnote.


„Die Finanzsäulen der Erde“
Die gigantischen Milliardenbeträge, die auf dem weltweiten weitgehend unregulierten Devisenmarkt bewegt werden, sind im wahrsten Sinne des Wortes unvorstellbar. Der amerikanische Grafiker Oto Godfrey hat es geschafft, sie zu visualisieren. Lesen …

Kommentar: Selbst wenn es nur 228.720 Milliarden $ sind, um die sich der Grafiker kümmert, die Darstellungen machen Angst. Jetzt sehen wir bildhaft, was der Amerikaner Robert Reich, früher Arbeitsminister unter Bill Clinton, auf seinem Blog meint, wenn er schreibt: „America’s capital market was already a giant casino“ (Quelle: „How We’re Turning America Into a Giant Casino“, 03.04.2012, „alternet.org“). Es fehlen u. a. die europäischen Mit-Täter, wie Deutsche Bank und die beiden Schweizer Großbanken. Die Deutsche Bank hält alleine eine gigantische Summe am globalen Derivatemüll. Eine anschauliche Grafik gibt es hier.

Seit Wochen schon beobachten wir in diversen US-Blogs eine gewaltige Stimmungsmache gegen die großen europäischen Banken. So schreibt Graham Summers von „gainspaincapital.com“ am 03.04.2012: „Europäische Bankenkrise wird alles unter sich begraben“. Nur vergleicht er dabei Äpfel mit Birnen. Danach sind es Europas Banken, die Unmengen an toxischen Schulden in ihre Bilanz aufgenommen haben. Die Risiken der US-Banken spielt Summers herunter. Anders Michael Snyder von „The Economic Collapse“, der am 17.04.2012 die US-Banken als „eine tickende Zeitbombe“ einstuft. Nach seinen Recherchen halten 5 Banken Ende 2011 8,5 Billionen $ Vermögenswerte, was 56 % der US-Wirtschaft entspricht. Belastet sind sie nach seiner Auffassung mit knapp 300 Billionen der weltweiten Finanzderivate. Gestützt werden diese 5 Banken mit 7,1 Billionen $ Rettungsgeldern (aus einem Bericht der US-Rechnungsprüfungsbehörde GAO), die in Form von Geheimkrediten gegeben wurden. Eine Rückzahlung erfolgte bis heute nicht. Da ist es geradezu lächerlich, wenn die F.A.Z. am 14.04.2012 schreibt: „Finanzwelt im Umbruch: Europas Banken verlieren an Bedeutung“ und behauptet, wir zitieren: „Die amerikanischen Banken haben ihre akuten Probleme aus der Finanzkrise überstanden. (…) Die meisten staatlichen Hilfen sind zurückgezahlt. (…) Amerik. Banken haben im vergangenen Jahr wieder so gut verdient wie 2006, dem Jahr vor der Finanzkrise.“ Da stellt sich schon die Frage, wie sparsam recherchiert die F.A.Z.? Oder steckt dahinter Kalkül? Diesen vollständigen Artikel gibt es hier. Sehr viel kritischer setzt sich die „Financial Times Deutschland“ unter der Überschrift „Die unkaputtbaren US-Banken“ mit den aktuellen Quartalsergebnissen der US-Banken auseinander. Diesen Artikel gibt es hier.

In diesem Zusammenhang wird die Bundeskanzlerin in den USA mit der Forderung zitiert: „Merkel wants rules for raw material derivate trade“ (Quelle: „chicagotribune.com“, 25.04.2012). 

 
“Fed: Nullzins-Politik in den USA bis Ende 2014” 
Die US-Konjunktur hinkt weiter. Fed-Chef Ben Bernanke will sie bis Ende 2014 mit einer Nullzinspolitik stützen. Lesen...

Kommentar: Diese Entscheidung widerspricht eindeutig allen statistischen Offenbarungen, die auch den Weg in die europäischen Führungsmedien finden und uns glauben machen wollen, dass in den USA neue Jobs entstehen, die Konjunktur anzieht und die Wirtschaft wächst. Die Wahrheit bildet beispielsweise die folgende Grafik zur Arbeitslosenquote ab. Sie vergleicht statistische Spielereien mit der Wirklichkeit und stammt von “shadowstats.com”: 


 
“Schuldenkrise: Banken greifen nach dem Rettungsfonds”
Klamme Banken in den Schuldenstaaten würden sich gerne direkt aus dem Rettungsfonds ESM bedienen. Soll das zugelassen werden? Das Finanzministerium sagt, es wisse nichts von solchen Plänen. Lesen...

Ergänzung: Der österreichsiche “Standard” ist in deser Sache ehrlicher und formuliert heute so: “EZB will maroden Banken direkt helfen”. Weiter heißt es dort, es “soll eine Arbeitsgruppe der Euro-Länder in den kommenden beiden Wochen prüfen, wie eine direkte Vergabe von Krediten abgewickelt werden könnte.” Spanien ist “too big to rescue” für den Rettungsschirm, also soll so vorläufig nur den spanischen Banken geholfen werden. Denen hat die Liquidität der EZB (vgl. hier) noch nicht wirklich geholfen. War wohl eher der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. “Wie notleidende Banken gerettet werden sollen” schreibt hier der Schweizer “Tages-Anzeiger”.


