Freitag, 4. Mai 2012

Standpunkt 211 - Nachrichten-Ticker, 03.05.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ... 

Erst einmal möchten wir uns aber dafür entschuldigen, dass wir die ersten Nachrichten-Ticker ungewohnt schlampig geschrieben haben. Wir geloben Besserung. Als erste Maßnahme werden wir bis auf weiteres nicht mehr spät in der Nacht, sondern am frühen Morgen den aktuellen Beitrag online stellen. Die bisher erschienenen Beiträge haben wir noch einmal überarbeitet. 


Deutsche unterstützen Merkels Sparkurs in Europa
Eine klare Mehrheit der Deutschen befürwortet den europäischen Fiskalpakt. Neue, teilweise kreditfinanzierte Wachstumsprogramme lehnen sie ab. Nur Anhänger der Linkspartei denken anders.   

Kommentar: Es läuft gut für die Bundeskanzlerin. 55% Zuspruch sind ein erkleckliches Ergebnis. Es funktioniert wunderbar, das Zusammenspiel der Leitmedien und die Propaganda der Regierung und ihrer vielen Berater. Die Menschen verweigern sich regelrecht den offensichtlichen Fakten. Das Erwachen wird dramatisch. 

Erstaunlich finden wir, dass die Linke offensichtlich die Funktionsweise des Kapitalismus verstanden hat. Außerdem das Wesen und die Ziele des Neoliberalismus oder stellenweise Neokonservatismus. Politisch kann die Partei daraus keinen Nutzen ziehen.


Die Legende vom EU-Musterschüler Deutschland
Mit heftigen Worten hat Luxemburgs Regierungschef Jean Claude Juncker die deutsche Überheblichkeit in der Euro-Krise gegeißelt. Sie sei Teil des Problems. Recht hat er. Lesen …

Kommentar: Der Autor nennt es „eine berechtigte Kritik aus Luxemburg“, wenn Juncker deutliche Worte findet: „Das ist Teil des Problems, so zu tun, als ob Deutschland das einzig tugendhafte Land der Welt wäre.“ Die Fakten dazu liefert Thewes gleich dazu: „Spaniens Haushaltsführung war jahrelang deutlich solider“ oder „Deutschland profitiert von der Krise der anderen“. Die Deutschen wollen diese Tatsachen aber nicht hören/lesen.


Spanien muss höhere Zinsen für frisches Geld bieten
Spanien hat bei den Investoren frisches Geld eingesammelt und dafür weit höhere Zinsen als zuletzt zahlen müssen. Lesen...

Kommentar: Statt 3,69% zuletzt, wurden jetzt hohe 4,96% Zinsen für 5 Jahre Laufzeit gefordert. Bei den dreijährigen Anleihen wurden satte 4,037% statt zuletzt nur 2,61% fällig. Unbezahlbar. Für diese Feststellung muss man kein Mathematiker oder Ökonom sein. Wir stehen am Anfang einer unseligen Entwicklung. Die zu bekämpfen, dafür genügt kein Merkel’scher Wachstumspakt, für den der EZB-Chef Draghi schon die ersten Pflöcke einschlägt.


Draghi skizziert seinen Wachstumsplan für Europa
Der EZB-Chef Mario Draghi konkretisiert seine Forderung nach einem Wachstumspakt – und stellt klar: Die Europäer müssen weiter sparen. Er setzt vor allem beim Arbeitsmarkt auf Liberalisierung. Lesen...

Kommentar: Es sind die alten Mittel, bestenfalls neu formuliert: “Wir müssen das Wachstum wieder in den Mittelpunkt stellen, aber das widerspricht nicht der Notwendigkeit einer weiteren Konsolidierung.” Sparen ist weiter erste Staatenpflicht, der Arbeitsmarkt muss flexibler werden, kürzlich war es auch noch der Abbau angeblicher Wohlfahrtsleistungen, die Draghi für unumgänglich hält, um die Staatsfinanzen wieder auf Vordermann zu bringen. Das sind die ewig gestrigen, so auch von Goldman Sachs vertretenen Ideen, die immer noch als alternativloses Allheilmittel in der Öffentlichkeit verbreitet werden. In Deutschland durch die Agenda 2010 schon vor Jahren zukunftsfähig gemacht. Die Ergebnisse kennen wir: Lohnminusmeister, Rekord-Unternehmensgewinne, massive Zunahme minderwertiger und schlecht bezahlter Jobs, minimale Rentenanwartschaften (die Folge: der Staat muss zuzahlen, was wieder den Wohlfahrtsstaat am Leben hält), um die Umverteilung des Vermögens weiter voran zu treiben. Die Statistiken sprechen schon längst eine eindeutige Spache, nur hört keiner hin. Prof. Sinn und Konsorten - Akademiker, die sich von ihren Theorien vollkommen überzeugt geben - assistieren dabei. Mark Schieritz beschreibt es im “Herdentrieb-Blog” so: “Der deutsche Sonderweg in der Ökonomie (hier).  


Euro-Krise: Bill Clinton fordert Ende der Sparsamkeit
Der ehemalige US-Präsident kritisiert die Sparpolitik der deutschen Regierung und fordert einen Wachstumskurs als Weg aus der Krise. Als Vorbild nennt er ein Beispiel aus den ebenfalls hochverschuldeten USA. Lesen ...

Ergänzung: Clinton fordert eine Transferunion: Wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland sollen schwache Mitgliedsstaaten durch die Krise bringen. Ansonsten ein “bemerkenswertes” Statement für den US-Präsidenten, der durch Abschaffung des Glass-Seagall-Act  von 1933 das letzte ernsthafte Hindernis für die Finanzindustrie 1999 beseitigt hat.  


Deutsche Maschinenbauer leiden unter Euro-Schuldenkrise
Die deutschen Maschinenbauer bekommen die Schuldenkrise in den Euro-Ländern zu spüren. Im März brachen die Bestellungen aus der Region um 17 Prozent ein, wie Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA, am Donnerstag sagte. Für positive Impulse sorgten dagegen florierende Geschäfte mit Kunden außerhalb Europas. Insgesamt schrumpfte der Auftragseingang im März um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Lesen ...

Ergänzung: Im März war die Stimmung in deutschen Unternehmen besser als erwartet: Zum fünften Mal in Folge steigt der Ifo-Index. Experten werten den Anstieg des Konjunkturbarometers als Zeichen von Stabilität. Die Wachstumsprognosen für die Wirtschaft in Deutschland sind positiv. Die “Süddeutsche” beschreibt es mit: “Unbeirrt durch die Krise” (vgl. hier). Schon verwunderlich, dass die deutsche Paradedisziplin, der Maschinenbau, nicht dazugehört. 


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