Dienstag, 1. Mai 2012

Standpunkt 208 - Nachrichten-Ticker, 30.04.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


“Uno warnt vor weltweiter Massenarbeitslosigkeit”
Die Weltwirtschaft erholt sich langsam von der Krise, nicht aber die Arbeitsmärkte. Vor allem Jugendarbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit sind ein weltweites Problem, mahnt die Internationale Arbeitsorganisation. Lesen...

Kommentar: “Der globale Trend zur Lohndrückung”, nennt es der DGB in einer Analyse über den Exitus der amerikanischen Mittelschicht. Das ist einer der Hintergründe für die absehbare Entwicklung in den Industriestaaten und, zwangsläufig, im Rest der Welt. Mit unterschiedlichen Auswirkungen. Noch ein Zitat aus der erwähnten Analyse: “Dem Arbeitsplatzabbau von 8% im Finanz- und Versicherungswesen stehen 27% im Bausektor und 17% in der verarbeitenden Industrie gegenüber.” Die Zahlen betreffen die USA, sehen so ähnlich aber auch schon in vielen Ländern Europas aus. Wer glaubt ernsthaft, dass Deutschland von einer ähnlichen Entwicklung verschont bleiben wird. Nur dann, wenn die europäische Krise ohne Spardiktate, neue Bankenhilfspakete und durch eine Zerschlagung der Spekulationen bekämpft wird. Wer sich die DGB-Analyse näher ansehen will, der findet sie hier.


„Ein Hedgefonds für das Weiße Haus“
Amerikas Banken wollen chirurgisch in den Wahlkampf eingreifen. Mit einem hoch umstrittenen Aktionskomitee, das beliebig viele Spenden sammeln und für Wahlkampagnen einsetzen darf. Kritiker wittern eine Art Hedgefonds im Kampf um das Weiße Haus. Lesen …

Kommentar: Obamas „Yes We Can“ bekommt immer wieder eine neue Bedeutung. Dieses Mal lässt er sich schon vor der Wahl den Schneid abkaufen. Wenn diese Präsidentschaftswahl vorbei ist, wird Barack Obama endgültig zum 1% gehören und gegen die anderen 99% regieren. Die Bezieher von Food-Stamps, Bewohner der Zeltstädten, Obdachlosen und Armutgefährdeten werden sicherlich begeistert sein. Genauso wie wir Europäer dann begeistert sein werden: die Krise Europas wird dann in eine neue Dimension spekuliert. 


“UN-Behörde warnt vor Folgen der Sparpakete” 
Die Internationale Arbeitsorganisation schlägt Alarm: Die in Europa im Zuge der Schuldenkrise aufgelegten Sparprogramme haben den Experten zufolge verheerende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Deutschland bekommt als eines der wenigen Länder ein gutes Urteil. Lesen...

Kommentar: Was hier steht, spricht gegen unsere Einschätzung von oben. Trotzdem bleiben wir dabei. Deutschland als Insel der Glückseligkeit? Für uns undenkbar. 


“EU und Euro-Raum: Rekord-Arbeitslosigkeit”
Nach der Lissabon-Strategie des europäischen Rats vom Jahr 2000 sollte die EU bis 2010 zur dynamischen, Technik basierten Wachstumsregion der Welt werden. Doch dynamisch wachsen allein Staatsschulden und Arbeitslosenzahlen. Kurz vor Ostern meldete die EU-Kommission die höchste Arbeitslosigkeit seit der entsprechenden Aufzeichnung in EU und Euroraum: 10,2% für die EU-27 und 10,8% für den Euroraum. Jeder neunte Einwohner von Euroland ist ohne Arbeit, die verdeckte Arbeitslosigkeit und Statistikmanipulationen noch gar nicht eingerechnet und auch nicht das zunehmende Ausmaß prekärer Arbeit. Vor allem aber dies: Hinter den nüchternen Prozentzahlen verbergen sich Millionen von Einzel- und Familienschicksalen. In Europa sind inzwischen fast 25 Millionen (24,55 Millionen) ohne Arbeit. 25 Millionen – das entspricht dem Arbeitskräftepotenzial von ganz Frankreich. Konzentriert auf ein Land bedeutet diese Zahl, dass in ganz Frankreich kein einziger arbeitsfähiger Mensch einer bezahlten Arbeit nachgehen könnte. Lesen...

