Montag, 30. April 2012

Standpunkt 206 - Nachrichten-Ticker, 29.04.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Top-Nachricht: “Hedgefonds kassieren in Spanien ab – so oder so”
Die risikoaffinen Investoren setzen auf günstige Aktien spanischer Konzerne mit starkem Auslandsgeschäft, auf die Preisdifferenz zwischen kurz und lang laufenden Anleihen und, nomen est omen, hedgen, was das Zeug hält. Lesen ...

Kommentar: “Während Spanien immer tiefer in die Krise rutscht, hoffen Hedgefonds auf fette Geschäfte” beginnt der Autor seinen Bericht. Wer immer noch glaubt, es sind die Märkte, die wegen einer Vertrauenskrise gegen Spanien und die anderen betroffenen Staaten sich deren Anleihen verweigern, der sollte sich intensiv mit unseren Beiträgen hier im Blog beschäftigen. Schon von Anfang an vertreten wir eine entgegengesetzte Meinung, die wir auch ständig eingehend begründen. Empfehlen wollen wir in diesem Zusammenhang unsere Antworten auf die Bogenberger Erklärung von Hans-Werner Sinn. Wir haben verständlich formuliert, also auch für Laien lesbar. Los geht es hier.

Eine weitere Leseempfehlung zum Thema “Spanien” gleich hinterher:


„Krise gigantischen Ausmaßes“
Fast könnte man meinen, die neue rechte Regierung in Spanien treibe das Land mit aller Gewalt in den Ruin. Die hohe Arbeitslosigkeit ist nach der dekretierten Arbeitsmarktreform im ersten Quartal so stark gewachsen, wie seit Beginn der Krise 2009 nicht. Sie wird immer gefährlicher, denn Steuereinnahmen brechen weg und immer größere Löcher werden in die Bilanzen der gestressten Banken gerissen. Auch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sieht darin und in fallenden Löhnen ein Risiko. Der Konsum wird aber weiter einbrechen, weil nun, wie erwartet (Erleichterung nach geglücktem Schuldenschnitt in Griechenland[1]), auch die Mehrwertsteuer angehoben wird. Zentrale Probleme, zu denen auch enorme Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten gehören, werden immer weiter verschlimmert. Lesen …

Kommentar: gibt es keinen, nur eine ausdrückliche Leseempfehlung.


“Ökonomen befürworten direkte EU-Kapitalspritzen für Banken” 
Die Chefvolkswirte der Banken sprechen sich eindeutig für direkte Hilfen maroder Geldhäuser durch die Euro-Rettungsfonds aus. Das ist ein Ergebnis der FTD-Zinsumfrage. Lesen...

Kommentar: Klar, dass diese Umfrage so ausfällt. Schließlich wird in den Führungszirkeln Europas gerade über diese Frage diskutiert. Spanien wäre der erste Kandidat für so eine Kapitalspritze. Die spanischen Banken benötigen dringend frisches Kapital, um z. B. die Immobilienblase einigermaßen durchzustehen. Die folgende Grafik zeigt eine gefährliche Entwicklung: 

 
Von S&P kommt gleichzeitig schon einmal die gelbe Karte für diese Idee. Die Ratingagentur findet: “Die Europäische Zentralbank kann laut Standard & Poor’s die Euroraum-Schuldenkrise nicht lösen.” Einzelheiten nachzulesen bei “cash.ch” (hier). Abzusehen, dass Spanien demnächst ein Rating auf Ramsch-Niveau bekommt und sich dafür bei EU/IWF bedanken kann.


“Den Vertrag neu zu verhandeln, ist eine Wunschvorstellung”
Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat Bereitschaft gezeigt mit einem möglichen neuen französischen Präsidenten Francois Holland über den EU-Fiskalpakt zu sprechen. Gleichzeitig zeigt er aber auch schon die Grenzen der Kompromissbereitschaft auf. Auch Deutschlands Finanzminister tritt auf die Bremse. Lesen...

Kommentar: Die französische Stichwahl wirft schon lange Schatten. Da ist es wichtig, die Claims in Europas Politik abzustecken. Sarkozy ist auf jeden Fall der nächste Regierungschef, der von Merkel “geopfert” wird. Eine bessere Krisenpolitik hätte wenigstens Sarkozys Chancen auf eine ausgeglichene, enge Wahl hoch gehalten. Damit ist Essig. Merkel wird natürlich versuchen, dem neuen französischen Präsidenten Hollande ihr Europa-Spardiktat aufzudrücken. Wir sind schon gespannt, ob und wie weit Hollande diesen Weg mitgeht. Klitzekleine Veränderungen wird es trotzdem geben (müssen). Juncker hat für uns in dieser Krise an Statur verloren.


