Samstag, 28. April 2012

Standpunkt 203 - Nachrichten-Ticker, 27.04.


Hier gibt es für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Top-Nachricht: “Neue Runde mit Schrottpapieren schon längst eingeläutet”
Der Milliardendeal von Deutscher Bank und Barclays ruft nur in Erinnerung, was an der Wall Street bereits längst wieder Routine ist: Der Handel mit so genannten CDOs floriert wieder und bleibt ein Milliardengeschäft. Lesen ...

Kommentar: Es sollte wohl besser Billionengeschäft heißen. Darum geht es nämlich in Wirklichkeit. Bitte noch einmal hier nachsehen, wie es um die Deutsche Bank steht. Da werden die Dimensionen klar. Gerne aber auch noch hier, bei dem US-Grafiker Oto Goldfrey. Das ist gigantisch, was da abgeht. Worum es geht, stellt die folgende Karikatur leicht verständlich dar: 

                                          © Victor Juhasz, Rolling Stone

 

„Ist die europäische Idee am Ende?“
Acht von 17 Euro-Ländern haben seit dem Ausbruch der Schuldenkrise ihre Regierungen ausgetauscht. Die Extremen am rechten und linken Rand haben enormen Zulauf. Hat Europa noch eine Perspektive? Lesen …

Kommentar: Wir machen keinen Hehl daraus: Die deutschen Rezepte gegen die Krise in Europa sind falsch. Wir haben schon sehr früh in unserem Blog auf Lösungsmöglichkeiten hingewiesen. Unser Vorschlag zur Lösung heute: Die Banken verstaatlichen (hat übrigens der alte Kostolany schon Mitte der 1980er Jahre gefordert, steht irgendwo auf meinem Blog), Casino schließen, Spekulationen in Rohstoffe, Nahrungsmittel, Land, usw. verbieten, den toxic waste einfach auf Null stellen. Fertig. Den Rest schaffen die Politiker dann auch noch. Ach so, hätten wir fast vergessen. Die Bank-Lobbyisten, weltweit die größte Lobbygruppe, sollen gemeinnützige Arbeit leisten, die mit 1 Euro die Stunde bezahlt wird, oder mit dem gerade gültigen Hartz4-Satz.

Warum die deutsche Lösung nicht funktionieren kann, wird hier sehr verständlich erklärt. Absolut empfehlenswert.


“Deutschland und Spanien: Näher als man denkt” 
Spanien ist kein notorischer Defizitsünder. Genauso wenig wie Irland. Das kann nicht oft genug wiederholt und betont werden. Es ist schlichtweg falsch, wenn diese beiden Länder heute in der Diskussion rund um die Eurokrise den gleichen Stempel erhalten wie Griechenland, Italien und Portugal. Nein, die Geschichte dieser beider Länder ist differenzierter, und sie birgt einige Lehren, die sich gerade der heutige Musterknabe in Europa, Deutschland, zu Herzen nehmen sollte. Lesen...

Kommentar: Wirklich nur was für Leute, die sich ihre Meinung auch mal problemlos außerhalb des deutschen Mainstreams und der deutschen BILDungsoffensive beschaffen. Die Grafiken sind ein bisschen trocken aber informativ.


“Spaniens Furcht vor der griechischen Tragödie”
Bankenkrise und hohe Defizite kosten Spanien zwei Ratingstufen. Wie Griechenland könnte das Land in einen Teufelskreis geraten. Ministerpräsident Rajoy muss zwischen ungeduldigen Finanzmärkten, störrischen Politikern und einer enttäuschten Bevölkerung lavieren. Diese Herausforderungen erwarten ihn. Lesen...

Ergänzung: Heute kein Blick auf die Staatsschuldenquote, sondern auf die Arbeitslosenquoten der beiden Länder. Erst einmal die Gesamtquote:


Mittlerweile ist sogar jeder 4. Spanier bereits arbeitslos, die April-Quote liegt bei 24,4 %, der höchsten seit 18 Jahren (Quelle: “manager-magazin-online”, 27.04.2012).

Selbst bei der Jugendarbeitslosigkeit gibt es keinen großen Unterschied mehr, wie die beiden folgenden Grafiken eindeutig zeigen:  
  
Jede weitere Bemerkung erübrigt sich erst einmal.

“Die Sparkasse als Finanzcasino”
Sparkassen geben sich gegenüber den Kunden gerne seriöser als andere Banken. Doch Anlegeranwälte berichten von Betrug, Nötigung und Untreue. Die Klagen häufen sich. Was einige Sparkassen ihren Kunden zumuten. Lesen...

Kommentar: Klar sind auch die Sparkassen nicht frei von Schuld. Nicht erst seit der Lehman-Pleite oder den bankrotten Landesbanken, an denen sie regelmäßig 50 % halten und ihr kompetentes Wissen zur Verfügung stellen. Sachsen-LB, West-LB, Bayern-LB und Nord-LB, heute HSH-Nordbank, sind nur die augenfälligsten Beispiele.

Natürlich gilt: Die Genossenschaftsbanken haben gleichfalls ihre eigenen Leichen im Keller. Schaffen es bisher nur, die besser in Deckung zu halten.  


