Dienstag, 15. Mai 2012

Standpunkt 226 - Nachrichten-Ticker, 14.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Marc Faber: “Eurozone ganz auflösen”
Der Schweizer Ökonom rät zu einer Rückkehr zu den Einzelwährungen in Europa. Und Griechenland hätte man schon vor Jahren aus dem Euro schmeissen müssen. Lesen ...

Kommentar: Faber scheint auch im Kopf zu weit weg von Europa. Wie einfach, den Euro zu verteufeln oder als “unglaublich dumme Idee” zu beschreiben. Von einem Engländer kann man wenig anderes erwarten, von einem Schweizer schon. Aber vielleicht ist Faber nicht klar, wie wichtig der Euro auch für die Schweiz noch werden kann. Ein Rückschritt in die Zeit vor 1998 für Europa zu fordern, diese Forderung disqualifiziert sich von alleine. Oder weiß Faber mehr? Beschäftigt er sich vielleicht schon mit den mindestens 700 Billionen Derivatemüll, der mittels UBS und Credit Suisse in absehbarer Zeit auch sein Heimatland bedroht? Diese Forderung löst keines der bestehenden Probleme, nützt nur den USA. Die Schulden in Europa lassen sich nicht durch eine Rückabwicklung der Gemeinschaftswährung regulieren. 


Neue 30-Milliarden-“Brandmauer” für Spaniens Banken
Die von der Immobilienkrise gebeutelten spanischen Banken haben wie von der Regierung angeordnet weitere Milliarden-Rückstellungen für faule Hypotheken angekündigt. Lesen …

Kommentar: Eine riesige Summe und trotzdem nur eine Kleinigkeit. Nach einer Studie von Daniel Gros sind die spanischen Immobilien noch immer mit rund 300 Milliarden Euro überbewertet. Wer soll dafür bezahlen? Die spanischen Steuereinnahmen reichen dafür jedenfalls nicht aus. Aber auch da gilt: Weg vom Euro, hin zur nationalen Währung, ist keine Lösung. Die Schulden verschwinden nicht. Die stecken in den Banken. Die gilt es endlich zu auseinanderzunehmen, nach dem Aschenputtel-Prinzip.     


Spaniens Reform kommt zu spät
Die Schaffung von Bad Banks soll Spaniens angeschlagenes Bankensystem retten. Doch die Initiative von Ministerpräsident Mariano Rajoy kommt viel zu spät. Die Vertrauenskrise bei den Anlegern wird die Reform nicht stoppen. Lesen …

Kommentar: Welche Reform? Welche Anleger? Was Spaniens Ministerpräsident plant, ist ein Akt der Verzweiflung, mehr nicht. Und von Anlegern keine Spur, Spekulanten bevölkern den Schauplatz Spanien. Spaniens Kopf steckt schon in deren Schlinge, je mehr das Land sich bewegt, umso schneller zieht sich diese Schlinge zu. Seine europäischen Freunde stehen um den spanischen Patienten herum und rufen mit vor Angst schweißnassen Händen laut um Hilfe. Das war’s. 


Toll, dass sich Deutschland bewegt
Wachstumspolitik, Lohnerhöhungen, Inflation - überall müssen deutsche Vertreter ihre scheinbar in Beton gegossenen Positionen räumen. Tatsächlich ist das ein Glücksfall für das Land und für ganz Europa.  

Kommentar: Der Wunsch ist der Vater des Gedanken. Noch ist es blanke Illusion anzunehmen, Berlin bewegt sich doch. Den deutschen Stammtischlern wäre das noch nicht zu vermitteln. Die deutschen Positionen sind nach wie vor in Beton gegossen. Auf Hilfe können wir nur von Außen hoffen. Der Besuch von Hollande, Neuwahlen in Griechenland oder die heraufziehende Mega-Krise in Spanien werden hoffentlich Wirkung zeigen. Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg. Dafür sorgen die Betonköpfe von der CSU und die Verteidiger alt-liberaler Lehren von der FDP. Letzteren wurde mit den Wahl-Ergebnissen in Schleswig-Holstein und NRW dummerweise der Rücken gestärkt.     


Wirtschaftswunder: Geben ist seliger denn nehmen
Ein altes Leiden: Seit innerhalb der Europäischen Union so etwas wie Umverteilung passiert (also Förderungen für weniger entwickelte Regionen, für die das Geld überwiegend von den reicheren Staaten stammt), klagen die Nettozahler über die ihnen auferlegten Belastungen und über die Faulheit derer, die davon profitieren. Das ging schon seit den Tagen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) vor 1993 so. Und es hat sich natürlich nicht verbessert, seit die „Reichen" nicht nur für die Finanzierung von Straßen, Pilotanlagen oder grenzüberschreitende Zusammenarbeitsprojekte aufkommen müssen, sondern zusätzlich noch Kredite oder zumindest Garantien für notleidende Eurostaaten bereitstellen müssen. Vor allem in Deutschland hat man in diesen Diskussionen stets den Eindruck, das Land verarme angesichts dieser Belastungen zusehends. Lesen ...

Kommentar: Die diesem Artikel zugrunde liegende Untersuchung kommt zu einem interessanten Ergebnis, was die Überschrift schon vorweg nimmt. Die Frage nach dem Hauptprofiteur erübrigt sich. Wichtig ist die Feststellung, dass sich jeder gegebene Euro zweistellig verzinst hat. Damit ist das Gejammere der europäischen Nettozahler widerlegt. Außerdem wird noch einmal deutlich, dass die EU mit ihrer Förderung wenig entwickelter Regionen schon von Beginn an eine Transferunion ist.


