Dienstag, 1. Mai 2012

Standpunkt 209 - Nachrichten-Ticker, 01.05.


Hier stellen wir für unseren LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Zum 1. Mai nichts als leere Worte zur Krise
Sie bekennen sich zu sicheren Arbeitsplätzen, zu Mindestlöhnen, zu Tarifautonomie und sozialer Sicherung. Aber um das Elend in Südeuropa haben sich die Arbeiterführer bisher nicht geschert. Lesen ...

Kommentar: Was für ein Nonsens, dieser Vorwurf. Offensichtlich hat der Autor die Stichhaltigkeit seines Vorwurfes überhaupt nicht untersucht. Sonst hätte er nämlich zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen müssen. Sowohl DGB als auch einige Einzelgewerkschaften beschäftigen sich regelmäßig mit diesem Thema und machen gut begründete Lösungsvorschläge. Nicht zu vergessen die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung, die ebenfalls sehr ambitionierte Diskussionsbeiträge und Lösungen liefert. Ein Blick in den jeweiligen Internetauftritt hätte genügt. 

Der Autor wirft den Gewerkschaftsführern u. a. vor, nichts gegen die “fadenscheinig als Hilfspakete für notleidende Südländer” auf den Weg gebrachten Milliardenzahlungen, die aber auf den Konten der großen Banken in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und wo auch immer landeten, unternommen zu haben. Belegt wird diese Aussage mit dem Hinweis auf einen Artikel der “Zeit” vom 04.07.2011, erschienen unter dem Titel “Wer kassiert unser Geld” auch hier.

Eine klare Aussage, gut versteckt in einem verbalen Angriff auf die Gewerkschaften zum 1. Mai. Kein Geld an die Griechen, die haben es nur durchgereicht. Hoppla, wo war hier die Zensur? Beim Grillen? Klinisch rein wird sonst darauf geachtet, dass nur Griechenland oder die Griechen, Irland oder die Iren, Portugal oder die Portugiesen, Spanien oder die Spanier, usw., usw., Nutznießer der Milliarden aus den diversen Hilfspaketen sind. Nie ein Wort von den Banken, für die diese Pakete geschnürt werden.

Zur wahrhaftigen Berichterstattung hat in diesem Zusammenhang nur noch gefehlt, den Betrag zu nennen, den Deutschland bisher zu den Hilfspaketen beisteuern musste. Lt. eines Berichts des Bundesfinanzministeriums sind insgesamt vergleichsweise niedrige 33,3 Milliarden Euro ausbezahlt (Stand April 2012, Quelle: Bundesfinanzministerium). HRE, WestLB, BayernLB, SachsenLB, Commerzbank, Postbank, usw. waren sehr viel teurer. Gerade für HRE, WestLB und Commerzbank ist das Ende noch offen. Alleine bei der HRE geht es um über 200 Milliarden Euro!      

Die folgenden Nachrichten als Antwort auf den obigen Artikel:


Gewerkschaften kritisieren "gierige Eliten"
Auf ihren Mai-Demonstrationen kämpfen die Gewerkschaften nicht nur für einen Mindestlohn in Deutschland. Sondern auch gegen die Sparpakete in Europa.. Lesen …

Ergänzung: Entscheidend ist der Inhalt, nicht die Überschrift.   


Deutscher Job-Boom wird mit Hungerlöhnen bezahlt
Rundumschlag gegen Politiker, Banken und Spekulanten: DGB-Chef Sommer hat die Gewerkschaften auf einen harten Kampf eingeschworen. Er will kräftige Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmer durchsetzen. Lesen...

Ergänzung: Es geht auch hier um Europa. 


Auch die UNO warnt vor zu hartem Sparkurs
Die Finanz- und die Schuldenkrise haben seit 2008 zig Millionen Jobs vernichtet. Sparen sei die falsche Medizin, bilanziert die UNO – und warnt Europa indirekt vor sozialen Unruhen. Lesen...

Ergänzung: Noch einmal geht es um den “Bericht über die Welt der Arbeit” der ILO. Die Aussagen dort decken sich nicht mit denen der europäischen Politiker.

 
Hände weg von Griechenland-Anleihen
Die Renditen griechischer Anleihen sind derzeit verlockend hoch. Anleger sollten davon trotzdem die Finger lassen. Denn Fehleinschätzungen haben in Griechenland eine lange Tradition – und allzu lange werden die Griechen nicht mehr in der Eurozone verweilen. Lesen ...

Kommentar: Aha, die Griechen raus aus der Eurozone. Wie lange schon trommeln die deutschen Leitmedien für diese Lösung der europäischen Krise? Zeichnet sich etwa ein Erfolg ab? Schliesslich wird in Griechenland selbst im gerade laufenden Wahlkampf emsig über dieses Thema diskutiert. Dort ist das Ergebnis noch offen. Weiß der Autor mehr? Liegen in Berlin und bei der Journaille die Pläne schon fix und fertig in der Schublade? Warten wir es ab.

Schon am 03.11.2011 haben wir geschrieben: “Verliert Europa Griechenland, verliert es seine Einheit. Es ist danach nur noch eine Frage der Zeit, bis weitere Länder über diese Klinge springen (müssen). Der Kontinent fällt zurück in die Kleinstaatlichkeit, die schon vor Jahrzehnten überwunden schien. Wirtschaftlich und politisch unbedeutend, aber in schönster Feindschaft verbunden mit Deutschland, dem maßgeblichen Verursacher dieser Entwicklung. Dann ist Europa endgültig zu einer Farce verkommen.“ Den vollständigen Beitrag „Europa auf dem Weg zur Farce!“ gibt es hier. Nach wie vor halten wir an dieser Einschätzung fest.


Juncker kritisiert deutsche Haltung als beleidigend
Euro-Gruppen-Chef Juncker unterstützt wie Kanzlerin Merkel eine Kapitalerhöhung der Europäischen Investitionsbank. Dort hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf: Der Luxemburger zeigt sich von Deutschland und Frankreich tief enttäuscht. Lesen...

Kommentar: Der Oberlehrer Deutschland kommt mit seiner Art nicht gut an. Besonders dann, wenn die Dinge so ganz anders sind, wie es in der Heimat so gerne dargestellt wird. Natürlich wird sich Berlin quer durch alle Parteien entrüstet zur Wehr setzen. An den deutschen Stammtischen ist Juncker sowieso schon als Depp abgestempelt. Die Fakten werden einfach weggeschwiegen.


Im Visier der Ratingagenturen: Geht Spanien pleite?
Die Ratingagentur Standard & Poor’s sieht die Lage Spaniens äußerst kritisch. Droht ein zweites Griechenland? Oder hat die Volkswirtschaft eine Zukunft? Die Analyse. Lesen...

Kommentar: Eine Analyse ist es vielleicht, leider bleibt der Autor die Antwort auf seine in der Überschrift gestellte Frage schuldig. Der Artikel beschreibt wenigstens einigermaßen genau die aktuelle Lage in diesem Land.   


Wir haben unser Angebot erweitert. Einzelheiten dazu hier.