Sonntag, 29. April 2012

Standpunkt 204 - Nachrichten-Ticker, 28.04.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Top-Nachricht: “Industrie und Wohlstand wachsen in Deutschland”
Die Industriepolitik erlebt derzeit eine Renaissance. Bundesregierung sowie Opposition sind sich einig, die Unternehmen weiterhin zu unterstützen. Aber die Industrie wächst nicht wegen, sondern trotz der Politik. Lesen ...

Ergänzung: Wer von diesem Wachstum profitiert, zeigt folgende Grafik:

 
© ver.di, 2012


„Schuldenkrise: Frankreich vor dem Abstieg“
Die Wirtschaft ist zentrales Thema des Wahlkampfs in Frankreich: Die jungen Franzosen finden keine Jobs, die Industrie produziert zu teuer, das Staatsdefizit läuft aus dem Ruder: Unter den Ländern der ersten Liga in Europa ist Frankreich das Sorgenkind. Lesen …

Kommentar: Nach wie vor ist Frankreich Deutschlands wichtigster Handelspartner und besorgt deshalb auch den größten Anteil am deutschen Handelsbilanzüberschuss. Danke Frankreich.

Frankreich leidet bereits sehr unter den Auswirkungen der Spardiktate in Südeuropa. Seine Autoindustrie ist abhängig von diesen Märkten, die in den vergangenen Monaten drastisch eingebrochen sind: 


Statt Frankreich und den übrigen europäischen Partnern durch eine vernünftige Krisenpolitik zu helfen und beispielsweise schrittweise diese Überschüsse zu reduzieren, flüchtet sich Deutschland in den Handel mit China. 


“Zukunftsstudie: Südeuropa zieht Deutschland nach unten” 
FOCUS wertet den neuen „Weltreport“ des Forschungsinstituts Prognos aus: Wegen der Schwäche der armen Euro-Länder im Süden ist in Deutschland eine Wachstumsdelle zu erwarten. Langfristig sind die Aussichten aber eher positiv. Lesen...

Kommentar: Wieder so eine “Wohlfühlstudie”. Kurzfristig wird Deutschland leiden, deshalb dürfen natürlich die Lohnabschlüsse nur moderat ausfallen, die Sozialleistungen müssen weiter beschnitten werden und im Handel mit China liegt die Zukunft. Langfristig, bis 2035, sind die Aussichten, durch ein moderates Wachstum und einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote, gut. Was die Studie aber auch bestätigt: Nach wie vor hängen die meisten Arbeitsplätze von den Exporten nach Frankreich ab, danach kommen die USA und Großbritannien. Alles Länder, die vor einer schwierigen Zukunft stehen.


“Roter Teppich für China”
Hannover, Wolfsburg, Peking: Die Deutschen hofieren die Chinesen. Die freie Welt wird von der unfreien abhängiger. Und auch ethisch ist es bedenklich, das repressive System weiter zu stärken. Lesen...

Kommentar: Wir stehen den deutschen und europäischen Hurra-Rufen auf China sehr kritisch gegenüber. Wer unsere Beiträge aufmerksam liest, weiß das. Die Rolle, die China bei der Lösung der europäischen Krise zugedacht wird, halten wir für falsch. Genauso die abhängigen Handelsbeziehungen, die sich daraus zwangsläufig entwickeln. Es ist schon Monate her, dass wir uns in einem Dossier mit China beschäftigt haben. Wen unsere kritische Haltung interessiert, der kann sie hier nachlesen. Die deutschen Konzerne werfen sich Peking zu Füssen, die europäischen Krisenmanager betteln um Geld, keine guten Voraussetzungen dafür, Europas Wirtschaftsmacht in der Welt zu bewahren oder sogar auszubauen.