Kommentar: Hier kommentieren wir nichts mehr. Die Zahlen und Aussagen in dem Artikel sprechen für sich. Da helfen keine positiven Vorhersagen von EU, IWF, Weltbank, ILO, usw.   


“Mehr Wachstum – ohne Schulden”
Ist mehr Wachstum in der Euro-Zone erreichbar, ohne die fiskalpolitische Disziplin aufzugeben? Ja, sagt Ökonom Clemens Fuest. Aber die Staatshaushalte müssen bei Subventionen kürzen und mehr investieren. Lesen...

Kommentar: Achtung, Herr Fuest, ist dieser Vorschlag abgesprochen? Er liest sich wie ein kleiner Vorstoß in die richtige Richtung. Nur unvorstellbar, dass die deutsche Wirtschaft oder die Bauern in Frankreich, Spanien und Italien damit einverstanden sein werden, von den anderen Subventionsgünstlingen ganz zu schweigen. Das weiß auch Herr Fuest. Wir sind deshalb äußerst gespannt, was aus dieser Idee wird.  


Us-Notenbanker Williams: ”Das Schlimmste ist noch nicht vorbei”
US-Notenbanker John Williams fürchtet eine neuerliche Eskalation der Krise in der Eurozone und warnt vor übertriebenen Sparmaßnahmen der Staaten. Die USA sieht er derzeit auf einem guten Weg. Lesen ...

Kommentar: Wir nehmen an, Williams, ist bestens informiert über die nächsten Schritte gegen den Euro. Was die Entwicklung in den USA betrifft: Blumige Worte im Wahlkampf, sonst nichts.


"Ihr selbstgerechten Deutschen!" 
Die deutsche Regierung pocht auf strengere Regeln in Europa. Damit verkennt sie das Wesen der Euro-Krise, schreibt der britische Ökonom Simon Tilford. Lesen ...

Kommentar: Natürlich, wir brauchen keine Belehrungen von der Insel. Aber es gibt Ausnahmen. Simon Tilford liefert eine Außenansicht, die nachdenklich macht. Er hält "die deutsche Obsession, immer mehr Regeln und Disziplin zu wollen", für eine "perverse Politik" und einen "Teufelskreis". Die Folge seien "eine brutale kontraktive Politik in der gesamten Region." Tilford fordert institutionelle Reformen, die nach seiner Meinung vom deutschen akademischen Establishment und den Medien abgelehnt werden. Täglich gerät Spanien mehr unter Druck (heute wurden die Banken herabgestuft), die weitere Entwicklung wird solchen Ideen Gehör verschaffen. Deutschland wird dabei keine Führungsrolle übernehmen. 


“Die willigen Helfer der einzigen Demokratie”
Der Literaturnobelpreisträger wagte es auszusprechen: „Israel stellt eine Gefahr für den Weltfrieden dar.“ Fakt ist, daß Israel keine anderen „Atom-Götter“ neben sich dulden will. Es darf in Nahost nur eine Atommacht geben. Fakt ist auch, daß Israel schon mehrfach gezeigt hat, daß es auch wahr macht, was es ankündigt. Fakt ist ferner, daß Günter Grass viel eher und viel mehr hätte sagen müssen . Aber besser spät als nie! Fakt ist ebenso, daß noch viel mehr über die Menschenrechtsverletzungen des jüdischen Staates Israel gesagt und geschrieben werden muß; es ist noch nicht alles gesagt und in der Öffentlichkeit angekommen. Lesen ...

Kommentar: Kein Kommentar. Nur noch der ausdrückliche Hinweis auf den Artikel des Israel-Korrespondenten der “F.A.Z.”, Hans-Christian Rößler, der hier zu finden ist.  


“China mulls guarantees for ships carrying Iran oil”
China is considering sovereign guarantees for its ships to enable the world's second-biggest oil consumer to continue importing Iranian crude after new EU sanctions come into effect in July, the head of China's shipowners' association said. Lesen ...

Kommentar: China verfolgt dickköpfig seine eigenen Interessen. Nicht nur in Europa, Afrika und Nordamerika. Diese Lektion werden auch die deutschen/europäischen Politiker und Konzernchefs lernen. Manch einer wird da noch dumm aus der Wäsche gucken.  


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