“Merkel hält eisern an Fiskalpakt fest”
Klare Worte von Angela Merkel nach Frankreich: Am mühsam ausgehandelten EU-Fiskalpakt will die Bundeskanzlerin nichts mehr ändern. Der französische Präsidentschaftskandidat François Hollande strebt eine Neuverhandlung an - und reagierte umgehend. Lesen ...

Kommentar: Na also, die “Eiserne Lady” hat gesprochen. Was jetzt folgt ist Hauen und Stechen auf europäisch. Wie ärmlich. Am Ende muss sich die Kanzlerin dann doch der Realität beugen. Es ist anstrengend, seine Haltung zwischen den kommenden Wahlen und der europäischen Krise ins Gleichgewicht zu bringen. Zu Merkel haben wir hier schon vor einigen Monaten einen ausführlichen Beitrag bereitgestellt. Da hat sich nichts geändert.   


“Rumänische Regierung gestürzt”
Bei einem Misstrauensvotum am Freitag stimmte die Mehrheit der Parlamentarier gegen das Mitte-Rechts-Kabinett. Lesen ...

Kommentar: Die nächste Regierung, die über die europäische Krise stürzt. Bemerkenswert: Abgewählt nach nur 78 Tagen im Amt.  


“Falsches Vorbild Deutschland”
Zur Präsidentschaftswahl wurden die globalen Abgesänge auf Frankreichs Wirtschaft lauter - und die Empfehlungen, den Nachbarn im Osten zu kopieren. Was für ein Blödsinn. Lesen ...

Kommentar: Der Autor, Thomas Fricke, gehört zu den kleinen Erfreulichkeiten innerhalb der deutschen Wirtschaftsjournalisten. Regelmäßig schreibt er kritisch gegen die deutschen Rezepte für die angebliche Heilung Europas und gegen seine Kollegen von den neoliberalen deutschen Kampfblättern an. Respektabel. 


“Manager statt Spekulanten”
Spanien ist keine Industrienation: Diktator Franco machte aus den Spaniern ein Volk von Kellnern, EU-Milliarden befeuerten die Immobilienblase. Damit der Wandel gelingt, braucht es kein Sparprogramm, sondern etwas ganz anderes. Lesen ...

Kommentar: Gute Idee, aber (noch) keine Aussicht auf Umsetzung. Europa geht es noch nicht schlecht genug, damit Deutschland von seinem rigorosen Sparwahn ablässt. Die Bundesregierung ist offensichtlich nicht fähig/gewillt an der “richtigen” Stelle in der deutschen Geschichte nachzusehen, um daraus die nötigen Schlüsse zur Krisenlösung zu ziehen. Heiner Flassbeck nennt es hier: “Deutschland sieht den Balken im eigenen Auge nicht.” Aber es gibt für die Kanzlerin und ihre Entourage noch ein anderes ur-deutsches Problem: Wie sage ich meinem Volk, dass ich es schon seit Monaten bei den Krisenursachen hinters Licht führe? Es wird endlich Zeit für dieses Eingeständnis.  


“Vier Szenarien für den Euro”
Spaniens Kreditwürdigkeit wurde herabgestuft, die Zinsen für italienische Staatsanleihen steigen, und immer mehr EU-Länder rebellieren gegen das deutsche Spardiktat: Die Euro-Krise ist mit Wucht zurückgelehrt. Wie geht es jetzt weiter? Eine neue Studie zeigt vier Szenarien. Lesen ...

Kommentar: Widerspruch, die Krise war in Europa nie weg, sie wurde in den letzten Wochen einfach nur ignoriert, weggeredet und mit Milliarden Liquidität der EZB überschwemmt. Wie das funktioniert hat, steht hier. Der Volksmund hat recht: “Lügen haben kurze Beine”. Richtig ist, dass die Krise auf einen neuen Höhepunkt zusteuert, das Ende ist damit aber noch nicht erreicht. Sorry, wir halten keine der vorgestellten Lösungsszenarien (es sind die von 1 bis 3, 4 ist keine Lösung) für praktikabel. Sie gehen nämlich von folgenden entscheidenden Fehlannahmen aus: dass es sich um Märkte handelt, die Vertrauen schöpfen müssen, dass es eine Staatsschuldenkrise ist und, dass ausreichend Zeit zum Handeln bleibt. Richtig ist, dass es Spekulanten sind, die die betroffenen Länder massiv unter Druck setzen, dass es eine kapitale Bankenkrise, keine Staatsschuldenkrise und dass immer zu wenig Zeit bleibt, weil die Spekulanten das Tempo bestimmen. Wir sehen nur die weiter oben beschriebene Lösung: Banken verstaatlichen, Welt-Finanz-Casino schließen, Bilanzmüll auf Null, Spekulationen/Schattenbanken verbieten. Weitermachen dürfen die Banken, die dann noch Vermögen haben. Unter einer vernünftigen staatlichen Regulierung, versteht sich. Sogar feste Wechselkurse und andere protektionistische Maßnahmen könnten, zeitweise wenigstens, nötig werden. Nur so gehts.  Flankiert durch geeignete Maßnahmen zur wirtschaftlichen Förderung, unter Federführung der Europäischen Investitionsbank (EIB), nicht des IWF. Die EIB hat kürzlich behauptet, alleine für Griechenland über 10 geeignete Investitionsprogramme zu verfügen, die in dem Land für Wirtschaftswachstum sorgen könnten.

 Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.