Die Systemfrage
Wieso ist die Eurozone politisch und wirtschaftlich instabil, was droht den USA und China und warum gedeiht die Schweiz? Ökonom Daron Acemoglu liefert die Erklärung. Lesen ...

Kommentar: Freundlicherweise erklären sich unsere Nachbarn die Welt. Logisch, dass der Rest da nicht besonders gut wegkommt. Wir erkennen an, und das wird in der Beschreibung zur Schweiz deutlich, dass in diesem Land alles versucht wird, die alten Tugenden aufrecht zu erhalten. Nur wird es nicht funktionieren. Die Schweiz schafft gerade, auf Druck der USA, ihr Steuergeheimnis ab. Die Banken dort erwarten in den kommenden Jahren als Folge dieser Entwicklung ein massenhaftes Bankensterben. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind fragil, abhängig von der Entwicklung in Europa. Die Rettung des Euro muss der Schweiz eine Herzensangelegenheit sein. Es gibt eine Konzentration von Macht, der Staat und Bürger machtlos gegenüberstehen. Es sind die beiden Großbanken, UBS und Credit Suisse (CS), die nach der Finanzkrise 2008 die Macht durch eine bedingungslose Garantieerklärung der eidgenössischen Regierung übernommen haben. Die Schweizer hören das nicht gerne, weil diese Verpfändung der Schweiz an ihre beiden “too big to rescue”-Banken einfach so, ohne Volksentscheid, passiert ist. Platzt irgendwann die Hunderte von Billionen Dollar schwere Derivateblase dann platzen UBS und CS gleich mit. Daran führt definitiv kein Weg vorbei. Da hilft kein “rette sich wer kann” mehr, der Franken oder die Schweizer Nationalbank. Wenn das passiert, steht die Schweiz still, genau wie der Rest der Welt. Die Systemfrage? Belanglos.


Inventur mit der Goldwaage
Bilanz-Schummel bei der Bundesbank? Die Kontrolleure vom Rechnungshof monieren unzureichende Sorgfalt - gerade was die Goldbestände angeht, die im Ausland lagern. Doch Inspektionen in fremden Goldkellern könnten als Affront gewertet werden. Lesen ...

Kommentar: Jetzt hat das WWW-Getrommel um die Frage nach dem deutschen Gold endlich die Aufmerksamkeit der deutschen Leitmedien erreicht. Der Aufruf “Holt unser Gold heim!” (hier) verhallt nicht ungehört. Eine sehr scheinheilige Forderung, wie sich uns jetzt offenbart hat. Wir sind aktuell bei “goldseitenblog.com” auf den Eintrag “Deutsches Gold, Bundesbank und Bundestag: Lasst uns endlich Taten sehen!” gestossen. Bitte hier lesen. Den haben wir wie folgt kommentiert: “Was für eine Sau jagt Ihr denn hier durchs Dorf? Ihr veräppelt doch Eure Leser! Welche Goldvorräte? Wer sich informieren möchte, der kommt zu folgendem Ergebnis: Bestenfalls 13% des Goldes sind noch greifbar für Deutschland. Die Mengen, die in NY und London liegen sind definitiv weg. Das pfeifen die Spatzen in den USA schon seit vielen Jahren von den Dächern. Liegt am US-Kriegsrecht. Die Buba weiß das, die Regierung auch. Deshalb gibt es auch keine Informationen mehr. Daran beisst sich auch jeder noch so engagierte Staatsanwalt die Zähne aus: ist intern. Recht, stupid.” Die Kommentare dort werden moderiert, d. h. erst gesichtet, für gut befunden und dann veröffentlicht. Nicht so unser Kommentar. Wir erhalten vom Autor, P. Boehringer, die folgende Stellungnahme per Email, die wir wortgetreu wiedergeben: “Hallo Ökonomiker, Vermutlich beschäftigen wir uns mit dem Thema mind. 10 Jahre länger als Sie. Klar haben Sie inhaltlich nicht unrecht, das ist alles bekannt. Aber hier geht es nur um Öffentlichkeit und Wirkung! Nur diese u.g. "Wahrheiten" wiederholen (was ich auch mal mehrere Jahre lang gemacht habe), bringt doch nix. Der Öffentlichkeit wird erzählt, dass alles da ist. Also messen wir die Lügner daran. Aus taktischen Gründen (nicht aus inhaltlichen) will ich solche Kommentare darum nicht im Blog haben. Das "Ihr seid doch naiv! Was für eine Sau... Veräppelung..." Argument haben wir im Blog schon 100x debattiert. Bitte ab und zu mal lesen. Danke PB”. In ihrem Kern eine sehr aufschlussreiche Antwort. Vielleicht sehen wir das zu altmodisch, aber muss es nicht eine Unterscheidung zwischen denen und uns geben? Die sind es, die lügen, betrügen, tricksen und täuschen, wir sind die Anständigen, nennen die Dinge beim Namen, kämpfen fair und schicken keinen Fake los, auf den die andere Seite bestenfalls auch wieder nur mit einem Fake antwortet. Aus taktischen Günden, versteht sich. Und es werden die für dumm verkauft, die ernsthaft daran glauben, dass es noch etwas zu holen gibt. Übrigens, es ist ja noch alles da, nur nicht hier, was die Buba (Bundesbank) auch nicht behauptet. Sie hält dann lieber ganz die Klappe.