China will so schnell wie möglich zu einer Super-Macht aufsteigen. Die Zeiten dafür sind günstig, um dieses Ziel rücksichtslos zu verfolgen. Seine Investitionen in allen Erdteilen, inklusive Nordamerika, sprechen, soweit sie überhaupt schon bekannt sind, eine klare Sprache. Viele deutsche Arbeitnehmer werden sich demnächst die Augen reiben, wenn deutsche Produktionsanlagen in China nachgebaut und von chinesischen Ingenieuren oder Managern geleitet werden. Läuft der Laden und erfüllt irgendwann auch die chinesischen Qualitätsansprüche, dann gehen für die deutschen Standorte, jedenfalls teilweise, die Lichter aus. 

Ergänzung: In diesem Zusammenhang weisen wir noch auf einen Artikel hin, der hier unter dem Titel "China - vom Lehrling zum Meister" erschienen ist und sich ebenfalls mit der deutsch-chinesischen Zweckfreundschaft kritisch auseinandersetzt. 


“Ingenieurmangel? Stellen Sie doch Chinesen ein!”
Die deutsche Industrie klagt über Nachwuchsmangel bei Ingenieuren. Einer neuen Studie von VDI und IW zufolge, sind 100.000 Stellen unbesetzt. Dadurch entgehe der Wirtschaft eine Wertschöpfung von rund 8 Milliarden Euro im Jahr, heißt es. Außerdem schwinde die Innovationsfähigkeit. Das könnte heikel werden, denn der Erfindungsreichtum ist einer der wichtigsten Trümpfe im internationalen Wettbewerb - zum Beispiel gegen die Asiaten. Leidet Ihr Unternehmen auch darunter? Der Weg aus der Sackgasse ist ganz einfach: Stellen Sie einfach selbst Chinesen ein. In der Volksrepublik verlassen jedes Jahr mehr als 900.000 Ingenieure die Hochschulen, das sollte reichen. Auf der Messe Auto China 2012, die gerade in Peking stattfindet, hatte ich Gelegenheit, mit dem Vorstandsvorsitzenden der Porsche AG, Matthias Müller, über diese und andere Themen zu sprechen. Er würde gern mehr Asiaten einstellen. Lesen...

Kommentar: Ein sehr aufschlussreiches Interview. Wir können dieser Entwicklung nichts abgewinnen, wenn selbst Unternehmen wie Porsche darüber nachdenken (müssen), in China zu produzieren. Das kann mittelfristig nur zu einem Arbeitsplatz-Abbau führen. Was man naürlich bis zum Schluss vehement bestreiten wird. 


“Frankreich: Euro-Gegner schliessen sich zusammen”
Der Euro muss weg: Zu diesem Zweck kooperieren deutsche Liberale mit französischen Protektionisten. Die Währung sei „ein Unglück für Europa und die ganze Welt“. Lesen ...

Kommentar: Die deutschen Mittäter sind die üblichen Protagonisten. Zu denen haben wir uns schon hinreichend geäußert. Neokonservative, allesamt. Ultra-Nationale außerdem. Völlig überholte Anschauungen, wollen aus der deutschen Geschichte nichts lernen. Helfershelfer der Kriegstreiber gegen den Euro. Sonst nichts. Ach so, natürlich auch noch Meinungsmacher an den deutschen Stammtischen.   


“Spanien setzt Schengen-Abkommen aus”
Einreise von Demonstranten soll verhindert werden. Lesen …

Kommentar: So werden sie demontiert, die demokratischen Rechte in Europa.  


“Wie reiche Investoren die Ressourcen Afrikas zu Geld machen”
Eine Datenbank zum globalen Land-Geschäft bestätigt: Investoren zielen auf arme Staaten mit schwachen Institutionen. Ihr Profit geht zumeist auf Kosten der Einheimischen. Lesen ...

Kommentar: Wir haben es erst gestern wieder geschrieben: Diese Spekulationsgeschäfte gehören dringend verboten. Der dadurch angerichtete Schaden ist immens und wird wohl kaum jemals wieder korrigiert werden können.


Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.