“Marshall-Plan soll Konjunktur in EU retten"
EU-Kommission will 200 Milliarden Euro gegen Krise bereit stellen. Lesen...

Kommentar: Wir erinnern uns: Barroso erteilte erst vor wenigen Tagen, Forderungen nach einem “Marshallplan” für Athen, eine Absage. Die internationale Hilfe für Griechenland sei mittlerweile um ein Vielfaches höher als im historischen Marshallplan für die westeuropäischen Länder nach dem 2. Weltkrieg (Quelle u. a.: “faz.net”, 18.04.2012) oder gleich hier bei uns: “Europas Lügen haben kurze Beine!”, Standpunkt 199.

Andererseits geht es um einen Betrag der - gemessen an den Hilfsprogrammen für die Banken – nicht gerade üppig ist. Natürlich sehen das die deutschen Stammtisch-Meinungsführer anders. Denen ist auch das zu viel.  Schon die EU-Strukturfonds geben normalerweise mehr her. Aber es wäre wenigstens ein Anfang. Bei den üblichen EU-Streitigkeiten darüber, was gefördert wird und wer wieviel bekommt, wird es wahrscheinlich viel zu lange dauern, bis irgendeine Maßnahme in irgendeinem Land tatsächlich Wirklichkeit wird.   


“Krisenländer bleiben nur Lohnkürzungen”
Der designierte Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS), Christian Keuschnigg, hält eine Senkung der Löhne in den stark verschuldeten Euro-Ländern für unvermeidlich, weil es ohne sie kein Wachstum geben könne. Lesen ... 

Kommentar: Könnte ein Mann von Merkels Gnaden sein. Besser, er dürfte diesen Job nicht antreten, aber vielleicht gibt er ja dem “Institut für Höhere Studien” eine abgehobene, wirklichkeitsferne Ausrichtung. Es ist die alte Leier der rückwärtsgewandten Ökonomen, dass sinkende Löhne für mehr Wachstum sorgen.

Da ist es auch nicht mehr verwunderlich, wenn Keuschnigg den Eurozonen-Ausstieg möglich machen will. Hat wohl was mit der alten Volksweisheit vom "Weg des geringsten Widerstandes” zu tun.


“Chinesische Investoren auf Einkaufstour in Deutschland”
Vor allem fest im Markt verankerte, innovative mittelständische Unternehmen aus Deutschland stehen bei chinesischen Investoren derzeit hoch im Kurs. Lesen ...

Kommentar: Die Meldung ist schon einige Tage alt. Sie soll die Nachrichten in der gestrigen Ticker-Ausgabe ergänzen. Befördert unsere kritische Haltung. Es ist nicht verwunderlich, dass der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) das chinesiche Interesse am hochspezialisierten Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland als “ein gutes Zeichen für Jobs und Investitionen hierzulande” wertet.


“Bulldogge mit Stahlhelm und Jesus”
Neuseeland hat ein Problem mit Maori-Gangs und Massenvergewaltigungen. Der Weg zu Gott ist in der englischsprachigen Welt kurz und steht jedem armen Hund offen. Er muss sich nur umdrehen, und schon ist der DOG bei GOD angekommen. Etwas weniger geradlinig führt der Weg von der Bulldogge zum Stahlhelm. Lesen …

Kommentar: Gerne wird Neuseeland aus der Ferne als Paradies beschrieben. Wirtschaft in Ordnung, Finanzen auch. Wirklich alles in Butter? Lesen Sie selbst...   


“Luxusgut Energie – Millionen von Bürgern wird der Strom abgedreht”
Immer mehr Bundesbürgern fehlt das Geld für ihre Stromrechnung. Verbraucherschützer schlagen Alarm: Bis zu 15 Prozent der Bevölkerung sind bundesweit von Stromsperren betroffen. Und: Nicht nur Arbeitslosen werden die Energiekosten zu hoch. Lesen ...

Kommentar: Die Armut ist auch hierzulande nicht mehr sehr weit weg. Was hier passiert,  nennen wir in unserem Standpunkt No. 191 eine “sanfte Enteignung”. An diesem Beispiel sehen wir, wie schmerzhaft “sanft” sein kann. Bitte nicht vergessen, die Sparprogramme für Europa werden auch in Deutschland ihre Spuren hinterlassen.  

Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.