“Der Deal”
Deutschland muss Europa zur Disziplin drängen – und sich selbst. Lesen...

Kommentar: Bei der “Zeit” ist die Wirklichkeit immer noch nicht angekommen. Eisenhart soll Deutschland am Spardiktat festhalten und selbst als Sparmeister voran gehen. Das gilt dem Autor als unumstößliches Rezept gegen die Krise in Europa. Für den Fall zeigt die folgende Grafik nur eine Zwischenetappe der Entwicklung: 



“Argentinischer Senat billigt YPF-Enteignung”
Trotz des heftigen Widerstands aus Spanien hat der argentinische Senat für die Enteignung der Repsol-Tochter YPF gestimmt. Auch die nächste parlamentarische Hürde sollte kein Problem sein. Spanien muss sich wohl mit der Verstaatlichung abfinden. Lesen ...

Kommentar: Hier wird gerade etwas korrigiert, was während der Argentinien-Krise in den 1990er Jahren dem Land als Teil der Hilfsmaßnahmen des IWF genommen wurde. Unrecht wird Jahre später möglicherweise mit neuem Unrecht beantwortet. Was damals passierte, beschreibt die “Zeit” unsachlich mit “in den Neunzigern verschleuderte Argentinien sein Staatseigentum” (Quelle: “Die Verstaatlichung des Öls wird Argentinien nichts bringen”, 19.04.2012). Ein unsäglicher Artikel, aber lesen Sie hier selbst.


“Wem gehört das Gold der Zentralbank?”
Wer ist eigentlich der Herr über das Gold der Zentralbank? Sie selbst oder die Aktionäre? Oder das Volk? Die Frage stellt sich um so mehr, wenn man bedenkt, dass die Fed ihr Gold gerüchteweise gar nicht mehr hat. Lesen ...

Kommentar: Leider wird die Frage auch in diesem Artikel nicht beantwortet, nur spekuliert. Nach unseren eigenen Quellen verfügt die Bundesbank auch nicht über die Goldreserven, die in den USA eingelagert sind. Als alleine verfügungsberechtigt sehen sich die USA. So ist es auch. Tatsächlich verfügt Deutschland nur über 12 – 16 % seiner Goldreserven.  


“Anleger in der Falle”
Das Schuldenproblem der Euroländer ist unlösbar. Anleger sind deshalb gut beraten, den daraus entstehenden Schaden so gering wie möglich zu halten. Lesen...

Kommentar: Absolut lesenswert, diese Kolumne von Manfred Gburek. Die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, ist einfach. 

 
“Notaufnahme für die Mittelschicht”
In die Praxis von Uwe Denker kommen die Verlierer des Gesundheitssystems. Er behandelt Patienten ohne Versicherungsschutz. Im Wartezimmer sitzt die abgestürzte deutsche Mittelschicht. Besuch bei einem Mediziner, der lieber arbeitslos wäre. Lesen ...

Kommentar: Noch Fragen? Wir haben längst vergessen, dass wir Schnupfen bekommen, wenn Amerika hustet. Leider haben die USA mindestens schon eine Lungenentzündung. Das dicke Ende kommt für uns überhaupt erst noch. Ein anderes Beispiel wird im nächsten Hinweis beschrieben:


“Familie in Not: Wir wollen am liebsten schnell wieder weg”
Der Kühlschrank ist leer. Strom, Gas und Telefon sind nicht bezahlt. “Die werden uns das bald abstellen.” Die Wohnung wurde gekündigt. Und das letzte Geld vom Jobcenter sei Ende Januar gekommen, erzählt Andreas Weickinger. “Das ist peinlich. Als Familienvater fühle ich mich erbärmlich.” Lesen ...

Kommentar: Hämische Bemerkungen erübrigen sich. Noch sind es Einzelfälle. Das deutsche Spardiktat wird das ändern.  


“Weniger Freiheit in Europa: Rettet das Bargeld”
Immer mehr Länder schränken den Gebrauch von Bargeld drastisch ein. Der gläserne Bürger rückt dadurch näher. Aus dem mündigen Konsumenten wird eine durchleuchtete Marionette. Lesen ...

Ergänzung: Schon seit Monaten berichten wir darüber. Das Ziel ist klar (vgl. hier). Die Sache zieht Kreise. Jetzt will auch Kanada das Bargeld abschaffen (siehe hier).


“Müssen wir die Krise neu denken?”
Alle Versuche, die Schulden- und Bankenkrise einzudämmen, sind gescheitert. Die Entspannung am Kapitalmarkt war immer nur von kurzer Dauer. Kanzlerin Merkel ist mit ihrer Krisenstrategie zunehmend isoliert. Lesen ...

Kommentar: Es wäre wenigstens ein Anfang ...

Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.